„Weinst Du für Dein Volk?“ — Papst Franziskus zu den Priestern der Diözese Rom

Papst Franziskus an die Priester der Diözese Rom(Rom) Papst Fran­zis­kus emp­fing am Vor­mit­tag den Kle­rus der Diö­ze­se Rom in der Gro­ßen Audi­enz­hal­le Pauls VI. im Vati­kan. Am Beginn der Fasten­zeit sprach der Papst dar­über, wie der Prie­ster als „guter Hir­te“ sein soll: weder lax noch rigo­ros, weder gleich­gül­tig noch uner­bitt­lich. Fran­zis­kus sag­te, daß nun „in der gan­zen Kir­che die Zeit der Barm­her­zig­keit“ gekom­men sei. Die ita­lie­ni­sche Redak­ti­on von Radio Vati­kan ver­öf­fent­lich­te eine Zusam­men­fas­sung. Hier eini­ge Aus­zü­ge:

Der „keimfreie, sterile, schöne“ Priester nütze der Kirche nichts

„Die ‚keim­frei­en‘ Prie­ster, ich erlau­be mir das Wort, jene Ste­ri­le wie im Labor, ganz sau­ber, ganz schön, hel­fen der Kir­che nicht! Die Kir­che kön­nen wir heu­te als ‚Feld­la­za­rett‘ sehen. Ent­schul­digt, wenn ich es wie­der­ho­le, aber ich es sehe es so, ich füh­le es so: ein ‚Feld­la­za­rett‘. Es besteht die Not­wen­dig­keit, die Wun­den zu hei­len, vie­le Wun­den! Vie­le Wun­den! Vie­le Men­schen sind ver­wun­det, durch mate­ri­el­le Pro­ble­me, durch Skan­da­le, auch in der Kir­che … Men­schen ver­letzt durch die Illu­sio­nen der Welt … Wir Prie­ster müs­sen ihnen nahe sein, die­sen Men­schen nahe sein. Barm­her­zig­keit bedeu­tet vor allem die Wun­den hei­len.“

Wenn einer ver­letzt ist, dann „braucht er sofort das und nicht Ana­ly­sen“, „dann wird man die Son­der­be­hand­lun­gen machen, aber zuerst muß man die offe­nen Wun­den hei­len“. Zudem gebe es auch „ver­bor­ge­ne Wun­den“ und Men­schen, „sie sich ent­fer­nen, um die Wun­den nicht sehen zu las­sen“. „Sie ent­fer­nen sich viel­leicht mit einem miß­ge­stimm­ten Gesicht gegen die Kir­che, aber im Grun­de, drin­nen ist die Wun­de … sie wol­len eine Zärt­lich­keit!“ An die Prie­ster gerich­tet, stell­te er die Fra­ge: „Kennt Ihr die Wun­den Eurer Pfarr­an­ge­hö­ri­gen? Erahnt Ihr sie? Seid Ihr ihnen nahe?

Bußsakrament

„Es pas­siert uns Prie­stern häu­fig, die Erfah­rung unse­rer Gläu­bi­gen zu hören, die uns erzäh­len, bei der Beich­te einen ‘engen’ Prie­ster getrof­fen zu haben, oder einen sehr ‚wei­ten‘, einen gleich­gül­ti­gen oder einen uner­bitt­li­chen. Das ist nicht in Ord­nung. Daß es zwi­schen den Beicht­vä­tern Unter­schie­de im Stil gibt, ist nor­mal, aber die­se Unter­schie­de dür­fen nicht die Sub­stanz betref­fen, das heißt die gesun­de Moral­leh­re und die Barm­her­zig­keit. Weder Lax­heit noch Rigo­ris­mus geben Zeug­nis von Jesus Chri­stus, weil weder der eine noch der ande­re sich wirk­lich der Per­son annimmt, der er begeg­net.“

Der Uner­bitt­li­che „nagelt“ die Per­son „an einem kalt und streng ver­stan­de­nen Gesetz fest“. Der Gleich­gül­ti­ge hin­ge­gen „wascht sich die Hän­de“, „er ist nur anschei­nend barm­her­zig, aber in Wirk­lich­keit nimmt er das Pro­blem die­ses Gewis­sens nicht ernst, indem er die Sün­de mini­miert“.

„Die wah­re Barm­her­zig­keit nimmt sich der Per­son an, hört sie auf­merk­sam an, stellt sich respekt­voll und mit Wahr­heit ihrer Situa­ti­on zur Sei­te und beglei­tet sie auf dem Weg der Ver­söh­nung. Und das ist müh­sam! Ja, sicher! Der wirk­lich barm­her­zi­ge Prie­ster ver­hält sich wie der Gute Sama­ri­ter … aber war­um tut er das? Weil sein Herz zum Mit­leid fähig ist, es ist das Herz Chri­sti!“

Weder Gleichgültigkeit noch Unerbittlichkeit lassen Heiligkeit wachsen

„Weder die Gleich­gül­tig­keit noch die Uner­bitt­lich­keit las­sen die Hei­lig­keit wach­sen. Viel­leicht schei­nen eini­ge Rigo­ri­sten hei­lig zu sein, aber denkt an Pela­gius und dann reden wir. Weder Lax­heit noch Rigo­ris­mus hei­li­gen den Prie­ster und hei­li­gen auch nicht den Gläu­bi­gen. Die Barm­her­zig­keit hin­ge­gen beglei­tet auf dem Weg der Hei­lig­keit und läßt sie wach­sen. Und das durch das pasto­ra­le Lei­den, das ist eine Form der Barm­her­zig­keit.“ Was aber heißt „pasto­ra­les Lei­den“? „Lei­den für uns mit den Men­schen wie ein Vater und eine Mut­ter für ihre Kin­der lei­den und ich erlau­be mir hin­zu­zu­fü­gen, auch mit Sor­ge.“

Um die Din­ge ver­ständ­li­cher zu machen, rich­te­te der Papst eini­ge rhe­to­ri­sche Fra­gen an die Prie­ster:

Weinst Du für Dein Volk?

