Papst Franziskus trifft unerwartet auf die Franziskaner der Immakulata

Die Familie des Ordensgründers der Franziskaner der Immakulata überreichten Papst Franziskus eine Kopie der Marienikone Salus Populi Romani und baten ihn, den Orden aus der Verbannung zu befreien.(Rom) Eine über­ra­schen­de Begeg­nung erleb­te Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen 6. April. An die­sem Sonn­tag besuch­te er die römi­sche Stadt­pfar­rei San Gre­go­rio Magno in der Vor­stadt Maglia­na und stieß auf die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, jenen bis vor kur­zem blü­hen­den Orden, des­sen Unter­drückung das argen­ti­ni­sche Pon­ti­fi­kat über­schat­tet.

Die Mari­en­iko­ne Salus Popu­li Roma­ni ist Papst Fran­zis­kus beson­ders kost­bar. Am Mor­gen nach sei­ner Wahl ver­ließ er unan­ge­kün­digt den Vati­kan, um sich in die Patri­ar­chal­ba­si­li­ka San­ta Maria Mag­gio­re zu bege­ben und die Got­tes­mut­ter vor dem Gna­den­bild zu ver­eh­ren.

Papst Kopie der Marienikone Salus Populi Romani geschenkt

Papst Fran­zis­kus erwar­te­te es aber sicher nicht, daß ihm am ver­gan­ge­nen Sonn­tag eine ori­gi­nal­ge­treue Kopie des Gna­den­bil­des geschenkt wür­de. Am Ende der Hei­li­gen Mes­se in der Maglia­na wur­de dem Papst die Kopie der Iko­ne über­reicht. Noch weni­ger erwar­te­te sich das Kir­chen­ober­haupt wahr­schein­lich, bei sei­nem Pfarr­be­such auf die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta zu sto­ßen, oder jeden­falls auf die Fami­lie von Pater Ste­fa­no Maria Manel­li, den Ordens­grün­der die­ses außer­ge­wöhn­li­chen Ordens, der bis zum Som­mer des Vor­jah­res als ein Hoff­nungs­trä­ger in der katho­li­schen Ordens­land­schaft des Westens galt. Seit­her erlebt der Orden dunk­le Zei­ten.

Familie von Ordensgründer Manelli dem Papst vorgestellt

Im Anschluß an die Hei­li­ge Mes­se über­reich­ten Ange­hö­ri­ge der Fami­lie Manel­li, allen vor­an das Ehe­paar Pio und Anna­ma­ria Manel­li im Geden­ken an die Eltern bezie­hungs­wei­se Groß­el­tern Set­ti­mio und Licia Manel­li dem Papst die Iko­ne. Set­ti­mio (1886–1978) und Licia Manel­li (1907–2004) sind die Eltern von 21 Kin­dern. Ein Sohn, Pater Ste­fa­no Maria Manel­li ist der Grün­der der Ordens­fa­mi­lie der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, deren Gene­ral­obe­rer er bis zum Som­mer 2013 war. Sein jün­ge­rer Bru­der Pio, benannt nach Pater Pio von Piet­rel­ci­na, dem geist­li­chen Vater sei­ner Eltern, lebt mit sei­ner kin­der­rei­chen Fami­lie in der Pfar­rei, die Papst Fran­zis­kus besuch­te. Pio und Anna­ma­ria Manel­li haben neun Kin­der. Sechs davon gehö­ren dem von ihrem Onkel Ste­fa­no Maria gegrün­de­ten Orden an. Zwei Söh­ne sind Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, vier Töch­ter Fran­zis­ka­ne­ri­nenn der Imma­kual­ta. Die Eltern bezie­hungs­wei­se Groß­el­tern Set­ti­mio und Licia Manel­li wur­den von der Kir­che als Die­ner Got­tes aner­kannt. Ihr Selig­spre­chungs­ver­fah­ren ist im Gan­ge.

