Die Hauptirrtümer der Gegenwart nach Ursprung und Ursachen – Denkschrift an seine Eminenz, Kartinal Fornari vom 19. Juni 1852

JuanDonosoCortesvon Dono­so Cor­tés

Eure Emi­nenz! Bevor ich Eurer Emi­nenz die kur­zen Aus­künf­te, um die Sie mich in Ihrem Schrei­ben vom letz­ten Mai gebe­ten haben, zum freund­li­chen Stu­di­um unter­brei­te, erscheint es mir nötig,bereits hier die Gren­zen fest­zu­le­gen, die ich mir selbst bei der Abfas­sung die­ser Denk­schrift gesetzt habe.

Unter den heu­te vor­herr­schen­den Irr­tü­mern gibt es kei­nen ein­zi­gen, der sich nicht aus einer Häre­sie ablei­ten lie­ße. Unter den moder­nen Häre­si­en gibt es kei­ne ein­zi­ge, die nicht auf eine ande­re zurück­zu­füh­ren wäre, wel­che schon von alters­her von der Hei­li­gen Kir­che ver­ur­teilt wur­de. Mit den sei­ner­zei­ti­gen Irr­tü­mern hat die Kir­che auch die gegen­wär­ti­gen und die zukünf­ti­gen ver­wor­fen. Obwohl sie unter­ein­an­der völ­lig gleich sind, wenn man sie in ihrem Wesen und ihrem Ursprung nach betrach­tet, so bie­ten die­se Irr­tü­mer den­noch das Schau­spiel eines gewal­ti­gen Unter­schie­des, wenn man sie nach ihren Anwen­dun­gen beur­teilt. Ich neh­me mir nun heu­te vor, sie mehr von der Sei­te ihrer Anwen­dun­gen zu betrach­ten, als von der ihres Wesens und ihres Ursprun­ges; und zwar noch mehr vom poli­ti­schen und sozia­len Stand­punkt aus gese­hen, als von dem rein reli­giö­sen. Auch möch­te ich hier mehr das, was an ihnen ver­schie­den ist, als das, was ihnen allen gemein­sam ist, erwä­gen; und schließ­lich auch mehr das, wor­in sie andau­ern­dem Wech­sel unter­wor­fen sind, als das, wor­in sie bestän­dig blei­ben.

Zwei Grün­de haben mich bestimmt, die­sen Weg zu beschrei­ten: Der eine liegt in mei­nen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen, der ande­re im eigen­tüm­li­chen Cha­rak­ter des Jahr­hun­derts, in dem wir leben. Was mich selbst betrifft, so habe ich immer geglaubt, daß ich als Laie, aber auch als Mann des öffent­li­chen Lebens, die unbe­ding­te Ver­pflich­tung habe, mei­ne eige­ne Zustän­dig­keit zu ver­nei­nen, um die heik­len Fra­gen, die über ver­schie­de­ne Gegen­stän­de unse­res Glau­bens und des Dog­mas gegen­wär­tig erör­tert wer­den, zu lösen.

Was ande­rer­seits das Jahr­hun­dert betrifft, in dem wir leben, so braucht man es nur ein wenig zu betrach­ten, um zu erken­nen, daß das, was es so trau­rig berühmt unter den Jahr­hun­der­ten macht, nicht gera­de dar­in liegt, daß es in anma­ßen­der Wei­se sei­ne Häre­si­en und Irr­tü­mer theo­re­tisch in alle Welt hin­aus posaunt, son­dern viel­mehr dar­in, daß es eine sata­ni­sche Anma­ßung auf­bringt: in der Art und Wei­se, wie es die Häre­si­en und die Irr­tü­mer, in die ver­gan­ge­ne Jahr­hun­der­te gefal­len waren, auf die gegen­wär­ti­ge Gesell­schaft anwen­det.

Es gab ein­mal eine Zeit, in der die mensch­li­che Ver­nunft sich in ver­rück­ten Spe­ku­la­tio­nen gefiel und sich schon damit zufrie­den gab, wenn sie es durch­ge­setzt hat­te, im intel­lek­tu­el­len Leben eine Ver­nei­nung einer Behaup­tung gegen­über­zu­stel­len, in der Phi­lo­so­phie einen Irr­tum einer Wahr­heit oder in der Reli­gi­on eine Häre­sie einem Dog­ma. Heu­te aber gibt sich die glei­che Ver­nunft nicht damit zufrie­den, wenn sie nicht auch gleich­zei­tig in die poli­ti­sche und sozia­le Welt hin­ab­stei­gen kann, um auf die­se Wei­se alles in Unord­nung zu stür­zen. Und so bringt sie es zuwe­ge, daß, wie durch eine Zau­be­rei, sich aus jedem Irr­tum ein Zwist ergibt, aus jeder Häre­sie eine Revo­lu­ti­on, und aus jeder ihrer stol­zen Ver­nei­nun­gen ein unge­heu­rer Zusam­men­bruch.

Der Baum des Irr­tums scheint heu­te zur vol­len, von der Vor­se­hung zuge­las­se­nen Rei­fe gekom­men zu sein, gepflanzt durch das erste Geschlecht ver­we­ge­ner Irr­leh­rer, begos­sen nach­her immer wie­der und wie­der von neu­en Geschlech­tern im Irr­glau­ben, zeig­te er sich in sei­nem Blät­ter­schmuck zu den Zei­ten unse­rer Groß­vä­ter, in sei­nen Blü­ten zur Zeit unse­rer Väter, und heu­te steht er vor uns hand­greif­lich und mit Früch­ten behan­gen. Sei­ne Früch­te sol­len auf ganz beson­de­re Wei­se ver­wünscht und ver­flucht sein, wie es in den frü­he­ren Zei­ten sei­ne duf­ten­den Blü­ten waren, wie es die Blät­ter waren, die ihn bedeck­ten, wie es der Stamm war, der sie trug. und wie es schließ­lich auch die Men­schen waren, die ihn pflanz­ten.

Ich will damit nicht sagen, daß das­je­ni­ge, was ein­stens ver­ur­teilt wor­den ist, nicht auch heu­te noch ein­mal ver­ur­teilt wer­den soll. Ich will nur sagen, daß mir eine beson­de­re Ver­samm­lung, die der beson­de­ren Umwand­lung ähn­lich ist, wel­cher vor unse­ren Augen die alten Häre­si­en im gegen­wär­ti­gen Jahr­hun­dert unter­lie­gen, in jeder Hin­sicht not­wen­dig erscheint. Jeden­falls ist die­ser Gesichts­punkt, unter dem ich die vor­lie­gen­de Fra­ge betrach­te, der ein­zi­ge, für den ich mich in gewis­ser Bezie­hung zustän­dig erklä­re.

Nach­dem auf die­se Wei­se ein­mal die rein theo­lo­gi­schen Fra­gen für mich aus­schei­den, habe ich mich aus­schließ­lich mit jenen ande­ren beschäf­tigt, die, wenn sie auch theo­lo­gisch ihrem Ursprung und ihrem Inhalt nach waren, doch all­mäh­lich infol­ge lang­sa­mer und ste­ter Umwand­lun­gen zu poli­ti­schen und sozia­len Fra­gen gewor­den sind. Aber selbst unter die­sen sah ich mich wegen viel­sei­ti­ger Ver­pflich­tun­gen und Man­gel an Zeit genö­tigt, eini­ge aus­zu­schei­den, und zwar die­je­ni­gen, die mir nicht so aus­schlag­ge­bend erschie­nen.

Ande­rer­seits jedoch hielt ich es für mei­ne Pflicht, eini­ge Punk­te zu berüh­ren, über die ich nicht zu einer Stel­lung­nah­me auf­ge­for­dert wor­den bin.

Aus den glei­chen Grün­den, näm­lich den all­zu vie­len Beschäf­ti­gun­gen und der all­zu kur­zen Zeit, die mir dafür zur Ver­fü­gung steht, war es mir lei­der auch nicht mög­lich, noch ein­mal die Bücher der moder­nen Häre­ti­ker durch­zu­le­sen, um mir aus ihnen die­je­ni­gen Sät­ze anzu­mer­ken, deren Inhalt bekämpft und ver­ur­teilt wer­den muß. Gleich­wohl habe ich dar­über beson­ders auf­merk­sam nach­ge­dacht und bin dabei zur Über­zeu­gung gekom­men, daß dies in den frü­he­ren Zei­ten weit­aus nöti­ger war als heu­te. Denn zwi­schen damals und heu­te ist, genau betrach­tet, fol­gen­der bemer­kens­wer­te Unter­schied: In den ver­gan­ge­nen Zei­ten waren die Irr­leh­ren in den Büchern der­art ver­bor­gen, daß, wenn man nicht in die­sen Büchern nach ihnen such­te, man sie sonst nir­gends fin­den konn­te. Hin­ge­gen ist der Irr­glau­be in den Zei­ten, die wir durch­le­ben, sowohl in den Büchern, wie auch außer­halb der­sel­ben anzu­tref­fen; denn er ist sowohl in ihnen wie auch über­all sonst­wo. Er ist in den Büchern; in den gesell­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen, in den Geset­zen, in den Zei­tun­gen, in den Reden, in den Gesprä­chen, in den Lehr­sä­len, in den Ver­ei­nen, im eige­nen Heim und in der Öffent­lich­keit, kurz: in allem, was gesagt; aber auch in allem, was ver­schwie­gen wird. Bei mei­nem gro­ßen Zeit­man­gel habe ich zuerst nach dem mir Zunächst­lie­gen­den gefragt und mir hat all das, was um mich her­um ist, geant­wor­tet.

Die moder­nen Häre­si­en sind zahl­los; doch haben sie alle, genau genom­men, ihren Ursprung, aber auch ihr Ende in zwei höchst wich­ti­gen Ver­nei­nun­gen: die eine bezieht sich auf Gott, die ande­re auf den Men­schen.

Die Gesell­schaft ver­neint, daß Gott Sich um Sei­ne Geschöp­fe sor­ge. Beim Men­schen aber stellt sie in Abre­de, daß er in der Erb­sün­de emp­fan­gen sei.

Sein Stolz hat dem Men­schen von heu­te zwei Sät­ze zuge­flü­stert und bei­de hat er geglaubt, näm­lich: daß er kei­nen Makel habe, und daß er Gott nicht benö­ti­ge; daß er stark sei und daß er schön sei. Des­we­gen sehen wir ihn auf sei­ne Macht so ein­ge­bil­det und in sei­ne Schön­heit so ver­liebt.

Wenn man aber die Erb­sün­de ver­neint, so ver­neint man unter vie­lem ande­ren auch fol­gen­de grund­le­gen­de Leh­ren: daß das zeit­li­che Leben nur ein Leben der Süh­ne ist, und daß die Erde, auf der sich die­ses Leben abspielt, einem Trä­nen­tal gleicht, — daß fer­ner das Licht der Ver­nunft nur schwach und flackernd ist, — daß der Wil­le des Men­schen viel­fach kränk­lich und schwach ist, — daß der Genuß uns fast nur als Ver­su­chung gege­ben ist, damit wir uns sei­nes Anrei­zes erweh­ren und uns von ihm befrei­en, — daß der Schmerz etwas Gutes ist, wenn er aus einem über­na­tür­li­chen Beweg­grund frei­wil­lig ange­nom­men wird, — daß uns schließ­lich die Lebens­zeit zu unse­rer Hei­li­gung gege­ben ist, und daß der Mensch des­sen bedarf: näm­lich hei­lig zu wer­den.

