Sandro Magister: Wende und Bruch von Papst Franziskus — Distanz zu Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Papst Franziskus und der Atheist Eugenio Scalfari: revolutionärer Paradigmenwechsel im neuen Pontifikat. Die Distanzierung von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.(Rom) Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster sieht in den Inter­views mit der Civil­tà  Cat­to­li­ca und dem Frei­mau­rer und Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri die Umris­se des Regie­rungs­pro­gramms für das neue Pon­ti­fi­kat. Ein Pro­gramm der „Distan­zie­rung“ von den Vor­gän­ger­päp­sten. Papst Fran­zis­kus pro­gram­ma­ti­sche Aus­sa­gen könn­ten, wie Scal­fa­ris Begei­ste­rung bewei­se, von jedem Lai­zi­sten, Athe­isten und Frei­mau­rer ange­nom­men wer­den. Ist das aber gut so? Oder wirft es nicht Zwei­fel auf, ob der Kurs des Pap­stes wirk­lich der rich­ti­ge ist? Joseph Ratz­in­ger sag­te 1978 zum Tode von Papst Paul VI., ein Papst, der kei­ne Kri­tik pro­vo­zie­re, hät­te sei­ne Auf­ga­be ver­fehlt. Fran­zis­kus gehe in Wor­ten und Taten bewußt auf Distanz zu sei­nen Vor­gän­gern und mei­de alles, was Wider­spruch von Sei­ten der vor­herr­schen­den kir­chen­fer­nen öffent­li­chen Mei­nung pro­vo­zie­re. Was Papst Fran­zis­kus über das auto­no­me Gewis­sen als letzt­lich ein­zi­ge Ent­schei­dungs­in­stanz sag­te, müs­se jedes Frei­mau­rer­herz höher­schla­gen las­sen, denn das ent­spre­che genau dem, was die Frei­mau­re­rei seit bald 300 Jah­ren durch­zu­set­zen ver­su­che. Der Papst lei­ste kei­nen Wider­stand gegen ein sich aus­brei­ten­des Men­schen­bild ohne Gott, das in offe­nem Wider­spruch zum von Gott nach Sei­nem Eben­bild erschaf­fe­nen Men­schen steht. Auf die­ser Linie der vor­herr­schen­den Mei­nung zu gefal­len, sei auch das Vor­ge­hen von Papst Fran­zis­kus gegen die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta zu sehen. Ein Schritt, den Bene­dikt XVI. als „Wun­de“ bezeich­net habe, die von Papst Fran­zis­kus sei­nem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum zuge­fügt wor­den sei. Dazu gehört vor weni­gen Tagen auch die  Ent­las­sung aller Con­sul­to­ren des Amtes für die lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes, die Bene­dikt XVI. zur Unter­stüt­zung sei­ner lit­ur­gi­schen Erneue­rung beru­fen hat­te. Statt Pater Uwe Micha­el Lang und Don Nico­la Bux berief Fran­zis­kus Lit­ur­gi­ker, die sei­nem neu­en Zele­bra­ti­ons­stil nahe­ste­hen. Katholisches.info erlaubt sich noch die Fra­ge anzu­fü­gen, wie und wes­halb es über­haupt zu dem „neu­en Dia­log“ zwi­schen Papst Fran­zis­kus und dem Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri kam, der so pro­gram­ma­ti­sche Züge annahm?

Die Wende von Papst Franziskus

Wer ver­ste­hen wol­le, in wel­che Rich­tung Papst Fran­zis­kus gehe und wor­in sei­ne Distan­zie­rung von Bene­dikt XVI. und aller Vor­gän­ger­päp­ste bestehe, brau­che nur vier Tex­te zu lesen, die im Sep­tem­ber für Medi­en­auf­se­hen sorg­ten, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Magi­ster ana­ly­siert die jüng­ste Kor­re­spon­denz zwi­schen Papst Fran­zis­kus und Bene­dikt XVI. mit den Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri und Pier­gi­or­gio Odi­fred­di und die erste Sit­zung des C8-Kar­di­nal­s­rats zur Kuri­en­re­form. Der Vati­ka­nist meint dar­in eine „Wen­de“ des regie­ren­den Pap­stes, zu erken­nen, die einem Bruch und einer Distan­zie­rung von sei­nen bei­den Vor­gän­ger­päp­sten Bene­dikt XVI. und Johan­nes Paul II. ent­spricht. „In Wort und Tat“, so Magi­ster. Papst Fran­zis­kus besucht am heu­ti­gen Frei­tag Assi­si, die Stadt sei­nes Namens­pa­trons, des Hei­li­gen Franz von Assi­si.

