Katholisch leben zwischen den Gottesdiensten

1761von M. Bene­dikt Buerger

Im Kate­chis­mus heißt es über die geeig­ne­ten Orte des Gebets (KKK 2691): „In einer christ­li­chen Fami­lie begün­stigt eine sol­che Gebets­stät­te das gemein­sa­me Beten.“ Das Wort Gebets­stät­te heißt im Ori­gi­nal „par­vum ora­to­ri­um“, was der eng­li­sche Text bes­ser mit „litt­le ora­to­ry“ wie­der­gibt. „The Litt­le Ora­to­ry“ ist auch der Titel eines neu­en, bei „Sophia Insti­tu­te Press“ erschie­ne­nen Juwels, das ein Leit­fa­den für Anfän­ger ist, um in der Heim­statt zu beten. Auf rund 200 Sei­ten beant­wor­ten die Autoren David Clay­ton, Pro­fes­sor am Tho­mas More Col­le­ge, und Lei­la Marie Law­ler von „Like Mother Like Daugh­ter“ die Fra­ge, wie man katho­lisch lebt zwi­schen den Got­tes­dien­sten, an denen man in der Kir­che teil­nimmt. Bei­de Autoren sind Kon­ver­ti­ten, so daß die­ses ein­heit­li­che Glau­bens­le­ben für sie nicht wie selbst­ver­ständ­lich in der eige­nen Fami­lie prak­ti­ziert wur­de. In unse­rer immer welt­li­che­ren Gesell­schaft ist „The Litt­le Ora­to­ry“ eine gro­ße Hil­fe jedoch auch für sol­che, die in einem mehr oder weni­ger christ­li­chen Heim auf­ge­wach­sen sind. Es ist für den Nicht-Mut­ter­sprach­ler die Mühe wert, hin und wie­der ein Wör­ter­buch zur Hand zu neh­men, um „The Litt­le Ora­to­ry“ zu lesen, wobei simp­le Schul­kennt­nis­se der eng­li­schen Spra­che zum Ver­ständ­nis des Buches genü­gen sollten.

Clay­ton und Law­ler schrei­ben: „Mit die­sem Buch sind wir dar­an inter­es­siert, das klei­ne Ora­to­ri­um, wie es der Kate­chis­mus nennt – Gebets­tisch, Haus­al­tar oder Iko­nen­ecke –, im Heim wie­der­zu­be­le­ben. Es ist eine bei­na­he ver­lo­re­ne Tra­di­ti­on, die eine ein­fa­che und schö­ne Brücke zwi­schen die­sen bei­den Orten – Heim und Kir­che – sein kann um des Glau­bens­le­bens der Fami­lie wil­len, und ent­spre­chend für die­ses gan­ze Pro­jekt, wel­ches das Leben des Chri­sten ist.“ Zunächst beschrei­ben die Autoren das Ver­hält­nis von Fami­lie und Heim­statt. So sei das Heim eine Schu­le der Schön­heit: „Die Erkennt­nis der Schön­heit bewegt uns, das zu lie­ben, was wir sehen. Wir sind davon ange­zo­gen, und dann dar­über hin­aus von der Quel­le, Gott.“

Das drit­te Kapi­tel beschäf­tigt sich sozu­sa­gen mit den mate­ri­el­len Aspek­ten des klei­nen Ora­to­ri­ums: Von der Fra­ge, ob Tisch oder Regal über wel­che Decken zu ver­wen­den sind bis hin zum Stil der Bil­der und der Ver­wen­dung von Weih­rauch. Dabei legen die Autoren immer wie­der dar­auf wert, daß es sich nur um Anre­gun­gen han­delt: „Eini­ge Heim­stät­ten sind groß genug für eine Kapel­le! Eini­ge wer­den nur ein klei­nes Regal oder die Mit­te ihres Eßtischs haben.“ Nicht für jede Fami­lie ist alles mach­bar, und schon gar nicht von jetzt auf gleich. Schön­heit gilt als Maß­stab, denn sie ver­mitt­le „mehr vom Glau­ben als alles ande­re“. Natür­lich bedeu­tet Schön­heit nicht Opu­lenz, viel­mehr liegt sie häu­fig gera­de in der Einfachheit.

