Ist Maria die Mutter Gottes? Ein sokratischer Dialog

mariaMatt Fradd, der Ver­fas­ser die­ses sokra­ti­schen Dia­logs, wirkt nach sei­ner Bekeh­rung im Zuge des Welt­ju­gend­tags 2000 in Rom als Apo­lo­get, wobei er sei­nen Blick beson­ders auf Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne rich­tet. Ein wei­te­rer Schwer­punkt sei­ner Arbeit bil­det das Apo­sto­lat, Män­ner – und zuneh­mend Frau­en – von einem Leben mit Por­no­gra­fie zu einem Leben in Rein­heit zu füh­ren. Selbst in Austra­li­en gebo­ren, lebt Fradd mit sei­ner Frau Came­ron und den drei gemein­sa­men Kin­dern in Süd­ka­li­for­ni­en. Wir dan­ken Matt Fradd für die Erlaub­nis zur Über­set­zung der näch­sten Zei­len!

Der fol­gen­de Text ist ein fik­ti­ver Dia­log im sokra­ti­schen Stil zwi­schen John – einem Pro­te­stan­ten, der die Leh­re von Maria, der Mut­ter Got­tes („Theo­to­kos“), ablehnt – und Mark – einem Katho­li­ken, der dies (offen­kun­dig) nicht tut.

John: Hey Mark, war­um nen­nen Katho­li­ken Maria die „Mut­ter Got­tes“?
Mark: Äh … Weil sie die Mut­ter Got­tes ist?
John: Ich bin da ande­rer Mei­nung. Maria ist ein Geschöpf, sie ver­ur­sach­te Gott nicht.
Mark: Es stimmt, dass sie nicht die Quel­le ist, von der Gott kam, und natür­lich stim­me ich dir zu, dass sie ein blo­ßes Geschöpf ist, aber Maria ist die Mut­ter Jesu, und Jesus ist Gott, also ist Maria die Mut­ter Got­tes.
John: Tut mir Leid, das kau­fe ich dir nicht ab!
Mark: Was? Logik und Ver­nunft?
John: Mir scheint das nichts ande­res zu sein als ein katho­li­sches Wort­spiel, um Maria außer­ge­wöhn­li­cher zu machen als sie tat­säch­lich ist.
Mark: John, wen hat Maria gebo­ren?
John: Jesus Chri­stus, natür­lich, und ande­re Kin­der.
Mark: Wir kön­nen über die immer­wäh­ren­de Jung­fräu­lich­keit Mari­ens zu einem spä­te­ren Zeit­punkt dis­ku­tie­ren, einst­wei­len aber glaubst du, dass Maria Jesus Chri­stus gebo­ren hat.
John: Ver­zei­hung, ist das eine Fra­ge? Natür­lich glau­be ich das, ich habe das doch gera­de gesagt.
Mark: Und wer ist Jesus Chri­stus?
John: Okay, ich spie­le mit. Er ist der Erlö­ser der Welt.
Mark: Gut, also gebar Maria den Erlö­ser der Welt. Aber wer ist die­ser Erlö­ser der Welt? Wer ist Jesus?
John: Gott!
Mark: Bin­go!
John: Wer sagt denn bit­te­schön „bin­go“?
Mark: Was hät­te ich dei­ner Mei­nung nach sagen sol­len?
John: Genau ins Schwar­ze?
Mark: Ich blei­be bei „bin­go“. Also stimmst du mir zu, dass Maria Gott gebar, und doch wei­gerst du dich, Maria die Mut­ter Got­tes zu nen­nen?
John: Viel­leicht gebar sie sei­ne mensch­li­che Natur, aber nicht sei­ne gött­li­che Natur.
Mark: Gebä­ren Müt­ter Natu­ren oder Per­so­nen, John?
John: Okay, viel­leicht gabar sie Jesu mensch­li­che Per­son, aber nicht sei­ne gött­li­che Per­son.
Mark: Du hast gera­de demon­striert, war­um das Dog­ma von der Mut­ter­schaft Mari­ens („Theo­to­kos“) uner­läss­lich ist, um zu ver­ste­hen, wer Chri­stus ist. Chri­stus ist nicht mehr als eine Per­son, und Chri­stus ist kei­ne mensch­li­che Per­son. Er ist eine gött­li­che Per­son.
John: Klar, okay, ich ver­ste­he dei­nen Blick­win­kel. Ich schät­ze, ich den­ke nur, dass es die Leu­te ver­wirrt. Schließ­lich den­ken die Leu­te viel­leicht noch, dass Maria Gott vor­aus­geht oder so.
Mark: Das mögen sie den­ken, aber sie lägen falsch. Wür­dest du zustim­men, dass, nur weil etwas ver­wir­red oder letzt­lich unbe­greif­lich ist, es nicht dar­aus folgt, dass es falsch ist?
John: Ich bin ver­wirrt.
Mark: Aber das heißt nicht, dass das, was ich sage, falsch ist, rich­tig?
John: Mein Kopf schmerzt.
Mark: Mei­ner auch! Aber lass uns wei­ter­ma­chen. Wür­dest du zustim­men, dass die Leh­re von der aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit für vie­le Leu­te eine ver­wir­ren­de Leh­re ist? Wür­dest du zustim­men, dass bei­spiels­wei­se vie­le Mus­li­me, wenn sie von der Drei­fal­tig­keit hören, den­ken, dass wir Poly­the­isten sei­en? Dass wir drei Göt­ter ver­eh­ren?
John: Ja, da wür­de ich zustim­men.
Mark: Aber nur weil es ver­wir­red sein kann, die Leh­re von der Drei­fal­tig­keit zu erklä­ren, heißt das nicht, dass sie falsch ist, oder dass wir auf­hö­ren soll­ten, sie zu leh­ren, weil sie für Ver­wir­rung sor­gen kann. Das glei­che gilt für die­se Leh­re, eine Leh­re, an wel­cher die Kir­che bestän­dig für mehr als 2000 Jah­re fest­ge­hal­ten hat. Ver­nimm die Wor­te des Johan­nes Cas­sia­nus (geb. um 360, gest. um 435), der gegen einen Mann mit dem Namen Nesto­ri­us schrieb – ein Mann, der den glei­chen Feh­ler beging, den du begehst, indem du dich wei­gerst anzu­er­ken­nen, dass die aller­se­lig­ste Maria die Mut­ter Got­tes war und ist.

Und so sagst du, o Häre­ti­ker, wer immer du sein magst, der du leug­nest, dass Gott von der Jung­frau gebo­ren wur­de, [der du behaup­test,] dass Maria, die Mut­ter unse­res Herrn Jesus Chri­stus, nicht „Theo­to­kos“ genannt wer­den soll­te, also Mut­ter Got­tes, son­dern „Chri­sto­to­kos“, also nur die Mut­ter Chri­sti, nicht Got­tes.

