Warnung vor „der Warnung“

warnungbild1von P. Andre­as Mähl­mann (FSSPX)

Eine bis vor kur­zem unbe­kann­te Per­son, die sich den Namen „Maria von der gött­li­chen Barm­her­zig­keit“ gege­ben hat, will seit Ende 2010 fast täg­lich eine Bot­schaft — ent­we­der von Jesus, von Maria oder von Gott Vater — emp­fan­gen haben, die sie in meh­re­ren Spra­chen über Inter­net unter dem Titel „Die War­nung!“ ver­brei­ten läßt, ohne vor­her das Urteil der zustän­di­gen kirch­li­chen Auto­ri­tät ein­zu­ho­len bzw. ihr über­haupt die Mög­lich­keit zu einer Unter­su­chung zu geben.

Sie nimmt für sich eine gött­li­che Sen­dung in Anspruch, der gan­zen Welt ihre Bot­schaf­ten mit­tei­len zu müs­sen, als Vor­be­rei­tung auf die Ereig­nis­se der letz­ten Zei­ten. Die­se Akti­vi­tä­ten müs­sen nicht nur wegen des Agie­rens aus der Dun­kel­heit her­aus als sehr gefähr­lich ein­ge­stuft wer­den (wer der Wahr­heit ver­pflich­tet ist, hat kei­ne Furcht vor einer Prüfung!).

Vie­le Katho­li­ken haben ange­sichts der Kri­se der kirch­li­chen Auto­ri­tät, ange­sichts der Ver­wir­rung in Glau­bens­fra­gen, das Gefühl, daß ihnen der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen wird. Wer kann noch Klar­heit, wer kann noch Sicher­heit ver­mit­teln? In die­ser schwer­wie­gen­den see­li­schen Not ist es eine ech­te Ver­su­chung, einem ande­ren Lehr­amt zu glau­ben, Pri­vat­per­so­nen näm­lich, die für sich in Anspruch neh­men, in direk­ten Kon­takt mit dem Him­mel zu ste­hen und die Bot­schaf­ten ver­kün­den, die für die gan­ze Welt bestimmt sei­en. Das macht die Fas­zi­na­ti­on der Pri­va­tof­fen­ba­run­gen in Zei­ten der Ver­wir­rung aus: ein schein­bar gött­li­ches Wort zu haben, das Klar­heit bringt.

Die nach­fol­gen­den Zei­len wol­len die katho­li­sche Hal­tung, mit angeb­lich himm­li­schen Bot­schaf­ten umzu­ge­hen, auf­zei­gen und bei­spiel­haft eini­ge kla­re inhalt­li­che Bele­ge dafür bie­ten, daß die War­nung nicht „echt“ ist. Letz­te­res liegt im übri­gen seit Novem­ber offen zu Tage, seit dem die so genann­te Sehe­rin iden­ti­fi­ziert wer­den konn­te — als eine der erfolg­reich­sten PR-Unter­neh­mer Irlands, die inten­siv ver­quickt ist mit Eso­te­ri­kern und Sek­tie­rern. Die genann­te Sehe­rin spricht schein­bar genau die rich­ti­gen The­men an: den Ein­fluß der Frei­mau­re­rei auf die Kir­che, das Bestre­ben böser Ver­schwö­run­gen, die Kir­che Got­tes zu ver­än­dern, die Irre­füh­rung vie­ler Gläu­bi­gen durch kirch­li­che Obrig­kei­ten, die War­nung vor der ewi­gen Ver­damm­nis und die Ankün­di­gung eines gött­li­chen Ein­grei­fens. Kön­nen sol­che war­nen­de Wor­te vom Teu­fel kom­men? Es braucht die Gabe der Unter­schei­dung der Gei­ster. Grund­sätz­lich gilt: Ein Kri­te­ri­um für die Echt­heit ist nicht, ob eine Pri­va­tof­fen­ba­rung etwas Rich­ti­ges sagt, son­dern ob alles der Wahr­heit, das heißt dem katho­li­schen Dog­ma, ent­spricht. Etwas über­spitzt gesagt: Was von Gott kommt ist irr­tums­los von Anfang bis Ende, was vom Gegen­spie­ler kommt, kann zu 99% irr­tums­los sein, aber nicht zu 100%. Der Teu­fel ist kein Pre­di­ger der Wahr­heit, dar­um ließ ihn unser Herr bei den im Evan­ge­li­um berich­te­ten Teu­fels­aus­trei­bun­gen auch nicht zu den Leu­ten spre­chen; der Teu­fel nimmt wenn es sein muß 99% Wahr­heit in Kauf, als seri­ös erschei­nen­de Ver­packung, um an einem Punkt das Gift hin­ein zu sprit­zen, das den Glau­ben ver­fälscht. Dar­um ist es noch kein Beweis der Echt­heit, wenn „die War­nung“ schein­bar die rich­ti­gen The­men anspricht; jeder, der die ein­schlä­gi­ge Lite­ra­tur über die Revo­lu­ti­on in der Kir­che kennt und die aktu­el­len Nach­rich­ten mit­ver­folgt, kann mit ein wenig Phan­ta­sie sol­che Bot­schaf­ten „pro­du­zie­ren“. Was aber auf­hor­chen läßt, sind Ein­las­sun­gen die­ser Art, die ein­deu­tig auf den Vater der Lüge verweisen:

