Johannes XXIII. – Der Papst der Tiara und der Alten Messe

Johannes XXIII.
Johan­nes XXIII.

Kaum mehr als 50 Jah­re nach sei­nem Tod wur­de Papst Johan­nes XXIII. (1958–1963) hei­lig­ge­spro­chen.

Von Ange­lo Giu­sep­pe Ron­cal­li kon­stru­ier­te man ein gera­de­zu mythi­sches Bild, so als hät­te er den Anfang einer neu­en Kir­che reprä­sen­tiert, die authen­ti­scher und evan­ge­li­scher sei.

Die Gestalt von Johan­nes XXIII. wur­de, dank der flei­ßi­gen Arbeit ultra­pro­gres­si­ver „katho­li­scher“ Histo­ri­ker wie Alber­to Mel­lo­ni von der „Schu­le von Bolo­gna“ zum Sym­bol eines revo­lu­tio­nä­ren Papst­tums im Wider­spruch zu vie­len Jahr­hun­der­ten der Tra­di­ti­on. Aus dem­sel­ben Grund wird der Papst aus den Ber­gen von Ber­ga­mo von Nicht-Pro­gres­si­ven häu­fig abge­lehnt. Durch das über­schweng­li­che Lob der Ande­ren wird ihnen der Papst selbst ver­däch­tig und auf­grund sei­ner Ein­be­ru­fung des Kon­zils wer­den ihm auch des­sen Ergeb­nis­se und Fol­gen ange­la­stet.

Einige Hinweise zur Vervollständigung des Bildes von Johannes XXIII.

Ohne auf die Fra­ge der Hei­lig­spre­chung, die nun schon erfolgt ist, deren Art und Wei­se und ihre Berech­ti­gung ein­zu­ge­hen, sol­len zumin­dest eini­ge unter­schla­ge­ne Aspek­te Ron­cal­lis Erwäh­nung fin­den, um zumin­dest ein etwas voll­stän­di­ge­res Bild des neu­en Hei­li­gen zu erhal­ten.

Ohne Zwei­fel hat Johan­nes XXIII. eine neue Art ein­ge­lei­tet, das Papst­tum zu leben und wahr­zu­neh­men. Eben­so­we­nig kön­nen die Öff­nun­gen und sein Reform­ei­fer sowohl im Stil als auch in der Spra­che, aber auch in sei­ner Hal­tung gegen­über den gro­ßen Fra­gen der Kir­che geleug­net wer­den.

Naivität und Romantizismus Roncallis haben der Kirche nicht gutgetan

In vol­lem Respekt für die Ver­eh­rung eines hei­li­gen Pap­stes gilt es anzu­mer­ken, daß die vie­le Nai­vi­tät und der vie­le Roman­ti­zis­mus von Ron­cal­li (wenn man es so bezeich­nen will) der Kir­che nicht gut­ge­tan haben.

Sein Zukunfts­op­ti­mis­mus, das von ihm ein­ge­lei­te­te neue Kli­ma des Dia­logs, die Ein­be­ru­fung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, sei­ne Vor­lie­be für die „Medi­zin der Barm­her­zig­keit“ haben nicht die erhoff­ten Ergeb­nis­se gebracht.

„Segnungen“ des Konzils nicht auffindbar

Die viel­be­schwo­re­nen und gerühm­ten „Seg­nun­gen“ des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils konn­ten noch nicht gefun­den wer­den. Trotz mei­nes bestän­di­gen Nach­fra­gens, konn­te ich jeden­falls noch nie­man­den fin­den, der sie gefun­den hat. Ich bin für jeden Hin­weis dank­bar, auf jeman­den, der behaup­tet, sie gefun­den zu haben. Die Ant­wor­ten ver­lie­ren sich schnell in einem wenig greif­ba­ren Wort­schwall angeb­lich „not­wen­di­ger Ver­än­de­run­gen“ und enden, in die Enge getrie­ben, in der wenig seriö­sen, weil nicht veri­fi­zier­ba­ren Behaup­tung, daß „ohne das Kon­zil alles nur noch viel schlim­mer gekom­men wäre“.

Den­noch scheint das nicht den Absich­ten Johan­nes XXIII. ent­spro­chen zu haben. Abge­se­hen von dis­ku­ta­blen „Öff­nun­gen“, ein­schließ­lich einer wenig durch­dach­ten Kon­zils­ein­be­ru­fung gibt es ernst­zu­neh­men­de Stim­men, die sein übri­ges Pon­ti­fi­kat als Aus­druck einer gesun­den Erneue­rung im guten Sinn des Wor­tes klas­si­fi­zie­ren.

Johannes XXIII. zwischen Absicht und Verklärung

Die Kir­che ist kein ver­stei­ner­tes Fos­sil und kann zu kei­nem Zeit­punkt ihrer Exi­stenz regungs­los ste­hen­blei­ben. Die Luft anzu­hal­ten führt bekannt­lich nach eini­ger Zeit zum siche­ren Tod. Die Fra­ge liegt in der Art, wie die Kir­che sich immer erneu­ert. Die Richt­schnur lau­tet, daß jede Erneue­rung nur eine Ver­tie­fung sein kann, ein noch bes­se­res und kla­re­res Sicht­bar­wer­den der ihr anver­trau­ten Glau­bens­wahr­heit.

Johan­nes XXIII. bil­lig­te Doku­men­te und setz­te Zei­chen, die Mel­lo­ni und ultra­pro­gres­si­ve Zeit­ge­nos­sen um jeden Preis ver­stecken wol­len und das gemei­ne Volk längst mit Hil­fe ten­den­ziö­ser Papst­in­ter­pre­ten aus dem kol­lek­ti­ven Gedächt­nis ver­drängt hat.

Dazu gehört, daß der „gut­mü­ti­ge Papst“, wie aus sei­nen per­sön­li­chen Auf­zeich­nun­gen her­vor­geht, für sei­nen unmit­tel­ba­ren Vor­gän­ger Pius XII., Zeit sei­nes Lebens beson­de­re Wert­schät­zung und Ver­bun­den­heit emp­fand. Papst Pius XII. ist der in den Kon­zils­do­ku­men­ten am häu­fig­sten zitier­te Papst. Das will etwas bedeu­ten. In den neue­ren Doku­men­ten wird kaum mehr eine Quel­le vor dem Kon­zil genannt.

Verehrung Johannes XXIII. für Pius IX., den er seligsprechen wollte

Noch bemer­kens­wer­ter ist die regel­rech­te Ver­eh­rung, die Johan­nes XXIII. für Pius IX., den letz­ten wirk­li­chen Papst­kö­nig heg­te. Pius IX. ist das von allen Ultra­pro­gres­si­ven ver­haß­te Sym­bol des anti­li­be­ra­len Kamp­fes und der Ver­tei­di­gung auch einer welt­li­chen Macht der Kir­che. Johan­nes XXIII. hoff­te, am Ende des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils die fei­er­li­che Selig­spre­chung von Pius IX. zele­brie­ren zu kön­nen. Ohne­hin dach­te er, daß das Kon­zil nur weni­ge Mona­te dau­ern wür­de. Es wäre loh­nens­wert, die sie­ben von ihm gebil­lig­ten Sche­ma­ta für die Kon­zils­do­ku­men­te in deut­scher Spra­che zu ver­öf­fent­li­chen, die dann von einer orga­ni­sier­ten und geris­se­nen, akti­ven Kon­zils­min­der­heit, die das Heft des Han­delns an sich riß, ver­wor­fen wur­den.

Eröffnungsansprache Gaudet Mater Ecclesia

In der Allo­ku­ti­on Gau­det Mater Eccle­sia, der Eröff­nungs­an­spra­che, mit der Johan­nes XXIII. am 11. Okto­ber 1962 die Kon­zils­ar­bei­ten eröff­ne­te, sind eine Rei­he dis­ku­ta­bler Punk­te ent­hal­ten, wie der Angriff auf die soge­nann­ten „Unglücks­pro­phe­ten“ und die Aus­sa­ge, man sol­le das „Heil­mit­tel der Barm­her­zig­keit“ ver­wen­den. Ange­sichts der heu­ti­gen Lage in der Kir­che kann man getrost von einem kolos­sa­len Rein­fall spre­chen, den Johan­nes XXIII. der Kir­che emp­fahl. Er sag­te aber auch, daß das „21. Öku­me­ni­sche Kon­zil […] die katho­li­sche Leh­re rein, unver­min­dert und ohne Ent­stel­lung über­lie­fern (will).“ Eben­so sprach er davon, daß die katho­li­sche Leh­re „ein gemein­sa­mes Erbe der Mensch­heit“ ist. „Die­ses Erbe ist nicht allen genehm, aber es wird allen, die guten Wil­lens sind, als ein über­rei­cher und kost­ba­rer Schatz ange­bo­ten.“

„Doch es ist nicht unse­re Auf­ga­be, die­sen kost­ba­ren Schatz nur zu bewah­ren, als ob wir uns ein­zig und allein für das inter­es­sie­ren, was alt ist, son­dern wir wol­len jetzt freu­dig und furcht­los an das Werk gehen, das unse­re Zeit erfor­dert, und den Weg fort­set­zen, den die Kir­che seit zwan­zig Jahr­hun­der­ten zurück­ge­legt hat.“ Und wei­ter: „Es muß, was alle ernst­haf­ten Beken­ner des christ­li­chen, katho­li­schen und apo­sto­li­schen Glau­bens lei­den­schaft­lich erwar­ten, die­se Leh­re in ihrer gan­zen Fül­le und Tie­fe erkannt wer­den, um die Her­zen voll­kom­me­ner zu ent­flam­men und zu durch­drin­gen. Ja, die­se siche­re und bestän­di­ge Leh­re, der gläu­big zu gehor­chen ist, muß so erforscht und aus­ge­legt wer­den, wie unse­re Zeit es ver­langt. Denn etwas ande­res ist das Depo­si­tum Fidei oder die Wahr­hei­ten, die in der zu ver­eh­ren­den Leh­re ent­hal­ten sind, und etwas ande­res ist die Art und Wei­se, wie sie ver­kün­det wer­den, frei­lich im glei­chen Sinn und der­sel­ben Bedeu­tung.“

Missale des Alten Ritus (editio typica 1962) von Johannes XXIII.

