Die homosexuelle Revolution

Homosexuelle Revolution(Rom) Pli­nio Cor­ràªa de Oli­vei­ra (1908–1995) war ein bra­si­lia­ni­scher Histo­ri­ker, Poli­ti­ker, Phi­lo­soph und Jour­na­list und ein tra­di­tio­na­li­sti­scher Katho­lik. Bekannt wur­de er als Grün­der der Ver­ei­ni­gung „Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum“ (TFP), der Sociedade Bra­si­lei­ra de Defe­sa da Tradiçà£o, Famà­lia e Pro­priedade, die heu­te in zahl­rei­chen Län­dern ver­tre­ten ist. Bereits Mit­te der 1980er Jah­re nahm er Stel­lung zum Phä­no­men eines immer fre­cher auf­tre­ten­den Homo­se­xua­lis­mus und skiz­zier­te dar­in mit erstaun­li­cher Klar­sicht die wei­te­re Ent­wick­lung die­ser „homo­se­xu­el­len Revo­lu­ti­on“ in und für die Katho­li­sche Kir­che. Gehal­ten wur­de der Vor­trag vor Mit­glie­dern der ame­ri­ka­ni­schen TFP-Vereinigung.

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Die homosexuelle Revolution

Plinio Correa de Oliveiravon Pli­nio Cor­ràªa de Oliveira

Wenn die revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung zugun­sten der Homo­se­xua­li­tät so weit kommt, eine aus­rei­chen­de Zahl an Anhän­gern zu haben, um wirk­li­ches Gewicht auf die öffent­li­che Mei­nung zu erlan­gen; wenn die Mas­se jener über ein bestimm­tes Maß anwach­sen wird, die sich zwar nicht an die Sei­te der Homo­se­xu­el­len stel­len, aber nicht über die Begün­sti­gung der Homo­se­xua­li­tät empö­ren, und auf­grund von libe­ra­len Vor­ur­tei­len nicht wol­len, daß die­se unter­drückt wird, könn­ten die Pro­mo­to­ren der homo­se­xu­el­len Revo­lu­ti­on ver­su­chen, den Papst Schach Matt zu set­zen, indem sie sagen:

„Der Block aus Homo­se­xu­el­len und Tole­ran­ten hat inzwi­schen in den USA eine Stär­ke gewon­nen: Hät­ten Sie, Hei­li­ger Vater, den Mut, die Homo­se­xua­li­tät zu ver­ur­tei­len, wohl wis­send, daß die­ser Block Ihnen nicht fol­gen und sich daher von der Kir­che lösen könn­te? Wie vie­le wür­den in die­sem Fall treu blei­ben? Und zudem, Hei­li­ger Vater, wis­sen Sie, daß es inzwi­schen orga­ni­sier­te homo­se­xu­el­le Bewe­gun­gen auf der gan­zen Welt gibt und daß die Zahl der Tole­ran­ten über­all wächst. Was wären die Aus­wir­kun­gen die­ses Schis­mas auf die Katho­li­ken in ande­ren Ländern?“

Kirche an Schweigen zum Thema Homosexualität gewöhnen

Es tritt noch eine ande­re Fra­ge auf: Wie vie­le wer­den unter jenen, die gegen die Homo­se­xua­li­tät und gegen die Tole­ranz sind, also jene, die in die­ser Fra­ge eine auf­rech­te Gesin­nung haben, den Mut haben, sich dem orga­ni­sier­ten Angriff gegen die Kir­che ent­ge­gen­zu­stel­len? Wer­den sie stand­hal­ten? Oder wer­den sie „Klug­heit“ und Schwei­gen emp­feh­len, in der Hoff­nung auf bes­se­re Zei­ten, um dann eine ener­gi­sche­re Hal­tung einzunehmen?