Botschaft 59 — Mittwoch, 6. April 2011: Urteilt niemals über andere Religionen, Glaubensbekenntnisse oder sexuelle Ausrichtungen

… Sagt nie­mals jenen ande­rer Glau­bens­be­kennt­nis­se oder sexu­el­ler Aus­rich­tung, sie sei­en ver­dammt. Wenn ihr Mei­ne Leh­ren in einer Wei­se zu for­cie­ren ver­sucht, indem ihr den­je­ni­gen, die nicht Anhän­ger sind, sagt, dass sie zugrun­de gehen oder Scha­den erlei­den wer­den, und indem ihr ihre Gewohn­hei­ten als „böse“ bezeich­net, wird sie das ein­fach schwä­cher machen als zuvor. Vie­le wer­den euch ein­fach den Rücken keh­ren. Dann wer­det ihr ver­sagt haben. Ent­hal­tet euch also der Belehrung.

Zeigt Barm­her­zig­keit. Belehrt durch euer Bei­spiel. Sagt die­sen Men­schen nie­mals, nicht ein­mal ver­suchs­wei­se, dass sie in Mei­nen Augen ver­dammt sei­en; denn das sind sie nicht. Ich lie­be jede ein­zel­ne See­le, aller Reli­gio­nen, aller Glau­bens­rich­tun­gen, aller Glau­bens­be­kennt­nis­se, aller sexu­el­len Aus­rich­tun­gen… Umarmt ein­an­der. Zeigt ein­an­der Barm­her­zig­keit. Schließt nie­man­den aus, unab­hän­gig davon, ob sie katho­lisch sind, ob sie einer ande­ren christ­li­chen Kon­fes­si­on ange­hö­ren, ob sie isla­mi­schen, hin­du­isti­schen, jüdi­schen, bud­dhi­sti­schen Glau­bens sind „” sogar ob sie jenen neu­en nun­mehr ent­stan­de­nen Kul­ten anhän­gen, die nicht an Gott, den Ewi­gen Vater glauben…

Es ist eine Blas­phe­mie, eine sol­che Rede­wei­se unse­rem Herrn Jesus Chri­stus zuzu­schrei­ben. Man ver­glei­che bei­spiels­wei­se mit den ersten bei­den Kapi­teln des Römer­brie­fes. Ein wei­te­rer Kom­men­tar die­ses Zitats erüb­rigt sich. Die­ses eine Bei­spiel ist für sich genom­men schon aus­rei­chend, um die­se angeb­li­chen Bot­schaf­ten als unse­ri­ös zu ent­lar­ven. Damit aber deut­lich wird, daß es sich nicht um ein Ein­zel­bei­spiel, son­dern um eine durch­ge­hen­de Linie han­delt, sei­en wei­te­re angeführt:

Das I. Vati­ka­ni­sche Kon­zil lehrt dog­ma­tisch, daß wir mit unse­rem Ver­stand zwei­fels­frei die Exi­stenz Got­tes aus der sicht­ba­ren Welt erken­nen kön­nen: „Wer sagt, der eine und wah­re Gott, unser Schöp­fer und Herr, kön­ne nicht durch das, was gemacht ist, mit dem natür­li­chen Licht der mensch­li­chen Ver­nunft sicher erkannt wer­den, der sei aus­ge­schlos­sen!“ (I. Vati­ka­num, Dei fili­us, 2 De reve­la­tio­ne, Kan.1) — Dem wider­spricht die Bot­schaft Nr. 787, die gera­de davon abrät auf die­sem Weg die Exi­stenz Got­tes zu ergründen:

„Ver­sucht nicht, mit dem Ver­stand zu argu­men­tie­ren, wenn ihr ver­sucht, Mei­ne Exi­stenz zu begrün­den, denn Ich bin nicht von die­ser Welt.“

Ein wei­te­res Bei­spiel: Der ‚Jesus‘ der angeb­li­chen Sehe­rin been­det eine sei­ner Bot­schaf­ten mit den Worten:

„Ich wer­de euch immer lie­ben, wie sehr ihr Mich auch belei­digt. Euer Jesus.“

Die­se Wor­te stel­len sowohl eine Bana­li­sie­rung der Sün­de dar, als auch eine Ver­fäl­schung der gött­li­chen Lie­be. Wer eine schwe­re Sün­de begeht, ver­liert die Got­tes­kind­schaft und das Wohl­ge­fal­len Gottes.

Des­wei­te­ren lehrt uns das Evan­ge­li­um, daß Jesus nur eine Kir­che gegrün­det hat — und zwar auf dem Fel­sen Petri (vgl. Mt 16,18). — Der ‚Jesus‘ der angeb­li­chen Sehe­rin spricht in den bis­he­ri­gen Bot­schaf­ten 13x von den ‚christ­li­chen Kir­chen‘ im Plu­ral, die ihm gleich wohl­ge­fäl­lig seien:

z.B.: Bot­schaft 814 — Diens­tag, 4. Juni 2013: Mein Weg ist sehr ein­fach. Ihr könnt Mir fol­gen, wie immer ihr wollt, aber ihr müsst Mich in Mei­nen Christ­li­chen Kir­chen ehren… Euer gelieb­ter Jesus

Es han­delt sich um eine neue Ter­mi­no­lo­gie, die aller­dings mit dem neu­ar­ti­gen Öku­me­nis­mus und dem neu­en Kir­chen­be­griff des II.Vatikanums kom­pa­ti­bel ist. Nie­mals zuvor hat man den Plu­ral ‚Kir­chen‘ auf schis­ma­ti­sche, kir­chen­ähn­li­che Gemein­schaf­ten ange­wandt, son­dern nur auf Orts­kir­chen der römisch katho­li­schen Kirche.

Datier­te Vor­aus­sa­gen haben sich nicht erfüllt. In der Bot­schaft vom 31.5.2011 heißt es, „die War­nung“ wür­de inner­halb „weni­ger Mona­te“ an statt­fin­den. Sie hat sich nicht inner­halb „weni­ger Mona­te“ ereig­net und auch nicht ein­mal inner­halb von zwei Jah­ren. — Zum Ver­gleich: Das Son­nen­wun­der von Fati­ma, das exakt mit Tag und Stun­de vor­her­ge­sagt war, hat zu genau die­sem Zeit­punkt stattgefunden.

Ein letz­tes Bei­spiel: Für Katho­li­ken ist die Hl.Schrift das Buch der Wahr­heit. — Die angeb­li­che Sehe­rin wagt es, ihre Offen­ba­run­gen unter dem Titel „Das Buch der Wahr­heit“ zu ver­kau­fen. Somit maßt sie sich an, mit der­sel­ben Auto­ri­tät zu spre­chen, wie das Evan­ge­li­um. Über sol­che hat der hl.Paulus sei­nen Fluch aus­ge­spro­chen. Nach­zu­le­sen im ersten Kapi­tel des Galaterbriefes.

Die­se Bei­spie­le zei­gen: Wenn man aus­blen­det, daß der Gegen­spie­ler Got­tes sich auch als ein Engel des Lich­tes zei­gen kann, daß also die Gefahr besteht unter dem Schein des Guten erst recht in die Irre geführt zu wer­den, begibt man sich in ern­ste Gefahr, einen ver­fälsch­ten Glau­ben anzu­neh­men. Dar­um ist die Grund­hal­tung der Skep­zis ver­nünf­tig, eben­so die Anwen­dung der erprob­ten Regeln zur Unter­schei­dung der Gei­ster. — Wol­len wir es etwa bes­ser wis­sen, als die Kir­che mit ihrer jahr­tau­se­n­al­ten Erfah­rung und als unser Herr Jesus Christus?