Wird all dies aber geleug­net, so kommt man neben vie­len ande­ren zu fol­gen­den Behaup­tun­gen: daß das irdi­sche Leben uns zu dem Zwecke gege­ben sei, um uns durch eige­ne Kraft und mit­tels eines unauf­hör­li­chen Fort­schrit­tes zur höch­sten Voll­kom­men­heit zu erhe­ben; — daß der Ort, an dem wir die­ses Leben ver­brin­gen, von Grund auf durch den Men­schen umge­wan­delt wer­den kann und umge­wan­delt wer­den muß; — daß der Mensch bei gesun­der Ver­nunft sei, und es daher kei­ne Wahr­heit gebe, die er nicht begrei­fen kön­ne, und daß es ande­rer­seits auch kei­ne Wahr­heit gebe, die über die Fas­sungs­kraft sei­ner Ver­nunft hin­aus­ge­hen kön­ne; ‑daß es kein Übel in die­ser Welt gebe, wel­ches nicht die Ver­nunft als sol­ches erken­ne, noch auch eine ande­re Sün­de als jene, von der uns unse­re Ver­nunft sagt, daß sie Sün­de sei; — das heißt, daß es weder ein Übel noch eine Sün­de gibt als die­je­ni­gen, die die welt­li­che Phi­lo­so­phie als eine Sün­de oder ein Übel aner­kennt; — daß fer­ner der Wil­le des Men­schen an und für sich schon gesund sei und es daher nicht nötig habe, berich­tigt zu wer­den; — daß wir den Schmerz flie­hen und den Genuß suchen sol­len; — daß die Lebens­zeit uns gege­ben ist, um sie zu genie­ßen, und daß schließ­lich der Mensch aus sich her­aus gut und unver­dor­ben sei.

Die­se Ver­nei­nun­gen und die­se Behaup­tun­gen in Bezug auf den Men­schen füh­ren zu ande­ren Ver­nei­nun­gen und zu ande­ren Behaup­tun­gen in Bezug auf Gott. Unter der Vor­aus­set­zung, daß der Mensch nicht in Sün­de gefal­len sei, ergibt sich die Leug­nung — und es wird auch geleug­net — daß der Mensch wie­der­ge­bo­ren wur­de. Unter der Vor­aus­set­zung, daß der Mensch nicht wie­der­ge­bo­ren wur­de, ergibt sich die Leug­nung — und es wird auch geleug­net — der Myste­ri­en der Erlö­sung und der Mensch­wer­dung, des Dog­mas vom Fleisch­ge­wor­de­nen Wort und des Gött­li­chen Wor­tes selbst. Wenn man einer­seits die natür­li­che Unver­sehrt­heit des mensch­li­chen Wil­lens vor­aus­setzt und ande­rer­seits sich wei­gert, anzu­er­ken­nen, daß es ein ande­res Übel oder eine ande­re Sün­de gebe, als das was die welt­li­che Phi­lo­so­phie dafür aus­gibt, so folgt dar­aus die Leug­nung — und es wird auch geleug­net — des Ein­flus­ses der Hei­lig­ma­chen­den Gna­de auf den
Men­schen und damit gleich­zei­tig des Dog­mas von der Drit­ten Gött­li­chen Per­son, des Hei­li­gen Gei­stes. Aus allen die­sen Ver­nei­nun­gen ergibt sich die Leug­nung des erha­be­nen Dog­mas von der Aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit: Eck­stein unse­res Glau­bens und Fun­da­ment aller katho­li­schen Dog­men.

Dar­aus ent­springt das umfas­sen­de System des „Natu­ra­lis­mus“, der den gründ­li­chen, all­ge­mei­nen und voll­kom­me­nen Wider­spruch zu allen unse­ren Glau­bens­sät­zen dar­stellt. Als Katho­li­ken glau­ben und beken­nen wir, daß der sün­di­ge Mensch immer­wäh­rend hil­fe­be­dürf­tig ist, und daß Gott ihm die­se Hil­fe stän­dig mit­tels eines über­na­tür­li­chen Bei­stan­des gewährt, in dem Sei­ne Lie­be und Sei­ne unend­li­che Barm­her­zig­keit zugleich in wun­der­ba­rer Wei­se wirk­sam sind. Für uns ist das über­na­tür­li­che die Atmo­sphä­re des Natür­li­chen, das heißt: jenes schließt die­ses ein und erhält es, ohne sich fühl­bar zu machen.

Zwi­schen Gott und dem Men­schen gab es einen uner­gründ­li­chen Abgrund. Der Sohn Got­tes ist aber Mensch gewor­den, und dadurch, daß in IHM bei­de Wesen­hei­ten wahr­haft ver­eint sind, wur­de die­ser Abgrund aus­ge­füllt. Zwi­schen dem fleisch­ge­wor­de­nen Wor­te Got­tes, Gott und Mensch zugleich, und dem sünd­haf­ten Men­schen gab es noch eine uner­meß­li­che Ent­fer­nung. Um die­se uner­meß­li­che Ent­fer­nung zu über­brücken, setz­te Gott zwi­schen einen Sohn und Sein Geschöpf die Mut­ter Sei­nes Soh­nes, die Aller­se­lig­ste Jung­frau, das „Weib ohne Sün­de“. Zwi­schen die­sem „Weib ohne Sün­de“ und dem sün­di­gen Men­schen war die Ent­fer­nung noch immer sehr groß, und Gott setz­te in Sei­ner unend­li­chen Barm­her­zig­keit zwi­schen die Aller­se­lig­ste Jung­frau und den sün­di­gen Men­schen die „hei­li­gen Sün­der“.

Wer wür­de nicht eine so erha­be­ne und herr­li­che, eine so wun­der­ba­re und so voll­kom­me­ne Anord­nung bewun­dern? Der größ­te Sün­der braucht nicht mehr, als sei­ne sün­di­ge Hand aus­zu­strecken, um den zu fin­den, der ihm hilft aus dem Abgrund sei­ner Sün­de auf der Him­mels­lei­ter von Spros­se zu Spros­se bis zu den Höhen des Him­mels empor­zu­ge­lan­gen.

Aber dies alles ist nur die sicht­ba­re und äuße­re Form und, da die­se nur äußer­lich uns sicht­bar ist, bis zu einem gewis­sen Gra­de auch unvoll­kom­me­ne Form der wun­der­ba­ren Wir­kun­gen jener über­na­tür­li­chen Hil­fe, mit der Gott dem Men­schen bei­steht, damit er siche­ren Fußes auf dem rau­hen Pfad des Lebens vor­an­schrei­te. Um sich eine Vor­stel­lung von die­ser wun­der­ba­ren Über­na­tür­lich­keit zu machen, ist es not­wen­dig, mit den Augen des Glau­bens in die höch­sten und ver­bor­gen­sten Regio­nen vor­zu­drin­gen; es ist nötig, das Augen­merk auf die Kir­che zu rich­ten, wie sie stän­dig durch die geheim­nis­vol­le Wirk­sam­keit des Hei­li­gen Gei­stes gelei­tet wird. Es ist not­wen­dig, in das gehei­me Hei­lig­tum der See­le ein­zu­drin­gen, um dort zu sehen, wie die Gna­de Got­tes sie umwirbt und sie sucht, und wie die See­le des Men­schen ihr Ohr jenem gött­li­chen Ruf ver­schließt oder öff­net, und wie eine stil­le Unter­re­dung zwi­schen dem Geschöpf und sei­nem Schöp­fer sich anknüpft und stän­dig fort­setzt. Es ist aber auch nötig, einen Blick auf die Gegen­sei­te zu wer­fen, auf das, was dort geschieht, auf das, was dort gespro­chen wird, und auf das, was dort der Geist der Fin­ster­nis sucht. Wir müs­sen aber auch erken­nen, wie die See­le des Men­schen hin und her­schwankt, wie sie sich abmüht und ermü­det zwi­schen zwei Ewig­keits­be­rei­chen, um schließ­lich je nach dem Geist, dem sie folgt, im Reich des Lich­tes oder im Abgrund der Fin­ster­nis zu ver­sin­ken.

Es ist nötig, zu sehen und zu erken­nen, wie uns zur Sei­te der schüt­zen­de Engel schrei­tet und mit einem lei­sen Hau­che die bösen Gedan­ken ver­treibt, damit sie uns nicht bedrän­gen, und wie er sei­ne Hän­de vor unse­re Füße hält, damit wir nicht strau­cheln. Man muß aber auch einen Rück­blick auf die Geschich­te machen, um zu erfas­sen, in welch wun­der­vol­ler Wei­se Gott die Schick­sa­le der Men­schen lenkt zu Sei­nem eige­nen Ruh­me, aber auch zum Hei­le Sei­ner Aus­er­wähl­ten. Obwohl Er also der Herr über die Geschicke ist, bleibt den­noch der Mensch zugleich Herr über sei­ne Hand­lun­gen. Es ist erfor­der­lich, daß wir erken­nen, wie Er zur rech­ten Zeit die Erobe­rer und deren Erobe­run­gen, die Feld­her­ren und deren Schlach­ten auf den Plan ruft. Und wie Er wie­der alles auf­rich­tet und befrie­det in einem Augen­blick, in dem Er den Kriegs­geist ver­nich­tet und den Hoch­mut der Erobe­rer zu Fall bringt: wie Er zuläßt. daß sich Tyran­nen gegen ein schuld­be­la­de­nes Volk erhe­ben, und wie Er zugibt, daß auf­säs­si­ge Völ­ker manch­mal zur Zucht­ru­te ihrer Tyran­nen wer­den. Wie Er fer­ner die Volks­stäm­me mit­ein­an­der ver­eint und ande­rer­seits die Klas­sen von­ein­an­der trennt oder sogar die Men­schen in alle Win­de zer­streut. Wir Er die Rei­che die­ser Erde ganz nach Sei­nem Wil­len sich bil­den und wie­der zer­fal­len läßt, wie Er sie zu Boden schmet­tert und wie Er sie bis zu den Wol­ken hin­auf erhebt. Und wir müs­sen wohl end­lich auch sehen, wie die Men­schen ver­lo­ren und blind durch die­ses Laby­rinth der Geschich­te wan­dern: einer Geschich­te, die die Natio­nen der Men­schen sich selbst schrei­ben, ohne daß auch nur eine die­ser Natio­nen erklä­ren könn­te, wie ihr Auf­bau ist, wo ihr Beginn und wo ihr Ende.

Die­ses gan­ze umfas­sen­de und groß­ar­ti­ge System der Über­na­tür­lich­keit, das den rich­ti­gen Schlüs­sel und die rich­ti­ge Erklä­rung für alle mensch­li­chen Ver­hält­nis­se abgibt, wird aus­ge­spro­chen oder unaus­ge­spro­chen von allen denen geleug­net, die behaup­ten, daß der Mensch ohne Sün­de emp­fan­gen wor­den sei. Und die sol­ches heu­te behaup­ten, das sind nicht etwa bloß eini­ge Phi­lo­so­phen, nein, es sind auch die Füh­rer der Völ­ker, die herr­schen­den Klas­sen, ja, sogar die Gesell­schaft selbst, die vom Gift die­ser zer­set­zen­den Häre­sie ange­steckt ist.

Hier ist die Erklä­rung für all das, was wir erle­ben und was uns in jener Lage berührt, in der wir nach der Logik die­ser Häre­sie gera­ten sind. Wenn das Licht unse­rer Ver­nunft nicht ver­dun­kelt ist: dann genügt die­ses Licht, um die Wahr­heit ohne Hil­fe des Glau­bens zu erken­nen. Wenn der Glau­be nicht not­wen­dig ist: dann ist der Ver­stand ein unab­hän­gi­ger Herr. Die Fort­schrit­te in der Wahr­heit sind dann abhän­gig von den Fort­schrit­ten des Ver­stan­des; die Fort­schrit­te des Ver­stan­des aber sind abhän­gig von des­sen bestän­di­ger Übung. Die­se Übung voll­zieht sich am besten in der Dis­kus­si­on. Dar­um ist die Dis­kus­si­on das wah­re Grund­ge­setz der moder­nen Gesell­schaft und der ein­zi­ge Schmelz­tie­gel, in dem sich, ein­mal geschmol­zen, die Wahr­hei­ten von den Irr­tü­mern schei­den sol­len. Auf die­sem Grund­satz beru­hen die Frei­heit der Pres­se, die Immu­ni­tät der Abge­ord­ne­ten und die tat­säch­li­che Ober­ho­heit der Par­la­men­te. Fer­ner: Ist der Wil­le des Men­schen nicht ange­krän­kelt, dann genügt ihm schon die Anzie­hungs­kraft des Guten, um des­sen Spur zu fol­gen — ohne den Über­na­tür­li­chen Bei­stand der gött­li­chen Gna­de. Wenn der Mensch die­ses Bei­stan­des nicht bedarf, dann benö­tigt er weder die hei­li­gen Sakra­men­te, die ihm einen sol­chen Bei­stand gewäh­ren kön­nen, noch auch die Gebe­te, die ihm dazu ver­hel­fen. Wenn das Gebet nicht erfor­der­lich ist, dann ist es also müßig. Wenn es müßig ist, dann ist auch das kon­tem­pla­ti­ve Leben nur Müßig­gang. Ist aber das beschau­li­che Leben müßig und unnütz, dann sind es zum größ­ten Teil auch die reli­giö­sen Orden und Genos­sen­schaf­ten.