Mei­nes Erach­tens wer­den jene, die den zwei­ten Weg wäh­len, fak­tisch die Homo­se­xua­li­tät för­dern, weil sie durch das Läh­men des Wider­stan­des auf unbe­stimm­te Zeit die Türen der Kir­che für eine sich immer wei­ter aus­brei­ten­de Men­ta­li­tät öff­nen, die nicht mehr gegen das wider­na­tür­li­che Laster, son­dern frei­zü­gig und tole­rant ist. Wenn nicht eine dok­tri­nel­le Tole­ranz, so aber zumin­dest eine effek­ti­ve Tole­ranz. Eines schö­nen Tages wer­den wir fest­stel­len, daß die Homo­se­xua­li­tät in der Hei­li­gen Apo­sto­li­schen Römisch-Katho­li­schen Kir­che Hei­mat­recht erwor­ben hat.

Das ist die Stra­te­gie, die die homo­se­xu­el­le Revo­lu­ti­on zu ver­fol­gen beabsichtigt.

Offen­sicht­lich zielt das dar­auf ab, die Kir­che dar­an zu gewöh­nen, zu so zen­tra­len The­men zu schwei­gen, daß man mei­nen könn­te, es gebe sie gar nicht mehr. Die Kir­che wird nicht ver­schwin­den, dem steht die gött­li­che Ver­hei­ßung ent­ge­gen, aber sie wird so sein, als wäre sie im moder­nen Pan­ora­ma verdampft.
Dazu kommt noch ein ande­rer, schreck­li­cher Aspekt: Die Ein­füh­rung des frei­en Gewis­sens als Letzt­in­stanz in der Kir­che. Damit wird deut­lich, daß der Stell­ver­tre­ter Chri­sti, der Papst, einen gewis­sen Stand­punkt hat, und eine nicht abseh­ba­re Zahl von Katho­li­ken einen ent­ge­gen­ge­setz­ten. Das heißt, die Auto­ri­tät des Pap­stes leugnet.

Wie sind wir in die­se Situa­ti­on gelangt?

Das freie Gewissen als Letztinstanz ist in die Kirche eingedrungen

Es ist eine gra­du­el­le, intel­li­gen­te Vor­be­rei­tung erfolgt, um eine wach­sen­de Zahl von Katho­li­ken dar­an zu gewöh­nen, das Pro­blem der Homo­se­xua­li­tät als per­sön­li­che Mei­nung zu betrach­ten: „Der Papst denkt zwar so, sicher, aber die­ser Erz­bi­schof, jener Bischof oder die­se Bischofs­kon­fe­renz denkt anders“. Die Katho­li­ken sehen, daß vie­le Prä­la­ten, Prie­ster und Theo­lo­gen offen vom Hei­li­gen Stuhl abwei­chen, aber nicht bestraft wer­den. Sie sehen, daß die Kir­che nicht bestraft, wer sich gegen sie auf­lehnt. Im Gegen­teil, sie erlaubt es, daß die­se Per­so­nen, die sich durch ihr rebel­li­sches Ver­hal­ten selbst aus der Kir­che aus­ge­schlos­sen haben und sich daher im Zustand der Tod­sün­de befin­den, wei­ter­hin die Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren, die Sakra­men­te ver­wal­ten und ihr Lehr­amt ausüben.

Wenn die­se Situa­ti­on sich in die­sem Sinn fort­setzt, wer­den wir eine zum Schwei­gen gebrach­te Kir­che haben. Ein Schwei­gen, das zum Teil der Weich­heit, zum Teil der Panik geschul­det ist, einem star­ken und ver­schla­ge­nen Feind ent­ge­gen­tre­ten zu müssen.

Mangel an heiliger Empörung gegen die Sünde

Vor allem aber wird es Schwei­gen aus Man­gel an hei­li­gem Eifer gegen die Sün­de sein, jener hei­li­gen Empö­rung, aus der her­aus ein Papst allem und allen gegen­über­tritt mit der Fest­stel­lung: Das Lehr­amt der Kir­che bleibt trotz allem auf­recht! Veri­tas Domi­ni manet in aeter­num! Die Welt mag sich dre­hen, wie sie will, doch der Fels Petri steht fest!