„Sag mir: Weinst Du? Oder haben wir die Trä­nen ver­lo­ren? (…) Aber wie­viel von uns wei­nen ange­sichts des Lei­dens eines Kin­der, ange­sichts der Zer­stö­rung einer Fami­lie, ange­sichts der vie­len Men­schen, die den Weg nicht fin­den … Das Wei­nen des Prie­sters … Weinst Du? Oder haben wir in die­sem Pres­by­te­ri­um die Trä­nen ver­lo­ren? Weinst Du für Dein Volk? Sag mir, hältst Du Für­bit­te vor dem Taber­na­kel? Ringst Du mit dem Herrn für Dein Volk, wie Abra­ham rang? (…) Haben wir die Hosen an, um mit Gott für unser Volk zu rin­gen?

Eine ande­re Fra­ge, die ich stel­le: Am Abend, wie been­dest Du Dei­nen Tag? Mit dem Herrn oder mit dem Fern­se­her? Wie ist Dei­ne Bezie­hung mit jenen, die hel­fen barm­her­zi­ger zu sein? Das heißt, wie ist Dein Ver­hält­nis zu den Kin­dern, zu den Alten, zu den Kran­ken? Weißt Du mit ihnen lie­be­voll umzu­ge­hen, oder schämst Du Dich einen alten Men­schen zu strei­cheln?

Schäm Dich nicht vor dem Fleisch Dei­nes Bru­ders, am Ende wer­den wir dafür beur­teilt, wie wir uns ‚jedem Fleisch‘ zu nähern gewußt haben, uns dem Fleisch des Bru­ders nahe gemacht haben wie der gute Sama­ri­ter. Am Ende der Zei­ten, wird Chri­stus nur schau­en kön­nen, wer sich nicht vor dem Fleisch sei­nes ver­wun­de­ten und aus­ge­schlos­se­nen Bru­ders geschämt hat“.

Text: Radio Vatikan/Giuseppe Nar­di
Bild: Radio Vati­kan

38 Kommentare

  1. Es ist zum Wei­nen — mit die­ser Rede, ein­mal mehr.
    Lei­der wird nicht das rech­te Ver­ständ­nis betref­fend
    die Sün­de und das Sün­den­be­wusst­sein,
    die Gewis­sens­bil­dung,
    die 6 „b“: besin­nen — bereu­en — bekennen(=Beichte) — büßen — beten — bes­sern,
    das Sakra­ment der Buße (auch: Rol­le des Prie­sters in der Beich­te
    ver­mit­telt. Kei­ne Wie­der­ho­lung wäre zuviel!

    3 gro­ße hei­li­ge Prie­ster­ge­stal­ten sei­en zur Lek­tü­re jedem Semi­na­ri­sten und Prie­ster anemp­foh­len — ein Leben im Beicht­stuhl: hl. P. Pio, hl. Pfar­rer von Ars, hl. P. Leo­pold Man­dic

  2. Wun­den! Wun­den! Wuuuun­den!!! Barm­her­zig­keit! Zärt­lich­keit!!!!!!!!!!! Böse Prie­ster!!! Böse, oder so… Barm­her­zig­keit!!! Hei­lig­keit! Bla­bla­bla­bla­bla­blaaaaaaaaa.… Fleisch! Fleisch! Fleeeeiiiiisch!!! So, genug gela­bert, wo sind die Kame­ras? Wo ist der Frie­dens­no­bel­preis? Was, noch nicht? OK, na gut, win­ke, win­ke, und tschüß, bin bei Bene­dikt ein­ge­la­den, Kom­mis­sar Rex gucken.

    • … und Ben­dikt XVI. ja nicht danach fra­gen, was er wohl mit dem Begriff „nicht ver­han­del­ba­re Wer­te“ gemeint haben könn­te.

      Aber wie lau­tet der erste Satz von Fran­zis­kus auf die Fra­ge nach Huma­nae vitae doch (Inter­view von gestern): „Es hängt alles davon ab, wie man Huma­nae vitae inte­re­pre­tiert.“

      Genau, das wasch­ech­te Gere­de von Rela­ti­vi­sten.

      Ich hof­fe, eini­gen Kar­di­nä­len begin­nen doch irgend­wann die Haa­re zu Ber­ge zu ste­hen, ob dem, was sie da zusam­men­ge­wählt haben unter Kas­pers und Hum­mes fei­ner Regie.

    • Sumsum
      Herz­li­chen Dank für Ihre köst­li­che Ein­la­ge! Habe Sie mir eben als eine männ­li­che Per­son vor­ge­stellt, die mit einer super­lu­sti­gen Mimik die­sen Text aus­spricht. Ihr Humor ist zum Schie­ßen!

    • @Sumsum: Also das mit der Wort­wahl Ber­go­gli­os — Fleisch,Fleisch des Bru­ders — das ist abolut befremd­lich und unver­ständ­lich. Abge­se­hen davon, das wird vie­le Vege­ta­ri­er empö­ren. Fleisch, ganz zu schwei­gen von Men­schen­fleisch… Ich kann es mir nicht erklä­ren, was mit die­sem Papst los ist. Er schwatzt wir­res Zeugs!!!

  3. War­um sagt er nicht ein­fach, dass es in der ausser­or­dent­li­chen Form der latei­ni­schen Lit­ur­gie eine wun­der­schö­ne Ora­ti­on um die Gabe der Trä­nen gibt? Die alte Mes­se gehört ja eben nicht ver­gan­ge­nen Zei­ten an. Der Papst erkennt nicht an, dass die über­lie­fer­te Lit­ur­gie vita­ler Teil des Betens der Kir­che heu­te ist.

  4. “Tell me: do you weep? Or have we lost tears? I remem­ber that in the Anci­ent Mis­sals, tho­se of ano­t­her time, the­re was a very beau­ti­ful pray­er to ask for the gift of tears. It began thus, the pray­er: ‚Lord, You, who gave to Moses the man­da­te of striking the stone so that water would come of it, strike the stone of my heart, so that tears…‘: it went like this, more or less, the pray­er. It was very beau­ti­ful. But how many of us weep befo­re the suf­fe­ring of a child, befo­re the dest­ruc­tion of a fami­ly, befo­re so many peop­le who do not find the way? The weeping of prie­sts… Do you weep?“

    • Josef, Sie haben etwas sehr Wich­ti­ges ange­führt (oben im Text aus­ge­las­sen):
      I remem­ber that in the Anci­ent Mis­sals, tho­se of ano­t­her time, the­re was a very beau­ti­ful pray­er to ask for the gift of tears. It began thus, the pray­er: ‚Lord, You, who gave to Moses the man­da­te of striking the stone so that water would come of it, strike the stone of my heart, so that tear­s…‘: it went like this, more or less, the pray­er
      Papst Fran­zis­kus erin­nert sich an das alte Mis­sa­le! aus einer ande­ren Zeit!.
      Die Ora­ti­on für die Votiv­mes­se ist wirk­lich sehr schön, gera­de ange­sichts vie­ler ver­stei­ner­ter Her­zen. Es passt gut in die Fasten­zeit.
      Lie­ber Papst Fran­zis­kus, bit­te fei­ern Sie doch die­se Mes­se, sie wur­de nicht abge­schafft, wie Ihr Vor­gän­ger es bestä­tigt hat.