Damit erklärt sich aber auch, war­um über­all dort, wo die­se Auf­fas­sung Platz gegrif­fen hat, auch jene Orden auf­ge­löst wur­den. Wenn der Mensch nicht mehr die hei­li­gen Sakra­men­te benö­tigt, dann braucht er natür­li­cher­wei­se auch nie­man­den, der sie ihm spen­det; und wer Gott nicht benö­tigt, der bedarf auch nicht Sei­ner Mitt­ler auf die­ser Welt. Dar­aus ent­springt die Ver­ach­tung und die Ver­trei­bung der Prie­ster dort, wo die­se Ideen Wur­zel gefaßt haben.

Die Miß­ach­tung des Prie­ster­tums läuft über­all auch auf eine Miß­ach­tung der Hei­li­gen Kir­che hin­aus; und die Miß­ach­tung der Kir­che kommt einer Miß­ach­tung Got­tes selbst über­all gleich.

Wenn man den Ein­fluß Got­tes auf den Men­schen leug­net und wenn man dadurch auch neu­er­dings so weit es über­haupt mög­lich ist — zwi­schen dem Schöp­fer und Sei­nem Geschöpf einen uner­gründ­li­chen Abgrund auf­reißt, dann trennt sich auch in einem Augen­blick die Gesell­schaft instink­tiv von der Hei­li­gen Kir­che im glei­chen Maße. Dar­um ist dort, wo Gott in sei­nen Him­mel ver­bannt wird, auch die Kir­che in ihr Hei­lig­tum ver­bannt; und umge­kehrt: Dort, wo der Mensch der Herr­schaft Got­tes unter­tan ist, unter­wirft er sich auch selbst­ver­ständ­lich und gefühls­mä­ßig der Herr­schaft Sei­ner Hei­li­gen Kir­che. Alle Jahr­hun­der­te bezeu­gen die­se ewi­ge Wahr­heit, und davon legt eben­so das gegen­wär­ti­ge Jahr­hun­dert wie die ver­gan­ge­nen ein bered­tes Zeug­nis ab.

Nach­dem aber auf die­se Wei­se alles, was über­na­tür­lich ist, besei­tigt und die Reli­gi­on in einen unkla­ren „Deis­mus“ umge­wan­delt wur­de, wen­det der Mensch, der ja nun nicht mehr der Kir­che, die in ihrem Hei­lig­tum ver­schlos­sen wird, bedarf, noch auch Got­tes bedarf, der in sei­nem Him­mel gefan­gen ist so wie der Gigant Enkel­a­dos unter sei­nem Fel­sen — dann wen­det also die­ser Mensch sein Augen­merk der Erde zu und wid­met sich aus­schließ­lich der Pfle­ge sei­ner mate­ri­el­len Inter­es­sen. Das ist das Zeit­al­ter der Nütz­lich­keits­prin­zi­pi­en, der Expan­si­on des Han­dels, des Indu­stria­li­sie­rungs­fie­bers, des Über­mu­tes der Rei­chen und des Unwil­lens der Armen. Auf die­sen Zustand des mate­ri­el­len Reich­tums und der reli­giö­sen Dürf­tig­keit folgt immer eine jener unge­heu­ren Kata­stro­phen, die Über­lie­fe­rung und Geschich­te für immer dem Gedächt­nis der Men­schen ein­prä­gen. Zu ihrer Beschwö­rung kom­men dann die Klu­gen und Schlau­en im Rate zusam­men. Die Sturm­flut aber stürzt unauf­halt­sam ein­her, wirft ihre Plä­ne mit einem plötz­li­chen Stoß über den Hau­fen und ver­schlingt alle samt ihren Beschwö­run­gen.

Damit will ich sagen, daß es völ­lig aus­ge­schlos­sen ist, den Aus­bruch von Revo­lu­tio­nen wie auch das Auf­tre­ten von Tyran­nen zu ver­hin­dern. Denn bei­des ist ja im Grun­de ein und das­sel­be, da bei­de sich nur auf eine Gewalt­herr­schaft stüt­zen, die allein noch zu regie­ren ver­mag, nach­dem man die Kir­che in ihr Hei­lig­tum und Gott in sei­nen Him­mel ver­bannt hat. Der Ver­such, das Vaku­um aus­zu­fül­len, das ihre Abwe­sen­he­itin der Gesell­schaft erzeugt, und zwar dadurch, daß man die öffent­li­che Gewalt auf künst­li­che und wohl­be­rech­ne­te Art auf­teilt, ist eine törich­te Anma­ßung und bleibt ver­geb­lich. Die­ser Ver­such gleicht hier­in dem Unter­fan­gen, wenn die Lebens­gei­ster schon gewi­chen sind, auf künst­li­chem Wege und durch rein mecha­ni­sche Mit­tel das Wun­der des Lebens wie­der her­vor­brin­gen zu wol­len. Eben­so wie weder die Kir­che noch auch Gott eine Form sind, so könn­te auch nicht irgend­wel­che for­ma­li­sti­sche Kon­struk­ti­on die gro­ße Lee­re, die sie zurück­las­sen, aus­fül­len, wenn sie sich bei­de ein­mal von der mensch­li­chen Gesell­schaft zurück­ge­zo­gen haben. Und umge­kehrt: Es gibt kei­ne Regie­rungs­form, die von Grund auf gefähr­lich wer­den könn­te, so lan­ge sich unter ihr Gott und die Kir­che frei bewe­gen kön­nen, das heißt: wenn die Sit­ten und Gebräu­che Gott und der Kir­che ent­spre­chen und die Zei­ten gün­stig sind.

Es gibt kei­nen Vor­wurf, der merk­wür­di­ger wäre, als jener, daß man einer­seits den Katho­li­zis­mus beschul­digt, die Herr­schaft der Mas­sen zu för­dern, ande­rer­seits behaup­tet, daß der­sel­be Katho­li­zis­mus die Errin­gung der Frei­heit behin­de­re, ja sogar die Aus­brei­tung des Abso­lu­tis­mus begün­sti­ge.

Gibt es etwas Wider­sin­ni­ge­res, als das erste­re jenem Katho­li­zis­mus vor­zu­wer­fen, der nicht auf­hört, die blu­ti­gen Revo­lu­tio­nen zu ver­ur­tei­len und den Gehor­sam als hei­li­ge Ver­pflich­tung für alle Men­schen ein­zu­schär­fen? Gibt es aber auch etwas Wider­sin­ni­ge­res, als die zwei­te Behaup­tung der ein­zi­gen Reli­gi­on auf Erden vor­zu­wer­fen, die die Völ­ker lehrt, daß kein Mensch ein Recht über den ande­ren habe, da jede Auto­ri­tät von Gott kommt? Die wei­ter­hin erklärt, daß nie­mand Grö­ße besit­zen wer­de, der sich nicht in sei­nen Augen als klein erscheint? Daß die Regie­run­gen für das Wohl des Men­schen ein­ge­setzt sind? Daß Befeh­len in Wahr­heit Die­nen heißt, und daß schließ­lich die Aus­übung der höch­sten Gewalt ein Dienst ist, und damit auch ein Opfer beinhal­tet? Die­se Grund­sät­ze, die uns von Gott geof­fen­bart und von Sei­ner Hei­li­gen Kir­che ganz und unver­sehrt bewahrt wur­den, bil­den das Öffent­li­che Recht aller christ­li­chen Natio­nen. Die­ses Öffent­li­che Recht ist die fort­wäh­ren­de Bekräf­ti­gung der wah­ren Frei­heit, weil es einer­seits die fort­wäh­ren­de Ver­ur­tei­lung jenes Anspru­ches ist, den sich die Völ­ker anma­ßen, wenn sie, statt zu gehor­chen, sich empö­ren; und ande­rer­seits auch die Ver­ur­tei­lung jenes ande­ren Anspru­ches, den die Herr­scher erhe­ben, indem sie ihre Macht in eine Tyran­nei umge­stal­ten. Die Frei­heit besteht ja gera­de in der Ver­wer­fung die­ser bei­den Ansprü­che: und dies ist von sol­cher Bedeu­tung, daß damit die Frei­heit unver­meid­lich, und daß ohne die­se Erkennt­nis die Frei­heit unmög­lich ist. Die Beja­hung der Frei­heit und die Ver­wer­fung jener Ansprü­che sind, genau betrach­tet, nur zwei ver­schie­de­ne Aus­drucks­wei­sen für ein und die­sel­be Sache. Dar­aus ergibt sich aber, daß der Katho­li­zis­mus weder den Tyran­nei­en noch den Revo­lu­tio­nen gün­stig gesinnt ist. Viel­mehr, daß er allein sie bekämpft hat. Nicht nur, daß er kein Feind der Frei­heit ist, hat er allein mit jener dop­pel­ten Ver­ur­tei­lung den wah­ren Begriff der wirk­li­chen Frei­heit ent­hüllt.

Nicht weni­ger wider­sin­nig ist die Unter­stel­lung eini­ger, daß die Reli­gi­on, die wir beken­nen, und die Hei­li­ge Kir­che, die die­se Reli­gi­on dar­stellt und lehrt, die freie Nut­zung des natio­na­len Reich­tums, eine gute Lösung der wirt­schaft­li­chen Fra­gen und die För­de­rung des mate­ri­el­len Wohl­stan­des auf­hal­ten woll­ten, oder sie zumin­dest nur ungern sähen. Wenn es auch gewiß ist, daß es sich die Reli­gi­on zur Auf­ga­be stellt: nicht die Völ­ker mäch­tig, son­dern glück­lich; nicht die Men­schen reich, son­dern hei­lig zu machen; so ist es eben­so gewiß, daß einer ihrer vor­nehm­sten und erha­ben­sten Lehr­sät­ze dem Men­schen sei­ne ihm von der Vor­se­hung über­tra­ge­ne Auf­ga­be offen­bart: näm­lich die gan­ze
Natur umzu­wan­deln und durch sei­ne Arbeit in den Dienst sei­ner Zwecke zu stel­len. Was die Hei­li­ge Kir­che sucht, ist ein gewis­ses Gleich­ge­wicht zwi­schen den mate­ri­el­len, den mora­li­schen und den reli­giö­sen Inter­es­sen. Was sie mit die­sem Gleich­ge­wicht will, ist, daß jedes Ding sei­nen ihm zukom­men­den Platz ein­nimmt und daß es Platz für alle Din­ge gibt. Und was sie letzt­end­lich noch zu errei­chen sucht, ist, daß der Vor­rang den mora­li­schen und reli­giö­sen Inter­es­sen zukommt, denen daher die mate­ri­el­len Inter­es­sen nach­ste­hen müs­sen. Das aber nicht nur des­we­gen, weil es so die Grund­sät­ze der Ord­nung for­dern, son­dern auch, weil uns die Ver­nunft sagt und die Geschich­te lehrt, daß jenes
Über­ge­wicht der mora­li­schen und reli­giö­sen Inter­es­sen unbe­dingt für die Har­mo­nie des Lebens not­wen­dig ist. Denn nur auf die­se Wei­se kön­nen und wer­den auch gewiß die gro­ßen Kata­stro­phen beschwo­ren wer­den, die jeder­zeit dort aus­bre­chen kön­nen, wo das Über­ge­wicht und das aus­schließ­li­che Über­hand­neh­men der mate­ri­el­len Inter­es­sen die Begier­den der Mas­se in Gärung ver­setzt.