Um das lit­ur­gi­sche Jahr geht es im näch­sten Kapi­tel, wobei hier haupt­säch­lich auf die lit­ur­gi­schen Jah­res­zei­ten ein­ge­gan­gen wird, wäh­rend im fol­gen­den fünf­ten Kapi­tel das Bre­vier­ge­bet, und damit die lit­ur­gi­schen Tages­zei­ten ange­spro­chen wer­den. Tat­säch­lich, die Autoren emp­feh­len, das Bre­vier­ge­bet in das Fami­li­en­le­ben ein­zu­bau­en. Erneut gilt, nichts zu über­stür­zen, son­dern mit einer ein­zel­nen Gebets­zeit, etwa der Kom­plet, zu begin­nen. Clay­ton und Law­ler emp­feh­len eini­ge eng­li­sche Aus­ga­ben für die soge­nann­te ordent­li­che Form – für den deutsch­spra­chi­gen Leser weni­ger rele­vant –, erwäh­nen jedoch auch lobend die über­lie­fer­te Lit­ur­gie, wobei sie ein­räu­men, daß bei täg­lich sich ändern­den Gebe­ten der Gebrauch der Lan­des­spra­che mehr Sinn macht als bei der hei­li­gen Mes­se, die in wei­ten Tei­len gleich bleibt.

Im sech­sten Kapi­tel beschrei­ben die Autoren in Kür­ze das Prin­zip der „lec­tio divina“, bevor sie im sieb­ten auf diver­se Andachts­übun­gen zu spre­chen kom­men. An jedem Tag gibt es ein bestimm­tes Geheim­nis zu betrach­ten – am Don­ners­tag etwa das Prie­ster­tum und die Eucha­ri­stie –, wie auch jeder Monat einen bestimm­ten Cha­rak­ter hat – im Juni ist es bei­spiels­wei­se das hei­lig­ste Herz Jesu. Die popu­lär­ste Andacht in der Kir­che dürf­te der Rosen­kranz sein, wor­um es im ach­ten Kapi­tel geht: „[…] beden­ken Sie die wirk­li­che Bedeu­tung, Erklä­run­gen und Beleh­run­gen ein­zu­schrän­ken. Die­se gehö­ren haupt­säch­lich in Nicht-Gebets­zei­ten. Unse­rer Kul­tur ist geplagt durch Erklä­run­gen. Wir haben die Fähig­keit ver­lo­ren, der Erfah­rung zu erlau­ben, der Leh­rer zu sein. Und wir haben gewiß jeg­li­che Geduld für jene Art des Ler­nes ver­lo­ren, die mit der Pra­xis kommt. Wir bau­en auf Wor­te in einer tech­ni­schen Wei­se, als stump­fe Instru­men­te zur Unter­wei­sung. Wir bau­en nicht auf die Bedeu­tung, die in ritu­el­len Wor­ten, die man mit der Zeit lernt, beinhal­tet ist.“ Wäh­rend für die hei­li­ge Mes­se ein Prie­ster zwin­gend not­wen­dig ist, so ist das fami­liä­re Gebet im klei­nen Ora­to­ri­um nicht auf einen sol­chen angewiesen.

Im neun­ten Kapi­tel machen Clay­ton und Law­ler die poli­tisch nicht ganz kor­rek­te Fest­stel­lung, daß es Auf­ga­be des Vaters als Haupt der Fami­lie ist, im Gebet zu füh­ren. Doch auch die Rol­len von Mut­ter und Kin­dern wer­den dis­ku­tiert. Wert­voll ist das umfang­rei­che zehn­te Kapi­tel, das sich mit den zahl­rei­chen Schwie­rig­kei­ten beschäf­tigt, die auf­tre­ten kön­nen und wer­den, wenn man ein fami­liä­res Gebets­le­ben auf­baut. Abschlie­ßend heben die Autoren den Ein­fluß her­vor, den eine Ver­wand­lung der Heim­statt auf eine Ver­wand­lung der Welt haben kann.

