Was genau ist ein Traditionalist?

tradsDaß es heu­te Katho­li­ken gibt, die als „Tra­di­tio­na­li­sten“ bezeich­net wer­den, ist eine bei­spiel­lo­se Ent­wick­lung in der gesam­ten bis­he­ri­gen Geschich­te der katho­li­schen Kir­che. Selbst auf dem Höhe­punkt der aria­ni­schen Kri­se – die ange­mes­sen­ste Ana­lo­gie zu unse­rer Situa­ti­on – war die Kir­che nicht auf­ge­teilt zwi­schen Tra­di­tio­na­li­sten und Nicht-Tra­di­tio­na­li­sten, son­dern viel­mehr zwi­schen jenen, wel­che die Häre­sie des Ari­us nicht ange­nom­men hat­ten, und jenen, wel­che sie ange­nom­men hatten.

Doch was genau ist ein Tra­di­tio­na­list? Ein Blick zurück dar­auf, wie die Din­ge einst waren, könn­te die Bedeu­tung des Begriffs wir­kungs­vol­ler ver­mit­teln als die übli­chen Ver­su­che einer for­ma­len Definition:

  • Einst gab es kei­nen in die gewöhn­li­chen Spra­chen der Welt über­setz­ten Ritus der Mes­se. Es gab nur die uni­ver­sa­le lit­ur­gi­sche Spra­che einer zeit­lo­sen Kir­che, wie man es sieht im uralten römi­schen Ritus, des­sen orga­ni­sche Ent­wick­lung bei­na­he umerk­lich seit dem fünf­ten Jahr­hun­dert fort­schritt, oder in den ehr­wür­den öst­li­chen Riten, fast eben­so alt, die über­wie­gend dem rasen­den lit­ur­gi­schen Van­da­lis­mus ent­ge­hen konn­ten, der die wich­tig­ste Lit­ur­gie der Kir­che ver­wü­stet hat.
  • Einst gab es kei­ne Altar­ti­sche nach luthe­ri­schem Stil in unse­ren Kir­chen, son­dern aus­schließ­lich auf Gott ori­en­tier­te Hoch­al­tä­re, deren Aus­se­hen allein den Sinn für Ehr­furcht und Andacht weckte.
  • Einst gab es kei­ne Lai­en als Lek­to­ren, Lai­en als „Kom­mu­ni­on­hel­fer“ oder Mäd­chen im Altar­raum, son­dern nur Prie­ster, Dia­ko­ne auf dem Weg zum Prie­ster­tum und männ­li­che Altar­die­ner, wel­che die haupt­säch­li­che Ursa­che für eine Genera­ti­on nach der ande­ren mit prie­ster­li­cher Beru­fung waren und die Semi­na­ri­en füllten.
  • Einst gab es kei­ne pro­fa­ne Musik wäh­rend der Mes­se, son­dern nur gre­go­ria­ni­schen Cho­ral oder Poly­pho­nie, die See­le zur Kon­tem­pla­ti­on des Gött­li­chen bewe­gend – und eben nicht Klop­fen mit den Füßen, Klat­schen mit den Hän­den oder blo­ße Langeweile.
  • Einst gab es kei­ne weit­ver­brei­te­ten lit­ur­gi­schen Miss­bräu­che. Im schlimm­sten Fall gab es Prie­ster, wel­che die tra­di­tio­nel­le Mes­se ver­huscht zele­brier­ten, aber inner­halb eines rubri­zi­sti­schen, text­li­chen und musi­ka­li­schen Rah­mens, der trotz allem das zen­tra­le Myste­ri­um vor jeder Mög­lich­keit der Pro­fa­nie­rung schütz­te und die höch­ste Wür­de des Got­tes­dien­stes vor mensch­li­cher Schwä­che bewahrte.
  • Einst gab es kei­ne „Homo-Mafia“ in den Semi­na­ri­en, den Kanz­lei­en und im Vati­kan selbst, oder kle­ri­ka­le „Raub­tie­re“, die Jun­gen auf der gan­zen Welt sexu­ell miss­brau­chen, weil die Auto­ri­tä­ten der Kir­che die Norm anwand­ten, wonach „Ordens­ge­lüb­de und Wei­hen jenen ver­wei­gert sein sol­len, die geplagt sind durch schlech­te Nei­gun­gen zu Homo­se­xua­li­tät oder Päderastie …“
  • Einst gab es kei­ne leer­ste­hen­den Semi­na­ri­en, leer­ste­hen­den Klö­ster, auf­ge­ge­be­nen Pfar­rei­en und ver­las­se­nen katho­li­schen Schu­len. Es gab nur Semi­na­ri­en, Klö­ster, Pfar­rei­en und Schu­len, gefüllt mit Gläu­bi­gen aus gro­ßen Familien.
  • Einst gab es kei­nen „Öku­me­nis­mus“. Es gab nur die Über­zeu­gung, daß die katho­li­sche Kir­che die ein­zig wah­re Kir­che ist, außer­halb derer nie­mand erlöst ist. Katho­li­ken folg­ten der Leh­re der Kir­che, wonach „es den Gläu­bi­gen nicht erlaubt ist, auf irgend­wel­che Wei­se aktiv zu hel­fen bei oder teil­zu­neh­men an dem Kult von Nicht-Katho­li­ken“, und sie ver­stan­den, wenn auch nur impli­zit, wor­auf Papst Pius XI. bestand: „Ihr seht, ehr­wür­di­ge Brü­der, wie sehr die­se Fra­ge Uns am Her­zen liegt, und auch alle Unse­re Kin­der sol­len das erfah­ren, so ist es Unser Wunsch, nicht nur jene, die schon zur katho­li­schen Kir­che gehö­ren, son­dern auch alle, die von Uns getrennt sind. Wenn die­se in demü­ti­gem Gebet das Licht vom Him­mel erfle­hen, dann wer­den sie ohne Zwei­fel die eine wah­re Kir­che Jesu Chri­sti erken­nen und wer­den dann in sie ein­tre­ten und mit Uns in voll­kom­me­ner Lie­be ver­bun­den sein.“
  • Einst gab es kei­nen „Dia­log“. Es gab nur Evan­ge­li­sie­rung durch Kle­rus und Lai­en­a­po­lo­ge­ten, mit dem Ziel, ande­re zur wah­ren Reli­gi­on zu bekeh­ren. Und es gab in der Tat Kon­ver­ti­ten. Sie tra­ten zur Kir­che über in so gro­ßer Zahl, daß es den Anschein hat­te, als wer­den die Ver­ei­nig­ten Staa­ten eine katho­li­sche Nati­on – schau­ten doch 30 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner jeden Sonn­tag Bis­hof Ful­ton Sheen.
  • Einst gab es kei­nen Mas­sen­ab­fall von Prie­stern, Ordens­leu­ten und Lai­en, was zu einer „schwei­gen­den Apost­asie“ in Euro­pa und im gan­zen Westen führ­te. Es gab viel­mehr das, was ein Kon­zils­va­ter des Zwei­ten Vati­ka­nums zu Beginn des Kon­zils beschrieb: „Die Kir­che, unge­ach­tet der Ver­häng­nis­se, wel­che die Welt pla­gen, durch­lebt ein herr­li­ches Zeit­al­ter, wenn man das christ­li­che Leben des Kle­rus und der Gläu­bi­gen betrach­tet, die Ver­brei­tung des Glau­bens, und den heil­sa­men all­ge­mei­nen Ein­fluss der Kir­che in der Welt heute.“
  • Einst gab es kei­ne „katho­li­schen Cha­ris­ma­ti­ker“, „Neo­ka­techu­me­na­len“ oder ande­re „neue geist­li­che Gemein­schaf­ten“, die merk­wür­di­ge neue Arten des Kul­tes, erfun­den von ihren Grün­dern, vor­an­trei­ben. Es gab nur Katho­li­ken, die auf die glei­che Wei­se wie ihre Vor­fah­ren bete­ten, mit unge­bro­che­ner Kon­ti­nui­tät durch die Jahrhunderte.
  • Einst gab es kei­ne Tra­di­tio­na­li­sten, denn es bestand kei­ne Not­wen­dig­keit, einen Katho­li­ken mit die­sem Begriff zu beschrei­ben. Alle Katho­li­ken akzep­tier­ten instink­tiv, was eine Rei­he von Päp­sten als Teil unse­res Glau­bens­be­kennt­nis­ses vor­schrieb: „Die apo­sto­li­schen und kirch­li­chen Über­lie­fe­run­gen und die übri­gen Gewohn­hei­ten und Ver­ord­nun­gen die­ser Kir­che neh­me ich fest und freu­dig an.“

Das sind die Din­ge, wie sie einst waren. Und wann war die­ses ver­gan­ge­ne Zeit­al­ter, von dem ich schrei­be? Nicht vor Jahr­hun­der­ten, nicht ein­mal vor einem Jahr­hun­dert oder einem ein­zi­gen Lebens­al­ter, son­dern vor gera­de 50 Jah­ren, im leben­di­gen Gedächt­nis von Mil­lio­nen Katho­li­ken heute.

