Der Weltauftrag der Laien und die Suche nach einem Alternativbegriff

Bischof Rudolf VoderholzerAm Sams­tag, den 31. Mai hielt Bischof Rudolf Voder­hol­zer von Regens­burg beim 99. Deut­schen Katho­li­ken­tag in sei­ner Bischofs­stadt das Impuls­re­fe­rat bei der Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil heu­te: Der Auf­trag der Lai­en“. In der anschlie­ßen­den Bericht­erstat­tung hieß es, aus­ge­hend von einem KNA-Bericht der Bischof wol­le den Begriff „Laie“ durch „Welt­christ“ erset­zen (sie­he eige­nen Bericht Bischof Voder­hol­zer und der neue „Welt­christ“ des „kli­ma­neu­tra­len“ Katho­li­ken­ta­ges). Eine ver­kürz­te Dar­stel­lung, in der Bischof Voder­hol­zer sein Anlie­gen nicht wie­der­erkennt, ja sogar ins Gegen­teil sei­ner Absicht ver­kehrt sieht. Gera­de die orga­ni­sier­ten Lai­en, wie z.B. das ZdK soll­ten sich ihrer Beru­fung zur Gestal­tung der Welt aus dem Glau­ben her­aus bewußt wer­den. Dies wer­de aber bedau­er­li­cher­wei­se all­zu oft dadurch ver­hin­dert, daß man sich aus­schließ­lich auf die Behe­bung des ver­meint­li­chen Man­gels der Lai­en gegen­über den Amts­trä­gern in der Kir­che kon­zen­triert. So waren es auch Stim­men aus dem Kreis „Wir sind Kir­che“ die sich am lau­te­sten gegen eine „Abschaf­fung“ des Begriffs Laie äußer­ten, weil sie dadurch ihrer Exi­stenz­grund­la­ge, näm­lich der Unter­drückung des „Vol­kes“ durch „die Hier­ar­chie“, beraubt wür­den.
Aus die­sem Grund ver­öf­fent­li­chen wir das voll­stän­di­ge Impuls­re­fe­rat und im Anschluß auch die Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge des Bischofs in der Podi­ums­dis­kus­si­on. Das bie­tet der Leser­schaft die Mög­lich­keit, die Gedan­ken von Bischof Voder­hol­zer voll­in­halt­lich und unge­fil­tert ken­nen­zu­ler­nen.

Vortrag auf dem Katholikentag in Regensburg

von Bischof Dr. Rudolf Voder­hol­zer, Regens­burg

Am Tag mei­ner Bischofs­wei­he habe ich im Rah­men der sich an die Wei­he anschlie­ßen­den welt­li­chen Fei­er im Kol­ping­haus in Regens­burg mei­nen Gästen eine Haus­auf­ga­be mit auf den Weg gege­ben. Ich bat dar­um, mir einen stim­mi­gen und prak­ti­ka­blen Ersatz­be­griff für den mei­nes Erach­tens dis­kri­mi­nie­ren­den und schon des­halb unge­eig­ne­ten Begriff „Laie“ zur Bezeich­nung für die getauf­ten und gefirm­ten Katho­li­ken vor­zu­schla­gen.

Gemäß dem empi­ri­schen Sprach­ge­brauch im Deut­schen ist „Laie“ die Bezeich­nung für den „Nicht-Fach­mann“ und die „Nicht-Fach­frau“. Einen Lai­en nennt man jeman­den, der sich in Bezug auf ein bestimm­tes Wis­sens­ge­biet nicht aus­kennt oder hin­sicht­lich gewis­ser Fer­tig­kei­ten unge­übt oder unge­lernt ist. So bin ich bei­spiels­wei­se ein gera­de­zu „blu­ti­ger“ Laie – wie man inter­es­san­ter Wei­se im Deut­schen die Stei­ge­rung aus­zu­drücken pflegt – wenn es um die tech­ni­schen Belan­ge mei­nes Autos oder mei­nes Com­pu­ters geht.

Die­se pejo­ra­ti­ve Kon­no­ta­ti­on des Begriffs „Laie“ haf­tet ihm an seit sei­ner ersten nach­weis­ba­ren Ver­wen­dung in kirch­lich-theo­lo­gi­schem Kon­text.

Zum ersten Mal wird der Begriff „Laie“ näm­lich ver­wen­det in dem Cle­mens Roma­nus zuge­schrie­be­nen Brief an die Korin­ther, der noch ins erste christ­li­che Jahr­hun­dert datiert wird. Dort wird „lai­kos“ als Bezeich­nung für die­je­ni­gen genom­men, die nicht mit einem in der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on ste­hen­den Amt beklei­det sind. Damit sind die Wei­chen gestellt für die spä­te­re Ent­wick­lung. „Laie“ dient zur Benen­nung einer Grup­pe inner­halb der Kir­che, die sozu­sa­gen nega­tiv bestimmt sind durch etwas, das ihnen nicht zukommt. Nun mag die Her­lei­tung des Adjek­tivs „lai­kos“ vom grie­chi­schen laos (= Volk, hei­li­ges Volk) ety­mo­lo­gisch zutref­fend sein. Die posi­ti­ve Kon­no­ta­ti­on, die man ihm neu­er­dings zu geben bemüht ist, um den Begriff zu ret­ten, näm­lich lai­kos als Wür­de­ti­tel im Sin­ne von Ange­hö­ri­ger des hei­li­gen Vol­kes Got­tes zu inter­pre­tie­ren, hat sprach­ge­schicht­lich kei­ne Basis und muss auch gegen­wär­tig gegen den empi­risch-fak­ti­schen Sprach­ge­brauch anren­nen. Natür­lich kann man sagen, alle Chri­sten – auch die Bischö­fe und der Papst – sind Lai­en, wenn man dar­un­ter den „Ange­hö­ri­gen des hei­li­gen Vol­kes Got­tes“ ver­steht. Nur ist dies eine sowohl sprach­ge­schicht­lich gewalt­sa­me Neue­rung, und zum ande­ren bringt es nicht das Spe­zi­fi­sche, vor allem das spe­zi­fisch-posi­ti­ve zum Aus­druck, das die Getauf­ten und Gefirm­ten aus­zeich­net und was beson­ders ihnen zukommt, und zwar posi­tiv zukommt im Unter­schied und Gegen­über noch ein­mal zu denen mit einem hier­ar­chi­schen Amt betrau­ten.