Eine Rei­he von Anhän­gen schließt sich an die „Sub­stanz“ des Buches an, wobei hier beson­ders lobend jener zum The­ma des gre­go­ria­ni­schen Gesangs zu erwäh­nen ist. „Selbst Sie kön­nen sin­gen!“, ist der Anhang über­schrie­ben und gibt dem Leser vie­le prak­ti­sche Rat­schlä­ge. Der Anfang ist die Rezi­ta­ti­on eines Tex­tes auf einer Note – rec­to tono –, und von dort aus kön­nen ein­fa­che Melo­dien lang­sam erlernt wer­den. „[…] Cho­ral wird haupt­säch­lich am besten durch Hören und Pra­xis erlernt.“

Eine letz­te Bemer­kung zur künst­le­ri­schen Gestal­tung von „The Litt­le Ora­to­ry“: David Clay­ton ist als Maler bekannt und hat eini­ge Iko­nen bei­gesteu­ert, die sich am Ende des Buches befin­den und her­aus­nehm­bar sind. Zudem ist am Beginn jedes Kapi­tels eine Iko­ne, die von Kin­dern aus­ge­malt wer­den kann. Im Inter­net ste­hen sie inter­es­sier­ten Fami­li­en übri­gens auch zur Ver­fü­gung, um sie selbst aus­zu­drucken. Deird­re M. Fol­ley, Toch­ter von Lei­la Marie Law­ler, hat vie­le rei­zen­de klei­ne Blei­stift-Illu­stra­tio­nen bei­gesteu­ert, die über das gan­ze Buch ver­streut sind. Ein Exem­plar von „The Litt­le Ora­to­ry“ gehört in jede Fami­lie. Eine deut­sche Über­set­zung ist nicht nur wün­schens­wert – sie ist drin­gend nötig!

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Buch fin­den Sie hier.

8 Kommentare

  1. Irgend­wie kommt mir das alles sehr bemüht und sehr über­la­den vor — ob damit auch nur irgend­ei­ner in den heu­ti­gen Patch­work­fa­mi­li­en wirk­lich was anfan­gen kann? 

    Wird nicht die Lat­te sehr hoch gesetzt? 

    Das klingt alles nach die­sem ame­ri­ka­ni­schen Kar­di­nal, der von den Lai­en nun ver­langt, dass sie die Kir­che ret­ten, selbst aber vor­nehm zurücktritt…

    Das Gebets­le­ben in der Fami­lie, „so wie frü­her“, funk­tio­niert nur dann, wenn die Hier­ar­chie das fest und sta­bil untermauert.

    Ich habe immer noch die alten Mes­s­an­dachts­büch­lein mei­ner Ange­hö­ri­gen von vor 100 Jah­ren und muss­te erschüt­tert fest­stel­len, dass man das im Nor­mal­fall nir­gends leben kann. Es beginnt schon damit, dass die Hl. Mes­se ver­fälscht ist und im besten Fall als Folk­lo­re­ver­an­stal­tung in einer anson­sten total deso­la­ten und häre­ti­schen „Kir­che“ gefei­ert wird.