Mehr noch als die­ser Besuch in Mit­tel­ita­li­en sei­en vier Medi­en­er­eig­nis­se im Sep­tem­ber bezeich­nend für das neue Pon­ti­fi­kat, so Magi­ster.

  • Das Inter­view von Papst Fran­zis­kus in der Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca
  • Das Schrei­ben von Papst Fran­zis­kus an Euge­nio Scal­fa­ri, mit dem er auf des­sen öffent­lich gestell­te Fra­gen ant­wor­te­te.
  • Das dar­auf fol­gen­de Gesprächs­in­ter­view zwi­schen Papst Fran­zis­kus und Euge­nio Scal­fa­ri.
  • Die Ant­wort von Bene­dikt XVI. auf Pier­gi­or­gio Odi­fred­di, einen ande­ren Ver­tre­ter eines mili­tan­ten Athe­is­mus.

Wer Richtung und Distanzierung von Franziskus verstehen will, muß vier Texte lesen

„Wer ver­ste­hen will, in wel­che Rich­tung Fran­zis­kus gehen will und wor­in sei­ne Distan­zie­rung von Bene­dikt XVI. und den ande­ren Vor­gän­ger­päp­sten besteht, braucht nur die­se vier Tex­te zu lesen und zu ver­glei­chen“, so Magi­ster.

Im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view gibt es eine Stel­le, die welt­weit gera­de­zu als radi­ka­ler Bruch nicht nur gegen­über Bene­dikt XVI., son­dern auch gegen­über Johan­nes Paul II. ver­stan­den wur­de.

„Wir kön­nen uns nicht nur mit der Fra­ge um die Abtrei­bung befas­sen, mit homo­se­xu­el­len Ehen, mit den Ver­hü­tungs­me­tho­den. Das geht nicht. Ich habe nicht viel über die­se Sachen gespro­chen. Das wur­de mir vor­ge­wor­fen. Aber wenn man davon spricht, muss man den Kon­text beach­ten. Man kennt ja übri­gens die Ansich­ten der Kir­che, und ich bin ein Sohn der Kir­che. Aber man muss nicht end­los davon spre­chen. Die Leh­ren, sowohl die dog­ma­ti­schen als auch die mora­li­schen, sind nicht alle gleich­wer­tig. Eine mis­sio­na­ri­sche Seel­sor­ge ist nicht beses­sen von der los­ge­lö­sten Ver­mitt­lung einer Viel­zahl von Leh­ren, die mit Nach­druck durch­zu­set­zen sind. Die Ver­kün­di­gung mis­sio­na­ri­scher Art kon­zen­triert sich auf das Wesent­li­che, auf das Not­wen­di­ge, was auch das ist, was begei­stert und am mei­sten anzieht, das, was das Herz ent­flammt, wie bei den Jün­gern von Emma­us. Wir müs­sen daher ein neu­es Gleich­ge­wicht fin­den, andern­falls läuft auch das mora­li­sche Gebäu­de der Kir­che Gefahr, wie ein Kar­ten­haus ein­zu­stür­zen, sei­ne Fri­sche und den Geruch des Evan­ge­li­ums zu ver­lie­ren.“

Magi­ster dazu: „Natür­lich ist sich Papst Fran­zis­kus bewußt, daß auch für die bei­den Päp­ste, die ihm vor­an­gin­gen, die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums die höch­ste Prio­ri­tät war; daß für Johan­nes Paul II. die Barm­her­zig­keit Got­tes so zen­tral war, daß er ihr einen Sonn­tag im Kir­chen­jahr wid­me­te; daß Bene­dikt XVI. gera­de über Jesus wah­rer Gott und wah­rer Mensch sein Lebens­werk als Theo­lo­ge und Hir­te ver­faß­te; daß kurz­um nichts von alle­dem ihn dar­in von sei­nen Vor­gän­gern unter­schei­det.“

Der Papst wis­se, daß das­sel­be auch für jene Bischö­fe gilt, die am klar­sten in Über­ein­stim­mung dar­in den bei­den Vor­gän­ger­päp­sten folg­ten. In Ita­li­en zum Bei­spiel Camil­lo Kar­di­nal Rui­ni, der frü­he­re Vor­sit­zen­de der ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.