Ande­re wie­der sind heu­te wohl davon über­zeugt, daß die Welt, wenn sie nicht zugrun­de­ge­hen will, der Hil­fe unse­rer Reli­gi­on und unse­rer Hei­li­gen Kir­che bedarf. Allein sie scheu­en sich, die­sem Joch sich zu unter­wer­fen, das, wenn es auch für die Demü­ti­gen sanft ist, doch für die Stol­zen nur schwer zu ertra­gen ist. Und so suchen sie denn einen Aus­weg in einer Zwit­ter­stel­lung, indem sie gewis­se Leh­ren und For­de­run­gen der Reli­gi­on und der Kir­che wohl anneh­men; aber dafür ande­re, die sie als über­trie­ben betrach­ten, ver­wer­fen.

Sol­che Leu­te sind umso gefähr­li­cher, als sie sich mit einer gewis­sen unpar­tei­ischen Mie­ne, die zur Täu­schung und Ver­füh­rung sehr geeig­net ist, zum Schieds­rich­ter auf­wer­fen und den Irr­tum und die Wahr­heit zwin­gen, vor ihrem Gericht zu erschei­nen; und mit ver­stell­ter Zurück­hal­tung tun sie, als ob sie eine ganz beson­de­re Ver­mitt­ler­rol­le zwi­schen bei­den spiel­ten. Gewiß: die Wahr­heit fin­det sich in der Mit­te zwi­schen den ent­ge­gen­ge­setz­te­sten Irr­tü­mern. Jedoch: Zwi­schen der Wahr­heit und einem Irr­tum kann es nie­mals eine Ver­mitt­lung geben! Denn zwi­schen die­sen bei­den Gegen­po­len gibt es nichts, aber auch gar nichts! Nichts als eine unend­li­che Lee­re. Wer sich in die­sen lee­ren Raum
begibt, der ist von der Wahr­heit eben­so weit ent­fernt wie der, der sich auf die Sei­te des Irr­tums schlägt. Denn in der Wahr­heit ist nur der­je­ni­ge, der mit ihr völ­lig eins gewor­den ist.

Das sind die wich­tig­sten Irr­tü­mer jener Men­schen und jener Klas­sen, denen in unse­ren Zei­ten das trau­ri­ge Vor­recht zuteil gewor­den ist, die Völ­ker zu regie­ren. Wenn man jedoch sei­ne Blicke der ande­ren Sei­te zuwen­det und die­je­ni­gen ins Auge faßt, die mit dem Anspruch auf das gro­ße Erbe des Regie­rens her­vor­tre­ten, so kann man die­sen Anspruch ein­fach nicht begrei­fen, und es ver­wir­ren sich in einem die Gedan­ken, da man hier nur noch ver­derb­li­che­ren und abscheu­li­che­ren Irr­tü­mern begeg­net. Dies ist jedoch vor allem des­we­gen der Beach­tung wert, weil die­se Irr­tü­mer, so ver­derb­lich und abscheu­lich sie auch sein mögen, nichts als die logi­schen Fol­ge­run­gen, und — eben weil sie logisch sind — auch die unver­meid­li­chen Fol­ge­run­gen der eben behan­del­ten Irr­tü­mer sind.

Unter der Vor­aus­set­zung der unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis jedes Men­schen und damit der Unver­sehrt­heit der mensch­li­chen Natur, des mensch­li­chen Wesens, stel­len wohl man­che an sich selbst die Fra­ge: Wenn unse­re Ver­nunft so klar ist und unser Wil­le so recht­schaf­fen und vor­treff­lich war­um sol­len da unse­re Lei­den­schaf­ten, die in uns herr­schen, nicht genau so wie unser Wil­le und unser Ver­stand eben­falls gut sein? Ande­re wie­der­um fra­gen sich: Wenn die Dis­kus­si­on dazu dient, um zur Wahr­heit zu gelan­gen, war­um soll es da Din­ge geben, die ihrem ent­schei­den­den Rich­ter­spruch ent­zo­gen wer­den? Ande­re hin­ge­gen kön­nen es nicht begrei­fen, daß unter den bespro­che­nen Vor­aus­set­zun­gen — die Frei­heit
des Den­kens, Wol­lens und Schaf­fens nicht eine unein­ge­schränk­te Frei­heit sein soll. Die­je­ni­gen, wel­che sich mit reli­giö­sen Streit­fra­gen befas­sen, legen sich die Fra­ge vor: war­um denn Gott, wenn er für die Gesell­schaft nicht gut genug ist, noch der Him­mel zuge­bil­ligt wird; und: war­um denn der Kir­che, die ja zu nichts mehr taugt, noch das Recht auf einen hei­li­gen Bereich zuste­hen soll? Wie­der ande­re stel­len sich die Fra­ge: war­um man nicht den Ver­such wagen kön­ne, den Genuß bis zur vol­len Befrie­di­gung der Begier­den zu stei­gern und so die­ses Trä­nen­tal in einen Gar­ten der Freu­de zu ver­wan­deln — umso mehr, da doch der Fort­schritt im Wohl­erge­hen ein unend­li­cher sein soll! Die „Phil­an­thro­pen“ zei­gen sich ent­rü­stet, wenn sie einem Armen auf der Stra­ße begeg­nen; sie kön­nen es nicht begrei­fen, wie ein Armer, der doch so häß­lich ist, über­haupt ein Mensch sein kann — oder viel­mehr: wie der Mensch, der doch so gut und schön ist, über­haupt arm sein kann. Wor­in sie aber alle — jeder for­mu­liert dies anders — über­ein­stim­men, ist: daß sie es unbe­dingt für erfor­der­lich hal­ten, die Gesell­schaft zu unter­wüh­len, die Regie­run­gen abzu­schaf­fen und den Reich­tum auf­zu­tei­len, und so mit einem Schla­ge alle mensch­li­chen und gött­li­chen Geset­ze auf­zu­he­ben.

Wie­wohl man es kaum für mög­lich hal­ten wür­de, so gibt es noch einen Irr­tum, der, wenn er auch für sich allein betrach­tet bei wei­tem nicht so ver­werf­lich ist, den­noch durch sei­ne Fol­gen schwer­wie­gen­der ist als alle die­se Ver­ir­run­gen selbst. Ich mei­ne damit die Blind­heit jener, die den Zusam­men­hang zwi­schen die­sen Irr­tü­mern und jenen Häre­si­en nicht sehen wol­len und sich dage­gen sträu­ben, daß jene Irr­tü­mer aus eben die­sen Häre­si­en not­wen­dig und unver­meid­lich her­vor­ge­hen müs­sen. Wenn die Gesell­schaft sich nicht bald von die­sem Irr­tum befreit, und wenn sie, ein­mal davon frei, nicht die Irr­tü­mer als Fol­gen und die­se Häre­si­en als deren Vor­aus­set­zun­gen ver­ur­teilt, und zwar mit einer gründ­li­chen und end­gül­ti­gen Ver­ur­tei­lung: dann ist die­se Gesell­schaft, mensch­lich gese­hen, für immer ver­lo­ren.

Der­je­ni­ge, der die höchst unvoll­kom­me­ne Auf­zäh­lung, die ich soeben von die­sen furcht­ba­ren Irr­tü­mern gemacht habe, liest: der wird fest­stel­len kön­nen, daß die einen von ihnen unbe­dingt zu einer all­ge­mei­nen Auf­lö­sung füh­ren und unfehl­bar auf eine Anar­chie hin­aus­lau­fen müs­sen; die ande­ren hin­ge­gen zu ihrer Ver­wirk­li­chung einen Des­po­tis­mus von uner­hör­ten und rie­si­gen Aus­ma­ßen benö­ti­gen. Die erste­re Grup­pe umfaßt jene Irr­tü­mer, die sich eine Über­stei­ge­rung der mensch­li­chen Frei­heit und die gewalt­sa­me Zer­stö­rung aller Insti­tu­tio­nen zum Ziel set­zen. Zur zwei­ten Grup­pe gehö­ren die­je­ni­gen, die eine völ­li­ge Umwäl­zung pro­pa­gie­ren. In der poli­ti­schen Wis­sen­schaft wer­den die
Anhän­ger der erste­ren Art von Irr­tü­mern als „Sozia­li­sten“, die­je­ni­gen, die für deren zwei­te genann­te Art ein­tre­ten, als „Kom­mu­ni­sten“ bezeich­net. Was jene vor allem anstre­ben, ist die unbe­grenz­te Aus­deh­nung der indi­vi­du­el­len Frei­heit, und zwar auf Kosten der staat­li­chen Obrig­keit, wel­che besei­tigt wer­den soll. Die ande­ren hin­ge­gen erstre­ben die völ­li­ge Unter­drückung der mensch­li­chen Frei­heit und eine Aus­deh­nung der Staats­ge­walt ins Kolos­sa­le.

Die aus­führ­lich­ste Dar­le­gung des ersten die­ser Lehr­sät­ze fin­det sich in den Schrif­ten des Herrn Emi­le de Girar­din und im letz­ten Buch des Herrn Proud­hon. Jener hat die Zen­tri­fu­gal­kraft, die­ser die Zen­tri­pe­tal­kraft der künf­ti­gen Gesell­schaft ent­deckt: einer Gesell­schaft, die von den „sozia­li­sti­schen“ Ideen beherrscht sein und zwei ein­an­der voll­stän­dig ent­ge­gen­ge­setz­ten Bewe­gun­gen aus­ge­lie­fert sein wird: und zwar einer zen­tri­fu­ga­len, vom Mit­tel­punkt weg­stre­ben­den Bewe­gung, die durch die unbe­schränk­te Frei­heit, und einer zen­tri­pe­ta­len, zum Mit­tel­punkt hin­stre­ben­den Bewe­gung, die durch den Wust von Papier und Akten her­vor­ge­ru­fen wird. Was den „Kom­mu­nis­mus“ betrifft, so besteht er in der Besei­ti­gung aller Frei­hei­ten und alles Eigen­tums zugun­sten eines Über-Staa­tes.

Das Erstaun­li­che und Unge­heu­er­li­che aller die­ser sozia­len Irr­tü­mer ist letz­ten Endes auf die reli­giö­sen Häre­si­en zurück­zu­füh­ren, aus denen allein sie sich erklä­ren las­sen. Die „Sozia­li­sten“ geben sich nicht damit zufrie­den, Gott in den Him­mel zu ver­ban­nen; sie gehen viel­mehr wei­ter, beken­nen sich offen zum Athe­is­mus und leug­nen das Dasein Got­tes über­haupt. Wenn man aber Gott, die Quel­le und den Ursprung jeder Auto­ri­tät, ver­leug­net, dann ergibt sich dar­aus logisch die Leug­nung der Auto­ri­tät selbst, und zwar bedin­gungs­los und voll­stän­dig. Die Leug­nung der welt­um­fas­sen­den Vater­schaft Got­tes bringt mit sich die Ver­nei­nung der Vater­schaft in der Fami­lie.

Die Leug­nung der reli­giö­sen Auto­ri­tät hat eben­so logisch die Leug­nung der poli­ti­schen Auto­ri­tät zur Fol­ge. Wenn ein­mal der Mensch ohne Gott aus­kom­men will, dann sofort auch der Unter­tan ohne König, und der Sohn ohne Vater.

