Die Prostitution der Politik – Wenn die Macht Verrat am Volk übt

US-Präsident Obama, Prototyp des Staatsührers, der die Interessen der Abtreibungs- und Homo-Lobby vertritt
US-Prä­si­dent Oba­ma, Pro­to­typ des Staats­üh­rers, der die Inter­es­sen der Abtrei­bungs- und Homo-Lob­by vertritt

(Rom) Der Chef­re­dak­teur der katho­li­schen Inter­net­sei­te „Ris­cos­sa Cri­stia­na“, Pao­lo Deot­to, stellt in sei­nem jüng­sten Auf­satz die Fra­ge in den Raum, wie von katho­li­scher Sei­te dar­auf zu reagie­ren sei, daß die Staats­füh­rer eine Poli­tik betrei­ben, die Staa­ten und Völ­ker des soge­nann­ten Westens „in den Abgrund füh­ren“. Deot­to spricht davon, daß die Staats­füh­rer unter­ein­an­der gera­de­zu einen „Wett­lauf“ zu insze­nie­ren schei­nen, wer sein Volk als erster in die Selbst­auf­lö­sung führt. Als Indi­ka­tor dient Deot­to die neue Gesetz­ge­bung zugun­sten angeb­li­cher „Rech­te“ für Homo­se­xu­el­le, bei deren Ein­füh­rung sich die Poli­ti­ker gegen­sei­tig über­trump­fen wol­len. Homo­se­xu­el­le und ande­re LGBT-Selbst­klas­si­fi­zier­te als neue, poli­tisch hofier­te und pri­vi­le­gier­te Klas­se. Deot­to will kei­ne Ant­wor­ten geben, son­dern einen Dis­kus­si­ons­pro­zeß ansto­ßen. Wir doku­men­tie­ren die Aus­füh­run­gen Deot­tos als Diskussionsbeitrag.

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Wenn die Mächtigen das Volk verraten

von Pao­lo Deotto

Die jüng­sten Ent­schei­dun­gen des Königs von Spa­ni­en und des Prä­si­den­ten der USA wer­fen das eben­so dra­ma­ti­sche wie unge­lö­stes Pro­blem der Legi­ti­ma­ti­on der Macht und der staats­bür­ger­li­chen Gehor­sams­pflicht auf. Kann die Ver­pflich­tung zum Gehor­sam sich ändern und in äußer­sten Not­fäl­len sogar zur Ver­pflich­tung zur Auf­leh­nung werden?

Zwei unter­schied­li­che Nach­rich­ten haben einen gemein­sa­men Nen­ner: die homo­se­xu­el­le Ver­ses­sen­heit und die Pro­sti­tu­ti­on der Poli­tik gegen­über einer Ideo­lo­gie, obwohl Staats­ver­tre­ter, an erster Stel­le Staats­ober­häup­ter, in höch­ster Ver­ant­wor­tung ste­hen, für das All­ge­mein­wohl des ihnen anver­trau­ten Vol­kes zu wirken.

Obamas Ziele für die USA: „LGBT-Botschafter“

Aus den USA kommt die Nach­richt, daß „Prä­si­dent Barack Oba­ma ‘hart’ dafür arbei­tet, daß es bis zum Ende sei­ner Amts­zeit ‘les­bi­sche, bise­xu­el­le und trans­se­xu­el­le Bot­schaf­ter’ geben wird“.
In Spa­ni­en lädt der neue König Feli­pe VI. die LGBT-Orga­ni­sa­tio­nen in den könig­li­chen Palast ein.

Ein Grund für die­se Ent­schei­dun­gen ist sicher poli­ti­sches Kal­kül oder bana­ler aus­ge­drückt, irgend­ein do ut des. In den USA spricht man davon, die Wahl­kampf­kas­sen der Demo­kra­ti­schen Par­tei für die Prä­si­dent­schafts­wah­len für die Nach-Oba­ma-Zeit zu sam­meln, die am 8. Novem­ber 2016 ent­schie­den wer­den. Und die Mafia der Per­ver­tier­ten ver­fügt über gro­ße Finanz­mit­tel, wie das gan­ze Geschäft um Sex zeigt. Viel­leicht meint der neue König von Spa­ni­en, einer sei­ner Titel lau­tet „katho­li­sche Maje­stät“, der Mon­ar­chie durch „Öff­nung“ gegen­über der neu­en Zeit neu­en Schwung zu verleihen…

Politische Kalküle, die Zukunft aufs Spiel setzt inakzeptabel

Es mag tau­send Kal­kü­le für ein sol­ches Ver­hal­ten geben, aber kei­nes ist letzt­lich akzep­ta­bel. Viel­mehr könn­ten sich die­se Rech­nun­gen als ver­nich­ten­de Feh­ler erwei­sen, denn die Geschich­te hält häu­fig bit­te­re Über­ra­schun­gen für jene bereit, die zu sehr und zu lan­ge offen­kun­dig gegen das Gesetz Got­tes han­deln. Das gilt auch für jene, die soweit gehen, wie in den genann­ten Fäl­len, mit ihrer Auto­ri­tät und ihrem Ein­fluß die Leug­nung der Schöp­fungs­ord­nung zu unterstützen.
Zudem drängt sich einer wei­te­re Über­le­gung auf: Wenn die Ent­schei­dung Oba­mas, eines offen­kun­di­gen Abtrei­bungs- und Homo-Ideo­lo­gen nicht wei­ter erstaunt, traf König Feli­pe VI. eine Ent­schei­dung, die nicht nur einen schwer erschüt­ter­ten Staat wei­ter erschüt­tert, son­dern auch das regie­ren­de Königs­haus und sei­ne Tra­di­tio­nen in Uneh­re stürzt.