„Fransziskus scheint epochalen Ernst der Zivilisationsentwicklung nicht verstanden zu haben“

Sowohl Karol Woj­ty­la als auch Joseph Ratz­in­ger, wie die Kar­di­nä­le Rui­ni oder um auf die USA zu blicken, Fran­cis Geor­ge und Timo­thy Dolan waren sich bewußt, daß die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums heu­te nicht ohne eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem neu­en Men­schen­bild mög­lich ist, das in radi­ka­lem Wider­spruch zum von Gott nach sei­nem Eben­bild geschaf­fe­nen Men­schen steht.

„Und genau in die­sem Punkt geht Papst Fran­zis­kus auf Distanz zu sei­nen bei­den Vor­gän­gern“, so Magi­ster. Im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view fin­de sich eine wei­te­re Schlüs­sel­stel­le. Pater Anto­nio Spa­daro frag­te den Papst zur aktu­el­len „anthro­po­lo­gi­schen Her­aus­for­de­rung“. Doch Papst Fran­zis­kus ant­wor­tet ihm nur aus­wei­chend. Mit sei­ner Ant­wort „zeigt er, den epo­cha­len Ernst der Lage der Ent­wick­lung der Zivi­li­sa­ti­on nicht erkannt zu haben, die von Bene­dikt XVI. mit sol­chem intel­lek­tu­el­lem Nach­druck ana­ly­siert und kri­ti­siert wur­de und vor­her bereits von Johan­nes Paul II.“ Papst Fran­zis­kus gibt sich über­zeugt davon, daß es hin­ge­gen genü­ge, auf die Her­aus­for­de­rung der Gegen­wart mit der simp­len Ver­kün­di­gung eines barm­her­zi­gen Got­tes zu ant­wor­ten, jenes Got­tes, „der die Son­ne über Schlech­ten und Guten auf­ge­hen läßt und es auf die Gerech­ten und die Unge­rech­ten reg­nen las­se“.

Bis zu sei­nem Tod 2012 war es vor allem Car­lo Maria Kar­di­nal Mar­ti­ni, der die­se alter­na­ti­ve Rich­tung zu Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ver­tre­ten hat­te. In den USA war es Joseph Kar­di­nal Ber­nar­din, bevor ein ver­än­der­ter Epi­sko­pat die Kar­di­nä­le Geor­ge und dann Dolan an die Spit­ze der Bischofs­kon­fe­renz setz­te, die treue Gefolgs­män­ner Woj­ty­las und Ratz­in­gers sind.

Jubel für Franziskus derselbe Jubel, der Kardinal Martini galt

„Die Anhän­ger und Bewun­de­rer Mar­ti­nis und Ber­nardins sehen heu­te hin­ge­gen in Fran­zis­kus den Papst, der ihren Vor­stel­lun­gen einer Revan­che Gestalt ver­leiht“, so Magi­ster. Und so wie Kar­di­nal Mar­ti­ni Zeit sei­nes Lebens und auch heu­te noch in der ver­öf­fent­li­chen Mei­nung äußerst popu­lär war, so gilt das­sel­be nun für Papst Fran­zis­kus. Zie­he man dazu einen Ver­gleich mit den media­len Keu­len­schlä­gen gegen Johan­nes Paul II. und weit mehr noch gegen Bene­dikt XVI., dann wer­de die Medi­en­stoß­rich­tung ganz deut­lich.

Der Brief­wech­sel zuerst und das Gespräch danach zwi­schen Fran­zis­kus und dem beken­nen­den Athe­isten Scal­fa­ri „hel­fen, die­se Popu­la­ri­tät des Pap­stes auch in par­ti­bus infi­de­li­um zu erklä­ren“, so der Vati­ka­nist.

