Genügt es wirklich die ganze Kirche in eine Mega-Caritas zu verwandeln, um neu zu evangelisieren?

Papst Franziskus: Humanitäre Hilfe ohne Glaubensverkündigung? Wohin soll der Weg führen?(Rom) Am Tag nach­dem der Rechts­phi­lo­soph Mario Palma­ro und der Publi­zist Ales­san­dro Gnoc­chi auf den Sei­ten der Tages­zei­tung „Il Foglio“ ihre kri­ti­schen Wor­te an Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­lich­ten, erschie­nen unab­hän­gig davon die nicht min­der kri­ti­schen Anmer­kun­gen des Poli­tik­wis­sen­schaft­lers und katho­li­schen Publi­zi­sten Rino Cam­mil­le­ri auf den Sei­ten der Tages­zei­tung „Il Giorna­le“. Rino Cam­mil­le­ri stamm­te ursprüng­lich aus der links­ex­tre­men Sze­ne der Stu­den­ten­pro­te­ste. Er bekehr­te sich spä­ter zum katho­li­schen Glau­ben und gehört seit­her zu den bekann­ten maria­ni­schen Apo­lo­ge­ten in der Publi­zi­stik. In sei­ne Kri­tik läßt er auch Maria ein­flie­ßen und fragt, ob der Weg nicht schon län­ger in die fal­sche Rich­tung geht und ob das gläu­bi­ge Volk, von dem Papst Fran­zis­kus nun eine „Ent­schei­dung“ ver­langt, sich nicht längst ent­schie­den hat, indem es sich Maria zuwen­det. Eine Ent­wick­lung, die auch bedenk­li­che Züge auf­weist. Die Bewe­gung ist jedoch eine Tat­sa­che. Auf sie hin­zu­wei­sen nur recht und bil­lig und als Dis­kus­si­ons­bei­trag ein zusätz­li­cher Akzent..

Papst Franziskus muß aufpassen: „Herde oder Lehre?“ So riskiert man beide zu verlieren

Papst Fran­zis­kus zielt auf die christ­li­che Cari­tas, weil die Kir­che in Schwie­rig­kei­ten ist. Aber die mensch­li­chen Lei­den zu kurie­ren, ohne an der Ortho­do­xie fest­zu­hal­ten, ist eine gefähr­li­che Stra­te­gie.

Alles schien improvisiert und spontan

Das berühm­te Inter­view das Papst Fran­zis­kus der Civil­tà  Cat­to­li­ca gewähr­te, soll­te nun die Fra­ge nach dem Pro­gramm des Pon­ti­fi­kats Ber­go­glio und die Grün­de für die Per­ple­xi­tät, die eini­ge „impro­vi­sier­te“ Aus­sa­gen an die Pres­se oder bestimm­te Gesten in eini­gen aus­ge­löst haben, geklärt haben.

Es schien zum Bei­spiel so, daß die erste Rei­se aus­ge­rech­net nach Lam­pe­du­sa unter die ille­ga­len Ein­wan­de­rer, das Ergeb­nis eines Impul­ses sei, nach­dem er die Bil­der des x‑ten Schiff­bruchs im Fern­se­hen gese­hen hat­te. Die Glück­wün­sche an die Mos­lems zum Rama­dan, die impro­vi­sier­ten Tele­fon­an­ru­fe an ein­fa­che Gläu­bi­ge, der Pileus-Tausch auf den Plät­zen, die Aus­sa­gen zu den Arbeits­lo­sen, um Arbeit „zu kämp­fen“, die Ableh­nung der roten Schu­he, der gol­de­nen Para­men­te und der Apo­sto­li­schen Palä­ste, die Benut­zung von Seri­en­au­tos auf dem Bei­fah­rer­sitz; das alles eben, ließ Bestimm­te dar­an den­ken, daß der ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von Bue­nos Aires sich wei­ter­hin so ver­hält, wie er es immer getan hat und wei­ter­hin die gesam­te Katho­li­zi­tät so betrach­tet, als wäre sie die her­un­ter­ge­kom­me­ne Peri­phe­rie der argen­ti­ni­schen Haupt­stadt. Das Ver­hal­ten als net­ter Kerl (es klin­gelt das Tele­fon: Ciao, ich bins Papst Fran­zis­kus) oder der pri­vi­le­gier­te Gesprächs­zu­gang für Euge­nio Scal­fa­ri (den er damit zum „Papst“ der Kir­chen­fer­nen beför­der­te), erlau­ben es, das so anzu­neh­men.

