Das Gesicht entführter Koptinnen — „Auf Entführung spezialisierte islamische Zellen“

Ägyptische Christinnen entführt und zwangskonvertiert zum Islam(Kai­ro) Die Opfer isla­mi­scher Ent­füh­run­gen haben ein Gesicht. Es sind die Gesich­ter jun­ger Chri­stin­nen, die in Ägyp­ten ent­führt und gezwun­gen wer­den, einen Mos­lem zu hei­ra­ten und zum Islam zu kon­ver­tie­ren. In der Regel hören ihre Fami­li­en nie mehr etwas von ihnen.

Seit durch den „Ara­bi­schen Früh­ling“ 2011 Staats­prä­si­dent Hos­ni Muba­rak aus dem Amt gejagt wur­de, zunächst die Mus­lim­brü­der an die Macht kamen und durch deren Sturz 2013 eine Lage der erhöh­ten Span­nung herrscht, wur­den min­de­stens 550 ägyp­ti­sche Chri­stin­nen ent­führt und zwangskonvertiert.

Es gehört zu einer unter Isla­mi­sten erschreckend ver­brei­te­ten Gewohn­heit Chri­stin­nen zu ent­füh­ren. Damit erspart sich der „Bräu­ti­gam“ lästi­ge Ver­hand­lun­gen mit der Fami­lie einer mos­le­mi­schen Frau. Die ent­führ­te Chri­stin hat zu gehor­chen und fer­tig. Zudem voll­bringt er gewis­ser­ma­ßen eine „gute“ Tat, indem er eine Chri­stin zum Islam zwangs­kon­ver­tiert. Und er schwächt damit die ver­ach­te­te christ­li­che Gemeinschaft.

Kreuz-Tatoos aus der Haut geätzt

Chri­sten Ägyp­tens las­sen sich tra­di­tio­nell ein Kreuz täto­wie­ren als Zei­chen ihres Bekennt­nis­ses. Ein sol­ches Sym­bol der „Ungläu­bi­gen“, das zudem untrüg­lich an die Her­kunft der Frau erin­nern wür­de, wird den ent­führ­ten Chri­stin­nen aus der Haut geätzt.

Die Ent­füh­rung von jun­gen Kop­tin­nen ist in Ägyp­ten kei­ne Neu­heit. Bereits wäh­rend der Amts­zeit von Staats­prä­si­dent Anwar as-Sadat wur­den ver­ein­zel­te Fäl­le regi­striert. Seit­her nimmt ihre Zahl ste­tig zu. Ein regel­rech­ter Boom wird seit dem Sturz von Prä­si­dent Muba­rak ver­zeich­net, mit dem die Isla­mi­sten zu einer bestim­men­den Kraft in Ägyp­ten wur­den. Poli­tisch wur­den sie inzwi­schen zwar wie­der aus den höch­sten Ämtern ver­drängt, doch ihre Gesin­nung läßt sich nicht auf Knopf­druck aus dem Land verbannen.

Im Schnitt werden jeden Monat 15 Christinnen entführt

„Vor dem ‚Ara­bi­schen Früh­ling‘ ver­schwan­den vier oder fünf Mäd­chen im Monat. Heu­te sind es fünf­zehn“, sagt Ebram Lou­is, der Grün­der der Ver­ei­ni­gung für die Opfer von Ent­füh­rung (AVAED). „Seit 2011 wur­den min­de­sten 550 Chri­stin­nen geraubt“, so Lou­is. Er schätzt die Zahl deut­lich höher, doch wür­den die Fäl­le oft nicht gemel­det und erst recht nicht zur Anzei­ge gebracht. In Ägyp­ten ist eine ver­ge­wal­tig­te Frau eine Schan­de für ihre Fami­lie. Die Ver­ge­wal­ti­gung aber ist gewis­ser­ma­ßen die archai­sche Inbe­sitz­nah­me der Ent­führ­ten durch den Ent­füh­rer. Ob die­ser sie dann behält oder lie­gen­läßt, ent­schei­det er.

Laut AVAED sind die Ent­führ­ten im Alter von 14 Jah­ren auf­wärts und in der Regel alle im gebär­fä­hi­gen Alter. In 40 Pro­zent der Fäl­le folgt auf die Ent­füh­rung und Gewalt­an­wen­dung die Zwangs­kon­ver­si­on zum Islam. In ande­ren Fäl­len wer­den die Frau­en ent­führt, geschän­det und „weg­ge­wor­fen“. Es gebe auch Fäl­le, wo Mos­lems jun­ge Chri­stin­nen umwer­ben, ihr Ver­trau­en zu gewin­nen ver­su­chen, Hei­rats­an­trä­ge machen und sie – ohne Wis­sen der Fami­li­en – als Vor­aus­set­zung für die Ehe­schlie­ßung dazu brin­gen, zum Islam zu kon­ver­tie­ren, die Ehe dann aber nie stattfindet.

„Eine beson­de­re Bru­ta­li­tät“, so Lou­is, ist das Ver­ät­zen von Täto­wie­run­gen christ­li­cher Sym­bo­le, wie sie unter kop­ti­schen Chri­sten weit­ver­brei­tet sind.