Bereits am 7. August, als Scal­fa­ri öffent­lich sei­ne Fra­gen an den Papst rich­te­te, ließ der Athe­ist und erklär­te Kir­chen­geg­ner deut­lich Sym­pa­thien für das neue Kir­chen­ober­haupt durch­blicken:

„Sei­ne Mis­si­on ent­hält zwei skan­da­lö­se Neu­ig­kei­ten: die arme Kir­che von Fran­zis­kus und die hori­zon­ta­le Kir­che von Mar­ti­ni. Und eine drit­te: ein Gott, der nicht urteilt, son­dern ver­gibt. Es gibt kei­ne Ver­damm­nis, es gibt kei­ne Höl­le.“

„Es gibt keine Verdammnis, es gibt keine Hölle“, der Jubel Scalfaris

Hat­te Scal­fa­ri da etwas gründ­lich miß­ver­stan­den? Oder hat der Athe­ist etwas bes­ser ver­stan­den, als vie­le Katho­li­ken wahr­ha­ben wol­len? Der Papst ant­wor­te dem Athe­isten, ein nie dage­we­se­ner Akt eines Pap­stes. Was aber füg­te Scal­fa­ri noch hin­zu, als er das Ant­wort­schrei­ben von Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­lich­te und kom­men­tier­te?

„Eine Öff­nung gegen­über einer moder­nen und lai­zi­sti­schen Kul­tur die­sen Aus­ma­ßes, eine so tie­fe Visi­on zwi­schen dem Gewis­sen und sei­ner Auto­no­mie, hat man bis­her nie vom Stuhl des Hei­li­gen Petrus gehört.“

Mit die­ser Fest­stel­lung mein­te Scal­fa­ri ganz beson­ders eine Stel­le im Ant­wort­schrei­ben des Pap­stes, die das Herz eines jeden Frei­mau­rers vor Begei­ste­rung höher schla­gen läßt, näm­lich den behaup­te­ten Pri­mat des Gewis­sens.

„Die Fra­ge für den nicht an Gott Glau­ben­den dar­in, dem eige­nen Gewis­sen zu gehor­chen. Sün­de ist auch beim Nicht­glau­ben­den, wenn man gegen das Gewis­sen han­delt. Auf das Gewis­sen zu hören und ihm zu gehor­chen bedeu­tet näm­lich, sich ange­sichts des als gut oder böse Erkann­ten zu ent­schei­den. Und von die­ser Ent­schei­dung hängt ab, ob unser Han­deln gut oder schlecht ist.“

Das war alles. Papst Fran­zis­kus sag­te nur das zur Fra­ge des Gewis­sens. Nicht weni­ge Leser, so Magi­ster, frag­ten sich, wie sich eine so sub­jek­ti­vi­sti­sche Defi­ni­ti­on des Gewis­sens, in der das Indi­vi­du­um als allei­ni­ge Ent­schei­dungs­in­stanz erscheint, mit der christ­li­chen Idee vom Gewis­sen als Weg des Men­schen hin zur Wahr­heit ver­ein­ba­ren läßt, wie sie seit Jahr­hun­der­ten im theo­lo­gi­schen Den­ken von Augu­sti­nus bis New­man ver­tieft wird, und von Papst Bene­dikt XVI. mit Nach­druck betont wur­de.

Das Gewissen als subjektive letzte Entscheidungsinstanz — Die Logen könnten es nicht besser sagen

Papst Fran­zis­kus ging aber noch wei­ter. Nach dem unge­wöhn­li­chen Brief­wech­sel gewähr­te er Scal­fa­ri ein Gespräch, das eben­falls ver­öf­fent­licht wur­de. Dar­in ergänz­te oder kor­ri­gier­te er etwa nicht sei­ne ver­kürz­te Dar­stel­lung des Gewis­sens in sei­nem Brief, son­dern bekräf­tig­te sei­ne Aus­sa­ge, indem er das Gewis­sen noch dra­sti­scher auf einen sub­jek­ti­ven Akt redu­zier­te:

„Jeder von uns hat eine Sicht von Gut und Böse und muß sich ent­schei­den, dem Guten zu fol­gen und das Böse zu bekämp­fen, so wie er es ver­steht. Das wür­de genü­gen, um die Welt zu ver­än­dern.“

Es erstaunt daher nicht, daß der athe­isti­sche Illu­mi­nist Scal­fa­ri bei­pflich­tend hin­zu­füg­te, die Wor­te Ber­go­gli­os über das Gewis­sen „völ­lig zu tei­len“.