Was ist also ein Tra­di­tio­na­list? Er ist nicht mehr oder weni­ger als ein Katho­lik, der dabei geblie­ben ist, den Glau­ben genau so zu prak­ti­zie­ren, wie er ihn in sei­ner Kind­heit gelernt hat, oder der den­sel­ben unver­än­der­ten Glau­ben von sei­nen Eltern emp­fan­gen hat und ihn sei­ner­seits sei­nen eige­nen Kin­dern wei­ter­gibt. Ein Tra­di­tio­na­list, mit ande­ren Wor­ten, ist ein Katho­lik, der den Glau­ben lebt, als hät­ten die kirch­li­chen Ver­häng­nis­se der post­kon­zi­lia­ren Epo­che nie statt­ge­fun­den – wahr­haf­tig so, als hät­te das Zwei­te Vati­ka­num nie statt­ge­fun­den. Und die erstaun­li­che Wahr­heit über den Tra­di­tio­na­li­sten ist, daß nicht eine Leh­re oder dis­zi­pli­nä­re Norm der Kir­che ihm ver­bie­tet, so zu glau­ben und Gott auf genau die­se Wei­se zu ver­eh­ren, auch wenn das gro­ße Über­macht der Katho­li­ken dies nicht län­ger tut.

Die Katho­li­ken, die schlicht wei­ter geglaubt und gebe­tet haben, wie Katho­li­ken vor dem Kon­zil es immer getan haben, sind dazu gekom­men, Tra­di­tio­na­li­sten genannt zu wer­den – histo­risch betrach­tet voll­kom­men unver­mit­telt. Daß das Wort „Tra­di­ti­on“ jetzt die­se ver­hält­nis­mä­ßig weni­gen Katho­li­ken von der gewal­ti­gen Mehr­heit der Kir­chen­mit­glie­der unter­schei­det, ist das unbe­streit­ba­re Zei­chen einer Kri­se, die ungleich jeder ande­ren ist, wel­che die Kir­che je erleb­te. Jene, die dies ver­nei­nen, müß­ten erklä­ren, war­um der Glau­be nur inner­halb die­ser trans­for­mier­ten gewal­ti­gen Mehr­heit, kor­rekt als „neo-katho­lisch“ beschrie­ben, kon­ti­nu­ier­lich die Leu­te aus der Hand gibt, wobei vie­le in die „stil­le Apost­asie“ abfal­len, die Johan­nes Paul II. zuletzt beklag­te, nach­dem er für so vie­le Jah­re der „kon­zi­lia­ren Erneue­rung“ zuju­bel­te, die in Wirk­lich­keit ein mas­si­ver Zusam­men­bruch des Glau­bens und der Dis­zi­plin war.

Spe­zi­ell müß­ten sie erklä­ren, war­um wir nur inner­halb der gewal­ti­gen Mehr­heit von „Kon­zils­ka­tho­li­ken“ die Beob­ach­tung machen, daß

  • mehr als ein Vier­tel aller Ehen in Schei­dung enden, mit Mil­lio­nen von geschie­de­nen und „wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ Katho­li­ken welt­weit, deren andau­ern­dem Ehe­bruch Kar­di­nal Kas­per ent­ge­gen­kom­men will, mit der schein­ba­ren Unter­stüt­zung des der­zeit herr­schen­den Papstes;
  • Gebur­ten, Tau­fen, sakra­men­ta­le Ehen, Bekeh­run­gen und die Teil­nah­me bei der Mes­se seit dem Kon­zil uner­bitt­lich abnehmen;
  • es eine weit­ver­brei­te­te Ableh­nung der unfehl­ba­ren Leh­re der Kir­che zu fun­da­men­ta­len Ange­le­gen­hei­ten des Glau­bens und der Moral gibt;
  • es zu einem plötz­li­chen und dra­ma­ti­schen Ver­lust prie­st­li­cher Beru­fun­gen, der das katho­li­sche Prie­ster­tum etwas weni­ger umfang­reich hin­ter­läßt als es 1970 der Fall war, sowie seit­her zu einer dra­sti­schen Abnah­me der Zahl von Ordens­leu­ten kam – trotz einer Ver­dop­pe­lung der Weltbevölkerung.

Sie müß­ten auch erklä­ren, war­um nur inner­halb der win­zi­gen Min­der­heit der Katho­li­ken, die jetzt als Tra­di­tio­na­li­sten bezeich­net wer­den, kei­nes die­ser Anzei­chen kirch­li­chen Ver­falls offen­bar wird.

In den ver­gan­ge­nen Tagen scheint die kirch­li­che Kri­se, mit der wir nun seit mehr als einem hal­ben Jahr­hun­dert zusam­men­le­ben, einen Tief­punkt erreicht zu haben, von dem es ohne wun­der­sa­me gött­li­che Inter­ven­ti­on kei­ne Ret­tung gibt. Die Welt singt dem neu­en Papst „Hos­an­na“, wäh­rend sie ihn drängt zur end­gül­ti­gen Voll­endung – per impos­si­bi­le – des Pro­zeß­es der kirch­li­chen Selbst­zer­stö­rung, den Paul VI. in sei­nen letz­ten Jah­ren beklag­te, obwohl er ihn selbst in Gang gesetzt hat­te. Und doch setzt das neo-katho­li­sche Estab­lish­ment sei­nen zuver­sicht­lich Marsch jen­seits des Punk­tes, von dem an es kein Zurück mehr gibt, fort, indem es die Anzei­chen des Desa­sters weg­in­ter­pre­tiert, wäh­rend es Tra­di­tio­na­li­sten von oben her­ab als hart­näcki­ge Lieb­ha­ber der Sehn­sucht nach der Ver­gan­gen­heit behan­delt, deren Emp­fin­dun­gen man eine Hei­mat geben kann, auch wenn sie für die Zukunft der Kir­che nicht län­ger von Bedeu­tung sind. Aber in Wahr­heit sind die Tra­di­tio­na­li­sten die Zukunft der Kir­che, wie die Geschich­te über unse­re Zeit ver­mer­ken wird, wenn sie geschrie­ben wurde.

Was genau ist ein Tra­di­tio­na­list? Er ist, was jeder Katho­lik einst war – und wie­der sein wird, wenn die Kri­se vor­über ist.

Text: Chri­sto­pher A. Ferrara/ The Rem­nant
Über­set­zung: M. Bene­dikt Buerger
Bild: The Remnant

36 Kommentare

  1. Ein groß­ar­ti­ger Bei­trag, der die Wirk­lich­keit gut beschreibt.
    Die Moder­ni­sten, die Auf­klä­rer, die Ratio­na­li­sten ver­su­chen mit welt­li­chen Mit­teln zu agie­ren, dh Refor­men der Refor­men wegen, Aktio­nen der Aktio­nen wegen und das alles ohne Unterlass.
    So wie das welt­li­che Regie­run­gen, Orga­ni­sa­tio­nen auch tun mit dem Ziel ihr jewei­li­ges Kli­en­tel „bei der Stan­ge“ zu hal­ten, was natür­lich nicht gelingt, son­dern nur zu immer mehr neu­er Pro­ble­me, Streit, Krank­hei­ten, Kata­stro­phen ja gar Krie­gen führt.
    Das Haupt­pro­blem ist die Spal­tung inner­halb der „Neue­rer“ inner­halb der Kath. Kir­che, es gibt die wel­che die Kath Kir­che zer­stö­ren wol­len und die nai­ven Mit­läu­fer die am welt­li­chen ori­en­tiert sind.
    Letz­te­re ver­schaf­fen den Erste­ren die Mehr­heit und die Umsetzungskraft.
    Alle die­nen dem Für­sten der Welt, auch der mal wei­nen­de Bischof.

  2. Sehr gute und zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung. Im Grun­de genom­men will kaum jemand eine Ver­än­de­rung, das sind klei­ne gut­aus­ge­stat­te­te Grup­pen, die da ihre For­de­run­gen, die ihnen selbst egal sind, pro­jek­tie­ren. Die Medi­en spie­len in der Zer­stö­rung auch eine gro­ße Rolle.Kern des Unheils ist indes das Zwei­te Vati­ka­num, um die Din­ge beim Namen zu nennen.

  3. Wer den „Glau­bens­nie­der­gang“ dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil zuschreibt, über­sieht die gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen, die über die west­li­che Welt her­ein­ge­bro­chen sind. Und wer glaubt, dass es in der Ver­gan­gen­heit (vor dem V II) kei­ne Homo­se­xua­li­tät in der Kir­che, in Klö­stern etc. gege­ben hat, hat eine rosa­ro­te Bril­le auf.
    Wer glaubt, dass der Rück­gang der Beru­fun­gen mit dem V II begrün­det ist, täuscht sich.
    In Wirk­lich­keit war es frü­her so, dass ein Prie­ster einen hohen Stel­len­wert hat­te, Prie­ster eine siche­re Ver­sor­gung hat­ten, uner­wünsch­te Töch­ter und Söh­ne in Klö­ster abge­scho­ben wur­den, damit das Erb­teil der ande­ren Geschwi­ster nicht geschmä­lert wur­de. Und in Adels­krei­sen war Kar­rie­re­den­ken eben­falls vor­han­den (Pri­or, Abt, Bischof …).
    Tat­sa­che ist, dass mit den Mas­sen­me­di­en sehr viel auf die Men­schen ein­wirkt — sehr viel Infor­ma­ti­on, Unter­hal­tung, Wer­bung, Com­pu­ter, Inter­net — all die­se Din­ge rau­ben die Auf­merk­sam­keit und füh­ren dazu, dass vie­le nicht mehr über Gott und das Leben reflektieren.
    Das VII hat einen Auf­bruch bewirkt — Kath. Akti­on -, lei­der sind die damals Akti­ven heu­te schon alt oder gestor­ben, Nach­wuchs ist wenig vor­han­den, da ein jeder sehr vie­le Ver­pflich­tun­gen hat.

