Untergrundbischof Fan Zhongliang gestorben — 30 Jahre Lager, 20 Jahre Hausarrest

Bischof Fan Zhongliang  von Shanghai(Peking) Am Sonn­tag ver­starb 96jährig in der Volks­re­pu­blik Chi­na der katho­li­sche Unter­grund­bi­schof Joseph Fan Zhon­gliang von Shang­hai. Bischof Fan war 1985 von Papst Johan­nes Paul II. zum Bischof-Koad­ju­tor von Shang­hai ernannt wor­den. Eine Ernen­nung, die von der kom­mu­ni­sti­schen Regie­rung nie aner­kannt wur­de. Bischof Fan ver­brach­te 30 Jah­re sei­nes Lebens im Gefäng­nis und in Lagern und wei­te­re 20 Jah­re unter Hausarrest.

Konzentrationslager

Joseph Fan Zhon­gliang wur­de 1918 gebo­ren und trat 1938 im Alter von 19 Jah­ren in den Jesui­ten­or­den ein. Als er 1951 zum Prie­ster geweiht wur­de, befand sich der Groß­teils Chi­nas bereits unter kom­mu­ni­sti­scher Herr­schaft. 1955 wur­de er unter Mao Tse-tung, wie zahl­rei­che ande­re Prie­ster und Bischö­fe, die sich wei­ger­ten die Auto­ri­tät des Pap­stes zu leug­nen, ver­haf­tet. Zusam­men mit Bischof Igna­ti­us Kung Pin-mei kam er ins Arbeits­la­ger. Gemein­sam wur­den sie nach 30 Jah­ren Gefäng­nis und Lager­haft ent­las­sen, aller­dings sofort unter Haus­ar­rest gestellt. Bischof Kung, den Johan­nes Paul II. in pec­to­re, bereits 1979 geheim zum Kar­di­nal erho­ben hat­te, durf­te auf diplo­ma­ti­sches Ein­wir­ken hin 1988 ausreisen.

Zwei Bischöfe

1985 wur­de Fan vom Papst zum Bischof-Koad­ju­tor für Shang­hai ernannt, aller­dings bis 2005 unter Haus­ar­rest gehal­ten. Als Bischof Igna­ti­us Kung Pin-mei 2000 im Exil starb, folg­te er die­sem als Diö­ze­san­bi­schof. Die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas bestell­te jedoch bereits 1985 ohne päpst­li­che Erlaub­nis mit Aloy­si­us Jin Luxi­an einen regi­me­hö­ri­gen Bischof für Shang­hai. Bischof Jin, der 2013 starb, ver­söhn­te sich 2005 mit Rom, nach­dem Papst Bene­dikt XVI. sich um eine Ver­söh­nung der ver­schie­de­nen Tei­le der Kir­che bemüht hatte.

Durch den Tod von Bischof Jin und Bischof Fan gibt es noch Bischof Thad­dä­us Ma Daqin von Shang­hai. Sei­ne Ernen­nung erfolg­te durch das kom­mu­ni­sti­sche Regime. Am 7. Juli 2012 wur­de er zum Weih­bi­schof der Diö­ze­se geweiht. Am Ende der lit­ur­gi­schen Fei­er gab er in der Kathe­dra­le vor sei­ner ver­sam­mel­ten Diö­ze­se und den anwe­sen­den Staats­ver­tre­tern sei­nen Aus­tritt aus der regi­me­hö­ri­gen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung und sei­ne Unter­wer­fung unter Rom bekannt. Beim Ver­las­sen der Kathe­dra­le wur­de er sofort verhaftet.

Nach eini­gen Tagen, in denen man nicht wuß­te, wohin er von der Poli­zei gebracht wor­den war, wur­de er im Klo­ster von Shes­han unter Haus­ar­rest gestellt. Seit bald zwei Jah­ren darf er das Klo­ster nicht ver­las­sen, kei­ne öffent­li­che Mes­se zele­brie­ren und sei­ne Diö­ze­se nicht lei­ten. Als Bischof wur­de er vom Regime für abge­setzt erklärt und muß zwangs­wei­se an „Mar­xi­sti­schen Stu­di­en“ tei­le­neh­men, einem ideo­lo­gi­schen Umer­zie­hungs­pro­gramm für Regime­geg­ner. Für Rom gilt er wei­ter­hin als recht­mä­ßi­ger Bischof.