Die völ­li­ge Pro­sti­tu­ti­on vor der töd­li­chen Homo-Ideo­lo­gie wirft mit gan­zer Wucht das grund­sätz­li­che Pro­blem des zivi­len Zusam­men­le­bens auf: die Recht­mä­ßig­keit in der Aus­übung der Auto­ri­tät und die dar­aus fol­gen­de Gehor­sams­pflicht für den Untertanen-Bürger.

Westliche Politiker betreiben Wettlauf zum Abgrund

Das Pro­blem betrifft natür­lich nicht nur die USA und Spa­ni­en. In der gesam­ten west­li­chen Welt fin­det ein Wett­lauf zum Abgrund statt und in jedem Land lie­gen bereits Gesetz­ent­wür­fe vor, die eine Zeit ein­lei­ten sol­len, die noch schlim­mer und ver­ab­scheu­ungs­wür­di­ger ist, als die derzeitige.

In Zei­ten der Nor­ma­li­tät ist der Staats­bür­ger ohne Zwei­fel ange­hal­ten, der recht­mä­ßi­gen Auto­ri­tät zu gehor­chen und die von die­ser erlas­se­nen Bestim­mun­gen ein­zu­hal­ten. Die­ser Grund­satz, der auch von der Kir­che seit alters her gelehrt wird, hat jedoch sei­nen kla­ren Rah­men dar­in, daß die recht­mä­ßi­ge Auto­ri­tät im Sin­ne des All­ge­mein­wohls han­delt. Wenn die Auto­ri­tät, gleich­gül­tig ob sie nun durch einen König oder einen Staats­prä­si­den­ten reprä­sen­tiert wird, nicht mehr das All­ge­mein­wohl ver­folgt, son­dern offen­kun­dig gegen die­ses han­delt, kann sie dann noch als recht­mä­ßi­ge Auto­ri­tät betrach­tet werden?

Bis wann üben schlechte Politiker ihre Autorität rechtmäßig aus?

Die Ant­wort lau­tet ohne Zwei­fel “Nein“, erst recht wenn sich das Han­deln gegen das All­ge­mein­wohl nicht nur auf rein mate­ri­el­le und/oder orga­ni­sa­to­ri­sche Pro­ble­me beschränkt, son­dern gera­de­zu das Zusam­men­le­ben selbst betrifft, die natür­li­che Ord­nung, auf der die mensch­li­che Exi­stenz ruht. Abso­lut unrecht­mä­ßig ist mit Sicher­heit eine Aus­übung der Auto­ri­tät, die sogar das See­len­heil der Staats­bür­ger-Unter­tan­ten aufs Spiel setzt.

So gese­hen, erscheint die Geste des spa­ni­schen Mon­ar­chen noch schwer­wie­gen­der als jene des Ver­ant­wor­tungs­lo­sen im Wei­ßen Haus. Wäh­rend Letz­te­rer mit den näch­sten Wah­len sei­ne Macht ver­lie­ren wird (eine Wie­der­wahl ist nach zwei Amts­pe­ri­oden nicht mög­lich) und – so Gott will – durch einen ver­ant­wor­tungs­be­wuß­ten Prä­si­dent ersetzt wer­den könn­te, ver­tritt König Feli­pe VI. die Kon­ti­nui­tät des Staa­tes. Die Ent­schei­dung des spa­ni­schen Königs, der zwar fak­tisch nur über eine begrenz­te Auto­ri­tät ver­fügt, ist von beson­de­rer Schwe­re, weil sie die Per­ver­si­on durch die mora­li­sche Auto­ri­tät der Kro­ne legi­ti­miert, die Aus­druck von Sta­bi­li­tät und (gött­li­cher) Ord­nung ist und die mora­li­sche und geist­li­che Gesund­heit einer gan­zen Nati­on aufs Spiel setzt.
In den ver­gan­ge­nen Tagen kam es bei Ris­cos­sa Cri­stia­na zu einer sehr inter­es­san­ten Dis­kus­si­on über die Katho­li­ken in der Poli­tik und die Fra­ge einer „katho­li­schen Partei“.

Wie haben Katholiken zum Schutz des Allgemeinwohls zu reagieren?

Der anschei­nend unauf­halt­sa­me Wett­lauf der west­li­chen Staa­ten in Rich­tung Selbst­auf­lö­sung zwingt mei­nes Erach­tens ernst­haft ein wei­te­res Pro­blem in Betracht zu zie­hen, das, bei genau­em Hin­se­hen, der Fra­ge nach einer katho­li­schen Par­tei und grund­sätz­lich der katho­li­schen Prä­senz in der Poli­tik. Die der­zei­ti­gen poli­ti­schen Syste­me des Westens drängt es gera­de­zu zu einer Dik­ta­tur der Per­ver­si­on, die gera­de­wegs – es ist nur eine Fra­ge der Zeit – auf eine Kata­stro­phe des zivi­len Zusam­men­le­bens zusteu­ert und eine Kata­stro­phe des Staa­tes, der eigent­lich Garant für das zivi­le Zusam­men­le­ben sein sollte.
Die katho­li­sche Prä­senz in der Poli­tik wird immer mehr zu einer Chi­mä­re, solan­ge es auf der einen Sei­te immer weni­ger Katho­li­ken gibt, wie auf­grund der schreck­li­chen Kri­se, die die Kir­che heim­sucht, unschwer abseh­bar ist, wäh­rend auf der ande­ren Sei­te der Staat immer stär­ker eine hef­ti­ge und immer radi­ka­le­re anti­christ­li­che und damit wider­na­tür­li­che Poli­tik betreibt, die eine wirk­li­che Mit­ar­beit der ver­blie­be­nen Katho­li­ken in der Poli­tik unmög­lich macht.

