Programm der Heilig-Land-Reise des Papstes — Begegnung mit allen christlichen Konfessionen in Grabeskirche

Papst Franziskus bei Inthronisation mit Patriarch Bartholomäus(Rom) Ende Mai wird Papst Fran­zis­kus das Hei­li­ge Land besu­chen. Beglei­tet wird er dabei von sei­nem Freund, dem argen­ti­ni­schen Rab­bi­ner Abra­ham Skorka. Lang­sam wer­den Ein­zel­hei­ten des Rei­se­pro­gramms bekannt. Fix­punkt ist eine Begeg­nung mit dem Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Bar­tho­lo­mä­us I. von Kon­stan­ti­no­pel am 25. Mai in der Grabeskirche.

Am Nach­mit­tag des 25. Mai, einem Sonn­tag, fin­det in der Jeru­sa­le­mer Gra­bes­kir­che die öku­me­ni­sche Begeg­nung zwi­schen dem Kir­chen­ober­haupt der latei­ni­schen Chri­sten und dem Ehren­ober­haupt der byzan­ti­ni­schen Chri­sten statt. Mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit wird sie vor dem lee­ren Grab statt­fin­den. „Ein wirk­lich wich­ti­ger Moment“, so Vale­ria Mar­ta­no von der Gemein­schaft Sant’Egidio, die sich gera­de mit einer Dele­ga­ti­on in Jeru­sa­lem befin­det, um der histo­ri­schen Begeg­nung zwi­schen Papst Paul VI. und dem dama­li­gen Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Athen­ago­ras von Kon­stan­ti­no­pel zu gedenken.

Papst und Ökumenischer Patriarch gemeinsam in Grabeskirche von Jerusalem

An der Begeg­nung im Mai wer­den, so der Wunsch des Hei­li­gen Stuhls, alle christ­li­chen Kon­fes­sio­nen des Hei­li­gen Lan­des teilnehmen.

Offi­zi­ell wer­den Papst Fran­zis­kus und Patri­arch Bar­tho­lo­mä­us Gäste des ortho­do­xen Metro­po­li­ten von Jeru­sa­lem sein. Gedacht sei dar­an, daß Papst und Patri­arch gemein­sam die Gra­bes­kir­che betre­ten, um in deren Inne­ren gemein­sam die Ver­tre­ter aller christ­li­chen Kon­fes­sio­nen zu tref­fen. Gela­den wer­den sol­len alle Chri­sten des Hei­li­gen Lan­des, neben den latei­ni­schen Chri­sten alle mit Rom unier­ten Ost­kir­chen, alle ortho­do­xen Kir­chen, eben­so die Arme­ni­er, die Kop­ten und die Äthio­pi­er sowie die Angli­ka­ner und wer noch im Hei­li­gen Land ver­tre­ten ist.

Vale­ria Mar­ta­no, die eine Bio­gra­phie über Patri­arch Athen­ago­ras ver­öf­fent­lich­te, beton­te gegen­über Vati­can Insi­der die Bedeu­tung des „bereits zurück­ge­leg­ten Weges“: „Wir nei­gen dazu, auf den Weg zu schau­en, der noch vor uns liegt und wer­den uns nicht bewußt, wie­viel Weg bereits zurück­ge­legt wur­de“. Durch die Begeg­nung zwi­schen Paul VI. und Athen­ago­ras I. im Jahr 1964 sei ein neu­es „Kli­ma“ ent­stan­den, das Eis sei gebro­chen wor­den. Schritt­wei­se folg­ten wei­te­re Begeg­nun­gen ortho­do­xer Kir­chen­ver­tre­ter, die den Schritt von Patri­arch Athen­ago­ras zunächst noch scharf ver­ur­teilt hat­ten. Inzwi­schen feh­le nur mehr eine Begeg­nung zwi­schen dem katho­li­schen Papst und dem rus­sisch-ortho­do­xen Patri­ar­chen. Auch dies­be­züg­lich sei­en gro­ße Schritt zur Vor­be­rei­tung einer histo­ri­schen Begeg­nung unter­nom­men wor­den. Die Begeg­nung selbst lie­ge bereits in der Luft.