    • Woher wis­sen Sie das?
      Woher wis­sen Sie, dass eine auf­rech­te, treue, der Wahr­heit ver­pflich­te­te Kir­che nicht genau der Gegen­pol gewe­sen wäre, den die Welt und das Chri­sten­tum gebraucht hätten?

    • Der Kom­men­tar von @Mim hat selbst­ver­ständ­lich auch sei­ne Wahr­heit. Man darf die „Schuld“ nicht nur auf einer Sei­te suchen. Und doch ist die wah­re Katho­li­sche Kir­che das Heil der Welt oder das Züng­lein an der Waa­ge. Denn die Katho­li­sche Kir­che wur­de von Gott gestif­tet, um die Mensch­heit mit sich zu ver­söh­nen und sie unter dem glei­chen Glau­ben zu einen. Und wir dür­fen dar­auf ver­trau­en, dass Gott dies selbst mit dem klei­nen Rest Tra­di­tio­na­li­sten fer­tig bringt.
      Satans Ein­fluss wirkt auf bei­den Sei­ten: ausser­halb der Kir­che, wie auch inner­halb der Kir­che. Könn­te Satan nur die mate­ri­el­le Welt beein­flus­sen, hät­te er Macht über die Kir­che? Die heu­ti­ge Genera­ti­on Prie­ster und der gesam­te Kle­rus ent­stammt die­ser Gesell­schaft. Könn­te Satan hin­ge­gen nur die Kir­che beein­flus­sen wäre dann alles in Ord­nung? Der Kle­rus trägt es in die Welt.
      Ich den­ke, wer wirk­lich erken­nen will, in wel­cher Zeit wir leben, muss sämt­li­che Tei­le (alle Zusam­men­hän­ge wie Fati­ma, La Salet­te, Gara­band­al, Poli­tik, Wirt­schaft, Papst­wech­sel, Geset­ze, Macht­wech­sel, Krie­ge, Unru­hen, Natur­ka­ta­stro­phen, Offen­ba­rung des Johan­nes etc.) wie bei einem Puz­zle zusam­men­fü­gen. Nur dann erkennt man das gan­ze Bild.

    • Nein, das VK2 hat­te eben kei­nen Auf­bruch bewirkt. Ohne Zwei­fel gab es eine Auf­bruchs­stim­mung. Die war aber (aus­drück­lich) eine in Rich­tung Welt. Und so ist es auch gekom­men. Hoch­ge­füh­le kön­nen täu­schen, erst recht, wenn sie in Mas­sen auf­tre­ten. Eine Auf­bruch­stim­mung kann — und dies geschieht mit Regel­mä­ßig­keit — zum Abbruch füh­ren. Man kann le Bons Erkennt­nis­se zur Psy­cho­lo­gie der Mas­sen auch ver­ste­hen, ohne sie zu mißbrauchen.
      Ihre Beschrei­bung der Pro­blem­la­ge ist ja durch­aus rich­tig, ich ver­wei­se auch immer auf die bei­den schreck­li­chen Welt­krie­ge hin, die die Welt erle­ben muß­te. Doch wäre all dies nicht Grund genug, die­ser geschun­de­nen und sich schin­den­den Welt in heils­brin­gen­der Manier zu begeg­nen? In der Kir­che liegt das Heil, nicht in der ver­meint­lich fri­schen Luft da drau­ßen. Da wim­melt es nur so von fal­schen Ver­hei­ßun­gen. Hät­te man das gesun­de Fun­da­ment der Tra­di­ti­on nicht noch ver­stär­ken müs­sen, um der Welt in den Stür­men die­ser Zeit Fels zu sein? Hat die Kir­che nicht schon vor dem Kon­zil zu viel zuge­las­sen und ver­än­dert und hät­te nicht die Reiß­lei­ne gezo­gen wer­den müs­sen, das Gute in der heils­brin­gen­den Kir­che gesucht wer­den kön­nen — und nicht das Heil in einer Mas­sen­flucht ins Welt­li­che? Nein, da ist ganz gehö­rig etwas schief­ge­lau­fen. Und spä­te­stens heu­te soll­te man dies ein­se­hen und kor­ri­gie­ren. Es ist nie zu spät und es ist auch nichts unum­kehr­bar, wenn es zum Heil und zum Guten ist.

  4. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag. Ja, dann bin ich also ein „Tra­di­tio­na­list“ und das ist gut so. Es wird in den kom­men­den Jah­ren enor­men Mut, Ner­ven aus Stahl, eiser­ne Beharr­lich­keit im Glau­ben, viel Kraft und ins­be­son­de­re den Bei­stand vom Him­mel benö­ti­gen, wenn jene tap­fe­ren Katho­li­ken Gott treu blei­ben wol­len. Ich glau­be zwei­fels­frei an das Buch der Wahr­heit das uns Gott sogar mit die­sem Titel in der Bibel (Dan 10,21;12,4.9) für die Zeit des Endes ver­spro­chen hat. Mei­ne Äng­ste sind weg. Ich habe seit­her gro­ssen Trost und einen tie­fen inne­ren Frie­den gefun­den. Und am Ende wird das unbe­fleck­te Herz Mari­ens triumphieren.

  5. Dilem­ma! Die Sache ist näm­lich, dass die (vor­kon­zil­lia­ren) „Tra­di­tio­na­li­sten“, wie es sich für gute Katho­li­ken gehört, den Beschlüs­sen der Kon­zi­li­en Fol­ge lei­ste­ten. Denn in den Kozi­li­en wirkt der Hei­li­ge Geist, der in eines jeden Men­schen Herz wohnt. Wel­chen „Tra­di­tio­na­li­sten“ steht es also zu, ein Kon­zil nach Gut­dün­ken anzu­er­ken­nen oder abzu­leh­nen? Wer näm­lich ent­schei­det, wel­ches Kon­zil rich­tig und wel­ches falsch war, der begibt sich auf einen Weg der Belie­big­keit, in der sich nun schein­bar jeder „wah­re Katho­lik“ aus­su­chen kann, wel­cher Kon­zils­be­schluss (von wel­chem Kon­zil auch immer) recht oder unrecht ist.

    • Stimmt genau, die V2 Zert­soe­rer for­dern von den Tra­di­tio­na­li­sten immer „Treue“, die sie selbst mit Fues­sen treten.

    • Was Sie hier anmah­nen, ten­diert mir zu sehr in eine Rich­tung, die heu­te sowohl im „kon­ser­va­ti­ven“ wie auch „pro­gres­si­ven“ katho­li­schen Raum oft zu sehen ist: der des Kada­ver-Gehor­sams. Von den Pro­gres­si­ven wird er immer dann ein­ge­for­dert, wenn es ihnen gera­de „in den Kram passt“, bei den Kon­ser­va­ti­ven, wenn „Irri­tie­ren­des“ — sofern es über­haupt als sol­ches gese­hen wird — aus Rom à tout prix zurecht­ge­bo­gen wer­den muss. 

      Es ist dies letzt­lich aber nichts ande­res als ungei­sti­ger, sinn­ar­mer For­ma­lis­mus — und nicht ein­mal das, da man auf einer Form besteht, die, im stren­gen, rech­ten Sinn, actua­li­ter gar nicht mehr exi­stiert, zumal die hier­ar­chi­sche Struk­tur der Kir­che heu­te demo­kra­tisch zer­setzt, das Auto­ri­täts­prin­zip durch die Lösung von der Leh­re tau­send­fach miss­braucht ist.

      Sie über­se­hen zudem, dass das letz­te Kon­zil kein dog­ma­ti­sches, son­dern ein pasto­ra­les sein woll­te, sei­ne Gel­tung in allen kri­ti­schen Punk­ten dis­ku­tiert wer­den muss, kann und darf — aber lei­der gilt dies­be­züg­lich inner­kirch­lich noch der Konjunktiv.

      Und offen­bar haben Sie eine Auto­ma­ten-Vor­stel­lung vom Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes. Wie auch bei einer Papst-Wahl der Hei­li­ge Geist auf die ange­wie­sen ist, wel­che Ihn auch ver­neh­men wollen/können, so gilt dies selbst­ver­ständ­lich auch für ein Kon­zil. Wie oft beruft man sich heu­te — reich­lich leicht­sin­nig, unwür­dig, kit­schig — über­haupt auf den „Hei­li­gen Geist“, ohne des­sen wahr­haft inne zu sein, was das bedeu­tet: Drit­te Per­son der Hei­lig­sten Dreifaltigkeit!

