Aus der Trattoria — Ruhiger erster Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus

Peterskuppelvon Johan­nes Thiel

(Rom) In mei­ner römi­schen Trat­to­ria im Schat­ten der Peter­s­kup­pel war es ver­gan­ge­ne Woche erstaun­lich ruhig. Kol­le­gen und Rom-Besu­cher hat­ten sich den ersten Jah­res­tag der Wahl von Papst Fran­zis­kus ent­schie­den anders vor­ge­stellt. So gesten­reich wie umstrit­ten das Pon­ti­fi­kat medi­en­ful­mi­nant begon­nen hat­te, so schlag­zei­len­still blieb es zum ersten pon­ti­fi­ka­len Geburts­tag. Papst Fran­zis­kus hat­te genau für die­se Zeit und gewiß nicht ohne Über­le­gung Exer­zi­ti­en für die Römi­sche Kurie festgelegt. 

Er ver­ord­ne­te damit sich und sei­nen Mit­ar­bei­tern nicht nur geist­li­che Zurück­ge­zo­gen­heit, son­dern sogar einen Orts­wech­sel. Am 13. März, ein Jahr genau nach­dem wei­ßer Rauch aus der Six­ti­na auf­stieg und Papst Fran­zis­kus vor die Welt trat, hieß es im Vati­kan gewis­ser­ma­ßen „Wegen Außen­dienst geschlos­sen“. Die Igna­tia­ni­schen Übun­gen wur­den damit zum still­schwei­gen­den Weg, sich ele­gant jedem Rum­mel um den Jah­res­tag zu ent­zie­hen. Sich und die Katho­li­sche Kir­che. Nicht ein­mal die Gene­ral­au­di­enz am Mitt­woch fand statt.

Ist Papst Fran­zis­kus der eige­nen Insze­nie­rung sei­nes Pon­ti­fi­kats über­drüs­sig gewor­den? Will er ernst machen mit sei­ner Aus­sa­ge im Cor­rie­re del­la Sera, daß der Jubel Tru­bel um sei­ne Per­son als einer Art Super­star eigent­lich eine „Belei­di­gung“ sei­en? Sei­ner Per­son? Sei­nes Amtes? Vor­ei­li­ge Schluß­fol­ge­run­gen sind unan­ge­bracht. Eini­ge Pil­ger und Tou­ri­sten die absicht­lich ihren Besuch in der Ewi­gen Stadt auf den 13. März gelegt hat­ten, blie­ben enttäuscht.

Wer tat­säch­lich nicht auf sei­ne Kosten kam, war die Medi­en­zunft. Sie muß­te sich mit dem Griff ins Archiv begnü­gen. Vie­le katho­li­sche Medi­en lie­fer­ten mono­the­ma­ti­sche Aus­ga­ben. Welt­li­che Medi­en räum­ten dem Papst eben­falls viel Platz ein. Ihre Schlag­zei­len las­sen sich in etwa fol­gen­der­ma­ßen nach Gewich­tung rei­hen: eine Her­me­neu­tik die­ses Pon­ti­fi­kats anhand der Gesten, aus­ge­hend vom Umzug nach San­ta Mar­ta; die Bischofs­syn­ode mit dem Kas­per-Auf­tritt als pro­gres­si­ver „friend­ly Ghost“; die „Aner­ken­nung“ der Homo­se­xua­li­tät fest­ge­macht an der „Homo-Ehe“; die Kuri­en­re­form mit beson­de­rem Schwer­ge­wicht auf Vati­kan­bank und die öko­no­misch-admi­ni­stra­ti­ve Sei­te. Der Rest ver­teil­te sich auf die unter­schied­lich­sten, ori­gi­nell und weni­ger ori­gi­nell auf­be­rei­te­ten Themen.

Papst Fran­zis­kus ist wie­der in den Vati­kan zurück­ge­kehrt. Damit ist alles für neue Schlag­zei­len vor­be­rei­tet. Wel­che es sein wer­den, bestimmt wie kein Papst vor ihm, vor allem und zual­ler­erst er selbst.

Text: Johan­nes Thiel
Bild: Fortuna

4 Kommentare

  1. Wahr­schein­lich strei­ken gera­de die unbe­zahl­ten Prak­ti­kan­ten bei McK­nis­ey, und wir müs­sen uns noch ein wenig gedul­den, bis das wei­te­re Dreh­buch zur „Pope Show“ gelie­fert wird.

  2. ad: „Papst Fran­zis­kus hat­te genau für die­se Zeit und gewiß nicht ohne Über­le­gung Exer­zi­ti­en für die Römi­sche Kurie festgelegt.“
    FALSCH! Die Fasten­ex­er­zi­ti­en des Pap­stes und der Kurie fin­den seit jeher in der ersten vol­len Fasten­wo­che statt. Frü­her ist man halt dafür nicht — durch­aus medi­en­wirk­sam (Auto­bus und so) — weg­ge­fah­ren, son­dern hat das kosten­gün­stig gleich im Vati­kan sel­ber gemacht. Die Päp­ste waren auch damals nicht öffent­lich erreich­bar und sämt­li­che Audi­en­zen, egal ob Pri­vat- oder General‑, waren abge­sagt. Dass in die­sem Jahr der 13. März genau in die­se Woche fiel, ist purer Zufall.

  3. Was ist bit­te aus der Intern. Unter­schrif­ten­ak­ti­on gegen Pater Volpi gewor­den? Hat der Papst nicht reagiert?

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