Erste Reise, die Papst Franziskus entschieden hat: Kirche von Jerusalem als Mittelpunkt

Der Besuch Jeru­sa­lems, so Vale­ria Mar­ta­no, wer­de die erste von Papst Fran­zis­kus ent­schie­de­ne Rei­se sein. Die Rei­se zum Welt­ju­gend­tag in Rio de Janei­ro habe der neue Papst noch von sei­nem Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. über­nom­men. Die Ent­schei­dung aber, nach Jeru­sa­lem zu gehen und sich dort mit dem öku­me­ni­schen Patri­ar­chen zu tref­fen, aber auch die Tat­sa­che, daß er die Rei­se selbst in Beglei­tung eines Rab­bi­ners unter­neh­me, sei eine „Wei­chen­stel­lung“. Papst Fran­zis­kus fol­ge damit der Begeg­nung von 1964, die „der ortho­do­xen Welt den Wil­len der Katho­li­ken zu ver­ste­hen gab, sich um die Kir­che von Jeru­sa­lem zu scha­ren“, so Mar­ta­no. Fran­zis­kus zei­ge damit erneut, „daß Rom die Wur­zeln des Evan­ge­li­ums in den Mit­tel­punkt stellt und vom lee­ren Grab ausgeht“.

Siche­re Etap­pen der Papst-Rei­se, wie Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen Sonn­tag selbst bekannt­gab, wer­den die jor­da­ni­sche Haupt­stadt Amman, Bet­le­hem und Jeru­sa­lem sein. Anfangs gab es hef­ti­ge Kri­tik, weil nur ein Kurz­be­such von drei Tagen beab­sich­tigt ist. So lan­ge hat­te auch der Auf­ent­halt von Papst Paul VI. gedau­ert. Es ist bekannt, daß Papst Fran­zis­kus nicht ger­ne reist. Inzwi­schen haben sich die Pole­mi­ken gelegt. Die Absicht der Rei­se scheint all­ge­mein aner­kannt zu werden.

Begegnung mit syrischen Flüchtlingen in Amman, Heilige Messe in Betlehem

Der Papst wird in Amman in Jor­da­ni­en lan­den, wo ein Abend­essen mit eini­gen syri­schen Flücht­lin­gen geplant ist. Mit dem Hub­schrau­ber wird er am näch­sten Mor­gen nach Bet­le­hem flie­gen, das den Palä­sti­nen­ser Behör­den unter­stellt ist. Bür­ger­mei­ste­rin der Stadt ist eine Chri­stin. Dort wird das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt eine Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren. Am Nach­mit­tag folgt die Wei­ter­rei­se von den palä­sti­nen­sisch kon­trol­lier­ten in die israe­lisch kon­trol­lier­ten Tei­le des Hei­li­gen Landes.

Vale­ria Mar­ta­no berich­tet, daß sie mit der Gemein­schaft Sant’Egidio auch Kon­tak­te mit dem Groß­rab­bi­nat von Isra­el hat­te. Dort zei­ge man sich sehr zufrie­den dar­über, daß der Papst „am Sonn­tag nach Bet­le­hem und Jeru­sa­lem kom­men wer­de und nicht am Sabbat“.

Wahr­schein­lich wer­de der Papst im Hub­schrau­ber von Bet­le­hem nicht direkt nach Jeru­sa­lem flie­gen, son­dern zuerst nach Tel Aviv und dann von dort nach Jeru­sa­lem, um am Nach­mit­tag mit dem Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen und den christ­li­chen Ver­tre­tern zusammenzutreffen.

An Begegnung des Papstes mit Großrabbinat wird gearbeitet

Gear­bei­tet wer­de auch an einer Begeg­nung mit den jüdi­schen Reli­gi­ons­ver­tre­tern am Sitz des Groß­rab­bi­nats, das sich in der Nähe der Kla­ge­mau­er befindet.