Der Teufel will uns unter dem Schein des Guten versuchen

„Hütet euch vor den fal­schen Pro­phe­ten, die in Schafs­klei­dern zu euch kom­men, inwen­dig aber rei­ßen­de Wöl­fe sind.“ (Mt 7,15) — Fal­sche Pro­phe­ten, die in Schafs­klei­dern kom­men, die sich ein harm­lo­ses Aus­se­hen geben und mit einer Stim­me spre­chen, die schein­bar von oben inspi­riert ist, weil sie viel Wah­res sagt — davor warnt uns unser Herr, wir könn­ten anson­sten Opfer rei­ßen­der Wöl­fe wer­den, die unser Leben bedro­hen, das Leben der See­le, das Leben der hei­lig­ma­chen­den Gna­de, unse­ren Glauben.

Der selig­ma­chen­de Glau­be ist nur der von den Apo­steln ver­kün­de­te Glau­be, so hat es Pau­lus den Korin­thern ein­ge­schärft: „Ihr erlangt durch das Evan­ge­li­um das Heil, wenn ihr es so fest­hal­tet, wie ich es euch ver­kün­det habe! Anson­sten“, so fährt er fort, „hät­tet ihr den Glau­ben ver­ge­bens ange­nom­men!“ (1 Kor 15,2). Mit aller Klar­heit wird uns hier vor Augen gestellt, daß ein ver­fälsch­ter Glau­be, ein Glau­be, der nicht mehr der Glau­be der Apo­stel ist, nicht mehr die Kraft hat, zu ret­ten: „Wenn ihr den Glau­ben nicht so fest­hal­tet, wie ich ihn euch gepre­digt habe, hät­tet ihr ihn ver­ge­bens ange­nom­men!“ Das bedeu­tet im Umkehr­schluß, daß der Teu­fel schon damit zufrie­den sein kann, wenn er die Men­schen ver­führt, einen ver­fälsch­ten Glau­ben anzu­neh­men. Es braucht gar nicht den Abfall von allen Glau­bens­wahr­hei­ten, er hat schon gewon­nen, wenn er die Men­schen dazu bringt, ihr Herz einem ver­än­der­ten Glau­ben zu öffnen.

Schon am Anfang der Kir­che hat der Teu­fel die­se Stra­te­gie ange­wen­det, zum Bei­spiel in der Gemein­de der Gala­ter. Gegen­über die­ser Gemein­de erhebt dar­um der hl.Paulus sei­ne Stim­me wie ein brül­len­der Löwe, weil er sie in Gefahr sieht und rüt­telt sie auf: „Es wun­dert mich, daß ihr so schnell von dem abfallt, der euch durch die Gna­de Chri­sti beru­fen hat, und euch einem ande­ren Evan­ge­li­um zuwen­det; und doch gibt es kein ande­res. Es sind nur gewis­se Leu­te, die euch ver­wir­ren und dar­auf aus­ge­hen, das Evan­ge­li­um Chri­sti zu ver­dre­hen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Him­mel euch an ande­res Evan­ge­li­um ver­kün­de­ten, als wir euch ver­kün­det haben, er sei ver­flucht!“ (Gal. 1,7) — Schon Pau­lus hielt es also für mög­lich, daß der Böse sich in engel­haf­ter Gestalt zeigt, die schein­bar vom Him­mel kommt, neue Leh­ren zu brin­gen und er warnt vor Men­schen, die sich zum Sprach­rohr die­ser Leh­ren machen.

Er fährt fort: „Das Evan­ge­li­um, das ich ver­kün­det habe, ist nicht Men­schen­werk, ich habe es nicht von einem Men­schen emp­fan­gen, son­dern durch eine Offen­ba­rung Jesu Chri­sti.“ (Gal 1,11) — Es ist ein Dog­ma, das heißt ein für alle Zei­ten fest­ste­hen­der Glau­bens­satz, daß die Offen­ba­rung Got­tes an uns Men­schen mit dem Tod des letz­ten Apo­stels sub­stan­ti­ell abge­schlos­sen ist. Nichts Neu­es kann mehr hin­zu­kom­men und schon gar kei­ne Abän­de­rung. Es kann kein neu­es Evan­ge­li­um geben. Die Wahr­hei­ten, die Gott uns im Alten Testa­ment durch die Patri­ar­chen und Pro­phe­ten, im Neu­en Testa­ment durch sei­nen Sohn Jesus Chri­stus und durch die Apo­stel geof­fen­bart hat, sind unver­än­der­lich, wie Er selbst unver­än­der­lich ist. — Wo fin­den wir sie? Im Buch der Wahr­heit, der Hl.Schrift, und in der zwei­ten Offen­ba­rungs­quel­le, der münd­li­chen Über­lie­fe­rung. Bei­des hat sei­ne Nie­der­schlag in der bestän­di­gen Leh­re der Kir­che gefun­den, bei den Kir­chen­vä­tern, bei den Kir­chen­leh­rern, in den Kon­zi­li­en und in den Enzy­kli­ken der Päp­ste. Was immer und über­all in der Kir­che geglaubt wur­de, gehört zwei­fels­frei zu die­ser ein­ma­li­gen gött­li­chen Offen­ba­rung, die kei­ne sub­stan­ti­el­le Erwei­te­rung mehr erfah­ren kann. Es gibt nichts, was ihr gleich käme, was in glei­cher Wei­se zum Glau­ben ver­pflich­ten würde!

