„Die Ehepastoral muß auf der Wahrheit gründen“ — Antwort Benedikts XVI. auf Rede von Kardinal Kasper

Benedikt XVI.: Kaum bekannter, topaktueller Text von Joseph Kardinal Ratzinger zum Thema Seelsorge für wiederverheiratet Geschiedene(Vati­kan) Kar­di­nal Wal­ter Kas­per hat­te auf Wunsch von Papst Fran­zis­kus das exklu­si­ve Recht, beim Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um vom 20./21. Febru­ar sei­ne „neu­en Wege“ in der Seel­sor­ge für die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen dar­zu­le­gen. Die Ver­öf­fent­li­chung der „gehei­men Rede“ Kas­pers scheint von Anfang an beab­sich­tigt gewe­sen zu sein, wie schon die Vor­ankün­di­gung des Her­der-Ver­lags beleg­te. Damit bestimmt sie als ein­zi­ge „offi­zi­el­le“ Mei­nung die Dis­kus­si­on.

Doch bereits 1998 hat­te Bene­dikt XVI., damals noch als Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger und Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on eine Ant­wort auf Kas­pers Rede gege­ben.

Am 29./30. Novem­ber 2011 ver­öf­fent­lich­te der „Osser­va­to­re Roma­no“ in ver­schie­de­nen Über­set­zun­gen einen wenig bekann­ten Text von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, damals Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on „zu eini­gen Ein­wän­den gegen die kirch­li­che Leh­re über den Kom­mu­nion­emp­fang von wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen“. Den Text ver­faß­te der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI. als Ein­füh­rung zum Buch „Sul­la pasto­ra­le dei divor­zia­ti ris­po­sa­ti“ (Über die Seel­sor­ge der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen), der als Band 17 der Schrif­ten­rei­he „Docu­men­ti e Stu­di“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on im Vati­kan­ver­lag erschie­nen ist.

Die Über­set­zung in ver­schie­de­ne Spra­chen (Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Por­tu­gie­sisch und die ita­lie­ni­sche Fas­sung der Erst­ver­öf­fent­li­chung), deren Abdruck im „Osser­va­to­re Roma­no“ und Ver­öf­fent­li­chung auf der Inter­net­sei­te der Tages­zei­tung des Vati­kans erfolg­te auf Wunsch von Bene­dikt XVI., um gegen inner­kirch­li­che Ver­su­che, die katho­li­sche Leh­re und Pra­xis in die­sem Bereich zu kip­pen, die katho­li­sche Posi­ti­on dar­zu­le­gen und zu bekräf­ti­gen.

Durch den Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. sind die­se inner­kirch­li­chen Ver­su­che stär­ker denn je her­vor­ge­bro­chen, wes­halb der Text heu­te von noch grö­ße­rer Aktua­li­tät ist.

Die Ver­öf­fent­li­chung von 2011 erfolg­te unter Hin­zu­fü­gung von drei Fuß­no­ten, die bei­be­hal­ten wur­den.
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Die Ehepastoral muß auf der Wahrheit gründen

Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen

von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger

Das Schrei­ben der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on über den Kom­mu­nion­emp­fang von wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen vom 14. Sep­tem­ber 1994 hat in wei­ten Tei­len der Kir­che ein leb­haf­tes Echo gefun­den. Neben vie­len posi­ti­ven Stel­lung­nah­men waren auch nicht weni­ge kri­ti­sche Stim­men zu hören. Die wesent­li­chen Ein­wän­de gegen die kirch­li­che Leh­re und Pra­xis wer­den im fol­gen­den in ver­ein­fa­chen­der Form umris­sen.

Eini­ge gewich­ti­ge­re Ein­wän­de – vor allem der Ver­weis auf die angeb­lich fle­xi­ble­re Pra­xis der Kir­chen­vä­ter, wel­che die Pra­xis der von Rom getrenn­ten Ost­kir­chen bis heu­te prä­ge, sowie der Hin­weis auf die tra­di­tio­nel­len Prin­zi­pi­en der Epi­kie und der Aequi­tas cano­nica – wur­den von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ein­ge­hend unter­sucht. Die Arti­kel der Pro­fes­so­ren Pel­land, Mar­cuz­zi und Rodrà­guez Luño ((Vgl. Angel Rodrà­guez Luño, L’epicheia nella cura pasto­ra­le dei fede­li divor­zia­ti ris­po­sa­ti , ebd., 75–87; Pie­ro Gior­gio Mar­cuz­zi, S.D.B., App­li­ca­zio­ne di “aequi­tas et epikeia“ ai con­te­nuti del­la Let­te­ra del­la Con­gre­ga­zio­ne per la Dott­ri­na del­la Fede del 14 set­tembre 1994 , ebd. , 88–98; Gil­les Pel­land, S.J., La pra­ti­ca del­la Chie­sa anti­ca rela­ti­va ai fede­li divor­zia­ti ris­po­sa­ti , ebd ., 99–131.)) sind neben ande­rem im Zuge die­ses Stu­di­ums ent­stan­den. Die haupt­säch­li­chen Ergeb­nis­se der Unter­su­chung, die die Rich­tung einer Ant­wort auf die vor­ge­brach­ten Ein­wän­de anzei­gen, sol­len hier in Kür­ze zusam­men­ge­faßt wer­den.

1. Man­che mei­nen, eini­ge Stel­len des Neu­en Testa­ments deu­te­ten an, daß das Wort Jesu über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe eine fle­xi­ble Anwen­dung erlau­be und nicht in eine streng recht­li­che Kate­go­rie ein­ge­ord­net wer­den dür­fe.

Eini­ge Exege­ten mer­ken kri­tisch an, daß das Lehr­amt im Zusam­men­hang mit der Unauf­lös­lich­keit der Ehe fast aus­schließ­lich eine Peri­ko­pe – näm­lich Mk 10,11–12 – zitie­re und ande­re Stel­len aus dem Mat­thä­us-Evan­ge­li­um und aus dem 1. Korin­ther­brief nicht genü­gend berück­sich­ti­ge. Die­se Bibel­stel­len sprä­chen von einer gewis­sen Aus­nah­me vom Her­ren­wort über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe, und zwar im Fall von porneia (Mt 5,32; 19,9) und im Fall der Tren­nung um des Glau­bens wegen (1 Kor 7,12–16). Sol­che Tex­te sei­en Hin­wei­se, daß die Chri­sten in schwie­ri­gen Situa­tio­nen schon in der apo­sto­li­schen Zeit eine fle­xi­ble Anwen­dung des Wor­tes Jesu gekannt haben.

Auf die­sen Ein­wand ist zu ant­wor­ten, daß die lehr­amt­li­chen Doku­men­te die bibli­schen Grund­la­gen der Ehe­leh­re nicht umfas­send dar­le­gen wol­len. Sie über­las­sen die­se wich­ti­ge Auf­ga­be den kom­pe­ten­ten Fach­leu­ten. Das Lehr­amt betont aller­dings, daß sich die kirch­li­che Leh­re von der Unauf­lös­lich­keit der Ehe aus der Treue gegen­über dem Wort Jesu ablei­tet. Jesus bezeich­net die alt­te­sta­ment­li­che Schei­dungs­pra­xis ein­deu­tig als Fol­ge der mensch­li­chen Hart­her­zig­keit. Er ver­weist – über das Gesetz hin­aus – auf den Anfang der Schöp­fung, auf den Schöp­fer­wil­len, und faßt sei­ne Leh­re mit den Wor­ten zusam­men: „Was aber Gott ver­bun­den hat, das darf der Mensch nicht tren­nen“ (Mk 10,9). Mit dem Kom­men des Erlö­sers wird also die Ehe in ihrer schöp­fungs­ge­mä­ßen Urge­stalt wie­der her­ge­stellt und der mensch­li­chen Will­kür ent­ris­sen – vor allem der männ­li­chen Will­kür, denn für die Frau gab es ja die Mög­lich­keit der Schei­dung nicht. Jesu Wort von der Unauf­lös­lich­keit der Ehe ist die Über­win­dung der alten Ord­nung des Geset­zes in der neu­en Ord­nung des Glau­bens und der Gna­de. Nur so kann die Ehe der gott­ge­ge­be­nen Beru­fung zur Lie­be und der mensch­li­chen Wür­de voll gerecht und zum Zei­chen der unbe­ding­ten Bun­des­lie­be Got­tes, d.h. zum Sakra­ment, wer­den (vgl. Eph 5,32).

Die Tren­nungs­mög­lich­keit, die Pau­lus in 1 Kor 7 eröff­net, betrifft Ehen zwi­schen einem christ­li­chen und einem nicht getauf­ten Part­ner. Die spä­te­re theo­lo­gi­sche Refle­xi­on hat erkannt, daß nur Ehen zwi­schen zwei Getauf­ten Sakra­ment im stren­gen Sinn des Wor­tes sind und daß nur für die­se im Raum des Chri­stus­glau­bens ste­hen­den Ehen die unbe­ding­te Unauf­lös­lich­keit gilt. Die soge­nann­te Natu­re­he hat ihre Wür­de von der Schöp­fungs­ord­nung her und ist daher auf Unauf­lös­lich­keit ange­legt, kann aber unter Umstän­den eines höhe­ren Gutes – hier des Glau­bens – wegen auf­ge­löst wer­den. So hat die theo­lo­gi­sche Syste­ma­tik den Hin­weis des hei­li­gen Pau­lus recht­lich als Pri­vi­le­gi­um Pau­li­num ein­ge­ord­net, d.h. als Mög­lich­keit, eine nicht sakra­men­ta­le Ehe um des Gutes des Glau­bens wil­len auf­zu­lö­sen. Die Unauf­lös­lich­keit der wirk­lich sakra­men­ta­len Ehe bleibt gewahrt; es han­delt sich also nicht um eine Aus­nah­me vom Wort des Herrn. Dar­auf wer­den wir spä­ter zurück­kom­men.

Bezüg­lich des rech­ten Ver­ständ­nis­ses der porneia-Klau­seln gibt es eine Fül­le von Lite­ra­tur mit vie­len unterschie­dlichen, ja gegen­sätz­li­chen Hypo­the­sen. Unter den Exege­ten herrscht in die­ser Fra­ge kei­ner­lei Ein­mü­tig­keit. Vie­le neh­men an, daß es sich hier um ungül­ti­ge ehe­li­che Ver­bin­dun­gen und nicht um Aus­nah­men von der Unauf­lös­lich­keit der Ehe han­delt. Auf alle Fäl­le kann die Kir­che ihre Leh­re und Pra­xis nicht auf unsi­che­re exege­ti­sche Hypo­the­sen auf­bau­en. Sie hat sich an die ein­deu­ti­ge Leh­re Chri­sti zu hal­ten.

2. Ande­re wen­den ein, daß die patri­sti­sche Tra­di­ti­on Raum las­se für eine dif­fe­ren­zier­te­re Pra­xis, die schwie­ri­gen Situa­tio­nen bes­ser gerecht wird; die katho­li­sche Kir­che kön­ne zudem vom ost­kirch­li­chen Öko­no­mie-Prin­zip ler­nen.

Man sagt, daß das gegen­wär­ti­ge Lehr­amt sich nur auf einen Strang der patri­sti­schen Tra­di­ti­on stützt, aber nicht auf das gan­ze Erbe der Alten Kir­che. Obwohl die Väter ein­deu­tig am dok­tri­nel­len Prin­zip der Unauf­lös­lich­keit der Ehe fest­hiel­ten, haben eini­ge von ihnen auf der pasto­ra­len Ebe­ne eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät mit Rück­sicht auf schwie­ri­ge Ein­zel­si­tua­tio­nen tole­riert. Auf die­ser Grund­la­ge haben die von Rom getrenn­ten Ost­kir­chen spä­ter neben dem Prin­zip der akri­bia , der Treue zur geof­fen­bar­ten Wahr­heit, jenes der oiko­no­mia , der güti­gen Nach­sicht in schwie­ri­gen Ein­zel­fäl­len, ent­wickelt. Ohne die Leh­re von der Unauf­lös­lich­keit der Ehe auf­zu­ge­ben, erlau­ben sie in gewis­sen Fäl­len eine Zweit- und auch eine Dritte­he, die aller­dings von der sakra­men­ta­len Erste­he unter­schie­den und vom Cha­rak­ter der Buße geprägt ist. Die­se Pra­xis sei von der katho­li­schen Kir­che nie aus­drück­lich ver­ur­teilt wor­den. Die Bischofs­syn­ode von 1980 habe ange­regt, die­se Tra­di­ti­on gründ­lich zu stu­die­ren, um die Barm­her­zig­keit Got­tes bes­ser auf­leuch­ten zu las­sen.