Johan­nes XXIII. ist der Papst, der vor dem Kon­zil die letz­te Fas­sung des Mis­sa­le nach dem hei­li­gen Papst Pius V. appro­bier­te. Nach die­ser Fas­sung aus dem 1962 zele­brie­ren die katho­li­schen Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on, ein­schließ­lich der Pius­bru­der­schaft.

Man kann und man muß über die Gül­tig­keit und die Brauch­bar­keit der neu­en pasto­ra­len Stra­te­gie dis­ku­tie­ren, die von Papst Ron­cal­li ange­sto­ßen, seit­her in der Kir­che ange­wandt wird, denn die Ergeb­nis­se sind äußerst mager und häu­fig sogar ver­hee­rend. Den­noch: Papst Johan­nes hat­te kei­ne Absicht, die katho­li­sche Glau­bens­leh­re zu ändern. Es fin­det sich kein Doku­ment, die das Gegen­teil bestä­ti­gen wür­de.

Johannes XXIII. drängte das Konzil schnell zu beenden und hoffte auf Kardinal Siri

Das ist zur Kennt­nis zu neh­men und soll­te nach­denk­lich stim­men, wie gefähr­lich es ist, bestimm­te Türen zu öff­nen, selbst wenn es in größ­ter Unbe­darft­heit gesche­hen soll­te. Durch die offe­ne Tür kön­nen ande­re, mit ganz ande­ren Absich­ten ein­drin­gen, die nur auf die Gele­gen­heit gewar­tet haben.

Es muß eben­so erwähnt wer­den, daß Johan­nes XXIII., ange­sichts der Rich­tung, die das Kon­zil nahm, auf dem Ster­be­bett auf eine schnel­le Been­di­gung des Kon­zils dräng­te und sei­ne Hoff­nun­gen dies­be­züg­lich auf Kar­di­nal Giu­sep­pe Siri setz­te. Das bestä­tig­ten der dama­li­ge Erz­bi­schof von West­min­ster, John Car­mel Heen­an, und eine Rei­he ande­re, zuver­läs­si­ge pri­va­te Ohren­zeu­gen, die nicht vom omi­nö­sen „Kon­zils­geist“ ange­krän­kelt sind. Siri, der Erz­bi­schof von Genua, hät­te eigent­lich, nach des­sen Wunsch Nach­fol­ger von Pius XII. wer­den sol­len beim Kon­kla­ve, aus dem dann aber Johan­nes XXIII. her­vor­ging. Die Hoff­nung Ron­cal­lis ging nicht in Erfül­lung. Sein Tod ermög­lich­te es der Grup­pe, die das Kon­zil lenk­te, mög­lichst einen der Ihren auf den Papst­thron zu heben.

Johannes XXIII. und der Kommunismus

Nicht bedeu­tungs­los ist auch, daß Johan­nes XXIII. trotz sei­ner zwei­fel­haf­ten Hal­tung die Posi­ti­on der Kir­che gegen­über dem Kom­mu­nis­mus nicht änder­te. Es bedürf­te einer ver­fei­ner­ten Ana­ly­se, um genau erhe­ben zu kön­nen, inwie­weit kon­kre­te Ände­run­gen im Ver­hält­nis zum Kom­mu­nis­mus von einem Teil der Kir­che auf eine miß­bräuch­li­che Beru­fung auf den „gut­mü­ti­gen“ Papst zurück­gin­gen oder tat­säch­lich von die­sem, wenn auch nur indi­rekt durch eine neue Pra­xis begün­stigt wur­den.

Bereits als Kar­di­nal schrieb Ron­cal­li am 28. Okto­ber 1947 in sein Tage­buch: „Zwi­schen Karl Marx und Jesus Chri­stus ist eine Eini­gung unmög­lich.“

Am 4. April 1959 erklär­te das Hei­li­ge Offi­zi­um mit Zustim­mung des Pap­stes, daß es „katho­li­schen Staats­bür­gern nicht erlaubt ist, ihre Stim­me bei Wah­len Par­tei­en oder Kan­di­da­ten zu geben, die, selbst wenn sie nicht Grund­sät­ze beken­nen, die im Wider­spruch zur katho­li­schen Leh­re ste­hen oder sich sogar christ­lich nen­nen, in den Fak­ten aber mit den Kom­mu­ni­sten gemein­sa­me Sache machen und die­sen mit ihrem Ver­hal­ten hel­fen“.

Johannes XXIII. und der Faschismus

Dazu gesellt sich, aller­dings durch medi­en­träch­ti­ge Öff­nun­gen gegen­über der poli­ti­schen Lin­ken ver­wäs­sert, die hand­fest irri­tie­ren, daß Ron­cal­li noch als Bischof die Later­an­ver­trä­ge von 1929 lob­te und sogar, wenn auch sehr abge­wo­gen, den Duce des ita­lie­ni­schen Faschis­mus, indem er aus­führ­te, daß  von Beni­to Mus­so­li­ni trotz allem „das vie­le Gute bleibt, das er Ita­li­en getan hat“.

1954 bekräf­tig­te er mit­ten im anti­fa­schi­sti­schen Kli­ma die Dank­bar­keit gegen­über Mus­so­li­ni für das Kon­kor­dat und for­der­te dazu auf, sei­ne See­le „dem Geheim­nis der Barm­her­zig­keit des Herrn anzu­ver­trau­en, der zur Umset­zung sei­ner Plä­ne die unter­schied­lich­sten Gefä­ße benützt, selbst sol­che, die nicht dafür geschaf­fen schei­nen“.

Am 25. April 1955, dem bereits damals von der poli­ti­schen Lin­ken usur­pier­ten Fest­tag des ita­lie­ni­schen Wider­stan­des gegen Faschis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus for­der­te Ron­cal­li als dama­li­ger Patri­arch von Vene­dig dazu auf, für alle Opfer des Krie­ges zu beten „zur Ver­söh­nung all die­ser See­len, die sich auf der einen und auf ande­ren Sei­te der Bar­ri­ka­den opfer­ten“.

Johannes XXIII., „Don Camillo“ und die Idee für einen Katechismus

Der neue Hei­li­ge war ein gro­ßer Bewun­de­rer des gewiß nicht pro­gres­si­ven Jour­na­li­sten und Schrift­stel­lers Gio­van­ni­no Gua­re­schi, der einen radi­ka­len Anti-Kom­mu­nis­mus ver­trat. Er las nicht nur des­sen Wer­ke, son­dern mach­te sie häu­fig zum Geschenk und schlug Gua­re­schi sogar vor, einen Kate­chis­mus zu redi­gie­ren. Eine Ein­la­dung, die der „Vater“ von Don Camil­lo jedoch ablehn­te, weil er sich nicht wür­dig dafür fühl­te.

Johannes XXIII. und seine Ablehnung des Staates Israel

Schließ­lich ist noch die Posi­ti­on zu erwäh­nen, die Johan­nes XIII. zum Staat Isra­el ein­nahm.

1943 schrieb er an das Staats­se­kre­ta­ri­at im Vati­kan: „Ich beken­ne, daß die­ses Len­ken der Juden durch den Hei­li­gen Stuhl Rich­tung Palä­sti­na, gewis­ser­ma­ßen zur Wie­der­errich­tung des jüdi­schen Reichs, ange­fan­gen, daß man sie zum Ver­las­sen Ita­li­ens bewegt, in mir Zwei­fel aus­löst. Daß das ihres­glei­chen und ihre poli­ti­schen Freun­de tun, ist ver­ständ­lich. Es scheint mir aber von schlech­tem Geschmack, daß gera­de die Aus­übung des Lie­bes­dien­stes des Hei­li­gen Stuhls die Gele­gen­heit oder den Anschein bie­ten könn­te, dar­in eine zumin­dest indi­rek­te Mit­hil­fe bei der Ver­wirk­li­chung des mes­sia­ni­schen Trau­mes zu erken­nen.
Das alles ist viel­leicht nur ein per­sön­li­cher Skru­pel, der allein schon dadurch, daß er aus­ge­spro­chen wird, zer­streut wird. Tat­sa­che ist, daß die Wie­der­errich­tung des Reichs von Judäa und Isra­el nur eine Uto­pie ist.“

Wor­te eines hei­lig­ge­spro­che­nen Pap­stes.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Hei­li­ger Stuhl

34 Kommentare

  1. Johan­nes XXIII ist Kon­zils­papst und gleich­zei­tig letz­ter Vor­kon­zils­papst. Viel­leicht hät­te das Kon­zil unter ihm einen ande­ren Aus­gang genom­men. Wir wis­sen es nicht. Die unse­li­ge Lit­ur­gie­re­form wäre uns aber bestimmt ersparrt geblie­ben.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Er war doch nicht die trei­ben­de Kraft, dazu war er doch zu wenig in der Lage. Man hat ihn vor­ge­scho­ben. So kommt es mir auch bei dem gegen­wär­ti­gen Amts­trä­ger vor.