Doch alles ist Teil einer präzisen Strategie

Aber das Inter­view mit der Civil­tà  Cat­to­li­ca hat jeden Zwei­fel weg­ge­fegt: Der Papst weiß genau, was er tut, und das, was er tut, ist Teil einer prä­zi­sen Stra­te­gie. Hier eine Zusam­men­fas­sung der­sel­ben:

Der moder­ne Mensch ist inzwi­schen völ­lig einer rela­ti­vi­sti­schen Kul­tur hörig, die jeden gött­li­chen wie mensch­li­chen Wert annul­liert hat. Ihm von nicht ver­han­del­ba­ren Grund­sät­zen zu spre­chen ist rei­ne Zeit­ver­schwen­dung: er ver­steht sie nicht mehr. Die Angrif­fe von Jahr­hun­der­ten gegen die Auto­ri­tät haben obsiegt und die Men­schen ertra­gen kei­ne Lehr­mei­ster mehr. Die heu­ti­ge Zivi­li­sa­ti­on ist aber auch ein Fleisch­wolf, der auf expo­nen­ti­el­le Wei­se die Zahl der Aus­ge­sto­ße­nen erhöht. Der moder­ne Mensch, ver­letzt und gebro­chen von der dunk­len Sei­te der Moder­ne (die zwar allen Glück ver­spricht, aber einen noch nie dage­we­se­nen Grad an Unbe­ha­gen her­vor­ge­bracht hat), liegt blu­tend am Boden und hält Aus­schau nach der Hand, die ihm auf­hilft und ihn pflegt, und dabei spielt es kei­ne Rol­le, daß es die Hand eines Sama­ri­ters ist (und damit von einem Ange­hö­ri­gen einer Kate­go­rie, die man ihn zu has­sen gelehrt hat­te).

Hier also das Pro­gramm des Pap­stes: Die Arme aus­brei­ten für die Lei­de­nen und die drop-out, ohne zu pole­mi­sie­ren, ohne zu wider­spre­chen, ohne die Feh­ler vor­zu­hal­ten. Sobald die Situa­ti­on der Hilfs­be­dürf­tig­keit den Pan­zer im Kopf gelöst hat, wird der Pech­vo­gel in der Kir­che eine barm­her­zi­ge Mut­ter erken­nen und nicht mehr, wie es ihm ein­ge­trich­tert wur­de, ein ideo­lo­gi­sches Macht­zen­trum. Das drin­gend­ste Pro­blem ist die Glau­bens­kri­se. Die mora­li­sche Kri­se ist nur eine Kon­se­quenz der erste­ren. Hier, sagt Papst Fran­zis­kus, gilt es neu zu begin­nen. Von Null auf. In die­sem Licht erscheint der modus ope­ran­di von Ber­go­glio kla­rer.

Franziskus verlangt gigantische „religiöse Entscheidung“ der ganzen Kirche: Orthopraxie vor Orthodoxie?

Das, was er vor­schlägt, ist eine Art von gigan­ti­scher „reli­giö­ser Ent­schei­dung“ durch die gesam­te Kir­che: in pri­mis die mensch­li­chen Lei­den kurie­ren, dann, erst dann, den Kate­chis­mus leh­ren und den gan­zen Rest. Des­halb auch sei­ne Zurück­hal­tung über „unbe­que­me“ The­men zu spre­chen wie Homo-Ehe, Abtrei­bung und Eutha­na­sie. Er sagt: Was die Posi­ti­on der Kir­che in die­sen Fra­gen ist, wis­sen alle und es ist unnö­tig, daß der Papst sie dau­ernd wie­der­holt. Ja aber – möch­te man ein­wer­fen – auch der Pri­mat der Ortho­pra­xie vor der Ortho­do­xie (um die Spra­che der kle­ri­ka­len Sach­ver­stän­di­gen zu gebrau­chen) ist ein dà¨jà  vu.

Genügt es die Kirche in eine Mega-Caritas zu verwandeln, um neu zu evangelisieren?