Die Stu­die von P. Pel­land legt die wesent­li­chen Väter­tex­te zur Pro­ble­ma­tik klar und deut­lich vor. Für die Inter­pre­ta­ti­on der ein­zel­nen Tex­te bleibt natür­lich der Histo­ri­ker zustän­dig. Auf­grund der schwie­ri­gen Text­la­ge wer­den die Kon­tro­ver­sen auch in Zukunft nicht aus­blei­ben. In theo­lo­gi­scher Hin­sicht ist fest­zu­hal­ten:

a) Es gibt einen kla­ren Kon­sens der Väter bezüg­lich der Unauf­lös­lich­keit der Ehe. Weil die­se dem Wil­len des Herrn ent­springt, besitzt die Kir­che kei­ner­lei Gewalt dar­über. Des­halb war die christ­li­che Ehe von Anfang an unter­schie­den von der Ehe der römi­schen Zivi­li­sa­ti­on, auch wenn es in den ersten Jahr­hun­der­ten noch kei­ne eige­ne kano­ni­sche Ord­nung gab. Die Kir­che der Väter­zeit schließt Ehe­schei­dung und Wie­der­hei­rat ein­deu­tig aus, und zwar aus gläu­bi­gem Gehor­sam gegen­über dem Neu­en Testa­ment.

b) In der Kir­che der Väter­zeit wur­den geschie­de­ne wie­der­ver­hei­ra­te­te Gläu­bi­ge nie­mals nach einer Buß­zeit offi­zi­ell zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on zuge­las­sen. Es trifft indes zu, daß die Kir­che Zuge­ständ­nis­se in ein­zel­nen Län­dern nicht immer rigo­ros rück­gän­gig gemacht hat, auch wenn sie als nicht mit Leh­re und Dis­zi­plin über­ein­stim­mend bezeich­net wur­den. Wahr scheint auch, daß ein­zel­ne Väter, etwa Leo der Gro­ße, für sel­te­ne Grenz­fäl­le pasto­ra­le Lösun­gen such­ten.

c) In der Fol­ge kam es zu zwei gegen­sätz­li­chen Ent­wick­lun­gen:

- In der Reichs­kir­che nach Kon­stan­tin such­te man mit der immer stär­ke­ren Ver­flech­tung von Staat und Kir­che eine grö­ße­re Fle­xi­bi­li­tät und Kom­pro­miß­be­reit­schaft in schwie­ri­gen Ehe­si­tua­tio­nen. Bis zur Gre­go­ria­ni­schen Reform zeig­te sich auch im gal­li­schen und ger­ma­ni­schen Raum eine ähn­li­che Ten­denz. In den von Rom getrenn­ten Ost­kir­chen setz­te sich die­se Ent­wick­lung im zwei­ten Jahr­tau­send wei­ter fort und führ­te zu einer immer libe­ra­le­ren Pra­xis. Heu­te gibt es in man­chen ortho­do­xen Kir­chen eine Viel­zahl von Schei­dungs­grün­den, ja bereits eine Theo­lo­gie der Schei­dung, die mit den Wor­ten Jesu über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe nicht zu ver­ein­ba­ren ist. Im öku­me­ni­schen Dia­log muß die­ses Pro­blem unbe­dingt zur Spra­che gebracht wer­den.

- Im Westen wur­de durch die Gre­go­ria­ni­sche Reform die ursprüng­li­che Auf­fas­sung der Väter wie­der her­ge­stellt. Die­se Ent­wick­lung fand auf dem Kon­zil von Tri­ent einen gewis­sen Abschluß und wur­de auf dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil erneut als Leh­re der Kir­che vor­ge­tra­gen.

Die Pra­xis der von Rom getrenn­ten Ost­kir­chen, die Fol­ge eines kom­ple­xen histo­ri­schen Pro­zes­ses, einer immer libe­ra­le­ren – und sich mehr und mehr vom Her­ren­wort ent­fer­nen­den – Inter­pre­ta­ti­on eini­ger dunk­ler Väter­tex­te sowie eines nicht gerin­gen Ein­flus­ses zivi­ler Geset­ze ist, kann von der katho­li­schen Kir­che aus lehr­mä­ßi­gen Grün­den nicht über­nom­men wer­den. Zudem ist die Behaup­tung unrich­tig, daß die katho­li­sche Kir­che die ori­en­ta­li­sche Pra­xis ein­fach tole­riert habe. Gewiß hat Tri­ent kei­ne aus­drück­li­che Ver­ur­tei­lung aus­ge­spro­chen. Die mit­tel­al­ter­li­chen Kano­ni­sten spra­chen aller­dings durch­ge­hend von einer miß­bräuch­li­chen Pra­xis. Zudem gibt es Zeug­nis­se, daß Grup­pen ortho­do­xer Gläu­bi­ger, die katho­lisch wur­den, ein Glau­bens­be­kennt­nis mit einem aus­drück­li­chen Ver­weis auf die Unmög­lich­keit einer Zweit­ehe unter­zeich­nen muß­ten.

3. Man­che schla­gen vor, auf der Basis der tra­di­tio­nel­len Prin­zi­pi­en der Epi­kie und der Aequi­tas cano­ni­ca Aus­nah­men von der kirch­li­chen Norm zu gestat­ten.

Bestimm­te Ehe­fäl­le, so sagt man, kön­nen im Forum exter­num nicht gere­gelt wer­den. Die Kir­che dür­fe nicht nur auf recht­li­che Nor­men ver­wei­sen, son­dern müs­se auch das Gewis­sen der ein­zel­nen ach­ten und tole­rie­ren. Die über­lie­fer­te Leh­re von Epi­kie und Aequi­tas cano­ni­ca könn­ten moral­theo­lo­gisch bzw. juri­disch eine Ent­schei­dung des Gewis­sens, die von der all­ge­mei­nen Norm abweicht, recht­fer­ti­gen. Vor allem in der Fra­ge des Sakra­men­ten­emp­fangs sol­le die Kir­che hier Schrit­te set­zen und den betrof­fe­nen Gläu­bi­gen nicht nur Ver­bo­te vor­hal­ten.

Die bei­den Bei­trä­ge von Prof. Mar­cuz­zi und Prof. Rodrà­guez Luño wer­fen Licht auf die­se kom­ple­xe Pro­ble­ma­tik. Dabei sind drei Fra­gen­be­rei­che deut­lich von­ein­an­der zu unter­schei­den:

a) Epi­kie und Aequi­tas cano­ni­ca sind im Bereich mensch­li­cher und rein kirch­li­cher Nor­men von gro­ßer Bedeu­tung, kön­nen aber nicht im Bereich von Nor­men ange­wandt wer­den, über die die Kir­che kei­ne Ver­fü­gungs­ge­walt hat. Die Unauf­lös­lich­keit der Ehe ist eine die­ser Nor­men, die auf den Herrn selbst zurück­ge­hen und daher als Nor­men gött­li­chen Rechts bezeich­net wer­den. Die Kir­che kann auch nicht pasto­ra­le Prak­ti­ken – etwa in der Sakra­men­ten­pa­sto­ral – gut­hei­ßen, die dem ein­deu­ti­gen Gebot des Herrn wider­spre­chen. Mit ande­ren Wor­ten: Wenn die vor­aus­ge­hen­de Ehe von wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen gül­tig war, kann ihre neue Ver­bin­dung unter kei­nen Umstän­den als recht­mä­ßig betrach­tet wer­den, daher ist ein Sakra­men­ten­emp­fang aus inne­ren Grün­den nicht mög­lich. Das Gewis­sen des ein­zel­nen ist aus­nahms­los an die­se Norm gebun­den. ((Dabei gilt, was Johan­nes Paul II. im Apo­sto­li­schen Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio , Nr. 84 bekräf­tigt hat: „Die Wie­der­ver­söh­nung im Sakra­ment der Buße, das den Weg zum Sakra­ment der Eucha­ri­stie öff­net, kann nur denen gewährt wer­den, wel­che die Ver­let­zung des Zei­chens des Bun­des mit Chri­stus und der Treue zu ihm bereut und die auf­rich­ti­ge Bereit­schaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Wider­spruch zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht. Das heißt kon­kret, daß, wenn die bei­den Part­ner aus ernst­haf­ten Grün­den – zum Bei­spiel wegen der Erzie­hung der Kin­der – der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men kön­nen, sie sich ver­pflich­ten, völ­lig ent­halt­sam zu leben, das heißt, sich der Akte zu ent­hal­ten, wel­che Ehe­leu­ten vor­be­hal­ten sind.“ Vgl. auch Bene­dikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis , Nr. 29.))

b) Die Kir­che hat indes die Voll­macht zu klä­ren, wel­che Bedin­gun­gen erfüllt sein müs­sen, damit eine Ehe als unauf­lös­lich im Sin­ne Jesu betrach­tet wer­den kann. Auf der Linie der pau­li­ni­schen Aus­sa­gen in 1 Kor 7 leg­te sie fest, daß nur zwei Chri­sten eine sakra­men­ta­le Ehe schlie­ßen kön­nen. Sie ent­wickel­te die Rechts­fi­gu­ren des Pri­vi­le­gi­um Pau­li­num und des Pri­vi­le­gi­um Petrinum. Mit Rück­griff auf die porneia-Klau­seln bei Mat­thä­us und in Apg 15,20 wur­den Ehe­hin­der­nis­se for­mu­liert. Zudem wur­den Ehe­nich­tig­keits­grün­de immer kla­rer erkannt und das Pro­zeß­ver­fah­ren aus­führ­li­cher ent­wickelt. All dies trug dazu bei, den Begriff der unauf­lös­li­chen Ehe ein­zu­gren­zen und zu prä­zi­sie­ren. Man kann sagen, daß auf die­se Wei­se auch in der West­kir­che dem Prin­zip der oiko­no­mia Raum gege­ben wur­de, aller­dings ohne die Unauf­lös­lich­keit der Ehe als sol­che anzu­ta­sten. Auf die­ser Linie liegt auch die recht­li­che Wei­ter­ent­wick­lung im Codex Iuris Cano­ni­ci von 1983, gemäß der auch den Erklä­run­gen der Par­tei­en Beweis­kraft zukommt. An sich schei­nen damit nach Ansicht kom­pe­ten­ter Fach­leu­te die Fäl­le prak­tisch aus­ge­schlos­sen, in denen eine ungül­ti­ge Ehe auf dem pro­zes­sua­len Weg nicht als sol­che nach­weis­bar ist. Weil die Ehe wesent­lich öffent­lich-kirch­li­chen Cha­rak­ter hat und der Grund­satz gilt Nemo iudex in pro­pria cau­sa (Nie­mand ist Rich­ter in eige­ner Sache), müs­sen Ehe­an­ge­le­gen­hei­ten im Forum exter­num gelöst wer­den. Wenn wie­der­ver­hei­ra­te­te geschie­de­ne Gläu­bi­ge mei­nen, daß ihre frü­he­re Ehe nicht gül­tig war, sind sie dem­nach ver­pflich­tet, sich an das zustän­di­ge Ehe­ge­richt zu wen­den, das die Fra­ge objek­tiv und unter Anwen­dung aller recht­lich ver­füg­ba­ren Mög­lich­kei­ten zu prü­fen hat.

c) Frei­lich ist nicht aus­ge­schlos­sen, daß bei Ehe­pro­zes­sen Feh­ler unter­lau­fen. In eini­gen Tei­len der Kir­che gibt es noch kei­ne gut funk­tio­nie­ren­den Ehe­ge­rich­te. Manch­mal dau­ern die Pro­zes­se unge­bühr­lich lan­ge. Hin und wie­der enden sie mit frag­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen. Hier scheint im Forum inter­num die Anwen­dung der Epi­kie nicht von vor­ne her­ein aus­ge­schlos­sen. Im Schrei­ben der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 1994 ist dies ange­deu­tet, wenn gesagt wird, daß durch die kir­chen­recht­li­chen Neue­run­gen Abwei­chun­gen der gericht­li­chen Urtei­le von der objek­ti­ven Wahr­heit „so weit wie mög­lich“ aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len (vgl. Nr. 9). Man­che Theo­lo­gen sind der Auf­fas­sung, daß sich die Gläu­bi­gen auch im Forum inter­num an ihrer Mei­nung nach fal­sche gericht­li­che Urtei­le zu hal­ten haben. Ande­re mei­nen, daß hier im Forum inter­num Aus­nah­men denk­bar sind, weil es in der Pro­zeß­ord­nung nicht um Nor­men gött­li­chen Rechts, son­dern um Nor­men kirch­li­chen Rechts geht. Die­se Fra­ge bedarf aber wei­te­rer Stu­di­en und Klä­run­gen. Frei­lich müß­ten die Bedin­gun­gen für das Gel­tend­ma­chen einer Aus­nah­me sehr genau geklärt wer­den, um Will­kür aus­zu­schlie­ßen und den – dem sub­jek­ti­ven Urteil ent­zo­ge­nen – öffent­li­chen Cha­rak­ter der Ehe zu schüt­zen.

4. Man­che wer­fen dem aktu­el­len Lehr­amt vor, die Leh­r­ent­wick­lung des Kon­zils wie­der rück­gän­gig zu machen und eine vor­kon­zi­lia­re Ehe­auf­fas­sung zu ver­tre­ten.

Eini­ge Theo­lo­gen behaup­ten, an der Basis der neue­ren lehr­amt­li­chen Doku­men­te über Ehe­fra­gen ste­he eine natu­ra­li­sti­sche, lega­li­sti­sche Auf­fas­sung der Ehe. Das Augen­merk wer­de dabei auf den Ver­trag zwi­schen den Ehe­gat­ten und das ius in cor­pus gelegt. Das Kon­zil habe die­ses sta­ti­sche Ver­ständ­nis über­wun­den und die Ehe in mehr per­so­na­li­sti­scher Wei­se als Bund der Lie­be und des Lebens beschrie­ben. So habe es Mög­lich­kei­ten eröff­net, schwie­ri­ge Situa­tio­nen mensch­li­cher zu lösen. Auf die­ser Linie wei­ter­den­kend, stel­len ein­zel­ne For­scher die Fra­ge, ob man nicht auch vom Tod der Ehe spre­chen kön­ne, wenn das per­so­na­le Band der Lie­be zwi­schen den Ehe­gat­ten nicht mehr exi­stie­re. Ande­re wer­fen die alte Fra­ge auf, ob der Papst in sol­chen Fäl­len nicht die Mög­lich­keit der Ehe­auf­lö­sung habe.