      Also ich fin­de das eine ganz wich­ti­ge Äuße­rung von Papst Fran­zis­kus. Es ist ihm in all den Jah­ren in Erin­ne­rung geblie­ben und uns ein Hin­weis, wel­chen Schatz­wir alle in der alten Mes­se besit­zen.

  5. Bei aller viel­leicht nöti­gen Kri­tik am Papst: aber es ist ein Rät­sel, wie sol­che schmud­de­li­gen Postings wie das von „Sumsum“ frei­ge­schal­tet wer­den kön­nen.

    • Bal­tha­sar, ord­nen Sie das bit­te rich­tig ein!
      Das ist der Aus­druck eines hl. Zor­nes aber auch der Trau­rig­keit über die Lage in der Kir­che und den glau­bens­lo­sen Kle­rus, der die Glau­bens­wahr­hei­ten anschei­nend völ­lig ver­ges­sen hat. Der „Kar­ren“ steckt so tief im Morast, daß es uner­träg­lich wird und man sich manch­mal ein­fach „Luft“ machen muß . Ich kann das sehr gut ver­ste­hen, es gibt eben auch sehr lei­den­schaft­li­che Men­schen! Sie regen sich auf, weil sie Chri­stus und sei­ne Kir­che lie­ben, aber sehen, wie er tag­täg­lich ver­un­ehrt und aufs Äußer­ste belei­digt wird und sei­ne Leh­re abge­lehnt und ver­wor­fen wird.

  6. „Weinst du für dein Volk“. Wir soll­ten lie­ber über die hei­li­ge Kir­che wei­nen. Es scheint so das sie Chri­stus nach­folgt und nach Gol­ga­tha geht.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  7. Das ist das Unheil mit Ber­go­glio: Sei­ne ver­wa­sche­ne Spra­che, sei­ne Prin­zi­pi­en­lo­sig­keit. Doch er spricht auch wich­ti­ge Pro­ble­me an: Es gibt Ver­wun­de­te, Ver­letz­te. Prie­ster sind nicht nur Rich­ter, sie sind auch Ärz­te. Oder soll­ten es sein. Wenn sie sich unsern Herrn zum Bei­spiel neh­men, dann wird es deut­lich: Er hat geheilt, er hat Men­schen immer wie­der ermu­tigt und dann kam sein Wort: „Gehe hin und sün­di­ge nicht mehr.“
    Sein Hin­weis auf die Behand­lung der Alten kön­nen sich vie­le Prie­ster mit Gewinn anhö­ren und danach han­deln.
    Ärz­te müs­sen mit­un­ter behan­deln, dass es weh tun. Das ver­schweigt Ber­go­glio. Der Chir­urg hat zu schnei­den, sei­ne Zärt­lich­keit kann er sich für sei­ne Frau und sei­ne Kin­der auf­spa­ren.
    Cate­ri­na von Sie­na hat es gera­de­zu klas­sisch aus­ge­drückt: Eitern­de Wun­den dür­fen nicht mit Bal­sam behan­delt wer­den, sie müs­sen „aus­ge­brannt“ wer­den, um nicht den gan­zen Men­schen durch Blut­ver­gif­tung zu töten.
    Zu ihrer Zeit gab es kei­ne ent­spre­chen­den Medi­ka­men­te, mit glü­hen­den Eisen­stä­ben muss­ten die Ärz­te ent­zün­de­te Wun­den aus­bren­nen.
    Doch das wider­spricht der „Zärt­lich­keit Ber­go­gli­os.

  8. Ich weiß wirk­lich nicht mehr, was ich von die­sem Mann hal­ten soll. Er will Wun­den hei­len, aber es darf dabei nicht keim­frei zuge­hen, weil er sich in einem Feld­la­za­rett wähnt.…. Ist er nur unge­schickt in sei­ner Wort­wahl und in sei­nen Bei­spie­len oder ist er ein­fach nur nicht so hel­le?

    Auch irri­tie­ren mich sei­ne Feind­bil­der, die er wie eine Mon­stranz vor sich her­trägt. Fühlt er sich von Pela­gia­nern umge­ben, die er zu ver­ur­tei­len sich sehr wohl zutraut? Ist er viel­leicht ein Manichä­er? Braucht er die­se Wor­te als Kampf­be­grif­fe, weil er sich im Feld­la­za­rett und somit im Krieg wähnt? Schafft er sich damit nicht erst eine der­ar­ti­ge Wirk­lich­keit?! Wenn jetzt mit ihm die „Zeit der Barm­her­zig­keit“, ange­bro­chen ist, war vor ihm die Zeit der Unbarm­her­zig­keit? Ver­wech­selt er gar Barm­her­zig­keit mit Rühr­se­lig­keit? Selbst­ver­ständ­lich ist die Kir­che schon immer vol­ler Barm­her­zig­keit gewe­sen, die Sakra­men­te sind nichts ande­res als Barm­her­zig­keit, und die geist­li­chen und leib­li­chen Wer­ke der Barm­her­zig­keit spru­deln unauf­hör­lich, die gab es vor ihm und es wird sie nach ihm geben. Fast möch­te man ihm in Anleh­nung an Papst Johan­nes XXIII zuru­fen, „Jor­ge, nimm dich nicht so wich­tig“. Falls er intel­lek­tu­ell nicht so begabt ist, ist das ja grund­sätz­lich nicht schlecht. Ihm und der Kir­che wäre zu wün­schen, dass er sich dann gemäß sei­nes Alters wei­se ver­hält und lie­ber mal schweigt als unbe­dacht nach sei­nem gera­de wahr­ge­nom­me­nen Bauch­gu­sto zu reden und dabei vie­le Men­schen abzu­wer­ten und zu ver­let­zen, nur weil sie anders sind als er.