Hin­zu kommt, dass die spe­zi­fi­sche Bedeu­tung von „lai­zi­stisch“ in den roma­ni­schen Län­dern dort das rich­ti­ge Ver­ständ­nis von „laic“ noch­mals erheb­lich erschwert. Gemeint ist dort bekannt­lich ja nicht ein posi­ti­ves Ver­ständ­nis von lai­kal, im Sin­ne etwa von beson­de­rem Lai­en­en­ga­ge­ment oder Lai­en­apo­sto­lat als Trä­ger der Poli­tik, von Staat und Gesell­schaft. Son­dern „lai­zi­stisch“ wird ver­stan­den im Sin­ne von anti-kle­ri­kal oder wenig­stens „aus­ge­hend von“ oder „basie­rend auf der strik­ten Tren­nung von Staat und Kir­che“. Ein lai­zi­sti­scher Staat (auf der Grund­la­ge einer lai­zi­sti­schen Ver­fas­sung) ist nicht einer, der nur auf die Mit­wir­kung von kirch­li­chen oder reli­giö­sen Amts­trä­gern aus­drück­lich ver­zich­tet, die­se aus­schließt und statt­des­sen bewusst auf das Enga­ge­ment getauf­ter und gefirm­ter Lai­en-Chri­sten setzt, son­dern der die strik­te Tren­nung von Kir­che und Staat zur ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Grund­la­ge erhebt.

Es muss damit gerech­net wer­den, dass die­ses Ver­ständ­nis zumin­dest bei man­chen Ver­wen­dern der deut­schen Spra­che auch mit­schwingt, wenn vom Lai­en die Rede ist. Weil dem so ist, sind alle Ver­su­che, dem Begriff „Laie“ ent­ge­gen dem empi­ri­schen Sprach­ge­brauch eine posi­ti­ve Kon­no­ta­ti­on zu geben, mei­nes Erach­tens zum Schei­tern ver­ur­teilt. In eini­gen Zuschrif­ten, die mir auf mei­ne Haus­auf­ga­ben­stel­lung hin zuge­sandt wur­den, wur­de aber frei­lich die­ser Ver­such wie­der­holt und somit mei­ner Beob­ach­tung frei­lich wider­spro­chen, wenn gera­ten wird, „lai­cus“ als das Adjek­tiv zu laos (hei­li­ges Volk Got­tes) zu einem Wür­de­ti­tel auf­zu­wer­ten. Aus den ange­führ­ten Grün­den scheint mir die­ser Lösungs­weg nicht gang­bar, so gut gemeint er auch sein mag.

Wei­ter­brin­gen kann uns hier, so den­ke ich, nur das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil.

Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat das gemein­sa­me Prie­ster­tum aller Gläu­bi­gen nach einer Pha­se der kon­tro­vers­theo­lo­gi­schen Ver­nach­läs­si­gung des The­mas wie­der aus­drück­lich als Leh­re der Kir­che for­mu­liert. Das Kon­zil befreit sich von der gegen­re­for­ma­to­ri­schen Front­stel­lung und erkennt an, dass die Rede vom gemein­sa­men Prie­ster­tum aller Gläu­bi­gen nicht des­halb schon falsch ist, weil Mar­tin Luther die­ses Prie­ster­tum beton­te und als das ein­zig schrift­ge­mä­ße bezeich­ne­te. Das gemein­sa­me Prie­ster­tum aller Getauf­ten ist selbst­ver­ständ­lich auch die Leh­re der katho­li­schen Kir­che; sie schließt aber nicht ein beson­de­res Prie­ster­tum, das in der Tra­di­ti­on der apo­sto­li­schen Sen­dung steht, aus. Gemein­sa­mes Prie­ster­tum aller Gläu­bi­gen und dar­in ein­ge­schlos­sen das so genann­te Lai­en­apo­sto­lat ist ein zen­tra­les The­ma des Kon­zils. Über die grund­sätz­li­chen Aus­sa­gen dazu in der Kir­chen­kon­sti­tu­ti­on (LG 30–38) ist dem „Lai­en­apo­sto­lat“ auch ein eige­nes Dekret gewid­met: „Apo­sto­li­cam actuo­si­tatem“. Dies ist eine gro­ße Errun­gen­schaft, die auf kei­nen Fall preis­ge­ge­ben wer­den darf. Nimmt man die dort getrof­fe­nen Aus­sa­gen ernst, dann wird klar: Der Begriff „Laie“ im Sin­ne von „Nicht-Fach­mann“ oder „Nicht-Fach­frau“ ist eigent­lich voll­kom­men unge­eig­net, die Exi­stenz zu beschrei­ben, die durch Tau­fe und Fir­mung begrün­det wird. Was sagt das Kon­zil genau?

In LG 31 heißt es:

„Den Lai­en ist der Welt­cha­rak­ter in beson­de­rer Wei­se eigen. […] Sache der Lai­en ist es, kraft der ihnen eige­nen Beru­fung in der Ver­wal­tung und gott­ge­mä­ßen Rege­lung der zeit­li­chen Din­ge das Reich Got­tes zu suchen. Sie leben in der Welt, das heißt in all den ein­zel­nen irdi­schen Auf­ga­ben und Wer­ken und den nor­ma­len Ver­hält­nis­sen des Fami­li­en- und Gesell­schafts­le­bens, aus denen ihre Exi­stenz gleich­sam zusam­men­ge­wo­ben ist. Dort sind sie von Gott geru­fen, ihre eigen­tüm­li­che Auf­ga­be, vom Geist des Evan­ge­li­ums gelei­tet, aus­zu­üben und so wie ein Sauer­teig zur Hei­li­gung der Welt gewis­ser­ma­ßen von innen her bei­zu­tra­gen und vor allem durch das Zeug­nis ihres Lebens, im Glanz von Glau­be, Hoff­nung und Lie­be Chri­stus den ande­ren kund zu machen. Ihre Auf­ga­be ist es also in beson­de­rer Wei­se, alle zeit­li­chen Din­ge, mit denen sie eng ver­bun­den sind, so zu durch­leuch­ten und zu ord­nen, dass sie immer Chri­stus ent­spre­chend gesche­hen und sich ent­wickeln und zum Lob des Schöp­fers und Erlö­sers gerei­chen.“