Was den „Kom­mu­nis­mus“ angeht, so erscheint es mir offen­sicht­lich, daß er von den pan­the­isti­schen und ver­wand­ten Häre­si­en sei­nen Aus­gang genom­men hat. Wenn „Gott“ alles und alles „Gott“ ist: dann ist „Gott“ vor allem die Volks­herr­schaft und die Volks­mas­se; die Ein­zel­we­sen als „gött­li­che Ato­me“ und sonst gar nichts gehen aus dem All her­vor, das sie unauf­hör­lich zeugt, um wie­der in das All zurück­zu­keh­ren, das sie unauf­hör­lich ver­schlingt.

In die­sem System ist das, was nicht das All ist, auch nicht „Gott“, soll­te es auch an der Gött­lich­keit teil­ha­ben: und das, was nicht „Gott“ ist, das ist nicht: weil es ja außer­halb „Got­tes“, der alles Exi­stie­ren­de ist, nichts gibt.

Von da her kommt auch jene hoch­mü­ti­ge Ver­ach­tung des Men­schen von Sei­ten der „Kom­mu­ni­sten“ und jene bru­ta­le Ver­nei­nung der mensch­li­chen Frei­heit. Von da her stam­men jene maß­lo­sen Anstren­gun­gen, die Macht über die All­ge­mein­heit durch die künf­ti­ge „Dem­ago­gie“ zu errei­chen, die sich über alle Kon­ti­nen­te aus­brei­ten und bis zu den äußer­sten Gren­zen rei­chen soll. Von da her kommt jene wahn­sin­ni­ge Wut, alle Fami­li­en zu zer­rei­ßen und zu ver­mi­schen; aber dar­über hin­aus auch alle Gesell­schafts­klas­sen, alle Völ­ker und alle Men­schen­ras­sen, um sie in dem gro­ßen Mör­ser der Revo­lu­ti­on zu zer­sto­ßen: Damit aus jenem fin­ste­ren und blut­trie­fen­den Cha­os sich eines Tages der ein­zi­ge „Gott“, der „Gott“ der Gleich­heit, als Sie­ger über alle Ungleich­heit erhe­be; der „Gott“ des Kol­lek­tivs als Sie­ger über alles Pri­va­te; der „Gott“ der Unend­lich­keit (der Mate­rie) ohne Anfang und Ende als Sie­ger über alles Ent­ste­hen und Ver­ge­hen: Der „Gott“ „Dem­ago­gie“, von den jüng­sten ihrer Pro­phe­ten ver­kün­det, das ein­zi­ge Gestirn am Him­mel der Zukunft, vom Sturm getra­gen, umzuckt von Blit­zen und von den Orka­nen gefei­ert. Die „Dem­ago­gie“ ist das neue All, der wah­re „Gott“, aus­ge­stat­tet mit einer ein­zi­gen Eigen­schaft: näm­lich der „All­macht“. Dies ist der Sie­ger über die drei „Schwä­chen“ des katho­li­schen Got­tes: der Sie­ger über die Güte, die Lie­be und die Barm­her­zig­keit! Wer wür­de ihn nicht an sei­nen Zügen wie­der­erken­nen: ihn den „Gott“ des Stol­zes — Luzi­fer?

Geht man näher auf die­se ver­werf­li­chen Leh­ren ein, dann ist es unmög­lich, an ihnen das geheim­nis­vol­le, aber den­noch sicht­ba­re Zei­chen zu über­se­hen, das der Irr­tum in der Zeit der Apo­ka­lyp­se tra­gen muß. Wenn die reli­giö­se Scheu mich nicht dar­an hin­der­te, die Augen auf jene furcht­ba­ren Zei­ten zu len­ken, dann fie­le es mir nicht schwer, mei­ne Mei­nung hier­über auf über­zeu­gen­de Ver­nunft­grün­de ähn­li­cher Fäl­le zu stüt­zen, wonach das gro­ße Reich des Anti­christ ein Koloß der Dem­ago­gie sein wird, der durch einen ple­be­ji­schen Men­schen, doch von sata­ni­scher Macht regiert wer­den wird: näm­lich von dem „Man­ne der Sün­de“.

Nach­dem ich einen all­ge­mei­nen Über­blick über die haupt­säch­lich­sten Irr­tü­mer der heu­ti­gen Zei­ten gege­ben und nach­ge­wie­sen habe, daß alle in ihrem Ursprung auf irgend eine Häre­sie zurück­ge­hen, erscheint es mir ange­mes­sen, ja sogar erfor­der­lich, an eini­gen Bei­spie­len die­se Abhän­gig­keit zu ver­deut­li­chen. So ist es für mich eine unzwei­fel­haf­te Tat­sa­che, daß alles, was die gött­li­che Regie­rung über den Men­schen beein­träch­tigt, in glei­chem Maße und auf glei­che Wei­se jene Regie­run­gen in Mit­lei­den­schaft zieht, die sich die bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten ein­ge­rich­tet haben.

Der erste reli­giö­se Irr­tum der neue­ren Zeit war der Grund­satz von der Unab­hän­gig­keit und aus­schließ­li­chen Herr­schaft der mensch­li­chen Ver­nunft.

Die­sem Irr­tum in der reli­giö­sen Ord­nung ent­spricht in der poli­ti­schen Ord­nung jener, der in der The­se von der Herr­schaft des Ver­stan­des besteht. Daher sind auch jene Gesell­schaf­ten, in denen die Herr­schaft des Ver­stan­des die all­ge­mei­ne Grund­la­ge des öffent­li­chen Rech­tes bil­de­te, die ersten gewe­sen, die von der Revo­lu­ti­on heim­ge­sucht wur­den. Auf die­se Wei­se sind die kon­sti­tu­tio­nel­len Mon­ar­chien ent­stan­den mit ihrem Wahl­zen­sus, ihrer Gewal­ten­tei­lung, ihrer Pres­se­frei­heit und der Immu­ni­tät ihrer Abge­ord­ne­ten.

Der zwei­te Irr­tum bezieht sich auf den Wil­len und besteht im Hin­blick auf die reli­giö­se Ord­nung dar­in, daß man behaup­tet, der Wil­le sei an und für sich schon gut, und er bedür­fe weder der Anrei­ze noch der Anlei­tung durch die gött­li­che Gna­de, um sich dem Guten zuzu­wen­den. Die­sem Irr­tum ent­spricht in der poli­ti­schen Ord­nung der­je­ni­ge, der sich auf die Behaup­tung stützt, daß es nur einen guten Wil­len gebe, und daß es daher auch kei­nen Wil­len geben dür­fe, der gelei­tet wird, also sich nicht selbst bestimmt. Auf die­sem Grund­satz fußt das all­ge­mei­ne Wahl­recht und hier fin­det das demo­kra­ti­sche, repu­bli­ka­ni­sche System sei­nen Ursprung.

Der drit­te Irr­tum bezieht sich auf die Begier­den und besteht in der reli­giö­sen Ord­nung dar­in, daß man behaup­tet, der Mensch sei ohne Sün­de emp­fan­gen und wür­de daher durch sei­ne Begier­den nur aus­ge­zeich­net. Die­sem Irr­tum ent­spricht in der poli­ti­schen Ord­nung jener, der die Regie­run­gen nur zu einem Zwecke geschaf­fen sein läßt: näm­lich zur Befrie­di­gung aller Begier­den. Auf die­sem Grund­satz sind alle sozia­li­sti­schen und dem­ago­gi­schen Syste­me auf­ge­baut, deren Par­tei­gän­ger heu­te um die Herr­schaft kämp­fen, die sie, wenn die Din­ge wei­ter ihren natür­li­chen Ver­lauf auf so abschüs­si­ger Bahn neh­men soll­ten, frü­her oder spä­ter erlan­gen wer­den.

Es zeigt sich also: Jede Häre­sie stört die Ord­nung. Einer­seits bestrei­tet sie die Erb­sün­de und behaup­tet zugleich ande­rer­seits, daß der Mensch einer gött­li­chen Füh­rung nicht bedür­fe. So führt sie zunächst zur For­de­rung nach der Allein­herr­schaft des Ver­stan­des, dann zu der des Wil­lens, und schließ­lich, daß allein die Lei­den­schaf­ten zu herr­schen haben: das heißt also zu einer drei­fa­chen, alle Ord­nung zer­stö­ren­den Herr­schaft.

Man braucht daher nur zu wis­sen, was auf dem reli­giö­sen Gebie­te Gott zuge­bil­ligt oder ver­wei­gert wird, um auch zu wis­sen, was auf poli­ti­schem Gebiet der Regie­rung zuge­stan­den oder abge­spro­chen wird. Wenn auf reli­giö­sem Gebiet ein vager „Deis­mus“ vor­herrscht, dann kommt man trotz des Zuge­ständ­nis­ses, daß Gott über die Schöp­fung herr­sche, dazu: zu leug­nen, daß Er sie regie­re.

Dann ist aber auch auf poli­ti­schem Gebiet der par­la­men­ta­ri­sche Grund­satz vor­herr­schend: Der König herrscht, aber er regiert nicht!

Wird die Exi­stenz Got­tes geleug­net, dann ver­wei­gert man auch alles der Regie­rung, sogar ihre Daseins­be­rech­ti­gung. In sol­chen fluch­be­la­de­nen Epo­chen erhe­ben sich die anar­chi­sti­schen Ideen der „sozia­li­sti­schen“ Schu­len und ver­brei­ten sich mit beäng­sti­gen­der Geschwin­dig­keit.

Wenn schließ­lich die Idee von Gott und von der Schöp­fung so sehr inein­an­der über­ge­hen, daß man zur Behaup­tung kommt, die Geschöp­fe sei­en „Gott“, und „Gott“ sei nur deren Inbe­griff, dann bekommt, so wie der „Pan­the­is­mus“ auf dem reli­giö­sen, der „Kom­mu­nis­mus“ auf poli­ti­schem Gebiet das Über­ge­wicht. Und Gott, der end­lich die­ser Läste­run­gen über­drüs­sig ist, über­läßt den Men­schen ver­wor­fe­nen und ver­werf­li­chen Tyran­nen auf Gedeih und Ver­derb.

Ich wen­de mei­nen Blick zurück auf die Hei­li­ge Kir­che. Es ist mir ein Leich­tes, nach­zu­wei­sen, daß sie den glei­chen Irr­tü­mern aus­ge­setzt gewe­sen ist: jenen Irr­tü­mern, die sich ihrem Wesen nach immer gleich blei­ben, ob sie sich nun gegen Gott rich­ten oder Sei­ne Hei­li­ge Kir­che bedrän­gen oder den Umsturz der Gesell­schaft betrei­ben.

Die Hei­li­ge Kir­che kann von zwei ver­schie­de­nen Gesichts­punk­ten aus betrach­tet wer­den. Erstens in sich selbst: als eine unab­hän­gi­ge und „voll­kom­me­ne Gesell­schaft“, die in sich selbst alles besitzt, was sie benö­tigt, um sich ohne Ein­schrän­kung betä­ti­gen und in voll­stem Umfang bewe­gen zu kön­nen. Zwei­tens in ihren Bezie­hun­gen zur bür­ger­li­chen Gesell­schaft und zu den Regie­run­gen die­ser Erde.

Vom Stand­punkt ihres inne­ren Orga­nis­mus aus betrach­tet, sah sich die Kir­che immer in die Not­wen­dig­keit ver­setzt, gegen den gewal­ti­gen Ansturm sehr ver­derb­li­cher Irr­tü­mer Stel­lung zu neh­men. Hier­bei ist beson­ders bemer­kens­wert, daß zu den schäd­lich­sten Irr­tü­mern jene zäh­len, die ihre Ein­heit in dem angrei­fen, was an ihr das Wun­der­bar­ste und Voll­kom­men­ste ist: näm­lich im Papst­tum, dem Grund­stein des gött­li­chen Gebäu­des. Einer die­ser Irr­tü­mer zählt vor allem dazu: jener näm­lich, der den Stell­ver­tre­ter Jesu Chri­sti auf Erden die allei­ni­ge und unteil­ba­re Nach­fol­ge in der apo­sto­li­schen Gewalt über die All­ge­mein­heit abstrei­tet, indem er die Ver­mu­tung auf­stellt, daß die Bischö­fe als Mit­er­ben sich eben­falls in die­se Gewalt geteilt haben. Wenn die­ser Irr­tum Ober­hand gewin­nen könn­te, dann wür­de sich bald heil­lo­se Ver­wir­rung und größ­te Unord­nung der Kir­che Got­tes bemäch­ti­gen und eine sol­che Auf­tei­lung der päpst­li­chen Gewalt, die eine unteil­ba­re, nicht über­trag­ba­re Ober­ho­heit dar­stellt, wür­de die Kir­che in eine der unru­hig­sten Ari­sto­kra­tien ver­wan­deln.