Wer aller­dings die neue­ren kirch­li­chen Ver­laut­ba­run­gen auf­merk­sam liest, wird erken­nen, daß sie in den zen­tra­len Aus­sa­gen auf Gau­di­um et spes auf­bau­en und die dar­in ent­hal­te­ne Leh­re auf der vom Kon­zil gezo­ge­nen Spur in durch­aus per­so­na­li­sti­schen Zügen wei­ter­ent­wickeln. Es ist aber unan­ge­mes­sen, zwi­schen der per­so­na­li­sti­schen und der juri­di­schen Sicht­wei­se der Ehe einen Gegen­satz auf­zu­rich­ten. Das Kon­zil hat nicht mit der tra­di­tio­nel­len Ehe­auf­fas­sung gebro­chen, son­dern sie wei­ter­ent­fal­tet. Wenn zum Bei­spiel immer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen wird, daß das Kon­zil den streng recht­li­chen Begriff des Ver­trags durch den weit­räu­mi­ge­ren und theo­lo­gisch tie­fe­ren Begriff Bund ersetzt hat, darf dabei nicht ver­ges­sen wer­den, daß auch im Bund das Ele­ment des Ver­trags ent­hal­ten und frei­lich in eine grö­ße­re Per­spek­ti­ve gestellt ist. Daß Ehe weit über das bloß Recht­li­che in die Tie­fe des Mensch­li­chen und ins Geheim­nis des Gött­li­chen hin­ein­reicht, ist zwar immer schon mit dem Wort Sakra­ment aus­ge­sagt, aber doch oft nicht mit der Deut­lich­keit bedacht wor­den, die das Kon­zil die­sen Aspek­ten gewid­met hat. Das Recht ist nicht das Gan­ze, aber ein unver­zicht­ba­rer Teil, eine Dimen­si­on des Gan­zen. Ehe ohne recht­li­che Nor­mie­rung, die sie ins gan­ze Gefü­ge von Gesell­schaft und Kir­che ein­ord­net, gibt es nicht. Wenn die Neu­ord­nung des Rechts nach dem Kon­zil auch den Bereich der Ehe umgreift, so ist dies nicht Ver­rat am Kon­zil, son­dern Durch­füh­rung sei­nes Auf­trags.

Wenn die Kir­che die Theo­rie anneh­men wür­de, daß eine Ehe tot ist, wenn die bei­den Gat­ten sich nicht mehr lie­ben, dann wür­de sie damit die Ehe­schei­dung gut­hei­ßen und die Unauf­lös­lich­keit der Ehe nur noch ver­bal, aber nicht mehr fak­tisch ver­tre­ten. Die Auf­fas­sung, der Papst kön­ne eine sakra­men­ta­le, voll­zo­ge­ne Ehe, die unwi­der­ruf­lich zer­bro­chen ist, even­tu­ell auf­lö­sen, muß des­halb als irrig bezeich­net wer­den. Eine sol­che Ehe kann von nie­man­dem gelöst wer­den. Die Ehe­leu­te ver­spre­chen sich bei der Hoch­zeit die Treue bis zum Tod.

Wei­te­rer gründ­li­cher Stu­di­en bedarf aller­dings die Fra­ge, ob ungläu­bi­ge Chri­sten – Getauf­te, die nicht oder nicht mehr an Gott glau­ben – wirk­lich eine sakra­men­ta­le Ehe schlie­ßen kön­nen. Mit ande­ren Wor­ten: Es ist zu klä­ren, ob wirk­lich jede Ehe zwi­schen zwei Getauf­ten ipso fac­to eine sakra­men­ta­le Ehe ist. In der Tat weist auch der Kodex dar­auf hin, daß nur der gül­ti­ge Ehe­ver­trag zwi­schen Getauf­ten zugleich Sakra­ment ist (Vgl. CIC, can. 1055 § 2). Zum Wesen des Sakra­ments gehört der Glau­be; es bleibt die recht­li­che Fra­ge zu klä­ren, wel­che Ein­deu­tig­keit von Unglau­be dazu führt, daß ein Sakra­ment nicht zustan­de kommt. ((Bei einer Begeg­nung mit dem Kle­rus von Aosta am 25. Juli 2005 sag­te Papst Bene­dikt XVI. zu die­ser schwie­ri­gen Fra­ge: „Beson­ders schmerz­lich wür­de ich die Situa­ti­on derer nen­nen, die kirch­lich ver­hei­ra­tet, aber nicht wirk­lich gläu­big waren und es aus Tra­di­ti­on taten, sich aber dann in einer neu­en nicht­gül­ti­gen Ehe bekeh­ren, zum Glau­ben fin­den und sich vom Sakra­ment aus­ge­schlos­sen füh­len. Das ist wirk­lich ein gro­ßes Leid, und als Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re lud ich ver­schie­de­ne Bischofs­kon­fe­ren­zen und Spe­zia­li­sten ein, die­ses Pro­blem zu unter­su­chen: ein ohne Glau­ben gefei­er­tes Sakra­ment. Ich wage nicht zu sagen, ob man hier tat­säch­lich ein Moment der Ungül­tig­keit fin­den kann, weil dem Sakra­ment eine grund­le­gen­de Dimen­si­on gefehlt hat. Ich per­sön­lich dach­te es, aber aus den Debat­ten, die wir hat­ten, ver­stand ich, daß es ein sehr schwie­ri­ges Pro­blem ist und daß es noch ver­tieft wer­den muß.“))

5. Vie­le behaup­ten, daß die Hal­tung der Kir­che zur Fra­ge der geschie­de­nen wie­der­ver­hei­ra­te­ten Gläu­bi­gen ein­sei­tig nor­ma­tiv und nicht pasto­ral ist.

Eine Rei­he von kri­ti­schen Ein­wän­den gegen die kirch­li­che Leh­re und Pra­xis betrifft Fra­gen pasto­ra­ler Art. Man sagt etwa, daß die Spra­che der kirch­li­chen Doku­men­te zu lega­li­stisch sei, daß die Här­te des Geset­zes über dem Ver­ständ­nis für dra­ma­ti­sche mensch­li­che Situa­tio­nen ste­he. Eine sol­che Spra­che kön­ne der Mensch von heu­te nicht mehr ver­ste­hen. Jesus habe ein offe­nes Ohr für die Nöte aller Men­schen gehabt, beson­ders für jene am Ran­de der Gesell­schaft. Die Kir­che hin­ge­gen zei­ge sich eher als Rich­te­rin, die ver­wun­de­te Men­schen von den Sakra­men­ten und bestimm­ten öffent­li­chen Dien­sten aus­schließt.

Man kann ohne wei­te­res zuge­ben, daß die Aus­drucks­form des kirch­li­chen Lehr­am­tes manch­mal nicht gera­de leicht ver­ständ­lich erscheint. Die­se muß von den Pre­di­gern und Kate­che­ten in eine Spra­che über­setzt wer­den, die den Men­schen und ihrer jewei­li­gen kul­tu­rel­len Umwelt gerecht wird. Der wesent­li­che Inhalt der kirch­li­chen Leh­re muß dabei aller­dings gewahrt blei­ben. Er darf nicht aus angeb­lich pasto­ra­len Grün­den ver­wäs­sert wer­den, weil er die geof­fen­bar­te Wahr­heit wie­der­gibt. Gewiß ist es schwie­rig, dem säku­la­ri­sier­ten Men­schen die For­de­run­gen des Evan­ge­li­ums ver­ständ­lich zu machen. Aber die­se pasto­ra­le Schwie­rig­keit darf nicht zu Kom­pro­mis­sen mit der Wahr­heit füh­ren. Johan­nes Paul II. hat in der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor soge­nann­te pasto­ra­le Lösun­gen, die im Gegen­satz zu lehr­amt­li­chen Erklä­run­gen ste­hen, ein­deu­tig zurück­ge­wie­sen (vgl. ebd. 56).

Was die Posi­ti­on des Lehr­amts zur Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen anbe­langt, muß zudem betont wer­den, daß die neue­ren Doku­men­te der Kir­che in sehr aus­ge­wo­ge­ner Wei­se die For­de­run­gen der Wahr­heit mit jenen der Lie­be ver­bin­den. Wenn frü­her bei der Dar­le­gung der Wahr­heit viel­leicht gele­gent­lich die Lie­be zu wenig auf­leuch­te­te, so ist heu­te die Gefahr groß, im Namen der Lie­be die Wahr­heit zu ver­schwei­gen oder zu kom­pro­mit­tie­ren. Sicher­lich kann das Wort der Wahr­heit weh tun und unbe­quem sein. Aber es ist der Weg zur Hei­lung, zum Frie­den, zur inne­ren Frei­heit. Eine Pasto­ral, die den betrof­fe­nen Men­schen wirk­lich hel­fen will, muß immer in der Wahr­heit grün­den. Nur das Wah­re kann letz­ten Endes auch pasto­ral sein. „Dann wer­det ihr die Wahr­heit erken­nen, und die Wahr­heit wird euch befrei­en“ (Joh 8,32).

Ein­lei­tung: Giu­sep­pe Nar­di
Text: Osser­va­to­re Roma­no
Bild: Papa Ratz­in­ger Blog

47 Kommentare

  1. Mir ist die­ser Bei­trag letzt­lich zu ober­fläch­lich. Ich den­ke, es ist bekannt: Alle Päp­ste, auch alle Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste, haben die katho­li­sche Auf­fas­sung von der Unauf­lös­lich­keit der Ehe ver­tei­digt. Und die katho­li­sche Sit­ten­leh­re ins­ge­samt. Paul VI. muss­te nicht nur schar­fe Angrif­fe wegen „Huma­nae vitae“ hin­neh­men, son­dern den offe­nen Unge­hor­sam von Bischofs­kon­fe­ren­zen in Kauf neh­men. Bis zu dem nicht nach­voll­zieh­ba­ren Rück­tritt Bene­dikt XVI. war Rom die letz­te Basti­on im Kampf gegen die Auf­lö­sung der katho­li­schen Sit­ten­leh­re.
    Natür­lich sind die Argu­men­te des frü­he­ren Glau­bens­prä­fek­ten nicht nur rich­tig, son­dern auch von der Spra­che her über­zeu­gend. Des­halb, wegen dem uner­schüt­ter­li­chen Fest­hal­ten an der katho­li­schen Moral­leh­re, wur­de Rom gera­de­zu gehasst von den libe­ra­len Katho­li­ken, und Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger war das Feind­bild schlecht­hin. Für glau­bens­treue Katho­li­ken war er der Fels in der Bran­dung.
    Nur, es darf nicht der Ein­druck ent­ste­hen, als gin­ge es um einen Dis­put „Ratz­in­ger-Kas­per.“ Das ist zu ober­fläch­lich gedacht. Weil NUR an zwei Per­so­nen fest­ge­macht.
    Es geht um die 2000jährige Leh­re der Kir­che. Und um die Fra­ge: War Bene­dikt XVI. (vor­läu­fig) der letz­te Papst, der wenig­stens die katho­li­sche Sexu­al­mo­ral ver­tei­dig­te.
    War er es, dann müs­sen wir mit Sicher­heit davon aus­ge­hen, dass auf dem Stuhl Petri ein Häre­ti­ker sitzt.
    Ich möch­te kei­nes­falls als Sedis­va­kan­ti­stin bezeich­net wer­den. Der Stuhl Petri ist besetzt. Nur ein Papst oder ein Kon­zil darf einen Papst zum Häre­ti­ker erklä­ren mit allen Fol­gen, die das für die Kir­che hat. Nie­mand darf das Lehr­amt erset­zen, auch nicht, wenn es vor­über­ge­hend aus­fällt.

    Jeder glau­bens­treue Katho­lik weiß aber, dass es häre­tisch ist, die Unauf­lös­lich­keit der Ehe mit einem „Barm­her­zig­keits-Argu­ment“ zu hin­ter­ge­hen.
    Das gan­ze Barm­her­zig­keits­ge­tue von Ber­go­glio, sein „Feld­la­za­rett“, soll uns doch men­tal dar­auf ein­stel­len: Geschie­de­ne sind oft genug schwer ver­wun­det, ver­letzt. Ihnen muss gehol­fen wer­den, „keim­freie, ste­ri­le schö­ne Prie­ster“ (Ber­go­glio-Zitat) hel­fen nicht. Der lie­be­vol­le neue Part­ner, die Part­ne­rin sind die Arz­nei, und der „Prie­ster, der sich des Flei­sches annimmt“ (sinn­ge­mä­ßes Ber­go­glio-Zitat), ist gefragt. Auf die Homo-Ehe lässt sich die völ­lig ver­dreh­te „Barm­her­zig­keit“ dann eben­falls anwen­den.
    So über­stei­gert der Barm­her­zig­keits-Zärt­lich­keits­fim­mel Ber­go­gli­os auch wir­ken mag, der schwach­sin­ni­ge Ver­gleich der Kir­che mit einem „Feld­la­za­rett“, dahin­ter steckt eis­kal­tes Kal­kül: Der zwei­tau­send­jäh­ri­ge Glau­be der Kir­che, was noch übrig geblie­ben ist, soll auf dem Zeit­geist-Altar geop­fert wer­den. „Von Prie­stern des Flei­sches…“
    Wir befin­den uns mit­ten in der End­pha­se der Auf­lö­sung der katho­li­schen Ehe- und Sexu­al­mo­ral durch Rom.
    Wie gehen glau­bens­treue Katho­li­ken damit um?