  2. Wenn man die­se Zei­len liest, kommt man um man­che neue und bes­se­re Erkennt­nis nicht her­um.
    In der Moder­ni­sten­kir­che beruft man sich auf Papst Johan­nes XXIII, den Guten und Gut­mü­ti­gen.
    Von ande­rer Sei­te wird er ver­däch­tigt, dem Unglau­ben Tor und Tür geöff­net zu haben.
    Ich für mei­ne Per­son möch­te hier ger­ne ein „mea cul­pa“ sagen.

    Ich wür­de sagen, daß die Kir­che bis in die 50er Jah­re kei­ne Ver­wäs­se­rung der Glau­bens­in­hal­te kann­te. Aber sie besaß Defi­zi­te etwa der­ge­stalt, daß Kir­che für die All­ge­mein­chri­sten­heit aus Papst, Bischof und Orts­pfar­rer bestand. Auch wur­de durch­aus zurecht bemän­gelt, sie küm­me­re sich nur um sich und das ewi­ge See­len­heil und nicht so sehr um die sozia­le Lage beson­ders der Armen und Arbei­ter: sie wur­de weit­hin als ent­rückt gese­hen trotz ihrer Sozial­en­zy­kli­ken. Auch heu­te kann einer, der arbei­tet und sich mit­un­ter die Hän­de schmut­zig macht, von Theo­lo­gen ver­ach­tet wer­den: das sind ja Tat­sa­chen.
    In die­se Sozi­al-Lücke stie­ßen ja bereits im 19. Jh. anti­christ­li­che Leh­ren wie der Mar­xis­mus, aber auch der athe­isti­sche Libe­ra­lis­mus. Um dem zu begeg­nen for­der­te dann wohl schon der hl. Papst Johan­nes XXIII. ech­te christ­li­che Barm­her­zig­keit und Ein­tre­ten für sozia­le Gerech­tig­keit gera­de von so vie­len Theo­lo­gen mit sau­be­ren Hän­den (die also nicht hand­werk­lich arbei­te­ten und denen aber immer hofiert wur­de).
    Also die Ein­stel­lung zu mehr Sozia­lem hat sich in der Kir­che posi­tiv ver­än­dert, auch weil beson­ders die Lai­en selbst hier­in akti­ver wur­den und Ver­ant­wor­tung über­nah­men, was vor dem 2. Vati­ka­num eher eine Aus­nah­me war. Lei­der ging das ein­her mit der Ver­wäs­se­rung und gar Abschaf­fung der Leh­ren und zwar von Oben (Bischö­fen, Prie­stern, The­o­profs) und man muß sich fra­gen, inwie­weit das Umden­ken im Sozia­len echt und authen­tisch bei die­sem Per­so­nen­kreis war und ist.
    In Deutsch­land ist es ja so, daß nicht weni­ge Bischö­fe fast kom­plett ver­sa­gen im Kampf für das Lebens­recht der Unge­bo­re­nen oder für eine gedie­ge­ne Kin­der­er­zie­hung oder für Ehe und Fami­lie: also in den neu­en sozia­len Fra­gen.

    • Sicher ist es trau­rig, dass die Hl. Kir­che sich immer noch nicht — trotz der Sozi­al­leh­re — ver­nünf­tig für eine (finan­zi­ell) gerech­te­re Welt ein­setzt und den zutiefst mate­ria­li­sti­schen Kapi­ta­lis­mus, der über Lei­chen geht, ver­ur­teilt.

      Ande­rer­seits muss man sehen, dass das Gere­de von Papst Franz I. ganz ein­deu­tig Befrei­ungs­theo­lo­gie ist und des­halb zum Bume­rang für die Sozi­al­leh­re der Hl. Kir­che wer­den wird.

      Letzt­lich ver­sagt die Hl. Kir­che jetzt dop­pelt:

      Ein­mal, indem sie die Lob­hu­de­lei von Johan­nes Paul II. bezüg­lich des Kapi­ta­lis­mus ver­brei­tet hat, ande­rer­seits, weil sie jetzt die mar­xi­sti­sche Befrei­ungs­theo­lo­gie umset­zen will.

      Ich sage ganz bewusst „die Hl. Kir­che“, denn:

      Ubi papa ibi eccle­sia.

      Ob es uns gefällt oder nicht!

    • @ Franzl und Mar­kus:

      Da wer­den zwei der schlimm­sten Zer­stö­rer der Hl. Katho­li­schen Kir­che „heilig„gesprochen und Sie schrei­ben sol­che Kom­men­ta­re, ich fas­se es nicht !!
      Ich bin ent­setzt über soviel Nai­vi­tät bezgl. der Cano­ni­sie­rung in Bezug auf die bei­den „Päp­ste“. Auf der fran­zö­si­chen Inter­net­sei­te La Por­te Lati­ne (2. Mai, kann man auch auf deutsch lesen!) gibt es einen sehr guten Arti­kel von Rober­to de Mattei zu die­sem Ereig­nis, vor allem in Bezug auf die recht­li­che Stel­lung der Hei­lig­spre­chung. Und gera­de zu dem „guten Papst“ gibt es reich­lich Mate­ri­al, u.a. „Die bei­den Gesich­ter von Prof. Ron­cal­li“… sehr erhel­lend, vor allen in Bezug zum II.Vaticanum… soll­te aber alles längst bekannt sein!

      LAUDETUR JESUS CHRISTUS !!

      • Schön­ber­ger Franz,
        ich habe an kei­ner Stel­le geschrie­ben, dass ich die Hei­lig­spre­chung die­ser bei­den Ex-Päp­ste begrü­ße. Ich habe nur geschrie­ben, dass die Kir­che, wenn Johan­nes XXIII das Kon­zil zu Ende geführt hät­te, heu­te anders aus­se­hen könn­te. Ob bes­ser oder schlech­ter, doch dass weiß nur der all­mäch­ti­ge Gott allein.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Es gab schon früh Prie­ster, die sich die­ser Per­so­nen­grup­pen annah­men. Ich nen­ne nur Kol­ping. Natür­lich kann sich die gan­ze Kir­che nicht nur auf bestimm­te Grup­pen kon­zen­trie­ren. Und bit­te­schön: in vie­len Jahr­hun­der­ten waren fast alle arm und die Kir­che küm­mer­te sich um die Gläu­bi­gen.

  3. Ergän­zend sei auf „vete­r­um sapi­en­tiae“ und die kon­zils­vor­be­rei­ten­de Römi­sche Syn­ode hin­ge­wie­sen!

  4. Hier fin­det man in über 2o Tei­len die gesam­te Krö­nungs­mes­se von JXXIII — lei­der ziem­lich fürch­ter­li­che Bild‑, aber sehr gute Ton­qua­li­tät; trotz­dem sehr beein­druckend, da kann man sich mal ein unge­fäh­res Bild von einer ‚Papst­mes­se der alten Ord­nung‘ machen, wohl einer der letz­ten, die so zele­briert und voll­stän­dig im Film fest­ge­hal­ten wur­den. Zwi­schen damals und heu­te (also selbst zu Zei­ten Bene­dikts XVI.) lie­gen echt … WELTEN, kaum in Wor­te zu fas­sen. Gleich am Anfang der Besuch des Pap­stes (in Fal­da, mit gewal­ti­gem Man­tum und Mitra auri­phry­gi­a­ta) in der Sakra­ments­ka­pel­le von St. Peter (hin­ter bzw. neben ihm die Kar­di­nä­le Otta­via­ni und Cana­li als Assi­stie­ren­de Kar­di­nal-Dia­ko­ne …), dann die Terz (mit dem Kar­di­nal­de­kan Tis­serant als Pres­by­ter assi­stens, der ihm — sei­nen Kopf als „Pult“ gebrau­chend — das Buch hin­hält); dann das wun­der­ba­re drei­ma­li­ge ‚Pater Sanc­te — sic tran­sit glo­ria mun­di!‘ mit Ver­bren­nen von Werg; erst das latei­ni­sche Evan­ge­li­um, recht gut gesun­gen von Kar­di­nal Wen­del, Frei­sing und Mün­chen, als Apo­sto­li­schem Dia­kon in Dal­ma­tik, danach das grie­chi­sche Evan­ge­li­um … — dann das Sanc­tus, das Hoch­ge­bet, die Ele­va­ti­on, die ‚Sin­fo­nia‘ von Sil­ve­ri bzw. die „Sil­ber­trom­pe­ten“ aus dem Rund der Kup­pel, Schwei­zer und Nobel-Gar­de, die mili­tä­risch grü­ßen, letz­te­re mit gezo­ge­nem Degen; die Kom­mu­ni­on ‚am Thron‘ und der Apo­sto­li­sche Sub­dia­kon, der das Sanc­tis­si­mum auf der Pate­ne (mit dem schüt­zen­den Aste­ris­kus dar­über) trägt … und am Schluß, auf der Log­gia, das ‚Acci­pe tiaram tri­bus coro­nis orna­tam, ut sci­as […]‘ — nach eini­ger Zeit hab ich die schlech­te Bild­qua­li­tät gar nicht mehr so wahr­ge­nom­men, in der Phan­ta­sie kann man sich zumin­dest eine Vor­stel­lung davon machen, wie fei­er­lich es damals gewe­sen sein muß …:

    http://www.youtube.com/watch?v=qTmHIguIKBw

    Der Wiki-Arti­kel ‚Papst­mes­se‘ (1. Teil!) ist sogar ganz infor­ma­tiv, bezieht sich wohl (glück­li­cher­wei­se) auf das Buch von Brink­tri­ne, das ich gern hät­te^^ — was aber scheint’s nicht mal via zvab auf­zu­trei­ben ist, lei­der …

