Nobilis austeritas — Motu proprio über Liturgie, Armut und Evangelisierung von den Rändern her (oder zumindest fast)

Neues Motu proprio von Papst Franziskus zur Liturgie(Rom) Ein „Freund des hei­li­gen Franz von Assi­si“ über­mit­tel­te fol­gen­de fik­ti­ve Erklä­rung des Pres­se­am­tes des Hei­li­gen Stuhls zu einem, eben­so fik­tiv, soeben erlas­se­nen Motu pro­prio von Papst Fran­zis­kus über die Lit­ur­gie mit einer Rei­he von auf­se­hen­er­re­gen­den Bestim­mun­gen. Auch Humor soll sein, denn wo die Gren­ze zwi­schen Humor und Sati­re liegt, möge der Leser selbst ent­schei­den.

Motu proprio Nobilis austeritas

Der Hei­li­ge Vater hat heu­te das Motu pro­prio Nobi­lis auster­itas über die Hei­li­ge Lit­ur­gie erlas­sen. Er will damit ein star­kes Zei­chen set­zen, daß sein Werk der Erneue­rung der Hei­li­gen Kir­che bei „Quel­le und Höhe­punkt des kirch­li­chen Lebens“ beginnt, wie die Wor­te des Kon­zils bekräf­ti­gen, die vom Papst in den ersten Zei­len des Doku­ments über­nom­men wur­den. Der Inhalt des Motu pro­prio war zum gro­ßen Teil vom dama­li­gen Kar­di­nal Ber­go­glio noch für sei­ne Diö­ze­se vor­be­rei­tet wor­den, aber durch sei­ne Wahl vor­erst in der Schub­la­de geblie­ben. Nun schien es dem Hei­li­gen Vater ange­mes­sen, es mit eini­gen not­wen­di­gen Ände­run­gen der gesam­ten Welt­kir­che zu schen­ken.

Das Motu pro­prio beginnt mit einem kur­zen histo­ri­schen Exkurs über die Ent­wick­lung der Hei­li­gen Lit­ur­gie im Lauf der Jahr­hun­der­te und über Wir­ken und die Auf­ga­be der Bischö­fe von Rom. Dann ver­tieft es die bereits in der Homi­lie der Chri­sam­mes­se vom Hei­li­gen Vater dar­ge­leg­ten Gedan­ken zur „Sym­bo­lik“ der hei­li­gen Gewän­der und über die Schön­heit des Lit­ur­gi­schen, „das nicht ein­fach Ver­zie­rung und Freu­de an schö­nen Gewän­dern ist, son­dern Gegen­wart der Herr­lich­keit unse­res Got­tes, die in sei­nem leben­di­gen und gestärk­ten Volk ihren Wider­schein fin­det“.

Papst Fran­zis­kus beschließt den ein­füh­ren­den Teil, indem er die enge Ver­bin­dung zwi­schen der Schön­heit der Lit­ur­gie und der Neue­van­ge­li­sie­rung unter­streicht. Dann fol­gen eini­ge kon­kre­te Bestim­mun­gen im Zei­chen der „edlen Schlicht­heit“, die bestimmt sind, Auf­se­hen zu erre­gen.

Der Papst for­dert die Abschaf­fung der moder­nen Kaseln und die vor­ran­gi­ge Ver­wen­dung der arm­frei­en, stoff­s­pa­ren­den römi­schen Kasel. Die bereits vor­han­de­nen moder­nen Kaseln wer­den in Form der römi­schen Kasel beschnit­ten und aus dem gewon­ne­nen über­schüs­si­gen Stoff Klei­der für die Armen genäht. Wei­ters schreibt der Hei­li­ge Vater vor, daß der Mani­pel auch in der ordent­li­chen Form des Römi­schen Ritus wie­der getra­gen wer­den soll, jener „Mani­pel der Trä­nen und des Schmer­zes, des­sen Sym­bo­lik uns im Sin­ne der Selig­prei­sun­gen beson­ders den Armen nahes­ein­läßt“.

Der Papst ver­fügt die Abschaf­fun­gen der Mis­sa­le-Über­set­zun­gen in die Volks­spra­chen. Der Hei­li­ge Vater schreibt: „Man zele­brie­re nur mehr auf Latein, der uni­ver­sa­len Spra­che der Kir­che, die das Volk Got­tes auf der Wan­der­schaft welt­weit ver­eint und die Gemein­schaft und Ein­heit der Gläu­bi­gen her­aus­streicht. Zudem zur Abstel­lung einer finan­zi­el­len Ver­schwen­dung für die Her­stel­lung einer Viel­zahl von Über­set­zun­gen und den Druck der ver­schie­de­nen Mis­sa­le-Aus­ga­ben.“ Zudem ver­fügt der Papst, daß der Ein­bau neu­er Altä­re in Kir­chen, in denen es bereits einen sol­chen gibt, unter­sagt wird, um die unnö­ti­ge Res­sour­cen­ver­schwen­dung für eine sinn­lo­se Altardop­pe­lung zu been­den. Die bereits ein­ge­scho­be­nen zusätz­li­chen Altä­re „sol­len wie­der ent­fernt und für Kir­chen­neu­bau­ten ver­wen­det wer­den, indem sie den ärme­ren Pfar­rei­en an den Rän­dern geschenkt wer­den“.