Denn nie­mand, so sagst du, bringt her­vor, was zeit­lich vor­an­ge­hend war. Und über die­ses völ­lig törich­te Argu­ment, wonach du denkst, dass die Geburt Got­tes von einem sinn­li­chen Ver­stand erfasst wer­den kann, und meinst, dass das Geheim­nis Sei­ner Maje­stät durch mensch­li­ches Den­ken erklärt wer­den kann, wer­den wir, so Gott erlaubt, spä­ter etwas sagen. In der Zwi­schen­zeit wer­den wir nun durch gött­li­che Zeug­nis­se bewei­sen, dass Chri­stus Gott ist, und dass Maria die Mut­ter Got­tes ist.

John: Wow, dei­ne Logik ist unan­fecht­bar. Ich habe mei­ne Mei­nung voll­stän­dig geän­dert.
Mark: Wirk­lich?
John: Nein.
Mark: Soso, ich ver­ste­he …

Text: Matt Fradd/ Über­set­zung: M. Bene­dikt Bue­r­ger
Bild: Mae­sta‚, Vor­der­sei­te, Predel­la: Die Ver­kün­dung 1308 — 1311

27 Kommentare

  1. Naja — der Schluss ist ja nicht so ganz über­zeu­gend. Außer­dem ist der Dia­log auch zu knapp, um Über­zeu­gun­gen zu schaf­fen. Da soll­te noch was kom­men, oder?
    Vor allem birgt das Zitat am Schluss von Cas­si­an ja lei­der gar kein Argu­ment, son­dern nur eine rhe­to­ri­sche Abwehr des Nesto­ria­ners. Mit dem Argu­ment, dass man hier etwas zu glau­ben habe, was dem Ver­stand zuwi­der lau­fe, wird einen Men­schen über­zeu­gen, der bereits glaubt, aber nicht einen, der noch nicht glaubt…

    Mut­ter­schaft setzt nicht zwin­gend vor­aus, dass das Wesen, das ich zeu­ge und gebä­re, zeit­lich nach mir kommt. Es setzt nur vor­aus, dass die­ses Wesen dem Fleisch nach nach mir — wie­der­um dem Fleisch nach — ins Leben kommt. Nie­mand weiß jedoch, ob wir gei­stig schon irgend­wo gewe­sen sind. Ich behaup­te dies nicht, son­dern will damit vor Augen füh­ren, dass wenn das so wäre, trotz fleisch­li­chen Nach­ein­an­ders ein gei­sti­ges Zugleich oder eine sogar umge­kehr­te Abfol­ge sein könn­te.

    Der sprin­gen­de Punkt ist bei der Emp­fäng­nis Jesu, dass Maria IHN zuerst dem Gei­ste nach und erst danach dem Flei­sche nach emp­fing. Im Fall einer natür­li­chen Mut­ter­schaft ergibt sich eine Emp­fäng­nis aus­schließ­lich dem Fleisch nach. Sie emp­fing IHN ja nicht in sinn­li­cher Lust, wie wir es natür­li­cher­wei­se tun, son­dern, weil Ihr Geist gna­den­haft IHN auf­nahm (auf­neh­men durf­te), IHN, den Gott. Sie sag­te dazu „Fiat“, schenk­te IHM Ihr Fleisch, damit ER Mensch wer­den konn­te, klei­de­te IHN also mit Ihrem Fleisch. das heißt, dass man weni­ger auf die­se müt­ter­li­che zeu­gungs­tä­tig­keit Wert legt, wenn es um Gott geht, als um die Tat­sa­che, dasss Sie IHM Ihr Fleisch schenk­te, IHm — also Gott, nicht einem blo­ßen Men­schen. Alles ande­re wäre im übri­gen unlo­gisch und wür­de die Gott­heit Jesu Chri­sti her­ab­wür­di­gen. Das ist auch der unge­fäh­re Dis­kus­si­ons­ver­lauf in Ephe­sus und die Begrün­dung für die dog­ma­ti­sche Ent­schei­dung damals.
    For­mell ist Chri­stus voor­ran­gig eine gött­li­che Per­son, die man nicht zer­pflücken kann in einen mensch­li­chen und einen gött­li­chen Teil. Er ist Gott, der das Mensch­sein in sich auf­ge­nom­men hat — nicht ein Mensch, der das Gott­sein in sich auf­ge­nom­men hat!

    Bin gespannt, ob da noch was kommt in Marks Argu­men­ta­ti­on…

  2. Ein schwa­cher Dia­log. Ent­we­der nimmt man gleich den Kate­chis­mus mit sei­nen prä­zi­sen Fra­gen und Ant­wor­ten. Jeder glau­bens­treue Prie­ster, jeder glau­bens­treue Reli­gi­ons­leh­rer, jede glau­bens­treue Kate­che­tin nimmt sich dafür Zeit. Ein locker flocki­ger Dia­log bana­li­siert eine wich­ti­ge Glau­bens­wahr­heit.
    Ohne Kate­chis­mus ist deut­lich her­vor­zu­he­ben: Jesus Chri­stus ist wah­rer Gott und wah­rer Mensch. Das ist geof­fen­bart, unser mensch­li­cher Ver­stand kann das aus eige­ner Kraft nicht erfas­sen und ver­ste­hen.
    Der Logos, die zwei­te gött­li­che Per­son, „ent­sag­te sei­ner selbst, nahm Knechts­ge­stalt an“ (Phil 2, 7a). Es ist mit unse­rem Ver­stand nicht zu fas­sen: Gott wird Mensch, mit allen Kon­se­quen­zen. Das heißt, er nistet sich in den Schoß einer Frau ein, er reift her­an, wird gebo­ren, in Win­deln gewickelt, genährt.
    Der Gott­mensch Jesus Chri­stus ist Sohn der Jung­frau Maria. Die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria ist Got­tes­ge­bä­re­rin. Und das bleibt sie auch. Jesus Chri­stus streift sei­ne Mensch­heit nicht mehr ab, so wie man eine unbrauch­bar gewor­de­ne Hül­le abstreift. Sei­ne Gott­heit und sei­ne Mensch­heit gehö­ren untrenn­bar zusam­men. Doch die hei­li­ge Mensch­heit hat­te einen Anfang. Mit der Ver­kün­di­gung des Engels, dem gläu­bi­gen, gehor­sa­men JA der aller­se­lig­sten Jung­frau Maria, dem Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes.

    Der Logos, die zwei­te gött­li­che Per­son, Gott Sohn, ist anfang­los, ewig. Die Aller­hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit ist ewig.
    Wir soll­ten uns hüten, den Ein­druck auch nur ansatz­wei­se zu erwecken, die aller­se­lig­ste Jung­frau habe irgend­et­was mit den Her­vor­gän­gen inner­halb der Drei­fal­tig­keit zu tun. Gera­de in unse­rer Zeit, in der das Glau­bens­wis­sen gegen Null ten­diert. Ein sol­cher Ein­druck wäre ein Rück­fall in fin­ste­res Hei­den­tum.

