Bischof Kurt Krenn — „Sorge um die Kirche hat sein Leben bestimmt“

Bischof Kurt Krenn, unerschütterlicher Streiter für den Glauben und die Kirche(St. Pöl­ten) Die öster­rei­chi­sche Diö­ze­se Sankt Pöl­ten ver­öf­fent­lich­te einen Nach­ruf von Bischof Klaus Küng auf sei­nen Amts­vor­gän­ger Alt­bi­schof Kurt Krenn, der am Sams­tag um 20.17 Uhr nach lan­ger, schwe­rer Krank­heit im 78. Lebens­jahr ver­stor­ben ist. Bischof Kurt Krenn war von 1987 bis 1991 Weih­bi­schof der Erz­diö­ze­se Wien und von 1991 bis 2004 Diö­ze­san­bi­schof von St. Pöl­ten. Bischof Krenn, ein unbeug­sa­mer Strei­ter für die Kir­che, wur­de erst gebeugt, als ihm vor fast zehn Jah­ren, am 29. Sep­tem­ber 2004 mit­ge­teilt wur­de, der bereits schwer kran­ke Papst Johan­nes Paul II. wün­sche sei­nen Rück­tritt. Krenn gehorch­te, trat zurück und führ­te seit­her ein zurück­ge­zo­ge­nes, immer mehr von Krank­heit gepräg­tes Leben eines gebro­che­nen Kämp­fers. Ein muti­ger Strei­ter, dem gro­ßes Unrecht zuge­fügt wur­de, eine uner­schrocke­ne katho­li­sche Stim­me, die zu früh zum Schwei­gen gebracht wurde.
Wir doku­men­tie­ren, die Stel­lung­nah­me von Bischof Klaus Küng zum Tod von Bischof Kurt Krenn.

„Sorge um die Kirche hat sein Leben bestimmt“

„Im Rück­blick auf jedes Leben gibt es Licht und Schat­ten“, so Bischof Küng, „und manch­mal kommt es bei einem umstrit­te­nen Men­schen auf den eige­nen Stand­punkt an zu ent­schei­den, wo das Licht endet und der Schat­ten beginnt. Bischof Kurt mag Schwä­chen gehabt haben; sei­ne Auf­trit­te und Äuße­run­gen haben sicher man­che Men­schen gereizt, ja geär­gert und gekränkt. Ver­ges­sen wir dabei aber auch nicht, dass die Sor­ge um die Kir­che und ihre Sen­dung sein Leben bestimmt haben. In die­ser Hin­sicht kann er für jeden und jede von uns ein Vor­bild sein.“

Kurt Krenn wur­de am 28. Juni 1936 in Ranna­riedl (Ober­öster­reich) gebo­ren, als zwei­tes von sechs Kin­dern der Fami­lie des Leh­rers Karl Krenn, der im Krieg gefal­len ist. Die Volks­schu­le hat er in Ober­kap­pel und das Gym­na­si­um in Schlier­bach absol­viert. 1954 trat er in das Prie­ster­se­mi­nar Linz ein und stu­dier­te Theo­lo­gie zunächst an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Lehr­an­stalt Linz, danach Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie an der Gre­go­ria­na und Kir­chen­recht an der Late­ran-Uni­ver­si­tät in Rom.

Am 7. Okto­ber 1962 wur­de er in der Kir­che Sant’Ignazio in Rom zum Prie­ster geweiht. Es folg­ten Stu­di­en in Tübin­gen und Mün­chen wo er von 1966 – 1970 als Assi­stent an der theo­lo­gi­schen Fakul­tät wirk­te. 1970 – 1975 war er Pro­fes­sor der Phi­lo­so­phie an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le in Linz und 3 Seme­ster Lehr­be­auf­trag­ter an der Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le St. Pöl­ten, 1975 wur­de er als ordent­li­cher Pro­fes­sor auf den Lehr­stuhl für „Syste­ma­ti­sche Theo­lo­gie“ an der Katho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Regens­burg berufen.

„Als Pro­fes­sor wur­de er von nicht weni­gen sehr ver­ehrt“, erin­nert Bischof Küng. „Sei­ne Vor­trags­wei­se war aus­ge­zeich­net durch Klar­heit und Tie­fe mit der beson­de­ren Fähig­keit, die gro­ßen Zusam­men­hän­ge sowie die Bezü­ge zu den aktu­el­len Pro­blem­stel­lun­gen auf­zu­zei­gen. Er hat­te ein außer­or­dent­lich gutes Gedächt­nis und eine glän­zen­de For­mu­lie­rungs­ga­be, war sehr kon­takt­fä­hig, auch mit ein­fa­chen Leu­ten im Gespräch. Immer hat ihn eine gro­ße Dis­ku­tier­freu­dig­keit ausgezeichnet.“

Krenn hat in sei­ner Regens­bur­ger Zeit ger­ne seel­sorg­li­che Aus­hil­fen in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de gelei­stet, war auch zur Fei­er von Got­tes­dien­sten für beson­de­re Anlie­gen wie z. B. Lebens­schutz bereit.

Als Kurt Krenn am 3. März 1987 zum Weih­bi­schof von Wien ernannt wur­de, erfuhr er von Anfang an star­ken Wider­stand, wobei er die Aus­ein­an­der­set­zung nicht scheu­te. Betraut mit den Berei­chen Kunst, Kul­tur und Wis­sen­schaft konn­te er sei­ne Anlie­gen in Vor­trä­gen, Pre­dig­ten und Inter­views gut zur Spra­che brin­gen. „Ihm ging es vor allem um die Auf­ga­be der Kir­che als Ver­kün­de­rin der Wahr­heit für die Men­schen aller Zei­ten, auch unse­rer Zeit“, betont Bischof Küng. „Beson­ders enga­giert ver­tei­dig­te er das Recht auf Lebens­schutz jedes Men­schen ab dem Augen­blick der Emp­fäng­nis zum natür­li­chen Tod und ver­such­te, jede Gele­gen­heit zu nüt­zen, um die Rol­le der Fami­lie für die Ent­wick­lung der Gesell­schaft und die im Wesen des Men­schen selbst ver­wur­zel­te und begrün­de­te Bedeu­tung der mensch­li­chen Sexua­li­tät dar­zu­le­gen sowie das rech­te Ver­ständ­nis des Gewis­sens, ins­be­son­de­re auch in sei­nem Bezug zu den Gebo­ten Got­tes, auf­zu­zei­gen. Die Dis­kus­sio­nen, die er aus­lö­ste, waren aller­dings oft heftig.“

Bischof Krenns Wir­ken als Diö­ze­san­bi­schof von St. Pöl­ten wur­de dann – wohl auch gera­de wegen der vor­an­ge­gan­ge­nen Dis­kus­sio­nen – „sehr schwie­rig“, so Küng. „Es gelang Bischof Krenn nicht, die ent­stan­de­nen Pola­ri­sie­run­gen mit der Zeit abzu­bau­en. Die­se haben sich im Ver­lau­fe der Jah­re sogar lei­der ver­stärkt, wobei eine Viel­zahl von Fak­to­ren eine Rol­le spiel­te. Gera­de des­halb ist es auch heu­te noch nicht leicht, sei­ner Per­son, sei­nem Ein­satz und sei­nen Bemü­hun­gen gerecht zu wer­den. Wer ihn näher gekannt hat, weiß, dass er unter der Situa­ti­on nicht wenig gelit­ten hat; man darf aber auch nicht über­se­hen, dass unter den auf­ge­tre­te­nen Span­nun­gen vie­le ande­re litten.“

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