Gnadenbild von Maria Rogggendorf in NiederösterreichVom Pri­mat zur Abkehr ist der Schritt dann aber nur mehr kurz. Eine von der Ortho­do­xie los­ge­lö­ste Pra­xis haben wir bereits in der berühm­ten „Befrei­ungs­theo­lo­gie“ erlebt. Wenn du nicht kon­stant dei­ne Dok­trin in die Pra­xis ein­impfst, wird eine ande­re den Platz ein­neh­men, viel­leicht eine, die ihr ähnelt: gestern der Mar­xis­mus, mor­gen das rela­ti­vi­sti­sche Gut­men­schen­tum. Das ist eine Gefahr, die – so hof­fen wir – mit­be­rück­sich­tigt ist. Wird es genü­gen, die gesam­te Kir­che in eine Art Mega-Cari­tas umzu­wan­deln, um neu zu evan­ge­li­sie­ren? Ist es wirk­lich eine erfolg­rei­che und ziel­füh­ren­de Idee, den Men­schen das Bild von Kir­che zu geben, das die Men­schen wol­len (Gra­tis­ver­sor­gung, aber Schwei­gen zu Sün­de und Irr­tum)? Auf die­se Fra­gen wird nur die Zukunft Ant­wort geben kön­nen.

Inzwi­schen haben wir aber zumin­dest ein Bei­spiel aus der Ver­gan­gen­heit: Mut­ter Tere­sa, die in Indi­en genau das tat, was Papst Ber­go­glio allen Katho­li­ken heu­te nahe­legt: die stil­le Lie­be. Sie stand den Aus­sät­zi­gen und Ster­ben­den bei, ohne über die Leh­re von Chri­stus zu spre­chen. Die Inder, die sie bereits des Pro­se­ly­tis­mus beschul­dig­ten, hät­ten sie und ihre Schwe­stern ver­jagt. Außer­halb Indi­ens, wo sie reden konn­te, beharr­te sie auf der Ortho­do­xie. Was aber bleibt in Indi­en von die­ser har­ten Arbeit unter den „Letz­ten“? Die Chri­stia­ni­sie­rung des Sub­kon­ti­nents macht gro­ße Fort­schrit­te? Die Chri­sten des Lan­des wer­den nicht mehr ver­folgt?

In Erwar­tung, daß die „Samariter“-Strategie von Papst Ber­go­glio Ergeb­nis­se bringt, bleibt die Fra­ge, wie­viel Sinn eigent­lich noch ein Vor­hof der Völ­ker von Kar­di­nal Rava­si macht, jener kost­spie­li­ge Lauf­steg für die ver­schie­de­nen Scal­fa­ris & Odi­fred­dis. Angeb­lich sagen der berühm­te „Dia­log“ und eben­so der Öku­me­nis­mus, die Theo­lo­gie und die Apo­lo­ge­tik, alles alte Eisen wie der Kate­chis­mus selbst, dem moder­nen Men­schen ja nichts mehr. Ganz im Gegen­teil, es scheint, daß sie ihn viel­mehr ner­ven und absto­ßen. Daher die „reli­giö­se Ent­schei­dung“.

Im Übri­gen aber, hat das „Volk Got­tes“ die­se Ent­schei­dung nicht schon getrof­fen und zwar aus eige­ner Initia­ti­ve, indem es die Pfar­rei­en zuneh­mend mei­det und sich in Rich­tung Mari­en­wall­fahrts­or­te bewegt? Dort spricht die Got­tes­mut­ter nicht von „Kate­chis­mus“ und „Glau­bens­leh­re“. Sie sagt viel­mehr: „Bekehrt euch, betet und fastet“.