    Ver­ständ­lich ist somit schon sein Wunsch, Prie­ster, die ein­fach nur eis­kal­te Typen und die auf ihren Vor­teil und ihren Schnitt bedacht sind, ändern zu wol­len. Aber ich fürch­te, das kann nicht mal der lie­be Gott, wenn sie es selbst nicht wol­len. Viel­leicht kennt Papst Fran­zis­kus die Herz-Jesu-Ver­eh­rung nicht gut, aber die­se Fröm­mig­keit kann wirk­lich zu einem neu­en und warm­her­zi­gen Leben ver­hel­fen, so es gewollt und gesucht wird. Die könn­te er sei­nen Prie­stern ans Herz legen und wärm­stens emp­feh­len.

    • @Stiller
      … Ver­wech­selt er gar Barm­her­zig­keit mit Rühr­se­lig­keit? .…
      Das fra­ge ich mich auch.

  9. „Vie­le Men­schen sind ver­wun­det, durch mate­ri­el­le Pro­ble­me, durch Skan­da­le, auch in der Kir­che …“ Sind es nicht die Sün­den, die die mei­sten Wun­den her­vor­ru­fen? Selbst die mei­sten Krank­hei­ten sind die Fol­gen von Sün­den.

    Was nützt es denn den Leu­ten, wenn er per­ma­nent die Schul­di­gen in den ande­ren aus­macht — in den Umstän­den, der mate­ri­el­len Not, dem bösen Nach­barn .… Meist ist man es doch sel­ber, der Wun­den ver­ur­sacht durch fal­sches Den­ken, Reden und Tun.

  10. Sicher, die vor­han­de­nen Wun­den müs­sen geheilt wer­den, kör­per­li­che Wun­den durch den Arzt und see­li­sche Wun­den durch den Prie­ster in der Beich­te. Gleich­zei­tig soll­te über die Pro­phy­la­xe nach­ge­dacht wer­den. Die beste Vor­beu­gung ist doch die Beach­tung der 10 Gebo­te und ein ehr­li­ches Gebets­le­ben.

  11. Man soll­te nun auch nicht alles in Bausch und Bogen ver­wer­fen, was die­ser Mann sagt. Die Auf­for­de­rung an die Prie­ster, wirk­lich mit den Men­schen um ihr See­len­heil zu rin­gen, ihnen nahe zu sein, sich wie ein Vater für sie zu füh­len, mit ihnen und um sie zu wei­nen, ist nichts schlech­tes, son­dern ja, so muss Seel­sor­ge aus­se­hen. Nicht Gre­mi­en­ka­tho­li­zis­mus, Sit­zun­gen, Ver­wal­tungs­auf­ga­ben, krea­ti­ve Pasto­ral- und Lit­ur­gie soll­ten den All­tag des Pri­sters prä­gen, son­dern die Ein­zel­seel­sor­ge, die sich aus der Kraft einer leben­di­gen Got­tes­lie­be nährt. Wir brau­chen, wie @zeitschnur schon an ande­rer Stel­le schrieb, wie­der die Prie­ster, die beim Beten in der Kir­che anzu­tref­fen sind, deren Pfarr­haus offen­steht, die im Beicht­stuhl, statt auf dem Büro­stuhl sit­zen. Aber war­um das alles immer gepaart mit die­sen Ver­ur­tei­lun­gen, Eng­füh­run­gen, begrenz­ten Sicht­wei­sen? Wie­so soll­te ein „keim­frei­er“ Prie­ster nicht der Kir­che die­nen und ein guter Seel­sor­ger sein kön­nen? Hin­dern die­se „Keim­frei­heit“ oder bspw. die Beach­tung der Leh­ren und Nor­men der Kiche ihn wirk­lich not­ge­drun­gen dar­an, ein güti­ger Seel­sor­ger zu sein? Wenn ja, müss­te man fra­gen, besteht viel­leicht sein beson­de­res Cha­ris­ma in die­ser „Keim­frei­heit“? Hat er viel­leicht Zugang zu Gläu­bi­gen, die sich einem schmut­zi­gen Feld­la­za­ri­sten nie­mals öff­nen wür­den? Kurz­um: die­se ver­kür­zen­de Schwarz-Weiss-Male­rei und die sich dar­aus erge­ben­de fort­wäh­ren­de Ver­ur­tei­lung jener, die aus der sub­jek­ti­ven Sicht Ber­go­gli­os nicht zu pas­sen schei­nen, ist das gro­ße Ärger­nis an die­sem Mann. Er erin­nert mich immer an Luther, der auch die Kir­che nur aus sei­ner Sicht wahr­zu­neh­men vemoch­te, der die­se sub­jek­ti­ve Sicht dann auch noch abso­lut setz­te, und sich kraft die­ser ver­zerr­ten Wahr­neh­mung zum Refor­ma­tor beru­fen fühl­te, um alles nach sei­nem auf dem Kopf ste­hen­den Welt- und Kir­chen­bild umzu­stür­zen.

    • Das ist eben der fei­ne Unter­schied zwi­schen Moral und Hyper­mo­ral: Der Anti­christ trägt die Mas­ke des Erlö­sers. Der Teu­fel ist jene Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.

      Der gro­ße Katechon — Ben­de­dikt — muss­te gehen. Und so wie der Katechon nimmt der Anti­christ in der Geschich­te immer wie­der Gestalt an.

    • „Man soll­te nun auch nicht alles in Bausch und Bogen ver­wer­fen, was die­ser Mann sagt“ — nein, natür­lich nicht; aber das Wah­re, das er sagt, sagt er — lei­der — ‚unter dem völ­lig fal­schen Vor­zei­chen‘ (wie der hw. Pfr. Milch das nann­te). Was die Sache ins­ge­samt, wie ich fin­de, nur noch schlim­mer macht; so dient die Wahr­heit sozu­sa­gen als ‚Trä­ger der Unwahr­heit und Ver­wir­rung‘ — wenn etwa von 1o Sät­zen 9 abso­lut rich­tig sind, dann geht ein fal­scher 1o. Satz, erst recht, wenn er nicht ganz offen­sicht­lich, son­dern nur nach län­ge­rem Nach­den­ken als falsch zu ent­lar­ven ist, unbe­merkt als wahr durch. Das ist viel schlim­mer, als wenn einer NUR offen­sicht­lich Fal­sches sagt.

