Die bequeme Welt mancher Prälaten – Wegschauen und sich mit der Macht arrangieren

Worür katholische Bischöfe demonstrieren: Bischof Schwarz von Linz solidarisierte sich mit NGO's zu deren "Entwicklungshilfe" Abtreibung gehört. Wann wird er vor einer Abtreibungsklinik gegen den Mord an unschulidgen Kindern beten?Von Giu­sep­pe Nardi

(Rom) Die unver­ständ­li­chen Wor­te von Bischof Nun­zio Galan­ti­no, des Gene­ral­se­kre­tärs der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz lösten unter Katho­li­ken welt­weit Unmut und Ent­täu­schung aus. Als beson­ders irri­tie­rend gilt die Tat­sa­che, daß Bischof Galan­ti­no von Papst Fran­zis­kus ernannt wur­de und des­sen star­ker Mann in der Bischofs­kon­fe­renz ist. Ist es nicht der Papst, der unun­ter­bro­chen Kar­rie­ris­mus und Bequem­lich­keit kri­ti­siert? Was aber ande­res als Bequem­lich­keit könn­te es sein, wenn Bischö­fe sich um die Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Leh­re her­um­drücken und dia­lek­ti­sche Kunst­stücke voll­zie­hen, um sich in Ein­klang mit der Welt zu brin­gen? Bischof Galan­ti­no kon­stru­ier­te in einem Inter­view mit der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Quo­ti­dia­no Nazio­na­le (QN) einen Gegen­satz zwi­schen ethi­schen Fra­gen, die er gegen­ein­an­der aus­spiel­te (sie­he eige­nen Bericht Ber­go­glio-Effekt: Sekre­tär der Bischofs­kon­fe­renz distan­ziert sich von Lebens­schüt­zern). Er stell­te dabei den Ein­satz für Arbeit und Gesund­heit dem Ein­satz für das Lebens­recht unge­bo­re­ner Kin­der entgegen.

Der Bischof ließ erken­nen, daß der Wider­stand gegen die Abtrei­bung einem Teil der kirch­li­chen Hier­ar­chie lästig gewor­den ist, weil er ein ein­ver­nehm­li­ches Arran­ge­ment der Katho­li­schen Kir­che mit den regie­ren­den Kräf­ten bela­stet. Nicht nur die Links­par­tei­en, zuneh­mend auch bür­ger­li­che Par­tei­en schlie­ßen jede Dis­kus­si­on über die Abtrei­bungs­ge­setz­ge­bung aus. Viel­mehr wird die Zustim­mung zur Abtrei­bung zur Vor­be­din­gung für staat­li­che För­de­rung oder gar für Lizenz­ver­ga­ben gemacht, wie in den USA durch die Regie­rung Obama.

Die Mächtigen wollen den Kindermord? Hurra wir knicken ein

Erzbischof Kurtz, neuer Vorsitzender der amerikanischen Bischofskonferenz betet kniend vor einer Abtreibungsklinik den RosenkranzBischof Galan­ti­no sprach offen aus, was nicht weni­ge Bischö­fe  schon län­ger indi­rekt zu ver­ste­hen geben. Die Lebens­rechts­fra­ge und die Lebens­schüt­zer stö­ren die guten Bezie­hun­gen zu den immer weni­ger christ­lich gepräg­ten Mäch­ti­gen in Poli­tik und Medi­en. Um dies zum Aus­druck zu brin­gen, schreck­te der neue Gene­ral­se­kre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz nicht davor zurück, die Lebens­schüt­zer auf her­ab­las­sen­de Wei­se zu kari­kie­ren. Daß auch der neue Vor­sit­zen­de der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Joseph Edward Kurtz kniend vor Abtrei­bungs­kli­ni­ken den Rosen­kranz betet, wur­de von Galan­ti­no ver­schwie­gen. Er jeden­falls, wer­de es nicht tun. Nicht nur das. Jene, die es tun, stö­ren den ein­fluß­rei­chen Prä­la­ten. Wohl weil sie eine stän­di­ge Mah­nung an das Gewis­sen sind.

Pater Pio und die Macht des Gebets

Glaubt Bischof Galan­ti­no am Ende gar nicht an die Macht des Gebets wenn er es als so unpas­send fin­det und abschät­zig über jene urteilt, die gegen Abtrei­bung beten? „Das Gebet ist die beste Waf­fe, die wir haben. Es ist der Schlüs­sel, der das Herz Got­tes auf­schließt“ sag­te hin­ge­gen der hei­li­ge Pater Pio von Pietrelcina.

