„Tue, was Kardinäle gewünscht haben“ – Gab es Absprachen für die Wahl Bergoglios zum Papst?

Papst Franziskus inmitten der Mitglieder des C8-Rats
Papst Fran­zis­kus inmit­ten der Mit­glie­der des C8-Rats

(Rom) Gab es im Vor­feld des Kon­kla­ve Abma­chun­gen zur Wahl von Jor­ge Mario Ber­go­glio? Muß­te der heu­ti­ge Papst von Kar­di­nä­len Bedin­gun­gen akzep­tie­ren, um sei­ne Wahl zu sichern? Wur­den Papst Fran­zis­kus im Prä­kon­kla­ve Auf­la­gen für sein Pon­ti­fi­kat gemacht?
Abma­chun­gen zur Wahl eines Pap­stes sind ille­gal und ungül­tig. Die Pra­xis gilt seit lan­gem. Seit mehr als einem Jahr­hun­dert ist das Ver­bot aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben. Es war der hei­li­ge Papst Pius X., der die Not­wen­dig­keit dafür sah, nach­dem es bei sei­ner Wahl zu exter­ner Ein­mi­schung in die Papst­wahl gekom­men war.
Die Wirk­lich­keit sieht jedoch anders aus, meint der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster und wirft eine dra­ma­ti­sche Fra­ge auf. Ansatz­wei­se liegt die­se bereits seit dem jüng­sten Kon­kla­ve in der Luft. Genau­er gesagt, seit Kar­di­nal Wal­ter Kas­per im Vor­feld des Kon­kla­ves bestimm­te Äuße­run­gen tätig­te (sie­he Bericht Die War­nung an Bene­dikt XVI. von einem … Kas­per – Anti-Ratz­in­ger-Pon­ti­fi­kat in Pla­nung).
Die Zwi­schen­ti­tel stam­men von der Redak­ti­on.

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„Ich tue das, was die Kardinäle gewünscht haben“

von San­dro Magi­ster

„Die wahl­be­rech­tig­ten Kar­di­nä­le müs­sen sich außer­dem jeder Form von Ver­hand­lun­gen, Ver­trä­gen, Ver­spre­chen oder son­sti­ger Ver­pflich­tun­gen jeder Art ent­hal­ten, die sie bin­den kön­nen, einem oder eini­gen die Stim­me zu geben oder zu ver­wei­gern. Käme es tat­säch­lich dazu, so erklä­re ich eine sol­che Bin­dung für nich­tig und ungül­tig, auch wenn sie unter Eid ein­ge­gan­gen wor­den wäre.“

So ist es in der gel­ten­den Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Uni­ver­si Domi­ni­ci Gre­gis von Papst Johan­nes Paul II. von 1996 „über die Vakanz des Apo­sto­li­schen Stuh­les und die Wahl des Pap­stes von Rom“ fest­ge­legt.

„Wahlkapitulationen“ verboten und nichtig

Histo­risch wer­den Wahl­ab­spra­chen als „Kapi­tu­la­tio­nen“ oder „Wahl­ka­pi­tu­la­tio­nen“ bezeich­net, wenn ver­sucht wird, die Stimm­ab­ga­be für einen bestimm­ten Kan­di­da­ten mit Gegen­lei­stun­gen zu ver­knüp­fen, die im kon­kre­ten Fall den künf­ti­gen Papst zu bestimm­ten Hand­lun­gen und Hal­tun­gen ver­pflich­ten und damit sei­nen Ent­schei­dungs­spiel­raum ein­schrän­ken.

Soweit bekannt dürf­te der erste sol­cher­ma­ßen „kapi­tu­lier­te“ Papst 1352 gewählt wor­den sein, als in Avi­gnon Inno­zenz VI. aus dem Kon­kla­ve her­vor­ging, der aller­dings, kaum gewählt, alle Abma­chun­gen für ungül­tig erklär­te.

In der Tat geschah es mehr­fach, daß Päp­ste nach ihrer Wahl, die mit ihren frü­he­ren Kar­di­nals­kol­le­gen getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen leug­nen oder für null und nich­tig erklär­ten.

Die Ver­ein­ba­run­gen ver­pflich­te­ten den Gewähl­ten zum Teil Maß­nah­men zum tat­säch­li­chen Wohl der Kir­che zu tref­fen. In ande­ren Fäl­len ging es dabei mehr um per­sön­li­che Inter­es­sen oder Vor­tei­le für bestimm­te Grup­pen. Aus die­sem Grund kam man schließ­lich soweit, sie offi­zi­ell zu ver­bie­ten.