    Ich hal­te nichts von die­sen leicht­fer­ti­gen Dia­lo­gen, auch wenn sie sicher gut gemeint sind. Die zen­tra­len Glau­bens­wahr­hei­ten sind nicht so locker abzu­han­deln. Die Gefahr, sie ins Tri­via­le run­ter­zu­zie­hen, ist zu groß. Unse­re meist ungläu­bi­gen Zeit­ge­nos­sen war­ten nur dar­auf, dass wir Vor­wän­de lie­fern, damit sie über den Glau­ben lästern kön­nen.

    In aller Regel muss man sich Zeit neh­men im Gespräch über unse­ren Glau­ben. Und wirk­lich Suchen­de, Fra­gen­de, ver­ste­hen das auch. Sie wol­len nicht mit schnel­len Ant­wor­ten abge­speist wer­den. Schnel­le Ant­wor­ten neh­men sie uns mit Recht nicht ab. Und sie haben recht.

  3. Zum Arti­kel pas­send: Der hl. Vin­zenz v. Lerin ( fest. vor 450) aus sei­nem Werk “ Com­mo­ni­to­ri­um“
    über die Got­tes-Mut­ter­schaft der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria:
    -

    [.…]
    „Die­se Ein­heit der Per­son in Chri­stus ist also
    kei­nes­wegs
    erst nach der jung­fräu­li­chen Geburt,
    son­dern schon im Schö­ße der Jung­frau her­ge­stellt und voll­endet wor­den. Denn gar sehr müs­sen wir dar­auf sehen,
    daß wir Chri­stus nicht bloß als einen,
    son­dern als immer­dar einen beken­nen,
    weil es eine uner­träg­li­che Läste­rung wäre, wenn man zwar zuge­steht,
    er sei gegen­wär­tig einer, aber doch behaup­tet,
    er sei ein­mal nicht einer, son­dern zwei gewe­sen,
    einer näm­lich nach der Zeit sei­ner Tau­fe , zwei aber zur Zeit sei­ner Geburt.
    Die­ser Unge­heu­ern Got­tes­lä­ste­rung
    wer­den wir für­wahr nicht anders ent­ge­hen kön­nen,
    als wenn wir beken­nen,
    daß der Mensch mit Gott in
    Ein­heit der Per­son ver­ei­nigt wor­den sei,
    nicht von sei­ner Him­mel­fahrt oder Auf­er­ste­hung oder Tau­fe an,
    son­dern schon in der Mut­ter, im Mut­ter­scho­ße, ja sogar schon bei der jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis.
    Wegen die­ser Ein­heit der Per­son wird ohne Unter­schied und Tren­nung
    sowohl was Gott eigen­tüm­lich ist dem Men­schen,
    als auch was dem Flei­sche eigen­tüm­lich ist Gott zuge­schrie­ben.
    Daher stammt auch, was in der Hei­li­gen Schrift steht:
    sowohl der Sohn des Men­schen sei vom Him­mel her­ab­ge­stie­gen ,
    als auch, der Herr der Herr­lich­keit ist gekreu­zigt auf Erden;
    daß fer­ner, obschon nur das Fleisch des Herrn gewor­den,
    nur das Fleisch des Herrn geschaf­fen war,
    gesagt wird, das Wort Got­tes selbst sei gewor­den ,
    die Weis­heit Got­tes selbst sei erfüllt ,
    die All­wis­sen­heit erschaf­fen wor­den ,
    wie in der Weis­sa­gung von einer Durch­boh­rung sei­ner Hän­de und Füße berich­tet wird.
    Eine Fol­ge die­ser Ein­heit der Per­son ist auch,
    sage ich, ein ähn­li­ches Myste­ri­um, daß es näm­lich,
    weil das Fleisch des Wor­tes aus der unver­sehr­ten Jung­frau gebo­ren wur­de,
    echt katho­lisch ist zu glau­ben,
    das Wort Got­tes selbst sei aus der Jung­frau gebo­ren wor­den,
    und daß es ganz gott­los ist, dies zu leug­nen.

    Und dar­um sei es fer­ne,
    daß jemand die hei­li­ge Jung­frau der Vor­rech­te der gött­li­chen Gna­de
    und ihres ein­zig­ar­ti­gen Ruh­mes zu berau­ben suche;
    denn sie ist durch die Gna­de unse­res Herrn und Got­tes,
    ihres Soh­nes, im wahr­sten und selig­sten Sin­ne als
    Got­tes­mut­ter zu beken­nen,
    jedoch nicht in der Wei­se als Got­tes­ge­bä­re­rin,
    wie es eine gott­lo­se Häre­sie ver­meint ,
    daß ihr Name Got­tes­mut­ter ein blo­ßer Ehren­ti­tel sei,
    weil sie näm­lich den Men­schen gebo­ren habe,
    der nach­her Gott gewor­den ist;
    in die­sem Sin­ne nen­nen wir eine Frau Mut­ter eines Prie­sters oder Mut­ter eines Bischofs,
    die nicht einen sol­chen gebo­ren hat, der schon Prie­ster oder Bischof war,
    son­dern einen sol­chen Men­schen gebo­ren hat, der nach­her Prie­ster oder Bischof gewor­den ist.
    Nicht so, sage ich, ist die hl. Maria Got­tes­ge­bä­re­rin,
    son­dern viel­mehr dar­um, weil,
    wie oben bemerkt wur­de,
    schon in ihrem gehei­lig­ten Schö­ße jenes hoch­hei­li­ge Geheim­nis sich voll­zo­gen hat,
    daß infol­ge einer beson­de­ren und ein­zig­ar­ti­gen Ein­heit der Per­son,
    wie das Wort im Flei­sche Fleisch,
    so der Mensch in Gott Gott ist.