„Bischof Galan­ti­no, viel­leicht soll­ten Sie ein­fach ein­mal an einer Gebets­vi­gil teil­neh­men, wo Men­schen Zeug­nis für den Glau­ben able­gen gegen das größ­te Ver­bre­chen der Mensch­heits­ge­schich­te, wäh­rend ande­re bequem zu Hau­se sit­zen“, so der Lebens­schüt­zer Miche­le Maj­no in Ris­cos­sa Cri­stia­na. „Neben den geschmei­di­gen und aal­glat­ten Anpas­sern wird es immer eini­ge ‚dick­köp­fi­ge‘ Katho­li­ken geben, die den Rosen­kranz zwi­schen ihren Fin­gern hal­ten und beten, statt über sozio­po­li­ti­sche Doku­men­te, ver­hei­ra­te­te Prie­ster, Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne, still­schwei­gen­de Aner­ken­nung der Abtrei­bung und laut­star­ke Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät zu dis­ku­tie­ren, weil sie genau wis­sen, daß Prie­ster nicht hei­ra­ten, die sakra­men­ta­le Ehe unauf­lös­lich ist, und daß Homo­se­xua­li­tät und der Mord an unschul­di­gen Kin­dern Greu­el sind, die nach der Rache Got­tes schrei­en“, so Majano.

Viele Bischöfe Europas haben zu lange geschwiegen

Katholische BischöfeBischof Galan­ti­no erfand statt­des­sen die Behaup­tung, die übri­gens eins zu eins von Papst Fran­zis­kus über­nom­men scheint, daß die Kir­che gewis­ser­ma­ßen schon zuviel über Abtrei­bung gespro­chen habe und nicht stän­dig so ein­sei­tig auf­tre­ten könne.
Aus den Wor­ten geht aber ledig­lich her­vor, daß Galan­ti­no das The­ma Lebens­recht auf die Ner­ven zu gehen scheint. Nicht der Mas­sen­mord an unge­bo­re­nen Kin­dern stört ihn, son­dern daß es Katho­li­ken gibt, die noch immer dar­auf hin­wei­sen, obwohl die Macht­ha­ber die­ser Welt doch ihre Geset­ze beschlos­sen haben und daher unge­stört mor­den wol­len können.
In Wirk­lich­keit trifft das genaue Gegen­teil des­sen zu, was Bischof Galan­ti­no behaup­te­te. Vie­le Kir­chen­ver­tre­ter, aus­ge­nom­men die Päp­ste (erst seit Papst Fran­zis­kus erscheint die päpst­li­che Hal­tung ambi­va­lent wie das gan­ze Pon­ti­fi­kat) schwei­gen seit Jahr­zehn­ten zum The­ma Lebens­recht. Wenn sie Stel­lung bezie­hen, dann ziem­lich ver­stoh­len, sodaß es ja nicht zu vie­le mer­ken. Eine Ankla­ge gegen den größ­ten, indu­stri­ell orga­ni­sier­ten Mas­sen­mord der Mensch­heits­ge­schich­te bekommt man von den aller­mei­sten nicht zu hören. Es geht wesent­lich schnel­ler, die weni­gen Bischö­fe auf­zu­zäh­len, die ernst­haft und über­zeugt ihre per­sön­li­che Stim­me gegen den Kin­der­mord erho­ben haben, als die zag­haf­ten Stel­lung­nah­men, ver­klau­su­lier­ter Erklä­run­gen der Bischofskonferenzen.

Demonstrieren mit Abtreibungslobbyisten – Distanzieren von Lebensschützern?

Bischof Lud­wig Maria Schwarz von Linz, jener öster­rei­chi­schen Diö­ze­se, die im deut­schen Sprach­raum ein Para­de­bei­spiel für inner­kirch­li­che Fehl­ent­wick­lun­gen ist, rei­ste eigens nach Wien, um am ver­gan­ge­nen Mitt­woch an einer „Mahn­wa­che“ vor dem Bun­des­kanz­ler­amt teil­zu­neh­men. Er demon­strier­te damit gegen Regie­rungs­kür­zun­gen für NGOs im Bereich Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. „Wir haben die Pflicht, Hil­fe zu lei­sten“, so der Bischof zurecht. Für den Bischof stellt es jedoch kein Pro­blem dar, sich undif­fe­ren­ziert mit Orga­ni­sa­tio­nen zu soli­da­ri­sie­ren, deren „Ent­wick­lungs­hil­fe“ in der För­de­rung der Abtrei­bung (Stich­wort „repro­duk­ti­ve Gesund­heit“) besteht.
Bischof Schwarz wur­de hin­ge­gen noch nicht auf der Stra­ße gese­hen, um für das Lebens­recht zu demon­strie­ren oder vor einer Abtrei­bungs­kli­nik zu beten. Eine Gele­gen­heit dazu bestün­de in Linz am Sams­tag, den 17. Mai, wo Human Life Inter­na­tio­nal Öster­reich und der Ver­ein Ja zum Leben zu einer Gebets­vi­gil ein­la­den und unter ande­rem vor dem All­ge­mei­nen Kran­ken­haus der Stadt den Rosen­kranz für das Recht auf Leben von Mut­ter und Kind und gegen den Kin­der­mord beten.