Abwesenheit der Kirche beschleunigt Verfall

Die Abwe­sen­heit der Kir­che, die weder den gering­sten Pro­test weder gegen das Ver­hal­ten des spa­ni­schen Königs noch gegen die mei­sten dies­be­züg­li­chen poli­ti­schen Pro­jek­te ande­rer west­li­cher Regie­run­gen erhebt, läßt immer drän­gen­der eine ande­re dra­ma­ti­sche Fra­ge in den Vor­der­grund tre­ten: Ist es nicht gera­de­zu eine Pflicht, mit allen ver­füg­ba­ren ange­mes­se­nen Mit­teln die poli­ti­schen Len­ker zu stop­pen, wenn die­se die ihnen anver­trau­ten Völ­ker in den Ruin füh­ren? Ist es nicht Pflicht, die Fahrt in Rich­tung Zer­stö­rung mit allen ver­füg­ba­ren, ange­mes­se­nen Mit­teln zu stop­pen, bevor es zu spät ist? Wenn das ratio­nem red­de kommt, wer­den alle, Gerech­te wie Unge­rech­te Rechen­schaft able­gen müs­sen. Wer­den dann auch jene unter den Gerech­ten sein, die sich damit begnügt haben, zuzu­se­hen oder besten­falls im klei­nen Kreis zu mißbilligen?

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Ris­cos­sa Cristiana

14 Kommentare

  1. Manch­mal hat es den Anschein, als ob die „Regie­ren­den” seit eini­ger Zeit die von ihnen zuerst besetz­ten und dann über­wach­ten Lebens­be­rei­che der Mensch­heit einer immer grö­ße­ren Beschleu­ni­gung unter­zö­gen, um dadurch schnel­ler an dem Punkt zu gelan­gen, von wo sie all die NWO-Plä­ne umset­zen wer­den. Alles nach dem Mot­to „Je schlim­mer desto bes­ser”. Die gesam­te Gen­der­agen­da und die Anhei­zung der mili­tan­ten Mus­li­me dient als Aus­lö­sung von Kon­flik­te, die dann gesteu­ert ver­wal­tet werden.
    Das ist aber nicht unse­rer Bereich. Als Katho­li­ken müs­sen wir beson­ders jetzt an allem fest­hal­ten, was die Pfei­ler der Kir­che („alte Mes­se”, die dar­auf gebau­te pri­va­te und gemein­schaft­li­che Fröm­mig­keit, Rosen­kranz, Lita­ni­en und das täg­li­che Zeu­gen von der gött­li­chen Cari­tas und Miser­i­cor­dia) bil­det und das unab­hän­gig davon, was auf uns aus Rom zukommt (wir kön­nen all die nega­ti­ven Erfah­run­gen auch als die Zeit der Pro­be für uns betrach­ten). Das ist unse­re Auf­ga­be als Eccle­sia militans.
    Um Tol­ki­en zu zit­tie­ren: Was die zahl­rei­chen Lords of the Rings angeht, wis­sen sie alle nicht, dass sie betro­gen wurden.

  2. Eine sehr treff­li­che Abhand­lung ! Der soge­nann­te „Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger“ Oba­ma ver­kör­pert gleich­sam die Dik­ta­tur der Per­ver­si­on im Ver­bund mit dem Kult des Todes. Wie tief ist die Mensch­heit gesun­ken ? Der „mäch­tig­ste Mann der Welt“ als Ver­tre­ter der Abtrei­bungs- und Homo­lob­by redet von „Frie­den“ und ist selbst einer der gröss­ten Zer­stö­rer desselben. 

    Die sel. Mut­ter The­re­sa von Kal­kut­ta am 10. Dezem­ber 1979 bei der Ver­lei­hung des Frie­dens­no­bel­prei­ses in Oslo:
    -
    [….]
    Ich habe eine Über­zeu­gung, die ich Ihnen allen mit­tei­len möchte:
    der größ­te Zer­stö­rer des Frie­dens ist heu­te der Schrei des unschul­di­gen, unge­bo­re­nen Kindes.“
    -

    Welch ein Kon­trast zwi­schen der Seli­gen und dem Todeskulter !
    Dass Letz­te­rer auch „Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger“ gewor­den ist, zeugt von der zuneh­men­den gesell­schaft­li­chen Ver­kom­men­heit der letz­ten Jahrzehnte.
    Dass dies­bez. die auf dem Papier „katho­li­schen Mon­ar­chien“ auch kräf­tig mit­mi­schen, ist ver­hee­rend, aber ange­sichts der dor­ti­gen kol­lek­ti­ven Feig­heit und des kol­lek­ti­ven Ver­rä­ter­tums kaum mehr erstaun­lich. Sowohl der ehem König v. Spa­ni­en Juan Car­lo ( de fac­to exkom­mu­ni­ziert auf­grund sei­ner Unter­schrift unter das mör­de­ri­sche Abtreibungs„gesetz“) wie auch der jet­zi­ge Feli­pe als Ver­beu­ger vor der Homo­lob­by oder auch der bel­gi­sche König Phil­ip­pe als durch Unter­schrift Mit­tä­ter an der sata­ni­schen Eutha­na­sie ( und somit eben­falls de fac­to exkom­mu­ni­ziert) sind „huma­ne“ Mit­läu­fer im „zeit­ge­mä­ssen Wett­ren­nen“ Rich­tung Abgrund. 