Papst Franziskus: „Unser Ziel ist nicht Proselytenmacherei“ — Revolutionärer Paradigmenwechsel

Eben­so­we­nig ver­wun­dert Scal­fa­ris Begei­ste­rung für fol­gen­de Wor­te des Pap­stes, die er wie ein Pro­gramm für sein Pon­ti­fi­kat prä­sen­tier­te oder in sei­nen Wor­ten: „das drin­gend­ste Pro­blem, das die Kir­che vor sich hat“:

„Unser Ziel ist nicht Pro­se­ly­ten­ma­che­rei, son­dern das Hören der Nöte, der Wün­sche, der Ent­täu­schun­gen, der Ver­zweif­lung, der Hoff­nung. Wir müs­sen den Jun­gen Hoff­nung zurück­ge­ben, den Alten hel­fen, uns der Zukunft öff­nen, die Lie­be ver­brei­ten. Arme unter Armen. Wir müs­sen die Aus­ge­schlos­se­nen ein­schlie­ßen und den Frie­den pre­di­gen. Das Zwei­te Vati­ka­num, von Papst Johan­nes und Paul VI. inspi­riert, ent­schied mit moder­nem Geist in die Zukunft zu schau­en und sich der moder­nen Kul­tur zu öff­nen. Die Kon­zils­vä­ter wuß­ten, daß die Öff­nung zur moder­nen Kul­tur reli­giö­ser Öku­me­nis­mus und Dia­log mit den Nicht-Gläu­bi­gen bedeu­te­te. Danach aber wur­de sehr wenig in die­se Rich­tung getan. Ich habe die Demut und die Ambi­ti­on, es zu tun.“

In die­sem Pro­gramm von Papst Fran­zis­kus fin­de sich nichts, was nicht von der vor­herr­schen­den lai­zi­sti­schen Mei­nung akzep­tiert wer­den könn­te, so Magi­ster. Auch die Behaup­tung, Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. hät­ten „sehr wenig“ getan, um das Zwei­te Vati­ka­num umzu­set­zen und die Kir­che der moder­nen Kul­tur zu öff­nen, ent­spricht ganz die­ser Linie. „Das Geheim­nis der Popu­la­ri­tät von Fran­zis­kus liegt in der Groß­zü­gig­keit, mit der er den Erwar­tun­gen der ‚moder­nen Kul­tur‘ ent­spricht und der Sorg­falt, mit der er alles mei­det, was Wider­spruch aus­lö­sen könn­te“, so Magi­ster.

Franziskus meidet akkurat Widerspruch — Ratzinger: „Papst der keine Kritik provoziert, hätte Aufgabe verfehlt“

Auch dar­in unter­schei­det er sich ent­schie­den von sei­nen Vor­gän­gern, sogar Paul VI. mit ein­ge­schlos­sen. Es gibt eine Stel­le in der Pre­digt, die der dama­li­ge Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing, Joseph Ratz­in­ger am 10. August 1978 beim Tod von Papst Mon­ti­ni hielt und die „außer­ge­wöhn­lich erhel­lend“ ist, auch wegen sei­nes Ver­wei­ses auf das Gewis­sen, „das sich an der Wahr­heit mißt“:

„Ein Papst, der heu­te nicht kri­ti­siert wür­de, hät­te in die­ser Zeit sei­ne Auf­ga­be ver­fehlt.“

In die­sem Zusam­men­hang, so Magi­ster, sei das Schrei­ben von Bene­dikt XVI. an den Athe­isten Pier­gi­or­gio Odi­fred­di zu lesen, mit dem er uner­war­tet sein selbst­auf­er­leg­ten Schwei­gen durch­brach.

Bei­de frü­he­re Päp­ste dis­ku­tier­ten mit beken­nen­den Athe­isten und kir­chen­fer­nen Mei­nungs­füh­rern. „Sie taten es jedoch in einer ganz ande­ren Form. Wenn Fran­zis­kus die Stei­ne des Ansto­ßes mei­det, mach­te sie Bene­dikt XVI. beson­ders sicht­bar“, so Magi­ster. Genau so habe es der im Febru­ar zurück­ge­tre­te­ne Papst auch gegen­über Odi­fred­di getan, teils durch einen Fron­tal­an­griff, mit dem er auf Odi­fred­dis Fron­tal­an­griff ant­wor­te­te.