    • Nein! Das ist bloß die Fal­le, in die man die Kon­ser­va­ti­ven zu len­ken sucht, als die man auch die Tra­di­tio­na­len ansieht. Tat­säch­lich gibt es gar kein Dilem­ma. Neue Erkennt­nis wird schlicht dar­an geprüft, ob sie im Ein­klang mit allem bis­her Erkann­ten steht. Ergänzt oder ver­tieft sie die­se, dann ist es gut. Wider­spricht sie die­ser, dann taugt sie nichts.
      Auch das Kon­zil von Tri­ent ist so vor­ge­gan­gen. Es hat kei­ne Neu­be­wer­tung gemacht, son­dern eine Alt­be­wer­tung gelei­stet. Dies ist katho­lisch und es ist sehr gut.
      Für alle moder­nen welt­li­chen Eta­ti­sten mag man dies viel­leicht so aus­drücken: Die Tra­di­ti­on ist die Ver­fas­sung der Kir­che. Sie beschränkt die Herr­schaft der heu­te Mäch­ti­gen. Und die Tra­di­ti­on der Kir­che macht dies bes­ser als jede irdi­sche Papier­ver­fas­sung. Selbst da noch, wo man sie, die Tra­di­ti­on, bekämpft.
      Bene­dikt hat dies offen­sicht­lich erfaßt, Fran­zis­kus macht einen auf puber­tie­ren­den (euphe­mi­stisch früh­lings­haf­ten) Revo­luz­zer. Gott allein weiß, wozu dies gut sein mag.

  6. Dan­ke für die­sen erleuch­ten­den Bei­trag. Nur ein Tra­di­tio­na­list ist ein wah­rer Christ, das kann man ruhig sagen.

    @Mim:
    Das Eine führt zum Ande­ren. Da ist es schwer genau zu sagen, wel­che Din­ge zur heu­ti­gen Lage geführt haben was die Gesell­schaft ins­ge­samt angeht. Aber in der Kir­che haben im Arti­kel auf­ge­zähl­te Ver­än­de­run­gen mit Sicher­heit zum nega­ti­ven Wan­del geführt.
    Im Grun­de scheint es ja ein­fach — wenn weni­ger Men­schen in die Kir­che gehen, sich statt­des­sen mit Welt­li­chem beschäf­ti­gen, ist sehr wohl ein Zusam­men­hang Gesell­schaft-Kir­che mög­lich. Das Abwan­dern der Katho­li­ken aus den Kir­chen wur­de ja oft­mals mit den Ände­run­gen erklärt, die das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil gebracht hat — für mich gut vorstellbar.

    • Ich befürch­te ehr­lich gesagt, dass die Hal­tung der Kir­che nach dem Vat. II sogar ursäch­lich man­chen all­ge­mei­nen gesell­schaft­li­chen Nie­der­gang vor­an­ge­trie­ben hat.
      Wenn nach dem Kon­zil plötz­lich all die­se Nie­der­gän­ge in der Kir­che sicht­bar wur­den, dann gehört eine gepfef­fer­te Blind­heit dazu, da kei­nen Kau­sal­zu­sam­men­hang erken­nen zu wol­len. Damit ist natür­lich kei­ne umfas­sen­de Dia­gno­se gestellt, aber eine gro­be schon, und dies mit vol­ler Berechtigung.
      Bei­spiel: Wenn eine Lit­ur­gie­re­form das Mess­op­fer durch eine ver­schwie­mel­te Eucha­ri­sti­sches-Mahl-Theo­lo­gie ersetzt — wie soll dann ein Prie­ster wis­sen, wozu er in der alten Lebens­form des Prie­sters noch da ist? Wie soll er Prie­ster blei­ben wol­len, wenn er nicht mehr weiß, dass er Chri­stus hand­greif­lich sicht­bar machen darf? In per­so­na-Chri­sti han­deln darf bei der Wand­lung, bei der Beich­te und ideel auch sonst?
      Wenn dann von außen noch sexu­el­le Rei­ze in hohem Maße dazu­kom­men, wird es umso schwe­rer. Aber auch die katho­li­sche Ehe hat ihren Sinn ver­lo­ren, wenn man ihr nicht zugrun­de legt, dass das Paar (+Nach­kom­men) sowohl die Tri­ni­tät als auch die Lie­be zwi­schen Chri­stus und Kir­che abbil­det in je spe­zi­fi­schen Rol­len, der Mann sich wie Chri­stus für die Kir­che für Frau und Fami­lie in Lie­be hin­ge­ben soll, die Frau ihn dafür aber auch hoch­ach­ten und sich ihm unter­stel­len soll, und so auch in gegen­sei­ti­ger Hin­ga­be und Unter­ord­nung mit Chri­stus ein Neu­es Zeit­al­ter, das uns einen Weg, die Sün­de zu über­win­den, alte Unter­wer­fungs- und Macht­spie­le hin­ter uns zu las­sen, eröff­net ist, der nicht mehr hin­ter­geh­bar ist (von wegen Geschlech­ter­krieg, Schei­dung, Wie­der­ver­hei­ra­tung — das geht nicht mehr, wenn man ein­mal die Lie­be Chri­sti selbst erfah­ren hat!).
      Ja, es war und ist ein gött­li­cher Anspruch an Men­schen, IHN selbst sicht­bar zu machen! Es ist ein über­mensch­li­cher Anspruch, wenn ein Mann eine Frau so lie­ben soll, wie Chri­stus die Kir­che liebt! (das heißt, er muss für sie fast alles auf­ge­ben, sogar ster­ben!). Und es ist umge­kehrt ein über­mensch­li­cher Anspruch, wenn eine Frau das von Gott sicht­bar machen soll, was in der Vul­ga­ta bei­des mal „adiutor“ genannt wird — sowohl hin­sicht­lich Got­tes für uns Men­schen als auch der Frau für den Mann. Die Frau ist „adiutor“, und nicht nur des Man­nes, son­dern auch Got­tes selbst in Maria, des „adiutors“ par excel­lence, der Gott sogar gebä­ren und auf­zie­hen durf­te! Das alles ist der­ma­ßen „hoch“, dass es nicht aus­zu­den­ken ist! Aber es zeigt, was Gott dem Men­schen in SEINER Lie­be eigent­lich zuge­dacht hat — und das ist katholisch!
      Und so könn­te man fort­fah­ren — es ist das Kon­zil, das mit sei­nen „Neue­run­gen“ der katho­li­schen Denk­art den Sinn und Kern geraubt hat. Was ohne Kern ist, bricht jedoch bald als lee­re Hül­se zusam­men und das ist unser der­zei­ti­ger Zustand, auch wenn ein Dar­stel­ler noch Papst spielt, und ein Groß­teil der Kle­ri­ker und Ordens­leu­te, von den Lai­en­rä­ten gar nicht zu reden, nur noch mehr oder weni­ger sogar grot­ten­schlech­te Kir­chen­dar­stel­ler sind…

      • Ich neh­me an, dass Sie damit sogar recht hat­ten, weil näm­lich Kul­tur von Kult kommt.
        Und ja, wenn der Boden sozu­sa­gen der Kult eben mager ist, dann kann da nichts üppi­ges drauf wachsen.
        jedoch muss man fol­gen­des beden­ken, es gab in den 20ern schon die glei­chen kul­tu­rel­len Ent­glei­sun­gen, die spä­ter nach 1968 als die wah­re Kunst vor­ge­stellt wurden.
        Und der gro­ße Kul­tur­bruch fand schon frü­her, näm­lich 1933 ff , und davor 1914- 1917 statt.

        Dass das alles sehr kom­ple­xe Din­ge sind, ist klar, und es ist auch bekannt, dass die wirk­lich „beken­nen­den“ Gläu­bi­gen bei­der Kon­fes­sio­nen schwer bedrängt wur­den, und so weiter.
        Aber ich wehr mich dage­gen, so zu tun, als sei das Gesche­hen der Jah­re 1968 ff in Kir­che und Welt der Ein­bruch des Bösen in eine bis dato abso­lut gute, siche­re, from­me, gläu­bi­ge Welt.

        • Ich habe nicht gemeint, dass plötz­lich und unver­se­hens ein „Bruch“ gesche­hen ist — so etwas wäre ja gar nicht mög­lich! Natür­lich grum­mel­te es seit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on. Aber das Papst­tum hielt das irgend­wie auf, das muss man objek­tiv feststellen. 

          Was Sie mit ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Revo­lu­tio­nen mei­nen, ver­ste­he ich. Es ist, als hät­te das Böse sei­ne Frat­ze schon im 1. WK (und davor natür­lich auch: Kul­tur­kampf, Bis­marck — das war kein Held! — über­haupt das 19. Jh mit sei­nem Natio­nal­ge­dan­ken, dem lei­der die tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken ohne Geschichts­kennt­nis­se in hoher Zahl frö­nen, als sei das je kirch­li­che Leh­re gewe­sen, die Ent­ste­hung des Kom­mu­nis­mus, aber auch eine Ver­skla­vung des Men­schen son­der­glei­chen durch die tech­ni­sche „Revo­lu­ti­on“ und ab da dann auch die Ent­wer­tung der Frau und Mut­ter mit all ihren zuvor geach­te­ten Tätig­kei­ten und ihrer hohen Stel­lung etc. etc.).

