Dobri Dobrev, 100 Jahre alt und Bettler, ist der größte Spender der orthodoxen Kirche Sofias

Dobri Dobrev(Sofia) Der Bett­ler „Opa Dobri“ ist arm wie die sprich­wört­li­che Kir­chen­maus und den­noch ist er der größ­te pri­va­te Geld­ge­ber der ortho­do­xen Kir­che in der bul­ga­ri­schen Haupt­stadt Sofia. Dobri Dobrev hat vor kur­zem sei­nen 100. Geburts­tag gefei­ert. „Gefei­ert“ hat er eigent­lich nicht, wie er sagt. Aber „gefreut“ habe es ihn schon, daß „der All­gü­ti­ge“ ihm die­ses Geschenk gemacht hat. Dobri Dobrev bit­tet seit mehr als 20 Jah­ren um Almo­sen, jedoch nicht für sich selbst, son­dern um sie der „hei­li­gen Kir­che“ wei­ter­zu­ge­ben, wie der grie­chisch-ortho­do­xe Bischof von Sofia bestä­tigt. Allein 2009 hat er der Kir­che 18.250 Euro gespen­det.

Der 100 Jah­re alte Bett­ler „Opa Dobri“ ist damit der größ­te Pri­vat­spen­der der ortho­do­xen Kir­che Sofi­as. „Opa Dobri“ wird er lie­be­voll von den Bul­ga­ren genannt. In der Haupt­stadt hat jeder zumin­dest schon von ihm gehört. Dobri Dobrev sieht aus wie der Ärm­ste der Armen und er ist einer der Ärm­sten unter den Armen. Er trägt kei­ne Schu­he, weil er kei­ne besitzt. „Ich brau­che auch kei­ne“, sagt er kurz ange­bun­den. „Das ist doch Luxus.“ Sein zu Hau­se kann man besten­falls als Behau­sung bezeich­nen. Und doch sagt er: „Ich habe alles, was ich brau­che zum Leben. Brau­che ich noch etwas? Nein!“

Fünf Jahresgehälter gespendet

Bischof Tik­hon, der Bischof der Alex­an­der-New­ski-Kathe­dra­le umschreibt es so: „Die 35.700 Leva, die er uns allein 2009 gespen­det hat, ent­spre­chen fünf Brut­to­durch­schnitts­löh­nen in Bul­ga­ri­en. Er selbst führt aber ein Leben fern­ab von jedem Kom­fort.“ Die Kathe­dra­le von Sofia ist aber nicht die ein­zi­ge Kir­che, die Opa Dobri mit Spen­den bedenkt. Vie­le ande­re Kir­chen und Klö­ster, gro­ße und klei­ne bestä­ti­gen, von ihm in die­sen Jah­ren zwi­schen 2.500 und 10.000 Euro erhal­ten zu haben.

Bulgarien Dobri Dobrev der Bettler der KircheIn Lum­pen geklei­det steht Dobri Dobrev mit sei­nen lan­gen, zot­te­li­gen Haa­ren und dem lan­gen Bart vor der Kathe­dra­le und bit­te um Almo­sen. „Er ist ein Hei­li­ger“, sagt eine Bul­ga­rin im Vor­über­ge­hen. Tat­säch­lich erin­nert sein Aus­se­hen an ortho­do­xe Mön­che. Oder eben an ins Alter gekom­me­ne Bett­ler irgend­ei­ner euro­päi­schen Groß­stadt. „Opa Dobri“ ist ein Bett­ler Got­tes. Aske­tisch ist sein Auf­tre­ten, aske­tisch ist sein Lebens­wan­del. Pas­san­ten gehen an ihm vor­über. Der eine und die ande­re gibt ihm eine Mün­ze. Ohne zu zögern, bie­tet er ein Stück Brot an und nach etwas suchen an sei­nem Kör­per ein Kuchen­stück, das ihm „freund­li­che See­len“, wie er sagt, gebracht haben: „Nimm ein Stück davon, es kommt von Gott.“

Dobri Dobrev zieht die Blicke magne­tisch an. Ganz unge­wöhn­lich für einen Bett­ler, die ohne Blick­kon­takt, meist fast unsicht­bar inmit­ten der geschäf­ti­gen Men­schen leben. Er ist 1914 gebo­ren. „In dem Jahr ist der schreck­li­che Krieg aus­ge­bro­chen“, sagt er. Wäh­rend der schwe­ren alli­ier­ten Bom­ben­an­grif­fe auf Sofia im Zwei­ten Welt­krieg ver­lor er einen Teil sei­nes Gehörs.

