Die Unbarmherzigkeit von Kardinal Kasper gegenüber geschiedenen „Wiederverheirateten“

von Pater Franz Schmidberger

Im kom­men­den Herbst wird in Rom eine außer­or­dent­li­che Bischofs­syn­ode zum The­ma der Fami­lie statt­fin­den, bei der in beson­de­rer Wei­se die Pro­ble­me der christ­li­chen Fami­lie in einer vom Säku­la­ris­mus gezeich­ne­ten Welt zur Spra­che kom­men sol­len: Zusam­men­le­ben außer­halb der Ehe, Ehe­schei­dung, Kon­tra­zep­ti­on etc. Ein eige­ner Fra­ge­bo­gen wur­de vom Vati­kan im Vor­feld an die Bischö­fe ver­schickt mit beson­de­ren Fra­gen zur Ehe­mo­ral, wel­che die Ober­hir­ten beant­wor­ten soll­ten. In eini­gen Län­dern, ins­be­son­de­re im deut­schen Sprach­raum, haben die Bischö­fe den Fra­ge­bo­gen an aus­ge­wähl­te Gläu­bi­ge wei­ter­ge­lei­tet, die ent­spre­chend geant­wor­tet haben. Die Ant­wor­ten zei­gen, wie weit der Zer­set­zungs­pro­zess der christ­li­chen Ehe­mo­ral im ehe­mals christ­li­chen Volk schon fort­ge­schrit­ten ist. Auf die Fra­ge „Emp­fan­den Sie es als Sün­de, wenn Sie bei der Gebur­ten­re­ge­lung soge­nann­te uner­laub­te Metho­den ver­wandt haben?“ ant­wor­te­ten 86 % mit nein, 14 % mit ja. Näch­ste Fra­ge: Sind Sie des­halb schon der Eucha­ri­stie fern­ge­blie­ben? Hier ant­wor­te­ten 90 % mit nein, 10 % mit ja. Im Bis­tum Aachen geht aus den Ant­wor­ten her­vor, „die kirch­li­che Ehe- und Sexu­al­mo­ral“ stel­le „für vie­le ein Glau­bens­hin­der­nis dar.“ Im Bis­tum Bam­berg brin­gen die Ant­wor­ten „eine kri­ti­sche Hal­tung gegen­über der Moral­leh­re zum Aus­druck“. Im Bis­tum Essen spre­chen sich Befrag­te dafür aus, „gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren eine Segens­fei­er zu ermög­li­chen“. Im Bis­tum Frei­burg ist „das Zusam­men­le­ben vor einer kirch­li­chen Trau­ung kein Son­der­fall, son­dern der Nor­mal­fall“. Im Bis­tum Köln wird „die Leh­re der Kir­che als welt- und bezie­hungs­fremd ange­se­hen“. Im Bis­tum Mag­de­burg hat „die Kir­che weit­ge­hend ihre Deu­tungs­ho­heit für den Lebens­be­reich von Ehe und Fami­lie ver­lo­ren“. In der Diö­ze­se Mainz wird „die Ver­wer­fung künst­li­cher Metho­den der Emp­fäng­nis­re­ge­lung von fast allen Men­schen abge­lehnt bzw. weit­hin als völ­lig irrele­vant betrach­tet“. Im Bis­tum Osna­brück „wen­den sich immer mehr von der Kir­che ab“. Im Bis­tum Rot­ten­burg wird „ein Ver­bot von Kon­do­men als sträf­lich bezeich­net“. Im Bis­tum Trier erwar­ten die Ant­wor­ten­den „geleb­te Barm­her­zig­keit in Fra­gen der Ehe, des Schei­terns, des Neu­an­fangs und der Sexua­li­tät“. ((Zita­te ent­nom­men aus der Zeit­schrift Der Spie­gel 5/2014))

Die verhängnisvolle Rolle von Kardinal Kasper

Für die Woche vom 17. – 22. Febru­ar berief der Hei­li­ge Vater ein Kon­si­sto­ri­um ein, an des­sen Ende die Kre­ierung der neu­en Kar­di­nä­le stand und das sich ins­be­son­de­re in sei­ner Arbeit der Vor­be­rei­tung der Bischofs­syn­ode wid­me­te. Als ein­zi­ger Red­ner war vom Papst Kar­di­nal Kas­per benannt wor­den, der am Don­ners­tag­vor­mit­tag, dem 20. Febru­ar vor sei­nen Mit­brü­dern im Kar­di­na­lat ein lan­ges Refe­rat hielt. Bevor wir auf die­ses näher ein­ge­hen, wol­len wir des­sen theo­lo­gi­sche Posi­ti­on etwas näher beleuchten.

Gebo­ren 1933, wur­de er 1957 zum Prie­ster geweiht, wid­me­te sich der wis­sen­schaft­li­chen Arbeit, wur­de als Assi­stent von Hans Küng Pro­fes­sor der Theo­lo­gie und 1989 zum Bischof der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart ernannt. In die­ser Zeit sei­nes 10-jäh­ri­gen Wir­kens, näm­lich 1993, mach­te er mit dem jet­zi­gen Kar­di­nal Leh­mann und dem inzwi­schen ver­stor­be­nen Erz­bi­schof Sai­er einen Vor­stoß zugun­sten der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on für geschie­de­ne „Wie­der­ver­hei­ra­te­te“, der vom dama­li­gen Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kar­di­nal Ratz­in­ger, ent­schie­den zurück­ge­wie­sen wor­den ist. 1999 wur­de Bischof Kas­per zum Sekre­tär des päpst­li­chen Rates für die För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten nach Rom beru­fen; bald danach wur­de er Prä­si­dent die­ses Rates. In hohem Maß war er bei der Aus­ar­bei­tung und Unter­zeich­nung der gemein­sa­men Erklä­rung der Katho­li­ken und Pro­te­stan­ten im Jahr 1999 in Augs­burg mit­be­tei­ligt. Im Jahr 2010 trat er aus Alters­grün­den von sei­nem Amt zurück, war aber bei der Papst­wahl im letz­ten Jahr ein ent­schie­de­ner För­de­rer der Erhe­bung von Kar­di­nal Jor­ge Ber­go­lio auf den päpst­li­chen Stuhl.