Die Fami­lie Manel­li ist in der römi­schen Vor­stadt­pfar­rei, die der Papst besuch­te, fest ver­an­kert. Am ver­gan­ge­nen 30. Okto­ber fei­er­te Pater Ste­fa­no Manel­li in der Pfarr­kir­che San Gre­go­rio Magno zusam­men mit vie­len Brü­dern und Schwe­stern sei­nes Ordens die Dank­mes­se für sei­ne Prie­ster­wei­he vor 58 Jah­ren. Eine Fei­er, die vom Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar, Pater Fidenzio Volpi aus­drück­lich geneh­migt wer­den muß­te. Nach der Abset­zung von Pater Manel­li als Gene­ral­obe­rer und der gesam­ten Ordens­lei­tung wur­de Pater Volpi von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on als Dele­gat des Hei­li­gen Stuhls ein­ge­setzt. Ihm allein unter­steht seit­her die Lei­tung des gesam­ten Ordens.

Überlieferter Ritus und Liebe zur Tradition wurden jungem Orden zum Verhängnis

Der radi­ka­le Ein­griff in den blü­hen­den, in der Seel­sor­ge biri­tu­el­len und ordens­in­tern alt­ri­tu­el­len Orden mit star­ker Nei­gung zur katho­li­schen Tra­di­ti­on stellt ein zen­tra­les Merk­mal des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats dar. Das dem Orden auf­er­leg­te Ver­bot, im über­lie­fer­ten Ritus zele­brie­ren und gemäß der Tra­di­ti­on wir­ken zu dür­fen, erschüt­ter­te in einem von Papst Bene­dikt mit Wohl­wol­len geför­der­ten Teil der Kir­che das Ver­hält­nis zum amtie­ren­den Papst.

Bis heu­te ist unklar, war­um der jun­ge Orden mit zahl­rei­chen Beru­fun­gen unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt wur­de. Der Ordens­kon­gre­ga­ti­on war der Orden offen­sicht­lich allein des­halb ver­haßt, weil er vom neu­en Ritus zum alten Ritus gewech­selt hat­te und im Gegen­satz zu den mei­sten Orden auch im Westen zahl­rei­che Beru­fun­gen anzie­hen konn­te.

Schwiegertochter der Diener Gottes malte Ikone für den Papst

Es war der Pfar­rer von San Gre­go­rio Magno, der Papst Fran­zis­kus die Fami­lie Manel­li vor­stell­te und auf die Die­ner Got­tes Set­ti­mio und Licia Manel­li auf­merk­sam mach­te. Wört­lich sag­te er bei der Vor­stel­lung von Pio und Anna­ma­ria Manel­li: „Eine kin­der­rei­che Fami­lie in der Pfar­rei zu haben, ist heut­zu­ta­ge ein beson­de­res Geschenk. Zudem hat die­se Fami­lie vie­le Prie­ster und Ordens­leu­te her­vor­ge­bracht. Ein Segen, der nicht im Ver­bor­ge­nen blei­ben soll.“

Anna­ma­ria Manel­li, die Schwie­ger­toch­ter der Die­ner Got­tes und Schwä­ge­rin des Ordens­grün­ders der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, hat­te die Kopie der Mari­en­iko­ne selbst ange­fer­tigt. Gemein­sam mit ihrem Mann Pio über­reich­te sie dem Papst das Bild der Salus Popu­li Roma­ni.

Aufforderung an Papst: Franziskaner der Immakulata „aus der Gruft herausholen“

Im per­sön­li­chen Gespräch bei der Über­ga­be baten sie Papst Fran­zis­kus, die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta wie­der „aus der Gruft her­aus­zu­ho­len“, in die der Orden durch die Maß­nah­men der Ordens­kon­gre­ga­ti­on ver­bannt wur­de. Es war eine Anspie­lung auf die Pre­digt des Pap­stes, der zuvor in sei­ner Homi­lie über die Auf­er­weckung des Laza­rus von den Toten gespro­chen hat­te, den der Herr auf­for­der­te, aus dem Grab her­aus­zu­kom­men.

„Bald, bald“

Papst Fran­zis­kus lächel­te sicht­lich über­rascht über die uner­war­te­te Kon­fron­ta­ti­on mit der Fra­ge der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, tät­schel­te zum Dank für die Iko­ne die Hän­de des Ehe­paars und die Wan­ge der Iko­nen­ma­le­rin und sag­te: „Bald, bald“.