          Was die Kunst betrifft, fin­de ich, dass vie­le Tra­di­tio­na­li­sten sich ohne Kennt­nis und ohne ech­tes Ver­ständ­nis mehr oder weni­ger ins Epi­go­na­le, Mani­rier­te und Ober­fläch­li­che flüch­ten. Die­ser Gestus, der in der Kunst eine will­fäh­ri­ge Dir­ne sieht, die jewei­li­ge Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen hät­te — hier im Fal­le der Tra­di­tio­na­li­sten sehr oft ein­fach bloß eine Hei­le-Welt-Sehn­sucht — ver­kennt, dass die Kunst stets ein Spie­gel des­sen ist, was sich in den see­len einer Gesell­schaft abspielt.
          Die moder­ne Kunst drückt wesen­haft den Zustand aus, in dem wir leben, ver­ur­sacht ihn jedoch nicht. Dass schon in den 20er Jah­ren die Künst­ler nicht mehr das Kitsch­be­dürf­nis der Zeit­ge­nos­sen bedien­ten, ist nur der sen­si­ble Seis­mo­graph für die mas­si­ven unter­ir­di­schen Strömungen…
          Es ist eine der größ­ten Ver­ken­nun­gen, wenn man glaubt, man kön­ne oder müs­se sogar ein­fach im Sti­le X wei­ter­ma­chen. Ich weiß, dass Pius X. mit sol­chen Gedan­ken ope­rier­te, sich aber auch über­ra­schend eines Bes­se­ren beleh­ren ließ.
          Kunst wird zum blo­ßen Kunst­hand­werk ohne See­le, wenn sie ideo­lo­gisch fest­ge­fro­ren wird.
          Es ist mein Metier, und ich ken­ne eine gro­ße Zahl zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler, arbei­te auch mit ihnen und muss sie verteidigen.
          dazu könn­te ich sehr viel sagen, und viel­leicht tue ich es mal in einem Aufsatz.

  7. „Einst gab es kei­ne Altar­ti­sche nach luthe­ri­schem Stil in unse­ren Kir­chen, â€¦.“
    Damit tut man der über­wie­gen­den Anzahl der luthe­ri­schen Kir­chen unrecht, denn dort wur­den die­se Tische häu­fig erst nach rk Vor­bild eingebaut.
    Bau­li­che Kir­chen­schän­dung ist lei­der in erster Linie ein katho­li­sches Problem.
    Die Tische sind eine Sit­te der refor­mier­ten Pro­te­stan­ten (Zwing­li, Calvin)

  8. @ Han­nes
    Grund­sätz­lich haben Sie recht. Katho­li­ken kön­nen sich nicht aus­su­chen, wel­ches Kon­zil ihnen „passt“ oder nicht.
    Doch das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat mit dem 2000jährigen Glau­ben der katho­li­schen Kir­che gebro­chen. Es hat ihn nicht orga­nisch wei­ter ent­wickelt durch Ver­tie­fung von Glau­bens­wahr­hei­ten, son­dern den Glau­ben verändert.
    Zu dem Schluss kom­men und kamen pro­gres­si­ve und kon­ser­va­ti­ve Katho­li­ken. Nach dem geof­fen­bar­ten katho­li­schen Glau­ben ist dies nicht mög­lich. Es ist ein Bruch.
    Wenn Katho­li­ken klar gewor­den ist, dass die­se Ver­än­de­rung statt­ge­fun­den hat, sind sie nicht mehr zum Gehor­sam ver­pflich­tet. Es ist eine Not­si­tua­ti­on. Die über­wun­den wer­den muss. Durch Gebet, Lei­den und har­te Arbeit. Die Kon­zilsirr­tü­mer müs­sen über­wun­den wer­den. Von allein lösen sie sich nicht auf.

    • Der eigent­li­che Bruch wird erst kom­men, wenn das Mess­op­fer in der der­zei­ti­gen Form abge­schafft wur­de. Pater Pio hat das in den 70er Jah­ren vor­her­ge­sagt. Die Welt kön­ne eher ohne die Son­ne über­le­ben, als ohne das täg­li­che Mess­op­fer hat er gesagt.

        • Im Moment ist das Mess­op­fer ja noch voll gül­tig. Aber wenn die Wand­lungs­wor­te geän­dert wer­den wird dadurch das Mess­op­fer ungültig.
          Auf die­ses Zei­chen soll man ach­ten, von da an sol­len Kata­stro­phen auf der Erde fol­gen, weil nir­gends mehr Süh­ne gelei­stet wird für die Sün­den der Welt.

          • Ver­ste­he: aber das im deut­schen Sprach­raum heiß­um­kämpf­te „pro mul­tis“ ist ja bereits schon ungül­tig mit „für alle“ über­setzt, jeden­falls kann man dar­über unsi­cher sein…
            Aber viel­leicht haben Sie recht und es muss wirk­lich ganz deut­lich ver­dreht werden…

          • „Das ist mein Blut“ und „Das ist mein Leib“ sind für die Trans­sub­stan­tia­ti­on ent­schei­dend. „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis“ und dass das Leib und Blut Chri­sti „zur Ver­ge­bung der Sün­den“ auf­ge­op­fert wird ist eben­so wich­tig, damit die Bedeu­tung der Eucha­ri­stie gewahrt bleibt.

  9. Die­se Ermun­te­rung wird wenig nüt­zen, aber ich hof­fe dass sie immer noch bes­ser ist als nichts: Hal­tet durch ihr an der Tra­di­tion­fest­hal­ten­den, ihr ein­zig wah­ren Katholiken.
    Selbst die­ser ver­seuch­te bil­li­ge Abklatsch von katho­li­scher Kir­che ist noch immer wirk­lich bes­ser als alles ande­re, durch Euch!
    Und die Leh­re ist herr­lich, selbst die­se blas­sen Spu­ren, die heu­te noch vor­han­den sind, las­sen einen ehr­fürch­tig nie­der­knien und stau­nen. Selbst unser offen ket­ze­ri­scher Prie­ster, der nie eine ande­re Kir­che als die Nach­kon­zi­liä­re ken­nen­ge­lernt hat, unter­schei­det sich von der übri­gen Welt aus der ich kom­me in die­ser Wei­se: Er nimmt mich, einen Kon­ver­ti­ten aus Urpro­te­stan­ti­scher Tra­di­ti­on, an, die ich durch das Zeug­nis der Vor­kon­zi­liä­ren Kir­che zu der ein­zig wah­ren Kir­che Chri­sti gefun­den habe. Obwohl er weiß, dass ich der tra­di­tio­nel­len Leh­re ver­bun­den bin, stößt er mich nicht weg. Wie es genau wei­ter­ge­hen wird weiß ich nicht,
    dass nur ein klei­ner Rest die End­zeit über­ste­hen wird, bis der Herr wie­der­kommt, aber die­ser Rest wird sein aus der katho­li­schen Kirche!

  10. das Kon­zil sel­ber stellt nicht unbe­dingt einen Bruch dar!
    Wenn man will, kann man die Dekre­te durch­aus katho­lisch verstehen.
    Und davon mal abge­se­hen ist das 2te Vati­ka­num ein „pasto­ra­les Kon­zil“ gewe­sen, das über­haupt nichts ver­bind­lich beschlos­sen hat!
    Was man aber getan hat, ist die Din­ge der Kir­che plötz­lich in einem ande­ren Licht gese­hen und interpretiert.
    Und weil die Ände­rung der Sicht­wei­se welt­weit erfolgt ist und ach so ver­nünf­tig und unmit­tel­bar ein­sich­tig ist, wer­den seit dem die Din­ge schief.
    hat man frü­her alles ver­sucht von Gott her zu ver­ste­hen, also den Men­schen und sei­ne Bezie­hun­gen zuein­an­der und zur Umge­bung sozu­sa­gen von der War­te „Gott ist und Gott liebt den Men­schen“ her gese­hen, so sieht man nun den Gott von der War­te des Men­schen her. Der Mensch ist gut! ist das Grund­axi­om und die Fol­ge lau­tet weil Gott gut ist, dann soll sei­ne Kir­che dafür sor­gen, dass es dem Men­schen noch bes­ser geht.
    War frü­her der Mensch für Gott da, so ist nun Gott für den Men­schen da und das ist die far­bi­ge Lam­pe die man in die Fas­sung „Licht der Völ­ker“ ein­ge­schraubt hat, die die Sicht der Din­ge ver­än­dert hat.
    Es ist alles rich­tig, die Fas­sung, die Posi­ti­on der Din­ge, die Tech­nik der Lam­pe, nur die Far­be ist verkehrt!