Wer­fen wir jetzt einen kur­zen Blick auf das wis­sen­schaft­li­che Schaf­fen Kas­pers, indem wir uns eini­ge sei­ner Wer­ke näher anse­hen. Im Jahr 1967 stell­te er in einem Arti­kel fest: „Der Gott, der als unver­än­der­li­ches Wesen über der Welt und der Geschich­te thront, stellt eine Her­aus­for­de­rung an den Men­schen dar. Man muss ihn leug­nen um des Men­schen wil­len, weil er die Wür­de und Ehre, die an sich dem Men­schen gebüh­ren, für sich bean­sprucht. […] Gegen die­sen Gott muss man sich aber nicht nur um des Men­schen wil­len, son­dern auch um Got­tes wil­len weh­ren. Er ist gar nicht der wah­re Gott, son­dern ein küm­mer­li­cher Göt­ze. Denn ein Gott, der nur neben und über der Geschich­te ist, der nicht selbst Geschich­te ist (Her­vor­he­bung durch uns), der ist ein end­li­cher Gott. Wenn man ein sol­ches Wesen als Gott bezeich­net, dann muss man um des Abso­lu­ten wil­len A‑theist wer­den. Ein sol­cher Gott ent­spricht einem star­ren Welt­bild; er ist der Garant des Bestehen­den und der Feind des Neu­en.“ ((Gott in der Geschich­te, Auf­satz von Wal­ter Kas­per, erschie­nen in Gott heu­te, 15 Bei­trä­ge zur Got­tes­fra­ge von Nor­bert Kutsch­ki, Mat­thi­as-Grü­ne­wald-Ver­lag, Mainz, 1967))

In dem Buch Ein­füh­rung in den Glau­ben meint er, Dog­men kön­nen „durch­aus ein­sei­tig, ober­fläch­lich, recht­ha­be­risch, dumm und vor­ei­lig sein.“ ((Ein­füh­rung in den Glau­ben, Wal­ter Kas­per, 1974, Mat­thi­as-Grü­ne­wald-Ver­lag, 7. Auf­la­ge 1983, Kapi­tel 9.4, S. 148))

In dem Werk Jesus der Chri­stus schreibt er bezüg­lich der Wun­der­be­rich­te im Neu­en Testa­ment: „Literar­kri­tisch lässt sich die Ten­denz fest­stel­len, die Wun­der zu stei­gern, zu ver­grö­ßern und zu ver­viel­fäl­ti­gen. […] Damit ver­rin­gert sich der Stoff an Wun­der­be­rich­ten sehr wesent­lich.“ ((Jesus der Chri­stus, Wal­ter Kas­per, Mat­thi­as-Grü­ne­wald-Ver­lag, 7. Auf­la­ge 1978, II. Teil: Geschich­te und Geschick Jesu Chri­sti, Kapi­tel III, S. 105–106))

Sodann sind für ihn die Wun­der­be­rich­te ein „Über­tra­gen außerchristliche[r] Moti­ve auf Jesus, um sei­ne Grö­ße und Voll­macht zu unter­strei­chen“. […]Man­che Wun­der­be­rich­te erwei­sen sich form­ge­schicht­lich als Rück­pro­jek­tio­nen von Oster­er­fah­run­gen in das irdi­sche Leben Jesu bzw. als vor­weg­ge­nom­me­ne Dar­stel­lun­gen des erhöh­ten Chri­stus.“ ((ibd., S. 106)) So ins­be­son­de­re die Geschich­te von der Toten­er­weckung der Jai­rus-Toch­ter, des Jüng­lings von Naim und des Laza­rus. […] „So erwei­sen sich gera­de die Natur­wun­der als sekun­dä­rer Zuwachs zur ursprüng­li­chen Tra­di­ti­on.“ ((ibd., S. 106)) 

Zum älte­sten Evan­ge­li­en­be­richt über die Auf­er­ste­hung Chri­sti (Mk 16,1–8) meint er, „dass es sich hier nicht um histo­ri­sche Züge, son­dern um Stil­mit­tel han­delt, die Auf­merk­sam­keit wecken und Span­nung erzeu­gen sol­len.“ ((ibd, S. 149–150)) Aber nicht nur der Glau­be an die Auf­er­ste­hung des Herrn, das gan­ze chri­sto­lo­gi­sche Dog­ma wird von Kas­per auf­ge­löst. Er schreibt: „Nach den syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en bezeich­net sich Jesus selbst nie als Sohn Got­tes. Damit ist die Got­tes­sohn-Aus­sa­ge ein­deu­tig als Glau­bens­be­kennt­nis der Kir­che aus­ge­wie­sen.“ ((ibd., S. 129)) An einer ande­ren Stel­le sagt er: „Er hat sich also ver­mut­lich weder als Mes­si­as noch als Got­tes­knecht oder als Got­tes­sohn und wohl auch nicht als Men­schen­sohn bezeich­net.“ ((Kas­per, Jesus un der Glau­be, in: Wal­ter Kas­per, Jür­gen Molt­mann, Jesus ja — Kir­che nein? /theologische Medi­ta­tio­nen 32), Zürich, Ein­sie­deln, Köln 1973, S. 20)) Das Dog­ma, dass Jesus „ganz Mensch und Gott ist“, sei „über­hol­bar“ ((Kas­per, Ein­füh­rung in den Glau­ben, S. 55)). Ist dies nicht Moder­nis­mus im eigent­li­chen Sinn, Moder­nis­mus in Rein­kul­tur? Und die­ser Mann wird vom Papst beauf­tragt, das Refe­rat vor dem Kon­si­sto­ri­um über die Fami­lie und die heu­ti­gen drän­gen­den Fami­li­en­pro­ble­me zu hal­ten! Aber kann ein sol­cher moder­ni­sti­scher Glau­be noch Grund­la­ge für die christ­li­che Sit­ten­leh­re sein? Und wo bleibt hier die Furcht des Herrn, die der Anfang jeg­li­cher Weis­heit ist (vergl. Ps 109)?