Das offi­zi­el­le Ver­bot trat mit den neu­en Bestim­mun­gen zur Durch­füh­rung des Kon­kla­ve in Kraft, die von einem hei­li­gen Papst, Pius X. mit der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Vacan­te Sede Apo­sto­li­ca von 1904 erlas­sen wur­den:

„Car­di­na­les prae­te­rea absti­neant ab omni­bus pac­tio­n­i­bus, con­ven­tio­ni­bus, pro­mis­sio­ni­bus ali­is­que qui­bus­cum­que obli­ga­tio­ni­bus, qui­bus adstrin­gi pos­sint ad suf­fra­gi­um ali­cui vel ali­qui­bus dan­dum vel non dan­dum; quae omnia et sin­gu­la, si de fac­to inter­vener­int, eti­am iurei­u­ran­do adiec­to, nul­la et irri­ta, neque ad eorum obser­van­ti­am quem­quam tene­ri decer­ni­mus, et con­tra faci­en­tes ex nunc latae sen­ten­tiae excom­mu­ni­ca­tio­nis poe­na inno­da­mus“ (Vacan­te Sede Apo­sto­li­ca, 95).

Die­se Bestim­mung wur­de von allen nach­fol­gen­den Doku­men­ten, die das Kon­kla­ve betref­fen, wie­der­holt und gilt bis zum heu­ti­gen Tag, wie die erwähn­te Kon­sti­tu­ti­on von Johan­nes Paul II. zeigt.

Even­tu­el­le Kapi­tu­la­tio­nen, die vor oder wäh­rend des Kon­kla­ve ver­ein­bart wur­den, sind daher nicht nur ver­bo­ten, weil unrecht­mä­ßig, son­dern auch prak­tisch unwirk­sam, weil der Gewähl­te ver­pflich­tet ist, sie nicht ein­zu­hal­ten, auch wenn er sie selbst ver­ein­bart haben soll­te.

Bedingung für Wahl Johannes XXIII. war Tardini als Kardinalstaatssekretär

Die Chro­ni­ken der Kon­kla­ve der jüng­sten Zeit wis­sen jedoch zu berich­ten, daß beim Kon­kla­ve im Okto­ber 1958 eini­ge Pur­pur­trä­ger der Römi­schen Kurie sich die Zusa­ge geben lie­ßen, daß im Fal­le der Wahl des Patri­ar­chen von Vene­dig, Ange­lo Ron­cal­li, die­ser Msgr. Dome­ni­co Tar­di­ni zum Staats­se­kre­tär macht. Und so geschah es tat­säch­lich noch am Abend der Wahl von Johan­nes XXIII. (( Msgr. Dome­ni­co Tar­di­ni trat mit 14. Dezem­ber 1958 offi­zi­ell sein Amt als Staats­se­kre­tär an, am 15. Dezem­ber wur­de er von Johan­nes XXIII. zum Kar­di­nal kre­iert und am 27. Dezem­ber zum Bischof geweiht.))

„Kapitulierte“ Paul VI. vor deutschen Kardinälen?

Beim fol­gen­den Kon­kla­ve 1963, mit­ten im Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, sol­len die mit­tel­eu­ro­päi­schen Kar­di­nä­le mit einer „Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on“ beschlos­sen haben, den Erz­bi­schof von Mai­land, Kar­di­nal Gio­van­ni Bat­ti­sta Mon­ti­ni zu kan­di­die­ren, die unter ande­rem die Fort­set­zung des Kon­zils zum Inhalt hat­te.

1978 erzähl­te man hin­ge­gen, daß Kar­di­nal Giu­sep­pe Siri dazu bewo­gen wer­den soll­te, im Fal­le sei­ner Wahl zum Papst, sei­nen Gegen­spie­ler im Kon­kla­ve, Kar­di­nal Gio­van­ni Benel­li zum Kar­di­nal­staats­se­kre­tär ernen­nen zu müs­sen. Wäh­rend man eben­so erzähl­te, daß der Patri­arch von Vene­dig, Albi­no Lucia­ni zum Papst gewählt wür­de, wie es dann tat­säch­lich geschah, wenn man die Garan­tie erhal­te, daß er den gefürch­te­ten Benel­li nicht zum Staats­se­kre­tär ernen­nen wür­de. ((Msgr. Benel­li war 1967 von Papst Paul VI. zum Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs, dann 1977 zum Erz­bi­schof von Flo­renz ernannt und zum Kar­di­nal erho­ben wor­den.))