Islamische Zellen spezialisiert auf Entführung von Koptinnen

Bür­ger­recht­ler, Rechts­an­walt und Prie­ster haben sich zusam­men­ge­tan, um auf die Pla­ge der Ent­füh­rung von Chri­stin­nen zu reagie­ren. Eine Form ist die Orga­ni­sa­ti­on AVAED, die den Ent­führ­ten und deren Fami­lie Unter­stüt­zung bie­tet. Dabei geht es auch um Rechtsfragen.

Der christ­li­che Rechts­an­walt Said Fay­ez: „In Ägyp­ten exi­stie­ren zahl­rei­che isla­mi­sche Zel­len, die aus­schließ­lich auf die Ent­füh­rung kop­ti­scher Frau­en spe­zia­li­siert sind“. Die Ent­füh­run­gen wür­den auf Bestel­lung erfol­gen, in der Regel vom künf­ti­gen „Bräu­ti­gam“ der Chri­stin. Es gebe aber auch Fäl­le von Ent­füh­run­gen für den Skla­ven­markt. Der Anwalt berich­tet vom Schick­sal die­ser Frau­en. Jenen, denen die Flucht gelingt, wol­len zu ihrem christ­li­chen Glau­ben zurück­keh­ren. Allein 5.000 sol­cher Anträ­ge von Frau­en um Rück­kehr in die kop­ti­sche Kir­che gab es in den ver­gan­ge­nen 18 Monaten.

Rückkehr zur christlichen Religion vom Staat nicht leicht gemacht

Hin­ter die­ser Zahl wer­de ansatz­wei­se die wirk­li­che Dimen­si­on des Phä­no­mens der Ent­füh­run­gen und Zwangs­kon­ver­sio­nen sicht­bar, so der Anwalt. Eine Rück­kehr sei jedoch kei­nes­wegs so ein­fach. „Ein­mal Mos­lem, immer Mos­lem“, sei eine weit­ver­brei­te­te Ansicht im Islam. Die Fra­ge, wie die Kon­ver­si­on zustan­de­kam und ob dabei Gewalt ange­wandt wur­de, spie­le für vie­le Rol­le. Vor Gericht sei es bes­ser, aber auch nicht leicht. „Frau­en, die in der Zwangs­ehe Kin­der zur Welt brach­ten, müs­sen war­ten“, sagt der Anwalt. „Sie ris­kie­ren auto­ma­tisch ihre Kin­der zu ver­lie­ren. Das ägyp­ti­sche Gesetz schreibt vor, daß die Kin­der bei dem Eltern­teil leben müs­sen, der den ‚wah­ren Glau­ben‘ prak­ti­ziert. Unter dem ‚wah­ren Glau­ben‘ ver­steht das Gesetz natür­lich den Islam.“

Mit 14 entführt, mit 15 schwanger — Die Polizei schaute weg

Ingny war Opfer einer Ent­füh­rung und Zwangs­kon­ver­si­on. Nach­dem sie sich die Puls­adern auf­ge­schnit­ten hat­te, lie­ßen sie die Ent­füh­rer frei. Vie­le hat­ten nicht das­sel­be Glück. Dazu gehört Nadia Makram, die 2011 im Alter von erst 14 Jah­ren ent­führt wur­de. Die Eltern kann­ten sogar den Namen ihres Ent­füh­rers, Ahmed Ham­mad, ein 48 Jah­re alter Mos­lem. Sie hat­ten den Mut und wand­ten sich sofort an die Poli­zei. Doch der Mann wur­de nicht ver­haf­tet. Laut den von AVAED doku­men­tier­ten Fäl­len, wei­gert sich die Poli­zei oft, nach den Mäd­chen zu suchen. Soll­ten sie doch gefun­den wer­den, wer­den sie von ihren neu­en isla­mi­schen „Ver­wand­ten“ zur Poli­zei beglei­tet. „Was dann pro­to­kol­liert wird, steht schon fest“, so Anwalt Fayez.

Der Fall von Nadia Makram zeigt die gan­ze Tra­gik eines Staa­tes und einer Gesell­schaft, die Chri­sten nicht als gleich­wer­ti­ge Bür­ger aner­ken­nen. Das ägyp­ti­sche Gesetz ver­bie­tet aus­drück­lich die Ehe und die Kon­ver­si­on von Min­der­jäh­ri­gen. Den­noch wird von den Behör­den nie­mand aktiv. Als Nadia von ihrem isla­mi­schen Ent­füh­rer und Zwangs­ehe­mann im Alter von gera­de 15 Jah­ren ein erstes Kind zur Welt brach­te, archi­vier­te die Poli­zei offi­zi­ell den Akt. Es genüg­te, daß ihr Ent­füh­rer ein Doku­ment vor­leg­te, das die Ehe­schlie­ßung nach isla­mi­schem Recht bestä­tig­te. Daß die Frau min­der­jäh­rig war, inter­es­sier­te nicht.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Tempi

1 Kommentar

  1. „Bür­ger­recht­ler, Rechts­an­walt und Prie­ster haben sich zusam­men­ge­tan, um auf die Pla­ge der Ent­füh­rung von Chri­stin­nen zu reagieren.“

    Das hilft alles nichts, solan­ge es Päp­ste gibt, die den Koran küssen!

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