Msgr. Pietro Parolin: „Der Amerikaner im Vatikan“ — Warum die Geheimnistuerei um seinen Gesundheitszustand?

Erzbischof Pietro Parolin, der neue Staatssekretär konnte wegen einer Operation sein Amt noch nicht antreten. Der Vatikan hat eine strikte Nachrichtensperre verhängt. Eine unnötige Geheimniskrämerai, die nur schade, so Francisco de de la Cigoña. (Rom) Wie steht es um die Gesund­heit von Staats­se­kre­tär Kuri­en­erz­bi­schof Paro­lin? War­um läßt man die Gerüch­te­kü­che bro­deln? Der spa­ni­sche Kir­chen­hi­sto­ri­ker und katho­li­sche Blog­ger Fran­cis­co de la Cigo­ña kri­ti­siert die Geheim­nis­krä­me­rei des Vati­kans rund um den Gesund­heits­zu­stand des neu­ernann­ten Staats­se­kre­tärs Pie­tro Paro­lin.

„Was pas­siert durch Geheim­nis­tue­rei? Sicher nichts Gutes“, so de la Cigo­ña. „Die Kir­che lernt nicht aus ihren Feh­lern. Und wie­der­holt sie, trotz des hohen dafür zu zah­len­den Prei­ses.“ Ein Feh­ler der Kir­che sei die Geheim­nis­krä­me­rei, „als wür­de es sich um eine gno­sti­sche Sek­te han­deln, in der nur die Pri­vi­le­gier­te­sten die Wahr­heit erfah­ren, oder zumin­dest das, was sie für die Wahr­heit hal­ten.“ Die Kir­che aber ist die Kir­che Chri­sti und sie bekennt, daß die Wahr­heit frei macht, so der Histo­ri­ker und Blog­ger.

Msgr. Parolin erschien nicht zur Amtseinführung — Papst konnte ihn nur in absentia begrüßen

Kon­kret meint er damit den Wech­sel an der Spit­ze des Staats­se­kre­ta­ri­ats. Papst Fran­zis­kus hat­te Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Tar­ci­sio Ber­to­ne ent­las­sen und an sei­ner Stel­le den Vati­kan­di­plo­ma­ten Erz­bi­schof Pie­tro Paro­lin ernannt. Am 15. Okto­ber soll­te die Stabs­über­ga­be statt­fin­den. Weni­ge Tage zuvor war Msgr. Paro­lin aus Cara­cas ein­ge­trof­fen, wo er bis­her als Apo­sto­li­scher Nun­ti­us Dienst tat. Der Papst ver­ab­schie­de­te am 15. Okto­ber fei­er­lich Kar­di­nal Ber­to­ne, konn­te den neu­en Staats­se­kre­tär aber nur in absen­tia begrü­ßen.

Zunächst hieß es, der neue Staats­se­kre­tär habe sich einem „klei­nen“ chir­ur­gi­schen Ein­griff unter­zie­hen müs­sen. Dann hieß es, die Gene­sung wer­de eini­ge Wochen dau­ern. Eine genaue Zeit­an­ga­be, wann er ins Amt tre­ten wird, wur­de noch nicht genannt. Das führ­te zu Spe­ku­la­tio­nen und Gerüch­ten über den Gesund­heits­zu­stand des neu­en Staats­se­kre­tärs und die Fra­ge, um was für einen Ein­griff es sich gehan­delt habe.

De la Cigo­ña stellt die Fra­ge, war­um nicht mit der Amts­über­ga­be gewar­tet wur­de. Kar­di­nal Ber­to­ne hät­te die Amts­ge­schäf­te wei­ter­füh­ren kön­nen, bis der neue Staats­se­kre­tär sein Amt antre­ten kann. Eine unbe­stimm­te Über­gangs­zeit ohne Staats­se­kre­tär sei wohl die denk­bar schlech­te­ste Lösung“, so de la Cigo­ña.