„Der Krieg und die­ses Ereig­nis hat ihn fromm wer­den las­sen, auf sei­ne ganz eige­ne Art“, sagt Ele­na Genowa, eine selbst hoch­be­tag­te Ver­wand­te von „Opa Dobri“. „Er begann nach dem Krieg in Klö­stern zu arbei­ten, um sei­ne Fami­lie zu ernäh­ren. Er woll­te es aber in der Nähe zu Gott tun.“ Sei­ne Frau ist schon lan­ge tot, die Kin­der selbst schon fort­ge­schrit­te­nen Alters. „Seit mehr als 20 Jah­ren bit­te er um Almo­sen. Manch­mal hel­fe ich beim Zäh­len des Gel­des. Er wickelt es in Zei­tungs­pa­pier, gibt es in einen Nylon­sack und dann sucht er eine Kir­che oder ein Klo­ster, um es zu spen­den“, so Ele­na Genowa.

dobri-dobrev3Dobri Dobrev lebt in einem klei­nen Zim­mer mit einem Bett und einem Tisch neben der Kir­che sei­nes Hei­mat­or­tes Baylo­vo, knapp 40 Kilo­me­ter von Sofia ent­fernt. Die Kir­che wur­de von Grund auf reno­viert, ein­zig durch die Spen­den von „Opa Dobri“. Den „hei­li­gen Bett­ler“ umgibt eine beson­de­re Aura. Vie­le Men­schen hal­ten ihn für einen leben­den Hei­li­gen. Man­che sind über­zeugt, daß „Gott ihm über­na­tür­li­che Gaben geschenkt hat“. Eine Frau, die in der Kathe­dra­le von Sofia die Glocken läu­tet, sagt: „Einer Mut­ter sag­te er, wo sie ihre ver­schwun­de­ne Toch­ter wie­der­fin­det.“ Künst­ler haben „Opa Dobri“ auf der Haus­mau­er eines Wohn­blocks ver­ewigt.

Dobri Dobrev, der „groß­zü­gig­ste und gütig­ste Mensch“ von Sofia, wie er auch genannt wird, sagt dazu nur: „Die Men­schen sol­len mit from­mem Her­zen beten.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild:Tempi

12 Kommentare

  1. Was für ein Vor­bild im Glau­ben! Men­schen wie Opa Dobri leben uns vor, was IN und MIT Gott alles mög­lich ist. Und es wird mir schmerz­lich bewusst, dass — egal wie sehr ich mich auch anstren­ge — es mir nicht mög­lich sein wird es ihm auch nur ähn­lich zu machen. Es sei denn, Gott schenkt mir die­se Gna­de.
    Dan­ke lie­ber Gott, dass Du uns in solch wahr­haft demü­ti­gen und beschei­de­nen Men­schen Dei­ne Grö­sse und Dei­ne Lie­be offen­barst. Gott seg­ne und behü­te dich, lie­ber Opa Dobri.

  2. Welch ein herr­li­ches Bei­spiel ech­ter Bus­se und Fröm­mig­keit! Rei­chen Segen und unaus­sprech­li­cher Lohn wird ihn erwar­ten! Sla­va bogu!

  3. Dan­ke für die­sen groß­ar­ti­gen Bericht!

    Rus­si­sche Autoren schrie­ben von hei­li­gen Bett­lern (und auch von hei­li­gen „Nar­ren“). Es ist schön zu lesen, daß es sol­che Men­schen auch heu­te gibt.

    Bei „Opa Dobri“ wirkt auch das Betra­gen echt und unge­kün­stelt. Er scheint auch weder auf­dring­lich noch über­dreht zu sein son­dern aus­ge­gli­chen und wei­se.

    Eine erha­be­ne Beru­fung!

  4. Hat der „Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger“ Oba­ma die­sen Bericht auch gele­sen? Er war doch letzt­hin Gast bei Ber­go­glio-ali­as Papa Ffran­zis­kus! Nein?Ja? Aber hat doch soooo breit Gegrinst dabei.

  5. Bei uns wür­de man mit dem gespen­de­ten Geld den alten, schö­nen Hoch­al­ter zer­stö­ren und einen Luther­tisch in die Kir­che stel­len…

    • Das zeigt doch auch, je weni­ger die Men­schen in Luxus und Wohl­stand leben, desto näher kom­men sie Gott. Dobri zeigt was der Begriff Güte eigent­lich bedeu­tet.
      Ich bin sicher, erst wenn uns Wohl­stand­s­eu­ro­pä­ern essen­ti­el­le Din­ge des täg­li­chen Gebrauchs genom­men sind, aus­ge­löst durch Kri­sen, Kata­stro­phen und der­glei­chen, erst dann wird Euro­pa wie­der zu sei­nen christ­li­chen Wur­zeln zurück­fin­den, vor­her nicht.