  4. Heu­te ist Mitt­woch nach Ostern. Des­halb wer­de ich mich an aus­ufern­den „maria­ni­schen Debat­ten“, die hier lei­der in der letz­ten Zeit rapi­de zuneh­men, nicht betei­li­gen. Nach­dem ich den dog­ma­ti­schen Hin­ter­grund erläu­te­re.
    Der Hin­ter­grund des Titels Got­tes­ge­bä­re­rin ist die Irr­leh­re des Nesto­ri­us, 428 als Patri­arch von Kon­stan­ti­no­pel ein­ge­setzt. Er pre­dig­te gegen den ent­ste­hen­den Mari­en­kult. Des­halb, weil er lehr­te: Chri­stus besit­ze zwei Per­so­nen: Eine gött­li­che und eine mensch­li­che. Maria habe die mensch­li­che Per­son gebo­ren, sie sei des­halb nicht Got­tes­ge­bä­re­rin, Theo­to­kos, son­dern Chri­stus­ge­bä­re­rin.
    Der Hin­ter­grund ist die chri­sto­lo­gi­sche Irr­leh­re, wonach es zwei Per­so­nen in Jesus Chri­stus gebe, eine gött­li­che und eine mensch­li­che. Das ist die Häre­sie. Denn in Jesus Chri­stus gibt es eine Per­son: Die gött­li­che Per­son. Die die Mensch­heit ange­nom­men hat, die Mensch gewor­den ist. Eine Per­son, gött­lich, zwei Natu­ren: gött­lich und mensch­lich. Vor uns steht der Gott­mensch.
    „Wenn jemand nicht bekennt, dass der Emma­nu­el (Chri­stus) in Wahr­heit Gott ist und dass des­we­gen die hei­li­ge Jung­frau Got­tes­ge­bä­re­rin ist — denn sie hat dem Flei­sche nach den aus Gott stam­men­den fleisch­ge­wor­de­nen Logos gebo­ren — so sei er aus­ge­schlos­sen.“ Kon­zil von Ephe­sus, 431. DH 252.
    „Das Dog­ma der Got­tes­mut­ter­schaft Mari­ens umfasst zwei Wahr­hei­ten:
    a) Maria ist wahr­haft Mut­ter, d.h. sie hat zur Bil­dung der mensch­li­chen Natur Chri­sti all das bei­getra­gen, was jede ande­re Mut­ter zur Bil­dung der Lei­bes­frucht bei­trägt.
    b) Maria ist wahr­haft Got­tes­mut­ter, d. h. sie hat die zwei­te Per­son der Gott­heit emp­fan­gen und gebo­ren, frei­lich nicht der gött­li­chen Natur nach, son­dern der ange­nom­me­nen mensch­li­chen Natur nach.“ (Lud­wig Ott, Grund­riss der Dog­ma­tik, S. 289, 290.)
    Es ist Dog­ma. Nach katho­li­schem Glau­ben sind Dog­men nicht mehr zu hin­ter­fra­gen, zu inter­pre­tie­ren. Der Wort­laut gilt.
    Genau des­halb hat das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil kein Dog­ma ver­kün­det. Son­dern in allen Doku­men­ten den unkla­ren, aus­leg­ba­ren, aus­ufern­den Erzähl- und Pre­digt­stil gewählt. Seit­dem erstickt der katho­li­sche Glau­be unter Häre­si­en jeder denk­ba­ren Art.
    Die dafür ver­ant­wort­li­chen Päp­ste, Johan­nes XXIII. und Johan­nes Paul II. wer­den am kom­men­den Sonn­tag hei­lig­ge­spro­chen. Es ist eine Kata­stro­phe für die Kir­che. Der Selig­spre­chungs­pro­zess Paul VI., des Haupt­schul­di­gen, läuft auf Hoch­tou­ren. Dass sich die katho­li­sche Kir­che jemals in einer solch bedroh­li­chen Situa­ti­on befun­den hat, darf bezwei­felt wer­den. Das ist kein Dog­ma. Das ist mei­ne per­sön­li­che Mei­nung…
    Um abschlie­ßend noch Mal auf das Dog­ma zurück­zu­kom­men: Maria ist kei­nes­falls die Mut­ter des Logos, der zwei­ten gött­li­chen Per­son, des Soh­nes Got­tes. Des­we­gen darf sie nicht ange­be­tet wer­den.
    Maria hat den Gott­men­schen Jesus Chri­stus gebo­ren: Wah­rer Gott und wah­rer Mensch. Des­we­gen ist sie Got­tes­ge­bä­re­rin. Ihr gebührt nicht Anbe­tung, son­dern die Hoch­ver­eh­rung. Sie steht über allen Engeln und Hei­li­gen. Das macht ihr Wesen nicht gött­lich. Sie ist Mensch.

    • ihre obi­ge per­sön­li­che Mei­nung lässt mich ket­ze­risch ver­sucht wei­ter denken:wann wer­den Bugnini,oder ganz beson­ders Hans Küng ‚Leo­nar­do Boff etc. nach deren Able­ben hei­lig­ge­spro­chen?
      dage­gen hilft-ganz in Ihrem Sin­ne die rich­tig ver­stan­de­ne Mari­en­ver­eh­rung sobrie-nüch­tern und doch gott­trun­ken von den Kir­chen­vä­tern-Eph­rem dem Syrer-Ber­hard von Clairvaux etc..So das gewal­ti­ge Lob an die aller­se­lig­ste Jung­frau im Beten der Kir­che:
      :cunc­tas hae­re­ses sola inter­emi­sti-ora pro nobis sanc­ta die gene­trix!

  5. Die Kir­che hat das _mehr als 2000 Jahre_ gelehrt? Hal­ten zu Gna­den, die­ser Dia­log ist doch für Doo­fe! Damit kann man nie­man­den über­zeu­gen, der nicht schon glaubt — zumal am Schluß nicht mal der Dia­log­part­ner über­zeugt zu sein scheint. Schwa­che Argu­men­ta­ti­on, flap­si­ge, unver­bind­li­che Spra­che, unglaub­wür­di­ge Mei­nungs­än­de­run­gen: das konn­te Pla­ton sehr viel bes­ser.

    Auf eng­lisch heißt so etwas „prea­ching to the saved“.

  6. Fol­gen­der Hin­weis:

    „Theo­to­kos“ heißt nicht „Got­tes­mut­ter“, son­dern „Got­tes­ge­bä­re­rin“.
    Außer in dem „Ave Maria“ wird mei­stens auch „Got­tes­ge­bä­re­rin“ oder „Dei Geni­trix“ ver­wen­det, zum Bei­spiel im (tra­di­tio­nel­len) Ange­lus: „Bit­te für uns, hei­li­ge Got­tes­ge­bä­re­rin“ / „Ora pro nobis, sanc­ta Dei Geni­trix“

  7. Noch ein Hin­weis:

    Chri­stus ist nicht irgend­ei­ne mensch­li­che Per­son, son­dern die zwei­te Per­son des einen gött­li­chen Wesens, aus dem Vater gebo­ren vor aller Zeit. So lehrt es das Gro­ße Glau­bens­be­kennt­nis.

  8. Allen pro­te­stan­ti­sie­ren­den Lef­eb­vri­sten und Frau­en­ver­äch­tern, die zwi­schen einer „Mut­ter“ und einer „Gebä­re­rin“ eine Dif­fe­renz machen wol­len (also: eine Gebär­ma­schi­ne!) sei­en von ihren Kate­chis­men mal auf Lehr­schrei­ben der Päp­ste ver­wie­sen — denn die sind in erster Linie die unfehl­ba­ren Leh­rer.

