Aufstand der arabischen Christen gegen orthodoxen Patriarchen Jerusalems

Arabische Christen gegen den griechisch-orthodoxen Patriarchen
Ara­bi­sche Chri­sten gegen den grie­chisch-ortho­do­xen Patriarchen

(Jeru­sa­lem) Wegen der lau­fen­den israe­li­schen Mili­tär­ak­ti­on ist es zum offe­nen Kon­flikt zwi­schen den grie­chisch-ortho­do­xen Gläu­bi­gen des Hei­li­gen Lan­des mit ihrem Patri­ar­chen von Jeru­sa­lem gekom­men. Die ara­bi­schen Chri­sten grie­chisch-ortho­do­xen Glau­bens wer­fen Patri­arch Theo­phi­los III. von Jeru­sa­lem vor, eine zu nach­sich­ti­ge Posi­ti­on für die „israe­li­schen Täter“ ein­zu­neh­men, die einen „Geno­zid­krieg“ füh­ren, wie sie sagen. Der inter­ne Kon­flikt in der Ortho­do­xen Kir­che von Jeru­sa­lem kann auch öku­me­ni­sche Rück­wir­kun­gen haben. Patri­arch Theo­phi­los III. ist vom kom­men­den 15.–23. Sep­tem­ber Gast­ge­ber der näch­sten Voll­ver­samm­lung der Kom­mis­si­on für den theo­lo­gi­schen Dia­log zwi­schen der Katho­li­schen und der Ortho­do­xen Kir­che. Das The­ma der Ver­samm­lung ist der päpst­li­che Primat.

Die Voll­ver­samm­lung soll in der jor­da­ni­schen Haupt­stadt Amman statt­fin­den, die zum Juris­dik­ti­ons­be­reich des Jeru­sa­le­mer Patri­ar­chats gehört. Der Ort wur­de gewählt, um einen ruhi­gen und siche­ren Ver­lauf zu garan­tie­ren, wäh­rend rings­um in der gesam­ten Regi­on Kon­flik­te toben. Gera­de in Amman ist nun unter den ein­hei­mi­schen ortho­do­xen Chri­sten der Kon­flikt mit dem Patri­ar­chen aus­ge­bro­chen, der das gesam­te Patri­ar­chat betrifft.

Arabische Christen gegen griechischen Episkopat

Theophilos III.
Theo­phi­los III., seit 2005 grie­chisch-ortho­do­xer Patri­arch von Jerusalem

Ver­gan­ge­ne Woche wur­de in der Haupt­stadt des hasche­mi­ti­schen König­reichs von ortho­do­xen Chri­sten eine Bewe­gung zur „Erneue­rung des Patri­ar­chats“ gegrün­det. Mehr als 700 Ver­tre­ter der ara­bi­schen grie­chisch-ortho­do­xen Chri­sten des Hei­li­gen Lan­des und der angren­zen­den Gebie­te hat­ten sich dazu in Amman ver­sam­melt, ange­führt von den weni­gen ara­bi­schen Bischö­fen und Archi­man­dri­ten des Patri­ar­chats. Die ara­bi­schen Chri­sten kri­ti­sie­ren einen Nie­der­gang des Patri­ar­chats und geben dafür dem fast nur aus Grie­chen bestehen­den Epi­sko­pat die Schuld. Die Grie­chen kämen von aus­wärts und zeig­ten zu wenig Ver­ständ­nis für die Anlie­gen der ein­hei­mi­schen ara­bi­schen Chri­sten im Hei­li­gen Land. Im Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem ist die Bestel­lung der Patri­ar­chen und der mei­sten Bischö­fe fest in der Hand der grie­chi­schen Mönchs­kon­gre­ga­ti­on von St. Michael.

Der ein­zi­ge ara­bi­sche Bischof, Atal­lah Han­na und die ara­bi­schen Archi­man­dri­ten bekla­gen gemein­sam mit den ara­bi­schen Prie­stern und Gläu­bi­gen „eine ras­si­sti­sche Vor­herr­schaft über die Kir­che von Jeru­sa­lem“ und einen Nie­der­gang der­sel­ben aus Man­gel an seel­sorg­li­cher Betreu­ung der Gläu­bi­gen, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu einem dra­sti­schen Rück­gang der ortho­do­xen Chri­sten geführt habe. Eine Dezi­mie­rung durch Aus­wan­de­rung oder Abwan­de­rung zu ande­ren christ­li­chen Kir­chen des Hei­li­gen Landes.