    • … loh­nens­wert auch die (lei­der ziem­lich fol­gen­los geblie­be­ne) Apo­sto­li­sche Kon­sti­tu­ti­on ‚Vete­r­um Sapi­en­ta‘ jenes Pap­stes, zur Bedeu­tung und För­de­rung des Latei­ni­schen als der uni­ver­sa­len und über­zeit­li­chen Spra­che der Kir­che, in deut­scher Über­set­zung hier gefun­den:

      http://geroweishaupt.com/latein/veterum-sapientia/

      [n.b.: auf die­sen Link stieß ich eben via goog­le, habe also (trotz gleich­lau­ten­den Initia­len ‚GW‘) kei­ner­lei Bezie­hung zu dem HwH Dr. G. Weis­haupt!]

      Jeden­falls hat Johan­nes XXIII. eben nicht NUR ‚Pacem in ter­ris‘ geschrie­ben (wobei mich inter­es­sie­ren wür­de, wer an die­sem Text alles mit­ge­wirkt hat), wie’s ‚die Pro­gres­si­sten‘ wohl ger­ne hät­ten … — inter­es­sant auch sei­ne ziem­lich ‚rück­kehr-öku­me­ni­schen‘ Wor­te in sei­ner Antritts­en­zy­kli­ka ‚Ad Petri cathe­dram‘, die nun so gar nicht in das Zerr­bild pas­sen wol­len, mit wel­chem jene Pro­gres­si­sten ver­su­chen, Johan­nes für sich zu ver­ein­nah­men bzw. für ihre Zie­le zu instru­men­ta­li­sie­ren; auch die­se Wor­te gehö­ren in der ‚Kir­che des neu­en Advent‘ ja in die Hoch­si­cher­heits­ta­bu­zo­ne bzw. den Gift­schrank — na, DAS hät­te Ber­go­glio letz­ten Sonn­tag ja mal ganz unauf­fäl­lig in sei­ne Pre­digt ein­flie­ßen las­sen kön­nen:

      „Die­ses wun­der­ba­re Schau­spiel der Ein­heit, das die Katho­li­sche Kir­che unter­schei­dend aus­zeich­net und das für alle ein leuch­ten­des Bei­spiel ist, die­se Wün­sche, die­se Gebe­te, durch die sie von Gott für alle die­sel­be Ein­heit erfleht, möge euer Gemüt rüh­ren und heil­sam anre­gen, euer Gemüt, sagen Wir, die ihr von die­sem Apo­sto­li­schen Stuh­le getrennt seid.

      Gestat­tet, dass Wir euch mit inni­gem Ver­lan­gen Brü­der und Söh­ne nen­nen. Lasst Uns die Hoff­nung auf eure Rück­kehr näh­ren, die Wir in väter­li­chem Emp­fin­den hegen.

      […] Die glor­rei­che Schar der Hei­li­gen, die jedes eurer Völ­ker schon zum Him­mel geschickt hat, und beson­ders jene, die mit ihren Schrif­ten die Leh­re Jesu Chri­sti leuch­tend über­lie­fert und erklärt haben, auch sie schei­nen euch durch das Bei­spiel ihres Lebens zur Ein­heit mit die­sem Apo­sto­li­schen Stuh­le ein­zu­la­den, mit dem auch eure christ­li­che Gemein­schaft durch so vie­le Jahr­hun­der­te heil­sam ver­bun­den war.“

      http://www.theologische-links.de/downloads/oekumene/ad_petri_cathedram.html

      Tja, Papst Johan­nes konn­te noch schrei­ben über das „wun­der­ba­re Schau­spiel der Ein­heit, das die Katho­li­sche Kir­che unter­schei­dend aus­zeich­net und das für alle ein leuch­ten­des Bei­spiel ist“; die ihn (unbe­rech­tig­ter- bzw. unlo­gi­scher­wei­se) heu­te so fei­ern, kön­nen das nicht mehr … und wür­den es auch gar nicht wol­len — jeden­falls nicht in dem Sin­ne, in wel­chem man es damals noch sagen konn­te; die „Ein­heit“, die sie heu­te so vehe­ment und rück­sichts­los pro­pa­gie­ren, ist eine ganz ande­re …

      • ganz gro­sses dan­ke für Ihren wun­der­ba­ren Bericht über die mis­sa papa­lis und die coro­na­tio Joan­nis XXIII-es war mein erstes Tele­vi­si­ons­er­leb­nis-ich habe die Abord­nung der “ getrenn­ten Brü­der“ beson­ders aus der Schweiz ins Auge genom­men und mich gefreut mit wel­cher ehr­fürch­ti­ger Bewun­de­rung die­se der Lit­ur­gie beiwohnten.Da könn­ten sich heut­zu­ta­ge vie­le hoch­ge­stell­te Geist­li­che und Pra­vi­pro­fes­so­ren was abschneiden!Die Erha­ben­heit und die Wür­de der Fei­er ist mir bis auf den heu­ti­gen Tag prä­sent-ähn­li­ches habe ich spä­ter nur noch in Russ­land erlebt-bei uns ist seit den 68ern sovie­les den Bach her­un­ter­ge­gan­gen.
        dan­ke an GW-dies ist für der schön­ste Bei­trag den ich je gele­sen in die­sem hoch­wer­ti­gen Forum.Dieses ist wie ein ein­sa­mes Licht in oft so gro­sser Fin­ster­nis.

      • Sie haben — rein äußer­lich betrach­tet — zwar Recht damit — aber ich habe mich oft gefragt, wie­so Johan­nes XXIII. das alles zwar „auch“ pro­du­ziert hat, aber
        a. kei­nen Fin­ger dafür gerührt hat, es nicht nur dem gedul­di­gen Papier zu über­las­sen
        b. die dar­in geäu­ßer­ten tra­di­tio­nel­len Ansich­ten so merk­wür­dig ste­ril vor­ge­tra­gen wer­den.

        Ins­be­son­de­re in „Vete­r­um sapi­en­tia“: Schon damals kam als Kri­tik: das sei so starr auch in den For­de­run­gen, dass es in der Welt­kir­che ohne wei­te­re Ent­wick­lun­gen nicht umsetz­bar. Wie sol­len klei­ne phil­ip­pi­ni­sche Prie­ster­se­mi­na­re plötz­lich eine sol­che Lati­ni­tas errei­chen?

        Ich ver­su­che, sol­che Tex­te immer mit dem Her­zen zu lesen. Und das Herz bleibt unbe­rührt. Man kann viel erzählen…Roncalli spult nur etwas ab, es war ihm selbst offen­bar egal, denn er kam nie mehr dar­auf zurück. Es war in den Wind geschwätzt.

        Es scheint mir dies eher der Beginn des Phä­no­mens zu sein, das alle ande­ren Päp­ste danach auch auf­wei­sen: bevor eine kras­se und unvrschäm­te Häre­sie oder Blas­phe­mie oder ein neu­er apo­sta­ti­scher Split­ter ein­ge­führt wird, haut man noch mal mit etwas Super­tra­di­tio­nel­lem auf den Putz, um die From­men ein­zu­lul­len und bei der Stan­ge zu hal­ten:

        1. Johan­nes XXIII: „Vete­r­um sapi­en­ta“ und from­me Kon­zils­sche­ma­ta vor dem Kon­zil, auf dem er fast taten­los ein­fach alles von einer Min­der­heit umstür­zen lässt (das muss doch zu den­ken geben! — v.a. ange­sichts der Eröff­nug­ns­re­de, die das doch ange­kün­digt hat, dass er alles fah­ren las­sen wird!)

        2. Pauls VI.: „Huma­nae vitae“ vor der blas­phe­mi­schen Lit­ur­gie­re­form

        3. JPII: Lebens­schutz und Prie­ster­z­ö­li­bat erhal­ten, und dann sei­ne Greu­el wie Assi­si und ein apo­sta­ti­scher Öku­me­nis­mus (ich emp­feh­le immer noch Dör­mann oder auch Barth!)

        4. Bene­dikt XVI.: „Summorum pon­ti­fi­cum“ und bald drauf Rück­tritt (wobei Bene­dikt XVI. der in sich gebro­chen­ste und tra­gisch­ste ist von all die­sen Män­nern, weil er als alter Mann erwacht ist und die Früch­te sei­ner Taten, auch als Peri­tus, erkennt…)

        5. Und nun haben wir einen Men­schen, der redet wie ein Irrer, ohne irgend­ei­nen roten Faden und in den papst­hö­ri­gen Gläu­bi­gen das Bedürf­nis weckt, alle­zeit „advo­ca­tus dia­bo­li“ zu spie­len und ihn bes­ser zu evr­ste­he als er sich selbst — natür­lich recht­gläu­big.