Welche Bedingungen stellten Kardinäle vor dem Konklave?

C8-Kardinalsrat mit Papst Franziskus
C8-Kar­di­nal­s­rat mit Papst Fran­zis­kus — Eine Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on?

Im Kon­kla­ve das Jor­ge Mario Ber­go­glio wähl­te, soll es for­mal kei­ne Ver­ein­ba­run­gen oder Eides­lei­stun­gen zwi­schen den Kar­di­nä­len gege­ben haben.

Den­noch bekann­te Papst Fran­zis­kus mehr­fach, sich an eini­ge Wei­sun­gen gebun­den zu füh­len, die von Kar­di­nä­len im Lau­fe der Gene­ral­kon­gre­ga­tio­nen im Prä­kon­kla­ve geäu­ßert wur­den.

So wie­der­hol­te er es auch jüngst deut­li­cher als sonst in einem Inter­view, das er Fran­ca Gian­sol­da­ti gab und das am 29. Juni in der Tages­zei­tung Il Mess­ag­ge­ro ver­öf­fent­licht wur­de. Dar­in sag­te er:

„Beim Pro­gramm [zur Lei­tung der Kir­che] fol­ge ich dem, was die Kar­di­nä­le bei den Gene­ral­kon­gre­ga­tio­nen vor dem Kon­kla­ve gewünscht haben. Ich gehe in die­se Rich­tung. Der Rat der acht Kar­di­nä­le, ein exter­nen Orga­nis­mus, stammt von dort. Er wur­de gewünscht, um dabei zu hel­fen, die Kurie zu refor­mie­ren. Eine im übri­gen nicht leich­te Sache, weil man einen Schritt macht, aber sich dann her­aus­stellt, daß man dies und jenes machen muß und wenn es vor­her ein Dikaste­ri­um gab, sind es dann vier. Mei­ne Ent­schei­dun­gen sind das Ergeb­nis der Prä­kon­kla­ve-Tref­fen. Kei­ne Sache habe ich allei­ne gemacht.“

Öffnete „demokratisch-synodaler Ansatz“ Weg für Bergoglio?

Auf die Fra­ge, ob er dar­in einem „demo­kra­ti­schen Ansatz“ folgt, ant­wor­te­te der Papst:
„Es waren Ent­schei­dun­gen der Kar­di­nä­le. Ich weiß nicht, ob man von einem demo­kra­ti­schen Ansatz spre­chen kann, ich wür­de mehr von einem syn­oda­len spre­chen, wenn die­ses Wort für die Kar­di­nä­le auch nicht pas­send ist.“

Soweit, was Papst Ber­go­glio sag­te. Der Form nach wird es kei­nen Kap­tu­lier­ten oder kei­ne Kapi­tu­la­ti­on, wie immer man es nen­nen will, gege­ben haben. In der Sub­stanz aber ist man nicht weit davon ent­fernt.

Der Rat der acht Kar­di­nä­le, den Fran­zis­kus gehor­samst errich­tet hat, ver­sam­melt sich genau in die­sen Tagen erneut im Vati­kan.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Set­ti­mo Cielo/Lettera47

12 Kommentare

  1. Hm, das ist schwie­rig! F. sagt ja nicht, dass er einer bestimm­ten Frak­ti­on folgt, son­dern dem, was die Kar­di­nä­le ins­ge­samt an Wün­schen an das neue Pon­ti­fi­kat geäu­ßert hat­ten. Wer auch immer gewählt wor­den wäre — an ihn waren die­se Wün­sche gerich­tet.
    Man kann bei besten Wil­len dar­aus nichts ablei­ten. Man hat doch sach­lich eher den Ein­druck, dass F. damit dem Bild des „pri­mus inter pares“ näher­kom­men will, als bestimm­te Ein­zel­in­ter­es­sen zu bedie­nen. das ist nun sei­ne „Macke“. Ein ande­rer Gewähl­ter hät­te dies­be­züg­lich eine ande­re Hal­tung und auch alle Macht, sie durch­zu­zie­hen — noch.
    Wenn nicht für die Zukunft F. das ent­spre­chend lockert und die Mög­lich­kei­ten des Pap­stes ein­schränkt.
    Er wirkt auf mich ein­fach als Über­zeu­gungs­tä­ter und nicht als Opfer.
    Bei jedem Papst aufs Neue die­se Spe­ku­la­ti­on — aber nein, es sind schon die Gewähl­ten selbst, die ihre Ent­schei­dun­gen ohne Not tref­fen. Dass es auch anders gin­ge zeigt ja das histo­ri­sche Bei­spiel aus dem 14. Jh.