Ob sie das sagt, weil die Stun­de nahe ist, da der Vor­hang fällt? Wer weiß…

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Mes­sa in Latino/Legio Marià¦

15 Kommentare

  1. „Der moder­ne Mensch ist inzwi­schen völ­lig einer rela­ti­vi­sti­schen Kul­tur hörig, die jeden gött­li­chen wie mensch­li­chen Wert annul­liert hat. Ihm von nicht ver­han­del­ba­ren Grund­sät­zen zu spre­chen ist rei­ne Zeit­ver­schwen­dung: er ver­steht sie nicht mehr. Die Angrif­fe von Jahr­hun­der­ten gegen die Auto­ri­tät haben obsiegt und die Men­schen ertra­gen kei­ne Lehr­mei­ster mehr.“

    Die­se Prä­mis­se hal­te ich für falsch.Wenn die von Cam­mil­le­ri skiz­zier­te Auf­fas­sung tat­säch­lich die von F. ist, dann bedeu­tet das: F. glaubt, dass der heu­ti­ge Mensch nicht mehr wahr­heits­fä­hig und nicht mehr gott­fä­hig („capax Dei“) sei. Das wäre dann eine wei­te­re Auf­fas­sung von F., die sich in Wider­spruch zum katho­li­schen Glau­ben setzt, wie er biblisch (Römer­brief 1 u.a.) geof­fen­bart und vom Lehr­amt (Vati­ka­num 1) defi­niert ist. Ech­te Bekeh­run­gen jun­ger Men­schen, die auch heu­te statt­fin­den, stra­fen eine sol­che Auf­fas­sung Lüge. Ja, sogar mis­sio­na­risch wir­ken­de bibel­gläu­bi­ge Pro­te­stan­ten bewei­sen, dass heu­ti­ge Men­schen zu dem Glau­ben kom­men kön­nen, dass sie Sün­der sind und Erlö­sung allein im Kreu­zes­op­fer Jesu Chri­sti fin­den.

  2. Ein Abspecken ist bestimmt gut, Johan­nes der Täu­fer leb­te auch in kei­nem Palais, und die Kir­che hat­te dies­be­züg­lich im 2. Jahr­tau­send eine ganz gro­ße Fehl­ent­wick­lung genom­men.

  3. „Im Übri­gen aber, hat das „Volk Got­tes“ die­se Ent­schei­dung nicht schon getrof­fen und zwar aus eige­ner Initia­ti­ve, indem es die Pfar­rei­en zuneh­mend mei­det und sich in Rich­tung Mari­en­wall­fahrts­or­te bewegt? Dort spricht die Got­tes­mut­ter nicht von „Kate­chis­mus“ und „Glau­bens­leh­re“. Sie sagt viel­mehr: „Bekehrt euch, betet und fastet“.“

    Das ist eine sehr klu­ge Ent­schei­dung der gläu­bi­gen Katho­li­ken. Hin zu unse­rer Mut­ter und weg von die­sen Schwät­zern die unse­re Ohren voll dröh­nen.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  4. Der Mensch von heu­te ist der Mensch von gestern und der Mensch von mor­gen.
    Es hat sich an der con­di­ti­on humai­ne nichts geän­dert.
    Der Mensch hat vom Gar­ten Eden an die Herr­schaft Got­tes abwer­fen wol­len.
    Und doch haben sich von Anfang an Men­schen nach IHM aus­ge­streckt, ange­fan­gen bei der zutiefst getrof­fe­nen Eva, über Abel, Set, Abra­ham, Sara … und dann Maria, unse­re Mut­ter.
    Nichts hat sich geän­dert.
    Auch auf die­ser Platt­form hier wird doch immer wie­der berich­tet von Bekeh­run­gen, die kei­ner für mög­lich gehal­ten hät­te.
    „Quia non erit impos­si­bi­le apud Deum omne ver­bum.“ (Lk. 1, 37)

    • Was Papst Fran­zis­kus wirk­lich vor­schwebt, ist mir auch nicht klar. Auf den Arti­kel bezo­gen ist der Punkt doch: Men­schen sind Kul­tur­we­sen und wer­den unwei­ger­lich von der Kul­tur geprägt, in die sie hin­ein­ge­bo­ren wer­den. Und das gei­stig-kul­tu­rel­le Kli­ma hier in Euro­pa ist doch von einem (vul­gä­ren) Athe­is­mus geprägt, der ungün­stig ist für die Ent­fal­tung des christ­li­chen Glau­bens. Natür­lich heißt das nicht, dass der Mensch nicht mehr gott- und wahr­heits­fä­hig ist. Aber die­se Fähig­keit bedarf der För­de­rung und Pfle­ge, sonst ver­küm­mert sie. War­um sonst legt denn die Kir­che gro­ßen Wert auf, dass ein Kind christ­lich erzo­gen wird und so hin­ein­wach­sen kann in das kirch­li­che Leben?

