Dominikaner: „Früher ist das Abendmahl als Opfer angesehen worden, heute ist das anders“

Gottesdienst nach Lima-Liturgie beim 2. Ökumenischer Kirchentag: Lutheraner, Reformierte, Alt-Katholiken, Anglikaner alle an einem Tisch?(Bonn) Ist die Hei­li­ge Mes­se ein Opfer oder ein Mahl? Laut dem Domi­ni­ka­ner Frank Ewer­s­zum­ro­de ist es ein Mahl, wes­halb es nur eine Fra­ge der Zeit sei, daß Katho­li­ken und Pro­te­stan­ten gemein­sam am „Tisch“ Platz neh­men kön­nen. „Als Katho­lik kann man viel von der Refor­ma­ti­on ler­nen“, mit die­sen Wor­ten zitier­te die Schwet­zin­ger Zei­tung den wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter am Lehr­stuhl für Dog­ma­tik und Öku­me­ni­sche Theo­lo­gie an der Katho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Johan­nes Guten­berg-Uni­ver­si­tät in Mainz. Pater Ewer­s­zum­ro­de sprach zum The­ma „Hei­li­ge  Refor­ma­to­ren  oder  ver­irr­te  Ket­zer? Eine  kri­ti­sche  Wür­di­gung  der Refor­ma­ti­on  aus  römisch-­ka­tho­li­scher  Sicht“ im Gemein­de­haus der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de in Ofters­heim und kam dabei zu erstaun­li­chen „katho­li­schen“ Erkennt­nis­sen. Der Vor­trag bil­de­te den Auf­takt zu der vier­tei­li­gen „Öku­me­ni­schen Vor­trags­rei­he. Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum“.

In sei­nem Vor­trag erläu­ter­te der Domi­ni­ka­ner­pa­ter, wel­che Ver­än­de­run­gen die refor­ma­to­ri­schen Abend­mahls­leh­ren in der Pra­xis für die Katho­li­sche Kir­che gebracht hät­ten. „Mei­ne Kir­che wäre heu­te anders, wenn die Refor­ma­ti­on nicht statt­ge­fun­den hät­te“, führ­te P. Ewer­s­zum­ro­de aus, so sei bis in die 1960er Jah­re die Hei­li­ge Mes­se in latei­ni­scher Spra­che gele­sen wor­den, die Gläu­bi­gen hät­ten nur Brot, nicht den Kelch erhal­ten und das Abend­mahl sei als Opfer ange­se­hen wor­den, nicht als Got­tes Gna­de an den Men­schen. „All das ist heu­te anders“. Was das gemein­sa­me Abend­mahl von evan­ge­li­schen und katho­li­schen Chri­sten betraf, bat er dar­um, „mit uns noch etwas Geduld“ zu haben.
Die Bibel hät­te dank der Refor­ma­ti­on für Katho­li­ken einen neu­en Stel­len­wert gewon­nen: „In der katho­li­schen Fröm­mig­keit spiel­te die Bibel kei­ne Rol­le. Mitt­ler­wei­le ist die Hei­li­ge Schrift auch für uns die ober­ste Norm. Das haben wir von den Refor­ma­to­ren gelernt. Auch die katho­li­sche Kir­che ist eine Kir­che des Wortes.“

Für Pater Frank Ewer­s­zum­ro­de waren die Refor­ma­to­ren Leh­rer der Bibel: „Es ist ein Skan­dal, daß dar­aus eine Tren­nung der Chri­sten­heit gewor­den ist, die bis heu­te andau­ert.“ Den­noch blickt er zuver­sicht­lich in die Zukunft: „Auch wenn wir 2017 noch kein gemein­sa­mes Abend­mahl fei­ern wer­den, hat die Öku­me­ne schon viel erreicht. Wir brau­chen für das letz­te, stei­le Stück des Weges Geduld, um trag­fä­hi­ge Lösun­gen zu finden.“ 

Die öku­me­ni­sche Vor­trags­rei­he ist ein gemein­sa­mes Pro­jekt der evan­ge­li­schen und katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de Ofters­heim. Der Domi­ni­ka­ner Ewer­s­zum­ro­de ist der ein­zi­ge katho­li­sche Vor­tra­gen­de der Reihe.

Die katho­li­sche Pfarr­ge­mein­de Ofters­heim nennt als Bei­spie­le für die enge Zusam­men­ar­beit der evan­ge­li­schen und katho­li­schen Pfarr­ge­mein­den unter ande­rem  „die gegen­sei­ti­gen Ein­la­dun­gen zur Oster­nachts­fei­er (katho­li­sche Gemein­de) und zum Auf­er­ste­hungs­got­tes­dienst (evan­ge­li­sche Gemein­de)“ und den „öku­me­nisch gestal­te­te Got­tes­dienst am Tag des Wal­des – tra­di­tio­nell im Freien“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Lan­des­kir­che Han­no­ver (Screen­shot)

 

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