Im Dekret Apo­sto­li­cam actuo­si­tatem, das aus­ge­hend von LG ganz dem The­ma „Lai­en­apo­sto­lat“ gewid­met ist, wird gleich im ersten Arti­kel ganz grund­le­gend aus­ge­führt:

„Denn das Apo­sto­lat der Lai­en, das in deren christ­li­cher Beru­fung selbst sei­nen Ursprung hat, kann in der Kir­che nie­mals feh­len. Wie spon­tan und frucht­bar die­ses Wir­ken in der Früh­zeit der Kir­che war, zeigt klar die Hei­li­ge Schrift selbst (vgl. Apg 11,19–21; 18,26; Röm 16,1–16; Phil 4,3). Unse­re Zeit aber erfor­dert kei­nen gerin­ge­ren Ein­satz der Lai­en, im Gegen­teil: die gegen­wär­ti­gen Ver­hält­nis­se ver­lan­gen von ihnen ein durch­aus inten­si­ve­res und wei­te­res Apo­sto­lat. Das dau­ern­de Anwach­sen der Mensch­heit, der Fort­schritt von Wis­sen­schaft und Tech­nik, das enge­re Netz der gegen­sei­ti­gen mensch­li­chen Bezie­hun­gen haben nicht nur die Räu­me des Apo­sto­lats der Lai­en, die gro­ßen­teils nur ihnen offen­ste­hen, ins uner­mess­li­che erwei­tert; sie haben dar­über hin­aus auch neue Pro­ble­me her­vor­ge­ru­fen, die das eif­ri­ge Bemü­hen sach­kun­di­ger Lai­en erfor­dern. Die­ses Apo­sto­lat wird um so dring­li­cher, als die Auto­no­mie vie­ler Berei­che des mensch­li­chen Lebens — und zwar mit vol­lem Recht — sehr gewach­sen ist, wenn­gleich die­ses Wachs­tum bis­wei­len mit einer gewis­sen Ent­frem­dung von der ethi­schen und reli­giö­sen Ord­nung und mit einer schwe­ren Kri­se des christ­li­chen Lebens ver­bun­den ist. Zudem könn­te die Kir­che in vie­len Gebie­ten, in denen es nur ganz weni­ge Prie­ster gibt oder die­se, wie es öfters der Fall ist, der für ihren Dienst not­wen­di­gen Frei­heit beraubt sind, ohne die Arbeit der Lai­en kaum prä­sent und wirk­sam sein. Ein Hin­weis auf die­se viel­fäl­ti­ge und drin­gen­de Not­wen­dig­keit des Lai­en­apo­sto­lats liegt auch in dem unver­kenn­ba­ren Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes, der den Lai­en heu­te mehr und mehr das Bewusst­sein der ihnen eigen­tüm­li­chen Ver­ant­wor­tung schenkt und sie allent­hal­ben zum Dienst für Chri­stus und sei­ne Kir­che auf­ruft.“ (AA 1)

Das Kon­zil spricht also vor allem und zen­tral vom so genann­ten „Welt­dienst“ der Lai­en­chri­sten, die beru­fen sind, durch und mit ihrer beruf­li­chen Kom­pe­tenz in den so genann­ten welt­li­chen Beru­fen für das Reich Got­tes zu arbei­ten. Um es an ein paar Bei­spie­len zu ver­deut­li­chen:
„¢ Es kann doch gar nicht genug Leh­re­rin­nen und Leh­rer geben in unse­ren Schu­len, die als glaub­wür­di­ge Chri­sten bei­spiels­wei­se im Deutsch­un­ter­richt oder im Geschichts­un­ter­richt die Lite­ra­tur und die Geschich­te deu­ten unter der Rück­sicht der Got­tof­fen­heit und der Gott­su­che des Men­schen, die einen Unter­richt geben, der dem Reli­gi­ons­un­ter­richt zuar­bei­tet und ihn nicht unter­gräbt. Wir brau­chen in den Natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächern Phy­sik, Bio­lo­gie etc. Frau­en und Män­ner, die – jen­seits der geist­lo­sen Alter­na­ti­ve Evo­lu­tio­nis­mus oder Fun­da­men­ta­lis­mus – die tie­fe Ver­ein­bar­keit von Glau­ben und Natur­wis­sen­schaft leben und leh­ren und an die jun­ge Genera­ti­on wei­ter­ge­ben.
„¢ Es kann in Natur­wis­sen­schaft und Medi­zin selbst gar nicht genug Frau­en und Män­ner geben, die erfüllt sind von Ehr­furcht vor dem Leben, und die von vor­ne­her­ein aus­schlie­ßen, Men­schen dadurch zu hei­len, dass sie ande­re dafür umbrin­gen.
„¢ Oder in den Alten­hei­men und Kran­ken­häu­sern: Es kann gar nicht genug Schwe­stern und Pfle­ger geben, die im Pati­en­ten nicht ein­fach nur einen Kosten­fak­tor sehen, son­dern einen Men­schen, letzt­lich Chri­stus selbst, der uns nahe ist gera­de auch im Kran­ken und Lei­den­den.
„¢ Das Glei­che gilt für den Bereich der Poli­tik und der Medi­en­welt. Dort, wo die Mei­nung gemacht und ver­öf­fent­licht wird, dort, wo die Ent­schei­dun­gen für das Wohl und Wehe unse­res Lan­des gefällt wer­den, dort vor allem auch braucht es Frau­en und Män­ner, die sich vor Gott ver­ant­wort­lich wis­sen und ihren Beruf als Beru­fung von Jesus Chri­stus her ver­ste­hen. ((Aus­drück­lich sagt das Dekret über die sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel: „Die mit den sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln arbei­ten­den Lai­en sol­len vor allem durch Erfül­lung ihrer jewei­li­gen Berufs­auf­ga­be mit Sach­ver­stand und in apo­sto­li­schem Gei­ste bereit­wil­lig für Chri­stus Zeug­nis able­gen“ (IM 13).))
„¢ Oder den­ken Sie an den Bereich der Kunst. Welch groß­ar­ti­ge Wer­ke sind im Lau­fe der Kir­chen­ge­schich­te ent­stan­den, die den Glau­ben zum Aus­druck brin­gen, fei­ern und ver­mit­teln – sei es in der Musik, der Lite­ra­tur oder der dar­stel­len­den Kunst! Es kann doch gar nicht genug Inter­pre­ten geben, die die­se Schät­ze immer wie­der neu heben und den Men­schen erschlie­ßen und ihnen so den Glau­ben zu Her­zen gehen las­sen jen­seits von Apo­lo­ge­tik und Indok­tri­na­ti­on. Die Kir­che, die über vie­le Jahr­hun­der­te lang Auf­trag­ge­ber, Mäzen und Inspi­ra­tor der Kunst in ihren ver­schie­de­nen Dimen­sio­nen gewe­sen ist, hat, wie es scheint, den Anschluss zur moder­nen Kunst ver­lo­ren. Das muss nicht nur an der Kir­che lie­gen. Zwei­fel­los liegt aber doch auch dar­in ein höchst loh­nen­des und wich­ti­ges Betä­ti­gungs­feld für die getauf­ten und gefirm­ten Chri­sten
„¢ usw. Es sind zahl­lo­se wei­te­re Berei­che denk­bar.
Des­halb plä­die­re ich, und jetzt kom­me ich zu mei­nem Ziel­satz, einen Alter­na­tiv­be­griff wenig­stens ein­mal zu beden­ken: Die Zuschrift näm­lich, die mir am stim­mig­sten zu sein scheint – sie stammt von einem Mit­bru­der aus Öster­reich – schlägt vor, das Wort „Laie“ durch das Wort „Welt­christ“ zu erset­zen. Welt­chri­sten – im Bis­tum Regens­burg hat es sich bereits in eini­gen Berei­chen durch­ge­setzt.