    • Ein häre­ti­scher Papst ist ein Wider­spruch in sich.
      Ein mani­fe­ster, noto­ri­scher Häre­ti­ker ist eo ipso exkom­mu­ni­ziert — ein Urteils­spruch irgend­ei­ner Instanz ist dafür nicht nötig. Ein Häre­ti­ker ist kein Glied der Kir­che mehr und kann als sol­cher natür­lich auch kein Papst sein. Das ist die Leh­re der tra­di­tio­nel­len Kano­ni­stik.
      Was Fran­zis­kus bis­her über die Ehe gesagt hat, gibt kaum her, ihn als Häre­ti­ker zu fas­sen. Dafür gibt es aller­dings schon eine gan­ze Chro­ni­que scan­dal­eu­se. (Suchen Sie nur ein­mal z.B. unter Novus Ordo Watch Pope Fran­cis im Inter­net.) Wenn nur ein ein­zi­ger Punkt zutrifft, dann ist der Fall klar. Es braucht jeden­falls kein Kon­zil und kein Kon­kla­ve, um einen regie­ren­den Häre­ti­ker für abge­setzt zu erklä­ren. Eini­ge muti­ge Kar­di­nä­le oder Diö­ze­san­bi­schö­fe dürf­ten genü­gen.

  2. @Zeitlos

    Ganz ein­fach: Die Hae­re­sie beim Namen nen­nen und ver­ur­tei­len. Dem Moder­nis­mus die Mas­ke vom Gesicht rei­ßen und ihn ent­lar­fen als das was er ist: ein Werk des Teu­fels.

    Man kann Papst Fran­zis­kus lei­der nicht ver­trau­en. Man muß ihm sagen:

    Vater du irrst. Lie­be und Wahr­heit gehö­ren zusam­men. Wenn du auf Kosten der Wahr­heit die Kir­che, so wie sie Chri­stus stif­te­te und belehr­te, ver­än­derst, damit wir von allen als Kir­che geliebt wer­den, wirst du die Kir­che in den Abgrund füh­ren.

    Wir wer­den da nicht mit­ma­chen, denn man muß Gott mehr gehor­chen als den Men­schen und wenn du den Glau­ben und die Leh­re Chri­sti ver­wirfst, die See­len ver­wirrst und zer­streust, kön­nen wir in die­sem Han­deln den Stell­ver­tre­ter Chri­sti an dir nicht mehr erken­nen. Du bist zwar der Papst, aber wenn du das tust, wei­dest du nicht mehr die Her­de Chri­sti, son­dern führst sie dem Wider­sa­cher in die Hän­de, die See­len ins Ver­der­ben. Dar­um fol­gen wir dir nur dort, wo du die Wahr­heit lehrst, und nicht da, wo du dich als ein Freund des Wider­sa­chers zu erken­nen gibst!

  3. Wir schei­nen an einer Schwä­che des Kurz­zeit­ge­dächt­nis­ses zu lei­den. Bevor Bene­dikt XVI. sei­nen gut vor­be­rei­te­ten Deutsch­land­be­such absol­vier­te, begann doch die Medi­en­het­ze gegen ihn im Namen der Barm­her­zig­keit.
    Erz­bi­schof Zollitsch plä­dier­te in der „Zeit“ offen für die „Barm­her­zig­keit.“ Der Ex-Bun­des­prä­si­dent Wulff, geschie­den und wie­der ver­hei­ra­tet, war der „Vor­zei­ge­ka­tho­lik“, an dem die Kir­che ihre Barm­her­zig­keit zu erwei­sen hät­te, war die unver­hoh­le­ne For­de­rung von Zollitsch. Eben­falls ins media­le Spiel gebracht wur­de Wowe­reit, der Regie­ren­de Bür­ger­mei­ster von Ber­lin, beken­nen­der Homo­se­xu­el­ler.
    Zollitsch ist und war nur eine Mario­net­te. Er hat­te vol­le Deckung im Hin­ter­grund. Tap­fer hat Bene­dikt XVI. die Schmä­hun­gen der Medi­en ertra­gen. Dass er selbst den Weg frei machen muss­te für den Zärt­lich­keits-Barm­her­zig­keits-Nach­fol­ger konn­te er damals nicht wis­sen.
    Was wir jetzt erle­ben, ist von lan­ger Hand vor­be­rei­tet. Ver­schwö­rungs­theo­rie? Viel­leicht. Zufall? Schwer zu glau­ben.…

    • Das Pro­blem ist doch, dass es da drau­ßen immer noch Leu­te gibt, die von sich behaup­ten katho­lisch zu sein, und trotz­dem die­se Hier­ar­chie für legi­tim hal­ten. Das fas­se, wer es fas­sen kann! Mir fällt es schwer.

    • Bei Licht betrach­tet ist die­se „Kir­che“ doch eher eine sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Sek­te als die Arche unse­res Heils.

  4. Trick des Pap­stes. Der Trick des Pap­stes ist ein alter Hut für Leu­te mit Füh­rungs­schwä­che. Sie schicken einen Ande­ren (mit der rich­ti­gen Mei­nung) vor­aus. So der Amtie­ren­de mit Kas­per. Das „beson­ders Gehei­me“ dringt dann wie durch Gei­ster­hand nach drau­ßen, um ja ver­öf­fent­licht zu wer­den. So ein­mal in den Raum gesetzt, sind die Wei­chen gestellt. Tricks aus der Mot­ten­ki­ste.

  5. arrow
    Da ist noch ein hei­li­ger Rest in der Kir­che, und der wird immer da sein, und so lan­ge wird die Kir­che auch die Kir­che sein. Nur Gott weiß, wie vie­le es sind.

    • Aus dem Vor­wort des See­len­füh­rers von Don Gob­bi zum soge­nann­ten ‚Blau­en Buch‘ („An die Prie­ster die viel­ge­lieb­ten Söh­ne der Mut­ter­got­tes“) der „Maria­ni­schen Prie­ster­be­we­gung“ zitie­re ich hier, nicht nur zur Bestä­ti­gung der hier genann­ten Auf­fas­sun­gen:

      „Für alle zum Nach­den­ken zitie­re ich eini­ge bedeu­tungs­vol­le Wor­te, die Papst Paul VI. ein Jahr vor sei­nem Tod, 1977, aus­ge­spro­chen hat und die im Buch >Paul VI. — ein Geheim­nis­Ei­ne gro­ße Ver­wir­rung gibt es in unse­ren Tagen in der Welt und in der Kir­che, und was hier in Fra­ge steht, ist der Glau­be.

      Es geschieht nun, dass ich mir den geheim­nis­vol­len Satz Jesu im Evan­ge­li­um des hl. Lukas wie­der­ho­le: ‚Wird jedoch der Men­schen­sohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glau­ben fin­den?‘ Und es geschieht heu­te auch, dass Bücher erschei­nen, in denen der Glau­be in eini­gen wich­ti­gen Punk­ten ver­kürzt dar­ge­legt wird, dass die Epi­sko­pa­te dazu schwei­gen und dass man die­se Bücher nicht son­der­bar fin­det. Das ist nach mei­ner Mei­nung son­der­bar.

      Ich lese manch­mal das Evan­ge­li­um vom ende der Zei­ten, und ich stel­le fest, dass in die­sem Augen­blick eini­ge Zei­chen die­ses Endes her­vor­tre­ten.

      Sind wir ganz nahe die­sem Ende? Das wer­den wir nie wis­sen. Man muss sich immer bereit hal­ten, aber alles kann noch lan­ge Zeit dau­ern. Das, was mich beein­druckt, ist: Wenn ich die katho­li­sche Welt betrach­te, scheint es, dass im Innern des Katho­li­zis­mus manch­mal ein Den­ken von einem nicht­ka­tho­li­schen Typus die Ober­herr­schaft gewinnt, und es kann gesche­hen, dass mor­gen die­ses nicht­ka­tho­li­sche Den­ken im Innern des Katho­li­zis­mus das stärk­ste sein wird. Aber es wird nie das Den­ken der Kir­che dar­stel­len. Es ist not­wen­dig, dass eine klei­ne Her­de bleibt, wie klein sie auch immer sein mag.< (Paul VI.)

      War­um also Ärger­nis dar­an neh­men, wenn Maria, die Mut­ter der Kir­che, heu­te in sehr star­ker Wei­se ein­schrei­tet, um sich ihre klei­ne Her­de zu bil­den, die Chri­stus und sei­ner Kir­che treu blei­ben wird?

      Mein Wunsch ist es, dass jedem, der die­ses Buch in die Hand nimmt, gehol­fen wird, an die­ser treu­en, klei­nen Her­de teil­zu­neh­men, die sich die Mut­ter­got­tes jeden Tag in der siche­ren Zufluchts­stät­te ihres Unbe­fleck­ten Her­zens her­an­bil­det und die sie bewacht.“

        • Wer­ter @Vitus,

          Wo sind Ihre Argu­men­te? Wis­sen Sie über­haupt wor­über Sie hier pole­mi­sie­ren? Wis­sen Sie, was die­ser Mensch gelei­stet hat? Und wie die­ser Prie­ster sei­ne Beru­fung und Erwäh­lung (Fati­ma: Beru­fung, die Maria­ni­sche Prie­ster­be­we­gung zu grün­den und zu füh­ren; mit Hil­fe des See­len­füh­rers und der Bot­schaf­ten bzw. der Ein­spre­chun­gen der Got­tes­mut­ter selbst) gelebt hat?

          Der Got­tes­sohn sagt uns zu sol­chen (Fehl-)Urteilen (Abur­tei­lun­gen): „Urteilt nicht, damit ihr nicht ver­ur­teilt wer­det. Denn mit dem Maß mit dem ihr messt, wer­det auch ihr gemes­sen wer­den.“ Das möch­te ich Ihnen wenig­stens noch zu beden­ken geben, nach solch unqua­li­fi­zier­ter pau­scha­ler Total-Abwer­tung.

          Wer kei­ne Ahnung und kein Wis­sen in die­sen Din­gen hat, soll­te bes­ser dazu schwei­gen. Und wer kei­ne Argu­men­te bringt, schon gar. Einem Chri­sten ist es beson­ders auf­ge­tra­gen, in der Öffent­lich­keit nicht mit Schmutz zu wer­fen.

          An ande­ren Stel­len sind Ihre Kom­men­ta­re übri­gens angemessen(er).

          Got­tes Segen auf allen Wegen; und Mari­ens beson­de­ren Schutz wün­sche ich Ihnen.

          P. S.: Ist Ihnen nicht bewusst, dass Sie auch die Got­tes­mut­ter ver­let­zen, die Don Gob­bi für die­ses gro­ße und anstren­gen­de Apo­sto­lat erwählt hat; übri­gens ana­log zu den Rei­sen über die gan­ze Erde wie bei Papst Johan­nes Paul II.. Sie soll­ten Maria um Ver­zei­hung bit­ten.

  6. Ich pro­te­stie­re gegen die irre­füh­ren­de Über­schrift. Was der dama­li­ge Kar­di­nal Ratz­in­ger damals aus­ge­führt hat, kann heu­te nicht als Äuße­rung Papst Bene­dikts XVI. ins Feld geführt wer­den. Die­se bei­den Funk­tio­nen müs­sen strikt aus­ein­an­der­ge­hal­ten wer­den. Hier steht das Wort des einen Kar­di­nals gegen das eines ande­ren.

    • „Ich pro­te­stie­re gegen die irre­füh­ren­de Über­schrift. Was der dama­li­ge Kar­di­nal Ratz­in­ger damals aus­ge­führt hat, kann heu­te nicht als Äuße­rung Papst Bene­dikts XVI. ins Feld geführt wer­den.“
      Wol­len sie damit sagen das der Kar­di­nal Ratz­in­ger und der Papst Bene­dikt XVI in ver­schie­de­nen Zun­gen spre­chen und eine gespal­te­ne Per­son maß­geb­lich an der Zukunft der hei­li­gen katho­li­schen Kir­che gear­bei­tet haben?
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Ich den­ke, Sie wis­sen ziem­lich genau was ich damit sagen woll­te. Was ein Kon­zils­theo­lo­ge sagt, das kann auch ein Pro­fes­sor sagen. Ein Pro­fes­sor, der Bischof wer­den will, muss sich das genau­er über­le­gen usw. Dar­um geht es. Und kom­men Sie mir jetzt nicht damit, dass es eine strin­gen­te Linie gäbe! Die Kir­chen­ge­schich­te ist vol­ler Zick-Zack-Lini­en. Wann wur­de das Ehe­sa­kra­ment dog­ma­ti­siert und aus wel­chen Grün­den. Wegen der Wor­te unse­res Herrn zur Ehe­schei­dung?
        Oder noch wei­ter zurück: Wie kam es zur Ver­ur­tei­lung des so genann­ten Pela­gia­nis­mus?
        Die Über­schrift ist und bleibt nicht kor­rekt!

        • „Die Kir­chen­ge­schich­te ist vol­ler Zick-Zack-Lini­en.“
          Da muß ich ihnen recht geben. Man sieht es beson­ders an Luther und Katha­ri­na von Bora. Über den Kir­chen­grün­der Hein­rich VIII fällt mir im Moment nichts ein. Aber ich ver­ste­he sie schon was sie mit die­ser nicht „kor­rek­ten Über­schrift“ mei­nen. Nichts für ungut.
          Per Mari­am ad Chri­stum.