    Katho­lisch ist das, was Papst Pius X. in „Ad diem illum“ schrieb:

    Er bezieht sich auf ewig „Unzu­frie­de­ne“, denen es nicht recht genug zuzu­ge­hen scheint und sagt: „Sol­che „Klein­gläu­bi­ge“ ver­die­nen Tadel; sie neh­men sich nicht genü­gend Mühe, die Wer­ke Got­tes zu über­den­ken und ihren tie­fen Wahr­heits­ge­halt aus­zu­schöp­fen. Denn wer ver­mag die gehei­men Gna­den­schät­ze zu ermes­sen und auf­zu­zäh­len, die Gott auf die Ver­mitt­lung der selig­sten Jung­frau hin die­se gan­ze Zeit hin­durch der Kir­che zuge­wen­det hat?“

    „Der Haupt­grund aber, wes­halb Wir wün­schen, dass die fünf­zig­jäh­ri­ge Jubel­fei­er der Erklä­rung der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis Mari­ens als Glau­bens­satz in der christ­li­chen Welt eine Bewe­gung reli­giö­ser Ver­tie­fung ein­lei­ten möch­te, ist jener Wahl­spruch, den Wir neu­lich in Unse­rem Rund­schrei­ben aus­ge­spro­chen haben, „alles in Chri­stus zu erneu­ern“. Jedem Ein­sich­ti­gen ist es ja klar, dass es kei­nen siche­re­ren und leich­te­ren Weg gibt, alle mit Chri­stus zu ver­ei­ni­gen und durch ihn die voll­kom­me­ne Kind­schaft zu erlan­gen, damit wir selig und makel­los vor Gott sei­en, denn Maria.“

    „Aus all dem (der geschich­te, wie Maria IHN emp­fing) aber folgt not­wen­dig, dass sei­ne hei­lig­ste Mut­ter an die­sen gött­li­chen Geheim­nis­sen teil­ge­nom­men hat und dass die­se ihr zur Bewah­rung gleich­sam anver­traut sind. Nach Chri­stus muss Maria als das vor­nehm­ste Fun­da­ment ange­se­hen wer­den, auf dem das Glau­bens­ge­bäu­de durch alle Jahr­hun­der­te hin­durch auf­ge­führt wer­den soll.“

    „Oder hät­te Gott viel­leicht nicht auf einem ande­ren Wege als durch die Jung­frau uns den Wie­der­her­stel­ler des Men­schen­ge­schlech­tes und Urhe­ber des Glau­bens schen­ken kön­nen? Nun hat es aber der Ewi­ge nach dem Rat­schluss sei­ner gött­li­chen Vor­se­hung gefügt, uns den Gott­men­schen durch Maria zu geben, die, über­schat­tet vom Hei­li­gen Gei­ste, ihn in ihrem Scho­ße getra­gen; dar­um bleibt uns gar kei­ne ande­re Wahl, als dass wir Chri­stus emp­fan­gen aus den Hän­den Mari­ens. Des­halb erscheint auch jedes Mal, wenn die Hei­li­ge Schrift in sehe­ri­schen Wor­ten von unse­rer künf­ti­gen Erlö­sung spricht, neben dem Welt­erlö­ser sei­ne hei­li­ge Mut­ter.“

    „Nie­mand für­wahr, der bedenkt, dass die Jung­frau ein­zig und allein es gewe­sen, mit der Jesus wie eben ein Sohn mit sei­ner Mut­ter drei­ßig Jah­re lang häus­li­chen Umgang pfleg­te und durch die innig­ste Lebens­ge­mein­schaft ver­bun­den war, kann dar­an zwei­feln, dass sie und sonst nie­mand uns den Zugang zur Erkennt­nis Chri­sti zu eröff­nen ver­mag. Wer hät­te denn tie­fer als sie, die Mut­ter, das Geheim­nis der Geburt und der Kind­heit Chri­sti erfas­sen kön­nen, vor allem das Geheim­nis der Mensch­wer­dung, das den Anfang und das Fun­da­ment des Glau­bens bil­det?“

    (http://www.stjosef.at/dokumente/ad_diem_illum_laetissimum.htm)

    • „Lef­eb­vri­sten“ pro­te­stan­ti­sie­ren nicht, und der Titel „theo­to­kos“, die­ser erste und eigent­li­che Titel der hei­lig­sten Maria, bedeu­tet „Got­tes­ge­bä­re­rin“; dage­gen bedeu­tet die­ser Titel weder „Got­tes­mut­ter“ noch „Got­tes­ge­bär­ma­schi­ne“.

      • So ein Unsinn!
        Der Titel „Got­tes­mut­ter“ ist all­ge­mein üblich in der Kir­che! Und war­um? Weil eine „Gebä­re­rin“, soll­te man sie nicht bloß als Gebär­ma­schi­ne betrach­ten, eben immer die Mut­ter ist.
        Zumal Maria ja tat­säch­lich nicht nur die leib­li­che, son­dern auch die sozia­le Mut­ter Jesu war.
        Es gibt kei­nen Unter­schied zwi­schen der Gebä­re­rin und der Mut­ter.
        Oder wol­len Sie als mann, der sein Kind auf­zieht, als „Erzeu­ger“ bezeich­net wer­den und den Titel „Vater“ aberkannt bekom­men?

        • Im übri­gen emp­feh­le ich Ihnen drin­gend die Lek­tü­re der Hl. Schrift. Dort ist hin­sicht­lich Jesu stets die Rede von sei­ner „Mut­ter“ oder von „der Frau“. Das Wort „Gebä­re­rin“ kommt nir­gends vor.

          Eli­sa­beth nennt Maria „Mut­ter des Herrn“ (wobei der „Herr“ ein­deu­tig und immer und durch­ge­hend im jüdi­schen Kon­text Gott selbst ist).

          Das ist eine die­ser sinn­lo­sen Debat­ten, die einst der Pro­te­stan­tis­mus ange­zet­telt hat und nur zu einem dient: Maria her­ab­zu­wür­di­gen.
          Am Sach­ver­halt aber lässt sich nun mal nicht rüt­teln. Auch Ihnen sei „Ad diem illum“ von Pius X. emp­foh­len.

      • @ zeit­schnur:

        „theo­to­kos“ ist nun ein­mal der von der Kir­che gege­be­ne Titel der hei­lig­sten Maria, und die­ser Titel bedeu­tet „Got­tes­ge­bä­re­rin“. Wol­len Sie jetzt das Alt­grie­chi­sche ver­ge­wal­ti­gen?

        In dem von Ihnen selbst zitier­ten Dog­ma von Ephe­sos wird die hei­lig­ste Maria als „Got­tes­ge­bä­re­rin“ bezeich­net, also neh­men Sie ganz ein­fach die­se Tat­sa­chen hin.

        Und ich habe ja schon ein­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, daß „Theo­to­kos“ nicht „Got­tes­ge­bär­ma­schi­ne“ bedeu­tet. Also ver­fäl­schen Sie bit­te nicht!

        Die Kir­che hat durch den Titel „Theo­to­kos“ (= Got­tes­ge­bä­re­rin) die hei­lig­ste Maria kei­nes­wegs her­ab­ge­setzt.

        • Wol­len Sie der Kir­che „Ver­ge­wal­ti­gung des Alt­grie­chi­schen“ unter­stel­len?
          Die Kir­che hat selbst hat ja wech­sel­wei­se den Titel „Got­tes­mu­ter“ für die „Got­tes­ge­bä­re­rin“ benutzt und tut es noch. Wäre das nicht in ord­nung, hät­te das Lehr­amt das bean­stan­det. das Lehr­amt hat nun aber selbst den Titel „Got­tes­mut­ter“ viel­fach ver­wen­det.