    Und die­je­ni­gen, deren Pflicht es wäre ihre Stim­me unmiss­ver­ständ­lich und unüber­hör­bar nicht nur gegen die­sen Ver­rat son­dern über­haupt gegen den sich geschwürs­ar­tig­gleich aus­brei­ten­den Kult des Todes zu erhe­ben, die Hir­ten in der Kir­che ? Ausser eini­gen löb­li­chen Aus­nah­men auch hier ein nahe­zu kol­lek­ti­ves Ein­tau­chen im „dia­lo­gi­sie­ren­den“ Wegschauen ! 

    Papst Pius XII. hat bereits im Jah­re 1949 in einer ein­drück­li­chen Mahn­re­de auf dem Peters­platz vor den Gefah­ren der kirch­li­chen Ver­beu­gung vor dem Geist der Welt gewarnt:
    -
    „Wollt ihr eine Kir­che, die schweigt,
    wo sie spre­chen müsste,
    eine Kir­che, wel­che das Got­tes­ge­setz abschwächt,
    es an den Geschmack des mensch­li­chen Wil­lens anpas­sen will,
    wenn sie ver­pflich­tet ist, es mit lau­ter Stim­me zu proklamieren,
    eine Kir­che, wel­che sich ent­fernt vom uner­schüt­ter­li­chen Fundament,
    auf wel­ches Chri­stus sie begrün­det hat,
    um sie bequem dem unbe­stän­di­gen Stand der Tages­mei­nung anzupassen
    oder sie der gera­de gül­ti­gen Mei­nung preiszugeben
    [….]
    Gelieb­te Söh­ne und Töchter!
    Geist­li­che Erben einer unge­zähl­ten Legi­on von Beken­nern und Märtyrern!
    Ist dies eine Kir­che, die ihr ver­ehrt und liebt?
    Wür­det ihr in einer sol­chen Kir­che die Lini­en des Ange­sich­tes eurer Mut­ter erkennen?
    Wür­det ihr euch einen Nach­fol­ger des ersten Petrus vor­stel­len kön­nen, der sich sol­chen Ansprü­chen beu­gen würde?“
    -

  3. In dem Arti­kel sind eini­ge Ungereimtheiten:
    An einer Stel­le for­mu­liert der Autor, der moder­ne „Unter­ta­nen-Bür­ger“ kön­ne heu­te nicht mehr in ein­fa­chem Gehor­sam gegen­über den Auto­ri­tä­ten sein.
    Anschlie­ßend über­legt er sich, inwie­fern Katho­li­ken sich poli­tisch for­mie­ren und ein­mi­schen soll­ten, dies aber in der pro­ble­ma­ti­schen Lage, dass Rom zu schwach reagiert auf aktu­el­le Pro­ble­me oder sogar anti­ka­tho­li­sche Wei­chen­stel­lun­gen vornimmt.

    Zunächst berührt mich der kon­tra­dik­to­ri­sche Begriff „Unter­ta­nen-Bür­ger“ selt­sam. Ist das Iro­nie? Oder soll das ernst gemeint sein? Der Bür­ger ist nie­mals Unter­tan, und der Unter­tan ist nie­mals Bür­ger. Die­se Begrif­fe sind ein­an­der aus­schlie­ßend. Wer in einer Mon­ar­chie dem Mon­ar­chen und des­sen Funk­ti­ons­trä­gern unter­stellt ist, ist ein „Unter­tan“. Wer Glied einer Demo­kra­tie ist, deren Sou­ve­rän das Staats­volk selbst ist, ist „Bür­ger“. In der Mon­ar­chie wird im besten Fall ein gött­li­ches Recht zugrun­de gelegt, dem sich auch der Mon­arch beu­gen muss. In sei­nem „Reich“ exi­stiert kein „Mit­spra­che­recht“. Was vor­ge­legt wird, muss befolgt wer­den. Aber so ein­fach ist das und war das ja nie: vie­le Jahr­hun­der­te, ja über ein Jahr­tau­send lern­te das Abend­land alle Fall­gru­ben und Nach­tei­le der Mon­ar­chie schmerz­lichst ken­nen, auch in der Dua­li­tät zum Papst­tum, des­sen Funk­ti­on im Grenz­be­reich zwi­schen poli­ti­schem Macht­amt und geist­li­chem Lehr­amt ja nie sau­ber geklärt wer­den konn­te. Das Vati­ca­num I hat es ver­sucht, nach­dem das Papst­tum einen Groß­teil sei­ner welt­li­chen Macht ein­ge­büßt hat­te, und die Unfehl­bar­keit des Pap­stes defi­niert — auch was die Sit­ten betrifft. Nur wel­che „Sit­ten“? Nur die kirch­li­chen? oder auch die welt­li­chen? Man muss erken­nen, dass die Päp­ste damit nicht fer­tig wur­den, die­ses Pro­blem zu lösen. Leo XIII., berühmt als „Arbei­ter­papst“, hat einen gewis­sen poli­ti­schen Aus­weg vor­for­mu­liert, die Sozi­al­leh­re, das Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip, einen Stän­de­staat — viel­leicht, aber er leb­te noch unter „mon­ar­chi­scher poli­ti­scher Rea­li­tät“. Dann kam Pius X., der nüch­tern sah, dass die Kir­che nicht so wei­ter­ma­chen konn­te wie bis­her. Er wird geahnt haben, dass die Tage der Mon­ar­chie und des Unter­ta­nen gezählt waren, Tage, die nicht nur gut und glanz­voll, son­dern in vie­lem total recht­los und böse waren. Warnt Gott nicht schon im AT vor der Mon­ar­chie, vor dem König­tum? Vie­le Katho­li­ken, die sich weit zurück­se­hen, haben ver­ges­sen, dass Gott kein König­tum woll­te, dass es bedeu­tet, IHN zu ver­wer­fen. Er lässt den Pro­phe­ten Samu­el dies dem Volk vor­tra­gen, aber das Volk will unbe­dingt eine Mon­ar­chie. Die Kämp­fe des Mit­tel­al­ters und der frü­hen neu­zeit zei­gen, dass die Mon­ar­chie ein Tum­mel­platz von macht, gewalt und einer ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Unklar­heit zwi­schen „Rex“ und „sacer­dos“, ein ewi­ges Tau­zie­hen um die Macht, ganz und gar nicht aber das Abbild Jesu Chri­sti war, der eben gera­de nicht sol­che Macht ergrif­fen oder je erkämpft hätte.