  7. Wann und wo hat Kar­di­nal Kas­per gegen das gel­ten­de Dog­ma der lebens­lan­gen Ehe Stel­lung bezo­gen?
    Hin­sicht­lich der Exkom­mu­ni­ka­ti­on stim­men die Ver­hält­nis­se nicht. Ein Mör­der kann beich­ten und erfährt Los­spre­chung, ist nicht exkom­mu­ni­ziert. Ein Ehe­part­ner erschlägt den ande­ren und ist damit frei eine ande­re Ehe zu schlie­ßen. Er beich­tet sei­ne Sün­de, erfährt Los­spre­chung und ist frei (hat allen­falls die näch­sten mind. 15 Jah­re hin­ter Git­ter zu ver­brin­gen — wenn er erwischt wird.
    War­um kei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on bei den Tod­sün­den? Geiz, Völ­le­rei, Geil­heit, Hof­fart .…
    Unse­re Kir­che hat sich in der Ver­gan­gen­heit auf uner­träg­li­che Wei­se mit Gebo­ten und Ver­bo­ten in das Ehe­le­ben ein­ge­mischt. Übrig geblie­ben sind noch zwei Anläs­se, in der Sie Ihre Macht über die Men­schen noch aus­zu­üben ver­sucht: Ver­hü­tung und in der Fra­ge der Ehe­schei­dung.
    Die lebens­lan­ge Ehe ist unver­zicht­bar, sie ist Ver­hei­ßung! Men­schen, die, Gott sei’s geklagt, an die­sem Ziel schei­tern, ver­die­nen Hil­fe und jeder Ein­zel­fall muss dar­auf­hin unter­sucht wer­den. Die hei­li­ge Kom­mu­ni­on wirkt sün­den­ver­ge­bend. Hei­li­ge brau­chen auch kei­ne Kir­che. Sie ist wegen der Sün­der da.

    • Reue und Umkehr!

      Ohne die ist kei­ne Abso­lu­ti­on denk­bar.

      Hilf dir selbst (in die­sen bei­den Punk­ten) dann hilft dir auch Gott (bzw. sei­ne Kir­che mit dem Sakra­ment der Ver­söh­nung)

    • Jota!
      Zwei Ein­wän­de, die mir spon­tan ein­fal­len:

      1.) Im Unter­schied zum Mör­der miss­ach­tet der Ehe­bre­cher (genau­er der Geschie­de­ne) ein Sakra­ment. Die „Stra­fe“ dafür ist dann der Ent­zug ande­rer Sakra­men­te. Wenn es dar­um gin­ge, einen Ver­stoß gegen das sech­ste Gebot zu ahn­den, müss­te man auch Ipsa­ti­on und vor­ehe­li­che Unzucht genau­so ahn­den, wie Schei­dung.
      2.) Mord wird sei­tens der Welt hart bestraft. Ehe­bruch wird sei­tens der Welt kaum bestraft (abge­se­hen natür­lich von den Vätern, denen nach der Schei­dung der Umgang mit ihren Kin­dern ver­wehrt wird).

    • Hei­li­ge brau­chen kei­ne Kir­che??? Wie bit­te?? Gera­de die gro­ßen Hei­li­gen haben die Not­wen­dig­keit gese­hen, Kin­der der Kir­che zu sein! Und der Ver­gleich mit der Buß­pra­xis hinkt enorm. Dem beich­ten­den Sün­der wird ver­ge­ben, wenn er bereut und umkehrt. Die Barm­her­zig­keit Got­tes setzt immer die Ein­sicht in die eige­ne Schuld und in die Bit­te um Ver­ge­bung vor­aus. Also: wenn ein(e) Geschie­de­ne® Got­tes Barm­her­zig­keit will, muss er/sie zu sei­ner Frau/ihrem Mann zurück­keh­ren. Ein Mör­der, der nicht bereut und nicht den festen Vor­satz fasst, sich zu bes­sern und Süh­ne zu lei­sten, erhält kei­ne Abso­lu­ti­on. Und ein Geschie­de­ner, der in Tren­nung lebt, auch nicht. Also bit­te nicht die Din­ge durch­ein­an­der­brin­gen!

      • Hei­li­ge brau­chen tat­säch­lich kei­ne Kir­che, wenn man sie als Men­schen defi­niert, die bereits im Besitz der hei­lig­ma­chen­den Gna­de sind.

      • …ein Geschie­de­ner muss, um Ver­ge­bung zu erhal­ten, nicht zwangs­läu­fig zum Ehe­part­ner zurück­keh­ren. Das ist nicht rich­tig. Auch wenn das natür­lich wün­schens­wert und das Ziel sein soll­te, hat man dar­über beim besten Wil­len nicht immer die Gewalt. Woher wis­sen Sie denn, dass Gott da nicht ver­gibt? Das Pro­blem ent­steht erst, wenn der so Geschie­de­ne sich wie­der­ver­hei­ra­ten oder ver­ban­deln will… Was aber soll er tun, wenn er ver­las­sen und betro­gen wird, und der Ex-Part­ner sich neu ver­hei­ra­tet?
        Mit sol­chen Sät­zen machen Sie man­chem Geschie­de­nen, der das so nicht woll­te, das Herz nur unnö­tig schwer.

        Auch in ande­ren Zer­würf­nis­sen habe ich nicht die Gewalt dar­über, dass der ande­re bereit ist, sich mit mir zusam­men­zu­set­zen und die Sache zu berei­ni­gen…
        Wenn ich ihn (mehr­fach) bit­te, sich mit mir aus­zu­spre­chen und zu ver­söh­nen, er aber ablehnt, liegt die Schuld an der Nicht-Ver­söh­nung gewiss nicht mehr bei mir.

    • „Hei­li­ge brau­chen auch kei­ne Kir­che. Sie ist wegen der Sün­der da.“
      Da wür­de ich ger­ne mal die Hei­li­gen selbst befra­gen. Ohne die Kir­che gäbe es kei­ne Hei­li­gen. Aber eins steht fest ohne Chri­stus gibt es kei­ne Hei­li­gen und ohne Chri­stus gibt es kei­ne Kir­che. Wenn die Kir­che kei­ne Hei­li­gen braucht ist sie pro­te­stan­tisch und nicht mehr katho­lisch. Und wenn die Hei­li­gen kei­ne Kir­che brau­chen sind sie in der Moder­ne ange­kom­men und las­sen sich von die­ser Welt und auf allen Dorf­fe­sten fei­ern bis zum Frie­dens­no­bel­preis.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • bezog sich auf den Bei­trag von Jota.

        Im Übri­gen wird dem wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Abso­lu­ti­on genau dann nicht ver­wei­gert, wenn er bereut und die zwei­te Ver­bin­dung ent­we­der auf­löst, oder b) falls a) z.B wegen klei­ner Kin­der nicht geht ent­halt­sam mit­ein­an­der lebt.

        Ver­zie­hen kann nur was wer­den, was man sel­ber als Ver­zei­hens­wert und eben ver­kehrt ansieht.
        Die Apo­lo­ge­ten der Barm­her­zig­keit für Wie­der­ver­hei­ra­te­te u.s.w. gehen aber davon aus, dass die Wie­der­hei­rat gar kei­ne Sün­de ist, son­dern rich­ti­ges Ver­hal­ten.
        Und aller­höch­stens etwai­ge der Schei­dung vorraus­ge­hen­de Ver­hal­tens­wei­sen Sün­de waren.

        Im Grun­de haben all die­se Leu­te kei­ne Ahnung vom Mecha­nis­mus der Sün­de, die näm­lich blind macht und aus der Blind­heit resul­tie­ren neue Sün­den die die Blind­heit ver­stär­ken, so dass der Sün­der sich sel­ber sehr gut und unschul­dig vor­kommt.

  8. Dan­ke an die Redak­ti­on für die Publi­ka­ti­on des Tex­tes.

    Ich glau­be, es ist noch ver­früht, zu sagen, wir befän­den uns schon „mit­ten in der End­pha­se der Auf­lö­sung der katho­li­schen Ehe- und Sexu­al­mo­ral durch Rom“. War­ten wir ab, was die Syn­ode tat­säch­lich erbringt. Auch Fran­zis­kus kann nicht alles von heu­te auf mor­gen umkrem­peln.

    Immer, wenn es um die katho­li­sche Ehe- und Sexu­al­mo­ral geht, drängt sich mir als The­ma aber ein grund­sätz­li­ches, schwer­wie­gen­des Pro­blem auf.
    Es ist m. E. den Men­schen heu­te kaum mehr zu ver­mit­teln, wes­halb sie sich (in einer durch und durch sexua­li­sier­ten Gesell­schaft) an die­se hohen, ja höch­sten Ansprü­che zu hal­ten hät­ten, wenn die­sem Teil der katho­li­schen Leh­re, der bis anhin von Rom noch so eben ver­tei­digt wird, lot­te­ri­ge Tole­ranz und Nivel­lie­rung in allen übri­gen Berei­chen gegen­über­steht.
    Die Ehr­furcht vor dem drei­fal­ti­gen Gott, vor dem Numi­no­sum, das Gefühl für sei­ne Grö­ße und Herr­lich­keit, für die alles über­stei­gen­de Kost­bar­keit, Tie­fe und den Reich­tum unse­res Glau­bens: ja, wie sol­len die armen Leu­te dem auch nur auf die Spur kom­men, wenn ihnen in so öden wie lang­wei­li­gen, nicht sel­ten gera­de­zu „tra­shi­gen“ Eucha­ri­stie­fei­ern bar jeden Myste­ri­ums ein Got­tes­bild ver­mit­telt wird, das die gött­li­chen Per­so­nen als alles ver­zei­hen­den, macht­lo­sen Groß­va­ter, sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­ren Bru­der Jesus und Hap­py Day-„Geist“ (recht eigent­lich blas­phe­misch) kari­kiert.
    Und doch muss die See­le vom Glanz der Wahr­heit berührt wer­den, von der ech­ten Sub­stanz der gött­li­chen Gna­de zumin­dest in Spu­ren­ele­men­ten kosten, um „auf die Spur“ gebracht zu wer­den. Wenn das fehlt, wenn nur gere­det wird — auf all­täg­lich­ste Art in Reli­gi­ons­un­ter­richt, Kate­che­se und Pre­digt — „inspi­riert“ von einer Theo­lo­gie, die den Namen nicht ver­dient; wenn das Wich­tig­ste, das mysti­sche Mess­op­fer, im Voll­sinn fehlt, des­sen die gan­ze dämo­ni­sche Funk­tio­na­li­sie­rung und Durch­ra­tio­na­li­sie­rung des heu­ti­gen Lebens radi­kal durch­bre­chen­de, tran­szen­die­ren­de Gewalt;
    und dazu kom­men dann noch die gan­zen von den Medi­en auf­ge­bausch­ten „Skan­da­le“: Ja, dann rufe nur, Kir­che, Dei­ne Sexu­al­mo­ral laut in die Welt hin­aus (was Du aller­dings nicht mehr tust), der Ruf wird unge­hört ver­hal­len.
    In einer Kul­tur des Todes sucht allen vor­an die Jugend nach wie vor nach höch­ster Leben­dig­keit — und meint sie in den sexu­el­len Bezie­hun­gen zu fin­den. Dass sie nach dem Leben selbst stre­ben soll, nach einer ungleich höhe­ren Leben­dig­keit, gegen die all die Ent­zückun­gen, die sie heu­te frei genie­ßen will, ver­blas­sen, ein Leben, für das es sich wahr­haf­tig lohnt, Opfer zu brin­gen: DAS ist es, was man ihr mit aller Macht wie­der ver­mit­teln soll­te, wonach die See­len in der Tie­fe auch dür­sten.
    Aber man geht nach wie vor den Weg der Anpas­sung an die Äußer­lich­kei­ten des moder­nen Lebens (wel­che just in vie­lem Sym­pto­me der Ent­christ­li­chung sind) und ver­al­tet dadurch von Tag zu Tag. Para­do­xer­wei­se? Natür­lich nicht.

  9. (Fort­set­zung)
    Ein kraft­lo­se, vom moder­nen All­tag durch­ne­bel­te Kir­che kann nicht an gegen die Kraft der sexu­el­len Anzie­hung und das Poten­ti­al, dadurch der funk­tio­na­li­sier­ten Ratio­na­li­tät, dem emp­fin­dungs­ar­men Leben für Augen­blicke zu ent­kom­men.
    Solan­ge sich die Kir­che nicht theo­lo­gisch und ritu­ell erneu­ert — und zwar im Rück­griff auf die gewal­ti­gen Quel­len der Tra­di­ti­on (allem vor­an das Mess­op­fer, die ech­ten, alten Riten!), deren Reich­tum es, im tie­fen Sin­ne, zeit­ge­mäß zu erschlie­ßen gilt — solan­ge wird das Fest­hal­ten an der Sexu­al­mo­ral — je län­ger, desto aus­schließ­li­cher — nur mehr als rigi­de Stur­heit eines kul­tu­rel­len Dino­sau­ri­ers erschei­nen.
    Und sogar mit einem gewis­sen Recht: Denn wenn die Kir­che im übri­gen ihr strah­len­des Ant­litz ver­dun­kelt und bis zur Unkennt­lich­keit ver­hüllt, kann sie nicht erwar­ten, dass die Welt just anhand von Nor­men, wel­che die leben­di­ge Sicht­bar­keit die­ses Ant­lit­zes vor­aus­setz­ten, um erfüllt wer­den zu kön­nen, der unge­heu­ren Attrak­ti­vi­tät ihres „Ange­bo­tes“ auf die Spur kommt.

    (Das ist im übri­gen auch der fata­le Feh­ler, den man in Bezug auf die Schön­heit und Pracht der Kir­che vor dem 2. Vati­ka­num macht: die­se als „Tri­um­pha­lis­mus“ abzu­tun, ver­kennt radi­kal das Bedürf­nis des Men­schen, im sinn­li­chen Sym­bol das Ant­litz der ewi­gen Hei­mat vor- und vor­weg­ge­spie­gelt zu sehen. Welch unge­heu­re (pro­te­stan­ti­sie­ren­de) Ver­ar­mung haben wir hier zu bekla­gen! Sie kommt einer Leug­nung einer gan­zen Wesens­di­men­si­on des Men­schen gleich. „Die Gna­de baut auf der Natur auf!“
    — Welch Wun­der: Im triden­ti­ni­schen Ritus ist heu­te noch leib­haf­tig und leben­dig zu erfah­ren, dass die katho­li­sche Kir­che einst Herz und Hort der abend­län­di­schen Kul­tur war. Auch die­se Dimen­si­on ist dar­in gleich­sam kon­den­siert.
    Die aktu­el­le Kir­chen­kunst im übri­gen ist — mit aller­sel­ten­sten Aus­nah­men — lei­der nur ein Armuts­zeug­nis.)