Fragen an die Bischöfe

Bischof Galan­ti­nos „Aus­rut­scher“ erfolg­te weni­ge Tage, nach­dem in Rom der 4. Marsch für das Leben statt­fand, an dem mehr als 50.000 Men­schen teil­nah­men, um für das Leben und gegen Abtrei­bung zu demon­strie­ren. Die Lebens­schüt­zer haben damit den Beweis erbracht, daß die Stra­ße nicht nur jenen gehört, die für den Tod demon­strie­ren. Ist Galan­ti­nos Wort­mel­dung als Ant­wort auf den Marsch für das Leben zu ver­ste­hen? Dar­um eini­ge Fra­gen an die Bischö­fe des Westens:

1.) Wer­den die Zehn­tau­sen­den Men­schen, Prie­ster, Ordens­leu­te, Kin­der, Erwach­se­ne, Frau­en, Män­ner und Alte (ein­schließ­lich jener, die im Roll­stuhl und auf Krücken kamen), die stell­ver­tre­tend für vie­le ande­re zwei Stun­den in Rom vom Platz der Repu­blik zum Peters­platz zogen, end­lich eine poli­ti­sche Aner­ken­nung fin­den? Wer­den die Bischö­fe eine kla­re Stel­lung bezie­hen, nicht nur abstrakt für das Leben, son­dern kon­kret gegen des­sen täg­li­che Bedro­hung durch die Abtrei­bung und zur Abschaf­fung der Abtreibungsmordgesetze?

2.) Vom 5. bis 19. Okto­ber 2014 wird im Vati­kan die Bischofs­syn­ode statt­fin­den zum The­ma: „Die pasto­ra­len Her­aus­for­de­run­gen der Fami­lie im Kon­text der Evan­ge­li­sie­rung“. Im Kapi­tel des Kodex des Kir­chen­rechts (CIC) heißt es zu syn­oda­len Ver­samm­lun­gen (Canon 346,2): „Die zur außer­or­dent­li­chen Gene­ral­ver­samm­lung ein­be­ru­fe­ne Bischofs­syn­ode hat Ange­le­gen­hei­ten zu behan­deln, die einer schnel­len Erle­di­gung bedür­fen.“ Gehö­ren zu den „Ange­le­gen­hei­ten“, die einer „schnel­len Erle­di­gung bedür­fen“ auch die Anlie­gen der Lebens­schüt­zer (dabei geht es wirk­lich um Leben oder Tod)?

3.) Der Papst sag­te beim Ange­lus auf dem Peters­platz zu den 50.000 Teil­neh­mern des Mar­sches für das Leben in Rom (bei dem vor allem die gro­ßen katho­li­schen Lai­en­ver­bän­de und Bewe­gun­gen durch Abwe­sen­heit auf­fie­len): „Viel Glück und vor­wärts“. Wer­den die Bischö­fe dem Bei­spiel von Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke fol­gen und bei näch­ster Gele­gen­heit auf die Stra­ße gehen, um am Marsch für das Leben ihres Lan­des und an Gebets­vi­gi­len vor Abtrei­bungs­kli­ni­ken teil­zu­neh­men und kom­pro­miß­los für das Lebens­recht eintreten?

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Ris­cos­sa Cristiana/Diözese Linz (Screenshot)/La cigüeña de la torre

8 Kommentare

  1. Es ist mitt­ler­wei­le lei­der auch in bischöf­li­chen Krei­sen zu einer um sich grei­fen­den Seu­che gewor­den, den Mas­sen­mord an unge­bo­re­nen beseel­ten Kin­dern als „unab­wend­ba­re Zeit­er­schei­nung“ ein­fach gesche­hen zu las­sen und statt­des­sen sich ganz zeit­ge­mäss als „Sol­zi­al­ar­bei­ter“ in Sze­ne zu setzen. 