Das päpst­li­che Doku­ment legt wei­ter fest, daß „der Altar immer an der Wand auf­ge­stellt wer­den soll, um im Altar­raum Platz für die lit­ur­gi­sche Hand­lung zu spa­ren.“ Vor allem wer­den unnö­ti­ge Ver­län­ge­run­gen des Pres­by­te­ri­ums in das Kir­chen­schiff hin­ein unter­sagt, um dem Volk Got­tes nicht sei­nen Platz in der Kir­che zu neh­men und unnö­ti­ge Mehr­ko­sten zu spa­ren. Die durch über­flüs­si­ge Umbau­ar­bei­ten in den Kir­chen ein­ge­spar­ten Geld­mit­tel sol­len bedürf­ti­gen Pfar­rei­en an den Rän­dern zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Auf aus­drück­li­chen Wunsch des Hei­li­gen Vaters tre­ten die Bestim­mun­gen des Motu pro­prio Nobi­lis auster­itas bereits mit 30. Mai in Kraft.

Bild: Mis­sa Triden­ti­na Por­tu­gal

7 Kommentare

  1. herr­lich, erfri­schend-dan­ke für den nach­klin­gen­den risus pascha­lis (Ostergelächter)-er befreit und beschwingt ich möch­te mit dem byzan­ti­ni­schen Kir­chen­chor den gan­zen Tag singen:alliluija alli­lui­ja alliluija.….einfach gross­ar­tig!

    • Wie­so zum Glück? Das ist doch genau die Art von Kir­che, wie sie Fran­zis­kus wünscht; spar­sam und beschei­den. In der Tat kön­nen durch Unter­las­sung des Ein­baus über­flüs­si­ger Volks­al­tä­re Unmen­gen an Kosten ein­ge­spart wer­den. Und anstatt neue lit­ur­gi­sche Gewän­der anzu­schaf­fen, benutzt man die bereits vor­han­de­nen. Auch das spart Kosten. Ich bin sicher, dass Fran­zis­kus die­ses Motu Pro­pio unter­schrei­ben wür­de, denn das wür­de zu sei­ner Spar­sam­keit pas­sen. Jemand muss es ihm nur vor­le­gen. Das ein­ge­sparr­te Geld kann dann dort ein­ge­setzt wer­den, wo es wirk­lich nötig ist.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Wie­so zum Glück!? Naja, zurück zum Latein ist nicht erstre­bens­wert, weil schon vor dem II. Vati­ka­num die Gläu­bi­gen das nur aus­wen­dig run­ter­rat­ter­ten, ohne genau zu wis­sen, was sie da eigent­lich just in dem Moment genau bete­ten.
        Zustim­mung erhal­ten Sie dage­gen bezüg­lich der Ein­spa­run­gen durch den Ver­zicht auf den Ein­bau neu­er Altä­re. Hoch­al­tä­re ein­zu­bau­en, wo sie nicht mehr vor­han­den sind, wären tat­säch­lich Inve­sti­tio­nen, die nicht sein müs­sen.

        Wir soll­ten da Papst Fran­zis­kus, dem Ober­haupt der katho­li­schen Kir­che und Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden schon etwas mehr Ver­trau­en schen­ken.
        Dass Papst Bene­dikt XVI. aus frei­en Stücken zurück­trat und den Weg für eine Nach­fol­ge frei mach­te (eine Ent­schei­dung, die er nach eige­ner Aus­sa­ge im Anschluss an eine wie­der­hol­te Gewis­sens­prü­fung vor Gott traf) sowie das Pon­ti­fi­kat unse­res Hl. Vaters im Gebet beglei­tet, ist ein Bekennt­nis gro­ßen Gott­ver­trau­ens. Von die­ser Hal­tung Bene­dikts darf sich jeder Mensch guten Wil­lens ein gro­ßes Stück abschnei­den.

        • Zum Glück sind für die­sen Fall im neu­en deut­schen Got­tes­lob die latei­ni­schen Mess­ge­sän­ge direkt mit der deut­schen Über­set­zung unter­legt. Somit sieht man gleich, was man singt und betet und lernt ganz neben­bei noch Latein.
          Per Mari­am ad Chri­stum.

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