Die Rede von Kardinal Kasper am 20. Februar 2014 vor dem Konsistorium

Doch keh­ren wir zum Refe­rat zurück, das frist­ge­recht zur Voll­ver­samm­lung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz am 10. März bei Her­der in gedruck­ter Form erschie­nen ist. Man geht wohl kaum fehl, wenn man hier eine Neben­ab­sicht vermutet.

Im ersten Teil behan­delt der Kar­di­nal die Fami­lie in der Schöp­fungs- und christ­li­chen Erlö­sungs­ord­nung, spricht von den Struk­tu­ren der Sün­de im Leben der Fami­lie und von der Fami­lie als Haus­kir­che. Dabei fin­det sich durch­aus der eine oder ande­re schö­ne und rich­ti­ge Gedan­ke; so heißt es z. B. auf S. 42: „Das neue Herz ver­langt immer wie­der neu Her­zens­bil­dung und setzt Her­zens­kul­tur vor­aus. Das fami­liä­re Leben will gepflegt wer­den gemäß den drei Schlüs­sel­wor­ten des Hei­li­gen Vaters: Bit­te, Dan­ke, Ent­schul­di­gung. Man muss Zeit für­ein­an­der haben und den Sab­bat bzw. Sonn­tag mit­ein­an­der fei­ern, immer wie­der Nach­sicht, Ver­ge­bung und Geduld üben; immer wie­der neu sind Zei­chen des Wohl­wol­lens, der Wert­schät­zung, der Zärt­lich­keit, der Dank­bar­keit und der Lie­be nötig. Das gemein­sa­me Gebet, das Sakra­ment der Buße und die gemein­sa­me Fei­er der Eucha­ri­stie sind eine Hil­fe, um das Band der Ehe, das Gott um die Ehe­part­ner gelegt hat, immer wie­der neu zu festi­gen. Es ist immer etwas Schö­nes, älter gewor­de­nen Ehe­paa­ren zu begeg­nen, die noch im fort­ge­schrit­te­nen Alter in einer reif gewor­de­nen Wei­se ver­liebt sind. Auch dies ist Zei­chen eines erlö­sten Mensch­seins.“ Aber ist die Fami­lie wirk­lich „der Weg der Kir­che“, wie der Kar­di­nal dies am Ende von Kapi­tel 4 behaup­tet? Ist nicht viel­mehr die Kir­che der Weg der Familie?

Der Haupt­ak­zent im gan­zen Refe­rat gilt jedoch ohne Zwei­fel dem Pro­blem der geschie­de­nen „Wie­der­ver­hei­ra­te­ten“, dem 5. Kapi­tel. Er hat völ­lig recht, wenn er fest­stellt, die zuneh­men­de Zahl von zer­bro­che­nen Fami­li­en bedeu­te für die Zukunft der Kir­che eine Tra­gö­die. Lei­der ver­misst man die tie­fe­ren Grün­de für eine sol­che Ent­wick­lung: Ver­wäs­ser­ter, ver­kürz­ter und ver­fälsch­ter Glau­bens­un­ter­richt bzw. völ­li­ges Aus­fal­len eines sol­chen Unter­richts nicht nur Jah­re, son­dern Jahr­zehn­te hin­durch, bezüg­lich der Hei­lig­keit der Ehe als Abbild der Ver­bin­dung zwi­schen Chri­stus und sei­ner Braut, der Kir­che, und damit der Unauf­lös­lich­keit des ehe­li­chen Ban­des. Hier muss ent­schie­de­ne Ankla­ge gegen die Bischö­fe erho­ben wer­den, die als Leh­rer des Glau­bens und der Sit­ten in ihrer Diö­ze­se ihr Amt sträf­lich ver­nach­läs­sigt haben. Von Kar­di­nal Kas­per ist bei­spiels­wei­se nicht bekannt, dass er als Bischof von Rot­ten­burg gele­gen und unge­le­gen die Hei­lig­keit und Unauf­lös­lich­keit der Ehe in Pre­digt, Kate­che­se und Vor­trä­gen ver­tei­digt hätte.

Der Refe­rent hat Recht, wenn er sagt, man dür­fe den „Hero­is­mus ver­las­se­ner Part­ner, die allein blei­ben und sich allein durchs Leben schla­gen, […] bewun­dern und unter­stüt­zen“ (S. 55). Aber das Chri­sten­tum for­dert eben bis­wei­len einen sol­chen Hero­is­mus, der aus mensch­li­cher Kraft her­aus nicht auf­ge­bracht wer­den kann, wohl aber mit Hil­fe der Gna­de Got­tes, wie auch in unse­rer Zeit das Ver­hal­ten zahl­rei­cher ver­las­se­nen Ehe­gat­ten beweist, die die Treue bewah­ren. Hat nicht der hl. Pau­lus gesagt, er ver­mö­ge alles in dem­je­ni­gen, der ihn stärkt?