    Was ich aber sehr beden­kens­wert fin­de, auch wenn man die Über­la­den­heit viel­leicht redu­ziert, ist die­ses „Die ritu­el­len Tex­te in der stän­di­gen Wie­der­ho­lung spre­chen lassen.“

    • Ich den­ke, da täu­schen Sie sich lie­be Zeit­schnur, selbst nicht in einer prak­ti­zie­ren­den Fami­lie auf­ge­wach­sen, ken­ne ich doch sehr vie­le Fami­li­en, in denen auch heu­te, im Jahr 2014, ein sehr akti­ves Gebets­le­ben herrscht. Haus­al­tar und täg­li­cher Rosen­kranz ist häu­fig Stan­dard, auch werk­tags die Hl. Mes­se gele­gent­lich mit den Kin­dern zu besu­chen ist unter sol­chen Fami­li­en ziem­lich ver­brei­tet. Wenn wir damit war­ten, dass unser gesam­tes Epi­sko­pat von Hei­li­gen besetzt sein wird, wer­den wir, so fürch­te ich, wohl bis zum jüng­sten Tag war­ten. Dabei geht es um das See­len­heil unse­re Kin­der! Ich wer­de die Anschaf­fung die­ses Büch­leins auf alle Fäl­le in Erwä­gung ziehen.

      • Wo kann man denn hier­zu­lan­de werk­tags täg­lich in eine recht­gläu­bi­ge hl. Mes­se gehen?

        Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch — ich ver­su­che ja selbst, ein halb­wegs geord­ne­tes katho­li­sches Fami­li­en­le­ben zu füh­ren, wobei einem nie­mand wirk­lich dar­in raten kann, dies zu tun, wenn nicht die gan­ze Fami­lie über­haupt gläu­big ist…und wir wol­len ja auch nie­man­den drängen.

        Jah­re­lang ging auch ich in die NOM-Werk­tags­mes­sen, und selbst die wur­den teil­wei­se nicht kor­rekt durch­ge­führt und blie­ben an sich selbst so leer…

        Durch den Ver­gleich mit den alten Mes­s­an­dachts­bü­chern, durch die gan­zen moder­ni­stisch ver­go­re­nen Neu­aus­ga­ben des Schott und der Stun­den­bü­cher blieb alles leer…ich ent­deck­te, wie sehr das alles nicht mehr zusam­men­passt. Es fehlt sozu­sa­gen der „Kitt“, der geist­li­che „Kitt“. Und den kann im Prin­zip, auf kirch­li­cher Ebe­ne nur die Hier­ar­chie geben. Man soll­te es nicht unter­schät­zen, dass Jesus dies aus­drück­lich so gestif­tet hat!

        Nun ist eine Fami­lie (als „Haus­kir­che“) aber nur sinn­voll aus dem kirch­li­chen Zusam­men­hang her­aus zu füh­ren. Andern­falls ist der Haus­va­ter bzw. die Haus­mut­ter (wie oft ist der Mann total ungläu­big — was soll also der kon­ser­va­tiv poli­tisch-kor­rek­te Hin­weis drauf, dass der Vater das Gebet anfüh­ren soll­te?! Schön wäre es, ent­fährt es mir da nur…Immerhin sieht der Hl. Pau­lus da das Pro­blem wesent­lich „rea­li­sti­scher“ und spricht davon, dass durch den gläu­bi­gen Teil die gan­ze Fami­lie gehei­ligt sei, wobei er dabei bezeich­nen­der­wei­se die Frau an erster Stel­le nennt!) ein selbst­er­nann­ter Fürst, der sich eben nicht mehr selbst einem Hir­ten ver­ant­wor­ten muss. All­zu leicht gerät man da auf Abwe­ge. Man kennt das aus dem Pro­te­stan­tis­mus mit sei­nen des­po­ti­schen Vätern und Müttern…

        Das war es, was ich mein­te. Es ist ver­gleichs­wei­se leicht, sich per­sön­lich füh­ren zu las­sen im Gebet.
        Aber unter Aus­fall der Hier­ar­chie ist es fast unmög­lich, Gemein­schaf­ten ohne Anbin­dung an einen recht­gläu­bi­gen Geweih­ten zu bil­den. Unter­stellt der sich aber der häre­ti­schen Hier­ar­chie, ist wie­der­um nichts zu hof­fen. Das ist das Dilem­ma. Nicht in der gläu­bi­gen Fami­lie oder einer Rumpf­fa­mi­lie ist die Kir­che, son­dern beim „Hir­ten“ (wie der Spruch ja ein­mal hieß). Wo aber sind die Hirten?