    • Man­ches ist tra­di­tio­nel­le Leh­re, aber eini­ges — und dies an gra­vie­ren­den Stel­len — wider­spricht der Tra­di­ti­on fun­da­men­tal, und kein Mensch kann ohne Ver­dre­hung der betref­fen­den Sät­ze dar­aus noch etwas „Katho­li­sches“ ablesen.
      Der voll­mun­di­ge Pfar­rer Milch hat das ja immer wie­der wort­ge­wal­tig, aller­dings tat­säch­lich auch zu Recht auf­ge­grif­fen und gezeigt.
      Es kann sein, dass wir heu­te so ver­wirr­te Begrif­fe haben, dass wir — als Jün­ge­re, womög­lich kir­chen­fern auf­ge­wach­sen — das nicht rea­li­sie­ren. Ich habe selbst auch lan­ge gebraucht, bis ich das erfasst habe, selbst ein Mensch die­ser Zeit, durch meh­re­re Stu­di­en­gän­ge wie durch eine moder­ni­sti­sche Müh­le gedreht, es ist daher abso­lut not­wen­dig, sich wohl oder übel durch alte lehr­amt­li­che Tex­te zu bei­ßen, Kir­chen­vä­ter und auch durch die Lite­ra­tur v.a. der weib­li­chen Leh­re­rin­nen zu arbei­ten (The­re­sa v.A. etc.) — erst dann hat man unge­fähr eine Gesamt­schau dar­über, was wirk­lich Leh­re und Begriff­lich­keit der Kir­che war. Und man wird mit Stau­nen fest­stel­len, dass in der abso­lu­ten Treue eine wesent­lich grö­ße­re „Krea­ti­vi­täts­span­ne“ mög­lich ist, als im tem­erä­ren moder­ni­sti­schen „Krea­tivsein­wol­len“.
      Ich wür­de auch kei­nes­wegs behaup­ten, dass ich da nicht auf einem lan­gen, lan­gen Weg bin, der noch vor mir liegt.
      Aber ohne die­se Mühe geht es heu­te nicht mehr. Das woll­te ich sagen. Jeder und jede ist heu­te ver­pflich­tet, intel­lek­tu­ell und auch spi­ri­tu­ell wirk­lich jede erdenk­li­che Mühe auf­zu­wen­den, um hier Land zu sehen, alles zu prü­fen, weil man nie­man­dem mehr unbe­se­hen ver­trau­en kann — es fehlt eben ein leben­di­ges Lehramt!

      • Die­se — offen­sicht­lich ja mög­li­che — Ent­wick­lung, ein­mal didak­tisch auf­zu­be­rei­ten, um sie för­dern zu kön­nen und Drit­ten die­se Ent­wick­lung leich­ter zu machen, wäre eine ganz beson­de­re Her­aus­for­de­rung. Auch die suk­zes­si­ve Begriffs­klä­rung gehört da hin­ein. Es gilt da mehr als eine neue Spra­che zu ler­nen, aber soviel als dies, ist es Vor­aus­set­zung, eben dar­über­hin­aus zu gehen.

        • Uff!
          Mir scheint, das ver­mag kein Mensch — es ist am Ende wirk­lich die rei­ne Gna­de Got­tes, wenn ER es uns doch ermög­licht, die sub­ti­le Umdeu­tung und Zer­deutung der Begrif­fe und Ideen zu erfas­sen, die vor nie­man­dem, auch nicht vor den „Tra­di­tio­na­li­sten“ Halt macht. 

          Und natür­lich darf am ernst­ge­mein­ten Sen­dungs­be­wusst­sein auch der Tra­di­tio­na­li­sten nicht ein­fach gezwei­felt wer­den. Es ist Wah­res mit Fal­schem so ver­hed­dert, dass man im Prin­zip jeden ein­zel­nen Strang aus­ein­an­der­le­gen muss.

          Sie haben aber inso­fern Recht, als es sicher auch wie­der ein Talent ist, viel­leicht auch geschult durch bestimm­te Stu­di­en, ob „offi­zi­ell“ oder „pri­vat“ (nur fachlich/sachlich kom­pe­tent und begna­det muss es sein!), hier eine „Didak­tik“ zu entwickeln.

          In mir löst die­ser Anspruch ehr­lich gesagt aber hef­ti­ge Flucht­im­pul­se aus — eben weil man in größ­ter Gefahr steht, dann gleich in die näch­ste „recht­gläu­bi­ge“ Ideo­lo­gie — eben weil das Lehr­amt fehlt — abzurutschen.
          Uff.
          Seufz.

      • Ihnen bei­den, @zeitschnur und MisterX, mei­ne vol­le Zustim­mung! Die Her­aus­for­de­rung an heu­ti­ge Prie­ster, Kate­che­ten, Gelehr­te läge eben dar­in, aus dem vol­len Reich­tum der alten Kir­che zu schöp­fen und ihn didak­tisch fürs Heu­te auf­zu­schlie­ßen — ganz ohne Anbie­de­rung an Äusser­lich­kei­ten des Zeitgeschmacks.
        Hier­zu braucht es in der Tat eine neue Spra­che — eine Spra­che, wel­che wohl gera­de die am ehe­sten ent­wickeln wer­den, wel­che nicht in katho­li­schen „Reser­va­ten“ groß gewor­den sind, viel­mehr die „moder­ni­sti­schen Müh­len“ am eige­nen Leib erfah­ren und durch­lit­ten haben und aus frei­er Erkennt­nis in den Weg zur alten Kir­che, den Weg der Wahr­heit zurück­fin­den. Sie wer­den am behen­de­sten den Sprung und Spa­gat zwi­schen bei­den Wel­ten, zwi­schen der Ver­stricktheit in die Zer­set­zung der plu­ra­li­stisch gebro­che­nen „Welt von heu­te“ und der Kon­zen­tra­ti­on auf das wah­re Heil­mit­tel, das aus der Tie­fe ergrif­fe­ne katho­li­sche Leben schaf­fen, der nötig ist und nicht gescheut wer­den darf, um die rech­ten Mit­tel, die rech­te Spra­che zu ermit­teln, die alten Schät­ze mit phan­ta­sie­vol­ler Sen­si­bi­li­tät für die kalei­do­sko­pi­sche See­len­la­ge der zeit­gei­stig „Ver­strick­ten“ zu erschließen. 

        Die alte, wah­re Kir­che ist es, die auf die bren­nen­den Tie­fen­be­dürf­nis­se des von der Moder­ne ent­täusch­ten post­mo­der­nen Men­schen, gera­de auch vie­ler Agno­sti­ker und Athe­isten, die rech­ten, ja ins­ge­heim ersehn­ten Ant­wor­ten hät­te; lei­der ist die post­kon­zi­lia­re Kir­che alt­mo­disch genug, zäh ihrem muf­fig-abge­ta­kel­ten „Auf­bruch in die Moder­ne“ nach­zu­hän­gen, statt mit dem ent­schie­de­nen Griff in die eige­ne Schatz­tru­he den Sprung in die Zukunft zu wagen. 

        „Und man wird mit Stau­nen fest­stel­len, dass in der abso­lu­ten Treue eine wesent­lich grö­ße­re „Krea­ti­vi­täts­span­ne“ mög­lich ist, als im tem­erä­ren moder­ni­sti­schen ‚Krea­tivsein­wol­len‘.“ Genau die­se Grund­er­fah­rung, die­se Erschüt­te­rung, die­ses Stau­nen, gilt es in sei­nem die See­len­tie­fen des post­mo­der­nen Men­schen umgra­ben­den, durch­pflü­gen­den Wert brei­te­ren Krei­sen zu erschließen.

  11. Man soll­te nicht in Eile, zwi­schen Tür und Angel, zuviel auf ein­mal sagen wol­len; Unklar­heit und Stil­blü­ten sind nolens volens gern die Fol­ge. Lei­der gilt dies auch für mei­nen Kom­men­tar von gestern. 

    Um etwas kla­rer zu machen, wor­um es mir ging, noch eini­ge Ergän­zun­gen. Ich glau­be, die beste „Didak­tik“ zur Ver­mitt­lung der kirch­li­chen Leh­re ist schlicht das per­sön­li­che Zeug­nis; die Glaub­wür­dig­keit und die Lei­den­schaft­lich­keit des Glau­bens. Wenn die tra­di­tio­nel­le Leh­re in ihrem unschätz­ba­ren Wert einem grö­ße­ren Kreis ver­mit­telt wer­den soll – Katho­li­ken, aber auch sinn­su­chen­den Agno­sti­kern und Athe­isten – dann wird das m. E. nicht so sehr durch Aus­ar­bei­tung „syste­ma­ti­scher“ Didak­ti­ken, wie etwa im moder­ni­sti­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt mit sei­nen meist erbärm­li­chen Lehr­mit­teln, gesche­hen kön­nen. All die­ser krampf­haf­ten Päd­ago­gik gilt es zu wider­ste­hen, und ja, es ist wich­tig, was @Zeitlos so häu­fig anmahnt: die tra­di­tio­nel­len Kate­chis­men, allen vor­an der Cate­chis­mus Roma­nus und der kleine/große von Pius X., bil­den eine soli­de Grundlage. 