Die näch­sten Sät­ze Kar­di­nal Kas­pers las­sen einem die Haa­re zu Ber­ge ste­hen: „Doch vie­le ver­las­se­ne Part­ner sind um der Kin­der wil­len auf eine neue Part­ner­schaft und auf eine neue zivi­le Ehe­schlie­ßung ange­wie­sen, die sie ohne Schuld nicht wie­der auf­ge­ben kön­nen. Oft erfah­ren sie in sol­chen Ver­bin­dun­gen nach vor­her­ge­hen­den bit­te­ren Erfah­run­gen mensch­li­ches Glück, ja gera­de­zu ein Geschenk des Him­mels.“ (S. 55) (Her­vor­he­bun­gen von uns.) Sagen wir es klipp und klar: Eine sol­che neue Ver­bin­dung ist und bleibt ein Anschlag auf die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und stellt eine schwe­re Sün­de dar. Es ist wahr, dass man die Kin­der, die aus sol­chen Ver­bin­dun­gen gebo­ren wur­den, nicht ohne wei­te­res ver­las­sen kann; doch die Kir­che weiß in ihrer Weis­heit auch auf sol­che kon­kre­ten Situa­tio­nen zu ant­wor­ten mit Lösun­gen, wel­che das all­ge­mei­ne Sit­ten­ge­setz beob­ach­ten. Es nützt dem­nach wenig, wenn im näch­sten Abschnitt gesagt wird: „Die Unauf­lös­lich­keit einer sakra­men­ta­len Ehe und die Unmög­lich­keit, zu Leb­zei­ten des ande­ren Part­ners eine zwei­te sakra­men­ta­le Ehe zu schlie­ßen, [ist] ein ver­bind­li­cher Teil der Glau­bens­tra­di­ti­on der Kir­che.“ (S. 55)

Etwas wei­ter fin­den wir in dem Text eine wah­re Offen­ba­rung des Den­kens des Kar­di­nals und sei­ner Gesin­nungs­freun­de. Es heißt dort: „Wir befin­den uns heu­te in einer ähn­li­chen Situa­ti­on wie beim letz­ten Kon­zil, als es um die Fra­ge der Öku­me­ne oder der Reli­gi­ons­frei­heit ging. Auch damals gab es Enzy­kli­ken und Ent­schei­dun­gen des Hei­li­gen Offi­zi­ums, die wei­te­re Wege zu ver­sper­ren schie­nen. Das Kon­zil hat jedoch, ohne die ver­bind­li­che dog­ma­ti­sche Tra­di­ti­on anzu­ta­sten, Türen geöff­net.“ (S. 57) Das ist es, was die Bru­der­schaft St. Pius X. seit Jah­ren beklagt: Das Kon­zil hat Türen hin zum Irr­tum geöff­net und damit den nach­kon­zi­lia­ren Zusam­men­bruch wesent­lich ver­ur­sacht. Emi­nenz recht­fer­tigt die­se „Wei­ter­ent­wick­lung“ mit einer „Her­me­neu­tik, die zugleich juri­stisch und pasto­ral ist“ (S. 60).

Papst Bene­dikt XVI. hat geschie­de­nen „Wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ zwar nicht die sakra­men­ta­le, wohl aber die gei­sti­ge Kom­mu­ni­on zuge­stan­den, so unser Refe­rent; und er fragt sich, war­um sie dann nicht die sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen. Die Ant­wort ist ein­fach: Die gei­sti­ge Kom­mu­ni­on setzt die Reue über die Sün­den vor­aus und fleht Gott um Hil­fe an, um einen Aus­weg aus die­ser Lage zu fin­den, wäh­rend die sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on den sünd­haf­ten Zustand sank­tio­niert, Schei­dung und Kon­ku­bi­nat seg­net und den Sün­der auf sei­nem Weg des zeit­li­chen und ewi­gen Ver­der­bens bestä­tigt. Das Glei­che gilt übri­gens auch für die vom Kar­di­nal vor­ge­schla­ge­ne Zeit der Buße, bevor geschie­de­ne „Wie­der­ver­hei­ra­te­te“ die hl. Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen: Wie die Reue, so muss auch die Buße beglei­tet sein vom ern­sten Wil­len der Lebens­bes­se­rung; sonst ist sie wert­los. Hat nicht der Hei­li­ge Geist durch den Mund bzw. die Feder des hl. Pau­lus ver­kün­det, wer unwür­dig esse und trin­ke, d. h. die Eucha­ri­stie sakra­men­tal emp­fan­ge, der esse und trin­ke sich das Gericht (1 Kor 11,29)? Kann es also eine grö­ße­re Unbarm­her­zig­keit den See­len gegen­über und ein grö­ße­res Unrecht hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che geben? Das Kom­pen­di­um zum Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che sagt mit der gan­zen Tra­di­ti­on auf S. 242, die Sün­der zurecht­zu­wei­sen sei ein gei­sti­ges Werk der Barm­her­zig­keit. Hier sieht man, wie die Män­ner der Kir­che nach dem Kon­zil den über­na­tür­li­chen Gesichts­punkt des Hei­les der See­le fast voll­stän­dig aus dem Blick ver­lo­ren haben. Offen­sicht­lich weiß der Kar­di­nal nicht zu unter­schei­den zwi­schen dem Ver­wer­fen der Sün­de und der Barm­her­zig­keit dem Sün­der gegen­über. In sei­ner Ant­wort auf die Ein­wän­de sei­ner Mit­brü­der im Kar­di­nals­kol­le­gi­um betont er, die Barm­her­zig­keit sei „her­me­neu­ti­sches Prin­zip für die Aus­le­gung der Wahr­heit“ (S. 79) — mit die­sem Argu­ment kann frei­lich jedes Dog­ma aus­ge­he­belt wer­den — und beruft sich dann auf die Epi­kie (S. 82). Die­se besteht dar­in, dass man bei Abwe­sen­heit des Gesetz­ge­bers in einem kon­kre­ten Fall begrün­de­ter Wei­se annimmt, die­ser habe in die­sem schwie­ri­gen Fall nicht ver­pflich­ten wol­len, obwohl er ganz klar unter den Wort­laut des Geset­zes fällt. Da aber Gott als Schöp­fer das Natur­ge­setz in sei­ne Schöp­fung hin­ein­ge­legt und jeden Fall vor­aus­ge­se­hen hat und er all­ge­gen­wär­tig ist, gibt es für das Natur­ge­setz schlecht­hin kei­ne Epikie.