          Ein jün­ge­res Bei­spiel aus „Ad diem illum“ (1904) von Pius X.:

          „Oder ist Maria nicht die Mut­ter Chri­sti? Dann ist sie aber auch unse­re Mut­ter. (…) Die aller­se­lig­ste Jung­frau ist also zugleich MUTTER GOTTES und Mut­ter der Men­schen. — Ohne Zwei­fel wird sie des­halb alles auf­bie­ten, damit Chri­stus, „das Haupt des Lei­bes, der Kir­che“, uns als sei­nen Glie­dern alle sei­ne Gna­den­schät­ze mit­tei­le, vor allem, damit wir ihn erken­nen und „durch ihn leben.“

          Sie wis­sen doch ganz enau, dass nicht das Fest­kle­ben an toten Buch­sta­ben die wah­re Aus­le­gung der Leh­re bedeu­tet (das wäre ja die pro­te­stan­ti­sche Häre­sie), son­dern die leben­di­ge Aus­le­gung durch das unfehl­ba­re Lehr­amt.

          Wenn also das leben­di­ge Lehr­amt die „Got­tes­ge­bä­re­rin“ ganz ver­nünf­tig und natür­lich im Sin­ne der „Got­tes­mut­ter“ ver­stan­den und auch aus­drück­lich so bezeich­net hat, sind Sie und nie­mand nicht befugt, dar­an einen Zwei­fel zu erhe­ben.

          Und die­se Enzy­kli­ka ist nur ein klei­nes Bei­spiel. Man könn­te Dut­zen­de lehr­amt­li­cher Tex­te nen­nen, die das­sel­be aus­sa­gen.

      • @Seefeld
        Regen Sie sich nicht auf. Hier geht es um poli­ti­cal cor­rect­ness bzw. reli­gious­ly cor­rect­ness. Den Titel Dei Geni­trix soll­ten Sie als pro­te­stan­ti­sie­ren­der Leve­b­vrist oder Frau­en­ver­äch­ter künf­tig nicht mehr erwäh­nen, sonst haben Sie die Femi­ni­stin­nen am Hals. Nur noch „Mut­ter“ sagen, dann lie­gen Sie rich­tig. — Iro­nie Ende. Und Tschüß.

  9. Was den Nesto­ria­nis­mus betrifft, kann die For­schung nicht rekon­stru­ie­ren, ob er tat­säch­lich die hypo­sta­ti­sche Uni­on bestrit­ten hat. Es muss daher berich­tigt wer­den:

    Nestor setz­te sich ab von der Leh­re, dass Chri­stus eine gött­li­che Per­son gewe­sen sei, die sich gewis­ser­ma­ßen als Mensch „ver­klei­det“ habe (mono­phy­si­ti­sche Posi­ti­on).
    Ihm ging es dar­um, dass Jesus tat­säch­lich Mensch war.
    Er wehr­te nicht den auf­kom­men­den Mari­en­kult ab.
    Es scheint viel­mehr, dass er den Titel „Theo­to­kos“ nicht glück­lich fand, weil auch in den heid­ni­schen Kul­ten der dama­li­gen Zeit, eine Got­tes­mut­ter ver­ehrt wur­de. Nesto­ri­us woll­te jeden Anklang an die Ver­eh­rung heid­ni­scher Göt­tin­nen ver­mei­den — aber nicht die Ver­eh­rung ein­schrän­ken, die Maria gebührt. (Ott, Grund­riss der Dog­ma­tik, Bonn 2005)

    Das Pro­blem des Nesto­ri­us ist, dass er sich nicht aus­zu­drücken wuss­te und unglück­li­che For­mu­lie­run­gen wähl­te, die den Ein­druck ent­ste­hen lie­ßen, er habe zwei Per­so­nen in einer gelehrt.
    Tat­sa­che ist aber, dass die nesto­ria­ni­schen Kir­chen im Ori­ent die besag­ten Leh­ren gar nie ver­tre­ten haben.

    Nesto­ri­us befand sich in einer früh­christ­li­chen Gemenge­la­ge zwi­schen Mono­phy­si­tis­mus, Aria­nis­mus und einem immer noch star­ken umge­ben­den Hei­den­tum. man muss also schon sehr genau hin­se­hen, bevor man hier etwas behaup­tet — zu sehr ist die Welt des 5. Jh ver­schie­den von der unse­ren.

    Das Dog­ma von Ephe­sus lau­tet ori­gi­nal:

    „Wenn jemand nicht bekennt, dass der Ema­nu­el (Chri­stus) in Wahr­heit Gott ist und dass des­we­gen die hei­li­ge Jung­frau Got­tes­ge­bä­re­rin ist – denn sie hat dem Fleisch nach den aus Gott stam­men­den fleisch­ge­wor­de­nen Logos gebo­ren, so sei er aus­ge­schlos­sen.“

    Die­se For­mu­lie­rung betont, dass Chri­stus Gott ist. Wenn ER Gott ist, ist Sei­ne Mut­ter Got­tes­mut­ter. Wie in jeder guten Dog­ma­tik zu fin­den ist, ist sie damit aber nicht ein­fach eine natür­li­che Mut­ter. Wie der Engel es ihr sag­te, ist das, was sie da emp­fängt HEILIG. Sie hat den gött­li­chen Logos emp­fan­gen. Die Ver­leug­ner der hohen Stel­lung Mari­ens über­se­hen das ger­ne.

    Wer von uns Frau­en hät­te den gött­li­chen Logos mal ein­fach so nicht nur gebä­ren, son­dern auch erzie­hen kön­nen?

    Eine sün­di­ge Frau kann das nicht. Daher lehrt die Kir­che auch die Sünd­lo­sig­keit Mari­as und ihre erha­be­ne Stel­lung unter den Men­schen.

    Zum Glück ist das, was uns die Hei­li­ge Schrift über Maria bezeugt, bereits deut­lich:

    Eli­sa­beth nennt Maria „Mut­ter des Herrn“ (nicht bloß „Gebä­re­rin“ in die­sem reduk­ti­ven Sinn). Sie ver­ehrt Maria als die, die „unter den Frau­en gebe­ne­deit ist“. War­um? Weil die „Frucht des Lei­bes“ gebe­ne­deit, HEILIG, gött­lich ist.
    Der Engel begrüßt Maria mit „Ave“ — so wur­den nur Höher­ge­stell­te und Köni­ge begrüßt.
    Das Magni­fi­cat besingt bereits, dass alle Men­schen­ge­schlech­ter die­se Frau selig­prei­sen wer­den.
    Etc.