Mir scheint, dass man die­sen Vor­schlag ernst­haft dis­ku­tie­ren soll­te. Er hat zwei­fel­los den Vor­teil, posi­tiv for­mu­liert zu sein; nicht einen Man­gel zur Grund­la­ge der Defi­ni­ti­on zu machen und auch sonst nicht bela­stet zu sein. Welt­christ ist for­mal an die Wen­dung Welt­prie­ster ange­lehnt. Ein Welt­prie­ster ist ja bekannt­lich einer, der – im Unter­schied zu einem Ordens­prie­ster – nicht im Klo­ster lebt, son­dern „in der Welt“, und als Diö­ze­san­prie­ster und Mit­ar­bei­ter des Bischofs noch ein­mal anders in die Bege­ben­hei­ten und Abläu­fe des Lebens in der Welt ein­ge­bun­den ist.

Ana­log dazu ver­hält sich das Begriffs­paar „Welt­christ – Ordens­christ“. Der Ordens­mann oder die Ordens­frau lebt die Beru­fung im Leben nach den evan­ge­li­schen Räten in einer Gemein­schaft und in der Regel unter dem Dach eines Klo­sters. Ihre Exi­stenz ist beson­ders durch das Gebet und durch ein je spe­zi­fi­sches Apo­sto­lat gekenn­zeich­net. Im Unter­schied dazu lebt der „Welt­christ“ sei­ne Beru­fung in allen denk­ba­ren beruf­li­chen Lauf­bah­nen, Posi­tio­nen und Auf­ga­ben. Er wird in der Regel ver­hei­ra­tet sein und auch durch sein Vater- oder Mut­ter­sein als Christ her­aus­ge­for­dert.

Natür­lich ken­nen wir eine Viel­falt von christ­li­chen Beru­fun­gen. Seit dem II. Vati­ca­num wird die­se Viel­falt noch erwei­tert durch die so genann­ten Säku­lar­in­sti­tu­te, in denen Frau­en und Män­ner mit einem Gelüb­de in der „säku­la­ren“ Welt leben. Hans Urs von Bal­tha­sar hat sich bekannt­lich beson­ders für die­se Lebens­form ein­ge­setzt. Es ist somit kei­ne exak­te Trenn­schär­fe in den Begrif­fen mög­lich. Dies soll der Begriff „Welt­christ“ aber auch nicht lei­sten. Es geht in erster Linie um eine „ex posi­tivo“ gege­be­ne Defi­ni­ti­on der abso­lu­ten Mehr­heit der Kir­chen­glie­der.

Auch nicht über­se­hen wird, dass das Kon­zil der Mit­wir­kung der getauf­ten und gefirm­ten Chri­sten an der Lei­tung der Kir­che selbst neue Impul­se und Mög­lich­kei­ten eröff­net hat (LG 31). Das sei aus­drück­lich erwähnt und betont. Das Haupt­au­gen­merk des Kon­zils liegt aber zwei­fel­los auf dem Lai­en­apo­sto­lat und dem damit zusam­men­hän­gen­den Welt­cha­rak­ter.

Der Begriff „Welt­christ“ greift die­se Aus­sa­ge des Kon­zils auf, dass den Lai­en der Welt­cha­rak­ter beson­ders zu eigen sei und dass ihre Beru­fung dar­in besteht, mit ihren beruf­li­chen Kom­pe­ten­zen in den vie­len Berei­chen des Lebens in der Welt Sor­ge zu tra­gen für den Auf­bau des Rei­ches Got­tes. [Ende des State­ments]

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Diskussionsbeiträge

Wesent­li­che Punk­te, die ich in der Dis­kus­si­on ange­spro­chen habe:

1. Bevor die Kir­chen­kon­sti­tu­ti­on nach der Behand­lung der The­men „Hier­ar­chi­sche Ord­nung“ und „Lai­en­chri­sten“ zum The­ma „Ordens­chri­sten“ über­geht, betont sie die „Beru­fung aller Getauf­ten zur Hei­lig­keit“ (LG 39–42). Die­ser Gedan­ke wur­de eigens vor­ge­zo­gen und der Behand­lung der Ordens­leu­te noch vor­an­ge­stellt. Das ist noch viel zu wenig beach­tet. Hilf­reich könn­te hier der ver­stärk­te Hin­weis auf „hei­li­ge Lai­en“ sein, die als aus­drucks­star­ke Vor­bil­der, z. B. als hei­li­ge Müt­ter, Väter, Inge­nieu­re, Poli­ti­ker oder auch Jour­na­li­sten, die­nen könn­ten. Ein sol­ches Vor­bild sehe ich z. B. in Fritz Ger­lich, dem Mün­che­ner Jour­na­li­sten, der als einer der ersten die Per­son Adolf Hit­lers und das natio­nal­so­zia­li­sti­sche Gedan­ken­gut öffent­lich ange­pran­gert und dies mit sei­nem Leben bezahlt hat.