Wenn man dem Pon­ti­fex Maxi­mus ledig­lich die Ehre des blo­ßen Vor­sit­zes beläßt, ihm aber die Ent­schei­dung und die tat­säch­li­che Regie­rungs­ge­walt weg­nimmt — ja, wenn die­ser Irr­tum zur Herr­schaft käme, dann wür­de der Papst eben­so über­flüs­sig und in sei­nen Vati­kan ver­bannt, wie unter einer Herr­schaft der „dei­sti­schen“ Häre­si­en Gott über­flüs­sig und in sei­nen Him­mel ver­bannt wird. Genau so, wie der König unter der Herr­schaft eines irri­gen Par­la­men­ta­ris­mus nutz- und zweck­los auf sei­nen Thron beschränkt blie­be.

Die­je­ni­gen, die sich nur ungern der Herr­schaft der Ver­nunft beu­gen, geben zumin­dest der Herr­schaft des Wil­lens wenn sie ari­sto­kra­tisch gesinnt sind — den Vor­zug; sind sie aber demo­kra­ti­scher Gesin­nung, dann ver­fal­len sie dem Irr­glau­ben, daß jeder sein eige­ner Prie­ster sei, was der Repu­blik in der Kir­che gleich­kä­me. So stim­men sie ja auch dem all­ge­mei­nen Wahl­recht zu, wel­ches die Repu­blik in den bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten bedeu­tet.

Die­je­ni­gen aber, die sich in die indi­vi­du­el­le Frei­heit ver­liebt haben und die­se so weit über­trei­ben, daß sie ihr eine schran­ken­lo­se Herr­schaft zuer­ken­nen und die Besei­ti­gung aller über­ge­ord­ne­ten Insti­tu­tio­nen for­dern, ver­fal­len dann, so weit es sich auf die poli­ti­sche Ord­nung bezieht, auf die Gesell­schaft als abge­schlos­se­ner Ver­trag eines Proud­hon, und, so weit es sich auf die reli­giö­se Ord­nung bezieht, schwär­men sie für die per­sön­li­che Erweckung, zu der sich eini­ge fana­ti­sche Sek­tie­rer in den Reli­gi­ons­krie­gen Eng­lands und Deutsch­lands als Glau­bens­satz bekannt haben.

Die­je­ni­gen end­lich, die durch die Irr­tü­mer der „Pan­the­isten“ ver­führt wer­den, gelan­gen auf kirch­li­chem Gebiet zur unteil­ba­ren Herr­schaft der Mas­se aller Gläu­bi­gen, wie auf reli­giö­sem Gebiet zur Ver­gött­li­chung aller Geschöp­fe und auf poli­ti­schem Gebiet zur Ein­füh­rung eines alles umfas­sen­den und alles ver­schlin­gen­den kom­mu­ni­sti­schen Staa­tes.

Alle die­se Irr­tü­mer, die gegen die hier­ar­chi­sche Ord­nung der von Gott geschaf­fe­nen Kir­che sind, ver­lie­ren, so schwer sie auch vor dem Forum der Theo­lo­gie wie­gen mögen, ganz außer­or­dent­lich an Bedeu­tung auf dem Boden der Tat­sa­chen, da es gänz­lich aus­ge­schlos­sen erscheint, daß sie sich in einer Gesell­schaft, die vor ihren Ver­hee­run­gen durch die gött­li­chen Ver­hei­ßun­gen geschützt ist, durch­zu­set­zen ver­möch­ten. Das Gegen­teil gilt von jenen ande­ren Irr­tü­mern, die das Ver­hält­nis von Reli­gi­on und Poli­tik, von Staat und Kir­che berüh­ren. Die­se Irr­tü­mer waren schon in den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten so mäch­tig, daß sie den Frie­den der Völ­ker stö­ren konn­ten. Sie sind es auch jetzt noch, wenn auch nicht der­art mäch­tig, daß sie die unauf­halt­sa­me Aus­brei­tung der Kir­che über die gan­ze Erde ver­hin­dern könn­ten — immer­hin aber doch noch mäch­tig genug, um die­ser Aus­brei­tung Hin­der­nis­se und Schwie­rig­kei­ten in
den Weg zu legen und den Tag hin­aus­zu­zö­gern, an dem die Gren­zen der Kir­che die Gren­zen der Erde selbst sein wer­den.

Die­se Irr­tü­mer sind ver­schie­de­ner Art: und zwar behaup­tet man von der Kir­che ein­mal, daß sie dem Staa­te gleich­zu­stel­len sei; das ande­re Mal, daß sie dem Staa­te unter­ge­ord­net sei; oder wie­der­um, daß sie über­haupt nichts mit dem Staa­te zu tun habe. Oder end­lich, daß die Kir­che zu über­haupt nichts nüt­ze. Der erste die­ser Irr­tü­mer ist die Behaup­tung der gemä­ßig­te­ren Anhän­ger eines Staats­kir­chen­tums; der zwei­te eine Behaup­tung der radi­ka­len Anhän­ger die­ser Schu­le. Die drit­te Auf­fas­sung ent­spricht den Revo­lu­tio­nä­ren, die als ersten Satz in ihren For­de­run­gen den gewag­te­sten Schluß der Ver­tre­ter einer Staats­kir­che hin­ein­neh­men. Der letz­te Irr­tum aber ist eine Behaup­tung der „Sozia­li­sten“ und „Kom­mu­ni­sten“, das heißt: aller radi­ka­len Leh­ren, die als Aus­gangs­punkt ihrer Argu­men­ta­ti­on den letz­ten Schluß neh­men, bei dem die revo­lu­tio­nä­re Schu­le ste­hen geblie­ben ist.

Die Leh­re von der Gleich­be­rech­ti­gung von Kir­che und Staat ver­an­laßt die gemä­ßig­te­ren Ver­tre­ter einer Staats­kir­che, eine Ange­le­gen­heit, die bei­de Tei­le angeht, für rein „welt­lich“ zu erklä­ren, und zugleich eine Ange­le­gen­heit, die aus­schließ­lich der kirch­li­chen Macht unter­liegt, als „bei­der­sei­ti­ge Inter­es­sen“ zu behaup­ten. Sie sind gezwun­gen, zu die­sen gewalt­sa­men Aneig­nun­gen ihre Zuflucht zu neh­men, um damit die Mit­gift oder das Erb­gut des Staa­tes zu bestrei­ten, das er in die­se angeb­lich auf glei­chen Rech­ten ihrer Tei­le beru­hen­de Gemein­schaft mit­bringt. Nach die­ser Leh­re sind nahe­zu alle Fra­gen, die das Ver­hält­nis von Kir­che und Staat berüh­ren, strit­tig, und alles Strit­ti­ge soll durch Ver­glei­che und Kon­kor­da­te aus der Welt geschafft wer­den. Nach die­ser Leh­re ist das „Pla­cet“, die Zustim­mung der welt­li­chen Macht­ha­ber, für päpst­li­che Sie­gel­schrei­ben oder Apo­sto­li­sche Bre­ven eben­so unent­behr­lich wie die
Über­wa­chung, Geneh­mi­gung und Zen­sur, die im Namen des Staa­tes der Kir­che gegen­über aus­ge­übt wer­den.

Die Behaup­tung der Unter­ord­nung der Kir­che unter den Staat zwingt die kon­se­quen­ten Anhän­ger des Staats­kir­chen­tums, den Grund­satz der „Natio­nal­kir­che“ auf­zu­stel­len, des Rech­tes der Staats­ge­walt, die mit dem Hei­li­gen Stuhl ver­ein­bar­ten Kon­kor­da­te ein­sei­tig zu lösen und über die Kir­chen­gü­ter zu ver­fü­gen, sowie schließ­lich die Kir­che durch Erläs­se oder Geset­ze zu regie­ren, die in den Par­la­men­ten beschlos­sen wer­den.

Jene Theo­rie wie­der­um, gemäß der „die Kir­che mit dem Staa­te nichts gemein hat“, zwingt die Anhän­ger der revo­lu­tio­nä­ren Rich­tung, für die „völ­li­ge Tren­nung von Staat und Kir­che“ ein­zu­tre­ten. Dar­aus ergibt sich als not­wen­di­ge Fol­ge der wei­te­re Grund­satz, daß der Unter­halt des Kle­rus und die Kosten des Kul­tus aus­schließ­lich Sache der Gläu­bi­gen sind.

Die Irr­leh­re end­lich, die „die Kir­che für über­flüs­sig erklärt“, was ja auf ihre Leug­nung hin­aus­läuft, führt zur gewalt­sa­men Unter­drückung des Prie­ster­stan­des, und zwar durch Dekret, das natur­ge­mäß in einer Ver­fol­gung der Reli­gi­on zur Durch­füh­rung kom­men muß.

Man sieht also, daß die­se Irr­tü­mer nur eine Wie­der­ho­lung und Abwand­lung jener Irr­tü­mer sind, die wir schon auf ande­ren Gebie­ten fest­ge­stellt haben. Das gleich­zei­ti­ge Dasein von indi­vi­du­el­ler Frei­heit und staat­li­cher Gewalt in der Poli­tik, von frei­em Wil­len und Gna­de in der Moral, von Ver­nunft und Glau­ben im Gei­stes­le­ben, von gött­li­cher Vor­se­hung und mensch­li­cher Frei­heit in der Geschich­te, führt letzt­lich zurück auf die Gleich­zei­tig­keit zwei­er Wel­ten, von Natur und Über­na­tur, die auf dem höch­sten Gebiet der spe­ku­la­ti­ven Wis­sen­schaft in Erschei­nung tritt, und durch wel­che eine ähn­li­che Situa­ti­on betref­fend die beja­hen­den und ver­nei­nen­den, jedoch in die­sem wie in jenem Fal­le fal­schen Behaup­tun­gen begrün­det wird, wie es bezüg­lich des gleich­zei­ti­gen Daseins von Kir­che und Staat der Fall ist.

Alle die­se Irr­tü­mer, die ihrem Wesen nach iden­tisch sind, müs­sen ihrer Anwen­dung nach unter­schie­den wer­den, füh­ren aber auch in die­ser Hin­sicht zu den glei­chen ver­häng­nis­vol­len Ergeb­nis­sen. Wenn sie näm­lich auf das gleich­zei­ti­ge Dasein von indi­vi­du­el­ler Frei­heit und staat­li­cher Auto­ri­tät ange­wen­det wer­den, dann rufen sie Unru­he, Anar­chie und Revo­lu­ti­on in dem betref­fen­den Staat her­vor. Wenn sie den frei­en Wil­len und die Gna­de zu ihrem Gegen­stand wäh­len, dann haben sie zunächst die Zer­split­te­rung und den inne­ren Zwist zur Fol­ge, her­nach zügel­lo­se Erhe­bung des frei­en Wil­lens und schließ­lich das tyran­ni­sche Regi­ment der Trie­be in den Her­zen der Men­schen; wenn sie auf die Ver­nunft und den Glau­ben ange­wen­det wer­den, dann kommt es zuerst zum Streit zwi­schen bei­den, her­nach zur Ver­wil­de­rung, zur Ver­wir­rung und Blen­dung der mensch­li­chen Ver­nunft; wenn sich aber die­se Irr­tü­mer gegen die
Gleich­zei­tig­keit von mensch­li­cher Ver­nunft und Vor­se­hung Got­tes rich­ten: dann rufen sie alle jene Kata­stro­phen her­bei, von denen das Schlacht­feld der Geschich­te über­sät ist; wenn sie schließ­lich auf das gleich­zei­ti­ge Dasein der natür­li­chen und der über­na­tür­li­chen Ord­nung ange­wen­det wer­den, dann ver­brei­ten sie die Gesetz­lo­sig­keit, Wir­ren und Krieg nach allen Sei­ten hin und erfas­sen alle Welt­tei­le.