    Lese-Emp­feh­lung:
    M.J. Schee­ben (1835–1888): Die bräut­li­che Got­tes­mut­ter (im „Hand­buch der Dog­ma­tik“ des­sel­ben Autors)

    • Auch in die­sem Dog­ma von Ephe­sus lau­tet der Titel der hei­lig­sten Maria also „Got­tes­ge­bä­re­rin“ …

      • …aber nicht als Gegen­satz zur „Mut­ter“ — was soll das? Wenn ich die Gebä­re­rin mei­nes Soh­nes bin, bin ich auch sei­ne Mut­ter…

        • @zeitschnur, Sie machen da einen Wir­bel. Erin­nert das nicht ein wenig an Clau­dia Roth von den Grü­nen ver­sus Bischof Mixa? Und wozu das gan­ze? Got­tes­ge­bä­re­rin ist ein Ehren­ti­tel, ein zusätz­li­cher Aspekt, der der aller­se­lig­sten Jung­frau ver­lie­hen wur­de, da sie und nur sie allein den Erlö­ser gebo­ren hat.

          Mut­ter Got­tes ist EIN Titel, Got­tes­ge­bä­re­rin ist ein Zwei­ter Titel, und ein sehr schö­ner, denn Mut­ter ist ein offe­ner Begriff. Es gibt Leu­te, die sagen auch zur Schwie­ger­mut­ter Mut­ter. Auch eine Non­ne wird mit Mut­ter ange­spro­chen, obwohl sie es nur geist­li­cher­wei­se ist. Frü­her wur­den in man­chen Gegen­den alle älte­ren Frau­en mit Mut­ter ange­spro­chen.

          • Nein, das ist kein Wir­bel — nur unter­schät­zen vie­le Katho­li­ken, dass das Heil und die Wahr­heit an vie­len klei­nen Detail­fra­gen hängt. Und an allen Ecken und Enden wer­den Haa­re gespal­ten. Was den­ken Sie wohl, war­um es in der Kir­che so kata­stro­phal aus­sieht?

            Weil destruk­ti­ve Kräf­te aus allen Rich­tun­gen das, was in der Kir­che stets geglaubt wur­de, „dif­fe­ren­zie­ren“. Wachen Sie auf und ver­su­chen Sie, sich nicht aus zwei­ter und drit­ter Hand zu infor­mie­ren, son­dern direkt: aus der Hl. Schrift, aus den lehr­amt­li­chen Schrei­ben und Tex­ten ver­schie­den­ster Stu­fen.

            Ich tu das seit län­ge­rem und habe erst seit­her begrif­fen, was die Kir­che wirk­lich — wirk­lich! — lehrt.

            Des­halb ist mir auch klar­ge­wor­den, dass das, was als „Tra­di­ti­on“ ver­kauft wird, in vie­lem nur noch eine rei­ne Erfin­dung von Tra­di­ti­on ist.

            Wozu fängt einer wie See­feldt nun an, eine sol­che haar­spal­te­ri­sche Fra­ge in den Raum zu set­zen? Haben Sie sich die­se Fra­ge mal gestellt?
            Wahr­schein­lich ist Ihnen längst ent­gan­gen, dass er es war, der die­sen Wir­bel ange­zet­telt hat, weil sol­che Kom­men­ta­re dar­auf set­zen, dass die Leser am Schluss nicht mehr wis­sen, was oben und unten war.

            Was bleibt aber — nach den Stra­te­gien mas­sen­psy­cho­lo­gi­scher und pro­pa­gan­di­sti­scher Tech­nik hän­gen — gera­de beim beque­men Leser, der kei­nen Wir­bel ver­trägt?
            Es bleibt hän­gen, dass Maria ja gar nicht Got­tes­mut­ter, son­dern bloß Got­tes­ge­bä­re­rin ist.

            Glau­ben Sie mir, dass ich schon so vie­le Gesprä­che und Debat­ten live geführt und erlebt habe, dass ich Ihnen das zu 100% sagen kann — so kas­siert man einen Groß­teil der Leu­te.

            Das ist ver­gleich­bar mit der Ver­wir­rung, die neu­lich durch die „Dif­fe­ren­zie­rung“ zwi­schen der Gott­heit Jesu und sei­ner Mensch­lich­keit erzeugt wur­de. Wie vie­le Leu­te waren durch den Arti­kel Küb­les total ver­wirrt! das wis­sen Sie nicht, aber ich, wie vie­le gefragt haben, ja sogar an der Real­prä­senz zwei­fel­ten! (Denn das ist die logi­sche Fol­ge)

            Wir­bel ver­an­stal­ten also nicht die, die hier ver­su­chen, den Laden auf dem Tep­pich zu hal­ten, son­dern die­se Haar­spal­ter, die den um Glau­bens­treue bemüh­ten Katho­li­ken die letz­ten Glau­bens­ge­wiss­hei­ten neh­men.

  10. @zeitschnur
    „Denn wer ver­mag die gehei­men Gna­den­schät­ze zu ermes­sen und auf­zu­zäh­len, die Gott auf die Ver­mitt­lung der selig­sten Jung­frau hin die­se gan­ze Zeit hin­durch der Kir­che zuge­wen­det hat?“
    Ich dan­ke ihnen für die­sen Satz. Dis­kus­sio­nen über die Mut­ter Got­tes beson­ders wenn sie von Katho­li­ken geführt wer­den sind für mich befremd­lich und erin­nern mich an eine Infra­ge­stel­lung der aller­se­lig­sten Jung­frau. Wir sind katho­lisch und ohne die aller­se­lig­ste Jung­frau sind wir es nicht mehr.
    Per Mari­am ad Chri­stum.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Dan­ken Sie nicht mir — dan­ken Sie Pius X. — von dem ist doch der Satz.

      Aber anson­sten haben Sie voll­in­halt­lich recht. Dabei wis­sen wir aus der Gene­sis 3, dass Gott selbst Feind­schaft zwi­schen dem Satan und der Frau gesetzt hat. Der Satan hat die Frau (Eva) schon im Para­dies ange­grif­fen, weil mit ihr der Mensch in sei­ner kom­ple­men­tä­ren Anla­ge ver­voll­komm­net war und nun das „Eben­bild Got­tes“ (der ja eine Gemein­schaft ist!) dar­stel­len konn­te. Nur bei der Nen­nung von mann UND Frau spricht die Gene­sis von der „Ima­go Dei“ — bei Adam allein auf­fal­len­der­wei­se noch nicht. Sie war die letz­te Schöp­fung, und der Satan hasst sie dafür, dass mit ihr der Mensch Gott nun ganz abbil­de­te.
      So war es und so bleibt es.
      Des­halb ist für die, die der Hass Satans zuerst traf und ver­führ­te (Eva), not­wen­di­ger­wei­se eine zwei­te Eva beru­fen (aus Gna­de), die erst recht vom Satan gehasst wird, ihm aber nicht auf den Leim ging und geht und so auch den neu­en Adam her­vor­brin­gen konn­te (aus Gna­de).
      Der Hass des Satans hat dar­um stets beson­ders die Frau getrof­fen, durch Her­ab­wür­di­gung, Ver­skla­vung, Schän­dung.
      Ich dan­ke Gott von gan­zem Her­zen, dass ER die­sen Fluch über der Frau in Sei­ner gro­ßen Gna­de in Maria auf­ge­ho­ben hat! Wie Pius X. es schreibt, hät­te ER es auch anders anstel­len kön­nen, ins Fleisch zu kom­men. ER woll­te aber über die Frau ins Fleisch kom­men, über die Frau, der ER damit zugleich wie­der die höch­ste Wür­de ver­lie­hen hat, die ER ursprüng­lich für alle Men­schen dach­te. Wie könn­ten wir Maria für Ihren Wil­len, der sich ganz ver­ei­nig­te mit SEINEM Wil­len, nicht selig­prei­sen, wie die Schrift es sagt?