    • Hat unser Herr nicht sogar aus­drück­lich den poli­ti­schen Kampf um die Macht — gera­de auch den schein­bar gerech­ten Kampf — abge­lehnt? Und wur­de er nicht des­sen beschul­digt vom Hohen Rat, von Pila­tus aber davon aus­drück­lich freigesprochen?
      Die auf­kom­men­den Demo­kra­tien, die rus­si­sche Revo­lu­ti­on und die schon lan­ge in den USA bestehen­de Bür­ger­ge­sell­schaft, erlaub­ten kein rei­nes katho­li­sches Selbst­ver­städ­nis mehr, zumal in eini­gen Staa­ten dies ohne­hin auf­grund der kon­fes­sio­nel­len Unter­schie­de schon vor­her aus­ge­schlos­sen war: cui­us regio eius reli­gio! Im Klar­text: die hroi­sche gute alte katho­li­sche Welt war Ergeb­nis knall­har­ter Macht­po­li­tik. Wie­viel ech­ter Glau­be lag dem bei den Unter­ta­nen zugrun­de? Zei­gen nicht die Eska­la­tio­nen (Hexen­wahn, Juden­po­gro­me, Krie­ge zwi­schen den ein­zel­nen christ­li­chen Herr­schern, „Bürger„kriege), dass der Glau­be ganz und gar nicht tief ging und kei­ne schlim­me Sün­de ver­hin­dern konn­te. Kein König, der nicht hur­te, fraß und gewalt­tä­tig war, oft auch: kein Papst, der nicht so war — alles ach so katho­lisch. wäre dies alles so sta­bil gewe­sen, war­um fiel es in sich zusam­men wie ein Kar­ten­haus, schon früh, schon im Mit­tel­al­ter, erschreckend zu sehen bei den Exzes­sen der Kreuz­zü­ge, die so nicht geplant waren, und am Ende den Auf­stieg des Islam in Euro­pa, den Fall Ost­roms über­haupt erst so rich­tig ermöglichten…?

      Nein, wir lügen uns etwas in die Tasche, und kein Auf­stand der Men­schen gegen die Kir­che oder die Mon­ar­chie war ohne Grund. Nur erkann­ten die Auf­stän­di­schen nicht, so wie auch heu­te kämp­fe­risch gesinn­te Katho­li­ken, dass es kei­ne Lösung gibt, und dass sie uns auch nicht ver­hei­ßen ist. Nota bene: uns ist, wenn wir das Schwert in die Hand neh­men, kein Frie­de ver­hei­ßen. Jesus wies Petrus zurecht, als der zur Ver­tei­di­gung sei­nes Herrn das Schwert zückte.

      Ich fürch­te, auch wenn vie­le das nicht hören wol­len — wer sei­nem Herrn nach­folgt, nimmt nicht ein Schwert in die Hand, son­dern das Kreuz auf die Schul­ter. „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um!“ sag­te Jesus. Auch gewalt­freie poli­ti­sche Akti­on, die nicht Zeug­nis geben, son­dern Macht errin­gen will, fällt darunter.

      Die gro­ße Unge­reimt­heit, die kei­ner lösen kann, ist die, dass jede poli­ti­sche Akti­on ohne­hin nicht ohne lehr­amt­li­che Füh­rung pas­sie­ren darf. Wir haben lei­der kei­ne Lösun­gen. Und auch der ver­ehr­te Pius X. hat­te schlicht­weg kei­ne Lösun­gen: er erkann­te das Pro­blem und benann­te es. Er ließ die Kle­ri­ker den Anti­mo­der­ni­sten­eid spre­chen, aber er wuss­te ja, wie ihre Tak­tik aus­sah, muss­te sich also klar sein, dass sie jeden Eid schwö­ren wür­den, um an ihr Ziel zu kom­men. Dabei hat er das Ver­hält­nis zwi­schen Staat und Kir­che nicht geklärt und auch nur wider­sprüch­lich behan­delt. Man kann dar­aus kei­ne Ori­en­tie­rung ablei­ten. Das ist sein gro­ßes Man­ko. Und nach ihm hat­te man kei­ne Zeit mehr, die­se Fra­ge zu lösen, bis das Kon­zil das Schiff in eine ganz fal­sche Rich­tung abtrieb. Und nun?
      An die­sem Dilem­ma wird der Tra­di­tio­na­lis­mus ersticken und sich auflösen

      • Ver­ehr­te zeit­schnur, vie­len Dank für Ihre zwei Bei­trä­ge. Ich stim­me Ihnen zu, die Nei­gung zu unkri­ti­scher Ver­klä­rung der Ver­gan­gen­heit ist ein gro­ßer Schwach­punkt bei vie­len Traditionalisten.

        Die Welt war vor 1517, 1789, 1917 oder 1962 eben nicht „bes­ser“, weil die Men­schen, auch tief­gläu­bi­ge Katho­li­ken, doch alle Sün­der sind und reich­lich gesün­digt haben.