Die Haltung des Papstes

Nach der Rede am Don­ners­tag­vor­mit­tag kam es am Nach­mit­tag im Kon­si­sto­ri­um zum Teil zu hef­ti­gem Wider­spruch und Angrif­fen auf die Rede Kas­pers. Doch Papst Fran­zis­kus fand am Frei­tag­mor­gen viel Lob für den deut­schen Kar­di­nal. In sei­nen Aus­füh­run­gen „habe ich die Lie­be für die Kir­che gefun­den“. Und wei­ter: „Gestern vor dem Ein­schla­fen, aber nicht um ein­zu­schla­fen, habe ich die Arbeit von Kar­di­nal Kas­per gele­sen, noch ein­mal gele­sen“, sag­te der Papst heu­te zur Eröff­nung des zwei­ten Tages des Kon­si­sto­ri­ums. Fran­zis­kus meint die Rede von Kar­di­nal Kas­per. „Ich möch­te ihm dan­ken, weil ich eine tie­fe Theo­lo­gie vor­ge­fun­den habe, ein gelas­se­nes und unbe­schwer­tes theo­lo­gi­sches Den­ken. Es ist ange­nehm, eine unbe­schwer­te Theo­lo­gie zu lesen. Und ich habe das vor­ge­fun­den, was der hl. Igna­ti­us den sen­sus eccle­siae nennt, die Lie­be für die Mut­ter Kir­che. Es hat mir gut getan und es kam mir dazu eine Idee, aber bit­te, ver­zei­hen Sie mir, Emi­nenz, wenn ich Sie in Ver­le­gen­heit brin­ge. Die Idee ist: Das nennt sich, Theo­lo­gie auf den Knien zu betrei­ben. Dan­ke. Dan­ke.“ ((Giu­sep­pe Nar­di, Katholisches.info vom 21. Febru­ar 2014))

Die weiteren Folgen

Neben dem Wider­spruch, den der Kar­di­nal beim Kon­si­sto­ri­um nach sei­ner Rede erfuhr, gab es frei­lich auch Zustim­mung für sei­nen Vor­stoß. Mün­chens Erz­bi­schof, Kar­di­nal Marx, zeig­te sich nach der Rede Kas­pers begei­stert. Die Rede sei die „Ouver­tü­re“ zu einer Dis­kus­si­on, die so schnell nicht enden wer­de. Kar­di­nal Marx hat­te den Glau­bens­prä­fek­ten Mül­ler öffent­lich und bis­sig geta­delt, als die­ser an die katho­li­sche Leh­re erin­ner­te, näm­lich an die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und damit an die Unmög­lich­keit, geschie­de­ne „Wie­der­ver­hei­ra­te­te“ zur Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen. Beein­druckt gab sich auch Wiens Erz­bi­schof, Kar­di­nal Schön­born. In der aktu­el­len Aus­ga­be der Wie­ner Kir­chen­zei­tung bezeich­net er Kas­pers Refe­rat als „blen­dend for­mu­liert“ und „her­vor­ra­gend“. Es gehe dar­um, zu „son­die­ren, wo die Fami­li­en der Schuh drückt“, so Kar­di­nal Schön­born. ((Giu­sep­pe Nar­di, Katholisches.info. vom 27. Febru­ar 2014))

Die mit der Rede Kas­pers auf­ge­bro­che­ne Wun­de wird noch lan­ge eitern und dem mysti­schen Leib Chri­sti wei­ter schwer­sten Scha­den zufü­gen, und dies nicht zuletzt wegen der Deckung Kas­pers durch den Papst. Die Spal­tung zeig­te sich unmit­tel­bar bei der Voll­ver­samm­lung der deut­schen Bischö­fe in Mün­ster, ins­be­son­de­re auch anläss­lich der Wahl des neu­en Vorsitzenden.

Die jetzt in Gang gekom­me­ne Dis­kus­si­on stellt einen neu­en Damm­bruch dar ähn­lich jenem nach der Enzy­kli­ka Huma­nae vitae von Paul VI. durch die König­stei­ner Erklä­rung, in der die deut­schen Bischö­fe fest­stell­ten, die Ehe­leu­te könn­ten ihrem per­sön­li­chen Gewis­sen fol­gen. Eine Vor­weg­nah­me die­ser wei­te­ren Fol­gen für die Ehe­mo­ral kann man bereits nach­le­sen in der Hand­rei­chung für die Seel­sor­ge, her­aus­ge­ge­ben im Sep­tem­ber 2013 vom erz­bi­schöf­li­chen Seel­sor­ge­amt der Erz­diö­ze­se Frei­burg. Dort fin­den sich unter ande­rem fol­gen­de Aussagen:

„Die zwei­te ehe­li­che Gemein­schaft muss sich über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg im Sin­ne eines ent­schie­de­nen und auch öffent­lich erkenn­ba­ren Wil­lens zum dau­er­haf­ten Zusam­men­le­ben nach der Ord­nung der Ehe als sitt­li­che Rea­li­tät bewährt haben. […]“

Sol­che Part­ner „ver­die­nen auf­grund der mensch­li­chen Wer­te, die sie gemein­sam ver­wirk­li­chen, und nicht zuletzt durch ihre Bereit­schaft, in öffent­li­cher Form und auf recht­lich ver­bind­li­che Wei­se Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der zu über­neh­men, mora­li­sche Aner­ken­nung. […] Das Paar wünscht sich die Zusa­ge, von Gott in sei­nem Leben beglei­tet und beschützt zu sein. Sie erhof­fen sich eine Beglei­tung, die ihnen Ermu­ti­gung und Zuver­sicht für das Wag­nis ihres neu­en Lebens­pro­jekts zuspricht. […] Als Zei­chen die­nen die Seg­nung und die Über­ga­be einer Ker­ze. […]

Ent­spre­chend gibt es dann eine lit­ur­gi­sche Fei­er mit Seg­nung für sol­che Paa­re: „Eine Ker­ze wird an der Oster­ker­ze ent­zün­det, das Paar hält die Ker­ze gemein­sam.“ Fol­gen­des Gebet wird vor­ge­schla­gen: „Las­set uns beten. Ewi­ger Gott, bei dir fin­den wir Ver­ge­bung, Lie­be und neu­es Leben. Du machst das Leben hell. Wir bit­ten dich, seg­ne die­se Ker­ze. Wie ihr Schein das Dun­kel erhellt, so erleuch­test du den Lebens­weg eines jeden Men­schen. Sei Licht für NN. und NN., damit sie dich in glück­li­chen Tagen loben, in der Not sich bei dir auf­rich­ten und in allem, was sie tun, dei­ne stüt­zen­de Nähe erfah­ren. Hilf, dass sie sich in dei­nem Licht ber­gen und stär­ken. Dar­um bit­ten wir dich durch Chri­stus, unse­ren Herrn. Amen.

Je nach Situa­ti­on und Ort evtl. sinn­voll: Gebet für die gan­ze (neue) Fami­lie (Bene­dik­tio­na­le S. 239) – Segens­ge­bet für das gemein­sa­me Haus (Bene­dik­tio­na­le S. 270)“.

Ist dies nicht die Seg­nung des Kon­ku­bi­nats und damit die Seg­nung der Sünde?

Der Kar­di­nal pro­gno­sti­ziert in sei­nem Vor­stoß die sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on nur für einen klei­ne­ren Teil der im Kon­ku­bi­nat leben­den Men­schen. Aber wer wählt hier aus? Und wer­den sich nicht alle ande­ren dann als Dumm­köp­fe vor­kom­men? Wie bei der Königs­stei­ner Erklä­rung ist der Damm gebro­chen, die Pra­xis sakri­le­gi­scher Kom­mu­nio­nen des ange­spro­che­nen Per­so­nen­krei­ses wird sich rapi­de über­all durchsetzen.

Die Neo­mo­der­ni­sten haben im Kon­zil und nach dem Kon­zil dem Glau­ben und der Tra­di­ti­on der Kir­che schwe­ren Scha­den zuge­fügt, aber wenig­stens offi­zi­ell noch eini­ger­ma­ßen die Sit­ten­leh­re ver­tei­digt. Kar­di­nal Kas­per bläst jetzt zum Angriff auf diese.

Die Lehre der Kirche über die Ehe

Die christ­li­che Ehe ist die gei­sti­ge Nach­bil­dung des Bun­des Got­tes mit sei­nem Volk, noch mehr der bräut­li­chen Ver­bin­dung Jesu Chri­sti mit sei­ner Kir­che. Sie ist, wenn sie voll­zo­gen ist, unauf­lös­lich und vom Herrn selbst als ein wah­res und eigent­li­ches Sakra­ment eingesetzt.

Ihr erstes Ziel liegt dar­in, das Leben wei­ter­zu­schen­ken und die von Gott anver­trau­ten Kin­der zu wah­ren Chri­sten zu erzie­hen. Ihr zwei­tes Ziel liegt in der gegen­sei­ti­gen Hil­fe und Hei­li­gung der Ehe­gat­ten. Dazu ist sie ein Heil­mit­tel gegen die unge­ord­ne­te fleisch­li­che Begierde.

Füh­ren wir zur Ver­tei­di­gung der Wür­de, Hei­lig­keit und Unauf­lös­lich­keit der Ehe als Ver­bin­dung zwi­schen einem Mann und einer Frau die Chri­stus­wor­te an: „Was Gott ver­bun­den hat, soll der Mensch nicht tren­nen“ (Mt 19,6) und „Jeder, der sei­ne Frau ent­lässt und eine ande­re hei­ra­tet, der bricht die Ehe; und wer eine Geschie­de­ne hei­ra­tet, der bricht die Ehe“ (Lk 16,18). Geht der Christ folg­lich wäh­rend der Lebens­zeit sei­nes Ehe­gat­ten eine neue zivi­le Ver­bin­dung ein, so ist dies ein Ehe­bruch und schwe­re Sün­de, die ihn vom Emp­fang der Sakra­men­te aus­schließt, „Täu­schet euch nicht! Ehe­bre­cher wer­den das Reich Got­tes nicht besit­zen“ (1 Kor 6,9).