      • Des­we­gen hat das hl. Offi­zi­um frü­her ja auch dann ein gan­zes, anson­sten ‚gut-katho­li­sches‘ Buch ver­ur­teilt, wenn es „bloß“ ganz weni­ge fal­sche Sät­ze ent­hielt. Was kei­nes­wegs „hyper­s­kru­pu­lös“ oder gar, wie heu­te so ger­ne sug­ge­riert, „unbarm­her­zig“ war, son­dern im Gegen­teil vie­le Men­schen (die viel­leicht nicht den nöti­gen theo­lo­gi­schen Hin­ter­grund hat­ten) davor bewahr­te, in die fal­sche Rich­tung geführt zu wer­den, fata­ler­wei­se sogar, ohne sich des­sen über­haupt bewußt zu wer­den.

    • Noch eine Über­le­gung zu Aus­sa­gen­sy­ste­men, die sowohl wah­re wie fal­sche Aus­sa­gen ent­hal­ten, ange­regt durch die sehr inter­es­san­ten Aus­füh­run­gen von Dr. Wolf­gang Schü­ler in sei­nem Buch über den hw. Pfar­rer Milch:
      Man könn­te ja die gesam­te über­lie­fer­te katho­li­sche Dog­ma­tik als ein System S von Axio­men und allen dar­aus her­ge­lei­te­ten Sät­zen auf­fas­sen. Alle Axio­me und alle kor­rekt dar­aus abge­lei­te­ten Sät­ze von S sind unfehl­bar wahr (da expli­zit oder impli­zit Offen­ba­rungs­wahr­hei­ten); zudem ist S wider­spruchs­frei (da Abbild der wider­spruchs­frei­en gött­li­chen Wahr­heit) und voll­stän­dig in dem Sin­ne, als es alle zum Hei­le not­wen­di­gen Wahr­hei­ten ent­hält.
      S kann nun in kei­ner Wei­se ver­än­dert wer­den, ohne daß es falsch, unvoll­stän­dig oder wider­sprüch­lich — und damit wert­los — wird: streicht man ein Axi­om ganz, so wird S unvoll­stän­dig, d.h. es ent­steht ein neu­es, (wahr­schein­lich) immer noch wider­spruchs­frei­es System S‘, des­sen Axio­me und abge­lei­te­ten Sät­ze zwar wahr sind, wel­ches aber nicht mehr alle zu unse­rem Hei­le not­wen­di­gen Wahr­hei­ten ent­hält; nimmt man ein Axi­om her­aus und ersetzt es durch des­sen Nega­ti­on, so kann das resul­tie­ren­de System S‘ ent­we­der wider­sprüch­lich oder aber in dem Sin­ne falsch wer­den, daß es zwar wider­spruchs­frei ist, jedoch nicht mehr Abbild der gött­li­chen Wahr­heit — d.h. es könn­ten logisch-kor­rekt Sät­ze abge­lei­tet wer­den, die aber objek­tiv falsch sind. Nimmt man aus S einen abge­lei­te­ten Satz P her­aus und ersetzt ihn durch sei­ne Nega­ti­on ~P (leug­net man also auch nur einen ein­zi­gen Satz), so wird das resul­tie­ren­de System S‘ in sich wider­sprüch­lich und damit völ­lig wert­los, da man mit ihm alles „bewei­sen“ könn­te, sogar etwa die Nicht­exi­stenz Got­tes (‚ex con­tra­dic­tio­ne sequi­tur quod­li­bet‘). Man könn­te S‘ noch dadurch „ret­ten“, daß man ein neu­es System S“ ein­führt, indem man ~P zu einem neu­en (dann nicht a.d. Offen­ba­rung stam­men­den!) Axi­om „erhebt“ und aus S‘ sämt­li­che Axio­me und Sät­ze ent­fernt, die im Wider­spruch zu ~P ste­hen. Dann wäre S“ zwar wider­spruchs­frei, aber nicht mehr voll­stän­dig (und außer­dem falsch im o.g. Sin­ne). Schließ­lich kann man S auch nicht dadurch erwei­tern, daß man ein wei­te­res, logisch-unab­hän­gi­ges, mit den übri­gen ‚ver­träg­li­ches‘ Axi­om zu S hin­zu­fügt, wel­ches nicht in den Offen­ba­rungs­wahr­hei­ten ent­hal­ten ist, da S per def. bereits sämt­li­che Offen­ba­rungs­wahr­hei­ten ent­hält und die Offen­ba­rung mit dem Tode des letz­ten Apo­stels defi­ni­tiv abge­schlos­sen ist.
      Die ein­zi­ge Ände­rung, die S also erlaubt, ist das Hin­zu­fü­gen wei­te­rer aus den Axio­men bzw. schon bewie­se­nen Sät­zen her­ge­lei­te­ter Sät­ze; das System ist sozu­sa­gen ‚kumu­la­tiv‘, es kann immer nur ‚grö­ßer‘ wer­den, nie ‚klei­ner‘. Und was ein­mal als wahr erkannt, bleibt wahr.
      Des­we­gen sind auch ein­zel­ne, inner­halb einer rich­ti­gen, voll­stän­di­gen und wider­spruchs­frei­en Leh­re geäu­ßer­te fal­sche Sät­ze in jedem Fal­le so fatal, auch wenn sie in noch sovie­le ‚Wahr­hei­ten‘ ein­ge­bet­tet sind. Erst recht, wenn dies gar bei Kon­zils­tex­ten der Fall sein soll­te …

      • oK — ist jetzt ein biß­chen arg kom­pli­ziert gewor­den, aber ist ja nur so ein Ver­such, ‚ad hoc‘ ent­wickelt; muß noch wei­ter dar­über nach­den­ken …

  12. Viel­leicht soll­te Ber­go­glio in ein kom­pleta­ti­ves Klo­ster gehen und für eini­ge Tage ein­keh­ren und das Schwei­gen wie­der erlernen.Schweigen ‑und nicht mehr soviel wie eine Plau­der­ta­sche jeden Tag sei­ne Jesui­ti­schen Spe­zi­fe­rei­en hin­aus­po­sau­nen.

