Urteilen: Ja oder Nein? Papst Franziskus bereitet Kopfzerbrechen

Päpstliche Morgenmesse in Santa Marta
Päpst­li­che Mor­gen­mes­se in San­ta Marta

(Rom) Soll man jeman­den ver­ur­tei­len, beur­tei­len oder über jeman­den urtei­len? Ja oder Nein? Papst Fran­zis­kus berei­tet mit sei­nen Aus­sa­gen nicht zum ersten Mal Kopf­zer­bre­chen. Eini­ge päpst­li­che Aus­sa­gen erschei­nen selbst dem unbe­darf­ten Beob­ach­ter widersprüchlich. 

Manch­mal besagt eine Aus­sa­ge das genaue Gegen­teil einer ande­ren oder ver­mit­telt zumin­dest den Ein­druck inne­rer Wider­sprüch­lich­keit oder Zwei­deu­tig­keit. Das Pro­blem wird dadurch nicht klei­ner, weil der Vati­kan dazu schweigt, statt eine klä­ren­de und erklä­ren­de Inter­pre­ta­ti­on nach­zu­lie­fern. Auf das jüng­ste „Kopf­zer­bre­chen“, daß Papst Fran­zis­kus berei­tet, macht der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster aufmerksam.

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Urteilen: Ja oder Nein?

von San­dro Magister

In weni­ger als zwei Tagen sprach Papst Fran­zis­kus zuerst eine erschüt­tern­de Ver­ur­tei­lung aus, die zur Schlag­zei­le auf den Titel­sei­ten aller Tages­zei­tun­gen wur­de, und dann wur­de eine gan­ze sei­ner mor­gend­li­chen Pre­dig­ten in San­ta Mar­ta dazu ver­wen­det, die Chri­sten zu ermah­nen, nie­mals irgend­wen zu beur­tei­len und zu ver­ur­tei­len, son­dern immer nur Ver­tei­di­ger und Für­spre­cher für die ande­ren zu sein.

Das Urteil, bes­ser die Ver­ur­tei­lung ver­kün­de­te er am 21. Juni gegen die Mafio­si der kala­bri­schen ‚ndran­ghe­ta. Sei­ne Wor­te waren: „Wenn man nicht Gott, den Herrn, anbe­tet, wird man zum Anbe­ter des Bösen, wie es jene sind, die vom üblen Ruf und der Gewalt leben … Die ‚ndran­ghe­ta ist: Anbe­tung des Bösen und Ver­ach­tung des All­ge­mein­wohls. Die­ses Böse ist zu bekämp­fen, zu ent­fer­nen, man muß ihm Nein sagen!… Jene, die in ihrem Leben die­sen Weg des Bösen gehen, wie die Mafio­si, ste­hen nicht in der Gemein­schaft mit Gott: sie sind exkommuniziert!“

Die Chro­ni­sten berich­ten, daß an die­ser Stel­le die 200.000 Anwe­sen­den in einen gro­ßen Applaus aus­bra­chen. Ein Applaus, dem ein noch grö­ße­rer, welt­wei­ter Applaus der Medi­en folgte.

Tat­sa­che ist aber, daß Papst Fran­zis­kus gleich­zei­tig eine eben­so all­ge­mei­ne Zustim­mung lacht, wann immer er dazu auf­ruft, kei­ne Urtei­le abzu­ge­ben, ange­fan­gen bei jenem denk­wür­di­gen „Wer bin ich, um zu urtei­len?“, die wohl die welt­weit am häu­fig­sten zitier­te und beju­bel­te Aus­sa­ge die­ses Pon­ti­fi­kats ist.

Genau das berei­tet Kopf­zer­bre­chen. Fran­zis­kus ist ein Papst, der urteilt, beur­teilt, frei­spricht, beför­dert, absetzt, ver­ur­teilt. Gleich­zei­tig pre­digt er unun­ter­bro­chen, daß man nie urtei­len soll, weder ankla­gen noch verurteilen.
Wer urteilt „irrt immer“, sag­te er in sei­ner Pre­digt vom 23. Juni in San­ta Mar­ta. Er irrt, fuhr der Papst fort, „weil er sich an die Stel­le Got­tes setzt, der ein­zi­ger Rich­ter ist“. Er bean­sprucht „die Voll­macht, alles zu beur­tei­len: die Men­schen, das Leben, alles“. Und „mit der Fähig­keit zu urtei­len“, meint er auch die Fähig­keit zu haben, „zu verurteilen“.

Mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Mafio­si, zwei Tage vor­her, klang alles aber ganz anders. Msgr. Nun­zio Galan­ti­no, der Bischof von Cassa­no all’Jonio und Lieb­ling des Pap­stes, den Fran­zis­kus zum Sekre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz mach­te, über­setz­te die Wor­te des Pap­stes so: „Die Exkom­mu­ni­zie­rung bedeu­tet, daß den Mafio­si das Leben in der Kir­che ver­schlos­sen ist. Sie haben das Böse als Lebens­sy­stem gewählt. Und wenn das geschieht, bist du drau­ßen aus der Gemein­schaft. Du kannst nicht die Sakra­men­te emp­fan­gen, nicht Tauf- oder Firm­pa­te sein, nicht einem Patro­nats­ko­mi­tee ange­hö­ren, nichts. Es ist nicht dei­ne Gemein­schaft. Und es spielt kei­ne Rol­le, daß du das Bild der Got­tes­mut­ter oder einen Haus­al­tar oder die Bibel im Rat­ten­loch hast, in dem du dich ver­steckst: das bedeu­tet rein gar nichts.“

Von wegen nicht urtei­len! Aller­dings gibt es einen Anwen­dungs­hin­weis: Wenn der betrof­fe­ne Mafio­so sich in einem „Rat­ten­loch“ ver­steckt, ist das ein Zei­chen dafür, daß er flüch­tig ist und bereits von der irdi­schen Justiz ver­ur­teilt ist, wäh­rend, wenn er nicht vor­be­straft ist, es für die Kir­che nicht so leicht ist, ihn zu verurteilen.

Noch schwe­rer fällt es, die Ver­ur­tei­lun­gen des Pap­stes gegen die Mafio­si, die „Kor­rup­ten“ und all die ande­ren, über die er tag­täg­lich das Urteil fällt, mit sei­nen unun­ter­bro­che­nen Auf­for­de­run­gen in Ein­klang zu brin­gen, nie und über nie­man­den zu urtei­len. Die­se Auf­for­de­run­gen erstau­nen um so mehr, da sie von einem Nach­fol­ger des Petrus kom­men, dem die Schlüs­sel anver­traut wur­den, zu bin­den und zu lösen und alles, was er auf Erden bin­det und löst, wird auch im Him­mel gebun­den und gelöst sein. Eine Voll­macht, die er an die gan­ze Kir­che weitergibt.

Um genau zu sein, füg­te Papst Fran­zis­kus am 23. Juni in San­ta Mar­ta hin­zu, daß „der Ein­zi­ge, der urteilt, ist Gott und jene, denen Gott die Voll­macht gibt, es zu tun“. Aber er sag­te nicht, wer die­se sind, wes­halb der Satz unter­ging. Das Rät­sel geht weiter.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Set­ti­mo Cielo

26 Kommentare

  1. Wäre es nicht lang­sam an der Zeit die­sen Men­schen mal auf sei­nen gei­sti­gen Zustand unter­su­chen zu lassen???

  2. Wie sag­te schon Kon­rad Ade­nau­er: „Wat inter­es­siert mich mein Jeschwätz von jestern“ — ähn­lich soll­te man es bei Herrn Ber­go­glio machen: Es ist sinn­los, sich über sei­ne Logor­rhoe Gedan­ken zu machen!
    Vor einem Jahr behaup­te­te er, wer nicht zu Jesus Chri­stus bete, bete zum Teu­fel, zu Pfing­sten lud er Juden und Moham­me­da­ner aus­drück­lich dazu ein, wenn man sei­ner „Logik“ folgt, zu ihren Dämo­nen zu beten! Mit die­sem Herrn an der Spit­ze geht die gan­ze Kir­che zum Teufel!

  3. Völ­lig egal, was das Ober­haupt unse­rer katho­li­schen Kir­che, Papst Fran­zis­kus, macht, sagt und tut — es wird gene­rell ALLES hier in Fra­ge gestellt, schlecht gere­det und abge­ur­teilt. Auch wenn die­ses völ­lig belang­los ist und ihn auch nicht anficht, weil er der Petrus (der Fels) ist, ist es scha­de, wie­viel Ener­gie dafür ver­geu­det wird.

    • Das Mei­ste, was Herr Ber­go­glio sagt und tut, ist auch schlecht und scha­det der Kir­che. Die Kir­chen­has­ser lachen sich ins Fäust­chen und mob­ben Katho­li­ken mit „Aber euer eige­ner Papst hat gesagt…“. Ich bete dafür, dass wir mög­lichst bald einen neu­en, recht­gläu­bi­gen, die Kir­che ver­tei­di­gen­den und sie nicht an die Wöl­fe aus­lie­fern­den Papst haben. Das Urteil für Herrn Ber­go­glio beim Jüng­sten Gericht wird kommen.
      Per Mari­am ad Christum.