Die Unter­zeich­ner des Mani­fests von Amman pro­te­stie­ren gegen die „Ver­schleu­de­rung“ der Schät­ze, die der Kir­che durch ver­gan­ge­ne Genera­tio­nen von Gläu­bi­gen geschenkt wur­den. Sie kri­ti­sie­ren den deso­la­ten Zustand der Schu­len des Patri­ar­chats und die Kor­rup­ti­on in der Güterverwaltung.

Israelisch-palästinensischer Krieg verschärft innerorthodoxen Konflikt

Der älte­re inter­ne Kon­flikt zwi­schen grie­chi­schem Epi­sko­pat und ara­bi­schen Gläu­bi­gen wird durch den israe­lisch-palä­sti­nen­si­schen Kon­flikt noch ver­schärft. „Unser Volk wird durch die israe­li­sche Armee aus­ge­löscht“, heißt es im Mani­fest, „wäh­rend ein Prie­ster uns über­re­den will, die Wehr­pflicht in der zio­ni­sti­schen Besat­zungs­ar­mee zu akzep­tie­ren und das mit der Unter­stüt­zung und dem Segen des Patri­ar­chen, der die Lei­den sei­nes Vol­kes nie berück­sich­tigt hat“.

Die Rede ist von Gabri­el Nad­daf, einem grie­chisch-ortho­do­xen Prie­ster, der in der Gegend von Naza­reth wirkt. Nad­daf ist die kirch­li­che Haupt­fi­gur einer von israe­li­schen poli­ti­schen Krei­sen gespon­ser­ten Kam­pa­gne, die Wehr­pflicht auf die ara­bi­sche Bevöl­ke­rung Isra­els auszudehnen.

Patri­arch Theo­phi­los III. wird zudem vor­ge­wor­fen, einen „Offi­zier der Besat­zungs­ar­mee“ aus­ge­zeich­net zu haben, „wäh­rend unser Volk – Frau­en, Kin­der, Alte – von deren Artil­le­rie unter Beschuß genom­men werden.“

Arabische orthodoxe Christen des Heiligen Landes proben den Aufstand
Ortho­do­xe ara­bi­sche Chri­sten des Hei­li­gen Lan­des pro­ben den Aufstand

Manifest von Amman

Im Mani­fest von Amman beto­nen die ortho­do­xen Chri­sten ihr Ara­ber­tum und den Wil­len zur „Ver­tei­di­gung unse­rer Nati­on“. Sie for­dern ein kirch­li­ches Erwa­chen, das „die Leh­ren der Väter, die Cano­nes der Kir­che und ihre Spi­ri­tua­li­tät sowohl in ihrer pasto­ra­len als auch patrio­ti­schen Dimen­si­on bewahrt“. In acht kon­kre­ten Punk­ten for­dern sie ein Ende des Aus­ver­kaufs des kirch­li­chen Besit­zes, eine geän­der­te Zusam­men­set­zung des Hei­li­gen Syn­od durch Auf­nah­me von Ara­bern, die Schaf­fung eines Wahl­kör­pers, dem auch ein­hei­mi­sche Prie­ster und Lai­en ange­hö­ren, die auch an der Ver­wal­tung der Kir­che betei­ligt wer­den sollen.

Das Mani­fest endet mit dem Bemü­hen um poli­ti­sche Rücken­deckung für ihre Initia­ti­ve, indem die Unter­zeich­ner eine Erge­ben­heits­er­klä­rung für König Abdul­lah II. von Jor­da­ni­en abge­ben und beto­nen, daß das hasche­mi­ti­sche König­reich Schutz­macht der „mos­le­mi­schen und christ­li­chen hei­li­gen Stät­ten von Jeru­sa­lem“ ist. Zudem bit­ten sie Palä­sti­nen­ser­prä­si­dent Mahmoud Abbas um Unterstützung.

Zum Zeit­punkt der Aus­ru­fung des Staa­tes Isra­el waren 30 Pro­zent der Ein­woh­ner des Hei­li­gen Lan­des Chri­sten. Heu­te sind es weni­ger als drei Prozent.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/Vatican Insider/Asianews

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