        Das mein­te ich.

        Und selbst der Ablauf des Kir­che­jah­res ist ja seit der Reform so erheb­lich gestört, dass die Sinn­zu­sam­men­hän­ge kaum noch klar wer­den. Ich muss geste­hen, dass ich selbst sie erst durch die kon­se­quen­te Rück­kehr zum alten Kalen­der und zum alten Bre­vier über­haupt begrif­fen habe…

      • Ja da spre­chen Sie eini­ge sehr gute Punk­te an. Ein der­art katho­li­sches Fami­li­en­le­ben zu füh­ren bedingt natür­lich, dass bei­de Ehe­gat­ten dahin­ter­ste­hen. Anson­sten ist eine katho­li­sche Erzie­hung der Kin­der, der sonn­täg­li­che Besuch der Hl. Mes­se und evtl. das gemein­sa­me Tisch­ge­bet schon ein schö­ner Erfolg. Und viel­leicht gibt Gott ja die Gna­de, dass sich, durch Gebet, Opfer und ein hei­li­ges Leben auch der Ehe­gat­te bekehrt. Man den­ke an die Hl. Moni­ka, mir kom­men aber auch aus mei­nem Umfeld gera­de zwei sol­cher „Moni­kas“ in den Sinn.

        Und ja, da gebe ich Ihnen durch­aus recht, auch ich habe im Ver­lauf mei­nes Katho­lisch­seins gelernt, Prie­ster, die nicht recht­gläu­big sind, wenn immer mög­lich zu mei­den. Die von mir ange­spro­che­nen Fami­li­en besu­chen die Hl. Mes­se gröss­ten­teils im alten Ritus, wo auch die Prie­ster durch­wegs recht­gläu­big sind. Und sich eine recht­gläu­bi­ge Gemein­de zu suchen, ist sicher die Grund­la­ge für ein katho­li­sches Fami­li­en­le­ben. So ist es doch sehr schwie­rig, den Kin­dern die Ehr­furcht vor dem Aller­hei­lig­sten zu leh­ren, wenn nur die Mut­ter die Hl. Kom­mu­ni­on andäch­tig emp­fängt, und der Rest der Gemein­de zum „Kek­se Essen“ geht.

      • Ich glau­be, dass wir in einem Zustand ange­kom­men sind, der eine ein­fa­che „Rück­kehr“ zur Wahr­heit nicht mehr erlaubt. Die Lage ist die des ver­lo­re­nen Sohnes.

        Im AT muss in sol­chen Lagen immer ein förm­li­cher Buß­akt voll­zo­gen wer­den. Und zwar immer durch die­je­ni­gen, die Gott recht­mä­ßig an die Spit­ze gesetzt hat. Sie fin­den das in den pro­phe­ti­schen Büchern immer wie­der, auch die­se ergrei­fen­de Stel­le, wo man unter einem Hau­fen Geld im Tem­pel die völ­lig ver­staub­te und ver­rot­te­te Tho­ra „wie­der­fin­det“, dem König bringt und der sie liest und anschlie­ßend sei­ne Klei­der zer­reißt und das Buch dem gan­zen Volk vor­le­sen lässt. Alle, Groß und Klein, Män­ner, Frau­en, Kin­der, jeder Stand tut mit dem König und den Prie­stern Buße und legt ein Gelüb­de der Umkehr ab.