    • „Wenn nicht für die Zukunft F. das ent­spre­chend lockert und die Mög­lich­kei­ten des Pap­stes ein­schränkt.“
      Ein Papst kann sei­nem Nach­fol­ger kei­ne Vor­schrif­ten machen. Jeder Papst hat die vol­le, petri­ni­sche Gewalt, wie es von Jesus gewollt ist. Genau­so wenig kann ein Papst sei­nen Nach­fol­ger sel­ber ernen­nen, wobei ich mir dabei aber nicht sicher bin. Soweit ich weiß gab es das aber noch nie. Der Papst ist sehr mäch­tig, aber nicht all­mäch­tig. Die Macht, die päpst­li­che Gewalt ein­zu­schrän­ken, hat er nicht. Außer­dem denkt Ber­go­glio gar nicht dar­an, die päpst­li­che Macht ein­zu­schrän­ken, denn er kostet sie bis an ihre Gren­zen aus, wie die wun­der­lo­se Hei­lig­spre­chung Ron­cal­lis und sein auto­ri­tä­res Vor­ge­hen gegen den Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta zeigt.
      Eines wür­de ich sie ger­ne Fra­gen zeit­schnur, denn Sie wis­sen zwei­fel­los viel. Ein Papst hat die Macht die Wahl­ord­nung für sei­nen Nach­fol­ger selbst fest­zu­le­gen. Besitzt der Papst auch die Macht, sei­nen Nach­fol­ger allei­ne und ohne die Kar­di­nä­le zu ernen­nen, oder ist die Fra­ge des nach­fol­gen­den Pap­stes die Ein­zi­ge, bei der das Kar­di­nals­kol­le­gi­um mäch­ti­ger ist als der Papst? Bei der Abdan­kung Bene­dikts wur­de zum Bei­spiel gesagt, dass er an der Wahl sei­nes Nach­fol­gers kei­ne Rol­le mehr spie­len wird, da er über 80 ist. Dar­an gedacht, dass er die­se Regel ändern könn­te, dach­te kei­ner. Auch könn­te er die zwei Drit­tel Ord­nung ändern. Er könn­te theo­re­tisch die Wahl­ord­nung ändern, dass zum Bei­spiel alle Bischö­fe das Papst­wahl­recht hät­ten, wobei dies prak­tisch aber wegen der hohen Anzahl schwie­rig umzu­sät­zen und unüber­schau­bar wäre. Nur könn­te er allein, er, der die Voll­macht besitzt, die Kir­che zu füh­ren und mäch­ti­ger ist als bei­spiels­wei­se die Füh­rer der Ost­kir­chen, ganz allein den näch­sten Papst ein­set­zen? Über eine Ant­wort von ihnen wür­de ich mich sehr freu­en, denn das fra­ge ich mich schon lan­ge.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Damit habe ich mich nicht so inten­siv beschäf­tigt — aber viel­leicht bie­tet Ihnen die­ser Arti­kel hier einen Ein­stieg ins The­ma: http://de.wikipedia.org/wiki/Apostolische_Schreiben_zum_Konklave
        Wei­ter berührt Ihre Fra­ge ja die Pra­xis, dass Päp­ste Ver­wand­te oder sogar Söh­ne (was ein­fach nur ein Greu­el war!) in Bischofs­äm­ter, aber prin­zi­pi­ell durch stra­te­gi­sche „Vor­ar­bei­ten“ in s Pap­s­amt hie­ven woll­ten und konn­ten. Das nennt man „Nepo­tis­mus“, und das Pro­blem durch­zog die gan­ze Kir­chen­ge­schich­te. Dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus_am_Heiligen_Stuhl
        Oder hier: http://web.archive.org/web/20080622114942/http://www.erfurt-web.de/Nepotismus
        Dem­nach spiel­te auch Pius XII. in der Liga die­ser Machen­schaf­ten mit.
        Auch ins The­ma fällt das Pro­blem der Simo­nie, mit der sich selbst Johan­nes Paul II. in dem oben erwähn­ten Schrei­ben aus­führ­lich auseinandersetzen…musste (wie man den Ein­druck hat: hier und heu­te!).