      • @dhmg:Da bin ich mir nicht so sicher ‑und die GESCHICHTE HAT ES BEWIESEN:„erst wenn uns Wohlstandseuropäern(Wohlsatnd?Lesen Sie kei­ne Zeitungen?Es herrscht Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit in Europa:Millinen Jugend­lich fin­den kei­ne Arbeit,trotz guter Ausbildung,in DEUTSCH­LAND­gibt es zuneh­men­de Kinerarmut,ect,ect)essentielle Din­ge des täg­li­chen Gebrauchs genom­men sind, aus­ge­löst durch Krisen,Katastrophen und der­glei­chem esrt dann wird Euro­pa zu sei­nen christ­li­chen Wur­zeln zurückfinden,vorher nicht.“ Eher das GEGENTEIL WIRD DER FALL SEIN.Es wird zu Revolutionen,Bürgerkriegen und Kir­chen­ver­fol­gun­gen kommen.Armut ist kei­ne Garan­tie für Bekeh­run­gen zum Glauben.Alle Proh­phe­zei­un­gen auch die von La SALETTE sagen Bür­ger­krie­ge vor allem in Frankreich,England,Italien,Spanien voraus.Dann folgt die Flucht des Pap­stes aus Rom.Der drit­te Weltkrieg,einmarsch der Rus­sen in Deutschland.Dann Krö­nung des gro­ssen Mon­arch­ne durch den Papst,25 Jah­re fol­gen­de Friedenszeit.usw,vorher noch die drei Dunk­len Näch­te.

        • Also selbst einem Harz IV Emp­fän­ger, fehlt, es sei denn er ver­säuft oder ver­spielt sein Geld, es nicht an exi­sten­zi­el­len Din­gen.
          Jeder Stra­ßen­pen­ner kriegt pro Tag 17 € vom Sozi­al­amt und hat ein Anrecht auf eine Woh­nung.
          Ich fin­de zwar auch, dass vie­les schief läuft in die­sem unse­rem Land, aber Armut ist was ande­res, als Woh­nung und ein paar hun­dert Euro ein­fach so zur Ver­fü­gung zu haben!
          Es gibt auch Pre­ka­ri­at und schlim­me Zustän­de, aber unser sozia­les Netz ist so gut, dass die hal­be Welt hier­her­kom­men will, oder anders for­mu­liert, wenn man hier von Harz IV lebt, geht es einem oft bes­ser, als wie wenn man in einem ande­ren Land zu den „Nor­ma­len“ gehört.

          • Ich per­sön­lich habe bei mei­nem Kom­men­tar an ganz andere(einfachere) Din­ge gedacht, als die bei­den Ant­wort­ge­ber nach mir.
            Was sind denn essen­ti­el­le Din­ge des täg­li­chen Gebrauchs an die ICH gedacht habe? Was­ser, Strom, Gas zum Hei­zen, Lebens­mit­tel­ver­sor­gung — das fällt weg in einer schwe­ren Kri­se, aus­ge­löst durch Krieg.

            An unse­re jet­zi­ge gesell­schaft­li­che Situa­ti­on und deren Pro­ble­me brau­che ich gar nicht zu den­ken, dar­über zu phi­lo­so­phie­ren wür­de theo­re­tisch ins End­lo­se füh­ren.

    • lei­der haben Sie Recht.Eine rus­si­sche Emi­gran­tin in Paris wur­de in der Zeit der Lit­ur­gie­re­form Paul VI von einem Zei­tungs­frit­zen gefragt: „wann kommt denn in Ihrer Kir­che die Reform der Lit­ur­gie?“ Ant­wort:“ 20 Jah­re nach dem Welt­un­ter­gang!“

      • „Ant­wort:“ 20 Jah­re nach dem Welt­un­ter­gang!“
        Ich ken­ne die rus­si­sche Emi­gran­tin nicht aber ich mag die­se Frau.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

  6. Und auch im Fal­le die­ses hei­li­gen Man­nes gilt: nur sei­net­we­gen und um sei­nes­glei­chen wil­len erhält Gott die­se abge­irr­te Welt.

    Nicht aber wegen der Legio­nen von Konsumist_nnen, Ideologieverklebter_nnen und ihrer schmie­ri­gen „Lebens­qua­li­tät“.

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