        Es ist unmög­lich, ein intak­tes „katho­li­sches“ Leben zu füh­ren unter den gege­be­nen Umstän­den. Eben weil die Gna­den­ord­nung, die Jesus selbst gestif­tet hat, völ­lig zer­stört wirkt. Ohne Hir­ten geht es nicht oder nicht lan­ge. Man kann das auch nicht durch gewalt­sa­me und zwie­späl­ti­ge Poli­tik, wie sie Lef­eb­v­re betrieb, aber auch die Petrus­bru­der­schaft, auf­hal­ten wol­len. Man ver­strickt sich unwei­ger­lich in Wider­sprü­che und muss die­sel­ben stän­dig irgend­wie recht­fer­ti­gen und kommt dabei selbst gei­stig völ­lig vom Weg ab. 

        Wenn aber die gei­sti­gen Vor­aus­set­zun­gen immer mehr abge­tra­gen wer­den, auch und beson­ders nun in der soge­nann­ten „Tra­di­ti­on“, dann fehlt jedes Fun­da­ment für ein recht­gläu­bi­ges, gott­wohl­ge­fäl­li­ges Gebet. Man wird da lan­den, wo auch schon das alte Isra­el lan­de­te: der äuße­re Schein „funk­tio­nier­te“ blen­dend schön und pracht­voll, aber Jesus nann­te das „weiß getünch­te Grä­ber“, außen hui, innen pfui. Die pha­ri­säi­sche geist­li­che Über­heb­lich­keit ist inbegriffen.

        Das See­len­heil der eige­nen Kin­der kann einem natür­lich nicht egal sein und ist es auch kei­nem Recht­gläu­bi­gen! Und natür­lich lehrt man sie die Grund­ge­be­te, nimmt, so oft es geht, in recht­gläu­bi­ge Hl. Mes­sen mit und ermun­tert zur Beich­te bei einem noch gül­tig geweih­ten und recht­gläu­bi­gen Prie­ster. Aber am wich­tig­sten ist es, den Kin­dern die deso­la­te Lage nicht zu ver­schwei­gen, ihnen ein­zu­ge­ste­hen, dass man selbst nicht der lie­be Gott ist und auch nur mit lee­ren Hän­den täg­lich die Mut­ter­got­tes um Schutz und Für­spra­che anfleht.

        Unter gar kei­nen Umstän­den dür­fen die Kin­der dazu ver­lei­tet wer­den, das Hir­ten­amt für über­flüs­sig zu erach­ten und auf Qua­si-Sek­ten­füh­rer zu über­tra­gen — obwohl man ihnen ande­rer­seits sagen muss, dass es der­zeit aus­fällt. Mein Kind ist unschul­dig und stellt die Fra­gen der Fra­gen — aber es sind nicht die über­heb­li­chen Fra­gen tra­di­tio­nel­ler Fach­simp­ler, son­dern die tie­fen und ein­fa­chen , die wahr­haf­ti­gen Fra­gen. So selt­sam es klingt, aber der­zeit kann man von Kin­dern ler­nen, über­haupt wie­der gott­wohl­ge­fäl­lig zu fragen.

        Im Regi­ment sitzt trotz allem der Herr, der das Hir­ten­amt genau so woll­te. Und auf Ihn sol­len wir schau­en und von Ihm sol­len wir Ret­tung erwar­ten und so gut es geht, wahr­haf­tig und treu bleiben.

    • Zeit­schnur,

      ist die­ses „Haus­kir­chen­tum“, die Pfle­ge von Oasen des Glau­bens im trau­ten Heim, nicht eine sinn­vol­le Stra­te­gie der Ver­wü­stung der Kir­che etwas entgegenzusetzen?

      • Sol­che fami­liä­re Gebets­übung ist sicher gut und not­wen­dig für den ein­zel­nen, um wenig­stens mit knap­per Not zu „ent­rin­nen“.

        „Oasen“?

        Nein, Oasen wird man da kaum bil­den kön­nen. Mei­ne Begrün­dung habe ich ja schon gege­ben: nur wo ein Bischof ist, ist auch die Kir­che. Von „Haus­kir­che“ (was ja v.a. Sprach­ge­brauch der Moder­ni­sten ist) kann man ohne das von Jesus selbst gestif­te­te apo­sto­li­sche Amt nicht spre­chen. Jeden­falls nicht als Katholik.