Christ­lich glau­ben, katho­lisch glau­ben heißt, alles für wahr anneh­men, was Gott geof­fen­bart hat. — „Leh­ret alle Völ­ker alles hal­ten, was ich euch gebo­ten habe“ (Mt 28,19) — gebie­tet unser Herr Jesus Chri­stus sei­nen Apo­steln. Und er macht deut­lich, daß er von die­sem Glau­ben Ret­tung und Ver­damm­nis abhän­gig macht: „Wer glaubt und sich tau­fen läßt, wird geret­tet wer­den, wer aber nicht glaubt“ — d.h. wer nicht alles glaubt — „wird ver­dammt wer­den.“ (Mk16,16) — Gegen­über der Offen­ba­rung Got­tes im Alten und im Neu­en Testa­ment besteht dar­um eine wirk­li­che Glaubensverpflichtung.

Das Siegel der Echtheit — das Urteil der Kirche

Ein fal­scher Pro­phet stellt sich zum Leh­rer einer gött­li­chen Offen­ba­rung auf, die er selbst emp­fan­gen haben will, die aber nicht mit der Hl.Schrift und mit der Über­lie­fe­rung über­ein­stimmt. Er ver­kün­det ein neu­es Evan­ge­li­um und for­dert für die­ses einen Glau­bens­ge­hor­sam ein, wie es nur dem ein­mal gege­be­nen Evan­g­li­um zukommt. — Dem­ge­gen­über gibt es natür­lich auch ech­te Pro­phe­tie, die von Gott inspi­riert ist. Was Unse­re Lie­be Frau den Kin­dern in Fati­ma pro­phe­zeiht hat war ech­te Pro­phe­tie. Nach ein­ge­hen­der Prü­fung durch eine ört­li­che, vom Bischof ein­ge­setz­te Kom­mis­si­on wur­den die dor­ti­gen Erschei­nun­gen Unse­rer Lie­ben Frau aner­kannt. Und den­noch, obwohl von der Kir­che geprüft und als echt befun­den, ist kein Katho­lik ver­pflich­tet, dar­an zu glau­ben, schon gar nicht bei dem Heil sei­ner See­le. Das zeigt den Unter­schied zum Evan­ge­li­um, an das zu glau­ben, sehr wohl heils­not­wen­dig ist.

So segens­reich sich die Erschei­nun­gen Unse­rer Lie­ben Frau in Fati­ma und Lour­des erwie­sen haben, so schäd­lich erwei­sen sich vie­le unse­riö­se Pri­va­tof­fen­ba­run­gen, in denen angeb­lich Jesus, die Mut­ter­got­tes oder Gott Vater zur Welt spre­chen. Wir ste­hen heu­te vor dem Phä­no­men einer gro­ßen Häu­fig­keit sol­cher Vor­komm­nis­se. Wie wir uns ver­hal­ten sol­len, hat uns unser Herr gesagt: Nicht leicht­sin­nig Glau­ben schen­ken! — „Es wer­den fal­sche Chri­stus‘ und fal­sche Pro­pe­he­ten auf­ste­hen und gro­ße Zei­chen und Schein­wun­der tun, so daß selbst die Aus­er­wähl­ten wenn es mög­lich wäre, in Irr­tum geführt wür­den. Ich habe es euch gesagt. Wenn man also zu euch sagt: seht er ist in der Wüste, so glaubt es nicht, seht er ist in den Gemä­chern so glaubt es nicht.“ (Mt 24,24)

Ange­sichts die­ser War­nung wäre es ein Leicht­sinn, sich in sei­nem Glau­bens­le­ben von nicht kirch­lich als echt aner­kann­ten Pri­va­tof­fen­ba­run­gen abhän­gig zu machen, anstatt vom Evan­ge­li­um. Die Gefahr unge­prüf­ter Bot­schaf­ten ist so groß, weil der Gegen­spie­ler Got­tes zum Erweis ihrer schein­ba­ren Echt­heit sogar Schein­wun­der wir­ken kann, die nicht leicht zu durch­schau­en sind. Unser Herr warnt uns aus­drück­lich davor. Auch Trä­nen wei­nen­de Sta­tu­ten und Licht­phä­no­me­ne sind ganz und gar nicht hin­rei­chen­de Bewei­se für die Echtheit.