        • Ja, Sie schrie­ben das wei­ter unten ja schon an — irgend­wie ist auch mir die Per­son Ron­cal­lis, sein Den­ken und Han­deln, ’nicht ganz klar‘, irgend­wie … ‚hete­ro­gen‘ inkon­si­stent, so schwer zu fas­sen; ob er selbst über­haupt eine so kla­re Linie hat­te? Ein gewief­ter Diplo­mat, vlt. auch ein „berg­a­mas­ker Schlitz­ohr“ (was jetzt nicht bös gemeint ist^^), schon inter­es­siert an Phi­lo­so­phie (bloß an wel­cher?) … aber viel eher ein ‚Prag­ma­ti­ker‘; und dann weiß ich (noch) nicht, wel­chen Ein­flüs­sen er aus­ge­setzt war / sich selbst aus­setz­te, wer ihn maß­geb­lich beein­fluß­te (u.a. auch Kar­di­nal Bea, der Öku­me­ni­ker), wie die Kräf­te­ver­hält­nis­se an der Kurie waren; weiß noch viel zu wenig über genau die­se Zeit (so vom Ende des Krie­ges bis zum Kon­zils­be­ginn), und ihre (auch „unter­ir­di­schen“) Strö­mun­gen …
          … übri­gens könn­te auch die o.g. Krö­nungs­mes­se selbst in die­ses Sche­ma der „Beru­hi­gung (wenn nicht Täu­schung) der kon­ser­va­ti­ven Gemü­ter“ gehö­ren; ich hat­te irgend­wo mal gele­sen, daß es JXXIII selbst war, der bei sei­ner Krö­nung auf dem „vol­len Pro­gramm“ bestand, als ihm Mon­si­gno­re Dan­te (der dama­li­ge Zere­mo­ni­en­mei­ster, wohl schon leicht „bugn­i­nia­nisch ange­krän­kelt“) eini­ge Kür­zun­gen vor­schlug; und nur weni­ge Mona­te spä­ter, im Janu­ar 1959, der „Choc von St. Paul vor den Mau­ern“: „… möch­ten Wir nach plötz­li­cher Erleuch­tung … ein Kon­zil …“, oder wie er sich aus­drück­te); und dann die Tat­sa­che, daß er nach die­ser ‚ersten Revol­te des Kon­zils‘ durch Lien­art und Frings ganz das Heft aus der Hand gab und zusah, wie das Kon­zil von Anfang an von eini­gen weni­gen irrever­si­bel in eine völ­lig ande­re (bzw. die völ­lig fal­sche!) Rich­tung gezo­gen wur­de …
          … ich müß­te jetzt mal nach und nach (gute!) Bio­gra­phien über alle Päp­ste seit (min­de­stens) Pius IX. lesen, viel Stoff … aber ich will ver­ste­hen, so gut ich’s kann, „was WIRKLICH los ist“, d.h. wie die­se gan­ze Ent­wick­lung wirk­lich war — und war­um wir jetzt genau da ste­hen, wo wir ste­hen, in der Kir­che (und der Welt) …

          • … spe­zi­ell über Ron­cal­li gibt’s da ja die­ses (aller­dings umstrit­te­ne — ich weiß noch nicht, wel­che Glaub­wür­dig­keit man dem bei­mes­sen kann) Buch ‚Niki­ta­ron­cal­li‘ von Bel­le­gran­di (hab’s auch noch nicht gele­sen):

            http://huttongibson.com/PDFs/huttongibson_NIKITARONCALLI_book.pdf

            Dies auf der Sei­te von Hutton Gib­son, dem Vater von Mel Gib­son; zu H. Gib­son und sei­ner Posi­ti­on sag ich mal nichts — weiß auch kaum was über ihn, nur, daß er dem Sedis­va­kan­tis­mus zumin­dest ‚ziem­lich nahe steht‘ (aber will die­ses The­ma jetzt nicht wie­der auf­grei­fen!^^); wenn immer ich mal auf’nen mir ganz inter­es­sant erschei­nen­den Link auf­merk­sam mache, heißt das def. nicht, daß ich mir des­halb gleich deren Posi­ti­on zu eigen mache, klar — höch­stens, daß ich (erst­mal) unbe­fan­gen, aber kri­tisch dar­in lese und mir dann die entspr. Gegen­po­si­tio­nen anse­he. Die (ganz gro­ße Gegen-) Posi­ti­on der ‚Kon­zils­kir­che‘ kenn ich ja inso­fern zu genü­ge, als ich ‚in die­sem System‘ auf­ge­wach­sen bin, jeden­falls in der Schu­le, in der ’neu­en Mes­se‘, den übli­chen Pre­dig­ten, den Medi­en, lan­ge Zeit, ohne mir bewußt zu sein, daß auch das eben nur eine ‚Posi­ti­on‘ ist, die post-kon­zi­lia­re. Auch wenn ich selbst egtl. schon immer, letzt­lich schon, noch ohne es zu wis­sen, im Kom­mu­ni­on­un­ter­richt und spä­ter dann in Dis­kus­sio­nen, die eher „kon­ser­va­ti­ven Posi­tio­nen“ ver­tre­ten hab, d.h. schlicht die mir am Klar­sten und Logisch­sten erschei­nen­den — wäh­rend das, was im „Reli“-Unterricht so erzählt wur­de (v.a. so „aktu­el­le The­men“, aber lei­der kaum Grund­le­gen­des — die Leer­plä­ne sind eben genau das!), mir all­zu oft wenig klar und wenig logisch erschien, wie ich jetzt weiß, zurecht …

      • Dan­ken wir den alten, vor-bugni­ni­schen Lit­ur­gi­kern der Hl. Römi­schen Kir­che, die so ein, ja, ‚Gesamt­kunst­werk‘ im Lau­fe vie­ler Jahr­hun­der­te orga­nisch und kon­ti­nu­ier­lich haben ent­ste­hen las­sen; nicht „abge­zir­kelt am grü­nen Tisch“, in kras­se­sten Brü­chen und unter, wie’s scheint, fast schon krank­haft-ver­schäm­ter Leug­nung der eige­nen Ver­gan­gen­heit, die einem irgend­wann ein­fach nur noch extrem pein­lich war, von wegen „in der heu­ti­gen Zeit …“; einer völ­lig ver­zerr­ten, ten­den­ziö­sen, letzt­lich neu­ro­ti­schen Sicht auf die eige­ne Ver­gan­gen­heit, ver­stärkt durch die Medi­en bzw. geziel­te anti-Pro­pa­gan­da (wie etwa jener Luther-Film u.a. mit Usti­nov, oder jetzt die­se Bor­gia-Serie … und so vie­le „histo­ri­sche Dokus“, die man eher „Pseu­dos“ nen­nen müß­te); und damit, wie ich fin­de, auf die eige­ne Iden­ti­tät, was dann psy­cho­lo­gisch in regel­rech­ten „Maso­chis­mus“ oder „Selbst­haß“ aus­ar­ten kann, und (pseu­do!-) lit­ur­gisch eben in fal­schen, über­zo­ge­nen „Archäo­lo­gis­mus“ …
        … gut, natür­lich … vie­les an die­ser ‚klas­si­schen Papst­mes­se‘, wie sie bis Anfang der 6o-erjah­re da stand, war noch altes (aber nicht *ganz* altes), hoch­ba­rock-höfi­sches Zere­mo­ni­ell, was spä­te­stens nach dem Ver­lust der welt­li­chen Macht schon … etwas obso­let bzw. für uns Heu­ti­ge mitt­ler­wei­le wirk­lich gänz­lich unver­ständ­lich gewor­den war; man konn­te und muß­te sicher­lich behut­sa­me[!] Kor­rek­tu­ren vor­neh­men, eine „lang­sa­me[!] Ent­rüm­pe­lung ohne Cha­rak­ter­ver­lust“, das sei unbe­strit­ten (so mutet etwa die Über­ga­be eines Sei­den­beu­tels mit Mün­zen, nach dem Segen am Papst­al­tar [wird in dem o.g. Mit­schnitt nicht gezeigt — falls sie’s nicht eh schon gestri­chen hat­ten?], sagen wir mal ‚als Sti­pen­di­um‘, „pro mis­sa bene can­ta­ta — für die wohl­ge­sun­ge­ne Mes­se“, schon etwas selt­sam an; und ob der arme Fürst, glau­be, Colon­na — im Spit­zen­ja­bot — nun wirk­lich unbe­dingt fünf Stun­den am Stück als ‚Fürst­li­cher Thron­as­si­stent‘ auf einem Fleck ste­hen muß­te … na ja^^). — Aber ande­rer­seits soll­te man auch nicht das Kind mit dem Bade aus­schüt­ten und den Ein­druck ent­ste­hen las­sen, als sei man durch­drun­gen von Kom­ple­xen, von Scham, von gera­de­zu neu­ro­ti­schem Haß auf die eige­ne Ver­gan­gen­heit (gilt ja für nicht nur f.d. Papst­mes­se, son­dern schier für ALLES) — sonst kriegt man ein Glaub­wür­dig­keits­pro­blem …
        … und klar, um das Papst­amt völ­lig neu defi­nie­ren zu kön­nen (was jedoch gar nicht geht …), muß man natür­lich uner­bitt­lich jede Sym­bo­lik, jedes Zere­mo­ni­ell rest­los besei­ti­gen, was noch irgend an die „alte Leh­re“, an die vor­kon­zi­lia­re Stel­lung des Pap­stes erin­nern könn­te; es geht eben nicht nur um „Äußer­lich­kei­ten“, um „Ästhe­tik“ oder „rote Schu­he“ (über die man treff­lich strei­ten kann^^), son­dern letzt­lich um Inhal­te — um eine kom­plet­te Neu­de­fi­ni­ti­on des Papst­amts (zBsp paßt die ‚Obö­di­enz‘, erst­recht bei den gro­ßen Papst­mes­sen, aber selbst die im Kon­kla­ve direkt nach der Wahl, über­haupt nicht mehr ins Kon­zept der neu­en, [angeb­lich!] so ‚geschwi­ster­li­chen Lie­bes­kir­che‘, so wenig wie die Cap­pa magna ‚mit Cau­da­ta­ri­us‘ …)!