      Es ist nach wie vor gro­ße Gefahr für die Frau­en: weil sie eben die­se gro­ße Chan­ce und Erhe­bung durch IHN, die die erste der Frau­en als „Avant­gar­de“ gewis­ser­ma­ßen vor­macht, nicht für sich haben wol­len, son­dern ableh­nen. All die wun­der­ba­ren Früch­te, die Maria aus­tei­len darf, wol­len die Frau­en nicht. Offen­bar auch vie­le, die sich für tra­di­tio­nell hal­ten.
      Es soll­te allen Frau­en zu den­ken geben, die hier gegen die Wür­de, ja sogar den Vor­rang, den sie auf­grund der gro­ßen Gna­de Got­tes über Maria haben, abwei­sen und lie­ber die getre­te­ne Frau blei­ben, die stets dem mann hin­ter­her­he­chelt, wohin­ge­gen die Män­ner, v.a. auch sehr vie­le Prie­ster (wofür ich auch Gott dan­ke — das ist das Zei­chen, dass sie recht­gläu­big sind), sich oft nicht zu fein sind, die­se Frau zu lie­ben und aus ihren Hän­den das zu emp­fan­gen, was der Sohn für alle erwirkt hat.

      Das ist der Inhalt der Enzy­kli­ka Pius X., und ich für mei­nen Teil bin sehr ger­ne bereit, mich als katho­li­sche und maria­ni­sche Frau jedem Prie­ster zu unter­stel­len, der das so ver­tritt, wie es die Kir­che vor dem Kon­zil all­ge­mein, danach nur noch durch die ver­tre­ten hat, die an den Leh­ren der Päp­ste vor Johan­nes XXIII. fest­hal­ten, sofern er das nicht mit Häre­si­en ande­rer Art ver­mischt.

  11. Noch mal zur Ver­sach­li­chung des Titels der Theo­to­kos:

    Got­tes­ge­bä­re­rin ist ein Titel, der einer­seits klar­stel­len soll­te, dass Maria Jesus wirk­lich gebo­ren hat wie eine natür­li­che Mut­ter ihr Kind gebiert. Es ging dabei um eine Abgren­zung von „gei­sti­gen“ Vor­stel­lun­gen, die Maria dann zur blo­ßen Zieh­mut­ter her­ab­ge­wür­digt hät­ten, die das Kind womög­lich nicht mal gebo­ren haben könn­te. Ein deut­li­cher Unter­schied wird hier auch zum Hl. Josef aus­ge­drückt, der tat­säch­lich nicht der „Erzeu­ger“, aber sehr wohl der Vater war, was auch die Schrift an kei­ner Stel­le in Fra­ge stellt.

    Den­noch ist die Tat­sa­che, dass der Hl. Geist voll­stän­dig Besitz von einer Frau ergrei­fen konn­te, um in ihr das Mensch­sein ins Gott­sein hin­ein­zu­neh­men, unaus­denk­bar und ein Myste­ri­um, für das die glü­hend­sten Wor­te nicht genü­gen kön­nen.

    Es steht also an die­ser Stel­le kei­nes­wegs die Mut­ter­schaft in Fra­ge, son­dern die Mut­ter­schaft wird prä­zi­siert: Maria ist nicht nur eine sozia­le Mut­ter des Gott­men­schen, son­dern tat­säch­lich leib­li­che Mut­ter, die, die IHN gebo­ren hat. Wie gesagt: ein unaus­denk­ba­rer Gedan­ke. Das Wort „Gebä­re­rin“ ver­schärft die Unaus­denk­bar­keit die­ses Myste­ri­ums noch.

    Ande­rer­seits ging es auf dem Kon­zil von Ephe­sus dar­um, die häre­ti­sche Auf­fas­sung abzu­weh­ren, dass in Jesus zwei getrenn­te Natu­ren sei­en, von denen die eine viel­leicht von Maria gebo­ren wur­de, die ande­re (gött­li­che) aber nicht.

    Im letz­ten Ende bedeu­te­te die­se Tren­nung den Wider­spruch zur Erlö­sungs­tat Got­tes. Wenn man Jesus zer­pfückt in sei­ne zwei Natu­ren, dann ist das eine Häre­sie.
    Aus die­sem Grund kann SEINE Mut­ter nicht nur die Mut­ter des Men­schen sein, son­dern die des Got­tes. Denn der Gott­mensch ist in erster Linie Gott und danach erst Mensch.

    Es ging aber auch gra­vie­rend um eine Abgren­zung von der Vor­stel­lung, dass Chri­stus nur ein ver­klei­de­ter Gott gewe­sen sei, der nur eine ein­zi­ge Natur, näm­lich die gött­li­che hät­te. Im AT heißt es, der Erlö­ser wür­de „gebo­ren von einer Frau“. Das heißt: ER kommt ganz und gar ins Mensch­sein, auch wenn ER dabei for­mell und vor­ran­gig gött­li­che Per­sön­lich­keit ist und bleibt.

    Um all die­se Aspek­te ein­flie­ßen zu las­sen, wähl­te man wohl die­sen neu­tra­len Titel für die Mut­ter Jesu Chri­sti, der Gott ist. Dass zur dama­li­gen Zeit paga­ne Mut­ter­gott­hei­ten ver­ehrt wor­den sei­en, ist eine Spe­ku­la­ti­on, für die viel spricht, und dass die Kir­che sich davon abgren­zen woll­te, ist dann eine in der Fol­ge noch spe­ku­la­ti­ve­re Ablei­tung dar­aus.

    Die chri­sto­lo­gi­schen Dis­kus­sio­nen der alten Kir­che zei­gen jedoch eines ganz deut­lich: Um das Myste­ri­um Jesu Chri­sti wirk­lich zu ver­ste­hen, muss auch das Myste­ri­um der Got­tes­mut­ter rich­tig ver­stan­den wer­den. Mit Wort­klau­be­rei­en kommt man da nicht weit. Ein Myste­ri­um kann nur wie­der­um in mysti­scher Ver­sen­kung erfasst wer­den. An die­ser Stel­le ist kein Raum mehr für ratio­na­li­sti­sche Argu­men­te.
    Nur die stil­le Ver­eh­rung und Anbe­tung der „fruc­tus ven­tris tui“ — Jesus — klärt in der See­le, was es mit Maria und Jesus auf sich hat.

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