  13. Ber­go­glio hat anschei­nend zwei Din­ge nicht begrif­fen: Zum einen ist er kein Dorf­pfar­rer aus der Pam­pa und zum zwei­ten wird jede Aus­sa­ge als offi­ziö­se Mei­nung inter­pre­tiert und rückt damit gefähr­lich in die Nähe offi­zi­el­ler lehr­amt­li­cher Aus­sa­gen. Das scheint mir aber bei dem Herrn aus Argen­ti­ni­en durch­aus beab­sich­tigt. Er quatscht und faselt ger­ne und kriegt jetzt die gro­ße Welt­büh­ne gebo­ten. Jeder Auf­tritt ist voll mit fre­ne­ti­schen Fans und Jub­lern. Wahr­schein­lich redet er sich ein, das dies eine Bestä­ti­gung der Rich­tig­keit sei­ner Aus­sa­gen ist. Vor einem Jahr wäre jeder für ver­rückt erklärt wor­den, wenn man gesagt hät­te, dass ein­mal ein Papst von Lin­ken, Grü­nen, Alter­na­ti­ven, Frei­mau­rern, Libe­ra­len und Agno­sti­kern gegen die treu­en Katho­li­ken ver­tei­digt und beju­belt wird. Ver­kehr­te Welt.

  14. Ja, Wun­den haben wie alle,so wie der­zeit die Lage der Kir­che ist lei­det jeder Gläu­bi­ge jeder wird verwundet,von der Zärt­lich­keit spü­re ich nichts!Gestern war ich Anbe­tung und Hei­li­ge Mes­se bei der Anbe­tung haben zwei Frau­en getratscht was für eine Andacht?Beim hin­aus­ge­hen nach der Mes­se wird auch getratscht es wird auch kei­ne Knie­beu­ge vor den Taber­na­kel gemacht!Die Zärt­lich­keit zu Jesus im Aller­hei­lig­sten ist fast ganz ver­lo­ren gegan­gen !Wenn wir das sehen wer? trö­stet uns ?Wir dür­fen uns nicht mal beschwe­ren, und wenn wir es tun ver­ur­tei­len sie uns!Wo ist die Zärtlichkeit?Ich bekom­me sie von Jesus bei der Anbe­tung und bei der Hei­li­gen Messe,Jesus der mei­ne Wun­den heilt und mich Zärt­lich liebt!

  15. Ja, in der Tat, die Kir­che hat heu­te barm­her­zi­ger denn je auf die Men­schen zuzu­ge­hen, inso­fern sie es zum Teil selbst ver­schul­det hat, dass die­se ihr wah­res Ant­litz nicht mehr erken­nen kön­nen. „Weinst Du für Dein Volk?“ ist auch inso­fern eine berech­tig­te Fra­ge. Aber mit oder noch vor die­ser Fra­ge soll­te, wie mir scheint, eine ande­re auf­klin­gen: „Weinst Du um und für Dei­ne Kir­che“? Das Hei­len der Wun­den derer, zu denen Fran­zis­kus „hin­aus­ge­hen“ möch­te, für die Fran­zis­kus die Kir­che öff­nen will, wird nie­mals — nie und nim­mer — gelin­gen, wenn die­se Kir­che nicht zuerst ihre höchst­ei­ge­nen eitern­den Wun­den in Pra­xis und Leh­re heilt. Ein Arzt, der nicht die pro­ba­ten Mit­tel kennt, einen Kran­ken zu hei­len, kann über­strö­men vom ehr­li­chen Wil­len, ihm zu hel­fen, es wird ihm nicht gelin­gen.

    „Weder Lax­heit noch Rigo­ris­mus hei­li­gen den Prie­ster und hei­li­gen auch nicht den Gläu­bi­gen. Die Barm­her­zig­keit hin­ge­gen beglei­tet auf dem Weg der Hei­lig­keit und lässt sie wach­sen.“
    Fran­zis­kus‘ Wor­te könn­ten ver­mu­ten las­sen, die Barm­her­zig­keit sei so etwas wie ein „Dazwi­schen“, ein Mit­tel­ding zwi­schen Lax­heit und Rigo­ris­mus. Aber Barm­her­zig­keit ist kei­ne Ver­mitt­lungs­po­si­ti­on irgend­wo zwi­schen Stren­ge und Lais­sez-fai­re. Strömt sie doch aus dem inni­gen Inne­sein in der Wahr­heit und Ganz­heit und Bestimmt­heit des Glau­bens — und aus dem Mit­lei­den mit dem­je­ni­gen, der — auf die­ses Inne­sein hin ange­legt — es nicht kennt. Stren­ge, gei­stig ver­stan­den, geist­li­che Bestimmt­heit und Ein­deu­tig­keit, ist so eben nicht „rigo­ri­stisch“ — sie lässt ech­te Barm­her­zig­keit erst zu.
    Gehört es denn nicht wesen­haft zum wah­ren Ant­litz der katho­li­schen Kir­che, dass ihr hei­li­ge Stren­ge und wun­der­ba­re Mil­de, Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit nur zwei Gesich­ter der Einen Wahr­heit sind, sodass (nur schein­bar para­dox) gel­ten darf: Je gerech­ter, desto mil­der — je stren­ger (eben nicht im rigo­ri­sti­schen Sinn), desto barm­her­zi­ger? Sind nicht vie­le Hei­li­ge leuch­ten­de Bei­spie­le die­ses Geheim­nis­ses?
    Es gibt ja auch das rein natür­li­che Mit­leid — dem­ge­gen­über christ­li­che Barm­her­zig­keit jedoch sehr viel mehr ist. Wäre dage­gen nicht die­ses rein natür­li­che Mit­leid so ein „Mit­tel­ding“ und Ver­mitt­ler zwi­schen Rigo­ris­mus und Lax­heit, zwi­schen äußer­li­chem Fest­hal­ten an der stren­gen Leh­re und Lais­sez-fai­re? Auf der einen Sei­te die ver­wun­de­te „Welt von heu­te“, auf der ande­ren die star­re Leh­re, dazwi­schen, ver­mit­telnd, der „barm­her­zi­ge“ Prie­ster (der viel­leicht ger­ne „lax“ wäre, sich aber — min­de­stens zum Schein — nach der „rigo­ro­sen“ Leh­re zu rich­ten hat), der Prie­ster also, der sein natür­li­ches Mit­leid — wenn es denn (wie zu hof­fen ist) in sei­ner Natur liegt — all­zu ein­fach in Barm­her­zig­keit ummünzt?

    Ich möch­te Papst Fran­zis­kus, auch wenn mich schon der Ver­dacht gestreift hat, aber nicht unter­stel­len, dass sei­ne Visi­on von Barm­her­zig­keit in die­se Rich­tung zielt.