    Erst wenn die Sub­stanz im Gan­zen wie­der strahlt, ver­mag auch die Ehe- und Sexu­al­mo­ral wie­der zu über­zeu­gen. Sie an den Zeit­geist anzu­pas­sen, hie­ße hin­ge­gen nur, den vie­len Abbruch­fel­dern ein wei­te­res hin­zu­zu­fü­gen — statt dort wie­der auf­zu­bau­en, wo es am nötig­sten ist.

    • Das ist eine gute Ana­ly­se. Ihre Beschrei­bung der Emp­fin­dun­gen der Jugend­li­chen hier und heu­te dürf­ten wohl die Wahr­heit tref­fen. Denn auch ich, wenn auch schon älte­ren Datums habe das unge­fähr so „stim­mungs­mä­ßig“ erlebt: „In einer Kul­tur des Todes sucht allen vor­an die Jugend nach wie vor nach höch­ster Leben­dig­keit – und meint sie in den sexu­el­len Bezie­hun­gen zu fin­den.“ Das war auch die Hal­tung mei­ner Generation…nicht im Traum hät­te man in der Sexua­li­tät die­ses „Mehr“ ver­mu­tet, das die Kir­che so unbe­irrt behaup­tet. Und es ist tat­säch­lich die kom­ple­xe Moral der katho­li­schen Kir­che für Außen­ste­hen­de nicht mehr in die­ser Kom­ple­xi­tät ver­ständ­lich. Die­ses „Mehr“ ver­steht man nur, wenn die Leh­re unver­kürzt dar­ge­legt wird. Und das ist das Pro­blem…
      Sie haben voll­kom­men recht damit, dass man die gan­ze kom­ple­xe Leh­re, die Kor­re­spon­denz auf das Myste­ri­um Jesu Chri­sti so „tri­um­phal“ wie nur mög­lich sagen und sin­gen müss­te — dann wür­de auch ver­ständ­lich, wor­auf die Sexu­al­mo­ral abzielt und dass es nicht nur ein „Weg­neh­men-von“, son­dern ein Ver­tie­fen der Geschlechts­kraft ohne­glei­chen ist.
      Woll­te man Ihren Rat befol­gen, hie­ße das aber: radi­kal zurück­fin­den zur Tra­di­ti­on!

      • Ich bedan­ke mich für Ihre Anmer­kun­gen, die ich mei­ner­seits nur unter­strei­chen kann.
        Wobei ich natür­lich hof­fe, dass über kurz oder lang (es wird wohl auf ein „län­ger“ hin­aus­lau­fen) das Zurück­fin­den zum vol­len Erbe und Auf­trag gelin­gen wird. Die Chan­ce wäre, die Schät­ze in neu­em Licht, in ihrer gan­zen Kost­bar­keit wie­der neu zu ent­decken.
        Wenn ein Kar­di­nal Ran­jith mit sei­ner (m. E. opti­mi­sti­schen) Ein­schät­zung nur recht behal­ten möge, dass es schon in etwa 20 Jah­ren wie­der zur Ablö­sung des Novus Ordo durch die Mes­se aller Zei­ten kom­men wird. Der erste und weit­aus wich­tig­ste Schritt wäre dann getan.

  10. @Leo Lämm­lein
    Wider­spruch!
    Ich wer­de jetzt den hei­li­gen Pius X. zitie­ren, damit es hier nicht nur um Mei­nun­gen geht, son­dern um die höch­ste Auto­ri­tät der Kir­che, den Papst. Vor­aus­schicken muss ich: Er hat einen sol­chen Zustand der Kir­che nicht vor­her geahnt. Nie­mand konn­te vor­her wis­sen, dass 1962 — 1965 ein Pasto­ral­kon­zil statt­fin­den wür­de, das, indem es auf die Defi­ni­ti­on von Glau­bens­leh­ren und auf die drin­gend not­wen­di­ge Ver­ur­tei­lung von Irr­leh­ren aus­drück­lich ver­zich­te­te, allen Häre­si­en Tür und Tor öff­nen wür­de. Und das durch zwei­deu­ti­ge, wider­sprüch­li­che Tex­te selbst Häre­si­en begün­sti­gen wür­de. Auf die­se Situa­ti­on geht kein vor­kon­zi­lia­rer Papst ein, kein Kir­chen­leh­rer. Doch für Ihre Behaup­tung, Häre­ti­ker wür­den auto­ma­tisch selbst abge­setzt, es bedür­fe kei­nes Urteils­spruchs, gibt es kein Bei­spiel in der Kir­chen­ge­schich­te. Häre­ti­ker schlie­ßen sich selbst aus, rich­tig. Aber die­ser Aus­schluss muss offi­zi­ell von der zustän­di­gen kirch­li­chen Instanz fest­ge­stellt, aus­ge­spro­chen wer­den. Vor die­ser Instanz kann er bereu­en, wider­ru­fen, wird er wie­der in die kirch­li­che Gemein­schaft auf­ge­nom­men.
    Die­se „Instanz“ ist die „leh­ren­de“, die „regie­ren­de Kir­che.“ Und das ist der Papst und/oder der Papst in Gemein­schaft aller Bischö­fe. Die Prie­ster gehö­ren als Geweih­te dem Lehr­amt an, jedoch nur in Abhän­gig­keit von ihrem Bischof. Und jetzt Pius X.:
    „163. Wie ist die Kir­che Jesu Chri­sti ver­fasst?
    Die Kir­che Jesu Chri­sti ist als eine wah­re und voll­kom­me­ne Gesell­schaft ver­fasst und man kann an ihr wie an einer juri­sti­schen Per­son See­le und Leib unter­schei­den.“ …
    180. Besteht ein Unter­schied zwi­schen den Glie­dern, wel­che die Kir­che bil­den?
    Zwi­schen den Glie­dern, wel­che die Kir­che bil­den, besteht ein sehr bedeu­ten­der Unter­schied; denn es gibt sol­che, die gebie­ten und sol­che, die gehor­chen, sol­che die leh­ren, und sol­che die belehrt wer­den.
    183. Wer hat die­sen Unter­schied in der Kir­che begrün­det?
    Die­sen Unter­schied in der Kir­che hat Jesus Chri­stus selbst begrün­det.
    185. Wor­aus setzt sich die leh­ren­de Kir­che zusam­men? Die leh­ren­de Kir­che setzt sich zusam­men aus allen Bischö­fen mit ihrem Haup­te, dem Ober­sten Hir­ten in Rom, mögen sie nun an ver­schie­de­nen Orten oder zu einem Kon­zil ver­ei­nigt sein.
    186. Und wor­aus setzt sich die hören­de Kir­che zusam­men?
    Die hören­de Kir­che setzt sich aus allen Gläu­bi­gen zusam­men.
    187. Wel­che Per­so­nen haben dem­nach in der Kir­che die Gewalt zu leh­ren?
    Die Gewalt zu leh­ren habe in der Kir­che der Papst und die Bischö­fe und in Abhän­gig­keit von ihnen die übri­gen geweih­ten Die­ner.“
    (Hl. Pius X., Kom­pen­di­um der christ­li­chen Leh­re, S. 105, 108, 109).

    Wir, die Gläu­bi­gen, ein­zel­ne Prie­ster, ein­zel­ne Bischö­fe kön­nen nach der Leh­re der Kir­che nicht das Lehr­amt der Kir­che erset­zen, auch wenn es vor­über­ge­hend regel­recht aus­fällt. Wir kön­nen nicht das hier­ar­chi­sche Prin­zip außer kraft set­zen, weil Jesus Chri­stus selbst Sei­ne Kir­che auf die­sem Grund­prin­zip auf­ge­baut hat. Wir kön­nen des­halb nie­man­den offi­zi­ell zum Häre­ti­ker abur­tei­len.

  11. Fort­set­zung:
    Was aus­ge­schlos­sen ist: Eine Sedis­va­kanz zu behaup­ten, wenn ein Papst lebt und regiert. Wenn er weder gestor­ben, noch zurück­ge­tre­ten ist.
    Sedis­va­kanz ist ein fest­ste­hen­der Begriff, der in der Kir­che nur einen Fall beschreibt: Der Papst ist gestor­ben oder aus­drück­lich zurück­ge­tre­ten. Das Kar­di­nals­kol­le­gi­um kommt nach einer bestimm­ten Frist zusam­men und wählt den Nach­fol­ger, den neu­en Papst. Bis das gesche­hen ist, herrscht Sedis­va­kanz.
    So schlimm der gegen­wär­ti­ge Zustand in Rom auch ist: Es ist nicht mög­lich, dass die „hören­de Kir­che“ die „leh­ren­de, die regie­ren­de Kir­che“ ersetzt.
    Die Sedis­va­kan­ti­sten, indem sie die­se Leh­re der Kir­che leug­nen, fügen den bekann­ten Häre­si­en eine neue Häre­sie hin­zu.
    Was bleibt uns, der „hören­den Kir­che?“ Dem doku­men­tier­ten 2000jährigen Glau­ben der Kir­che treu zu blei­ben.
    In dem Zusam­men­hang möch­te ich erwäh­nen: Die FSSPX wür­de der ver­wü­ste­ten Kir­che, was ihren Leib, ihr Erschei­nungs­bild betrifft, einen unschätz­ba­ren Dienst erwei­sen: Das Kom­pen­di­um des hl. Pius X. neu her­aus­zu­ge­ben.
    Im gegen­wär­ti­gen Wirr­warr brau­chen wir ver­läss­li­che Maß­stä­be. Vor hun­dert Jah­ren ist Pius X. gestor­ben. Die Kir­che hat die­sen Papst nöti­ger denn je.

  12. @Leo Lämm­lein
    Sie haben sich nicht offen zum Sedis­va­kan­tis­mus bekannt. Nur teil­wei­se, indem Sie behaup­ten, dass es kei­ner „Instanz“ bedür­fe, um einen Häre­ti­ker für abge­setzt zu erklä­ren.
    Sie bezie­hen sich auf Kar­di­nä­le, auf Bischö­fe. Soll­ten die Hei­lig­spre­chun­gen der bei­den Päp­ste im April statt­fin­den, hät­ten wir eine neue Situa­ti­on: Hei­lig­spre­chun­gen sind nicht mehr zurück­zu­neh­men. Nur wenn ein häre­ti­scher Papst die­se vor­nimmt. Weil sie dann ungül­tig sind. Soll­ten sich dann Kar­di­nä­le zusam­men­fin­den, den Papst wegen Häre­sie für abge­setzt erklä­ren und einen neu­en Papst wäh­len, hät­ten wir einen Gegen­papst. Das hat es in der Kir­chen­ge­schich­te gege­ben. Nur eine Sedis­va­kanz bei einem regie­ren­den Papst ist unmög­lich.
    Wer weiß, was kommt. Wenn die Päp­ste Johan­nes XXIII. und Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen wer­den, ent­steht eine neue Situa­ti­on in der Kir­che. Man kann die Augen davor ver­schlie­ßen. Doch der Zeit­punkt naht, in dem zwei Päp­ste hei­lig­ge­spro­chen wer­den, die sich mit ihren Leh­ren und Taten im offe­nen Gegen­satz zu allen hei­lig­ge­spro­che­nen Päp­sten, zu allen vor­kon­zi­lia­ren Päp­sten befin­den. Dann geht es um die Unfehl­bar­keit der Kir­che.

    • Ob Leo Lämm­lein nicht eher meint, dass wir, wenn wir klar erken­nen, dass der Papst Häre­si­en ver­kün­det, ihm dar­in nicht mehr fol­gen DÜRFEN? Oder soll man um des Pap­stes wil­len so lan­ge fal­schen Leh­ren anhän­gen, bis dann ein neu­er, recht­mä­ßi­ger Papst sie ver­ur­teilt?
      Das ist doch unser Pro­blem zur Zeit!
      Und am Ende schrei­ben Sie ja selbst, in wel­chem Dilem­ma wir stecken!
      Und das ist ja wie­der­um auch der tief­ste Grund dafür, dass das Volk Hil­fe im Cha­ris­ma­tis­mus und in Mari­en­er­schei­nun­gen sucht und im Urteil des Lehr­am­tes über das alles natür­lich eben­so nur noch Lug und Trug ver­mu­tet wie in sei­nen son­sti­gen Aus­sa­gen, die seit Jahr­zehn­ten durch­setzt sind von offen­kun­di­gen Häre­si­en.
      Wenn die Hir­ten uns ver­kau­fen und ver­ra­ten, sagt uns viel­leicht der Him­mel selbst, was Sache ist — so emp­fin­den doch die Men­schen.
      Und dann kommt die FSSP und macht den Leu­ten wie­der ein schlech­tes Gewis­sen, weil sie erschei­nungs­gläu­big sind. Sie selbst hop­peln dafür ger­ne bei den Cha­ris­ma­ti­kern her­um, mes­sen also mit zwei­er­lei Maß. Und schon wie­der sind wir ver­un­si­chert.
      Wie es scheint, haben nur die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta eine kla­re Linie gefah­ren (oder doch nicht?).
      Und wie es denen geht, wis­sen wir ja: das unfehl­ba­re Lehr­amt zer­malmt sie ohne nach­voll­zieh­ba­ren recht­gläu­bi­gen Grund.
      Es ist uner­träg­lich!