2. Natür­lich hat das Kon­zil auch die Mit­wir­kungs­rech­te aller getauf­ten und gefirm­ten Gläu­bi­gen inner­halb der Kir­che gestärkt. Es ist aber ganz klar, dass das Kon­zil auf kei­nen Fall zu einer Kle­ri­ka­li­sie­rung der Lai­en und einer Lai­sie­rung des Kle­rus Vor­schub lei­sten woll­te. Alle Dis­kus­sio­nen, die in eine sol­che Rich­tung füh­ren, ver­las­sen den „Geist des Kon­zils“. Buch­sta­be und Geist des Kon­zils unter­strei­chen viel­mehr die hohe Ver­ant­wor­tung der Bischö­fe als Ver­kün­der und Leh­rer des Glau­bens.

3. Zu mei­ner gro­ßen Über­ra­schung und Freu­de las ich in den Publi­ka­tio­nen, die sich der Geschich­te der Regens­bur­ger Katho­li­ken­ta­ge wid­men, dass sowohl 1849 als auch 1904 von Regens­burg aus pro­mi­nent die For­de­rung nach einer Katho­li­schen Uni­ver­si­tät, etwa nach dem Vor­bild Bel­gi­ens erho­ben wur­de. 1904, als sich die Grün­dung einer Katho­li­schen Uni­ver­si­tät in Salz­burg abge­zeich­net hat­te, zeig­te man sich immer­hin damit soli­da­risch. Die Sehn­sucht nach einer alle Wis­sens­ge­bie­te umfas­sen­den aka­de­mi­schen Bil­dungs­ein­rich­tung auf dem höch­sten Niveau in katho­lisch-kirch­li­cher Trä­ger­schaft als The­ma einer Reso­lu­ti­on eines Katho­li­ken­tags! Eine Katho­li­sche Uni­ver­si­tät, und dar­in ein­ge­schlos­sen, als Herz­mit­te gleich­sam, eine Theo­lo­gi­sche Fakul­tät, die die Offen­ba­rung Got­tes bedenkt und in ihrer Leucht­kraft auch den ande­ren Fakul­tä­ten zugu­te kom­men lässt.

Was sei­ner­zeit ver­geb­lich von den Lai­en­ver­tre­tern gefor­dert wur­de, ist seit dem Jahr 1980 Wirk­lich­keit. Es gibt die Katho­li­sche Uni­ver­si­tät Eich­stätt. Viel­leicht ist es gut, sich die­se Sehn­sucht frü­he­rer Genera­tio­nen und frü­he­rer Katho­li­ken­ta­ge wie­der zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, um das gro­ße Gut, den gro­ßen Schatz wür­di­gen und schät­zen zu kön­nen, den die Katho­li­sche Uni­ver­si­tät Eich­stätt dar­stellt.

Wie Sie wis­sen, wird die KUE seit ihrer Grün­dung von den Baye­ri­schen Bis­tü­mern, und allein von ihnen, getra­gen. Ich möch­te die Gele­gen­heit, da wir uns nun­mehr zum drit­ten Mal zu einem deut­schen Katho­li­ken­tag in Regens­burg ver­sam­meln, auch dazu nüt­zen, an die­se Geschich­te zu erin­nern und die Bit­te aus­spre­chen, die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer die­ses Katho­li­ken­ta­ges, beson­ders die Mit­glie­der des Zen­tral­ko­mi­tees der deut­schen Katho­li­ken (ZdK), möch­ten sich den Bemü­hun­gen der Katho­li­ken­ta­ge schon des 19. Jahr­hun­derts anschlie­ßen, sie auf­grei­fen und die baye­ri­schen Bischö­fe bei dem Bemü­hen unter­stüt­zen, die Katho­li­sche Uni­ver­si­tät zu einer gesamt­deut­schen Initia­ti­ve zu machen und somit auf eine brei­te­re und noch siche­re­re Basis zu stel­len.
„¢ Eine Katho­li­sche Uni­ver­si­tät als Kom­pe­tenz­zen­trum für Fra­gen der Bio-Ethik und für Fra­gen der Wirt­schafts­ethik,
„¢ eine Katho­li­sche Uni­ver­si­tät mit einem gut durch­dach­ten „Stu­di­um gene­ra­le“ als Mar­ken­zei­chen und Boll­werk gegen das Ver­kom­men der gro­ßen Bil­dungs­ein­rich­tung Uni­ver­si­tät zur blo­ßen Ausbildungs‑, um nicht zu sagen Abrich­tungs­an­stalt für die Bedürf­nis­se der Wirt­schaft,
„¢ eine Katho­li­sche Uni­ver­si­tät als Vor­bild und Modell für einen immer not­wen­di­ger wer­den­den inter­dis­zi­pli­nä­ren Dia­log
„¢ in einer sol­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät bün­deln sich gera­de­zu alle Auf­trä­ge, die das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil im Blick auf das Lai­en­apo­sto­lat for­mu­liert hat.
„¢ Eine Katho­li­sche Uni­ver­si­tät bie­tet eine Fül­le von Brücken­schlags-Mög­lich­kei­ten: Zwi­schen Glau­be und Ver­nunft, Glau­be und Natur­wis­sen­schaf­ten, Kir­che und Kul­tur, Öko­no­mie und Öko­lo­gie usw.