        Es ist natür­lich ein­fach, wie hier kürz­lich gesche­hen, gegen Hein­rich VIII. und die Angli­ka­ni­sche Kir­che her­um­zupö­beln, und dabei zu ver­ges­sen (ver­drän­gen?), daß auch ein über­zeug­ter Katho­lik und Kämp­fer gegen die Refor­ma­ti­on wie Kai­ser Karl V. es mit der ehe­li­chen Treue nicht so genau nahm. 

        Etwas ver­stört hat mich jedoch Ihr Satz: „wer sei­nem Herrn nach­folgt, nimmt nicht ein Schwert in die Hand, son­dern das Kreuz auf die Schulter.“

        Der ist ja rich­tig, aber wür­de das nicht in letz­ter Kon­se­quenz bedeu­ten, das Chri­sten jedes Unrecht und jede Gewalt von staat­li­cher (und ande­rer) Sei­te ertra­gen und erdul­den müs­sen, ohne sich zu weh­ren, außer viel­leicht mit pas­si­vem Widerstand?

        Ist wirk­lich nur der ein ech­ter Nach­fol­ger Jesu, der lei­det? Der alles Übel hin­nimmt, ohne dage­gen etwas ande­res zu unter­neh­men, als mit Worten?

        Ist das wirk­lich der Wil­le Got­tes, daß wir weit­ge­hend pas­siv alles Leid auf uns neh­men sol­len? Daß wir nur dann „gute Chri­sten sein kön­nen, wenn wir in Not sind?

        Wo ist da der Unter­schied zu jenen Geist­li­chen, die den not­lei­den­den, hun­gern­den Men­schen in der Ver­gan­gen­heit erklärt haben, die­se „Ord­nung“, in denen es ihnen schlecht ging und ande­ren sehr gut, sei von Gott und jeder Wider­stand dage­gen sei Wider­stand gegen Gott? Der sie für ihr Lei­den zwar reich beloh­nen wer­de, aber erst im Jenseits?

        Durch die­se Hal­tung hat die Kir­che doch im 19. Jahr­hun­dert die Arbei­ter an die Sozia­li­sten ver­lo­ren, weil den aus­ge­beu­te­ten Arbei­tern das nicht mehr genüg­te. Und die sich von einer Kir­che abge­wen­det haben, die sich lie­ber auf die Sei­te der „Herr­schen­den“ stell­te, die ihre Rech­te und Pri­vi­le­gi­en sicher­ten, anstatt sich in wah­rer Nach­fol­ge Chri­sti auf die Sei­te der „Müh­se­li­gen und Bela­de­nen“ zu stel­len, bzw. das ein­zel­nen Prie­stern oder Mön­chen und Non­nen „vor Ort“ überließ.

      • Ich den­ke ein­fach, dass die­ses Dilem­ma zum lacria­ma­rum val­le gehört, in dem wir leben.
        Es war frü­her nicht bes­ser, und es wird in Zukunft wohl auch nicht bes­ser wer­den, es ist dem Men­schen nicht erlaubt sich auf die­ser Erde wohn­lich ein­zu­rich­ten, es wird nie, einen guten, christ­li­chen Got­tes­staat geben, der zwar, nach einem Wort des hei­li­gen Augu­s­ti­uns ein Vor­bild an Wohl­fahrt und inne­rer, har­mo­ni­scher Ord­nung und inne­rem Frie­den, wäre, aber sagt der hei­li­ge Augu­sti­nus „es ist nun­mal so, der eine nimmt das Evan­ge­li­um an, der ande­re ver­wirft es, und der drit­te tut nur so, als ob er es anneh­men wür­de“. Und so wird das eben nix mit dem vor­bild­haf­ten christ­li­chen Staat.
        Nur gilt auch das ande­re Wort des glei­chen Hei­li­gen „Ein Staat ohne Gott ist im besten FAll, eine gut orga­ni­sier­te Räuberbande!“
        So bleibt, dass der Christ ver­su­chen muss, jede Staats­form mit Chri­stus zu durch­drin­gen, im festen Wis­sen, dass alles was er auf die­ser Erde schafft unter die Abtei­lung fällt „Die Gestalt die­ser Welt vergeht!“

      • @ Chor­bisch

        Ihre Fra­ge ist berech­tigt! Für mei­ne Begrif­fe liegt das Pro­blem in der Rela­ti­on Kir­che-Staat. Wenn Sie den Brief des hl. Pau­lus an Phi­le­mon lesen, wird der ent­lau­fe­ne Skla­ve auf­ge­for­dert zurück­zu­keh­ren — da ist nichts mit Auf­be­geh­ren etc.
        Jesus selbst hat ja alle Erwar­tun­gen an die­je­ni­gen, die einen sieg­rei­chen mili­tan­ten Mes­si­as erwar­tet hat­ten, schwer ent­täuscht. Das führ­te Judas zum Verrat.
        Ich bin nicht das Lehr­amt und kann da nichts ent­schei­den, nur hin­wei­sen auf die Pro­ble­ma­tik und die Aus­sa­gen in der Schrift. Chri­sten haben eini­ge Jahr­hun­der­te kei­ne poli­ti­sche Macht gehabt und auch nicht ange­strebt — in der Nach­fol­ge des Herrn. Vie­le der ersten Mar­ty­rer star­ben wirk­lich nur für IHN, ohne den Sinn zu ken­nen — nicht für irgend­wel­che irdi­schen Ziele.
        Mir fiel auf, dass Pius X. kei­ne Ant­wor­ten vor­brin­gen konn­te. Er hat eine „Reform“ ange­fan­gen, die aber mehr oder weni­ger rein inner­kirch­lich ver­or­tet war und die Bezie­hung in die Welt nicht wirk­lich klär­te. Er ist in sei­nen Tex­ten da wider­sprüch­lich, wie es mir scheint. Einer­seits will er die Kir­che „rei­ni­gen“ von allem säku­la­ren Bal­last, ande­rer­seits fin­det er die Tren­nung von Kir­che und Staat „unna­tür­lich“, wie er sag­te. Es ist deut­lich, dass hier zwei Denk­tra­di­tio­nen auf­ein­an­der prallen.
        Die histo­ri­schen Fak­ten sind jedoch ein­deu­tig und offen­ba­ren, dass es das katho­li­sche Traum­reich nie­mals gab. Im MA ran­gen Papst und Kaiser/bzw. König um die Macht, wer wem Wei­sun­gen geben darf und in wel­chen Bereich. Wie oft ende­ten die­se Zwi­ste in krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, bei denen viel Blut floss? An kirch­li­che Moral fühl­ten sich die Alten, sobal sie etwas Macht hat­ten, kaum gebun­den. Sie haben ganz recht — Karl V. wird als „from­mer“ Katho­lik beschrie­ben. Ach ja? Kann ich da nur fra­gen. Wie das bei die­sem Kon­to beim 6. Gebot? Die­se Mätres­sen­wirt­schaft als Zei­chen der „Fröm­mig­keit“?