        Eine akti­ve Bestim­mung des Nach­fol­gers aller­dings erscheint mir bis­lang nicht gesche­hen zu sein. Aber ich las­se mich geren beleh­ren.

        In der Zeit des abend­län­di­schen Schis­mas war eine Kon­ste­all­ti­on erreicht, in der kein recht­mä­ßi­ges Kard­nals­kol­le­gi­um mehr hät­te einen recht­mä­ßi­gen Papst wäh­len kön­nen. Alle Kar­di­nä­le stan­den in Obö­di­enz zu unrech­ten Päp­sten bzw. man konn­te nicht mehr ent­schei­den, wer nun der Rech­te und der Unrech­te eigent­lich war.
        In dem berühm­ten Kon­zils­de­kret „Haec sanc­ta syn­odus“ von 1415 http://de.wikipedia.org/wiki/Haec_sancta wird erklärt, dass die Kom­pe­tenz, den rech­te­mä­ßi­gen Papst zu wäh­len, beim Kon­zil liegt:
        „Die­se im Hei­li­gen Gei­ste recht­mä­ßig ver­sam­mel­te Syn­ode, die ein all­ge­mei­nes Kon­zil dar­stellt und die strei­ten­de katho­li­sche Kir­che reprä­sen­tiert, hat ihre Voll­macht unmit­tel­bar von Chri­stus; ihr ist jeder­mann, wel­chen Stan­des oder wel­cher Wür­de auch immer, auch wenn es die päpst­li­che sein soll­te, gehal­ten zu gehor­chen in dem, was den Glau­ben, die Aus­rot­tung des besag­ten Schis­mas und die all­ge­mei­ne Reform die­ser Kir­che Got­tes an Haupt und Glie­dern betrifft.“
        Der kon­zi­lia­re Pro­gres­sis­mus will die­sen Satz ver­all­ge­mei­nernd lesen, für immer und alle Zei­ten. Dem steht frei­lich ent­ge­gen, dass dies ganz augen­schein­lich eine ein­ma­li­ge Not­lö­sung in einer ver­wor­re­nen Lage war, und sofort danach wei­der die bekann­ten Papst-Wahl-Vor­ge­hens­wei­sen ein­tra­ten.

        Was lehrt uns das alles?
        Wer den Papst wählt oder erhebt, ist nicht unwan­del­bar. Vor allem die Fra­ge, ob der welt­li­che Herr­scher hier dem Papst befiehlt oder umge­kehrt — nicht nur bei Hein­rich IV. war das ein Streit­punkt, auch bei Bar­ba­ros­sa, der sich schon vor sei­ner Kai­ser­krö­nung als „römi­scher Kai­ser“ bezeich­ne­te, also dem papst das Ent­schei­dungs­recht bestritt plus alles, was dar­aus ableit­bar sein könn­te etc.
        Ob aber ein Papst sei­nen Nach­fol­ger bestim­men könn­te, erscheint mir frag­lich. Ich müss­te das aber erst sel­ber genau­er unter­su­chen.