      • Ja, das ist die Rech­nung des Men­schen, die Rech­nung ohne den Wirt gewis­ser­ma­ßen.
        Aber wir wis­sen doch, dass kei­ner von uns — so lehrt wah­re Demut — auch nur das Gering­ste aus eige­nem Ver­mö­gen dazu tun kann, dass ein ande­rer sich bekehrt…
        Eine Bekeh­rung ist stets und war stets ein ein­sa­mer und sel­te­ner Akt:
        „Ich sage euch: eben­so wird auch im Him­mel mehr Freu­de herr­schen über einen Sün­der, der umkehrt als über 99 Gerech­te, die es nicht nötig haben, umzu­keh­ren.“ (Lk. 15, 7)
        Es geht um Umkehr. Und dazu kann nie­mand „erzo­gen“ wer­den.
        Ach­ten Sie dar­auf: F. spricht nie von Umkehr, Buße, Reue, Bekennt­nis der eige­nen Sün­de.
        Er setzt auf die 99 Gerech­ten, die sich in allem Hoch­mut selbst gegen­sei­tig „Demut“ beschei­ni­gen.
        Wenn einer von Buße und Umkehr spricht, beschimpft F. den­je­ni­gen als „arro­gant“.
        Das ist aber die Leh­re Jesu gewe­sen und bis heu­te immer noch die Leh­re der Kir­che hin­sicht­lich des Men­schen.
        Es hat sich nichts geän­dert.

        • Puh. Sie machen mich rat­los … Umso mehr, als ich kaum anneh­me, dass Sie für die Ein­stel­lung der kirch­li­chen Mis­si­ons­tä­tig­keit und die Abschaf­fung von Kin­der­tau­fe und reli­giö­ser Erzie­hung plä­die­ren. Umso mehr als ich über Bekeh­rung und in wes­sen Ver­mö­gen das steht über­haupt kein Wort ver­lo­ren habe: Bekeh­run­gen sind in der Tat nicht „mach­bar“. Wer aber das Evan­ge­li­um nicht hört, kann sich von vor­ne­her­ein nicht bekeh­ren; und allein dar­um geht es: dass das Evan­ge­li­um (ernst­haft) gehört wird (und nicht als Mär­chen abge­tan).
          Ob Bekeh­run­gen so sel­ten sind? Wie erklä­ren Sie sich dann die Aus­brei­tung des Chri­sten­tums? Den­ken Sie, dass sich bloß ein Fas­sa­den-Chri­sten­tum aus­ge­brei­tet hat? Oder wie soll man das ver­ste­hen? Und die Bekeh­rung ein ein­sa­mer Akt? Das glau­be ich auch nicht; er geschieht nie ohne himm­li­sche Unter­stüt­zung. Und wer kann schon sagen, wel­che Unter­stüt­zung dabei noch eine Rol­le spielt. Das weiß man doch gar nicht …

          • 1. Natür­lich muss das Evan­ge­li­um ver­kün­det wer­den! Das rei­ne, unver­än­der­li­che und unver­än­der­te Evan­ge­li­um! Und doch muss der Hl. Geist selbst es dem offe­nen Ohr dar­le­gen…
            2. Die Aus­brei­tung des Chri­sten­tums geschah natür­lich durch Mis­sio­nie­rung. Ob aber die Men­schen alle per­sön­lich zum christ­li­chen Glau­ben kamen? Auch hier muss jeder ein­zel­ne ganz allei­ne („ein­sam“), ohne sich „auf ande­re her­aus­re­den zu kön­nen“, sich IHM wei­hen in aller Tie­fe und Schön­heit. Ja, das muss sogar ein­sam sein, denn wir wer­den nicht kolek­tiv Chri­sten, son­dern ein­sam und allei­ne ste­hen wir vor IHM und wer­den von IHM ergrif­fen als Ein­zel­we­sen.
            3. Wenn ich Jesu Wor­te ernst neh­me, sind wohl ech­te Bekeh­run­gen nicht das­sel­be wie ein for­mel­les Christ­sein. Es gibt das Hin­ein­ge­bo­ren­wer­den in etwas. Aber das macht eher selbst­ge­recht, als dass es bekehrt (s. Gleich­nis Jesu — 99 Gerech­te)
            4. Ja, viel­fach haben wir Fas­sa­den­chri­sten­tum. Wie woll­ten Sie sonst das tota­le Ver­sa­gen erklä­ren, auch jetzt? Die Men­schen haben oft Chri­sten­tum miss­ver­stan­den als bür­ger­li­ches Refu­gi­um für ein gott­se­li­ges Arka­di­en auf Erden (dar­über spot­tet mit Recht schon Fried­rich Engels 1849!), nicht aber als eine Kreu­zes­nach­fol­ge — das waren wider­um nur weni­ge. So ist es auch jetzt mit F. — es geht nur noch um Äußer­lich­kei­ten. Und bis auf weni­ge, die ent­setzt sind über all die­se päpst­li­che Ober­fläch­lich­keit, schreit alle Welt, sei sie christ­lich oder nicht, „Hur­ra“ ob die­ses Wun­der­füh­rers, der sich arm gibt und die Blicke auf die Insi­gni­en des media­len Scheins lenkt.