    • Da stim­me ich abso­lut zu! Mich macht es auch trau­rig. Fast scheint es mir, als wol­le die­se Bericht­erstat­tung in kei­nem Fall der unchrist­li­chen Mei­nung (wel­che auch immer sie sein mag) zustimmen. 

      Nach dem Mot­to „Wenn die Welt unse­ren Papst mag, kön­nen die Katho­li­ken ihn nicht mögen“ — das ist abso­lut unlo­gisch und traurig 🙁

      • „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, wür­de die Welt das Ihre lie­ben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, son­dern ich euch aus der Welt erwählt habe, dar­um hasst euch die Welt.
        Gedenkt des Wor­tes, das ich euch gesagt habe: Ein Skla­ve ist nicht grö­ßer als sein Herr. Wenn sie mich ver­folgt haben, wer­den sie auch euch ver­fol­gen; wenn sie mein Wort gehal­ten haben, wer­den sie auch das eure halten.
        Aber dies alles wer­den sie euch tun um mei­nes Namens wil­len, weil sie den nicht ken­nen, der mich gesandt hat.“ Johan­nes 15, 18 — 21
        Per Mari­am ad Christum.

    • @ the_­true-life und Isa­bel Umge­kehrt wird auch ein Schuh dar­aus. Es gibt näm­lich Katho­li­ken, bei denen es beim Wort Papst sofort Klick macht, dann stel­len sie ihren Ver­stand ab und bre­chen in Freu­den­ju­bel aus. Sie ste­hen in Hab-Acht-Stel­lung und rufen nur noch „Wun­der­bar, herr­lich, dan­ke lie­ber hei­li­ger Vater“ und was nicht alles. Gleich­zei­tig bla­sen sie zum Sturm gegen alle, die das alles nicht so toll fin­den, son­dern fest­stel­len, dass vie­les nicht mit dem nor­ma­len Ver­stand zu begrei­fen ist und noch schlim­mer, dass das auch mit dem katho­li­schen Glau­ben nichts mehr zu tun hat. Sol­che Leu­te gab es auch schon im alten Isra­el, die hören und hören doch nicht, sehen und sehen doch nicht. Man kann ihnen ein X für ein U vor­ma­chen und die Wahr­heit auf den Kopf stel­len. Sie rufen immer nur „Wun­der­bar…“ usw.

      • Die nun über­all neu ent­deck­ten Papst­treue ist doch nur das Tro­ja­ni­sche Pferd, mit dem man glaubt, nun end­lich die Leh­re der katho­li­sche Kir­che aus­he­beln zu kön­nen. Die jetzt so blind an den Lip­pen des Pap­stes hän­gen haben noch vor dem Pon­ti­fi­kat Fran­zis­kus Papst Bene­dikt XVI eme­ri­tus in unwür­dig­ster Wei­se geschmäht. es ist gera­de lächer­lich, wenn die­se Mode­ka­tho­li­ken, die ihren Glau­ben in Stuhl­kreis­men­ta­li­tät unter Absin­gen von Det­lef Jöcker Lie­dern pfle­gen, nun auf ein­mal ihre Lie­be zum Papst­tum ent­decken. Genau die­se Men­ta­li­tät ist Pha­ri­sä­er­tum und wider­spricht christ­li­chem Glau­ben zutiefst. 

        Das Wort Got­tes erschließt sich nicht in blin­dem Gehor­sam, auch noch zeit­gei­sti­ger Glau­bens­aus­le­gung gegen­über, son­dern im Hin­hö­ren auf das Wort, im lie­ben­den Nach­voll­zug des Wor­tes, so wie es in den Schrif­ten Papst Bene­dikt über­all sicht­bar ist.

        Der Papst hat die letz­te Lehr­au­to­ri­tät, ist aber an die gött­li­che Wahr­heit gebun­den. Der Papst bleibt wie Petrus, der ja Jesus drei­mal ver­leug­ne­te, immer ein Mensch!

        Die „Fran­zis­kus-Per­len“, die mitt­ler­wei­le zur Mas­sen­wa­re gewor­den sind, schaf­fen kei­ne Klar­heit im Glau­ben, son­dern ver­ne­beln ihn. Nichts, was man da grei­fen könn­te, nur Unbe­stimmt­heit und offe­ne Widersprüche..

        Es heißt im Johannes-Prolog:
        Joh 1,10 Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn gewor­den, aber die Welt erkann­te ihn nicht. 