Es sei­en aber nicht nur die Wor­te und die For­men des Dia­logs, mit denen Papst Fran­zis­kus die Distanz zu sei­nen bei­den Vor­gän­gern sucht. „Es sind vor allem die Fak­ten“, so Magi­ster.

Distanzierung durch Fakten: Verbot für Franziskaner der Immakulata überlieferten Ritus zu zelebrieren

An erster Stel­le nennt der Vati­ka­nist das Ver­bot, mit dem Papst Fran­zis­kus den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta die Zele­bra­ti­on im über­lie­fer­ten Ritus unter­sag­te. Einem Orden, sel­ten genug in der katho­li­schen Kir­che von heu­te, der eigent­lich genau dem Ide­al­bild des neu­en Pap­stes ent­spre­chen müß­te. Ein fran­zis­ka­ni­scher Orden, der die evan­ge­li­sche Armut strikt lebt und ein mis­sio­na­ri­scher Orden, der „hin­aus­geht“. Einer der weni­gen katho­li­schen Orden, der blüht und kei­ne Nach­wuchs­sor­gen hat. Und den­noch ist aus­ge­rech­net die­ser Orden der ein­zi­ge, den Papst Fran­zis­kus bis­her maß­re­gel­te und unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung stell­te. Der Grund: die Tra­di­ti­ons­ver­bun­den­heit des Ordens und die Alte Mes­se. Das Zele­bra­ti­ons­ver­bot „ist eine effek­ti­ve Ein­schrän­kung jener Frei­heit, die­sen Ritus zu zele­brie­ren, die Bene­dikt XVI. allen zuge­si­chert hat­te“, so Magi­ster.

Besu­cher, die mit Bene­dikt XVI. zusam­men­tref­fen konn­ten, berich­ten, daß der ehe­ma­li­ge Papst in der Ein­schrän­kung ein „vul­nus“ gegen sein Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von 2007 sieht, so Magi­ster.

Im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view tat Fran­zis­kus die Frei­ga­be des über­lie­fer­ten Ritus durch Bene­dikt XVI. als Akt der Groß­zü­gig­keit ab, eben als „Hil­fe“ für eini­ge weni­ge, die „die­se Sen­si­bi­li­tät haben“. Dabei hat­te Bene­dikt XVI. sei­ne Absicht in einem Brief an alle Bischö­fe, auch an Ber­go­glio, ein­deu­tig kund­ge­tan, auf daß sich „die bei­den For­men des Römi­schen Ritus sich gegen­sei­tig berei­chern kön­nen“.

Alle liturgischen Consultoren Benedikts XVI. en bloc entlassen, auch Pater Lang und Don Bux

Im sel­ben Inter­view bezeich­ne­te Papst Fran­zis­kus die nach­kon­zi­lia­re Lit­ur­gie­re­form „als ein Dienst am Volk um das Evan­ge­li­um neu zu lesen ange­fan­gen bei einer kon­kre­ten histo­ri­schen Situa­ti­on“. Eine Defi­ni­ti­on, die, so Magi­ster“, „stark reduk­tiv ist im Ver­gleich zur lit­ur­gi­schen Sicht, die dem Theo­lo­gen und Papst Bene­dikt XVI. zu eigen war“.

Zudem ersetz­te Fran­zis­kus am 26. Sep­tem­ber immer in die­sem Bereich en bloc die fünf Con­sul­to­ren des Amtes für die lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes. Zu den Ent­las­se­nen gehört zum Bei­spiel der deut­sche Ora­to­ria­ner Pater Uwe Micha­el Lang, zu des­sen wich­tig­stem Buch, das der Zele­bra­ti­ons­rich­tung ad Domi­num gewid­met ist, Papst Bene­dikt XVI. das Vor­wort ver­faßt hat­te. Zu den Ent­las­se­nen gehört eben­falls der bekann­te, eben­falls tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Lit­ur­gi­ker Don Nico­la Bux.