Dies ist die durch­ge­hen­de Leh­re der Kir­che, die das Kon­zil von Tri­ent in sei­ner 24. Sit­zung am 11. Novem­ber 1563 noch ein­mal mit aller Klar­heit her­aus­ge­stellt hat. Im Kanon 7 über das Sakra­ment der Ehe heißt es: „Wer sagt, die Kir­che irre, wenn sie lehr­te und lehrt, gemäß der Leh­re des Evan­ge­li­ums und des Apo­stels [vergl. Mt 5,32; 19,9; Mk 10,11f; Lk 16,18; 1 Kor 7,11] kön­ne das Band der Ehe wegen Ehe­bruchs eines der bei­den Gat­ten nicht auf­ge­löst wer­den, und kei­ner von bei­den, nicht ein­mal der Unschul­di­ge, der kei­nen Anlass zum Ehe­bruch gege­ben hat, kön­ne, solan­ge der ande­re Gat­te lebt, eine ande­re Ehe schlie­ßen, und der­je­ni­ge, der eine Ehe­bre­che­rin ent­lässt und eine ande­re hei­ra­tet, und die­je­ni­ge, die einen Ehe­bre­cher ent­lässt und einen ande­ren hei­ra­tet, begin­gen Ehe­bruch: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“ ((Hein­rich Den­zin­ger, Kom­pen­di­um der Glau­bens­be­kennt­nis­se und kirch­li­chen Leh­rent­schei­dun­gen, Her­der Ver­lag, 40. Auf­la­ge 2005, S. 574–575))

In jüng­ster Zeit hat die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on am 14. Sep­tem­ber 1994 in einem Schrei­ben über den Kom­mu­nion­emp­fang von geschie­de­nen „wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ Gläu­bi­gen eine sol­che Pra­xis ver­wor­fen. Als Fol­ge auf das leb­haf­te Echo hat dann Kar­di­nal Ratz­in­ger noch ein­mal die Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe betont und auf Ein­wän­de und Vor­wür­fe geant­wor­tet. Als im 16. Jahr­hun­dert Hein­rich VIII. von Eng­land unrecht­mä­ßig eine neue Ver­bin­dung mit der Hof­da­me Anna Boleyn ein­ge­hen woll­te, hat der Hei­li­ge Stuhl die Hei­lig­keit der Ehe selbst um den Preis des Abfalls eines gan­zen Lan­des von der römi­schen Mut­ter­kir­che ver­tei­digt. Wei­ter zurück­blickend sehen wir bereits Johan­nes den Täu­fer, der den ehe­bre­che­ri­schen Hero­des mahnt, „es ist dir nicht erlaubt, dei­nes Bru­ders Frau zu haben“ (Mk 6,18). Für die­ses Zeug­nis hat er sein Leben hin­ge­ge­ben und sein Blut ver­gos­sen. Nur eine sol­che Wahr­heits­lie­be und Stand­haf­tig­keit bei den Män­nern der Kir­che, allen vor­an bei den Bischö­fen und den Ver­tre­tern des Hei­li­gen Stuh­les, sind imstan­de, die Chri­sten­heit wie­der aufzurichten.

Pater Franz Schmid­ber­ger ist Regens des Semi­nars Herz Jesu, ehe­ma­li­ger Gene­ral­obe­rer der Bru­der­schaft St. Pius X.

7 Kommentare

  1. Mühe­los kann sich jetzt jede, jeder, über­zeu­gen, dass Kas­per Häre­si­en ver­brei­tet hat, die den katho­li­schen Glau­ben im Kern tref­fen. Er durf­te nicht nur mit vie­len ande­ren bei den­je­ni­gen den Glau­ben zer­stö­ren, die ihn als Prie­ster oder Lai­en­theo­lo­gen wei­ter zu geben haben, er wur­de für sei­ne zer­stö­re­ri­sche Tätig­keit geehrt, zum Bischof geweiht und zum Kar­di­nal ernannt.
    Nicht nur er.
    Er ist auf­ge­stie­gen, Bischof und Kar­di­nal gewor­den unter Johan­nes Paul II. Glau­bens­prä­fekt Ratz­in­ger hat — so weit bekannt ist — kei­nen Ein­spruch erhoben.
    Joseph Ratz­in­ger — Papst Bene­dikt XVI. hat ihn, Johan­nes Paul II., im Eil­tem­po selig­ge­spro­chen. Nun steht uns in 14 Tagen die Hei­lig­spre­chung des kor­anküs­sen­den Assi­si-Pap­stes bevor.
    Ber­go­glio macht das Maß der Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste voll. Vorläufig…

  2. Was auch immer man dort an Kotau vor der Welt und ihrer mora­li­schen Abgrün­de an Beschlüs­sen zusam­men­zim­mern wird, die Wahr­heit kann das nicht berühren.

  3. Wir erle­ben es stän­dig, wie sich die Lebens­ver­hält­nis­se ändern. Und die Par­la­men­te stei­chen, ändern und beschlie­ßen stän­dig neue Geset­ze, die selbst die mora­li­schen Grund­la­gen betref­fen. Dabei ist es völ­lig abwe­gig zu fol­gern, auch Gott wür­de sich nun nach mensch­li­chen Maß­ga­ben ver­än­den und sei­ne Moral­ge­set­ze unse­rer Will­kür anpas­sen. Es ist unbe­greif­lich, wie ver­ant­wort­li­che Leh­rer der Kir­che sol­che Vor­stel­lun­gen ver­brei­ten kön­nen. Und noch unbe­greif­li­cher ist es, wie ein Papst sol­che Irr­leh­rer mit höch­sten Lobes­be­zeu­gun­gen hono­rie­ren kann.