        Joh 1,11 Er kam in sein Eigen­tum, / aber die Sei­nen nah­men ihn nicht auf.

        und was pre­digt Papst Fran­zis­kus: „So habe sich Jesus nicht geschämt(!!!), mit den Sün­dern zu spre­chen; er sei hin­ge­gan­gen, um sie zu suchen. “

        - war­um soll­te sich Jesus schämen?

        wei­ter sagt er: „Aus die­sem Grund folg­te das Volk Jesus: weil er der Gute Hir­te war.“

        Es folg­te IHM gera­de nicht, ER ist am Kreuz gestor­ben, das er zur Ver­ge­bung der Sün­den auf sich genom­men hat. 

        Joh 18,36 Jesus ant­wor­te­te: Mein König­tum ist nicht von die­ser Welt. Wenn es von die­ser Welt wäre, wür­den mei­ne Leu­te kämp­fen, damit ich den Juden nicht aus­ge­lie­fert wür­de. Aber mein König­tum ist nicht von hier.

        Der Papst ver­kehrt den Johan­nes-Pro­log, so als sei Jesus ein welt­li­cher Erlö­ser gewe­sen, genau das war er nicht!

      • Hoch­ge­ehr­ter @Schatzgraeber,
        Sie haben es her­vor­ra­gend verwortet.
        Gera­de habe ich den tief­sin­ni­gen Kom­men­tar und Ant­wort von @Suarez gele­sen; total unab­hän­gig kam mir heu­te eben­falls der Pro­log des Johan­nes­evan­ge­li­ums und die Dog­mat. Con­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum (1965) in die­sem Con­text in Erinnerung.

  4. Man ver­steht den Papst bes­ser, wenn man sich vor Augen führt, was er über die Kor­rup­ten sag­te, da unter­schied er näm­lich zwi­schen Sün­dern und Kor­rup­ten und erklär­te aus­führ­lich, dass die Kor­rup­ten sozu­sa­gen ver­lo­re­nen Sün­der seien.
    Mit einem ähn­li­chen Dua­lis­mus geht er auch anson­sten vor, in Fran­zis­kus Welt­bild gibt es halt die nor­ma­len Sün­der, für die gilt alles, was er sagt, von wegen Umkehr, Zärt­lich­keit, nicht urtei­len, und dergl, mehr. Und dann gibt es die, die eben nicht dazu­ge­hö­ren und nie mehr dazu­ge­hö­ren wer­den und für die gilt alles was er sonst so sagt eben nicht!

    Ich weiß nicht, inwie­weit er das reflek­tiert, was er sagt und hege auch noch eine klei­ne Hoff­nung, dass alles ein Miss­ver­ständ­nis ist und auf unge­nau­er Bericht­erstat­tung beruht, aber anders erge­ben die päpst­li­chen Äuße­run­gen ein­fach kei­nen Sinn.

  5. „Logor­rhoe“ wun­der­bar gesagt — am besten wäre es, wenn man ein Buch her­aus­brin­gen wür­de, in dem all die­se Ver- und Beur­tei­lun­gen, all die­se Auf­for­de­run­gen wie: „seht ihr… habt ihr…, wollt ihr“ mal fest­ge­hal­ten wür­den. Mich inter­es­sie­ren die­se Sua­den nicht mehr. Es ist immer die­sel­be Art.

  6. Er wohnt immer noch im Gästehaus,trägt ein komi­sches Brustkreuz,schwarze Halbschuhe,schwänzt Konzerte,nimmt nicht an der Fron­leich­nam­pro­zes­si­on teil,kniet sel­ten wenn über­haupt vor dem Herrn im hl.Sakrament und schimpft stän­dig gegen die Traditionalisten.Schaltet und wal­tet wie ein fran­zö­si­scher Sonnenkönig.Wo bleibt übri­gens die „Zärt­lich­keit“ gegen­über den Fran­zis­ka­nern der Immakulata?Ein „fei­ner“ Herr,dieser Bergoglio.Unbegreiflich ‚dass so ein Mann auf den Stuhl Petri gehievt wurde.

  7. Der Papst spricht — so mein Ein­druck — unprä­zi­se und dop­pel­deu­tig; und es scheint, dass System dahin­ter­steckt: Kon­sens mir der Welt um jeden Preis. Aber frü­her oder spä­ter wird unwei­ger­lich sei­ne Glaub­wür­dig­keit dar­un­ter lei­den. Was das Urtei­len betrifft, fin­det man aller­dings schon in der Bibel — schein­bar! — wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen. Mt 7,1: „Rich­tet nicht, damit ihr nicht gerich­tet wer­det.“ Joh 7,24: „Urteilt nicht nach dem, was vor Augen liegt, son­dern sprecht ein gerech­tes Urteil.“ Also: Bes­ser nicht rich­ten, als unge­recht rich­ten; wenn man aber rich­tet, dann soll das Urteil gerecht sein.