„Was genau die­ses ‚bald‘ sagen will, weiß man nicht“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Zumin­dest die größ­ten Opti­mi­sten hof­fen nun auf ein bal­di­ges und fried­li­ches Ende der kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung des Ordens.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Set­ti­mo Cie­lo

16 Kommentare

  1. wie so vie­les, was er sagt, wahr­schein­lich ohne Bedeu­tung. Trotz­dem sind wir immer wie­der geneigt zu hof­fen.

  2. er ist Lati­no, „bald“ ist in der süd­ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur ein sehr dehn­ba­rer Begriff.

  3. Viel­leicht wäre es bes­ser gewe­sen, der Papst hät­te sich bei der Fami­lie Manel­li ent­schul­digt, für das Unrecht das er den Fran­zis­ka­nern der Imma­cu­la­ta ange­tan hat!

  4. Auch wenn sein „bald, bald“ nur beschwich­ti­gend gemeint sein soll­te — Papst Fran­zis­kus wird sich zukünf­tig dar­an mes­sen las­sen müs­sen.
    Ob er sich bei sei­nen schnell dahin­ge­wor­fe­nen Wor­ten des­sen wohl bewusst war?

      • Nein, eigent­lich nicht!
        Aber gesagt ist nun mal gesagt!
        Wenn auch eher nur neben­bei.
        Will Papst Fran­zis­kus glaub­wür­dig sein, muss er sei­nen Wor­ten auch Taten fol­gen las­sen.
        Auf wel­chen Zeit­raum sich die­ses „bald“ bezieht, dar­auf bin ich auch gespannt.

  5. Immer­hin hat Franz nolens volens zuge­ge­ben, dass die Fran­zis­ka­ner in eine Gruft ver­bannt sind. Es schließt sich die Fra­ge an, war­um.

  6. Tät­schelt die Wan­ge der Iko­nen­ma­le­rin, natür­lich zärt­lich und lieb­ko­send: „Bald, bald“. Ja, so rede ich, wenn mich die Kin­der um etwas bit­ten und ich gera­de kei­nen Kopf habe, mich damit zu beschäf­ti­gen.
    Viel­leicht geschieht dann was, wenn es ihm wie­der in den Sinn kommt, viel­leicht aber auch nicht, viel­leicht ist es ihm auch wurscht und er woll­te bloß was Net­tes sagen und abwie­geln.
    Jetzt kommt die Stun­de der Papst­ver­ste­her: was wird der HV wohl damit gemeint haben? Lasst uns wett­ei­fern im Spe­ku­lie­ren und Fabu­lie­ren.
    Aber wie wär’s mit einem Melo­dram fürs Fern­se­hen, mehr­tei­lig und anrüh­rend: „Mari­as ver­ges­se­ne Kin­der — Teil 1, Teil 2, Teil 3..und eines Tages kam ihr Leid vor den Küchen­stuhl des Bischofs von Rom…schluchz.…schneuf.…da besann er sich und wenn sie nicht gestor­ben sind.…Schnüff.….Pooot!“
    Hat jemand ein Taschen­tuch?

  7. Bald, bald, heißt: bald wer­den sich alle Fra­gen beant­wor­ten, es wird nichts mehr unklar sein.
    Beten wir, beten wir. bit­ten wir den Drei­fal­ti­gen um Füh­rung.

  8. Ent­schul­di­gung, aber ich glau­be von Lit­ur­gie, alter Mes­se etc. hat Fran­zis­kus kei­ne Ahnung und Latein beherrscht er auch nicht (na ja bis auf ein paar Stan­dard­saet­ze)
    Die Tra­dis sind ihm zuwi­der, das bekommt er ja von den deut­schen Tra­di­hassern in sei­nem Umfeld auch immer wie­der ein­ge­flue­stert.
    Die­ses Pon­ti­fi­kat ist fuer mich der Inbe­griff einer Hae­re­sie der Form­lo­sig­keit.

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