        Wie immer — die Fra­ge lau­tet: wie weit sind wir in der Welt und wie weit sind nicht von der Welt? Es genügt nicht, die Lit­ur­gie zu ret­ten und anson­sten ein gott­se­li­ges katho­li­sches Arka­di­en zu erfin­den, das eine teils kit­schi­ge, teils gewalt­tä­ti­ge Illu­si­on ist. Das heißt, das Haus auf Sand zu bauen.
        Die Kir­che hat dem Staat immer zuge­stan­den, bewaff­ne­ten Kampf zu füh­ren, wenn er unum­gäng­lich scheint. Aber wo ist die Gren­ze, wenn es um die Grau­zo­ne welt­li­cher und geist­li­cher Din­ge geht?

      • Hört! Hört! Um Hen­ry VIII. und des­sen angli­ka­ni­schen Pro­te­stan­ten, die hier angeb­lich „ange­pö­belt“ wur­den, zu ver­tei­di­gen, wird ohne jeden Zusam­men­hang Karl V. her­an­ge­zerrt. War­um nicht gleich Hit­ler, der war doch auch Katholik?

        Aber selbst­ver­ständ­lich zie­he ich einen Kai­ser als Vor­bild vor, der ein­ge­denk sei­ner Regie­rung abge­dankt und sich für sei­ne letz­ten Jah­re still in ein Klo­ster zurück­zog und auf den Tod vor­be­rei­te­te. (Ich ver­mu­te mal: ohne Pia­no­for­te und „Kom­mis­sar Rex“.) 

      • @ Car­lo

        Der Zusam­men­hang, den Sie nicht sehen kön­nen, ist vorhanden:
        Es geht dar­um, dass Mon­ar­chen wie Karl V. ohne mit der Wim­per zu zucken, auf Deutsch, infor­mell ihr Lot­ter­le­ben leb­ten, Mätres­sen hat­ten, ille­gi­ti­me Kin­der zeug­ten und aner­kann­ten, dane­ben aber „äußerst fromm“ waren. Man fragt sich heu­te: Wel­che Moral hat­ten denn die­se Her­ren damals? In der guten alten Zeit, als noch alles im Lot war, und wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne nicht zur Kom­mu­ni­on durf­ten? Und nun kom­me mir bit­te nicht wie­der ein Schlau­mei­er und sage, das sei halt frü­her üblich gewe­sen. Nein! Die ersten Mis­sio­na­re auf ger­ma­ni­schem Boden haben sofort die­se Huren­wirt­schaft bekämpft, auch bei den Köni­gen, man­chen die Tau­fe ver­wei­gert, solan­ge sie die­ses Leben nicht auf­ga­ben. Nein! Das ist kein Kava­liers­de­likt und war — zumin­dest für ech­te Katho­li­ken — auch nie eines! Ob wohl der tief­from­me Karl V. auch ein­fach zur Hl. Kom­mu­ni­on ging? Wie man das wohl gehand­habt hat, wenn jeder wuss­te, der Mon­arch hat nachts ille­gi­ti­men Besuch?
        Irgend­et­was hängt schon schief, wenn man Hein­rich VIII. (zu recht) für sei­ne Schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tungs­sa­che kri­ti­siert, ja, sich den Kampf des Tho­mas Morus heu­te auf die Fah­nen schreibt — alles gut, kei­ne Fra­ge — aber bei­de Augen zudrückt, wenn es dar­um geht, wahr­zu­neh­men, dass die „katho­li­schen“ Mon­ar­chen, die die Refor­ma­ti­on bekämpf­ten, sel­ber ein schmut­zi­ges leben in Tod­sün­de leb­ten. Wenn Autoren nicht zu davon abse­hen, zu sagen, die Refor­ma­ti­on grün­de auf dem unge­zü­gel­ten Geschlechts­trieb, dann muss man wirk­lich zurück­fra­gen, wor­auf denn dann die katho­li­sche Mon­ar­chie samt lan­gen Pha­sen des Papst­tums gründete?
        Was ist wohl bes­ser? Zu huren, oder sich zu schei­den und wiederzuverheiraten?
        Als Karl V. die Refor­ma­ti­on bekämpf­te, war er noch nicht im Klo­ster und hat­te auch noch nicht abgedankt.