  8. Das vul­gä­re Vor­tra­gen des „Rich­tet nicht, auf dass ihr nicht gerich­tet wer­det!“ ist Begleit­mu­sik mei­nes gan­zes Lebens.
    Es ist der seich­te Can­tus fir­mus des auf­ge­bla­se­nen reli­giö­sen Wahns unse­rer Zeit.
    Ber­go­glio hat das nicht erfunden.

    Was steht aber dahinter?
    Wer so redet, bestrei­tet die Hei­lig­keit Got­tes und die von Gott gewoll­te Eben­bild­lich­keit des Mesnchen, ja, er ist blind für sie und will auch bewusst blind blei­ben und alle, die um ihn sind, blind machen.
    Wenn Gott näm­lich hei­lig und gerecht ist, dann ent­schei­det nie­mand aus eige­nem Ver­mö­gen, dass ER und wo ER barm­her­zig zu sein hat in dem Sin­ne, dass die Sün­de plötz­lich nicht mehr Sün­de ist oder die Sün­de zum Kava­liers­de­likt erklärt wird.
    Es ist auch mit Erfolg der Unter­schied zwi­schen beab­sich­tig­ter Tat ((schwerer)Sünde) und unter­lau­fe­nen Feh­lern, unbe­ab­sich­tig­ten Hand­lun­gen oder gar nicht als Sün­de erkann­ten Taten ver­wischt wor­den. Selbst dem Mör­der und Got­tes­lä­ste­rer wird so ein­ge­impft, dass er es ja nicht bes­ser wuss­te und dar­um nicht wirk­lich schuld­fä­hig war.

    Und muss aber klar sein, dass ein Got­tes­bild, das Gott so zeich­net, als wäre es IHM nicht so wich­tig, wie wir han­deln, die Lie­be Got­tes zu uns bestrei­tet oder zumin­dest abschwächt. 

    Es ist anders, als Ber­go­glio es vor­trägt: Gott liebt uns so lei­den­schaft­lich, dass ER uns ganz bei sich und mit sich und in sich haben will. ER will tat­säch­lich, dass wir IHM ähn­lich, also „wie ER“ sind. Es ist ein Mythos, dass das „Sein-wol­len-wie-Gott“ die Ursün­de sei. Denn die Gene­sis sagt auf den ersten Sei­ten, dass Gott den Men­schen tat­säch­lich so geschaf­fen hat: als SEIN Bild, als ein „Wie-Gott“. Die Ursün­de ist die, dass Eva sich dazu ver­füh­ren ließ, das nicht mehr zu glau­ben und zu mei­nen, Gott habe ihr dies vor­ent­hal­ten und sie müs­se es durch Kosten der Tabu-Frucht erhal­ten. Nach­dem sie und Adam geges­sen hat­ten, erkann­ten sie, dass sie nicht mehr „wie Gott“, son­dern ent­blößt und lebens­un­fä­hig gewor­den waren: Das „Sein-wie-Gott“, das Gott ja in den Men­schen gelegt hat, ist nur dann in rech­ter Art mög­lich, wenn der Mensch ganz und gar rein und hei­lig und in Über­einstm­mung mit SEINEM hei­li­gen Wil­len ist.

    Tra­gisch ist, dass die Moder­ne, auch übri­gens in tra­di­tio­nel­len Krei­sen, die­sen Zusam­men­hang sehr häu­fig ver­kennt und in ver­mes­se­nem Demuts­wahn den Men­schen geist­lich so tief ansie­delt, dass damit anders­her­um die Hei­lig­keit Got­tes ver­letzt wird. Die Ent­schei­dung Got­tes, den Men­schen bei sich, ganz hoch anzu­sie­deln, wird abge­wehrt und als „Anma­ßung“ abge­wer­tet. Übrig bleibt dann nur eine unver­ständ­li­che Macht­er­grei­fung from­mer Men­schen über ande­re from­me Mens­hen, die tat­säch­lich böse Früch­te her­vor­ge­bracht hat und die Jugend, die so quä­le­risch erzo­gen wird, sucht, so schnell wie mög­lich auszubrechen. 