      • Ich dan­ke Ihnen für ihre aus­führ­li­che Ant­wort zeit­schnur.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Wo ist die Gren­ze zu zie­hen, zwi­schen inhalt­li­cher Über­ein­stim­mung und abge­run­ge­ner Wahl­be­din­gung? Die gibt es schon, nur, wis­sen wird man es wohl nie so genau. Tat­sa­che ist, dass es eine akti­ve Grup­pe von Kar­di­nä­len gab, die kei­ne Fort­set­zung des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. woll­te, auch nicht von Johan­nes Paul II.
    Die Uhr soll­te vor­wärts zurück­ge­dreht wer­den ins Jahr 1978. Den Rest kann man sich in etwa aus­ma­len. Ein Tor, wer meint, im Kon­kla­ve über­las­sen alle Kar­di­nä­le alles allein dem Hei­li­gen Geist. Die Vor­stel­lun­gen sind bei man­chen sehr klar und sie suchen vor­ab einen geeig­ne­ten Kan­di­da­ten ihrer Wahl. Mit die­sem wird mit Sicher­heit abge­klärt, wie er zu wel­chen Fra­gen steht. Soweit also alles im grü­nen Bereich? An die­ser Stel­le könn­ten die Din­ge aller­dings pro­ble­ma­tisch wer­den, falls For­de­run­gen erho­ben wer­den, denen der Kan­di­dat nur zustimmt, um gewählt zu wer­den. Die Bestim­mung von Johan­nes Paul II. scheint sich zudem grund­sätz­lich gegen Grup­pen­bil­d­ugen zu wen­den. Aber, wie gesagt, mehr wer­den wir viel­leicht nie erfah­ren.
    Erstaun­li­cher an der Sache fin­de ich, dass Papst Fran­zis­kus ziem­lich auto­kra­tisch regiert, aber bei den Refor­men mehr­fach beton­te, ledig­lich aus­füh­ren­des Organ von Kar­di­nal­s­wün­schen zu sein. Einer Grup­pe, einer Frak­ti­on? Nimmt man zusam­men, wen er för­dert, wen er fal­len­läßt, was er anstößt, was nicht, z.B. dass er aus­ge­rech­net Kar­di­nal Kas­per beim ersten Ange­lus erwähn­te, aus­ge­rech­net, die­sem und sei­nen The­sen einen pri­vi­le­gier­ten Platz beim Kon­si­sto­ri­um über die Fami­lie ein­räum­te, aus­ge­rech­net ihn dann mit gan­zer Auto­ri­tät ver­tei­dig­te („Theo­lo­gie auf den Knien“) und dann sich erin­nert, daß Kas­per einer der Archi­tek­ten des neu­en Pon­ti­fi­kats war, scheint sich doch ziem­lich deut­lich eine Rich­tung abzu­zeich­nen. Der Papst nur als exe­ku­ti­ves Organ einer von ihm getrenn­ten Legis­la­ti­ve? Koket­te­rie, Image­pfle­ge, Über­ein­stim­mung?

  3. Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on hin oder her: Ich tue, was die Kar­di­nä­le gewünscht haben… Was ist denn das für eine ver­wir­ren­de Aus­sa­ge. Der „Chef“ tut, was ihm sei­ne Unter­ge­be­nen sagen. Und ich dach­te immer der Papst führt die Kir­che. Die­se Aus­sa­ge an sich kann zwei­er­lei bedeu­ten: a) Ich bin nicht schuld, ich tue nur was die ande­ren sagen, b) sie ist die der Beweis für den fak­ti­schen Umbau des Papst­tums in eine „syn­oda­le Mon­ar­chie“.

  4. Auch ein ‚kapi­tu­lier­ter‚ Papst muss dem Haupt der Kir­che gehor­chen.

    Es irri­tiert ganz gehö­rig, dass die­ser Papst sich wie­der­holt völ­lig unge­niert auf die Abspra­chen mit den Kar­di­nä­len beruft, so als gäbe es kei­ner­lei Bestim­mun­gen.
    Wenn die Kar­di­nä­le im soge­nann­ten Prä-Kon­kla­ve Abspra­chen tref­fen, die dann im Kon­kla­ve zur Anwen­dung kom­men dann sind das de fac­to Abspra­chen, die die Wahl beein­flus­sen.
    Ungül­ti­ge Wahl­gän­ge wegen über­zäh­li­ger Stimm­zet­tel im Kon­kla­ve erre­gen auch nicht gera­de das Ver­trau­en.

    Gel­ten die Bestim­mun­gen zur Durch­füh­rung des Kon­kla­ve oder gel­ten sie nicht?

    Wer kon­trol­liert dies eigent­lich?

  5. Mit der Wahl Ber­go­gli­os war von Anfang an die Durch­set­zung einer bestimm­ten Agen­da ver­bun­den. Ver­ges­sen wir nicht, dass er schon beim Kon­kla­ve 2005 „gecoacht“ wur­de. 2013 dürf­ten Kas­per, Hum­mes und (im Hin­ter­grund) Soda­no die Strip­pen gezo­gen haben. Es passt alles so gut zusam­men. Da ist im „Vor­kon­kla­ve“ recht schnell die Ent­schei­dung zugun­sten Ber­go­gli­os gefal­len, wobei neben Alter und Kon­sti­tu­ti­on sicher auch eine gewis­se Unschär­fe in Sachen Leh­re und eine all­ge­mei­ne Unbe­kannt­heit und Unauf­fäl­lig­keit der Per­son eine Rol­le gespielt haben mögen. Mit die­ser Tak­tik ist Ber­go­glio eben die (indif­fe­ren­te) Ide­al­fi­gur für die Umset­zung bestimm­ter, von lan­ger Hand geplan­ter Zie­le. Cui bono?

