Kardinal O’Briens Ruhestand

Kardinal O'Brian mit Hund beim Einkaufen
Kar­di­nal O’Bri­an mit Hund beim Ein­kau­fen

(Edin­burgh) Der schot­ti­sche Kar­di­nal Keith Patrick O’Brien, der wegen eines Sex-Skan­dals auf die Teil­nah­me am Kon­kla­ve ver­zich­ten muß­te, ist wie­der „zurück“, wie bri­ti­sche Medi­en berich­ten.

Kar­di­nal O’Brien galt unter Papst Bene­dikt XVI. als ein ent­schlos­se­ner Ver­tei­di­ger der nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te. Weni­ge Tage nach­dem Papst Bene­dikt XVI. sei­nen Amts­ver­zicht ange­kün­digt hat­te, for­der­te der Kar­di­nal jedoch mit Blick auf den näch­sten Papst ein „Über­den­ken“ des Zöli­bats. In der Katho­li­schen Kir­che habe es bereits „ein­mal“ ver­hei­ra­te­te Prie­ster gege­ben, so der Erz­bi­schof von Saint Andrews und Edin­burgh. Die Wort­mel­dung rief eini­ge Prie­ster und ehe­ma­li­ge Semi­na­ri­sten auf den Plan, die den Kar­di­nal eines unstatt­haf­ten Ver­hal­tens und sexu­el­ler Annä­he­rung bezich­tig­ten. Dann ging es schnell.

Emeritierung und Verzicht auf Konzilsteilnahme

Der Kar­di­nal muß­te auf die Teil­nah­me am Kon­kla­ve und auf sein Erz­bis­tum ver­zich­ten. Im April wur­de der vati­ka­ni­sche Top-Jurist und nun­meh­ri­ge Weih­bi­schof von Mal­ta, Msgr. Charles Sci­clu­na mit der Unter­su­chung der Vor­wür­fe beauf­tragt. Noch bevor Sci­clu­na sei­nen Abschluß­be­richt vor­ge­legt hat­te, ver­öf­fent­lich­te das Pres­se­amt des Hei­li­gen Stuhls im Mai 2013 eine Erklä­rung, daß der Kar­di­nal und eme­ri­tier­te Erz­bi­schof von St. Andrews und Edin­burgh „aus den­sel­ben Grün­den, wes­halb er auf die Teil­nah­me am jüng­sten Kon­kla­ve ver­zich­te­te, in Abspra­che mit dem Hei­li­gen Vater Schott­land in weni­gen Tagen ver­las­sen wird, um eini­ge Mona­te in Gebet und Buße und der geist­li­chen Erneue­rung zu ver­brin­gen. Jede Ent­schei­dung über die wei­te­re Bestim­mung des Kar­di­nals wird in Über­ein­stim­mung mit dem Hei­li­gen Stuhl getrof­fen“.

Der Alterruhesitz in Absprache mit dem Heiligen Stuhl

Kardinal O'Briens Altersruhesitz in Ellington an der Nordseeküste
Kar­di­nal O’Bri­ens Alters­ru­he­sitz in Elling­ton an der Nord­see­kü­ste

Die Zeit der „geist­li­chen Erneue­rung, des Gebets und der Buße schei­nen zu Ende zu sein“, so Info­va­ti­ca­na. Wie der lin­ke schot­ti­sche The Dai­ly Record am 16. Juli mel­de­te, habe die Erz­diö­ze­se Edin­burgh um 208.750 Pfund ein Haus in Elling­ton an der Nord­see­kü­ste des eng­li­schen Nor­thum­ber­land erwor­ben. Dort lebt Kar­di­nal O’Brien seit dem ver­gan­ge­nen Janu­ar.

Der Kar­di­nal war zu kei­ner Stel­lung­nah­me für die Jour­na­li­sten bereit. Ein Spre­cher der Erz­diö­ze­se Edin­burgh sag­te, daß die Immo­bi­lie dem Kar­di­nal für den Ruhe­stand zur Ver­fü­gung gestellt wur­de, aber im Besitz der Diö­ze­se ist. Die Unter­brin­gung des Kar­di­nals „sei in Über­ein­stim­mung mit der Ver­ein­ba­rung zwi­schen ihm und dem Hei­li­gen Stuhl“. Die Details des Kauf­ak­tes sei bei der zustän­di­gen Stel­le öffent­lich ein­seh­bar. „Der Kauf­preis lag im Rah­men der Kosten für ande­re Ankäu­fe für Kle­ri­ker im Ruhe­stand“, so der Spre­cher.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­va­ti­ca­na