Es ergibt sich also, daß alle die­se Irr­tü­mer, so ver­schie­den und zahl­reich sie auch sein mögen, letzt­lich auf einen ein­zi­gen Irr­tum zurück­ge­hen. Er besteht dar­in, daß man die hier­ar­chi­sche und unver­än­der­li­che Ord­nung, die Gott in die gan­ze Schöp­fung gelegt hat, ent­we­der ver­kennt oder ver­kehrt.

Die­se Ord­nung begrün­det die hier­ar­chi­sche Ober­ho­heit alles des­sen, was über­na­tür­lich ist, über alles das, was natür­lich ist: folg­lich auch des Glau­bens über die Ver­nunft, der Gna­de über den frei­en Wil­len, der gött­li­chen Vor­se­hung über die mensch­li­che Frei­heit, und der Kir­che über den Staat — mit einem Wort: die Ober­ho­heit Got­tes über den Men­schen.

Der Anspruch des Glau­bens, die Ver­nunft zu erleuch­ten und ihr den Weg zu wei­sen, ist kei­ne wider­recht­li­che Besitz­ergrei­fung, son­dern ein Vor­recht, das sich aus sei­ner erha­be­ne­ren Natur ablei­ten läßt. Ande­rer­seits ist das von der Ver­nunft bean­spruch­te Vor­recht, dem Glau­ben sei­ne Gren­zen und sein Gebiet zu bestim­men, kein Recht, son­dern bloß eine ehr­gei­zi­ge Anma­ßung, die in kei­nem Ver­hält­nis zu ihrer nied­ri­ge­ren und unter­ge­ord­ne­ten Wesens­art steht. Die Hin­ga­be an die gehei­men Ein­ge­bun­gen der Gna­de ent­spricht der all­ge­mei­nen Ord­nung, weil es nichts ande­res gibt, als sich den gött­li­chen Anre­gun­gen und Beru­fun­gen hin­zu­ge­ben. Hin­ge­gen ver­set­zen die Miß­ach­tung der Gna­de, die
Abwei­sung der Gna­de oder die Auf­leh­nung gegen die Gna­de den frei­en Wil­len inner­lich in einen Zustand von Dürf­tig­keit, so wie sie ihn auch äußer­lich als Wider­sa­cher des Hei­li­gen Gei­stes erschei­nen las­sen.

Die unum­schränk­te Herr­schaft Got­tes über die gro­ßen Ereig­nis­se der Geschich­te, die Er bewirkt und die Er zuläßt, ist Sein aus­schließ­li­ches Vor­recht; die Geschich­te ist ja eine Art Spie­gel, in wel­chem Gott Sei­ne Plä­ne im äuße­ren Bild erblickt. Wenn dage­gen der Mensch in sei­ner Anma­ßung behaup­tet, daß er die Ereig­nis­se bestim­me und die wun­der­vol­len Muster der Geschich­te wir­ke, so ist das eine törich­te Über­heb­lich­keit: denn sein gan­zer Anteil an die­sem Gewe­be besteht in jenen Hand­lun­gen, die er gegen das gött­li­che Gebot begeht und im übri­gen nur in der Mit­hil­fe an jenen Gescheh­nis­sen, die dem Wil­len Got­tes ent­spre­chen. — Der Vor­rang der Kir­che gegen­über den bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten ent­spricht durch­aus der gesun­den Ver­nunft, die uns lehrt, daß das Über­na­tür­li­che über das Natür­li­che und das Gött­li­che über das Mensch­li­che erha­ben ist. Daher ist jeder Ver­such des Staa­tes, die Kir­che sich ein­zu­glie­dern, sie von sich zu tren­nen, über sie zu herr­schen oder auch nur sich mit ihr gleich­zu­stel­len, ein Appell an die Anar­chie, der die Kon­flik­te und Kata­stro­phen her­bei­ruft.

Von der Erneue­rung die­ser ewi­gen Grund­sät­ze der reli­giö­sen, poli­ti­schen und sozia­len Ord­nung hängt ein­zig und allein die Erret­tung der mensch­li­chen Gesell­schaft ab. Die­se Grund­sät­ze kön­nen jedoch nur von einer Macht wie­der­her­ge­stellt wer­den, die sie genau kennt: nie­mand kennt sie, es sei denn die katho­li­sche Kir­che. Ihr Recht, alle Völ­ker zu leh­ren, das ihr von ihrem Stif­ter und Herrn zuge­spro­chen wur­de, grün­det sich nicht allein auf die­sen gött­li­chen Ursprung, son­dern wird auch durch das Gesetz der gesun­den Ver­nunft gerecht­fer­tigt, gemäß wel­chem der Unwis­sen­de zu ler­nen und der Wis­sen­de zu leh­ren ver­pflich­tet ist.

Selbst wenn also der Kir­che nicht von ihrem Herrn das Ober­ste Lehr­amt über­tra­gen wor­den wäre, so wäre sie immer noch berech­tigt, es aus­zu­üben: allein aus der Tat­sa­che her­aus, daß sie die Hüte­rin die­ser ein­zig­ar­ti­gen Grund­sät­ze ist, denen die geheim­nis­vol­le und wun­der­ba­re Kraft inne­wohnt, die har­mo­ni­sche Ord­nung zu erhal­ten und die­se Ord­nung in allem her­zu­stel­len.

Wenn man von der Kir­che behaup­tet, daß sie das Recht habe, zu leh­ren, so ist die­se Behaup­tung — so begrün­det und ver­nünf­tig sie ist noch nicht die gan­ze und vol­le Wahr­heit, wenn man nicht zugleich zugibt, daß die Welt die Pflicht hat, sich von der Kir­che beleh­ren zu las­sen. Die bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten ver­fü­gen ja zwei­fel­los nicht über die Macht, die höch­sten Gip­fel der ewi­gen Wahr­heit zu erklim­men, oder auch nur das kraft­lo­se Abrut­schen auf den stei­len Hän­gen der Irr­tü­mer bis zum Sturz in den Abgrund zu ver­hin­dern.

Die Fra­ge lau­tet also: ob man dem­je­ni­gen, der den Ver­stand ver­lo­ren hat und daher eine Tor­heit begeht, dazu auch das Recht zuge­ste­hen kann, oder, kurz gesagt: ob der­je­ni­ge ein Recht aus­übt, der auf alle sei­ne Rech­te ver­zich­tet, indem er Selbst­mord begeht.

Das Unter­richts­pro­blem, das in letz­ter Zeit zwi­schen der Uni­ver­si­täts­par­tei und den fran­zö­si­schen Katho­li­ken erör­tert wur­de, ist von die­sen nicht exakt bestimmt wor­den. Die all­ge­mei­ne Kir­che kann eine sol­che Bestim­mung nicht anneh­men. Wenn man auf der einen Sei­te die Kul­tus­frei­heit und auf der ande­ren Sei­te die beson­de­ren Umstän­de, in denen sich Frank­reich befin­det, als gege­be­ne Tat­sa­chen betrach­tet — dann ist es völ­lig ein­leuch­tend, daß die fran­zö­si­schen Katho­li­ken nicht imstan­de waren, etwas ande­res für die Kir­che in Anspruch zu neh­men, als nur die ‚Frei­heit‘, die dort ein all­ge­mei­nes Recht ist und die als sol­che der katho­li­schen Wahr­heit als Zuflucht die­nen muß.

Jedoch der Grund­satz der „Frei­heit des Unter­richts“ ist, wenn man ihn für sich allein betrach­tet und von den beson­de­ren Umstän­den absieht, unter denen er dort ver­kün­det wor­den ist, ein fal­scher Grund­satz, der des­halb von der katho­li­schen Kir­che nicht aner­kannt wer­den kann. Das Prin­zip der „Frei­heit des Unter­richts“ kann von ihr nicht ange­nom­men wer­den, ohne daß sie sich nicht selbst in offe­nen Wider­spruch zu allen ihren son­sti­gen Leh­ren stel­len wür­de. Wenn man ver­kün­det, daß der Unter­richt „frei“ sein soll, so heißt das tat­säch­lich nichts ande­res als zu ver­kün­den, daß es unter den schon bekann­ten Wahr­hei­ten kei­ne gibt, die gelehrt wer­den müß­te, und daß die Wahr­heit eine Sache sei, die noch nicht gefun­den wur­de, und die man „suche“, und zwar durch umfas­sen­de Dis­kus­si­on aller Mei­nun­gen. Wenn man ver­kün­det, daß der Unter­richt „frei“ sein müs­se, dann heißt das, daß die Wahr­heit und der Irr­tum die glei­chen Rech­te besit­zen.

Nun bekennt sich aber die Kir­che zu dem Grund­sat­ze, daß die Wahr­heit bereits besteht, ohne die Not­wen­dig­keit, daß man sie erst „sucht“. und fer­ner zu dem Grund­satz: daß der Irr­tum recht­los gebo­ren wer­de, daß er recht­los lebe und so auch ster­be; die Wahr­heit aber im Besitz des unein­ge­schränk­ten Rech­tes ver­bleibt. Die Kir­che kann also nicht — auch wenn sie es nicht unter­läßt, die Lehr­frei­heit anzu­neh­men: dort, wo eben eine ande­re Lösung unmög­lich erscheint — die­se „Frei­heit“ als erreich­te Gren­ze ihrer Wün­sche betrach­ten, so wie sie auch eine sol­che „Frei­heit“ nicht als das ein­zi­ge Ziel ihrer Bestre­bun­gen begrü­ßen kann.

Das sind die Aus­füh­run­gen, die ich mei­ner Ansicht nach ver­pflich­tet bin, über die ver­derb­lich­sten Irr­tü­mer der heu­ti­gen Zeit vor­zu­le­gen. Aus die­ser objek­ti­ven Unter­su­chung erge­ben sich mei­ner Mei­nung nach zwei Erkennt­nis­se als bewie­sen:

  1. daß alle Irr­tü­mer ein und den­sel­ben Ursprung haben und den glei­chen Mit­tel­punkt besit­zen, und
  2. daß sie alle, mögen sie nun nach ihrem Mit­tel­punk­te oder nach ihrem Ursprung betrach­tet wer­den, reli­giö­ser Natur sind. Dies ist so gewiß, daß die Leug­nung auch nur einer ein­zi­gen Eigen­schaft Got­tes zur Unord­nung auf allen Gebie­ten führt und die mensch­li­chen Gesell­schaf­ten der Gefahr des Unter­gan­ges aus­lie­fert.

Wenn ich das Glück hät­te, daß mei­ne Dar­le­gun­gen Eurer Emi­nenz nicht völ­lig unnütz erschei­nen, möch­te ich mir erlau­ben, Sie zu bit­ten, die­se Denk­schrift zu Füßen Sei­ner Hei­lig­keit nie­der­zu­le­gen mit der Ver­si­che­rung der tief­sten Ehr­furcht, die ich als Katho­lik Sei­ner gehei­lig­ten Per­son, Sei­nem unfehl­ba­ren Urteil und der End­gül­tig­keit Sei­ner Ent­schlüs­se gegen­über hege.

Dono­so Cor­tés wur­de am 6. Mai 1809 als Sohn eines Rechts­an­wal­tes und Groß­grund­be­sit­zers in der Estre­ma­du­ra in Spa­ni­en gebo­ren. Vom Jah­re 1820 an obliegt er dem Stu­di­um der Rech­te, der Geschich­te, der Phi­lo­so­phie und der Lite­ra­tur in Sala­man­ca, Cáce­res und spä­ter in Sevil­la.