    Wenn der Mensch nach Got­tes Wil­len als SEIn prä­zi­ses Eben­bild bei IHM sein soll, dann ist das objek­ti­ve Gericht not­wen­dig. Dem Gericht folgt die Gna­de und der feste Kreu­zes-Wil­le, nicht mehr zu sün­di­gen, um wirk­lich „wie ER“ zu werden.

    • Eva und Adam hat­ten gesün­digt, weil sie, ange­stif­tet vom Bösen, mehr sein woll­ten als ihnen zustand, näm­lich zu sein wie Gott @zeitschnur. „Zu sein wie Gott“- das ist der Teufel/Luzifer. Als er ihnen sag­te „zu sein wie Gott“, mein­te er, daß sie sein soll­ten wie er selbst, der Böse, näm­lich ver­sto­ßen für immer.

      Der Schöp­fer ver­bot ihnen aus­drück­lich von der Frucht des „Bau­mes der Erkennt­nis“ zu essen und sag­te ihnen auch die Fol­gen vor­aus. Es ging um den lie­ben­den Gehor­sam. Den hat­ten sie ver­letzt und waren dann plötz­lich nackt als natür­li­che Fol­ge der Sün­de, der Lieb­lo­sig­keit. Und Nackt­sein, die Käl­te und Ver­las­sen­heit füh­len und weder ein noch aus wis­sen, ist ja die Fol­ge jeder Sünde. 

      Zum Glück für uns alle hat­te aber der All­mäch­ti­ge Mit­leid mit dem Men­schen und ver­wehr­te unse­re Stamm­eltern „nur“ das Paradies. 

      „Gott will, daß wir ihm ähn­lich sind“, schrei­ben Sie. Ja, aber das hat nichts mit „sein wol­len wie Gott“ zu tun. Die Ähn­lich­keit besteht dar­in, hei­lig zu wer­den. Hei­lig zu wer­den ist das Gegen­teil von „sein wol­len wie Gott“.
      Chri­stus ähn­lich zu wer­den besteht ja dar­in, bewußt wie er das Kreuz lie­bend auf sich zu neh­men und das frei­wil­lig zu ergän­zen, wie der hl. Pau­lus schreibt, „was am Lei­den Chri­sti noch fehlt“. Das sind also kei­ne Gedan­ken­spin­ne­rei­en wie sie in Tei­len der Kir­che und ins­be­son­de­re in der sog. Welt häu­fig so Mode sind.

      Ich fin­de, daß Papst Fran­zis­kus ein guter Weg­wei­ser ist zur bes­se­ren Nach­fol­ge Christi.
      Wenn von Feh­lern die Rede ist, soll­te man doch mal abwar­ten und nicht schon vor­schnell mei­nen, rich­ten bzw. schlecht reden zu müssen.

  9. @ Zeit­schnur:
    zu Ihrem vor­letz­ten Absatz „tra­gisch ist,das die Moderne,“…usw. fiel mir spon­tan die Evo­lu­ti­ons­theo­rie ein,die ja als abso­lu­te Wahr­heit gelehrt wird.
    Die Behauptung,der Mensch stam­me vom AFFEN ab,also einem Wesen (die Tier­freun­de mögen mir hier ver­zei­hen) das eher eine gro­tes­ke Ver­zer­rung des Men­schen darstellt,ist eigent­lich ein Faust­schlag ins Gesicht Gottes!
    Inter­es­san­ter­wei­se soll Dar­win kurz vor sei­nem Tode die­se Theo­rie ver­wor­fen haben und sei­ne Frau gebe­ten haben,einen Gebets­kreis für ihn einzurichten.

  10. Der Papst ist vom Hl. Geist erwählt, die Kir­che in einer schwie­ri­gen Zeit zu leiten.
    Man kann sich sei­ne Pre­dig­ten und Anspra­chen immer auch „hin­ter die Ohren“ schreiben.
    Es gibt sel­ten einen über­per­fek­ten Papst. Gute, fun­dier­te, lie­be­vol­le Kri­tik ist etwas ande­res als blind­wü­ti­ges Ver­ur­tei­len und Verächtlichmachen.
    Der Haß bei man­chen Kom­men­tie­rern auf den Papst kommt jeden­falls nicht vom Hl. Geist, son­dern direkt von unten, der Hölle.

    • @ Fran­zel

      Jetzt mal lang­sam: wer ver­ur­teilt hier denn „blind­wü­tig“ und wer macht „ver­ächt­lich“. Und wer äußert hier „Hass“?
      Das Pro­blem bei jeder Kri­tik ist, dass sie eine nar­zisst­si­che Krän­kung dar­stel­len kann. Das heißt: jede Kri­tik, und sei sie noch so ange­mes­sen for­mu­liert, kann als Belei­di­gung oder Hass aus­ge­legt werden.