3 Kommentare

  1. Wie schnell doch ein über­ra­schen­des „zeit­ge­mä­sses Umden­ken“ bez. des Zöli­ba­tes mög­lich ist !? Ein Aus­zug aus einer vor­treff­li­chen Abhand­lung über die Gna­den­ga­be des Zöli­ba­tes
    und des­sen Unver­zicht­bar­keit für die Kir­che von Hw Pater Alban Cras von der Petrus-Bru­der­schaft.
    -
    „[.…]
    Der Zöli­bat des Prie­sters soll eine ent­schlos­se­ne Wahl, ein ziel­si­che­res und soli­de begrün­de­tes Opfer sein.
    Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Guy de Lari­gau­die schrieb:
    „Die Ent­halt­sam­keit wird ein unmög­li­ches Unter­fan­gen, das zur Lächer­lich­keit ver­kommt, wenn ihr als Schutz­wehr nur nega­ti­ve Vor­schrif­ten die­nen.
    Sie ist aber mög­lich, schön und berei­chernd, wenn sie sich auf eine posi­ti­ve Grund­la­ge stützt: die leben­di­ge, voll­kom­me­ne Lie­be Got­tes, die als ein­zi­ge in der Lage ist, die unbän­di­ge Sehn­sucht der Men­schen­het­zen nach Lie­be zu erfül­len.“
    Des­halb darf der Zöli­bat nicht als etwas Nega­ti­ves, als ein Man­gel gelebt wer­den, son­dern muss als etwas Posi­ti­ves betrach­tet wer­den: ein Opfer aus Lie­be, das eine mysti­sche Ver­ei­ni­gung ermög­licht:
    „Das Band der voll­kom­me­nen Ent­halt­sam­keit ist eine Art spi­ri­tu­el­le Ver­mäh­lung der See­le, durch die sich die See­le mit Chri­stus ver­eint.“ (Papst Pius XII.)
    [.…]
    Ohne einen mysti­schen Beweg­grund wäre der Zöli­bat nicht zu ver­wirk­li­chen.
    Die Lie­be muss zur Selbst­hin­ga­be von See­le und Leib anspor­nen.
    Groß­zü­gig und vor­be­halt­los gibt sich der Prie­ster dem Herrn hin: Durch den Zöli­bat iden­ti­fi­ziert sich der Prie­ster mit Chri­stus und ver­eint sich mit sei­ner Kir­che.
    Die Ent­halt­sam­keit Chri­sti ist weder zufäl­lig noch neben­säch­lich, son­dern ist viel­mehr Teil der „Zustän­de“ Jesu,die so ein­drück­lich von Berul­le und den Ver­tre­tern der fran­zö­si­schen Spi­ri­tua­li­tät beschrie­ben wur­den.
    Der Prie­ster muss den Her­zens­äu­ße­run­gen, den Zustan­den von Leib und See­le des Herrn „anhän­gen“. Für den Prie­ster han­delt es sich nicht dar­um „mit Chri­stus zu sein“, wie es der Spi­ri­tua­li­tät von Ordens­frau­en zuei­gen ist, son­dern viel­mehr geht es dar­um, „Chri­stus selbst zu sein“, wie die prie­ster­li­che Spi­ri­tua­li­tät for­dert.
    Wie könn­te man nicht in der Hin­ga­be sei­nes Lei­bes eine eucha­ri­sti­sche Dimen­si­on erken­nen?
    [.…]
    Den Zöli­bat auf­ge­ben hie­ße, auf den Druck des Zeit­gei­stes hin zu ver­kün­den,
    dass die Gna­de unzu­rei­chend ist, dass sie nicht dazu befä­higt,
    ein über­na­tür­li­ches Leben zu füh­ren.
    Die Fol­gen wären kata­stro­phal:
    Der Geist wür­de vor dem Dik­tat der leib­li­chen Bedürf­nis­se kapi­tu­lie­ren.
    Der „alte Mensch“ trü­ge sei­nen Sieg über den getauf­ten Men­schen davon,
    und letzt­end­lich wür­de es sich um einen Sieg des Hei­den­tums über das Chri­sten­tum han­deln.
    [.…]
    Gestern wie heu­te ist der prie­ster­li­che Zöli­bat eine gewich­ti­ge Not­wen­dig­keit.
    Er ist eine Gna­de, die emp­fan­gen und bewahrt wer­den will, ein Opfer von gro­ßem Wert und eine rei­che Quel­le für das Heil der Welt.
    Er bringt Män­ner dazu, wei­ter­hin ihren Leib als Zei­chen für ihre glü­hen­de Lie­be zu Chri­stus und sei­ner Kir­che hin­zu­ge­ben.
    Es ist not­wen­dig, dass sie wei­ter­hin an das Wort des Her­ren glau­ben:
    „Mei­ne Gna­de genügt Dir!“
    Die Welt muss schockiert sein von die­sen Pfar­ren von Ars, die­sen Pro­phe­ten, die­sen Ver­rück­ten, denen Gott allein genügt“
    [.…]

    Die Abhand­lung in vol­ler Län­ge hier:

    http://www.fssp.org/de/pretre7.htm

    -

  2. Die Befür­wor­ter und Geg­ner des Zöli­bats über­se­hen geflis­sent­lich, daß es sich hier ledig­lich um ein Hei­rats­ver­bot nach der Dia­ko­nen­wei­he han­delt, daß auf apo­sto­li­sche Zeit (1 Tim. 3) zurück­geht. die prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit ist weit jün­ger und eine zum Zöli­bat hin­zu­kom­men­de Ver­pflich­tung.

    Auch die ost­kirch­li­chen Kle­ri­ker vom Dia­kon auf­wärts unter­lie­gen dem Zöli­bat, d. h., sie dür­fen nach der Dia­ko­nen­wei­he nicht mehr hei­ra­ten, aber ihre bereits bestehen­de Ehe unein­ge­schränkt fort­set­zen. Ledig­lich für Bischö­fe ist die Ehe dort ein Wei­he­hin­der­nis.

    • JÖRG GUTTENBERGER@ Nicht ganz rich­tig. Die Ehe muß vor der Dia­ko­nats­wei­he geschlos­sen wer­den. Nach der Dia­ko­nats­wei­he ist eine Ehe nicht mehr mög­lich.

Kommentare sind deaktiviert.