      • Was Leo Lämm­lein genau meint, weiß ich nicht. Ich wür­de ihm zustim­men, falls er meint, wir dür­fen häre­ti­schen oder häre­sie­be­gün­sti­gen­den Päp­sten und Bischö­fen nicht fol­gen. Soll­te er soweit gehen und behaup­ten, die Päp­ste sei­en nicht exi­stent, der Stuhl Petri sei nicht besetzt, weil es häre­ti­sche Päp­ste nicht geben darf, stim­me ich ihm nicht zu. Dass Lehr­amt hat end­gül­tig zu ent­schei­den, wie die­se Epo­che der Kir­chen­ge­schich­te mit ihren Päp­sten, mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zu bewer­ten ist.
        Den­noch: Glau­bens­ge­hor­sam geht über einen blin­den Gehor­sam, Päp­ste, Bischö­fe, kön­nen kei­nen Gehor­sam erwar­ten, der sich gegen den 2000jährigen Glau­ben der Kir­che rich­tet. Doch trotz­dem wei­ge­re ich mich, die Wahn­vor­stel­lung der Sedis­va­kan­ti­sten zu über­neh­men, Päp­ste und Bischö­fe exi­stier­ten nicht mehr.
        Seit wann macht die FSSPX den „Leu­ten ein schlech­tes Gewis­sen, weil sie erschei­nungs­gläu­big sind?“ Die FSSPX ist die „erschei­nungs­gläu­big­ste Grup­pie­rung“ der katho­li­schen Kir­che. Zumin­dest ken­ne ich kei­ne, die noch „erschei­nungs­gläu­bi­ger“ ist.
        Wobei der Begriff „erschei­nungs­gläu­big“ irre­füh­rend ist. „Sehe­rin­nen­gläu­big“ ist genau­er.
        Den­noch ist die FSSPX die Grup­pie­rung in der katho­li­schen Kir­che, die am klar­sten zum Mess­op­fer steht. Das bin­det mich an sie.
        Dass ich bei den „Cha­ris­ma­ti­kern her­um hopp­le, ist eine Unter­stel­lung.
        Die Triden­ti­ni­sche Mes­se und das Pfingst­ler­tum, das beißt sich doch wie Feu­er und Was­ser. Wegen die­ser Mes­se füh­le ich mich an die FSSPX gebun­den. Auch wegen ihres Grün­ders und nicht zuletzt wegen ihres Patrons, Papst Pius X.
        Wenn Johan­nes XIII. und Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen wer­den, ist die Kri­se der Kir­che auf ihrem Höhe­punkt. Pius X. einer­seits und Johan­nes XXIII. und Johan­nes Paul II. wider­spre­chen sich grund­sätz­lich.
        Ich nen­ne das Dilem­ma beim Namen. Es geht um die Unfehl­bar­keit der katho­li­schen Kir­che. Die Hoff­nung, dass Bischö­fe, Kar­di­nä­le sich auf­leh­nen, habe ich nicht. Sie müss­ten es jetzt tun.
        Es ist schier uner­träg­lich.

        • Nach­trag: Mit Unter­stell­lun­gen zu arbei­ten, macht eine Debat­te auch uner­träg­lich.
          Ja, ich ver­eh­re den Hei­li­gen Geist. Unser Herr Jesus Chri­stus hat ihn ver­hei­ßen, er ist die drit­te Per­son der hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit. Ich ver­eh­re ihn aus­drück­lich so, wie er in den Evan­ge­li­en beschrie­ben wird. Wie er nach den Glau­bens­be­kennt­nis­sen zu glau­ben ist.
          Mir des­halb zu unter­stel­len, ich hopp­le bei den „Cha­ris­ma­ti­kern her­um“, kann ich nur mit christ­li­cher Geduld ertra­gen.

          • Um zu behaup­ten, dass NUR die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta „eine kla­re Linie gefah­ren haben, müss­te ich all­wis­send sein. Ich gehe davon aus, dass ich eini­ger­ma­ßen unse­ren Glau­ben ken­ne, was mit All­wis­sen­heit nicht das gering­ste zu tun hat.
            Die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta waren auf dem ein­zig rich­ti­gen Weg, der aus der Kri­se führt, ist mei­ne unmaß­geb­li­che Über­zeu­gung. Weil sie u.a. die Kon­zils­do­ku­men­te kri­tisch unter­su­chen woll­ten. Nicht das „unfehl­ba­re Lehr­amt“ zer­stört sie, denn unfehl­bar sind nur ex cathe­dra-Ent­schei­dun­gen. Doch für den jun­gen blü­hen­den Orden und für die Kir­che ist es auf jeden Fall tra­gisch.
            Die geplan­ten Hei­lig­spre­chun­gen der bei­den Päp­ste kom­men ex-cathe­dra-Ent­schei­dun­gen gleich. Weil sie nicht mehr zurück­zu­neh­men sind. Sie sind end­gül­tig. Damit hat die katho­li­sche Kir­che hei­li­ge Päp­ste, deren Leh­ren sich wider­spre­chen.

            Das hat es in der Kir­chen­ge­schich­te noch nicht gege­ben, das war undenk­bar, und es ist undenk­bar . Doch der Ter­min naht.

          • Von wel­cher Unter­stel­lung reden Sie? Ich habe gar den Ein­druck, Sie haben sich in eine Rage hin­ein­ge­schrie­ben, die Ihnen den Blick auf das, was ich sag­te, gänz­lich ver­dun­kelt.

            Noch mal, auch an alle Leser: wer oben mein Posting liest, wird fest­stel­len, dass ich nir­gends behaup­tet habe, dass Zeit­los (die ich ja gar nicht ken­ne!), bei den Cha­ris­ma­ti­ker ist.

          • Lei­der kann ich Ihren Kom­men­ta­ren nicht mehr fol­gen. Sie sind unsach­lich und ver­zer­ren, das, was ich geschrie­ben habe, auf schau­rig­ste Art.

            Ich emp­feh­le Ihnen ein­fach, wenn Sie sich abge­regt haben, mein obi­ges Posting noch mal zu lesen.

        • Sie haben falsch gele­sen: ich schrieb nicht, von der FSSPX, son­dern von der FSSP. Kon­kret bezog ich mich auf einen Beicht­spie­gel, den die FSSP her­aus­gibt. Dort fin­den Sie die Fra­ge: „Habe ich Pri­va­tof­fen­ba­run­gen über die Leh­re der Kir­che gestellt?“ Eine sol­che Fra­ge ist aber — wenn man bedenkt, dass die FSSP die Gläu­bi­gen zum Gehor­sam gegen­über dem moder­ni­sti­schen Lehr­amt zwin­gen will („Habe ich Reden gegen den Papst geführt?“) und zugleich das erhal­ten will, was Rom doch sicht­lich abschafft, dann gerät jeder Gläu­bi­ge, der gele­gent­lich auch noch denkt, in eine gefähr­li­che Schi­zo­phre­nie und v.a. Lüge.
          Der FSSPX kann man, abge­se­hen von ihrem Getue, sich an Rom doch annä­hern zu wol­len (was ver­lo­gen ist!), gera­de dies nicht vor­wer­fen. Habe ich übri­gens auch nicht!

          Der Effekt ist aber sowohl bei Gläu­bi­gen als auch bei Prie­stern nicht sel­ten der, in dem Getüm­mel die Hoff­nung auf direk­te gött­li­che Ein­wir­kun­gen zu set­zen. Also Cha­ris­ma­tis­mus oder Erschei­nun­gen, um wenig­sten ein biss­chen Ori­en­tie­rung zu fin­den.

          Ich habe mich mit kei­nem Wort über das Unglück all die­ser Men­schen erho­ben. Es ist ja nicht deren Schuld. Aber die Hal­tung der FSSP fin­de ich per­sön­lich schi­zo­phren — man kann nun mal nicht zwei­en Her­ren die­nen.

          Wo habe ich gesagt, dass SIe bei den Cha­ris­ma­ti­kern sind?
          Sie soll­ten, auch wenn Sie sich über mei­ne Ansich­ten ärgern, den­noch prä­zi­se lesen und mir nicht etwas unter­stel­len, was ich nicht gesagt habe.
          Von Ihnen, ver­ehr­te Zeit­los, war lei­der kei­ne direk­te Rede. Okay? Und, wie gesagt, auch nicht von der FSSPX.

          Dass ich aber meh­re­re Men­schen, auch Prie­ster ken­ne, die sowohl Cha­ris­ma­ti­ker als auch Alte-Mes­se-Zele­bran­ten sind, ist nicht mein Feh­ler, son­dern allen­falls der Feh­ler der Betrof­fe­nen. Auch habe ich in Augs­burg bei der MEHR-Kon­fe­renz zu mei­nem gro­ßen schrecken einen Alte-Mes­se-Mini­stran­ten ent­deckt, den ich ken­ne. Ich hät­te das nie für mög­lich gehal­ten! Und er war nicht der ein­zi­ge dort, der mir nament­lich bekannt ist und bei­des ver­eint. Inzwi­schen habe ich von ande­ren Gläu­bi­gen gehört, dass das um sich greift wie eine Krank­heit: Alt­ri­tua­li­tät und Cha­ris­ma­tis­mus.

      • @zeitschnur
        Sie behaup­ten nun schon zum wie­der­hol­ten Mal, die FSSPX bzw. FSSP sei­en bei den Cha­ris­ma­ti­kern anzu­tref­fen („hop­peln her­um“). Mir scheint, Sie ver­wech­seln da etwas. Es gibt Diö­ze­san­prie­ster, die sowohl im NO als auch im AO zele­brie­ren, und die dann auch noch ver­schie­de­nes ande­re machen, z.B. viel­leicht zu den Cha­ris­ma­ti­kern gehen oder nach Med­jug­or­je fah­ren u.ä. Dies kann man aber nicht den o.g. Prie­ster­ver­ei­ni­gun­gen unter­stel­len, ohne den Nach­weis zu erbrin­gen. Ein Gespräch mit einem Prie­ster, egal wel­chem Prie­ster, der o.g. Prie­ster­ver­ei­ni­gun­gen kann die­se Ver­mu­tung wider­le­gen, wes­halb ein sol­ches drin­gend zu emp­feh­len ist.

        • Wie schon auf Zeit­los geant­wor­tet, war von der FSSPX in mei­nem obi­gen Posting kei­ne Rede. Es emp­fiehlt sich, immer genau zu lesen.
          Ande­rer­seits ver­schlie­ßen Sie die Augen vor dem inzwi­schen total chao­ti­schen Ver­lauf der „Front­li­ni­en“.
          Die Petrus­bru­der­schaft ist aus­ge­spro­chen pole­misch, teil­wei­se sogar unver­schämt in ihrer Abgren­zung gegen­über der FSSPX. Ihre Apo­lo­ge­tik ist teil­wei­se haar­sträu­bend und ver­letzt ele­men­ta­re Regeln der Aus­sa­gen­lo­gik, oft ein­fach nur des kla­ren Den­kens oder eines gesun­den Haus­ver­stan­des, um ein run­des Qua­drat zu den­ken: Lehr­amts­treue nach dem Kon­zil und Alt­ri­tua­li­tät.
          Es wür­de genü­gen, wenn Sie auf den Web­sites (petrusbruderschaft.eu oder kath-info.de) ein­fach mal stö­bern.
          Sie ver­ur­sacht in den ein­fa­chen Gläu­bi­gen eine hohe Hemm­schwel­le, sich kri­tisch zu den fal­schen Leh­ren des Kon­zils und der nach­kon­zi­lia­ren Päp­ste zu ver­hal­ten.
          Der Effekt ist der, dass die Men­schen sich in der dadurch ent­ste­hen­den klas­si­schen Bigot­te­rie und Unwahr­haf­tig­keit fast panisch „direk­ten“ über­na­tür­li­chen Äuße­run­gen zuwen­den, um sich irgend­wie noch dar­über zu ver­si­chern, ob etwas wahr ist.
          Dage­gen aber geht dann die FSSP auch wie­der vor, wenn sie eine ent­spre­chen­de Fra­ge im Beicht­spie­gel wei­ter­hin und ohne Erläu­te­rung eben­so wie die nach der Papst­treue stellt (s.o. Kom­men­tar @ Zeit­los).
          Dafür haben alt­ri­tu­el­le und dem Alt­ri­tu­el­len gegen­über offe­ne Prie­ster nicht sel­ten eine cha­ris­ma­ti­sche Schlag­sei­te. Das tra­gen sie häu­fig gar nicht offen vor, son­dern man ent­deckt es, wenn man sie bes­ser kennt. Dazu gehö­ren der bekann­te Kon­rad Ster­nin­ger oder Hans Buob und ande­re, deren Namen ich hier nicht öffent­lich nen­nen möch­te.

          Es wäre schön, wenn die Ver­wir­rung in der Kir­che nach so ein­fa­chen Lini­en ver­lau­fen wür­de, wie Sie es sich viel­leicht wün­schen.
          Es ist lei­der viel viel schlim­mer!
          Aber es heißt ja auch nicht umsonst, dass kein Mensch, auch die Aus­er­wähl­ten nicht, die­ses Cha­os durch­ste­hen wür­den, wenn die Zeit nicht ver­kürzt wür­de.
          Im Klar­text: jeder, Sie und ich, ste­hen in aku­ter Gefahr, aus der Erkennt­nis der Wahr­heit zu fal­len — so hef­tig ist das Wüten des Advers­a­rii. In der­sel­ben Gefahr ste­hen alle. Alle!