    Aber dar­über hin­aus braucht es Per­sön­lich­kei­ten, wel­che die See­len­la­ge der Zeit­ge­nos­sen intui­tiv ein­zu­schät­zen wis­sen und den Mut, die Spann­kraft, den Geist besit­zen, dem tie­fen Gra­ben zwi­schen heu­ti­gem „com­mon sen­se“ und der Hl. Wahr­heit nicht aus­zu­wei­chen, son­dern ihn in aller Schär­fe zu the­ma­ti­sie­ren – und zwar mit der glau­bens­si­che­ren „Ver­füh­rungs­kraft“ des­sen, der bei­de Sei­ten des Gra­bens kennt. Wen man in der Kir­che heu­te zu sel­ten fin­det (Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel), das sind die gro­ßen Per­sön­lich­kei­ten, die „Natu­ren“, der Gei­stes­adel, die ech­ten Künst­ler. Sol­che spe­zi­el­len Bega­bun­gen waren in der alten Kir­che ungleich zahl­rei­cher — ver­wun­der­lich ist es nicht. Wenn die Kir­che selbst nicht mehr pri­mär durch die Mani­fe­sta­ti­on und Expli­ka­ti­on der Wahr­heit wir­ken möch­te, son­dern durch pasto­ra­le Akti­vi­tä­ten nach dem Geschmack des Zeit­geists, darf sie sich nicht wun­dern, wenn sie die gei­stig tie­fer Boh­ren­den nicht mehr anzu­spre­chen vermag. 

    Beson­de­rer Per­sön­lich­kei­ten aber bedarf auch die „Tra­di­ti­on“, um ihren Wir­kungs­kreis zu erwei­tern, um mis­sio­na­ri­scher wer­den zu kön­nen. Es gibt sie – auch das über­rascht nicht; man den­ke an einen Pfr. Georg May, einen Mar­tin Mose­bach, Wal­ter Hoe­res, Robert Spa­e­mann. Ein Pfar­rer Milch gehör­te dazu, ein Erz­bi­schof Lef­eb­v­re. Gott wird es – wie wir ver­trau­end hof­fen dür­fen – so len­ken, dass in der jun­gen Genera­ti­on, gera­de auch unter den Prie­stern, neue „Leucht­tür­me“ erste­hen, Hir­ten, wel­che die unge­trüb­te Leh­re atmen, aber auch die „poten­ti­el­len“ Schäf­chen ken­nen, deren post­mo­dern ver­strick­te See­len, Hir­ten, die durch ihr Bei­spiel eben­so bewe­gen wie durch ihre Gei­stes­schär­fe oder durch ästhe­tisch-künst­le­ri­sche Kraft in der Verkündigung.

  12. (Fort­set­zung)

    Wenn von einer „neu­en Spra­che“ die Rede war, wel­che gefun­den wer­den soll­te, so sehe ich sie in den Hän­den sol­cher Ein­zel­ner; nein, es wird kei­ne neue Spra­che sein, viel­mehr die alten Begrif­fe, aber in Chri­sto mit beson­de­rer Phan­ta­sie, Kraft und Sen­si­bi­li­tät für die Not der Stun­de vor­ge­bracht, erklärt und aufgeschlossen. 

    Ich habe Ihre Kom­men­ta­re, @MisterX und zeit­schnur, in der Eile ein­sei­tig inter­pre­tiert, zumal es Ihnen – wie auch Ihre abschlie­ßen­den State­ments zei­gen – mehr um die „suk­zes­si­ve Begriffs­klä­rung“ denn um eine beson­de­re Art der Ver­kün­di­gung zu tun ist. Aber ich den­ke auch in der Tat, dass exten­si­ve Begriffs­klä­rung gar nicht das vor­dring­lich­ste Gebot der Stun­de ist. 

    In der Mes­se aller Zei­ten ist die gesam­te wah­re Gestalt der Kir­che gleich­sam kon­den­siert. Wer die Mes­se in ihrer Uner­schöpf­lich­keit tie­fer und tie­fer zu erfah­ren und zu ver­ste­hen lernt, wer zudem die Eck­pfei­ler der Leh­re, wie sie in den Kate­chis­men zu fin­den sind, kennt und lebt, ist mit der Gna­de Got­tes in die Bahn der Wahr­heit gerückt. Mag er auch theo­lo­gi­sche Begrif­fe nicht rest­los ver­ste­hen oder teil­wei­se inad­äquat deu­ten. Das hat es immer gege­ben, auch auf Sei­ten der Ver­kün­di­gung. Selbst­ver­ständ­lich ist die Gefahr von Miss­ver­ständ­nis­sen bzw. eines ein­ge­schränk­ten Blick­win­kels heu­te, ohne leben­di­ges Lehr­amt, ungleich höher. Aber die Kraft der Hei­li­gen Mes­se ist unge­heu­er groß, unter­schät­zen wir sie nicht. Wenn die Eck­pfei­ler stim­men, trägt uns der Hei­li­ge Geist auch über die Untie­fen von Fehl­deu­tun­gen, unse­res ein­ge­schränk­ten Blick­win­kels hin­weg, und sei es dadurch, dass das Herz weiß, was der Ver­stand nicht oder im Zerr­bild versteht. 

    Natür­lich soll der Ein­zel­ne, je nach dem Grad sei­ner Gelehr­sam­keit, und heu­te mehr denn je, nach intel­lek­tu­el­ler Durch­drin­gung der alten Leh­re stre­ben: fides quae­rens intel­lec­tum. Aber ich hal­te es für über­spitzt zu sagen, JEDER sei heu­te ver­pflich­tet, intel­lek­tu­ell „jede erdenk­li­che Mühe auf­zu­wen­den, um hier Land zu sehen, alles zu prü­fen“. Vie­len ist das, aus den unter­schied­lich­sten, auch rein prak­ti­schen Grün­den, gar nicht mög­lich. (Inso­fern war mei­ne „vol­le Zustim­mung“, @zeitschnur, gestern im Wort­sinn vor — eilig.) Und Gott ver­langt nichts über die Kräf­te des Einzelnen.

    Des­halb ist es auch so gefähr­lich, Gemein­schaf­ten wie der FSSPX recht­gläu­bi­ge „Ideo­lo­gie“ vor­zu­wer­fen, etwa weil man meint, auf­grund exten­si­ver Stu­di­en eine bes­se­re Über­sicht über die Katho­li­zi­tät zu besit­zen. Ein­mal abge­se­hen davon, dass man sich täu­schen könn­te, wäre auch der – sehr gut mög­li­che – Fall, dass die katho­li­sche Wei­te der alten Kir­che dort nicht voll reprä­sen­tiert wird, noch kein Grund, auf Ideo­lo­gie zu schlie­ßen, d. h. die bewuss­te Ver­schleie­rung und damit Legi­ti­mie­rung glau­bens­frem­der Machtinteressen.
    Wo der Hei­li­ge Geist wirkt, sind wohl mensch­li­che Ver­zer­run­gen, Ver­kür­zun­gen, auch ideel­le Ver­här­tun­gen mög­lich, aber gera­de vor Ideo­lo­gie bewahrt er.

  13. (Fort­set­zung)

    Ich glau­be, es kann nicht scha­den, in die­sem Zusam­men­hang – und auch im Rück­blick auf man­che hier geführ­te Dis­kus­si­on um „Front­li­ni­en“ und Ideo­lo­gien – einen Aus­schnitt aus „Media­tor Dei“ Pius XII. zu zitie­ren: „(…) so mögen sich alle klar vor Augen hal­ten, daß es in der strei­ten­den Kir­che nicht weni­ger als in der himm­li­schen vie­le Woh­nun­gen gibt, und daß die Asze­se nicht von einem ein­zel­nen für sich in Anspruch genom­men wer­den darf. Ein Geist ist, der jedoch weht, wo er will, und die durch die Man­nig­fal­tig­keit sei­ner Gaben und Füh­run­gen erleuch­te­ten See­len zur Hei­lig­keit gelei­tet. Ihre Frei­heit und das über­na­tür­li­che Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes in ihnen sol­len als unan­tast­ba­res Gut betrach­tet wer­den, das kei­ner, unter was immer für einem Vor­wand, stö­ren oder ver­drän­gen darf.“

    Nun ist doch wie­der vie­les zusam­men­ge­kom­men, und auch in aller Eile – hof­fent­lich ohne die genann­ten Nebenwirkungen.

    • Ich schrieb von der rei­nen Gna­de Got­tes. Dabei wür­de ich es ger­ne belas­sen. Wozu die­ses rhe­to­ri­sche Feu­er­werk, das in kei­nem Zusam­men­hang zu mei­nem Posting oben steht?

      Der Geist weht in der Tat, wo er will…und der Moment, in dem Men­schen auf­tre­ten und sagen: wir wah­ren die Tra­di­ti­on, und unse­re Gal­li­ons­fi­gur samt ande­ren Gal­li­ons­fi­gu­ren, m u s s irgend­wann als ein zwei­ter Atha­na­si­us hei­lig­ge­spro­chen wer­den, dann ist bereits eine ideo­lo­gi­sche Front­li­nie gezogen. 

      Nur pfle­gen Ideo­lo­gen sich nie­mals als sol­che zu erkennen…im Gegen­teil, wer ihnen wider­spricht, wird kei­nen Frie­den mehr haben… 

      Sagt nicht unser Herr, dass vie­le, die hier die ersten zu sein schei­nen, vor IHM die letz­ten sind? War­ten wir also getrost ab, wen Gott beruft… ER wird aber den Leh­rer Läm­pel nicht um sei­ne erlauch­te klein­li­che Mei­nung fragen…

      Wie tief haben wir ver­stan­den, wie sehr der Hl. Geist in jedem, der es will und sich nach allen Kräf­ten müht, wirkt, auch dann, wenn das Lehr­amt total ver­sagt? Alles ist Gna­de, die aber ohne unser Wol­len und Mit­tun nicht frucht­bar wer­den wird. 