Lei­der müs­sen wir fest­stel­len, daß in vie­len katho­li­schen Krei­sen es zwar kein still­schwei­gen­des dok­tri­nel­les Ein­ver­ständ­nis mit der Homo­se­xua­li­tät gibt, aber einen Man­gel an Empö­rung gegen die Sün­de. Ein Man­gel, der das Ergeb­nis einer gewis­sen pazi­fi­sti­schen Sen­ti­men­ta­li­tät ist, die sich vor der Gefahr, statt Hel­den­mut zu bewei­sen, sich von Weich­heit, Nach­gie­big­keit und der im übri­gen völ­lig unbe­grün­de­ten Hoff­nung lei­ten läßt, das Böse wer­de sich schon von allei­ne bessern.

Garantierte Straflosigkeit fördert die Frechheit der Sünde

Auf die­se Wei­se rückt die homo­se­xu­el­le Offen­si­ve frech vor, weil sie weiß, daß ihr nichts gesche­hen wird. Die Pro­mo­to­ren die­ser Revo­lu­ti­on wis­sen, daß sie auf ein Kli­ma der Straf­lo­sig­keit zäh­len kön­nen, die eine Toch­ter der Angst und der Nach­gie­big­keit ist, die inzwi­schen zu vie­le katho­li­sche Krei­se beherrscht. Ich sage nicht, daß die­se katho­li­schen Krei­se direkt in die För­de­rung der Homo­se­xua­li­tät ver­wickelt sind. Ich sage etwas ande­res. Da sie die­se sen­ti­men­ta­le und nach­gie­bi­ge Men­ta­li­tät gut ken­nen, erar­bei­ten die Anfüh­rer der homo­se­xu­el­len Ver­schwö­rung ihre Plä­ne, indem sie in Rech­nung stel­len, daß sie von die­ser Sei­te nichts zu befürch­ten haben.

Wir haben so, auf der einen Sei­te, die sich aus­brei­ten­de Sün­de wider die Natur. Und wir haben auf der ande­ren Sei­te die, mei­nes Erach­tens, noch schwer­wie­gen­de­re Sün­de unzäh­li­ger Katho­li­ken, die den Hei­li­gen Stuhl, ent­we­der weil sie mit der Homo­se­xua­li­tät gemein­sa­me Sache machen oder weil sie Angst davor haben, sich ihr ent­ge­gen­zu­stel­len, zwin­gen wol­len, zu die­sem Punkt zu schwei­gen, das heißt, vor der Sün­de zurück­zu­wei­chen, indem sie ihren Auf­trag aufgibt.

Nachgiebigkeit katholischer Kreise noch größere Sünde

Mei­nes Erach­tens ent­spricht die­se zwei­te Sün­de einem Sakri­leg, da es ein still­schwei­gen­des Ein­ver­ständ­nis mit dem Wunsch ist, die Kir­che zu zer­stö­ren. Und das ist weit schwer­wie­gen­der. Wenn die­se Situa­ti­on wei­ter andau­ert und, mehr noch, sich ver­schärft, soll­te man sich fra­gen, ob wir nicht am Ende des revo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­ses ange­langt sind. Es ist der Aus­fluß einer Sün­de, die seit 500 Jah­ren andau­ert. Es ist eine sol­che Anhäu­fung von Sün­den, daß sie im Ange­sicht Got­tes nach Rache schreit. Dann kön­nen wir kei­ne Zwei­fel haben: Es ist die Stun­de, in der die Vor­se­hung ein­greift, die Stun­de, in der die Got­tes­mut­ter eingreift!

TFP-Ita­li­en
Einleitung/Übersetzung Giu­sep­pe Nardi
Bild: Una Fides

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