  16. (Fort­set­zung)

    Wie aber ist ein ande­res Wort in sei­ner Anspra­che an den römi­schen Kle­rus zu deu­ten? „Die ‚keim­frei­en‘ Prie­ster, ich erlau­be mir das Wort, jene Ste­ri­le wie im Labor, ganz sau­ber, ganz schön, hel­fen der Kir­che nicht!“
    Ja, keim­freie Prie­ster, ste­ril wie im Labor — wer möch­te das denn? Das wären und sind in der Tat doch die Rigo­ri­sten (die es gab und, heu­te in klei­ner Zahl, noch gibt, kein Zwei­fel), die­je­ni­gen, die sich im äußer­li­chen Sinn an die Leh­re hal­ten, ohne ech­te Füh­lung zum Leben — dem die Leh­re ja dient, wel­ches sie zu Blü­te und Fül­le brin­gen soll: die Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten der Kir­che.
    Soweit, so gut: aber wes­halb sind die­se Ste­ri­len und Keim­frei­en in Fran­zis­kus Augen „ganz sau­ber, ganz schön“?
    Wes­halb die Aver­si­on gegen die Rei­nen und gei­stig, geist­lich Schö­nen?
    Wes­halb die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Schön­heit und Rein­heit mit Ste­ri­li­tät? Dies scheint mir, ich muss es sagen, in der Tat besorg­nis­er­re­gend.
    Das hohe Ide­al des rei­nen, geist­lich schö­nen Prie­sters darf doch nicht auf­ge­ge­ben wer­den — und zuletzt von einem Papst! Wer­den es doch die­je­ni­gen sein, die die­sem Ide­al am näch­sten kom­men, wer­den es doch die rei­nen, in Chri­stus wahr­haft sich rei­ni­gen­den See­len sein, wel­che der Kir­che lang­sam den Weg zurück zu ihrem ech­ten Ant­litz bah­nen. (Ich glau­be, unser letz­ter Papst gehör­te sei­nem Kern und Wesen nach zu die­sen Erwähl­ten.)
    Durch das Dun­kel lei­ten­de Hoff­nung ist (möge Gott es so len­ken), dass am Ende die­ser „Etap­pe“ die alte Sub­stanz in neu­em, gerei­nig­tem Glanz erstrah­len wird: ein sple­ndor, den die Kir­che — matt­ge­kämpft in ihrem edlen, jahr­hun­der­te­lan­gen Kampf gegen die vie­len Schat­ten­sei­ten der Auf­klä­rung — unmit­tel­bar vor V2 (und im Gegen­satz zu heu­te) zwar noch hat­te, aber nicht eben mehr über­aus fun­kelnd und kraft­voll. Auf die­sem Ter­rain soll­te es den Moder­ni­sten dann mög­lich sein, ihre ersticken­de Saat zu säen.
    Das letz­te Wort wer­den sie nicht behal­ten.

  17. In einem hat er recht: der keim­freie, ste­ri­le, schö­ne Prie­ster nützt der Kir­che nichts.

    1) Wann ist ein Prie­ster ste­ril?
    2) wo gibt es die­se Art Prie­ster?

    zu 1) ein Prie­ster ist ste­ril, wenn er kei­ne geist­li­chen Kin­der hat. Wenn er sich sel­ber dar­stellt statt den Gekreu­zig­ten, wenn er sich ger­ne reden hört statt das Evan­ge­li­um zu ver­kün­den, wenn er sich auf die Welt aus­rich­tet statt auf Gott, wenn er die Kin­der nicht betreut durch rech­te Unter­wei­sung, durch Sakra­men­ten­spen­dung, durch Beicht­hö­ren. (Der Hl. Pfar­rer von Ars war ein über­aus frucht­ba­rer Geist­li­cher Leh­rer, das Gegen­teil von ste­ril.)

    zu 2) sol­che Prie­ster fin­den sich vor allem im Novus Ordo, denn er ver­lei­tet durch sei­ne Welt­zu­ge­wandt­heit und Ver­kopft­heit zu die­ser Art von Ste­ri­li­tät. Sie fin­den sich unter den Theo­lo­gen, die vie­le Wor­te machen, aber sel­ber davon nichts in die Tat umset­zen und auch nicht der Lage sind, ande­re dazu anzu­lei­ten. Das ist die eigent­li­che Unfrucht­bar­keit. Eine Theo­lo­gie der Wor­te. Was nüt­zen die Wor­te, wenn kei­ne Taten fol­gen.

  18. Die Prie­ster der alten Kir­che waren sel­ten ste­ril. Die alt­gläu­bi­gen Prie­ster von heu­te sind eben­falls sel­ten ste­ril.
    Möge P. Franz die­se Din­ge doch wahr­neh­men.