Befindet sich Msgr. Parolin auf der Hepatobilären Abteilung des Krankenhauses Padua?

Die Inter­net-Tages­zei­tung Lettera43 berich­te­te am 17. Okto­ber, daß Erz­bi­schof Paro­lin sich in der nord­ita­lie­ni­schen Stadt Padua im Kran­ken­haus, Abtei­lung Hepato­bi­liä­re Chir­ur­gie von Pri­mar Umber­to Cil­lo befin­det. „Über den Ver­lauf der Ope­ra­ti­on herrscht strik­te Nach­rich­ten­sper­re“, so die Zei­tung. „Die Geheim­hal­tung war von Anfang an streng, viel­leicht zu streng. So sehr jeden­falls, daß Zwei­fel über den wirk­li­chen Gesund­heits­zu­stand des 58 Jah­re alten ehe­ma­li­gen Nun­ti­us von Vene­zue­la auf­ka­men“, so Lettera43.

Die strik­te Dis­kre­ti­on war vom Vati­kan ent­schie­den wor­den „auch auf Wunsch des Hei­li­gen Vaters“, wie Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di bekannt­gab und hin­zu­füg­te, daß der Ein­griff „nicht schwer­wie­gen­des“ sei. Das Padua­ner Kran­ken­haus ist vor allem als Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum renom­miert. Grund genug, daß seit­her noch mehr davon aus­ge­hen, daß es sich doch um einen grö­ße­ren Ein­griff gehan­delt haben könn­te.

US-Diplomatie betrachtet Msgr. Parolin seit 10 Jahren als wichtigste Kontaktperson

Erz­bi­schof Paro­lin gilt in Rom als „Mann der Ame­ri­ka­ner“. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren war der Vati­kan­di­plo­mat der bevor­zug­te Gesprächs­part­ner der US-Diplo­ma­ten, wann immer sie die Posi­ti­on des Hei­li­gen Stuhls zu bestimm­ten Fra­gen in Erfah­rung brin­gen woll­ten, ob es sich um den Irak, Chi­na, Al-Qai­da, Syri­en, Guan­ta­na­mo, Hamas, Abtrei­bung oder „repro­duk­ti­ve Gesund­heit“ han­del­te. Von den fast 900 Doku­men­ten des US-Außen­mi­ni­ste­ri­ums, die den Vati­kan betra­fen und am 26. Novem­ber 2010 von Wiki­leaks ver­öf­fent­licht wur­den, betref­fen 124 Msgr. Pie­tro Paro­lin. Deut­lich mehr als den damals amtie­ren­den Staats­se­kre­tär Tar­ci­sio Ber­to­ne (86 Doku­men­te) oder den offi­zi­el­len „Außen­mi­ni­ster“ des Hei­li­gen Stuhls Kuri­en­erz­bi­schof Domin­que Mam­ber­ti (48 Doku­men­te). Aus den Doku­men­ten geht die hohe Wert­schät­zung durch die Diplo­ma­tie der USA her­vor. Seit 2002 gilt er als „wich­ti­ger Ansprech­part­ner“.

Selbst das spa­ni­sche Königs­haus habe erken­nen müs­sen, so de la Cigo­ña, daß es bes­ser sei, durch kur­ze, knap­pe Pres­se­mit­tei­lun­gen zu infor­mie­ren, als durch Nach­rich­ten­sper­ren den Spe­ku­la­tio­nen Vor­schub zu lei­sten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: La cigüeña de la tor­re

2 Kommentare

  1. Sep­ku­la­tio­nen über den Gesund­heits­zu­stand des Kuri­en­erz­bi­schofs sind nichts als Klatsch. Wenn der Kuri­en­erz­bi­schof sei­ne Arbeit nicht fort­set­zen kann wird es der Vati­kan schon mit­tei­len, man muss doch nicht über die Krank­heit jeder Per­son im Vati­kan bescheid wis­sen.

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