        Es ist dies eines der Bei­spie­le dafür, wie auch die an sich zur Glau­bens­truee gewill­ten Katho­li­ken ver­schie­de­ner Rich­tun­gen nach und nach die ech­ten dog­ma­ti­schen Aus­sa­gen um der Not und der Stra­te­gie wil­len auf­he­ben oder zumin­dest auf­wei­chen und am Schluss erset­zen durch ein star­res Kor­sett von „Sit­ten“, ein biss­chen nach dem Mot­to: „Steigt der Bau­er aufs Pferd, tritt er hef­ti­ger als der Edel­mann“. Die einen ver­stei­fen sich auf Lef­eb­v­re, als wäre der der 2. Mes­si­as, die ande­ren haben es mehr mit Erschei­nun­gen und Offen­ba­run­gen, die einem ja auch ein „rei­ches“ Gebets­pro­gramm auf­er­le­gen etc.

        Aber es gilt „Ubi epi­scopus, ibi eccle­sia“ — wir müs­sen ein­ge­ste­hen, dass die Ver­wü­stung nicht heißt, dass man aus eige­ner Kraft irgend­wo noch „Oasen“ „bau­en“ kann. Es ist wie in der ech­ten Wüste: nie­mand kann Oasen „machen“. Gott schenkt sie uns, aber nicht an den Orten, die wir uns pri­vat schaf­fen, son­dern da, wo ER will.

        Das an sich ehren­wer­te Stre­ben nach Recht­gläu­big­keit darf nicht über­tün­chen, dass wir in der Situa­ti­on ange­kom­men sind, die uns lan­ge vor­her­ge­sagt ist, dass wir dann auf­schau­en sol­len zu Ihm und von Ihm alles erwar­ten sol­len. Ich glau­be auch nicht an die „Stun­de der Lai­en“, wie das hier auch schon ver­tre­ten wur­de (weiß nicht mehr, von wem).

        Es war immer schon Stun­de der Lai­en, aber nicht in dem Sinn, dass sie den Man­gel an Apo­stel­nach­fol­gern erset­zen könn­ten. Unmerk­lich hat man sich damit näm­lich dem moder­ni­sti­schen Irr­tum gemein gemacht… Wir stre­ben nach größt­mög­li­cher Hei­lig­keit mit Got­tes Gna­de, und viel­leicht ist ein klei­ner Hei­li­ger im Him­mel­re­cih weit über einen Papst gesetzt, aber man kann heu­te eigent­lich nur noch glau­ben, dass die Kir­che sich da ver­or­ten muss, wo sie schon so lan­ge seit 2000 Jah­ren gewor­den ist: im Him­mel, bei Maria, dem „himm­li­schen Jeru­sa­lem“, das der hl. Pau­lus „unse­re Mut­ter“ genannt hat.
        Es bleibt nichts Recht­gläu­bi­ges mehr übrig, als sich daraf zu bezie­hen — andern­falls lan­det man im Pro­te­stan­tis­mus und Sektierertum.

        Ich hof­fe, dass mei­ne Dif­fe­ren­zie­rung ver­ständ­lich ist und eben einer ernst­haf­ten Über­le­gung ent­springt, die klar erkennt, dass die Tra­di­ti­on drauf und dran ist, im Eifer den rech­ten Glau­ben zu opfern für eine Illu­si­on, die kei­ne Ver­hei­ßung hat.

  2. „Die Pfle­ge von Oasen des Glau­bens“ in der Fami­lie ist Gott­ge­wollt! Gott gab uns den Neu­en Bund, die ewi­ge Heils­ge­schich­te. Wo Chri­stus im Her­zen ist, beson­ders in der Fami­lie, ist eine Gott­ge­ge­be­ne „Oase“.

Kommentare sind deaktiviert.