        Ich hof­fe, dass Sie den Zusam­men­hang nun bes­ser ver­ste­hen — es darf nicht das gesche­hen, was dem Katho­li­zis­mus schon immer vor­ge­wor­fen wur­de: Bigot­te­rie, das Mes­sen mit zwei­er­lei Maß und Doppelmoral.

        Das Bei­pi­el zeigt uns, dass Sün­den gegen das 6. Gebot auch schon zu ande­ren Zei­ten mas­siv und sogar noch durch die Päp­ste und Köni­ge selbst mas­siv und per­ma­nent gebro­chen wur­de und sicher kei­nen davon abge­hal­ten hat, zur Hl. Kom­mu­ni­on zu gehen.
        Die Fra­ge wäre hier, wie groß das Sün­den­be­wusst­sein damals war. Allen­falls in dem Bereich könn­te in Nuan­cen etwas anders gewe­sen sein als heu­te. Bin aber skep­tisch. Denn all­zu vie­le Hei­li­ge beklag­ten die Unein­sich­tig­keit und Ver­kom­men­heit der Zeitgenossen…

      • @zeitschnur

        Besten Dank, aber des Chor­bischs Bei­trag resp. des­sen Tenor in der betref­fen­den Pas­sa­ge steht ja immer noch da und lässt sich somit nachlesen. 

        Mir ging es kei­nes­wegs dar­um, Karls Unta­ten zu sei­ner Regie­rungs­zeit in irgend­ei­ner Wei­se zu rela­ti­vie­ren; Sie haben — eini­ge davon — treff­lich auf­ge­führt (hof­fent­lich sind wir bes­ser!). A B E R: Er dank­te ab und ver­starb sang- und klang­los als BÜßER im Klo­ster. Unter­stellt, es war ihm damit ernst, kann ich nicht glau­ben, dass dies nur für den lie­ben Gott, nicht aber für Sie maß­geb­lich ist (Iro­nie aus). 

        Dies völ­lig unbe­ach­tet zu las­sen, um die schis­ma­ti­sche „Angli­ka­ni­sche Kir­che“ des Hen­ry VIII. ent­spre­chend auf­zu­mö­beln (DARUM ging es ja Chor­bisch!), ist eine bewuss­te Reduk­ti­on. Was haben Zeit­ge­nos­sen über des­sen 6 armen Frau­en gesun­gen? „Geschie­den, geköpft, gestor­ben, geschie­den, geköpft, über­lebt.“ Und wie stirbt ein sol­cher? Unter Wiki­pe­dia nachzulesen.

        „Kurz vor sei­nem Tod wog er über 160 kg, sein Bett muss­te mit Holz­bal­ken ver­stärkt wer­den, um das Gewicht tra­gen zu kön­nen. […] Hein­rich […] ver­schwand […] als kran­ker, herrsch­süch­ti­ger Mon­arch, der Eng­land in diver­se, völ­lig frucht­lo­se Krie­ge mit Schott­land und Frank­reich geführt, eine Kir­chen­spal­tung ver­ur­sacht und die wohl­ge­füll­te Staats­kas­se geleert hatte.“

      • @ Car­lo

        Vie­len Dank für Ihre Aus­füh­run­gen! Ich habe Chor­bisch nicht so ver­stan­den, als ob er über den von ihm selbst benenn­ten Aspekt hin­au­s­ar­gu­men­tiert hät­te und mich dar­um selbst auch nur auf einen Ein­zel­aspekt bezogen.

        Ich dan­ke Ihnen aber für Ihren wich­ti­gen Hin­weis auf das „Auf das Ende muss man schau­en“ (Karl V. war ja kein beson­ders bös­ar­ti­ger Son­der­fall, son­dern eher noch ein „harm­lo­ser“ Mon­arch war, was die betref­fen­den Aus­schwei­fun­gen betrifft — es ging mir nur um die ein­ge­grenz­te Fra­ge nach der Treue zum 6. Gebot auf bei­den Sei­ten, und die Ein­hal­tung die­ses Gebo­tes sagt schon viel aus über einen Menschen!).
        Sie haben Recht — bei Karl V. kann man erken­nen, dass er sei­ne Sün­den viel­leicht bereu­te. Bei Hein­rich VIII. zog die eine schwe­re Sün­de die näch­sten schwe­ren Sün­den nach sich (Mor­de!) und auch Völ­le­rei etc. und offen­bar — soweit es uns zusteht das zu beur­tei­len — tota­le Uneinsichtigkeit.

    • @zeitschnur.

      Dank geht zurück! 

      Ja, hof­fen wir, dass jener Tunicht­gut — viel­leicht im aller­letz­ten Augen­blick — noch ehr­lich bereu­en konn­te; wenn wir bis zum Ende „durch­hal­ten“, wer­den wir’s erfah­ren… Aber es führt mir jetzt ein­mal mehr vor Augen:

      Wie groß ist der HERR !

  4. „Ver­pflich­tung zur Auflehnung“?

    Wenn man bereit ist, für 5 bis 10 Jah­re in den Knast zu gehen — zu Mör­dern und Ver­ge­wal­ti­gern, gegen die man als nor­ma­ler Mensch KEINERLEI Chan­ce hat — dann: Ja.

    Da die heu­ti­ge, ver­bür­ger­lich­te Kir­che einem nach so einem Gefäng­nis­auf­ent­halt NICHT hel­fen wür­de, ist das eine sehr schwe­re Entscheidung.

    • ja das stimmt so lei­der, höch­stens man kon­ver­tiert im Knast zur „Reli­gi­on des Frie­dens“ und macht „Kar­rie­re“ als Drogendealer.
      Wenn man dann noch sei­ne katho­li­schen Her­kunft ver­schweigt, dann hilft einem die Kir­che danach bestimmt!

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