    • Sehr zutref­fen­de Bemer­kun­gen. Um den Kurs von BXVI, der die „Kryp­to­lef­eb­vria­ner“ und Lef­eb­vria­ner zu sehr zu för­dern schien, zu been­den und zu kor­ri­gie­ren, haben sich Soda­nia­ner und Mar­ti­nia­ner ver­bün­det. Ein Erfolg wäre aller­dings ohne Betei­li­gung von Ratz­in­ge­ria­nern nicht mög­lich gewe­sen. Man darf nicht ver­ges­sen, dass zwei Drit­tel der Wäh­ler im Kon­kla­ve 2013 aus Ernen­nun­gen von BXVI stamm­ten. Die­ser hat zwar auch katho­lisch geson­ne­ne Kir­chen­män­ner wie Bur­ke, Pia­cen­za und Ran­jith in wich­ti­ge Posi­tio­nen gebracht. Er ach­te­te aber auch sehr dar­auf, die Geg­ner nicht zu benach­tei­li­gen, was sich in der Beför­de­rung sol­cher Her­ren wie Rava­si und Braz de Aviz deut­lich zeig­te. Für die Wahl Ber­go­gli­os dürf­te jedoch die Grup­pe um Schön­born und Marx (indi­rekt auch Mül­ler) aus­schlag­ge­bend gewe­sen sein, die schein­bar ratz­in­ge­ria­nisch, in der Tat aber gegen die „Reform der Reform“ und gegen jeden Kom­pro­miss mit der FSSPX war und ist. Somit ist BXVI letzt­lich von sei­nen eige­nen Freun­den ver­ra­ten wor­den…

  6. Zual­ler­erst muss auch ein Papst dem Heil­gen Geist gehor­chen! Nicht das, was eini­ge Kar­di­nä­le wün­schen, ist für die Kir­che maß­geb­lich, son­dern was Gott will und da ist der Papst im radi­ka­len Sin­ne gebun­den. Wenn sich die Wün­sche pro­gres­si­ver Grup­pen unter den Kar­di­nä­len gegen den katho­li­schen Glau­ben rich­ten — und sie tun es — dann kön­nen sie nicht als Ori­en­tie­rung für Papst­ent­schei­dun­gen die­nen.

    In der Kir­che wir­ken Men­schen, aber die Kir­che ist doch von Gott gemacht und er wird sie nicht fal­len las­sen.

    Papst Fran­zis­kus hat inzwi­schen schon die ein oder ande­re „Schlap­pe“ erlebt, was sein Auf­tre­ten und sei­nen „Reform­ei­fer“ anbe­langt. Die Katho­li­zi­tät treu­en Kar­di­nä­le waren nach der Wahl und dem ersten öffent­li­chen Auf­tre­ten Papst Fran­zis­kus in Schock­star­re ver­fal­len, erho­len sich aber lang­sam wie­der und tre­ten Bestre­bun­gen, die Ehe zu ver­wäs­sern, ent­schie­den und klar ent­ge­gen. Der Papst weiß mitt­ler­wei­le, dass er, wür­de man den Gedan­ken­gän­gen Kar­di­nal Kas­pers nach­ge­ben, ein Schis­ma ris­kiert.

    Man kann wie ein Adler den Flug begin­nen und als Ente lan­den.

    Papst Fran­zis­kus hat sich viel zu sehr den Medi­en aus­ge­lie­fert, er gibt zu vie­le Inter­views, die inner­halb der Kir­che für tota­le Ver­wir­rung sor­gen. So gewinnt er aber nicht mehr Glaub­wür­dig­keit, son­dern ver­liert sie, was ihm auf Dau­er den Spiel­raum für „Refor­men“ nimmt. Auch haben die „Refor­mer“ durch die eis­kal­te Meu­che­lung des Lim­bur­ger Bischofs ihrem Anlie­gen schwer­sten Scha­den zuge­fügt. Jeder weiß nun, was das für lie­bens­wür­di­ge Chri­sten sind und wie man zukünf­tig mit einem Bischof umzu­ge­hen gedenkt. Papst Fran­zis­kus ist Lim­burg längst ent­glit­ten, er hät­te das gan­ze Dom­ka­pi­tel aus­wech­seln müs­sen, doch der Zug ist nun abge­fah­ren. Wenn ein Stadt­de­kan öffent­lich von der Erle­di­gung der Amts­kir­che in der Pres­se schwa­dro­nie­ren kann, ohne dass das Fol­gen für ihn hat, dann wird auch das Papst­amt beschä­digt, schon weil ein Papst sol­chem Trei­ben taten­los zusieht.