Denn – so sagt das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil im ersten Arti­kel des Dekre­tes über das Lai­en­apo­sto­lat Apo­sto­li­cam actuo­si­tatem – „das Apo­sto­lat der Lai­en, das in deren christ­li­cher Beru­fung selbst sei­nen Ursprung hat, kann in der Kir­che nie­mals feh­len. Wie spon­tan und frucht­bar die­ses Wir­ken in der Früh­zeit der Kir­che
war, zeigt klar die Hei­li­ge Schrift selbst (vgl. Apg 11,19–21; 18,26; Röm 16,1–16; Phil 4,3). Unse­re Zeit aber erfor­dert kei­nen gerin­ge­ren Ein­satz der Lai­en, im Gegen­teil: die gegen­wär­ti­gen Ver­hält­nis­se ver­lan­gen von ihnen ein durch­aus inten­si­ve­res und wei­te­res Apo­sto­lat. Das dau­ern­de Anwach­sen der Mensch­heit, der Fort­schritt von Wis­sen­schaft und Tech­nik, das enge­re Netz der gegen­sei­ti­gen mensch­li­chen Bezie­hun­gen haben nicht nur die Räu­me des Apo­sto­lats der Lai­en, die gro­ßen­teils nur ihnen offen­ste­hen, ins uner­mess­li­che erwei­tert; sie haben dar­über hin­aus auch neue Pro­ble­me her­vor­ge­ru­fen, die das eif­ri­ge Bemü­hen sach­kun­di­ger Lai­en erfor­dern. Die­ses Apo­sto­lat wird um so dring­li­cher, als die Auto­no­mie vie­ler Berei­che des mensch­li­chen Lebens — und zwar mit vol­lem Recht — sehr gewach­sen ist, wenn­gleich die­ses Wachs­tum bis­wei­len mit einer gewis­sen Ent­frem­dung von der ethi­schen und reli­giö­sen Ord­nung und mit einer schwe­ren Kri­se des christ­li­chen Lebens ver­bun­den ist. Zudem könn­te die Kir­che in vie­len Gebie­ten, in denen es nur ganz weni­ge Prie­ster gibt oder die­se, wie es öfters der Fall ist, der für ihren Dienst not­wen­di­gen Frei­heit beraubt sind, ohne die Arbeit der Lai­en kaum prä­sent und wirk­sam sein. Ein Hin­weis auf die­se viel­fäl­ti­ge und drin­gen­de Not­wen­dig­keit des Lai­en­apo­sto­lats liegt auch in dem unver­kenn­ba­ren Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes, der den Lai­en heu­te mehr und mehr das Bewusst­sein der ihnen eigen­tüm­li­chen Ver­ant­wor­tung schenkt und sie allent­hal­ben zum Dienst für Chri­stus und sei­ne Kir­che auf­ruft.“ (AA 1)

4. Mei­nem Vor­schlag einer Begriffs­än­de­rung liegt ein sach­li­ches Anlie­gen zugrun­de. Ich will mich nicht auf den Begriff „Welt­christ“ ver­stei­fen, son­dern mir geht es dar­um, die gro­ße und histo­risch gese­hen erst­ma­li­ge lehr­amt­li­che posi­ti­ve Dar­stel­lung der Lai­en durch das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil in die Lebens­wirk­lich­keit der Kir­che zu über­tra­gen. Dar­in sehe ich Defi­zi­te, die sich auch an dem Begriff „Laie“ fest­ma­chen. Denn Lai­en zeich­nen sich eben nicht dadurch aus, dass sie kei­ne Kle­ri­ker sind. LG 10 spricht von einem essen­ti­el­len Unter­schied zwi­schen Kle­rus und Lai­en, der eben kein gra­du­el­ler Unter­schied ist, sie „unter­schei­den sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Gra­de nach.“ Lai­en sind nicht die schlech­te­ren Kle­ri­ker, son­dern haben einen eige­nen Stand, eine eige­ne Beru­fung und Rol­le inner­halb der Sen­dung der Kir­che und neh­men dadurch auf ihre eige­ne Wei­se am Prie­ster­tum Chri­sti teil (vgl. LG 10). Und für die­sen Cha­rak­ter ver­wen­det das Kon­zil den Begriff des Welt­cha­rak­ters der Lai­en.

5. In sei­nem viel­be­ach­te­ten Apo­sto­li­schen Schrei­ben „Evan­ge­lii gau­di­um“ drückt auch Papst Fran­zis­kus sein Bedau­ern über eine ein­sei­ti­ge Sicht­wei­se der Rol­le der Lai­en in der Kir­che aus, wenn er schreibt: „Auch wenn eine grö­ße­re Teil­nah­me vie­ler an den Lai­en­dien­sten zu beob­ach­ten ist, wirkt sich die­ser Ein­satz nicht im Ein­drin­gen christ­li­cher Wer­te in die sozia­le, poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Welt aus. Er beschränkt sich viel­mals auf inner­kirch­li­che Auf­ga­ben ohne ein wirk­li­ches Enga­ge­ment für die Anwen­dung des Evan­ge­li­ums zur Ver­wand­lung der Gesell­schaft.“ (Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 104). Allen Glie­dern der Kir­che legt er ans Herz, an die Rän­der zu gehen, auf­zu­bre­chen und das Licht des Evan­ge­li­ums dort­hin zu brin­gen, wo es gebraucht wird (vgl. Nr. 20). Das ent­spricht der Auf­for­de­rung Jesu, dass wir als Chri­sten „Salz der Erde“ (Mt 5, 13) sein sol­len. Salz, das sich nicht aus­streu­en lässt, ver­klumpt, es wird zu einem lebens­feind­li­chen, ja töd­li­chen Salz­klum­pen. Wenn wir Chri­sten, wie Jesus sagt, Salz der Erde sein sol­len, dann ist es unse­re Pflicht, uns aus­streu­en zu las­sen, uns gewis­ser­ma­ßen sogar auf­lö­sen zu las­sen, damit wir in der Gesell­schaft wir­ken kön­nen. Eine Kir­che, die in den Sakri­stei­en und Sit­zungs­sä­len ver­klumpt, kann dem Evan­ge­li­um und dem Auf­bau des Rei­ches Got­tes nicht die­nen. Aber das ist unser aller Beru­fung, Mit­ar­bei­ter am Auf­bau des Rei­ches Got­tes zu sein, jeder auf sei­ne Wei­se.