    • Geset­ze kann nie­mand strei­chen, ändern oder beschlie­ßen. Die wir­ken von selbst und man kann sie erken­nen, berück­sich­ti­gen und auch nut­zen. Hier jedoch han­delt es sich aus­nahms­los um papier­ne Vor­schrif­ten, die unter Gewalt­an­dro­hung durch­ge­setzt wer­den. Damit man die Gewalt nicht so spürt (und deren Kosten nicht so hoch sind) dient Pro­pa­gan­da („ver­pflich­tend“ durch aus­nahms­lo­se Beschu­lung und „frei­wil­lig“ durch bevor­schrif­te­te Medi­en) deren all­ge­mei­ner Aner­ken­nung. Es ist den Macht­ha­bern sogar gelun­gen, daß Zwangs­be­schu­lung und ein Gewalt­mo­no­pol als Errun­gen­schaf­ten ange­se­hen wer­den. Und lei­der ist auch die sicht­ba­re Kir­che inzwi­schen von die­sem Ungeist fast voll­stän­dig befallen.

  4. Wäh­rend Kar­di­nal Ratz­in­ger den Auf­stieg von Dr. Krenn zum Wie­ner Erz­bi­schof 1989 ver­hin­der­te als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on hat­te er gegen Kas­per nie einen Ein­wand, das schrei­be ich für die die Bene­dikt XVI. immer noch nach­wei­nen. Ein­fäl­ti­ge Leu­te fahrt auch zur Hei­lig­spre­chung von Johan­nes Paul II. und Johan­nes XXIII, ver­pul­vert damit euer Geld.

  5. Wenn ich mir die Ziel­grup­pe anschaue, der Kar­di­nal Kas­per eine Vor­zugs­be­hand­lung (Barm­her­zig­keit?) in der soge­nann­ten „Pasto­ral“ zukom­men las­sen möch­te, kom­me in nicht umhin, Grün­de dafür mit­zu­den­ken, die hier gar nicht ange­spro­chen wer­den. Es geht ihm ja um die bür­ger­lich „geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten“, die sich aktiv und enga­giert in die Kir­chen­ge­mein­den ein­brin­gen und „die sich zu den Sakra­men­ten hin­ge­zo­gen füh­len“. Der Groß­teil die­ser Grup­pe wird weder zu den Schü­lern und Stu­den­ten gehö­ren noch zu den Rent­nern, es wer­den in der Regel Kir­chen­steu­er­zah­ler sein. Die Kir­chen­steu­er ist ein Schlüs­sel­fak­tor in der Orga­ni­sa­ti­ons­form „Füh­ren nach Zah­len“, wie es durch­gän­gig in der Katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land gehand­habt wird. Wei­ter bedacht wer­den muss noch das Sakra­ments­ver­ständ­nis des Durch­schnitts­ka­tho­li­ken in den stark öku­me­nisch ori­en­tier­ten Kir­chen­ge­mein­den beson­ders in Deutsch­land. Ob dabei eine Anzie­hung zur „Hei­li­gen Kom­mu­ni­on“ von den geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten ver­spürt wird oder doch eher die Teil­nah­me an der „com­mu­nio“, die als Gemein­schafts­fei­er der Gemein­de, so eine Art Aga­pe­fei­er ver­stan­den wird, soll­te durch­aus mit­be­dacht wer­den. So ein­deu­tig ist das alles ja nicht. Wer die Hostie bekommt mit den Wor­ten „der Leib Chri­sti“ und mit „Amen“ ant­wor­tet, kann bei sich den­ken, „das ist der Leib Chri­sti“ oder auch „das sym­bo­li­siert den Leib Chri­sti“. Da das Sakra­ments­ver­ständ­nis der hei­li­gen Kom­mu­ni­on in der Pra­xis nicht mehr ein­deu­tig ist, weil es absicht­lich auf­ge­weicht und aus­ge­he­belt wur­de sei­tens des Kle­rus im Ver­bund mit den ent­spre­chen­den Theo­lo­gen zu öku­me­ni­schen Zwecken, ist es nur kon­se­quent im Den­ken eines Kar­di­nals Kas­per, in glei­cher Manier mit dem Ehe­sa­kra­ment zu ver­fah­ren. Auch die­ses soll rela­ti­viert wer­den. Dazu kon­stru­iert man einen künst­li­chen Gegen­satz und tut so. als ob man die Barm­her­zig­keit Jesu Chri­sti gegen die Leh­re Jesu Chri­sti aus­spie­len könn­te. Der Zweck die­ses Vor­ge­hens könn­te frag­wür­di­ger Natur sein in der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land, wo mas­siv der Ein­druck herrscht, dass das fünf­te Gebot der Kir­che, wonach das Kir­chen­glied einen Bei­trag zu den mate­ri­el­len Bedürf­nis­sen der Kir­che zu lei­sten habe, zum ober­sten Gebot erho­ben wur­de. Von Got­tes­lie­be hört man hier jeden­falls so gut wie nichts mehr. Könn­te es also nicht auch sein, dass Kar­di­nal Kas­per den enga­gier­ten „geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ in den Kir­chen­ge­mein­den mit dem com­mu­nio-Emp­fang ein Ange­bot machen möch­te, auf dass sie wei­ter­hin bereit­wil­lig Kir­chen­steu­er zahlen?
    Geht es hier noch ums See­len­heil der Gläu­bi­gen oder nicht doch auch ganz pro­fan um den mate­ri­el­len Selbst­er­hal­tungs­trieb einer Insti­tu­ti­on, deren Ver­tre­ter sich immer mehr als rein welt­li­che Orga­ni­sa­ti­on ver­ste­hen, umman­telt mit einer sozio­re­li­giö­sen Aura?

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