    • Der Titel die­ses „Heft­chens“ müss­te „Die fei­er­li­che Papst­mes­se“ Die Zere­mo­nien bei Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen von Johan­nes Brink­tri­ne sein. Mein Bru­der hat die­ses Heft­chen und dar­in ist die gesam­te Papst­mes­se Lat.-deutsch mit den Erklä­run­gen der Eigen­hei­ten bei Papst­mes­sen und im Anhang der Ritus für die Selig- und Hei­lig­spre­chung. So wur­den in vor­kon­zi­lia­rer Zeit in den Papst­mes­sen die Lesung und das Evan­ge­li­um Latei­nisch und Grie­chisch vor­ge­tra­gen, d. h. von einem grie­chi­schen Dia­kon wur­de Lesung und Evan­ge­li­um in grie­chisch ver­kün­det. Eigent­lich darf man das gar nicht mit den heu­ti­gen Papst­mes­sen ver­glei­chen.…… da sind wahr­haf­tig WELTEN dazwi­schen. Lex oran­di, lex creden­di kommt da wirk­lich zum Aus­druck.

  5. Davon abge­se­hen, dass in einem Bei­trag Papst Johan­nes XXIII. nicht abzu­han­deln ist, fin­de ich gut, dass Herr Nar­di dif­fe­ren­ziert.
    Noch weni­ger wird ein Kom­men­tar die­ser Auf­ga­be gerecht. Des­we­gen kann es nur ein bruch­stück­haf­ter Ver­such sein, das The­ma im Kom­men­tar auf­zu­grei­fen.
    Gerech­ter­wei­se muss fest­ge­stellt: Hier, auf Kath. info., wur­de in eini­gen Bei­trä­gen zur Hei­lig­spre­chung der bei­den Päp­ste Johan­nes XXIII. im Ver­gleich zu Johan­nes Paul II. so ange­grif­fen, dass es mir unver­ständ­lich war.
    Viel­leicht steht es fest: Nach Pius XII. war ein gewis­ser Stil, der sehr mon­ar­chisch war, nicht mehr zu hal­ten. Doch das betrifft die äuße­re Form. Die für die katho­li­sche Kir­che zwar sehr wich­tig ist, die jedoch im Lauf der Zeit ver­än­der­bar ist. Inso­fern wirk­te Johan­nes XXIII. zwar revo­lu­tio­när, weil er sich von Pius XII. im Stil deut­lich abhob, er woll­te aber kei­ne Revo­lu­ti­on. Auch nicht mit dem Kon­zil. Sei­ne Moti­ve waren red­lich. Er glaub­te, in weni­gen Mona­ten sei das Kon­zil zu Ende. Alle vor­be­rei­ten­den Sche­ma­ta, über die wäh­rend des Kon­zils dis­ku­tiert und abge­stimmt wer­den soll­ten, die recht­gläu­big waren, hat er aus­drück­lich gebil­ligt.
    Es war ihm nicht bewusst, dass er eine Revo­lu­ti­on aus­lö­sen wür­de, sie ist aber gesche­hen. Der Papst war kein Moder­nist. Er war aber anfäl­lig für moder­ni­sti­sche Theo­rien und Per­so­nen. Er ernann­te sofort den Mai­län­der Erz­bi­schof Mon­ti­ni zum Kar­di­nal. Pius XII. hat das bewusst nicht getan. Damit ist Johan­nes XXIII. für die Wahl sei­nes Nach­fol­gers mit ver­ant­wort­lich.
    Johan­nes XXIII. flir­te­te mit den Neo­mo­der­ni­sten, ohne selbst einer zu sein. Damit öff­ne­te er ihnen das Tor. Durch sei­nen Tod 1963 wis­sen wir nicht, ab wann er sie gestoppt hät­te, als sie „durch das Tor stürm­ten“, ob er sie über­haupt hät­te zurück­hal­ten kön­nen.
    Paul VI. flir­te­te nicht nur mit den Neo­mo­der­ni­sten, er bewun­der­te sie. Er schlug sich wäh­rend des Kon­zils mei­stens auf ihre Sei­te. Und das Ver­häng­nis nahm sei­nen Lauf.
    Die „Neue Mes­se“ hat er allein zu ver­ant­wor­ten, Johan­nes XXIII. aus­drück­lich nicht.
    Den­noch kann Johan­nes XXIII. kein hei­li­ger Papst sein. „Die Arz­nei der Barm­her­zig­keit“ haben Päp­ste in der Regel ange­wen­det, aber nicht, wenn es um Häre­si­en geht. Dann muss ope­riert wer­den. Auf eitern­de Wun­den darf kei­ne Pfle­ge­creme auf­ge­tra­gen wer­den, das führt zur Blut­ver­gif­tung.
    Wenn sich ein Dorf­pfar­rer solch einen Irr­tum lei­stet, kann das für die ihm anver­trau­ten See­len mög­li­cher­wei­se ver­häng­nis­voll sein. Für die katho­li­sche Kir­che ist es eine Kata­stro­phe.
    Als man Pius X. ein­re­den woll­te, die Kir­che brau­che „Blut­auf­fri­schung“, ein Ein­ge­hen auf die neu­zeit­li­che Phi­lo­so­phie, lehn­te er das ent­schie­den ab. Weil er die töd­li­che Gefahr für den Glau­ben erkann­te. Er woll­te Refor­men: Lit­ur­gie­re­form, in dem Sin­ne, dass die Lai­en die hl. Mes­se ver­ste­hen, dass die Hei­li­ge Schrift einen grö­ße­ren Platz ein­ge­räumt bekommt, die Prie­ster­aus­bil­dung ver­bes­sert wird, er woll­te das Wis­sen der Gläu­bi­gen bezüg­lich des Glau­bens anhe­ben. Was drin­gend not­wen­dig war.

  6. Fort­set­zung:
    „Die Kir­che fürch­tet nicht die Wis­sen­schaft, sie fürch­tet die Unwis­sen­heit“, war sei­ne Rede. Pius X. fürch­te­te nicht die moder­ne Phi­lo­so­phie, weil sie der Scho­la­stik angeb­lich über­le­gen war. Er erkann­te den Agno­sti­zis­mus, er erkann­te, dass sie den geof­fen­bar­ten Glau­ben ver­der­ben wür­de. Er wuss­te um die Schwä­chen die­ser neu­zeit­li­chen Phi­lo­so­phie, die aber dem Zeit­geist ent­sprach. Und von daher ver­füh­re­risch war.
    „Instaur­a­re omnia in Chri­sto“, „alles in Chri­stus erneu­ern“, war sein Mot­to für eine Kir­che, die schon 1903 reform­be­dürf­tig war. Jede Erneue­rung der katho­li­schen Kir­che kann NUR mit die­sem Mot­to gesche­hen.
    Johan­nes XXIII. glaub­te, die Kir­che mit dem Zeit­geist zu erneu­ern. Den er viel zu naiv beur­teil­te. Das muss­te zum Ver­häng­nis füh­ren, ob er es woll­te oder nicht.

    Papst Pius XII. wird als der „letz­te escha­to­lo­gi­sche Papst“ beur­teilt. Das heißt, die Auf­ga­be der Kir­che ist neben der Anbe­tung das Wir­ken für das Heil der See­len. Der Papst ist der ober­ste Garant.

    Für die „brü­der­lich geein­te Welt“ im Dies­seits ist die katho­li­sche Kir­che nicht zustän­dig. Sie hat den Frie­den Jesu Chri­sti zu ver­kün­den, „der nicht von die­ser Welt ist.“ Auch wenn ihr das die Feind­schaft der Welt bringt.
    Das woll­ten alle Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste nicht ein­se­hen. Sie zer­stö­ren damit die Kir­che. Auch wenn sie es nicht wol­len.
    Um mit Johan­nes XXIII. abzu­schlie­ßen: Der gute Wil­le ist zer­stö­re­risch, wenn er Irr­tü­mer ent­hält. Dass Johan­nes XXIII. weni­ger Irr­tü­mern erlag als sei­ne Nach­fol­ger, ändert dar­an nichts.