Unter den Neu­ernann­ten fin­den sich hin­ge­gen Lit­ur­gi­ker, die dem Zele­bra­ti­ons­stil von Papst Fran­zis­kus nahe­ste­hen, der sich deut­lich von der ars cele­b­ran­di von Bene­dikt XVI. unter­schei­det.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nar­di
Bild: Set­ti­mo Cie­lo

22 Kommentare

  1. Unver­ständ­lich ist, dass das belang­lo­se Gere­de die­ses Man­nes so aus­führ­lich gehört und betrach­tet wird. Ein Papst, dem außer Pre­di­gen nichts ein­fällt, übt kein Lehr­amt aus. Es ist von daher kom­plett sinn­los, über­haupt auf Rom zu schau­en, zumal die Pre­dig­ten nir­gends den Ein­druck geben, inter­es­sant oder gar intel­li­gent zu sein.

    Tra­gisch sind natür­lich Fran­zens Miss­bräu­che päpst­li­cher Juris­dik­ti­on wie im Fall der Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta.

  2. Der Hei­li­ge Vater schürt mit sei­nem Han­deln (ins­ber­son­de­re der Restrik­ti­on der alten Mes­se für die Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta) unter gläu­bi­gen Katho­li­ken sicher Äng­ste, ande­rer­seits for­dert das uns gera­de zur Stär­kung unse­res Glau­bens dass die Pfor­ten der Höl­le die Kir­che nicht über­win­den wer­den auf. Wir müs­sen viel­mehr, neben aller sach­li­cher Kri­tik, dem Hei­li­gen Vater auf­zei­gen, wie wich­tig die Tra­di­ti­on für Kir­che und Neue­van­ge­li­sie­rung ist und uns davor hüten, als arro­gan­te Bes­ser­wis­ser auf­zu­tre­ten. Ich den­ke es wäre in die­sem Sin­ne bestimmt eine gute Sache, beson­ders die Rom­wall­fahrt der Tra­di­ti­on zum Christ­kö­nigs­fest ins Gebet auf­zu­neh­men.

    • Es steht zu befürch­ten, dass die­ser Papst jeden in die „Bes­ser­wis­ser-Ecke“ schiebt, der an der kla­ren und objek­ti­ven Leh­re fest­hält oder an sie erin­nert.
      Und d a v o r, also davor, dass man es einem sol­chen Papst nun noch irgend­wie recht­ma­chen will, kann man sich, will man nicht selbst unglaub­wür­dig wer­den, nur hüten!
      Ich per­sön­lich ken­ne näm­lich gera­de unter denen, die in Treue an der Leh­re der Kir­che hän­gen, kei­ne Bes­ser­wis­ser: sie unter­stel­len sich dem, was ihnen über­lie­fert ist. Ihr Feh­ler ist, dass sie das auch unbe­irrt bezeu­gen. Sie wider­ste­hen als Min­der­heit einer Mehr­heit von Bes­ser­wis­sern, die nun einen Papst ihrer Wahl gekürt hat.
      Sie sind in guter Gesell­schaft: auch Jesus galt als Bes­ser­wis­ser. Bes­ser­wis­ser bis zur Blas­phe­mie, warf ihm der dama­li­ge Kle­rus vor. Auch der Hohe­prie­ster, auch er ein von Gott ein­ge­setz­ter Mann. Jesus sag­te:
      „Jetzt ist eure Stun­de gekom­men. Nun hat die Fin­ster­nis Macht.“
      Wer es nicht glau­ben will, lese die Pro­zess­ge­schich­te Jesu in den Evan­ge­li­en.
      Bes­ser­wis­ser sind all jene, die mei­nen, es bes­ser als die Leh­re der Kir­che zu wis­sen. Sie tun so, als sei das die „per­sön­li­che Mei­nung“ derer, die an ihr fest­hal­ten.
      Tat­säch­lich aber sind es die Sub­jek­ti­vi­sten und Weich­spü­ler, die alles bes­ser zu wis­sen mei­nen — und das ange­sichts eines unüber­seh­ba­ren Nie­der­gangs der Kir­che, seit­dem sie und ihres­glei­chen alles mein­ten bes­ser zu machen und bes­ser zu wis­sen…

      • Das Wort „Bes­ser­wis­ser“ habe ich unglück­lich gewählt, da haben Sie sicher recht, ich woll­te damit ledig­lich zum Aus­druck brin­gen, dass Kri­tik, die durch­aus ange­bracht wer­den soll, stets sach­lich blei­ben soll­te und wir uns davor hüten soll­ten, den Hei­li­gen Vater zum Feind­bild zu machen, gegen ihn Vor­ur­tei­le zu ent­wickeln, so dass er gar nichts mehr rich­tig machen kann.