Sei­ne rei­che Bega­bung bringt ihn schon im Alter von neun­zehn Jah­ren auf den Lehr­stuhl für Lite­ra­tur und Ästhe­tik in Cáce­res. Eine früh ein­ge­gan­ge­ne Ehe ende­te bald durch den Tod der Gat­tin. 1832 kommt Dono­so Cor­tés nach Madrid und tritt in die Poli­tik ein, deren Wech­sel­fäl­le von nun an sein Schick­sal bestim­men. 1840 ver­läßt er mit der spa­ni­schen Köni­gin-Mut­ter Chri­sti­na das Land und lebt in den fol­gen­den Jah­ren im Exil zu Paris.

1843 ist er füh­rend an der Rück­kehr der Köni­gin-Mut­ter nach Spa­ni­en betei­ligt. Sei­ne Ver­dien­ste wer­den durch Erhe­bung zum „Mar­qués de Val­de­gamas“ belohnt. Anfäng­lich dem Libe­ra­lis­mus zuge­neigt, voll­zieht sich in Frank­reich sei­ne Hin­wen­dung zum Katho­li­zis­mus, die sich unter den erschüt­tern­den Ereig­nis­sen der fran­zö­si­schen Febru­ar­re­vo­lu­ti­on 1848 voll­endet. Hier­bei wirk­te auch das christ­li­che Ster­ben sei­nes gelieb­ten Bru­ders und das Bei­spiel eines hei­lig­mä­ßi­gen Man­nes mit, den er im Pari­ser Exil ken­nen­ge­lernt hat­te.

Im Novem­ber 1848 geht er als spa­ni­scher Gesand­ter nach Ber­lin, kehrt aber ein Jahr spä­ter in die Hei­mat zurück. Anfang 1849 hält er dort eine flam­men­de poli­ti­sche Rede aus tie­fer katho­li­scher Glau­bens­ein­sicht her­aus, die ihn weit­hin bekannt macht. Eine zwei­te auf­se­hen­er­re­gen­de Rede über die all­ge­mei­ne Lage Euro­pas erfolgt im Janu­ar 1850, von der allein in Paris bereits bald 14.000 Exem­pla­re ver­brei­tet waren, und die dann ins Deut­sche und Ita­lie­ni­sche über­setzt wur­de.

Kai­ser und Köni­ge, Dich­ter und Den­ker von damals stan­den ganz im Bann sei­ner Aus­füh­run­gen, nicht zuletzt der ehr­wür­di­ge grei­se öster­rei­chi­sche Staats­kanz­ler Fürst Met­ter­nich.

1851 zieht Dono­so Cor­tés als Gesand­ter Spa­ni­ens nach Paris. Dort erscheint dann sein Haupt­werk Essay über den Katho­li­zis­mus, den Libe­ra­lis­mus und den Sozia­lis­mus. Die hier ver­öf­fent­lich­te Denk­schrift arbei­te­te Dono­so Cor­tés auf Wunsch von Kar­di­nal Forn­ari aus als eine Kurz­fas­sung der The­sen die­ses Wer­kes. Sie bil­de­te eine Unter­la­ge für den berühm­ten Syl­labus von Papst Pius IX. Am 3. Mai 1853 erliegt Dono­so Cor­tés, erst 44-jäh­rig, in Paris einem schwe­ren Herz­lei­den.

Gemäl­de von Ger­mán Hernán­dez

4 Kommentare

  1. Pfar­rer Robert Mäder hat im Jah­re 1926 die mah­nen­den Wor­te von Kar­di­nal Forn­ari gleich­sam wei­ter­ge­dacht und in sei­ner Schrift „Jesus der König“ einen der Haupt­grün­de des heu­ti­gen Kul­tes des Todes benannt:
    -
    [.…]
    „Staat ohne Kir­che, ein sozia­ler Got­tes­mord! Ich weiß kein ande­res Wort. Wer Leib und See­le schei­det, tut einen Mord. Und Mord ist ein Ver­bre­chen. Nun gut, Staat und Kir­che gehö­ren zusam­men wie Leib und See­le. Der Staat ist der Leib. Leib­li­che irdi­sche Wohl­fahrt des Vol­kes sein Zweck. Die Kir­che ist die See­le. Gei­sti­ges, über­na­tür­li­ches Glück des Vol­kes ihr Ziel. So will’s Gott, der den Staat geschaf­fen und die Kir­che gegrün­det. Die See­le aber muß im Lei­be blei­ben. Die Kir­che muß im Staa­te wir­ken. Tren­nen heißt Töten. Das ist es nun gera­de, was man will. Die Reli­gi­on soll nicht mehr See­le des Staa­tes sein. Gott hat in den zeit­li­chen Ange­le­gen­hei­ten der Nati­on nichts mehr zu tun.
    [.….]
    Man kann den offi­zi­el­len Ver­kehr von Kir­che und Staat auf­he­ben, aber man kann nie­mals den Bür­ger und den Staats­mann tren­nen von sei­nem Herr­gott, von sei­nem Gewis­sen, von sei­nen zehn Gebo­ten, von sei­nen reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen, also von sei­ner Kir­che. Immer wer­den es Grund­sät­ze sein, nach wel­chen er sei­ne Anord­nun­gen trifft und sind die­se Grund­sät­ze nicht katho­lisch, so sind sie pro­te­stan­tisch, frei­den­ke­risch, mate­ria­li­stisch oder sozia­li­stisch, also die Grund­sät­ze einer bestimm­ten Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung, aber nie neu­tral.
    Wie sein Gott, so sei­ne Poli­tik! Wie sein Gott, so sei­ne Gesetz­bü­cher! Wie sein Gott, so sei­ne Schu­le! Wie sein Gott, so sei­ne Gerich­te! Mag es Tren­nung geben zwi­schen Kir­che und Staat, Schei­dung kann es kei­ne geben. Der Geist der Kir­che muß des Staa­tes See­le blei­ben. Was Gott ver­bun­den, kann der Mensch nicht schei­den. Got­tes Wahr­hei­ten und Geset­ze vom öffent­li­chen Leben schei­den, ist sozia­ler Got­tes­mord. Und sozia­ler Got­tes­mord ist sozia­ler Selbst­mord.
    Der Staat ohne Kir­che ist des Staa­tes Tod. Leib ohne See­le ist Lei­che! In dem Maße, wie der Ein­fluß der Kir­che auf das öffent­li­che Leben schwin­det, beob­ach­ten wir zwei Todes­an­zei­chen, die ster­ben­de Auto­ri­tät und die ster­ben­de Frei­heit. Der Staat exi­stiert nur durch die Auto­ri­tät. Er beruht auf der Vor­aus­set­zung, daß es Regie­run­gen gibt, die aner­kannt, Geset­ze, die beob­ach­tet, Befeh­le, die aus­ge­führt, Urtei­le, die aner­kannt wer­den. Dar­in liegt die Garan­tie für Ord­nung, Frie­de, Wohl­fahrt, Sicher­heit.“
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  2. Welch eine schö­ne und tref­fen­de knap­pe Erklä­rung der katho­li­schen Sicht auf den Sün­der:

    „Zwi­schen Gott und dem Men­schen gab es einen uner­gründ­li­chen Abgrund. Der Sohn Got­tes ist aber Mensch gewor­den, und dadurch, daß in IHM bei­de Wesen­hei­ten wahr­haft ver­eint sind, wur­de die­ser Abgrund aus­ge­füllt. Zwi­schen dem fleisch­ge­wor­de­nen Wor­te Got­tes, Gott und Mensch zugleich, und dem sünd­haf­ten Men­schen gab es noch eine uner­meß­li­che Ent­fer­nung. Um die­se uner­meß­li­che Ent­fer­nung zu über­brücken, setz­te Gott zwi­schen einen Sohn und Sein Geschöpf die Mut­ter Sei­nes Soh­nes, die Aller­se­lig­ste Jung­frau, das „Weib ohne Sün­de“. Zwi­schen die­sem „Weib ohne Sün­de“ und dem sün­di­gen Men­schen war die Ent­fer­nung noch immer sehr groß, und Gott setz­te in Sei­ner unend­li­chen Barm­her­zig­keit zwi­schen die Aller­se­lig­ste Jung­frau und den sün­di­gen Men­schen die „hei­li­gen Sün­der“.
    Wer wür­de nicht eine so erha­be­ne und herr­li­che, eine so wun­der­ba­re und so voll­kom­me­ne Anord­nung bewun­dern? Der größ­te Sün­der braucht nicht mehr, als sei­ne sün­di­ge Hand aus­zu­strecken, um den zu fin­den, der ihm hilft aus dem Abgrund sei­ner Sün­de auf der Him­mels­lei­ter von Spros­se zu Spros­se bis zu den Höhen des Him­mels empor­zu­ge­lan­gen.“

    Auch dies — man muss es heu­te noch mehr beto­nen als je zuvor, dass es im katho­li­schen Glau­ben nur Die­ner und kei­ne Her­ren gibt, weil wir einen Herrn im Him­mel haben, und dar­um auch die Fra­ge des „Gehor­sams“ nie­mals „abso­lut“ gel­ten kann, son­dern in Rela­ti­on zur Gerech­tig­keit des Herrn, die umso mehr Unter­ord­nung vor IHM abver­langt je mehr Ver­ant­wor­tung sie in die Welt hin­ein ver­gibt. Das hat nichts mit Demo­kra­tie, son­dern mit ech­ter Demut, die, bevor sie sie ande­ren abver­langt, erst ein­mal selbst prak­ti­ziert. Wir müs­sen aber erle­ben, dass nicht nur unser „Papst“ F. son­dern auch angeb­lich tra­di­tio­na­li­sti­sche Kräf­te nur noch auf blin­de Demut und blin­den Gehor­sam set­zen und dar­um den Gläu­bi­gen in einen Zwie­spalt zwi­schen mensch­li­chen „Her­ren“ (und sei­en sie geist­lich) und dem Herrn selbst stür­zen.
    Und auch das ist gera­de­zu pro­phe­tisch:

    „Wenn man dem Pon­ti­fex Maxi­mus ledig­lich die Ehre des blo­ßen Vor­sit­zes beläßt, ihm aber die Ent­schei­dung und die tat­säch­li­che Regie­rungs­ge­walt weg­nimmt – ja, wenn die­ser Irr­tum zur Herr­schaft käme, dann wür­de der Papst eben­so über­flüs­sig und in sei­nen Vati­kan ver­bannt, wie unter einer Herr­schaft der „dei­sti­schen“ Häre­si­en Gott über­flüs­sig und in sei­nen Him­mel ver­bannt wird. Genau so, wie der König unter der Herr­schaft eines irri­gen Par­la­men­ta­ris­mus nutz- und zweck­los auf sei­nen Thron beschränkt blie­be.“ — Wobei F. ja ganz frei­wil­lig pri­mus inter pares ist.

    Ja, das ist wohl ein Pro­phet gewe­sen, der Dono­so Cor­tez — oder aber die Pro­ble­ma­tik war damals schon der­ma­ßen offen­sicht­lich, dass die Unfä­hig­keit sämt­li­cher Bischö­fe, auch der angeb­lich so glau­bens­treu­en, auf dem Vati­ca­num II immer noch mehr unver­ständ­lich wird. Da auch ande­re Gei­ster das Unglück kom­men sahen, z.B. Kar­di­nal New­man muss man aller­dings letz­te­re Mei­nung vor der erste­ren anneh­men…

  3. Satan hat es geschafft dem Mensch klar zu machen, dass er wie Gott ist, und dazu des­sen Gebo­te über­tre­ten muss, in den Apfel bei­ßen muss.
    Dem Men­schen, das heißt den welt­li­chen Füh­rern und noch schlim­mer denen in der der Füh­rung in der Wah­ren Kir­che, dem Leib Chri­sti.
    Frü­her hat­ten wir es mit einer strei­ten­den Kir­che zu tun, jetzt mit der Macht­über­nah­me durch die Welt.

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