    War­ten wir ab, wie Ber­go­lio sich wei­ter in sein Amt ein­fügt, immer­hin ist nicht er der Herr und Mei­ster, son­dern da gibt es ja noch eine höhe­re Instanz. Viel­leicht erle­ben wir ja noch erstaun­li­che Ver­än­de­run­gen bei die­sem Papst, wer weiß, man soll­te nichts aus­schlie­ßen.

  7. Es ist doch christ­li­che Kriegs­tak­tik, den Geg­ner zu umar­men und ganz fest an die Brust zu drücken, bis ihm der Atem ver­geht. Im Neu­sprech heißt das doch Koali­ti­on oder Öku­me­ne oder.…. Der Geg­ner wird ein­ge­bun­den, mit dem Ziel ihn zu kon­trol­lie­ren. Aller­dings ist es sehr wich­tig zu wis­sen, wer den län­ge­ren Atem und mehr Kraft hat. Wer einen Turm bau­en will, setzt sich auch erst mal hin und prüft ver­nünf­ti­ger­wei­se, ob aktu­ell die eige­nen Mit­tel aus­rei­chen für das Vor­ha­ben. So funk­tio­niert die Kurie gewiss auch und der Papst wird, je nach Bega­bung und Füh­rungs­kraft, einen Teu­fel tun, und mit ein­sa­men Ent­schei­dun­gen in weni­ger wich­ti­gen Berei­chen die Mehr­heit der Betei­lig­ten gegen sich auf­brin­gen.
    Wie war es denn frü­her in der Mon­ar­chie? Die Für­sten waren dazu da, dass aus ihnen irgend­wann ein König her­vor­ging. Anson­sten brauch­te sie kein Mensch. Damit sie in der Zwi­schen­zeit nicht aus Lan­ge­wei­le anfin­gen zu oppo­nie­ren und ihre Eigen­in­ter­es­sen zu ver­fol­gen, wur­den sie am Hof mit ein­ge­bun­den, indem die unmög­lich­sten Ämter erfun­den wur­den.
    Kein Papst wird das Rad neu erfin­den, auch Papst Fran­zis­kus nicht, die Fra­ge ist, wie gut ist er stra­te­gisch und wie groß ist die Anzahl sei­ner Unter­stüt­zer und wie groß ist die Anzahl sei­ner Geg­ner.
    Zu hof­fen ist, dass die­ser welt­li­che Teil als Fege­feu­er der Eitel­kei­ten nicht über­hand nimmt, so dass sein Grund­auf­trag, das zuver­läs­si­ge und sta­bi­le Bekennt­nis zur Welt spre­chen „Jesus Chri­stus ist der ein­ge­bo­re­ne Got­tes­sohn und Mes­si­as“ und die Sicher­stel­lung der jeder­zei­ti­gen Ver­ge­gen­wär­ti­gung des hl. Mess­op­fers in der Welt durch Prie­ster nicht durch Über­ei­fer an nach­ran­gi­gen Auf­ga­ben zu kurz kommt oder gar aus tak­ti­schen welt­li­chen Grün­den abge­schwächt und ver­dun­kelt wird.

  8. Offen­bar hat der „Lie­be Gott“ die Gebetsch­wa­fe­lei­en der drei abra­ha­mi­ti­schen Reli­gi­ons­ver­te­ter in den vati­ka­ni­schen Gär­ten nicht erhört.Wie jetz jeder­mann sehen kann: Mord und Tot­schlag in Isra­el gehen weiter.BÜRGERKRIEG IN DER Ukraine,.Die Kir­chen der Ukrai­ne seg­nen Waf­fen und Soldaten.Ja,ja,der pöse,pöse Rus­se ist an allem Schuld.Angeblich.Und zugu­ter letzt: Papa Ber­go­glio hat sich trotz­dem ganz köst­lich ver­pflegt und lächelt wei­ter schön auf dem diplo­ma­ti­schen Parkett.Denn er ist ja der Papst ‚der gröss­te aller Zei­tem­der Super­mann mit Doppelkinn,der Kinderküssende,Füssewaschend und zärt­li­che, auch wenn inner­halb sei­nes ‚Reviers‘ die Kom­mis­sä­re eines Schla­ges von Volpi & Co tabu­la Rasa machen.Danke Papa Franziskus.Du bist ja ein gaaaaa­anz gro­sser .…

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