      Ich schla­ge Ihnen vor, auf der Sach­eben zu blei­ben: wel­che der hier geäu­ßer­ten Kri­tik ist vond er Sache her nicht gerechtfertigt?

      In Erwar­tung einer nüch­ter­nen Ant­wort unter Umge­hung der Meta­ebe­ne bin ich sehr ver­bun­den, hof­fent­lich in Chri­sto, wenn nicht unbe­dingt in jedem Hierarchen.

      Sie unter­schät­zen, dass auch die Häre­ti­ker immer Din­ge sagen, die wahr sind. Man kann einem Papst aber nichts glau­ben, der mal Rich­ti­ges, sehr oft aber auch Häre­ti­sches oder Kryp­to­hä­re­ti­sches sagt bzw. nicht bereit ist, ein kla­res Wort zu offe­nen Häre­si­en in der Kir­che zu spre­chen. Nicht der, der das ana­ly­siert, ist der Schuft. Er ist nur der Bote. Die Nach­richt soll­te geprüft wer­den, nicht wahr?

  11. 1 Kor 2, 15: Der geist­li­che Mensch urteilt (ana­kri­nei) über alles, ihn aber ver­mag nie­mand zu beurteilen.

    Die Auf­ga­be des Chri­sten ist es, alles nach sei­nem Wert zu beur­tei­len, vor allem aber „die Gei­ster zu unterscheiden“.

    Es bleibt uner­find­lich, war­um sich Papst Fran­zis­kus, als Jesu­it über­dies Schü­ler eines Mei­sters, näm­lich des hl. Igna­ti­us von Loyo­la, der die Unter­schei­dung (also die „Kri­tik“) beson­ders kul­ti­vier­te, der­ma­ßen inkon­si­stent zum The­ma Urteil und Urtei­len äußert. Wür­de man dem Papst hier­in fol­gen, wären die letz­ten noch funk­tio­nie­ren­den Reste an Moral­theo­lo­gie und (kano­ni­schem und welt­i­chen) Recht dem Unter­gang preisgegeben.

    Ist ihm nicht bewußt, wel­che unheil­vol­le Ver­wir­rung er mit sei­nen Aus­sa­gen anrichtet?

    • Dar­über habe ich auch schon sehr viel nachgedacht.
      Wie ein alter Jesu­it mit sehr viel Lebens- und Ordens­er­fah­rung mir ein­mal sagte:
      „In beson­ders schwie­ri­gen und dif­fi­zi­len Situa­tio­nen und Fra­ge­stel­lun­gen ist gera­de das „Bauch­ge­fühl“, der „Instinkt“, das „Sen­ti­re cum Eccle­sia“ ein äusserst wich­ti­ger Fak­tor bei der Unter­schei­dung der Geister.
      Das zeigt sich bei gro­ßen wich­ti­gen Sachen- viel­leicht noch viel mehr bei klei­nen, belang­los erschei­nen­den Sachen.
      Wirr­warr ist zutiefst unchrist­lich- nicht umsonst wird der Herr in der Pro­log des Johan­nes­evan­ge­li­ums als der Logos, das „Wort“, aber auch die trei­ben­de Ord­nung der Schöp­fung, bezeichnet.
      Äusserst lesens­wert hier­zu die dog­ma­ti­sche Con­sti­tu­ti­on des 2. Vat. Kon­zils „Dei Ver­bum“ (1965)(das Wort Ver­bum übri­gens hier groß­ge­schrie­ben um de Logos, Ver­bum, das Wort als iden­tisch mit dem Herrn her­aus­zu­stel­len); wenn man dann die chro­nisch-per­si­stie­ren­de und fort­wu­chern­de kirch­li­che, lit­ur­gi­sche, reli­giö­se und per­so­nel­le Ver­lot­te­rung an vie­len stel­len in den 49 Jah­rem seit­dem stu­diert und auf die­sem wich­tig­sten Text abklopft, stellt man trau­rig und zugleich wütend fest, daß NICHTS. aber auch NICHTS rezep­tiert und umge­setzt wor­den ist.
      Zugleich liest man die Namen der wich­ti­gen Enzy­kli­ken Die Fili­us (1870), Divi­no aff­lan­te (1943),Providentissimus Deus(1893) und Huma­ni Gene­ris (1950) als fun­da­men­tal für die Hl. Kir­che und jetzt total ver­ges­sen und nicht mehr beachtet.
      Fun­da­men­tal und am Wich­tig­sten ist der „Gehor­sam des Glaubens“(II. Kon­zil von Orange).
      Und beson­ders wichtig:(Die Verbum10): „Es herrscht im Fest­hal­ten am über­lie­fer­ten Glau­ben, in sei­ner Ver­wirk­li­chung und sei­ner Bekennt­nis ein ein­zig­ar­ti­ger Ein­klang zwi­schen Vor­ste­her und Gläu­bi­gen“: das soll­te kein from­mes Wunsch­bild sein, da ist jeder, aber auch jeder, an sei­nem Posten und Stand gefragt.
      Und zum Schluß der Hl. Augu­sti­nus (Ser­mo­nes 179,1//PL 38,966):
      “ Die Geist­li­chen soll­ten sich hüten lee­re Pre­dig­ten zu hal­ten“ (sic)
      Instaur­a­re omnia in Christo.