Unge­prüf­ten Offen­ba­run­gen und Bot­schaf­ten leicht­fer­tig Glau­ben zu schen­ken, heißt sei­nen Glau­ben zu gefähr­den. Der hei­li­ge Johan­nes vom Kreuz warnt ein­dring­lich davor, das Ver­lan­gen nach himm­li­schen Offen­ba­run­gen in sich zu pfle­gen. Vie­le angeb­li­che Pro­phe­ten bedie­nen heu­te die­ses Ver­lan­gen via Inter­net; sie agie­ren aus der Dun­kel­heit des welt­wei­ten Net­zes her­aus — oft ohne ihre Per­sön­lich­keit preis­zu­ge­ben — und füh­ren zahl­lo­se See­le in die Irre. Der hei­li­ge Johan­nes vom Kreuz lehrt, daß das Ver­lan­gen nach Offen­ba­run­gen die Rein­heit des Glau­bens trübt, eine gefähr­li­che Wiß­be­gier ent­wickelt und eine man­geln­de Unter­wer­fung unter die all­ge­mei­ne Offen­ba­rung! ((vgl. Tan­que­rey, Grund­riß der asze­ti­schen und mysti­schen Theo­lo­gie, S. 1033)). Er äußert ganz klar, daß es von Gott in kei­ner Wei­se gewünscht ist, daß Men­schen sich zu Dienst­lei­stern machen, die von Ihm für Men­schen dies oder jenes erfra­gen.“ ((Auf­stieg zum Ber­ge Kar­mel, I, II, Kap.XVI.))

Gott läßt sich nicht aus­fra­gen. Er will, daß wir aus dem Glau­ben leben, in dem sich gera­de unser Ver­trau­en auf sei­ne gött­li­che Vor­se­hung zeigt. Täg­lich neue Bot­schaf­ten — wozu? Für den Teu­fel ist es ein ein­träg­li­ches Geschäft, um die Men­schen in ihrer Neu­gier zu fan­gen und nach und nach unmerk­lich ihren Glau­ben zu unter­wan­dern, sie schluß­end­lich zur Annah­me eines ver­än­der­ten Glau­bens zu bewe­gen, der nicht mehr mit der ein­mal gege­be­nen Offen­ba­rung über­ein stimmt. Das ist die Gefahr jener fal­schen Pro­phe­ten, die ein neu­es Evan­ge­li­um pre­di­gen — mit lieb­li­cher Stim­me und in Schafs­klei­dern. Der Herr hat uns gewarnt. — Das siche­re Fun­da­ment für unse­ren Glau­ben sind die Kate­chis­men, die noch nicht vom neu­en Geist des II.Vatikanums durch­drun­gen sind, wie zum Bei­spiel der des Petrus Cani­si­us oder der Römi­sche Kate­chis­mus und der Bas­ler Kate­chis­mus. Als im deutsch­spra­chi­gen Raum weit ver­brei­tet. Sie alle schöp­fen aus den zwei Quel­len der Offen­ba­rung, aus der Hei­li­gen Schrift und der Über­lie­fe­rung und geben eine ein­wand­freie Ori­en­tie­rung, für das was römisch-katho­lisch ist.

warnungbild2Ein E‑Mail an Jesus mit Rück­ant­wort­ga­ran­tie? Das ist kein Witz: Die angeb­li­che Sehe­rin der ‚War­nung‘ bie­tet die­se Dienst­lei­stung an. Der hl.Johannes vom Kreuz urteilt über sol­che Unter­neh­mun­gen: „Es ist von Gott in kei­ner Wei­se erwünscht, daß Men­schen sich zu Dienst­lei­stern machen, die von Ihm dies oder jenes erfra­gen.“ — Wer sich für so etwas öff­net, ris­kiert eine Ant­wort vom Vater der Lüge zu erhal­ten, der gern aktiv wird, wo Gott schweigt, weil er sich nicht aus­fra­gen läßt. Er hat uns mehr­fach gesagt, daß er wünscht, daß wir aus dem Glau­ben leben. ((Vgl. Röm 1,17; Gal 3,11; Hebr. 10,38))

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