  7. Die­ser Arti­kel offen­bart nur um ein wei­te­res eine in sich völ­lig inkon­si­sten­te Per­sön­lich­keit. Nun weiß die Psy­cho­lo­gie, dass sol­che Inkon­si­stenz ein Zei­chen ent­we­der einer nicht gesun­den see­li­schen oder gei­sti­gen Ver­fas­sung ist, oder eben schlicht und ein­fach für einen unwahr­haf­ti­gen Cha­rak­ter!
    Nei­gun­gen zu lit­ur­gi­scher Per­for­mance oder ein nahe­zu ver­knö­cher­tes Fest­hal­ten an „Tra­di­tio­nen“, die schon damals abstrus wirk­ten (wie das Ver­bot an Prie­ster, mit ihrer eige­nen Mut­ter oder jeder Frau im Auto zu fah­ren) und eher für eine mensch­li­che Unrei­fe als für Fröm­mig­keit zeug­ten
    Johan­nes XXIII. war jahr­zeh­ten­lang Diplo­mat und mit Sicher­heit nicht „naiv“.

    Die Beschrei­bung der Per­sön­lich­keit Ron­cal­lis von Carl J. Burk­hardt, einem glän­zen­den schwei­ze­ri­schen Diplo­ma­ten, Essay­isten und Histo­ri­ker, der ihn per­sön­lich kann­te:

    „„… Er ist welt­klug, hät­te einen indu­stri­el­len Kon­zern lei­ten kön­nen, er ist ein äusserst wohl­mei­nen­der und bau­ern­schlau­er Berg­a­mas­ke, er ist von soli­der Fröm­mig­keit, im abge­kürz­ten Stil; aber mir scheint, sein gesun­der Men­schen­ver­stand — auf kur­ze Sicht genau, auf lan­ge Sicht wohl nicht sehr scharf — las­se ihn den Wert gewis­ser unzeit­ge­mä­sser, spe­zi­fisch katho­li­scher Arka­ne (Geheim­nis­se) ver­ken­nen. Die Fähig­keit des Wun­der­glau­bens, die Scheu vor dem Sakra­len sind sei­ne Sache nicht. Er ist ein got­tes­gläu­bi­ger Ratio­na­list, mit schön­stem Stre­ben der sozia­len Gerech­tig­keit die­nend, wobei er die Nei­gung hat, allen ähn­li­chen Bestre­bun­gen aus ganz ent­ge­gen­ge­setz­ten Lagern weit­ge­hend die Hand zu rei­chen. Es ist, ohne dass er es weiss, viel vom Gedan­ken­gut des 18. Jahr­hun­derts in ihm, mit einer nach­wir­ken­den Risor­gi­ment­o­stim­mung ver­bun­den. Er ist gütig, offen, humor­voll, sehr fern vom christ­li­chen Mit­tel­al­ter; auf dem Wege über die fran­zö­si­schen ‚Phi­lo­so­phen‘ ist er zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen gelangt wie die Refor­ma­to­ren, ohne ihre meta­phy­si­sche Pas­si­on. Er wird viel ver­än­dern; nach ihm wird die Kir­che nicht mehr die­sel­be sein…“

    scheint die Sache wesent­lich rea­li­sti­scher zu treffen…hier wird ein unin­spi­rier­ter Mann beschrie­ben, ein „bau­ern­schlau­er“, aber törich­ter Stra­te­ge, der nicht wuss­te was er tat und doch bewusst nicht das tat, was auch er noch jahr­zehn­te­lang gelehrt wor­den war.

    Wer die Absicht hat­te, die Kir­che zu zer­stö­ren, — und das hat nur den Anschein eines Erfol­ges, wenn man das Papst­tum kas­siert und besetzt — , dann war Rocal­li auf jeden Fall die beste Beset­zung für den Ein­stieg.

    • Ein wert­vol­les Zitat; Burk­hardts Ein­schät­zung erscheint mir über­aus prä­zi­se und ein­leuch­tend.

      • Burck­hardt, Carl J. / Rych­ner, Max:
        Brie­fe 1926–1965. Vor­wort von Carl J. Burck­hardt. Her­aus­ge­ge­ben von Clau­dia Mertz-Rych­ner.
        Frank­furt. S. Fischer 1970.

  8. Die Sche­ma­ta des VKII sind auf unasanctamcatholicam.com in eng­li­scher Über­set­zung nach­zu­le­sen.
    Ein Ein­druck, wie das Kon­zil hät­te sein kön­nen.

  9. Bit­ten wir doch Johan­nes XXIII. um das Wun­der der all­ge­mei­nen und unein­ge­schränk­ten Wie­der­zu­las­sung sei­nes Mis­sa­le von 1962 in allen ehr­wür­di­gen Kir­chen und zwar so unver­hofft wie sei­ne Hei­lig­spre­chung.

  10. Was bedeu­ten Hei­li­ge in der gegen­wär­ti­gen Ver­faßt­heit der Kir­che ? Das ist die Fra­ge, die man sich stel­len muss im Bezug auf die neue­sten Kano­ni­sa­tio­nen der Päp­ste. Hal­ten wir uns an die Hei­li­ge, die für uns Vor­bild­funk­ti­on haben.

  11. Wie­der funk­tio­niert die Leit­li­nie, die der Herr uns gege­ben hat: Ob alles nur ein Miss­ver­ständ­nis, ob jemand bewusst oder aus Ver­se­hen das Schlech­te aus­ge­löst hat, was er aus­ge­löst hat, ob alle Ung­rad­li­nig­keit Kal­kül war, und inwie­weit er sich den immer unglück­li­cher wer­den­den Umstän­den anpas­sen, bzw. auf sie reagie­ren muss­te, oder woll­te zeigt sich letzt­end­lich an einer Sache: Wie steht jemand zu den Juden, bzw. dem Staat Isra­el?
    So wird sofort der Unter­schied zwi­schen Johan­nes XXIII und Johan­nes Paul II deut­lich. Wer Juda flucht ist selbst ver­flucht, geseg­net ist wer Juda seg­net! Der Satan hasst die­ses Volk, weil der Herr es unaus­lösch­lich liebt, wer die­ses Volk nicht um sei­nes Her­ren wil­len liebt, der hat auch den Her­ren nicht im Her­zen!

  12. Joh.XIII. als Mann der Alten Mes­se zu apo­stro­phie­ren hal­te ich für blau­äu­gig. Ihm stand die Desi­gner­lit­ur­gie sei­nes Nach­fol­gers noch nicht zur Ver­fü­gung. Mit sei­nem Meß­buch ( Ausg. 1962 ) hat er sich nicht gera­de um „die Mes­se aller Zei­ten“ ver­dient gemacht. Da gab es schon mas­si­ve Ein­brü­che, beson­ders der Hei­li­gen­ka­len­der muß­te sich wei­te­re Säu­be­run­gen gefal­len las­sen, es gab eine neue Fest­ord­nung. Ich den­ke, es waren Vor­be­rei­tun­gen für die Lit­ur­gie­re­vo­lu­ti­on, die ver­mut­lich sei­nen Bei­fall gefun­den hät­te, war er doch der Mann der weit­ge­öff­ne­ten Fen­ster.

  13. Fol­gen­des Phä­no­men bei der Beur­tei­lung von Päp­sten, hohen kirch­li­chen Wür­den­trä­gern erstaunt mich immer wie­der: Wenn sie beur­teilt bzw. „gerich­tet“ wer­den ohne zu beden­ken, dass jeder Mensch „Kind sei­ner Zeit ist.“ Das ent­schul­digt nicht Irr­tü­mer, aber es kann viel­leicht davor bewah­ren, nicht mehr nur den „Irr­tum zu has­sen, son­dern auch den Irren­den.“ Nach katho­li­scher Leh­re sol­len wir den „Irr­tum has­sen, doch den Irren­den lie­ben.“
    Nie­mand muss irren­de Päp­ste lie­ben. Aber man muss nicht gleich auf die per­sön­li­che Ebe­ne gehen. Zumal, wenn kei­ne gute Bio­gra­fie exi­stiert, wenn die ent­spre­chen­de Per­sön­lich­keit nur durch Zita­te bekannt ist.
    Der jun­ge Semi­na­rist Ange­lo Ron­cal­li war selbst­ver­ständ­lich moder­ni­sti­schen Theo­rien wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung aus­ge­setzt. In einem Alter, in dem jun­ge Men­schen sehr dazu nei­gen, Pro­fes­so­ren als Vor­bil­der anzu­se­hen, noch sehr beein­fluss­bar sind. Das heißt nicht, dass er den tra­di­tio­nel­len Glau­ben über Bord gewor­fen hat, aber er blieb nicht unbe­ein­flusst.
    Er hat­te — wahr­schein­lich — nicht das gei­sti­ge For­mat, das ein Papst braucht. Doch er war nicht nur ein Oppor­tu­nist. Der ein­fach nur die vor­be­rei­te­ten Sche­ma­ta abge­nickt hat. Doch er glaub­te auch, auf Moder­ni­sten hören zu sol­len. Doch lei­der lie­ßen sich vie­le alte Kon­zils­vä­ter von ihren Bera­tern beein­flus­sen, steu­ern.
    Weil die offi­zi­el­le vor­kon­zi­lia­re Theo­lo­gie zwar recht­gläu­big, aber viel­leicht weit­ge­hend erstarrt war, so emp­fun­den wur­de.
    Ein erfah­re­ner, selbst­be­wuss­ter Kar­di­nal Frings hängt teil­wei­se an den Lip­pen sei­nes jun­gen Bera­ters Prof. Josef Ratz­in­ger, knapp über 30 Jah­re alt. Das ist ein Bei­spiel unter vie­len. So war die Zeit damals.