          • Ich stim­me Ihnen nun zu, wenn auch mit eini­gen Abstri­chen:

            ad 1) Ein­ver­stan­den. Bloß: Wie wird das Ohr offen? Das ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, im Gegen­teil. Ich ken­ne vie­le Men­schen, die über­haupt kei­ne Anten­ne für reli­giö­se Din­ge haben. M. E. ist das offe­ne Ohr schon eine Tat des Hei­li­gen Gei­stes, an der Men­schen — nicht aus eige­nem Ver­mö­gen, aber mit Hil­fe des Hei­li­gen Gei­stes — mit­wir­ken (kön­nen). Anders gesagt: Der Hei­li­ge Geist wirkt doch auch durch Men­schen.

            ad 2) Was Sie als Bekeh­rungs­akt bezeich­nen, bezeich­ne ich eher als Prü­fung. Gott prüft den Men­schen, ob eine Bekeh­rung echt ist, ob sie wirk­lich davon getra­gen ist, Chri­stus nach­zu­fol­gen. Mit der Bekeh­rung ist m. E. nur ein erster Anfang gesetzt, und so wie­der­ho­len sich sol­che Prü­fun­gen auf dem Weg zu Gott. Wei­ter den­ke ich, dass sol­che Prü­fun­gen nicht Selbst­zweck sind. Sie die­nen auch nicht nur dazu, der ein­zel­nen See­le das Him­mel­reich zu berei­ten. So etwas wirkt sich auch — sicht­bar oder unsicht­bar — auf die kirch­li­che Gemein­schaft aus. Es geht dar­um, das Gelern­te im Leben umzu­set­zen, damit der Wil­le Got­tes auf Erden gesche­he wie im Him­mel, wie es im Vater­un­ser heißt, damit man zum Die­ner oder Werk­zeug Got­tes wird.

            ad 3) Ein­ver­stan­den. Selbst­ge­rech­tig­keit lau­ert aber über­all. Sie kann auch dann auf­tre­ten, wenn man sich ein­sam bekehrt. Man steht in Ver­su­chung, sich das sei­ner eige­ner Lei­stungs­fä­hig­keit oder einer beson­de­ren Aus­er­wählt­heit zuzu­schrei­ben.

            ad 4) Ein­ver­stan­den. Nur urtei­le ich, glau­be ich, nicht so hart über das Fas­sa­den-Chri­sten­tum, das ja auch stark gebröckelt ist (so dass ich die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on trotz nega­ti­ver Vor­zei­chen als Chan­ce sehe). Zu Papst Fran­zis­kus ist mei­ne Mei­nungs­bil­dung noch nicht abge­schlos­sen; dazu sind mir sei­ne Aus­sa­gen bis­her zu ver­schwom­men.