      Sagt nicht das Vat. I: „Denn in sei­ner über­gro­ßen Güte kommt der Herr den Irren­den mit sei­ner anre­gen­den und hel­fen­den Gna­de ent­ge­gen und gibt ihnen die Kraft, dass sie zur Erkennt­nis der Wahr­heit gelan­gen (1 Tim 2,4) die Er aber bereits aus der Fin­ster­nis in sein wun­der­ba­res Licht­reich beru­fen hat (vgl. 1 Petr 2,9) die festigt Er mit sei­ner Gna­de, damit sie in die­sem Licht ver­blei­ben, Er, der kei­nen ver­lässt, wofern Er nicht selbst ver­las­sen wird.
      Des­halb sind jene, die sich durch das Him­mels­ge­schenk des Glau­bens der katho­li­schen Wahr­heit ange­schlos­sen hal­ben, durch­aus nicht in der glei­chen Lage wie jene, die von Men­schen­mei­nun­gen irre­ge­führt, Anhän­ger einer fal­schen Reli­gi­on sind.“ (Dei Filius)

      Mit weni­gen, prä­gnan­ten und rei­fen Sät­zen ist hier die rech­te Rich­tung gesagt.

  14. @zeitschnur:

    „Wozu die­ses rhe­to­ri­sche Feu­er­werk, das in kei­nem Zusam­men­hang zu mei­nem Posting oben steht?“

    Mei­ne Über­le­gun­gen (wenn Sie dar­in pri­mär Rhe­to­rik sehen wol­len, sei das Ihnen über­las­sen) ent­zün­de­ten sich an Ihrem sehr wah­ren und wich­ti­gen Wort, dass in der Treue zur vol­len Katho­li­zi­tät „eine wesent­lich grö­ße­re ‚Krea­ti­vi­täts­span­ne‘ mög­lich ist, als im tem­erä­ren moder­ni­sti­schen ‚Krea­tivsein­wol­len‘“. Auch im Blick auf MisterX‘ „didak­ti­schen“ Gedan­ken, woll­te ich dies wei­ter kon­kre­ti­sie­ren und auf den Sta­tus quo bzw. mög­li­che Desi­de­ra­te der Ver­kün­di­gung anwen­den. Dass sich dabei wei­te­re Gedan­ken erga­ben, die nicht direkt mit Ihrem Posting zu tun haben – soll­te das ver­bo­ten sein? Was mir auf­fällt, ist, dass Sie theo­re­tisch gegen das „Psy­cho­lo­gi­sie­ren“ ange­hen, in nicht weni­gen Ihrer Ent­geg­nun­gen aber per­sön­lich wer­den und recht derb psychologisieren. 

    „Ich schrieb von der rei­nen Gna­de Got­tes. Dabei wür­de ich es ger­ne belassen.“

    Nein, Sie schrie­ben eben nicht nur von der rei­nen Gna­de, son­dern auch von so etwas wie deren „Vor­be­din­gun­gen“: „Jeder und jede ist heu­te ver­pflich­tet, intel­lek­tu­ell und auch spi­ri­tu­ell wirk­lich jede erdenk­li­che Mühe auf­zu­wen­den“. Dem­ge­gen­über habe ich betont, dass exten­si­ve Begriffs­klä­rung für die Mehr­zahl der Gläu­bi­gen auch heu­te nicht das vor­dring­lich­ste Gebot der Stun­de sein kann, solan­ge sie mit Inbrunst die Mes­se aller Zei­ten besu­chen und sich um die katho­li­sche Leh­re, sei es durch einen guten Kate­chis­mus, sei es durch wei­te­re Lek­tü­re, bemühen. 

    Im übri­gen ist das mit der „rei­nen Gna­de“ so eine Sache. Auch bei denen, die über das theo­lo­gi­sche Rüst­zeug ver­fü­gen, sich „jede erdenk­li­che Mühe“ zur Klä­rung der Begrif­fe zu geben, und dies auch tun, wer­den die Resul­ta­te nicht zwin­gend aus „rei­ner Gna­de“ sein. „Alles ist Gna­de“ – das sagt eine Hl. The­re­se von Lisieux auf ihrem Ster­be­bett; wir aber soll­ten damit vor­sich­tig sein – gera­de um die Wirk­lich­keit ech­ter Gna­de nicht zu nivellieren. 

    Kei­ne Nivel­lie­rung, aber auch kei­ne „Vor­be­din­gun­gen“ also: Nur Gott kennt die Her­zen – und der Geist weht, wo er will. Der Geist macht auch nicht vor „Front­li­ni­en“ und „Ideo­lo­gien“ halt – schon gar nicht vor vir­tu­el­len. Sedis­va­kan­tis­mus scheint mir, im Gegen­satz zur Posi­ti­on einer FSSPX, wenn nicht Ideo­lo­gie, so zumin­dest ideel­le Exzen­trik zu sein. Den­noch wäre es töricht und ver­blen­det, zu behaup­ten, dass sich Gott nicht auch der gläu­bi­gen Inbrunst eines Sedis­va­kan­ti­sten annimmt, ihm vie­le Gna­den, gera­de auch Ver­stan­des­gna­den, schenkt. Pfar­rer Milch hat in Nietz­sches Dechif­frie­rung der vie­len mög­li­chen Ver­lo­gen­hei­ten eines reli­giö­sen Lebens das Wal­ten des Hei­li­gen Gei­stes gese­hen: das nen­ne ich mir einen weit­her­zi­gen, weit­sich­ti­gen „Tra­di­tio­na­li­sten“.

  15. (Fort­set­zung)

    „(…) der Moment, in dem Men­schen auf­tre­ten und sagen: wir wah­ren die Tra­di­ti­on, und unse­re Gal­li­ons­fi­gur (sic) samt ande­ren Gal­li­ons­fi­gu­ren, m u s s irgend­wann als ein zwei­ter Atha­na­si­us hei­lig­ge­spro­chen wer­den, dann ist bereits eine ideo­lo­gi­sche Front­li­nie gezogen.“ 

    Ich weiß nicht, auf wen Sie sich bezie­hen? Mir ist nicht bekannt, dass dies „Muss“ die all­ge­mei­ne Hal­tung der FSSPX wäre, noch wäre sie die mei­ne – der ich, übri­gens, weder Pius- noch Petrus- noch sonst ein „Jün­ger“ bin. 

    „Nur pfle­gen Ideo­lo­gen sich nie­mals als sol­che zu erken­nen… im Gegen­teil, wer ihnen wider­spricht, wird kei­nen Frie­den mehr haben…“ 

    Wie­der: auf wen spie­len Sie an? Doch nicht etwa auf all jene, die Ihren intel­lek­tu­el­len Kon­se­quen­zen, die Sie bis zu oder hart vor den Sedis­va­kan­tis­mus füh­ren, nicht folgen?

    „Sagt nicht unser Herr, dass vie­le, die hier die ersten zu sein schei­nen, vor IHM die letz­ten sind? War­ten wir also getrost ab, wen Gott beruf­t… ER wird aber den Leh­rer Läm­pel nicht um sei­ne erlauch­te klein­li­che Mei­nung fragen…“ 

    Ganz mit Ihnen ein­ver­stan­den, wenn Sie die­ses wun­der­ba­re Wort unse­res Herrn nur nicht gegen die Natur, die „Natu­ren“, die gott­ge­schenk­ten gro­ßen Bega­bun­gen rich­ten wol­len – wie es gera­de unter den Ver­ant­wort­li­chen des moder­ni­sti­schen Kirch­ge­mein­de­le­bens so gern geschieht, um die eige­ne (nicht nur intel­lek­tu­el­le) Dürf­tig­keit in den „Glo­ri­en­schein“ muf­fi­ger „Aus­er­wählt­heit“ zu kleiden.

    Es geht mir um kei­ne Gali­ons­fi­gu­ren und, dan­ke, ich glau­be auch kein Leh­rer Läm­pel zu sein, aber dar­um geht es: dass die Gna­de auf der Natur auf­baut und die Kir­che auch jene stär­ker wie­der anzie­hen muss (wie sie es frü­her über­reich tat), die von Gott mit beson­de­ren natür­li­chen Gaben geseg­net sind. Man braucht nur offe­nen Sin­nes durch Rom zu gehen und zu sehen, wie sich die gute alte Kir­che dort durch die Jahr­hun­der­te mani­fe­stiert und ver­kör­pert hat, um das Wort des hl. Tho­mas, „gra­tia sup­po­nit naturam et per­fi­ci­at eam“, als ein Grund­wort der Katho­li­zi­tät in sei­ner Tie­fe auf dem Weg der Anschau­ung zu erfassen. 

    Des Hin­wei­ses, dass das I. Vati­ka­num „mit weni­gen, prä­gnan­ten und rei­fen Sät­zen“ die „rech­te Rich­tung gesagt“ habe, hät­te es bei mir nicht bedurft. Und natür­lich kann ich zwi­schen den Zei­len lesen. Ihr zar­ter Wink war unnö­tig, da ich mei­ne in Eile dahin­ge­schrie­be­nen Forums­zei­len durch­aus nicht überschätze.

Kommentare sind deaktiviert.