    Das 2. Vat. Kon­zil wur­de am 11. 10. 1962 ein­be­ru­fen, am 3. 6. 1963 ist Johan­nes XXIII. gestor­ben. Paul VI. ist sehr viel wei­ter gegan­gen, das ist sicher.
    Wenn ich das über­aus emp­feh­lens­wer­te Buch von Johan­nes Dör­mann über den theo­lo­gi­schen Weg von Johan­nes Paul II. lese, dann kann ich nur schlie­ßen: Er war theo­lo­gisch noch gefähr­li­cher als sein „Leh­rer Paul VI.“
    Dör­mann arbei­tet streng an Tex­ten blei­bend her­aus: Johan­nes Paul II.vertrat die Allers­lö­sungs­the­ro­ie. Er ver­wen­de­te dabei weit­ge­hend das tra­di­tio­nel­le theo­lo­gi­sche Voka­bu­lar. Des­we­gen war er so schwer zu durch­schau­en. Nach die­sem Buch ist mir klar: Assi­si 1986 war nicht eine „häre­ti­sche Anwand­lung auf Grund einer Frie­dens­lie­be zwi­schen den Reli­gio­nen.“ Assi­si 1986 war die Gestalt gewor­de­ne Theo­lo­gie Johan­nes Paul II.
    Papa Ber­go­glio mit sei­nem barm­her­zi­gen Zärt­lich­keits­fim­mel aller Welt gegen­über setzt nur um, was Johan­nes Paul II. gelehrt hat.
    Er ist nur stil­lo­ser, tri­via­ler, in sei­ner Spra­che. Viel­leicht auch kon­se­quen­ter. Und lieb­lo­ser, bru­ta­ler der Tra­di­ti­on gegen­über.
    Wir leben in schlim­me­ren Zei­ten als zur Zeit des Aria­nis­mus. Weil die „Aller­lö­sungs­hä­re­sie“ hin­zu­ge­kom­men ist. Und die libe­ra­le pro­te­stan­ti­sche Exege­se blind über­nom­men wur­de.
    Es ist leich­ter gegen eine schwe­re Häre­sie zu kämp­fen, als gegen meh­re­re.

  14. Hier sind vie­le Rich­ter und Hoch­rich­ter unter­wegs. Mögen sie einst oder schon bald nicht dem Gerich­te Got­tes ver­fal­len.

    • Bis­her habe ich hier nur Ein­schät­zun­gen und Mei­nun­gen gele­sen. Es sind ganz ande­re, die urtei­len und auch voll­strecken (las­sen).

  15. Johan­nes XXIII. war ein „Mann der Alten Mes­se.“ Er hat Anni­ba­le Bugni­ni gefeu­ert, den Archi­tek­ten der Mes­se Paul VI. Bugni­ni ver­lor sei­nen Lehr­stuhl für Lit­ur­gie unter Johan­nes XXIII. Bugni­ni kam in Amt und Wür­den unter Pius XII. Lei­der!
    Den­noch wäre es absurd, Pius XII. „als Mann der neu­en Mes­se“ zu bezeich­nen. Absurd, bizarr, falsch.
    Päp­ste waren und sind auch nur Men­schen, die Feh­ler machen und Feh­ler haben. Die hat­te auch der Apo­stel Petrus, der dem Apo­stel Pau­lus in einer lebens­wich­ti­gen Fra­ge für den Glau­ben nach­ge­ben muss­te. Weil er sei­nen Irr­tum ein­ge­se­hen hat.
    Paul VI. rief Bugni­ni zurück. Und das Unheil, das schon mit der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um begon­nen hat­te, nahm sei­nen ver­häng­nis­vol­len Lauf.
    Doch dass Päp­ste hin­ter­ein­an­der sich der­ma­ßen am Glau­ben ver­grei­fen wie die Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste, dürf­te ein­ma­lig sein. Mit jedem Papst wur­de es schlim­mer. Bene­dikt XVI. ver­such­te, den Abwärts­trend zu stop­pen, ohne die „Kon­zils­ori­en­tie­rung“ auf­ge­ben zu wol­len. Er muss­te schei­tern.
    Seit­dem ich mich gründ­lich durch das Buch von Johan­nes Dör­mann über den theo­lo­gi­schen Weg von Johan­nes Paul II. durch­ge­ar­bei­tet habe, ist mir klar: Die­ser Papst hat ein­deu­tig die Aller­lö­sungs­theo­rie ver­tre­ten. Für Katho­li­ken war es so schwer zu durch­schau­en, weil der Papst stän­dig das ver­trau­te, tra­di­tio­nel­le Voka­bu­lar ver­wen­de­te. Dör­mann arbei­tet streng am Text, er behaup­tet nicht nur, er legt es dar.
    Assi­si 1986, der Koran­kuss, sich bestreu­en las­sen mit „hei­li­ger Asche“ durch Ani­mi­sten, das waren nicht „häre­ti­sche Ein­zel­ak­te aus Sor­ge um den Frie­den zwi­schen den Reli­gio­nen,“ deren Streit mit­un­ter den Welt­frie­den gefähr­den kann.
    Das war sei­ne Theo­lo­gie, die in die­sen Akten ihre kon­kre­te Gestalt bekom­men hat. Die Allers­löungs­the­se.
    Wir leben in schwe­re­ren Zei­ten als zur Zeit des Aria­nis­mus. Weil der über­lie­fer­te katho­li­sche Glau­be nicht nur von die­ser Häre­sie, die zurück­ge­kom­men ist, bedroht wird. Son­dern auch, weil sich die katho­li­sche Exege­se blind der libe­ra­len pro­te­stan­ti­schen Exege­se ange­schlos­sen hat, die weder Hand noch Fuß hat, jedoch die Kraft, den Glau­ben zu zer­stö­ren.
    Das Maß voll macht die teils ver­steck­te, aber inzwi­schen all­ge­mein geglaub­te Aller­lö­sungs­leh­re Johan­nes Paul II.
    Ber­go­glio mit sei­nem zärt­li­chen Barm­her­zig­keits­fim­mel setzt sie nur um. Vul­gär, stil­los, tri­vi­al, bru­tal gegen die Tra­di­ti­on.
    Damit hat­te Johan­nes XXIII. nichts zu tun. Gar nichts. Was ihn nicht von sei­nen eige­nen Irr­tü­mern frei­spricht. Aber ich den­ke, es muss unter­schie­den wer­den. Sonst kön­nen Irr­tü­mer nicht bekämpft wer­den.

  16. „Wir Men­schen kön­nen nur bestehen, wenn wir ein­an­der die Hän­de rei­chen.“
    Ange­lo Ron­cal­li, Johan­nes XXIII.

    Das sagt genug.

  17. Was man wirk­lich von Joh.XXIII. zu hal­ten hat, das kann man im Buch der gut infor­mier­ten Jour­na­li­stin Mar­ti­nez — Ball in ihrem Buch: DIE UNTERMINIERUNG DER KIRCHE nach­le­sen. Hier eine Kost­pro­be: Betrach­tet man die Ein­flüs­se, von denen Ange­lo Ron­cal­li von Jugend auf umge­ben war, die Anwe­sen­heit von ihrem Auf­trag fest ver­pflich­te­ten Män­nern wie Radi­ni-Tede­schi, Del­la Chie­sa, Gaspar­ri, Pacel­li und den Mon­ti­nis in sei­nem Leben, ist es kaum ein Wun­der, daß der jun­ge Pro­fes­sor Ron­cal­li durch die Schrif­ten Rudolf Stei­ners ver­wirrt wur­de, eines ehe­ma­li­gen Jün­gers von Kar­di­nal Ram­pol­las Ordo Tem­pli Ori­en­tes, der in den begin­nen­den zwan­zi­ger Jah­ren gera­de sei­ne eige­ne „Anthro­po­so­phie“ ent­wickel­te, oder daß Ron­cal­li sei­ne theo­lo­gi­schen Vor­le­sun­gen mit Stei­ners Theo­rien zu wür­zen anfing. Wie hef­tig die Reak­ti­on von Papst Rat­ti, Pius XI., war, als er davon erfuhr, kann man sich den­ken. Indes­sen ist klar, daß die „Graue Emi­nenz“ im Vati­kan, Staats­se­kre­tär Gaspar­ri, ein­ge­schrit­ten sein muß, um Ron­cal­li vor der Bestra­fung zu bewah­ren, oder wenig­stens vor einer här­te­ren Stra­fe als der, zur Bischofs­wei­he zuge­las­sen und in Nun­tia­tu­ren auf dem Bal­kan ver­bannt zu wer­den.

  18. @ PETRUS

    ja, und auf dem Bal­kan ist er dann 1935 Frei­mau­rer gewor­den! Es ist auch glaub­haft belegt, daß der Herr Nun­ti­us in Paris des don­ners­tags­abends in zivil geklei­det die Nun­tia­tur ver­ließ und sich in die Loge des Grand Ori­ent begab. Die­ser fei­ne Herr ist alles ander als ein „Hei­li­ger“ und das II. Vati­ca­num ist somit für MICH ein Werk Satan’s. Wäre ich Prie­ster, hät­te ich an sei­nem Gedenk­tag die Grip­pe…

    Lau­de­tur Jesus Chri­stus!

Kommentare sind deaktiviert.