7 Kommentare

  1. „Dort wird „lai­kos“ als Bezeich­nung für die­je­ni­gen genom­men, die nicht mit einem in der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on ste­hen­den Amt beklei­det sind. Damit sind die Wei­chen gestellt für die spä­te­re Ent­wick­lung. „Laie“ dient zur Benen­nung einer Grup­pe inner­halb der Kir­che, die sozu­sa­gen nega­tiv bestimmt sind durch etwas, das ihnen nicht zukommt. Nun mag die Her­lei­tung des Adjek­tivs „lai­kos“ vom grie­chi­schen laos (= Volk, hei­li­ges Volk) ety­mo­lo­gisch zutref­fend sein. Die posi­ti­ve Kon­no­ta­ti­on, die man ihm neu­er­dings zu geben bemüht ist, um den Begriff zu ret­ten, näm­lich lai­kos als Wür­de­ti­tel im Sin­ne von Ange­hö­ri­ger des hei­li­gen Vol­kes Got­tes zu inter­pre­tie­ren, hat sprach­ge­schicht­lich kei­ne Basis und muss auch gegen­wär­tig gegen den empi­risch-fak­ti­schen Sprach­ge­brauch anren­nen.“
    Bla, bla, bal. Wenn der Herr vor 2000 Jah­ren so ein Stuß abge­las­sen hät­te wäre kei­ne Kat­ze von den Mau­ern Jeru­sa­lems her­ab­ge­stie­gen. Frü­her nann­te man die Lai­en auch noch Scha­fe und sie hat­ten Hir­ten die sie führ­ten, heu­te war­ten wir auf dem Tag wo das erste Schaf (Laie) sich auf die Hin­ter­fü­ße stellt und brüllt „Ich bin Chri­stus“ und die Hir­ten fal­len vor ihm auf die Knie.
    „Der Begriff „Welt­christ“ greift die­se Aus­sa­ge des Kon­zils auf, dass den Lai­en der Welt­cha­rak­ter beson­ders zu eigen sei und dass ihre Beru­fung dar­in besteht, mit ihren beruf­li­chen Kom­pe­ten­zen in den vie­len Berei­chen des Lebens in der Welt Sor­ge zu tra­gen für den Auf­bau des Rei­ches Got­tes. [Ende des State­ments].“
    Wie heißt denn die­ser Gott und wenn ich ihm begeg­ne, gehe ich mit ihm in eine katho­li­sche Kir­che oder in eine Moschee oder gleich mit ihm die Sau­na. Es ist doch eh alles Scheiß­egal.
    „Natür­lich ken­nen wir eine Viel­falt von christ­li­chen Beru­fun­gen.“
    Na klar, zb. vom Staat bezahl­te Bischö­fe.
    „Wei­ter­brin­gen kann uns hier, so den­ke ich, nur das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil.“
    Wo wollt ihr den hin, die Kir­chen wer­den immer lee­rer und euer ver­zwei­fel­te Auf­ruf zu Neue­van­ge­li­sie­rung spricht eine ein­deu­ti­ge Spra­che.
    „Mit­ar­bei­ter am Auf­bau des Rei­ches Got­tes zu sein, jeder auf sei­ne Wei­se.“
    Kein Pro­blem, ich habe den Kon­zils­geist schon vie­le mal gelä­stert, eigent­lich müß­te ich schon tot sein.
    „Er wird in der Regel ver­hei­ra­tet sein und auch durch sein Vater- oder Mut­ter­sein als Christ her­aus­ge­for­dert.“
    Nun mal lang­sam, heu­te heißt das Eltern 1 und Eltern 2 das Geschlecht ist bald nur noch ein Witz der Geschich­te.
    „Das Kon­zil befreit sich von der gegen­re­for­ma­to­ri­schen Front­stel­lung und erkennt an, dass die Rede vom gemein­sa­men Prie­ster­tum aller Gläu­bi­gen nicht des­halb schon falsch ist, weil Mar­tin Luther die­ses Prie­ster­tum beton­te und als das ein­zig schrift­ge­mä­ße bezeich­ne­te.“
    Das Kon­zil hat sich befreit von der Gegen­re­for­ma­ti­on? Wo sind eure Bil­der­stür­mer die Maria angrei­fen tun? Ich wür­de sagen paart Luther mit dem Kon­zils­geist und ihr habt die gewünsch­te 2. Refor­ma­ti­on.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Welch lan­ge Ausführungen…Das The­ma könn­te doch schlich­ter abge­han­delt wer­den. Wie­so Laie nega­tiv n´besetzt sein soll, bleibt unver­ständ­lich. Zu weit her­ge­holt.

  2. Irgend­wie drängt er sich doch gleich auf.…der Ver­gleich von „Welt­christ“ mit der frei gei­stig ange­streb­ten „Welt­re­li­gi­on“ unter Aus­schluss der Ewi­gen Wahr­heit Jesus Chri­stus. Wie drück­te sich Bischof Vor­der­hol­zer doch im Vor­feld des „Katho­li­ken­ta­ges bezeich­nen­der­wei­se aus ?:
    -
    „Nur die Wahr­heit macht frei und da gibt es nir­gend­wo ein Denk­ver­bot.
    Die stär­ke­ren Argu­men­te zäh­len.“
    -

    Die „stär­ke­ren Argu­men­te“ eines „human glatt­ge­bü­gel­ten Welt­chri­sten“ ?

  3. Die­ser Vor­schlag ging gründ­lich dane­ben. Mit dem Begriff „Laie“ kön­nen wir doch leben. Was soll „Welt­christ“. Das ist doch gekün­stelt, kon­stru­iert und welt­fremd. Das wirft wie­der unnö­ti­ge Fra­gen auf. Gibt es für die Kle­ri­ker nichts Wich­ti­ge­res zu ver­an­las­sen ? Seit Ber­go­glio nimmt die Tal­fahrt an Geschwin­dig­keit noch merk­lich zu.

  4. Die Auf­ga­be des Prie­sters ist es die Wand­lung durch­zu­füh­ren. Die­se Fähig­keit haben nur gül­tig geweih­te Prie­ster. Im Ver­gleich zum Prie­ster sind ande­re Gläu­bi­ge tat­säch­lich nur Lai­en. Die neue Begriff­lich­keit Welt­christ hört sich stark nach einer Kir­chen­po­lit-kor­rek­ten Sprach­um­ge­stal­tung an.

  5. Zitat:

    „Gemäß dem empi­ri­schen Sprach­ge­brauch im Deut­schen ist „Laie“ die Bezeich­nung für den „Nicht-Fach­mann“ und die „Nicht-Fach­frau“. Einen Lai­en nennt man jeman­den, der sich in Bezug auf ein bestimm­tes Wis­sens­ge­biet nicht aus­kennt oder hin­sicht­lich gewis­ser Fer­tig­kei­ten unge­übt oder unge­lernt ist. So bin ich bei­spiels­wei­se ein gera­de­zu „blu­ti­ger“ Laie – wie man inter­es­san­ter Wei­se im Deut­schen die Stei­ge­rung aus­zu­drücken pflegt – wenn es um die tech­ni­schen Belan­ge mei­nes Autos oder mei­nes Com­pu­ters geht.