          • …und noch ein Nach­trag, um zu erklä­ren, was ich mei­ne…

            Auf der Web­site der Petrus­bru­der­schaft steht eine „Kri­tik“, mit der sich die Bru­der­schaft abgrenzt von denen, die offe­ne Kri­tik äußern. In die­sem Text fin­det sich ein typi­scher Abschnitt zum The­ma „Sehe­rin­nen“ in Kor­re­spon­denz zur Kri­se der Kir­che:

            Zitat:
            „Noch eine wei­te­re Ent­wick­lung läßt sich beob­ach­ten: nicht weni­ge kon­ser­va­ti­ve Gläu­bi­ge klam­mern sich unter dem Ein­druck der Kir­chen­kri­se, die sie nicht mehr inner­lich bewäl­ti­gen kön­nen an soge­nann­te Seher, die angeb­lich Bot­schaf­ten vom Him­mel emp­fan­gen. Dies kann nicht nur in eine gefähr­li­che Erschei­nungs­sucht, son­dern auch in ver­häng­nis­vol­le Abhän­gig­kei­ten füh­ren, wie sie bei sek­tie­re­ri­schen Grup­pen immer wie­der fest­zu­stel­len ist. Mei­ne Erfah­rung zeigt, daß es lei­der wenig Erfolg bringt, vor Litt­le Peb­b­le, Vasul­la, Ohlau und Co. zu war­nen, wenn die Leu­te hier schon fest­ge­fah­ren sind. Es kön­nen aber vie­le reli­gi­ös streb­sa­me Leu­te vor die­ser Flucht in eine Schein­welt bewahrt wer­den, wenn man sich als Prie­ster bemüht, ihnen einen Zugang zu wert­vol­ler geist­li­cher Lite­ra­tur und damit auch zur christ­li­chen Mystik zu ver­mit­teln.“

            Das ist zwar alles gut — und ich will kei­nes­wegs die­se Flucht in eine Schein­welt ver­tei­di­gen (gera­de ich nicht!), aber auf der ande­ren Sei­te betreibt die Brdu­er­schaft eine gewoll­te Ver­schleie­rung der Pro­ble­ma­tik in der Kir­che:

            Zitat:
            „Was unse­re Zurück­hal­tung bezüg­lich der Kri­tik an Per­so­nen des kirch­li­chen Lebens, beson­ders der Bischö­fe, anbe­langt, so ist die­se für uns nicht in erster Linie eine Fra­ge der Klug­heit (ande­re wür­den sagen der Tak­tik). Es geht hier viel­mehr um eine Fra­ge der Kirch­lich­keit. Wem ist gedient, wenn man die Wun­den, aus denen die Kir­che ohne Zwei­fel blu­tet, noch wei­ter auf­reißt, indem man die Fin­ger durch lieb­lo­se Kri­tik hin­ein­ein­legt? Wer gewinnt dabei, wenn man die kirch­li­chen Amts­trä­ger, deren Auto­ri­tät von links und rechts immer mehr unter­gra­ben wird, auch noch unter Beschuß nimmt?“

            Der Autor erkennt nicht, dass sei­ne Moti­ve eben doch ganz bide­re Tak­tik sind. Wie­so soll­te ich einen Lüg­ner scho­nen? Aus „Kirch­lich­keit“? Basiert denn die „Kirch­lich­keit“ auf Lüge und Unwahrhhaf­tig­keit? Wer lügt, der lügt. Punkt. Und wenn ein Bischof lügt, wenn er die Leh­re ver­leug­net und ablehnt und etwas ande­res lehrt, „der sei ver­flucht“, lehr­te der hl. Pau­lus. Mag sein, dass die FSSP sol­che star­ken pau­li­ni­schen Wor­te für „lieb­los“ hält, nun ste­hen sie aber gen­aus so in der Schrift und die Kir­che war nie­mals zim­per­lich in die­ser Hin­sicht. War­um? Petrus und die Bischö­fe sind der Fels und nicht bloß eine unwe­sent­li­che Bei­ga­be, unter deren Umge­hung die Kir­che wahr­haf­tig blei­ben könn­te.

            M.E. trägt eine sol­che unwahr­haf­ti­ge Hal­tung, die zur Unwahr­haf­tig­keit anlei­tet, erst noch zur schi­zo­phre­nen Lage der Kir­che bei.
            Aller­dings gibt es auch kei­ne ein­fa­che Lösung.
            Aber eines soll­te doch ver­mie­den wer­den: das Mes­sen mit zwei­er­lei Maß und die Unauf­rich­tig­keit.

  13. „Eini­ge Exege­ten mer­ken kri­tisch an, daß das Lehr­amt im Zusam­men­hang mit der Unauf­lös­lich­keit der Ehe fast aus­schließ­lich eine Peri­ko­pe – näm­lich Mk 10,11–12 – zitie­re und ande­re Stel­len aus dem Mat­thä­us-Evan­ge­li­um und aus dem 1. Korin­ther­brief nicht genü­gend berück­sich­ti­ge. Die­se Bibel­stel­len sprä­chen von einer gewis­sen Aus­nah­me vom Her­ren­wort über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe, und zwar im Fall von porneia (Mt 5,32; 19,9) und im Fall der Tren­nung um des Glau­bens wegen (1 Kor 7,12–16). Sol­che Tex­te sei­en Hin­wei­se, daß die Chri­sten in schwie­ri­gen Situa­tio­nen schon in der apo­sto­li­schen Zeit eine fle­xi­ble Anwen­dung des Wor­tes Jesu gekannt haben.“
    Ihr moder­nen Exege­ten wür­det nie­mals ans Kreuz gehen für Chri­stus. Ihr wür­det für 30 Sil­ber­lin­ge alles ver­ra­ten was eurem beque­men und ange­neh­men Leben in die­ser Welt ent­ge­gen­steht. Ihr seid so fle­xi­bel das die Engel im Him­mel sich vor Ekel umdre­hen.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  14. Immer wie­der wer­den Aus­nah­men beschwo­ren, so darf man den schwie­ri­gen Text Ratz­in­gers, zusam­men­fas­sen. wer ent­schei­det letzt­lich über die Aus­nah­men. Das gan­ze ich sage bewußt „Thea­ter“ ist doch von drau­ßen her­ein­ge­tra­gen mit Unter­stüt­zung zer­set­zen­der Kräf­te in der Kir­che. Die Kom­mu­ni­on ist für die­se Leu­te schon längst nur Brot(Oblate und sonst nichts. Machen wir uns doch in end­lo­sen erör­te­run­gen nichts vor. Die Kir­che hat kla­re Vor­ga­ben zu machen und nicht dem Win­kel­ad­vo­ka­tis­mus mit Schlupf­lö­chern zu die­nen. In der Pra­xis kann ja eh jeder zur Kom­mu­ni­on gehen. Die eigent­li­che Fra­ge nach der Wirk­sam­keit kön­nen selbst Kon­zi­le und Syn­oden nicht ver­bie­gen.

    • Es ist vor allem ein Ver­sa­gen inner­halb der Kir­chen­füh­rung, dass „die­se Leu­te“ (die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen) genau­so wie ganz vie­le ande­re Men­schen das Wis­sen um die Real­prä­senz und die Trans­sub­stan­tia­ti­on gar nicht mehr haben. Bestimmt auch eine Fol­ge der ste­hen­den Hand­kom­mu­ni­on, die weder von Ehr­furcht noch von Lie­be für den HERRN geprägt ist.

      Die gro­ße Fra­ge ist, war­um die­se end­lo­sen Erör­te­run­gen geführt wer­den, wo man doch genau um die Gefahr weiß, dass — wer den Leib und das Blut unse­res HERRN Jesus Chri­stus unwür­dig emp­fängt — sich selbst das Gericht isst und trinkt. Sind das die Zei­chen der Barm­her­zig­keit, dass man sei­ne Mit­brü­der und ‑Schwe­stern eis­kalt dem Gericht aus­setzt oder gar in die Höl­le fah­ren lässt???

      GOTT allei­ne hat das Dis­po­si­ti­ons­recht über sei­ne Barm­her­zig­keit. Wir kön­nen die­se nicht erzwin­gen. Der moder­ne „auf­ge­klär­te“ Mensch will aber momen­tan ALLES erzwin­gen, nicht nur das Sakri­leg, son­dern in allen Berei­chen, die irgend­wie der Got­tes­lä­ste­rung die­nen und unse­ren Schöp­fer­gott in fra­ge stel­len.

      Weiß man nicht mehr, wo ein sol­ches Ver­hal­ten hin­führt. War nicht zwi­schen Judäa und Isra­el ein­mal alle 30 Jah­re Krieg, und zwar immer dann, wenn die Men­schen das taten, was Gott miss­fiel? Der Unter­gang von Pom­pe­ji? Sodom und Gho­mor­ra? Alles ver­ges­sen?

  15. Mei­ne eige­ne Geschich­te zusam­men­ge­fasst;
    Vor 17 Jah­ren habe ich einen katho­li­schen Mann, in einer katho­li­schen Kir­che gehei­ra­tet in vol­lem Wis­sen, was ich da tat. Wir hat­ten bereits 2 Jah­re zusam­men­ge­lebt. Doch am Tag nach der Hoch­zeit däm­mer­te mir schlag­ar­tig, die­se Hoch­zeit war ein Feh­ler. Ein Jahr spä­ter habe ich die zivi­le Schei­dung ein­ge­reicht. Hohe Schul­den und psy­chi­sche Pro­ble­me sei­ner­seits müss­ten für eine Annul­lie­rung der Ehe genü­gen. Aber der Antrag wur­de nach eini­gen Anhö­run­gen abge­lehnt. Dar­über war ich sehr trau­rig und ent­täuscht. Damals war ich gera­de mal 26 Jah­re alt, mein gan­zes Leben hat­te ich noch vor mir. Der Beicht­va­ter sag­te mir damals:” Gott ist so barm­her­zig, er wird das ver­ste­hen“. Im Schrei­ben von der Diö­ze­se stand auch kein Aber. Und weil es zu dem Zeit­punkt wohl nicht aktu­ell war, wur­de ich nie dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich — soll­te ich wie­der hei­ra­ten — von den Sakra­men­ten aus­ge­schlos­sen wäre. Also ging ich zur Beich­te und zur Kom­mu­ni­on. Ich war über­zeugt, Gott ist so barm­her­zig, dass er sicher nicht so “grau­sam” und “herz­lo­s” ist. Gott sieht es bestimmt indi­vi­du­ell, was wis­sen die Prie­ster über Got­tes Ent­schei­dun­gen.

    Vor 10 Jah­ren habe ich wie­der gehei­ra­tet. Mit dem Segen eines katho­li­schen Dia­kon. Es war zwar nicht das Ehe­sa­kra­ment, aber das “Ein­ver­ständ­nis” von Gott war mir enorm wich­tig. Wir haben inzwi­schen 3 Kin­der zwi­schen 3 und 10 Jah­ren. Finan­zi­ell ging es uns wirk­lich gut. Letz­ten Früh­ling, nach der Beer­di­gung mei­ner sehr from­men Gross­mutter, wur­de ich durch die Barm­her­zig­keit Got­tes von jetzt auf gleich bekehrt. Mein athe­isti­scher Mann konn­te damit ganz und gar nicht umge­hen. Ich wuss­te, dass wenn ich den Weg Got­tes jetzt gehe, dass ich dann viel ver­lie­ren wür­de. Und doch habe ich mich für die­sen Weg mit Jesus ent­schlos­sen. Ent­we­der ganz oder gar nicht. Und was kam; Mein 2. Mann hat sich von mir getrennt. Ich habe ihn wider­stands­los gehen las­sen. Eini­ge Stun­den vor­her, muss­te ich an mei­nen 1. Ehe­mann den­ken. Und ich wuss­te auf der Stel­le: Gott hat die­se Ehe nie auf­ge­löst. Auf wun­der­sa­me Wei­se gehts den Kin­dern bestens. Sie lei­den nicht, wie das eigent­lich zu erwar­ten wäre. Auch mir gehts gut und ich kann mich auf die Füh­rung Got­tes abso­lut ver­las­sen. Denn ALLES hat mit dem Glau­ben an Gott zu tun! Mein 2. Mann und ich kön­nen sehr freund­schaft­lich mit­ein­an­der umge­hen. Mit mei­nem eigent­li­chen Ehe­mann habe ich mich aus­ge­söhnt. Er hat erstaun­li­cher­wei­se die gan­ze Zeit ein ent­halt­sa­mes Leben geführt.
    Für mich ist das der Beweis für die Kom­pro­miss­lo­sig­keit der Gebo­te Got­tes. Die Mensch­heit mag sich ändern, aber Gott ist immer der Glei­che. Es ist die Ver­su­chung und die Sün­de die uns ver­än­dert, weil wir selbst die Gebo­te bre­chen ver­sin­ken wir im Cha­os. Das ich jetzt mit 3 Kin­dern “allei­ne” daste­he, das habe ich mir selbst ein­ge­brockt. Doch Gott lässt uns nie im Stich. Wer sei­ne Feh­ler wirk­lich ein­sieht und bereut und dann zur Beich­te geht, erfährt immer Ver­ge­bung. DAS ist die Barm­her­zig­keit Got­tei

    • Es ist erschüt­ternd, dass hier die Hir­ten so ver­sagt und zum Sün­di­gen ermu­tigt und sogar gera­ten haben. Es ist aber auch auf­fal­lend, dass Gott dann trotz Ihres eige­nen und des prie­ster­li­chen Ver­sa­gens mit Ihnen doch alles Wich­ti­ge bespro­chen hat. Das macht auch wie­der Mut.

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