  5. Eine gänz­lich untaug­li­che Stra­te­gie, weil sie Ursa­che mit Wir­kung ver­tauscht. Ortho­pra­xie, also Cari­tas, ist immer nur der Aus­fluss, das Pro­dukt der Ortho­do­xie, sprich des Glau­bens. Ver­nach­läs­sigt man die Ortho­do­xie, ver­liert die Ortho­pra­xie ihren Nähr­grund. Sie ist dann wie eine Rebe, die vom Wein­stock abge­schnit­ten wird. Eine sol­che „Feld­la­za­rett-Kir­che“ ohne aus­rei­chen­de Ver­wur­ze­lung und Rück­bin­dung im Glau­ben ist ihres Fun­da­men­tes beraubt und bricht über kurz oder lang in sich zusam­men. Die­ser Papst beschrei­tet einen äußerst gefähr­li­chen Weg. Wenn er sich nicht zur Ein­sicht füh­ren lässt, was ich ange­sichts sei­ner Per­sön­lich­keits­struk­tur bezweif­le, wird es mit ihm und mit der Kir­che unter ihm zu einem schlim­men Ende kom­men. Übri­gens: eine Glau­bens­ge­mein­schaft, die nicht bean­sprucht, dass ihre Prin­zi­pi­en im gestern, heu­te und mor­gen unver­än­dert gel­ten, ist wenig ernst zu neh­men, in ihr west weder Wahr­heit noch irgend ein gött­li­ches Prin­zip, sie ist rei­nes mensch­li­ches Mach­werk, ein Göt­ze, der von sei­nem Thron gesto­ßen gehört.

    • dan­ke für die­se kla­re Darstellung.Mir ist immer das Bei­spiel der Rus­sisch Ortho­do­xen Kir­che gegen­wär­tig, der Emi­grant Levi­tin Kras­now in sei­ner Auto­bio­gra­phie „Böse Jah­re“ berich­tet als Augen­zeu­ge von den Machi­na­tio­nen der Bolschewikij.Diese sahen in der Kir­che ihren Hass­feind Nr.1 und ver­bo­ten ausser der Fei­er der Lit­ur­gie jeg­li­che cari­ta­ti­ve Tätigkeit.Auch durf­te der Got­tes­dienst mit kei­nem Jota ver­än­dert wer­den um des­sen Ana­chro­nis­mus auf­zu­zei­gen, wie rück­stän­dig gegen den Fortschritt,deshalb gegen die Mensch­heit selbst gerich­tet die Kir­che sei.1974 zwangs­aus­ge­bür­gert schreibt er in Luzern:hätte die Kir­che damals nur mehr cari­ta­ti­ve Auf­ga­ben unter­neh­men müs­sen und kei­ne Got­tes­dien­ste fei­ern dür­fen, wäre sie heu­te nicht mehr existent!Es hat dann noch vie­le Jah­re gedauert,bis Gor­bat­schow die Kir­che reha­bi­li­tiert hat.

    • Das ist alles vor­ge­scho­ben: F. und all jene, die ihm seit 50 Jah­ren den Weg bah­nen, wol­len nicht den Wil­len des Vaters tun. Das ist eigent­lich ganz ein­fach. Es ist ein biss­chen wie bei König Saul: Gott gibt eine kla­re Anwei­sung, Saul fin­det sie „unmensch­lich“ und han­delt anders­her­um. Dann bringt er Gott auch noch ein groß­ar­ti­ges Opfer des Unge­hor­sams dar. Samu­el stellt ihn zur Rede. Saul demü­tigt sich nicht — er denkt, er sei demü­tig… Gott ver­wirft ihn. (nach­zu­le­sen 1. Samu­el 15)
      Es gibt kein Zurück. Das ist unse­re Situa­ti­on: seit dem Kon­zil beleh­ren Kle­ri­ker, vom ein­fa­chen Prie­ster bis hin zum Papst, den Herrn und sei­ne Aller­se­lig­ste Mut­ter zuneh­mend drei­ster dar­über, dass sie samt dem Herr­gott 2000 Jah­re lang alles falsch ver­stan­den und wei­ter­ge­ge­ben hät­ten. Welch ein Sakri­leg! Welch ein Hoch­mut! Welch eine abscheu­li­che Her­zens­hal­tung!