    • Ich kann Ihrer Inter­pre­ta­ti­on der Rede vom „keim­frei­en, ste­ri­len“ Prie­ster vie­les abge­win­nen.
      Aber Sie wer­den mir wahr­schein­lich recht geben, dass Fran­zis­kus in sei­ner Rede eher die „Rigo­ri­sten“ im Blick hat, die sich an die Leh­re klam­mern, ohne mit dem Leben „da drau­ßen“ in ech­ten Kon­takt kom­men zu wol­len. Und in sei­ner Optik wer­den die­se wohl eher bei den alt­gläu­bi­gen Prie­stern zu fin­den sein, als im Novus Ordo. (Daher ja auch ihr berech­tig­ter Appell zum Schluss.)
      Ich wäre im übri­gen der letz­te, der die von mir hoch­ge­schätz­ten Prie­ster, wel­che sich dem Vetus Ordo wid­men, als hart­her­zi­ge Rigo­ri­sten kari­kie­ren möch­te. Aber es mag unter ihnen durch­aus auch ein­zel­ne geben, die in die­se Rich­tung ten­die­ren. Und das hat es in der alten Kir­che eben­so gege­ben — mehr als heu­te aus dem ein­fa­chen Grund, dass es frü­her selbst­ver­ständ­lich war, die rech­te Leh­re voll­stän­dig zu ver­tre­ten; die­se aber konn­te und kann äußer­lich, kalt, ungei­stig, ohne Lie­be, eben rigo­ri­stisch ergrif­fen wer­den.
      Und die­ser Rigo­ris­mus — da möch­te ich Fran­zis­kus recht geben — kann ste­ril, keim­frei, ein Papier­glau­be, Pha­ri­sä­er­tum sein.
      Was aber den von Ihnen zurecht ins Spiel gebrach­ten Novus Ordo betrifft, so liegt — und es ist dies eine Emp­fin­dung, die ich seit Kin­des­bei­nen hat­te — m. E. über dem gan­zen Ritus eine eigen­ar­ti­ge Atmo­sphä­re der Ste­ri­li­tät (abge­dämpft nur, wenn der Römi­sche Kanon ver­wen­det wird). Damals wuss­te ich noch nicht, dass er eine „Schreib­tisch­tat“ ist, aber eben das ist es, was man ihm förm­lich „anriecht“.
      (Ein Buch des Psy­cho­ana­ly­ti­kers und Sozio­lo­gen Alfred Loren­zer: Das Kon­zil der Buch­hal­ter, bringt dazu vie­le tref­fen­de, scharf­sich­ti­ge Beob­ach­tun­gen — wohl­ge­merkt, eines Ungläu­bi­gen. Die Pius­bru­der­schaft hat­te es frü­her im Ange­bot.)
      Natür­lich haben Sie recht: Vor allem unter den NOM-Prie­stern gibt es (lei­der) vie­le, die, im ech­ten, tie­fen Sin­ne, kei­ne geist­li­chen Kin­der haben.
      Für mich drängt sich in die­sem Zusam­men­hang aber ein ande­res Wort auf, das sich mit „ste­ril“ nicht eben gut zu ver­tra­gen scheint. Man möge mir das star­ke Wort ver­zei­hen: Aber haben nicht vie­le NOM-Fei­ern (über die Prie­ster möch­te ich schwei­gen) heu­te etwas „Fau­li­ges“ an sich…?
      Aber viel­leicht wäre das ja sogar ein pas­sen­des Oxy­mo­ron für viel, was heu­te in den Kir­chen geschieht: fau­li­ge Ste­ri­li­tät. (Trau­rig, so etwas zu sagen!)
      Und da möch­te ich noch­mals an schon Gesag­tes anschlie­ßen: Ste­ri­li­tät, Keim­frei­heit — das hat mit Schön­heit nichts zu schaf­fen. Schön­heit und Rein­heit mit Ste­ri­li­tät und Keim­frei­heit in einen Topf zu wer­fen, geht nicht an, weder im Blick auf die Natur, noch im Blick auf Gei­sti­ges und Geist­li­ches.
      Ist das „pin­ge­lig“, Wort­klau­be­rei? Ich glau­be nicht. In die­sen klei­nen Wen­dun­gen kann sich manch­mal viel offen­ba­ren.

    • (Fort­set­zung)

      Die katho­li­sche Kir­che hat­te immer sehr viel Sinn für Schön­heit — aus­ge­nom­men (mal wie­der) die letz­ten 50 Jah­re. Geist­li­che Rein­heit und Schön­heit — das Ide­al für jeden Prie­ster — setz­te sich um in die sinn­lich-gei­sti­ge Schön­heit der Kunst, und die­se wirk­te zwang­los auf die Natur der Men­schen, mach­te sie auf­nah­me­fä­hig für die Über­na­tur.
      Bene­dikt ver­such­te auch da, zu kor­ri­gie­ren. Ihm wäre im übri­gen eine sol­che Begriffs­ver­men­gung, wie sie Fran­zis­kus hier anstellt (man unter­schät­ze sie nicht), nie unter­lau­fen.

      • @Kyrillus
        Ja, ist mir klar, er scheint wirk­lich die Alt­gläu­bi­gen zu mei­nen, denn nur an ihnen kri­ti­siert er her­um. Aller­dings ist es ein Witz, die­se paar weni­gen unter den eh schon weni­gen anzu­füh­ren. Heu­te gibt es fast kei­ne Rigo­ri­sten mehr, aus­ge­stor­ben, selbst unter den Alt­gläu­bi­gen. Ich per­sön­lich ken­ne kei­nen.
        Daher die bewuß­te Retour­kut­sche von mir.

        Wenn etwas ste­ril ist, dann ist es die VKII Kir­che. Nach dem Bil­der­sturm, wo alles geist­li­che Leben hin­weg­ge­fegt wur­de, ist sie öd gewor­den. Sie bringt nichts mehr her­vor. Unfrucht­bar. Die Orden haben seit­her kei­nen Nach­wuchs mehr, in den NOM Got­tes­dien­sten sind kaum noch jun­ge Leu­te zu sehen. Ja, man muß sich das ein­mal vor­stel­len, wer schenkt denn Frucht­bar­keit für die Kir­che? Der neu­en Kir­che, die weit­ge­hend unfrucht­bar ist, scheint doch der Segen von oben zu feh­len.

        Ganz schlimm wird es, wenn man an die neu gebau­ten Kir­chen denkt. Die­se sind wirk­lich keim­frei, ste­ril, kalt und oft­mals häß­lich, eben nicht schön — da macht er einen Bruch hin­ein in sei­ne Rede.
        Sel­ber scheint er nicht zu sehen, daß er mit sei­ner Ankla­ge unbe­ab­sich­tigt eine Selbst­an­kla­ge erhebt, wenn er an die­ser kal­ten neu­en Kir­che fest­hält und sie auch noch als die bes­se­re hin­stellt gegen­über der tra­di­tio­nel­len Kir­che.
        Daß er mit der Schön­heit ein Pro­blem hat, zeigt er in jeder Mes­se, wo er schlud­rig schnell das gan­ze „her­un­ter­fei­ert“.

        • „Rigo­ris­mus“, im Sin­ne einer Grund­hal­tung, scheint es mir mit­un­ter schon noch zu geben (z.B. im Opus Dei), nur dann meist in einer — weil auf „auf­ge­weich­ter“ Leh­re basie­rend — moder­nen Spiel­art, die etwas ande­res und weit unge­nieß­ba­rer ist, als die alte.
          Im übri­gen lie­ßen sich ja die Invek­ti­ven gegen die „Alt“- und „tra­di­tio­nell“ Gläu­bi­gen von sei­ten der „Neu“- oder „Kon­zils­gläu­bi­gen“ und im Namen des „rech­ten Glau­bens“ selbst als rigo­ri­stisch bezeich­nen.

          Dumm­dreist-ver­lo­gen rigo­ri­stisch — in der Tat eine neue Spiel­art…

          Ihren Beob­ach­tun­gen kann ich des wei­te­ren nur zustim­men.

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