    Papst Pius XII. hat bereits im Jah­re 1949 in einer ein­drück­li­chen Mahn­re­de auf dem Peters­platz vor den Gefah­ren der kirch­li­chen Ver­beu­gung vor dem Geist der Welt gewarnt:
    -
    „Wollt ihr eine Kir­che, die schweigt,
    wo sie spre­chen müsste,
    eine Kir­che, wel­che das Got­tes­ge­setz abschwächt,
    es an den Geschmack des mensch­li­chen Wil­lens anpas­sen will,
    wenn sie ver­pflich­tet ist, es mit lau­ter Stim­me zu proklamieren,
    eine Kir­che, wel­che sich ent­fernt vom uner­schüt­ter­li­chen Fundament,
    auf wel­ches Chri­stus sie begrün­det hat,
    um sie bequem dem unbe­stän­di­gen Stand der Tages­mei­nung anzupassen
    oder sie der gera­de gül­ti­gen Mei­nung preiszugeben
    [….]
    Gelieb­te Söh­ne und Töchter!
    Geist­li­che Erben einer unge­zähl­ten Legi­on von Beken­nern und Märtyrern!
    Ist dies eine Kir­che, die ihr ver­ehrt und liebt?
    Wür­det ihr in einer sol­chen Kir­che die Lini­en des Ange­sich­tes eurer Mut­ter erkennen?
    Wür­det ihr euch einen Nach­fol­ger des ersten Petrus vor­stel­len kön­nen, der sich sol­chen Ansprü­chen beu­gen würde?“
    -

  2. Wer kann die Gläu­bi­gen ver­ur­tei­len und rich­ten, wenn die Hir­ten, die die Gläu­bi­gen leh­ren sol­len, sich wei­gern, die Leh­re unver­kürzt zu verkünden?

    Aber zum Glück gibt es den „Freu­de am Glauben“-Kongress, wo die Kon­ser­va­ti­ven dem Papst unge­hemmt zuju­beln können.

    • Es wird den Gläu­bi­gen vor dem Rich­ter­stuhl Got­tes nichts nüt­zen, wenn sie schlech­ten Hir­ten auf dem brei­ten Weg ins Ver­der­ben fol­gen. Jeder trägt Eigen­ver­ant­wor­tung für sein See­len­heil. Allen­falls wer­den einem mil­dern­de Umstän­de ange­rech­net und man bekommt einen um ein paar Grad weni­ger schreck­li­chen Platz in der ewi­gen Feu­er­höl­le, aus der es nie­mals nie­mals nie­mals ein Ent­rin­nen gibt.

      • Es ist aber so, dass Katho­li­ken, im Gegen­satz zu Pro­te­stan­ten, sich nicht zum Lehr­mei­ster über die Leh­re auf­schwin­gen können.

        Wenn der Papst etwas lehrt, dann muss man schon ERST ein­mal mit guten Wil­len die­se Leh­re annehmen.

        Erst ganz beson­de­re Umstän­de erlau­ben Ungehorsam!

  3. Och, das Ver­hält­nis zu den Regie­run­gen wird schlechter…
    Lang­sam mache ich mir ziem­li­che Sor­gen um das dog­ma­ti­sche Wis­sen und den Glau­bens­mut unse­res Episkopates.
    Prompt fal­len mir drei Per­sön­lich­kei­ten ein, denen das Ver­hält­nis zu den welt­li­chen Mäch­ten bei grund­sätz­li­chen Fra­gen sehr egal war:
    Tho­mas Becket,
    Johan­nes von Nepo­muk (vom Tage)
    Cle­mens August Graf von Galen.

    Cou­ra­ge, mei­ne Herren!

  4. Das Schwei­gen erscheint in man­chen Fäl­len in gewis­ser Wei­se nach­voll­zieh­bar, weil man kei­ne Pro­ble­me bekom­men will, auch wenn die Prie­ster eigent­lich eine apo­sto­li­sche Ver­ant­wor­tung und Gelüb­de gegen­über Gott haben. Irgend­wann wird, mei­ner Mei­nung nach, der Punkt erreicht wer­den, wo glau­bens­treue Prie­ster und Kir­chen­obe­re sich als sol­che outen wer­den müssen.
    Pater Pio hat in den 60er Jah­ren gesagt, dass die Erde eher ohne Son­ne über­le­ben könn­te, als ohne das Hei­li­ge Messopfer.
    Der gro­ße Bruch in der Kir­che wird also dann sein, wenn das Hei­li­ge Mess­op­fer sei­ne Gül­tig­keit ver­liert und Gott des­we­gen Kata­stro­phen auf die Erde her­ab­wer­fen­wird wird. Weil dann kei­ne Süh­ne mehr erfolgt, die Sün­den dann mehr wer­den, ohne gesühnt wer­den zu können.
    Momen­tan sind wir ja auf dem besten Weg dorthin.

    • Ich glau­be mich zu erin­nern, dass Pater Pio das in den 70er Jah­ren gesagt hat, nicht in den 60ern.

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