      • Lie­ber Adri­en Antoine!
        Es ist sehr posi­tiv, dass es vie­le hier gibt, die über ein tie­fes theo­lo­gi­sches Wis­sen ver­fü­gen und ich bewun­de­re jeden wirk­lich auf­rich­tig ob die­ser Kenntnissse.
        Ich zie­he Gewinn dar­aus und oft genug füh­le ich mich gera­de­zu bereichert.
        Aber manch­mal den­ke ich auch, was Sie fol­gen­der­ma­ßen aus­ge­drückt haben:
        „In beson­ders schwie­ri­gen und dif­fi­zi­len Situa­tio­nen und Fra­ge­stel­lun­gen ist gera­de das „Bauch­ge­fühl“, der „Instinkt“, das „Sen­ti­re cum Eccle­sia“ ein äusserst wich­ti­ger Fak­tor bei der Unter­schei­dung der Geister.
        Das zeigt sich bei gro­ßen wich­ti­gen Sachen- viel­leicht noch viel mehr bei klei­nen, belang­los erschei­nen­den Sachen.“

        Denn wäre dem nicht so, hät­ten die „Klei­nen“ gegen­über den „Gro­ßen“ kei­ner­lei Chan­ce, Grund­le­gen­des zu ver­ste­hen und Erkennt­nis zu erlangen.
        Wis­sen, Kennt­nis = Bildung!
        Erkennt­nis = wie ent­steht sie?

        Jesus lieb­te auch die ein­fa­chen und klei­nen Leu­te, gera­de sie!
        Ich den­ke, neben dem Wis­sen ist also auch die Intui­ti­on, der „reli­giö­se Instinkt“ (kann man das so sagen?) wichtig.

  12. Der Papst ist hier nicht wider­spre­chen­der als Chri­stus selbst, der in der Berg­pre­digt ver­langt nicht zu urtei­len aber die Händ­ler aus dem Tem­pel wirft und der ver­langt die ande­re Wan­ge hin­zu­hal­ten und als es beim Pro­zess so weit war und er geschla­gen wur­de zurück­maul­te: Was schlä­gest Du mich und dar­in auch urteilte.…Es gibt Wider­sprüch­lich­kei­ten die unse­rem Glau­ben in die Wie­ge gelegt sind. Klug wie die Schlan­gen sein aber die Ein­falt des Kin­des haben usw.…

    • Sie sagen es nicht wirk­lich rich­tig @Maria Schnee. Chri­stus ist voll­kom­men und somit wider­spruchs­frei. Bei Gott gibt es kei­ne Widersprüche.
      Chri­stus hat auch nicht „zurück­ge­mault“. Er frag­te zurecht, war­um er geschla­gen wer­de, Er, durch den dar­über­hin­aus alle geschaf­fen sind. Welch eine frei­wil­li­ge Erniedrigung!

      • Er hat jeden­falls die Wan­ge nicht noch­mal hin­ge­hal­ten son­dern den ande­ren in eine Recht­fer­ti­gungs­si­tua­ti­on gebracht. Natür­lich fragt er das zurecht.…aber nun mal nicht in Über­ein­stim­mung mit der wört­lich ver­stan­de­nen Berg­pre­digt, die gedul­di­ges Lei­den ver­herr­licht, das wie Pau­lus sagt dem ande­ren glü­hen­de Koh­len aufs Haupt häuft. Aber anschei­nend wird hier die kla­re Hal­tung der Berg­pre­digt auf­ge­ge­ben. Wie erklä­ren Sie sich das Nichtur­tei­lens­ge­bot und das Urtei­len hier bzw. im Tem­pel? Wie genau kann man das zusam­men­den­ken, ohne dass es in Wider­sprü­che ausartet?

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