In der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit brach das israe­li­sche Groß­rab­bi­nat bereits mehr­fach die Bezie­hun­gen zum Hei­li­gen Stuhl ab, um gegen uner­wünsch­te Ent­schei­dun­gen zu pro­te­stie­ren. Die Bezie­hun­gen konn­ten jedoch schnell wie­der­her­ge­stellt wer­den. Zuletzt war die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on der vier Bischö­fe der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Ene Janu­ar 2009 Anlaß dafür. Doch bereits am 12. März des­sel­ben Jah­res konn­te Papst Bene­dikt XVI. eine Dele­ga­ti­on des Groß­rab­bi­nats in Audi­enz empfangen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Vati­can Insider

6 Kommentare

  1. Wie­der die­ser rela­ti­vi­sti­sche Öku­me­nis­mus zum Anfas­sen. Anstatt die Irr­gläu­bi­gen (die sog. „Ortho­do­xen“ [die ja eben nicht ortho­dox [= recht­gläu­big] sind]) und die Ungläu­bi­gen (die Juden und Mus­li­me) zur Bekeh­rung auf­zu­ru­fen, wird wie­der ein Assi­si im Klei­nen ver­an­stal­tet, noch dazu am Ort unse­rer Erlö­sung. Die Katho­li­ken und die „Ortho­do­xen“ soll­ten sich nicht gemein­sam um die Kir­che von Jeru­sa­lem scha­ren, son­dern die „Ortho­do­xen“ müs­sen sich um die Kir­che von Rom scharen.

    • Ob das eine gute Idee ist, Herr Tra­di­di, weiß ich nicht. Den Ortho­do­xen kann man schlecht zumu­ten, mit Leu­ten in Uni­on zu tre­ten, die eine frag­wür­di­ge Lit­ur­gie zele­brie­ren, die eine empö­ren­de Aus­tei­lung der Hl. Kom­mu­ni­on prak­ti­zie­ren. Von Rechtgläubigkeit
      in der röm.kath. Kir­che kann ohne Leicht­fer­tig­keit nicht mehr gespro­chen wer­den. Bei aller Kri­tik, die man an den Ortho­do­xen üben kann, muß man doch sagen, daß sie en bloc recht­gläu­bi­ger sind, als der­zeit die röm. Kir­che ist.

      • Stim­me ich voll zu, gegen­über der Kon­zils­kir­che sind sie sicher rechtsgläubig.
        Ist eigent­lich inter­es­sant, war­um es bei den Schis­ma­ti­kern kei­ner­lei ernst­zu­neh­men­de Ten­den­zen zur Pro­te­stan­ti­sie­rung gibt. Sie sind ohne Fra­ge immer Tra­di­tio­na­li­sten, wie furcht­bar, in der West­kir­che schaut es ganz anders aus …

        • Es gibt bei den Ortho­do­xen durch­aus auch pro­gres­si­ve Ten­den­zen ver­su­chen Sie mal Lima Lit­ur­gie (das ist ein Ver­such eine öku­me­ni­sche Lit­ur­gie zu schaf­fen) zu ergoog­len. Da waren auch Ortho­do­xe bei beteiligt.
          AUfs Gan­ze gese­hen, sind die Ortho­do­xen jedoch fei­er­li­cher, als die Latei­ner und ich den­ke auch dass den (mei­sten) Ortho­do­xen eine trid. Mes­se mehr sagt als eine Mes­se mit irgend­wel­chen Events. Wobei ich mich immer fra­ge wie sich gestan­de­ne Män­ner für der­erlei Pein­lich­kei­ten her­ge­ben können?

  2. Es gibt kei­nen ortho­do­xen Metro­po­li­ten von Jeru­sa­lem, nur den Patriarchen.

  3. Hil­ari­on von Mos­kau streut schon ordent­lich Sand ins öku­me­ni­sche Getrie­be. Am 26. Dez. gab er ein Schrei­ben zum Pri­mat her­aus- wo er einen Pri­mat des Bischofs von Rom kate­go­risch aus­schließt- den hät­te es- bis zum Schis­ma von 1054 wohl gege­ben- nach dem Bruch aber sei der Pri­mat für die ortho­do­xen Kir­chen auf den Sitz von Kon­stan­ti­no­pel über­ge­gan­gen und bis heu­te und für die Zukunft dort geblie­ben. Der Bischof von Rom sei der Pri­mus der Römi­schen Kir­che- jede Aus­wei­tung auf die Uni­ver­sa­le Kir­che nur dem Papis­mus geschul­det. Im Übri­gen ste­he der Pri­mat über die Uni­ver­sa­le Kir­che nur einem zu : ihrem Haupt Jesus Christus.
    Kar­di­nal Koch ist dem­entspre­chend auch mit lee­ren Hän­den aus Russ­land zurückgekehrt,

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