So spricht ein Papst — Ohne Worte

So spricht ein Papst! So spricht ein Papst? Ohne Worte(Vati­kan) Papst Fran­zis­kus gewähr­te der auf­la­gen­stärk­sten kata­la­ni­schen Tages­zei­tung La Van­guar­dia ein Interview. 

In dem Inter­view wer­den eine Viel­zahl wich­ti­ger und ganz unter­schied­li­cher The­men ange­spro­chen. In Sum­me ver­mit­telt es den Ein­druck eines the­ma­ti­schen Sam­mel­su­ri­ums, der durch die Ant­wor­ten noch ver­stärkt wird. Eini­ge salop­pe Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus las­sen sprach­los, wes­halb in Stich­wor­ten das Inter­view kom­men­tar­los ver­öf­fent­licht wer­den soll.

Dabei sprach der Papst über sei­ne „reli­giö­se“ Frie­dens­in­itia­ti­ven für den Nahen Osten, daß es ein „Wahn­sinn“ sei, den Holo­caust zu leug­nen, daß „Anti­se­mi­tis­mus“ ihm zwar „uner­klär­lich“ sei, die­ser aber sei­nes Erach­tens mehr in „rech­ten Par­tei­en“ anzu­sie­deln sei als in lin­ken, daß er sich in „erster Linie als Hir­te“, aber „auch“ als Papst fühlt, daß es eine „Sün­de der Göt­zen­ver­eh­rung“ sei, daß das Geld im gel­ten­den Wirt­schafts­sy­stem im Mit­tel­punkt steht, daß die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit eine „Bar­ba­rei“ ist, daß „Waf­fen pro­du­ziert und ver­kauft wer­den“, um „die Haus­hal­te der göt­zen­die­ne­ri­schen Volks­wirt­schaf­ten zu sanie­ren“, daß „Fun­da­men­ta­lis­mus“ ein Pro­blem sei, das es in allen Reli­gio­nen gebe, daß anfangs im Vati­kan „99 Pro­zent“ über­zeugt waren, daß sei­ne Ein­la­dung an die Prä­si­den­ten Isra­els und Palä­sti­nas samt Gebet nicht zustan­de­kom­men wer­de, daß alle im Zusam­men­hang mit der Juden­ver­fol­gung Pius XII. und die Kir­che kri­ti­sie­ren wür­den, „aber dabei die gro­ßen Mäch­te ver­ges­sen“ wür­den, daß er „nicht sage, Pius XII. habe kei­ne Feh­ler began­gen: Aber wäre es bes­ser gewe­sen, anzu­kla­gen, und noch mehr Opfer zu ris­kie­ren?“, die Kir­che und Pius XII. haben vie­le Juden ver­steckt, allein „in Castel Gan­dol­fo in sei­nem Zim­mer, in sei­nem Bett wur­den 42 Kin­der von Juden und ande­ren Flücht­lin­gen zur Welt gebracht“, heu­te wäre es kor­rek­ter zu sagen, „daß man das Chri­sten­tum nicht leben kann, wenn man des­sen jüdi­sche Wur­zeln nicht aner­kennt“: „Ich spre­che nicht von Juden im Sin­ne der semi­ti­schen Ras­se, son­dern im reli­giö­sen Sinn. Ich den­ke, der inter­re­li­giö­se Dia­log dient dazu, dies zu ver­tie­fen an der Wur­zel“; Das „jüdi­sche Chri­sten­tum und das Blü­hen eines christ­li­chen Juden­tums stel­len eine Her­aus­for­de­rung dar, eine hei­ße Kar­tof­fel, aber es ist mög­lich zusam­men­zu­le­ben, wie es die Brü­der tun“; „Ich bete jeden Tag das Stun­den­ge­bet mit den Psal­men Davids. Mein Gebet ist jüdisch, und dann haben ich die Eucha­ri­stie, die christ­lich ist“; Armut und Demut „ste­hen im Mit­tel­punkt des Evan­ge­li­ums im theo­lo­gi­schen, nicht im sozio­lo­gi­schen Sinn“; man kön­ne das Chri­sten­tum „nicht ver­ste­hen ohne Armut, die jedoch vom Pau­per­is­mus zu unter­schei­den ist“; zur Kuri­en­re­form sag­te der Papst: „ich habe kei­ne Erleuch­tung, ich habe kein per­sön­li­ches Pro­jekt. Das was ich mache, ist, zu ver­wirk­li­chen, wor­über die Kar­di­nä­le in den Gene­ral­kon­gre­ga­tio­nen vor dem Kon­kla­ve nach­ge­dacht haben“; die „Dimen­si­on des Pfar­rers“ sei die „stärk­ste“ in sei­ner Beru­fung: „Ich füh­le mich aber auch als Papst. Das hilft mir, ernst zu machen. Mei­ne Mit­ar­bei­ter sind sehr ernst und pro­fes­sio­nell. Ich erhal­te Hil­fe, um mei­ne Pflicht zu tun. Man hat nicht den Papst-Pfar­rer zu spie­len. Das wäre unreif. Wenn ein Staats­ober­haupt kommt, muß ich ihm mit der Wür­de und dem Pro­to­koll begeg­nen, das es ver­dient. Es stimmt, ich habe mei­ne Pro­ble­me mit dem Pro­to­koll, aber ich muß es beachten.“

Ange­spro­chen auf die Sicher­heit sag­te das Kir­chen­ober­haupt: „Ich weiß, was mir gesche­hen kann, aber es liegt in Got­tes Hand. Ich erin­ne­re mich, daß man mir in Bra­si­li­en ein geschlos­se­nes Papa­mo­bil mit kugel­si­che­rem Glas vor­be­rei­tet hat­te, aber ich kann ein Volk nicht in einer Sar­di­nen­do­se grü­ßen und ihm sagen, daß ich es lie­be, wenn es auch aus Glas ist. Für mich ist das eine Mau­er. Ich weiß, daß alles gesche­hen kann, aber sei­en wir ehr­lich, in mei­nem Alter habe ich nicht viel zu verlieren“.

Und auch zur Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft nahm der Papst Stel­lung: „Die Bra­si­lia­ner haben mich gebe­ten, neu­tral zu sein und ich hal­te mein Wort, und ich muß mein Wort hal­ten, weil Bra­si­li­en und Argen­ti­ni­en immer Geg­ner sind.“

Auf die Fra­ge, wie er erin­nert wer­den möch­te, sag­te Papst Fran­zis­kus: „Ich habe nicht dar­über nach­ge­dacht, aber es gefällt mir, wenn sich einer an jeman­den erin­nert und sagt: ‚Er war ein guter Mensch, er hat getan, was er konn­te, er war nicht so schlecht“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Tempi

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