      So furcht­bar die­se Geschich­te damals für Saul und Isra­el aus­geht — Gott hat längst einen Mann erwählt, dem er das König­tum über­ge­ben hat: David.
      So wird sich auch für uns das Ver­spre­chen bewahr­hei­ten, dass die Pfor­ten der Höl­le sie nicht ver­schlin­gen wer­den. Was immer die­se fin­ste­re Sei­te auch anstel­len wird, sie hat jetzt schon ver­lo­ren.
      Das hat unser Herr uns ver­spro­chen. Aller­dings, das muss bemerkt wer­den, hat ER nicht ver­spro­chen, dass der Fels stand­hält bis zum Schluss. ER hat gesagt, dass Johan­nes blei­ben wird, — nicht Petrus — , bis ER kommt. Es gitl für jeden Katho­li­ken, auf­zu­wa­chen an die­ser Stel­le und sich schleu­nigst nach einem glau­bens­treu­en Prie­ster umzu­se­hen, ihn mit Gebet zu unter­stüt­zen und sich ihm anzu­schlie­ßen!
      Auch bei SEINER Kreu­zi­gung stand Johan­nes, — nicht Petrus -, unterm Kreuz, zusam­men mit Maria, der Frau, die uns auch in der Apo­ka­lyp­se genannt wird als der Schutz und Schirm, der die Kin­der sam­melt und schützt.
      Wir müs­sen wohl anneh­men, dass beim Ver­such, die Kir­che zu ver­schlin­gen, Petrus ver­sa­gen wird, wie schon bei Jesu erstem Kom­men. Das alles aber ent­bin­det ihn nicht der eigent­li­chen Auf­ga­be und nicht der Ver­ant­wor­tung.
      Es ist ein gro­ßes Trau­er­spiel. Und eine Freu­de, weil wir wis­sen, dass ER sein Wort hält und wie­der­kom­men wird in Herr­lich­keit.

  6. Nein das genügt nicht, denn das wich­tig­ste Gebot ist nicht du sollst dei­nen Näch­sten lie­ben wie dich selbst, son­dern du sollst den Her­ren dei­nen Gott lie­ben mit all dei­ner Kraft .…und die Haupt­auf­ga­be der Kir­che wäre das Evan­ge­li­um zu verkünden.….….….….aber es könn­te eine gute Vor­aus­set­zung sein, die Ver­mö­gens­an­häu­fung zwi­schen 1000 und 2000 hat der Kir­che nicht gut getan, man den­ke an die Klö­ster­pa­lä­ste im deut­schen Sprach­raum, und so wei­ter.….….……

    • doch das zwei­te Gebot ist den ersten gleich. Nur Näch­sten­lie­be hat erst­mal nix mit Cari­tas zu tun.
      Ich will hier nichts, aber auch gar nichts gegen orga­ni­sier­te Hil­fe sagen.
      Nur der für den ich spen­de das ist nicht mein Näch­ster, das ist ein Fer­ner, den kenn ich gar nicht, von dem weiß ich nix.
      Hil­fe, Ent­wick­lungs­hil­fe, Sozi­al­ar­beit und all das, ist Geschäft ne Men­ge Leu­te leben davon und für die Leu­te um die sie sich küm­mern ist das bestimmt auch was Gutes.
      Nur gilt des­halb halt „Ihr habt euren Lohn bereits erhal­ten!“
      Wah­re Näch­sten­lie­be wen­det sich dem Näch­sten zu, nicht dem Fer­nen.
      Wah­re Näch­sten­lie­be kann sich zu einem Werk aus­wei­ten, das ist kein Wider­spruch, aber sie kann auch auf den Näch­sten beschränkt blei­ben, das macht sie nicht gerin­ger.
      Ich glau­be aus der Ver­wech­se­lung der Ebe­nen ent­springt viel Unglück.

  7. Was ist der Haupt­auf­trag der Kir­che?

    DIE SEELEN IN DEN HIMMEL ZU FÜHREN.

    Mit der Über­ga­be der Almo­sen an die Armen ist noch kei­ne ein­zi­ge See­le geret­tet. Sozi­al­ver­ei­ne haben wir mehr als genug. Was oft fehlt ist uner­schüt­ter­li­cher Glau­be. Wie vie­le Katho­li­ken leben ein pro­te­stan­ti­sches oder gar athe­isti­sches Leben? Dort muss man begin­nen. Dafür brau­chen wir Prie­ster, die uns den hei­li­gen Weg zei­gen, die uns anlei­ten und auch ermah­nen.

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