    Die­se pejo­ra­ti­ve Kon­no­ta­ti­on des Begriffs „Laie“ haf­tet ihm an seit sei­ner ersten nach­weis­ba­ren Ver­wen­dung in kirch­lich-theo­lo­gi­schem Kon­text.“

    Das ist doch wirk­lich Unsinn!
    Ich habe den Begriff „lai­cus“ schon in hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Quel­len gele­sen. Dort natür­lich nicht im Sin­ne des Nicht­fach­man­nes (was für ein bür­ger­li­cher Unsinn!), son­dern zum Bei­spiel in dem Sin­ne, dass es sich um eine Per­son han­delt, die sich einem Klo­ster anschließt, ohne die ewi­gen Gelüb­de abzu­le­gen. Bis heu­te spre­chen wir in dem Sinn von „Lai­en­schwe­stern“ oder „Lai­en­brü­dern“. Dass man dann alle, auch die ganz welt­li­chen Leu­te „Lai­en“ nennt, steht nicht im Kon­trast zu einem irgend­wie gear­te­ten Kön­nen. Der Kon­trast ist zwi­schen welt­li­chem und geist­li­chem Stand.
    Bezeich­nen­der­wei­se sind die Voll­schwe­stern oder ‑brü­der ja nicht zwin­gend Theo­lo­gen oder Theo­lo­gin­nen. Sie sind Men­schen, die sich Gott im Rah­men des tra­di­tio­nel­len geist­li­chen Stan­des geweiht haben — gleich, wel­che „Qua­li­fi­ka­ti­on“ sie haben. Es gibt dabei unter den Män­nern auch Per­so­nen, die zudem noch Prie­ster sind (Ordens­prie­ster) oder eben „Welt­prie­ster“, wenn sie sich in der Form Gott ganz wei­hen, dass sie Prie­ster, aber kei­ne Ordens­an­ge­hö­ri­gen sind. Aber auch der nicht­theo­lo­gi­sche Bru­der und alle Schwe­stern gel­ten nicht als Lai­en in dem Augen­blick, in dem sie die ewi­gen Gelüb­de abge­legt haben.

  6. Ich sehe, dass Bischof Vor­der­hol­zer sich im Grun­de hier als guter Hir­te erwei­sen möch­te. Er will näm­lich die Gläu­bi­gen auf Trab brin­gen und sie an ihre Mis­si­on erin­nern. Das ver­deut­li­chen die Punk­te der Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge. Er kennt die Ver­klum­pun­gen und Ver­stop­fun­gen in der Kir­che, „Kle­ri­ka­li­sie­rung der Lai­en“ und „Lai­sie­rung des Kle­rus“. Dadurch wer­den wich­ti­ge Berei­che des sozia­len, wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Lebens nicht mehr christ­lich ver­sorgt, wie es Papst Fran­zis­kus sagt. „Blu­ti­ger Laie“ gefällt mir sehr gut, es drückt genau das aus, was das Volk ist. Die hei­li­ge Mes­se ist das Herz der Kir­che Jesu Chri­sti. Das Herz sorgt dafür, dass das Blut ange­rei­chert wird mit dem lebens­not­wen­di­gen Sauer­stoff. Das Herz schickt das Blut bis in die äußer­ste Peri­phe­rie, in zar­te­ste Ver­äste­lun­gen: Ite, mis­sa est! Wo es nicht mehr wei­ter­geht, der Sauer­stoff ver­braucht ist, kehrt das Blut um und das sauer­stoff­ar­me Blut fließt zum Her­zen zurück, wo es wie­der ange­rei­chert wird. So geht es in einem fort, immer wie­der, Herz und Blut, Blut und Herz gehö­ren zusam­men.
    Wer wür­de nun schluss­fol­gern, dass das Herz mehr wert sei als das Blut, oder das Blut sei mehr wert als das Herz! Das ist wirk­lich abso­lu­ter Unfug, hin­ter einem sol­chen Den­ken steckt böse­ste Sün­de, Hoch­mut genannt. Die­ser Hoch­mut tritt sowohl beim Kle­ri­ker als auch beim Lai­en auf und dadurch kommt es zu die­sen Ver­klum­pun­gen und Ver­stockun­gen, das Herz, d.h. die hei­li­ge Mes­se, kann sei­nen wich­ti­gen Dienst nicht mehr gut genug erbrin­gen und das Blut fließt nicht mehr so, dass alle Orga­ne und Mus­keln aus­rei­chend mit Sauer­stoff ver­sorgt wer­den.
    Frag­lich fin­de ich aller­dings die The­ra­pie, die Bischof Vor­der­hol­zer vor­schlägt. Ob der Aus­tausch des Wor­tes Laie durch Welt­christ dazu führt, dass die drin­gend not­wen­di­ge Ver­sor­gung der sozia­len, poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Orga­ne unse­rer Gesell­schaft mit christ­li­chem „Sauer­stoff“ wie­der bes­ser erfolgt, wage ich zu bezwei­feln. Und ob der Kle­rus sich dadurch end­lich wie­der sei­ner Auf­ga­be zuwen­det und das Volk mit den lebens­not­wen­di­gen Sakra­men­ten und der Ver­kün­di­gung und Beleh­rung berei­chert, da bin ich mir auch nicht sicher! Gut ist bestimmt die Bewusst­seins­bil­dung über die Sün­de des Hoch­muts, die wirk­lich auch sehr ver­steckt daher kom­men kann. Ich den­ke, dass aber zusätz­lich eine geist­li­che The­ra­pie not­wen­dig ist. Wer es ver­mag, soll­te sich der Herz Jesu und Herz Mariä — Ver­eh­rung zuwen­den, für sich und in der Gemein­schaft einer Pfarrei/Gemeinde, die die­se Frömmigkeit/Spiritualität pflegt. Das Erwa­chen des lie­ben­den auf­ein­an­der zuge­ord­net sein, in Lie­be und Respekt, ver­mag alle Ver­stockun­gen und Ver­här­tun­gen zu lösen.

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