„Kommunistische“ Kirche Chinas

Wie alle kom­mu­ni­sti­schen Regime ver­sucht auch die KP der Volks­re­pu­blik Chi­na die katho­li­sche Kir­che ihres Lan­des unter Par­tei- und Regie­rungs­kon­trol­le zu brin­gen. Aner­kannt wird nur der Teil der Kir­che, der sich einer regime­treu­en Ver­ei­ni­gung anschließt, die eige­ne Bischö­fe ernennt. Zuletzt wur­de am ver­gan­ge­nen 20. Novem­ber Guo Jin­cai vom Regime ohne Erlaub­nis Roms zum Bischof von Cheng­de (Hebei) ernannt. Das Regime zwingt rom­treue Bischö­fe mit Poli­zei­ge­walt, an unrecht­mä­ßi­gen Bischofs­wei­hen teil­zu­neh­men, weil Rom eine sol­che Teil­nah­me unter Exkom­mu­ni­ka­ti­on gestellt hat.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Tempi

5 Kommentare

  1. Das Haupt­pro­blem sehe ich dar­in dass sich die Katho­li­sche Kir­che in den letz­ten Jah­ren so sehr zum Pudel von Isra­el und den USA mach­te, und daher sol­che Län­der tat­säch­lich fürch­ten müs­sen dass eine 5. Kolon­ne in ihrem Land ent­steht, und die Kir­che ist nicht dazu da ame­ri­ka­ni­schen und jüdi­schen Inter­es­sen zum Durch­bruch zu ver­hel­fen. Für mich war es immer ein Wahn­sinn ohne­glei­chen wenn Bene­dikt XVI. am Höhe­punkt der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zung im Irak im Wei­ßen Haus sei­nen eige­nen Geburts­tag fei­er­te oder er in West­jor­da­ni­en die aus­schließ­lich Juden vor­be­hal­te­ne Auto­bahn vom Jor­dan nach Jeru­sa­lem benutz­te. Die Eitel­keit von Dr. Ratz­in­ger ist mit vie­len tra­gi­schen Schick­sa­len ins­be­son­de­re in Nah­ost und auch Fern­ost gepflastert.

  2. Im Jah­re 2007 ist Bene­dikt XVI. mit einem Brief der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che in den Rücken gefal­len: Er mahn­te sie nicht nur zur Zusam­men­ar­beit mit der „Patrio­ti­schen Kir­che“, der regime­treu­en Kir­che, er ent­zog ihr das Pri­vi­leg, unab­hän­gig vom Diö­ze­san­bi­schof der patrio­ti­schen Kir­che zu sein.
    Die­se Stra­te­gie ver­focht schon Paul VI. den Unter­grund­bi­schö­fen der ver­folg­ten Kir­che im bol­sche­wi­sti­schen Ost­block gegen­über: Sie waren nicht mehr gefragt, muss­ten den ange­pass­ten Bischö­fen und Prie­stern wei­chen, die von den kom­mu­ni­sti­schen Macht­ha­bern gedul­det wur­den: Die sich auf einen „Sakri­stei­glau­ben“ beschränk­ten: Kein Wider­stand gegen den gott­lo­sen Bol­sche­wis­mus, die hl. Mes­se fei­ern, ohne die Ver­kün­di­gung des katho­li­schen Glaubens.
    Zwi­schen Paul VI. und Bene­dikt XVI. besteht auch in der Fra­ge der Unter­grund­kir­chen die Kon­ti­nui­tät, die Bene­dikt immer behaup­te­te in Bezug auf die vor­kon­zi­lia­re und die nach­kon­zi­lia­re Kir­che. Doch die­se Kon­ti­nui­tät bil­de­te er sich ein, er wünsch­te sie, doch sie ent­spricht nicht der Realität.

    • Das ist kon­se­quent, wenn man bedenkt, daß die Kir­che nicht mehr über der Welt ste­hen will. Ich den­ke, die Kir­che akzep­tiert die moder­nen Staa­ten eben weil sie nicht mehr die Kir­che ist.

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