  3. Rom wird den Glau­ben ver­lie­ren und der Sitz des Anti­christs wer­den!

    Die Mut­ter­got­tes in La Salet­te 1846

    Wir dür­fen mit dem Ber­go­glio-Papst auf wei­te­re Über­ra­schun­gen gespannt sein..

  4. Fron­ti­nus hat lei­der recht. Die Zei­chen sind so deut­lich, daß wir über­haupt nicht mehr über­rascht sein, son­dern fest­stel­len wer­den, daß alles eine teuf­li­sche Ein­heit bil­det.

  5. Ich habe sel­ten eine sol­che bigot­te Dop­pel­mo­ral erlebt wie sie Fran­zis­kus an den Tag legt.

    Der gan­zen Welt erlaubt er alles, „es darf kei­ne spi­ri­tu­el­le Ein­mi­schung in das per­sön­li­che Leben geben“, dem Fran­zis­ka­ner-Ord­ner ver­bie­tet er aber ihren über­lie­fer­ten Mes­se-Ord­nen ohne Sinn und Ver­stand. Es macht ja durch­aus Sinn, dass die Mes­se für die Gläu­bi­gen nicht unbe­dingt im all­ge­mei­nen in latei­ni­scher Spra­che abge­hal­ten wird, aber bei einem Ord­nen? Da sind doch kei­ne Gläu­bi­gen da! Die Fran­zis­ka­ner fei­ern doch unter sich! Die kön­nen doch ihre Mes­se so fei­ern, ist doch alles in Ord­nung!

    Dann zum Gewis­sen: Jedes klei­ne Kind erkennt, dass das der größ­te Mist ist, das sub­jek­ti­ve Gewis­sen als allei­ni­ge Instanz gel­ten zu las­sen. Nur ein paar Bei­spie­le, dann dürf­te das auch dem letz­tem Idio­ten klar gewor­den sein, dass das nicht geht:
    Hit­ler ist auch sei­nem Gewis­sen gefolgt, für ihn war alles sub­jek­tiv rich­tig und gut, was er gemacht hat.
    Ein „Pädo­phi­ler“, wie man neu­er­dings wie­der sagt, für mich blei­ben es Kin­der­schän­der, ist auch davon über­zeugt, dass das gut und rich­tig ist, was er tut, nur die Gesell­schaft sehe das „falsch“.
    Es gibt genü­gend Ehe­bre­cher, die ihre Frau und Kin­der sit­zen las­sen mit der Begrün­dung „sie haben sich jetzt eben neu ver­liebt“ und dies sogar als mora­li­sches Postu­lat instal­lie­ren wol­len, sie müs­sen doch die­sem „ver­liebt sein“ fol­gen, alles ande­re wäre unmo­ra­lisch. Alles per­sön­li­ches Gewis­sen!
    Und was ist mit den Steu­er­be­trü­gern, die nur ihrem per­sön­li­chen Gewis­sen fol­gen, schließ­lich sind doch die „Poli­ti­ker eh alle kor­rupt“ und man hole sich nur das vom „Staat“ gestoh­le­ne Geld zurück, dass einem in Wirk­lich­keit sowie­so selbst gehö­re.
    Tja und Fran­zis­kus, was ist mit dem Rei­chen, der nur so einem Gewis­sen folgt, indem er den Armen links lie­gen lässt, denn schließ­lich ist jeder selbst für sich ver­ant­wort­lich und so „wäre er nie zu etwas gekom­men.“
    Was ist mit der Por­no-Dar­stel­le­rin, die glaubt mit ihren Por­nos „tue sie der Mensch­heit einen Gefal­len?“
    Was ist den Voll­streckern der Todes­stra­fe in vie­len Län­dern, die glau­ben, dass ist rich­tig so und ihrem sub­jek­ti­ven Gewis­sen fol­gen?
    Was ist mit den Eutha­ni­sie-Gesetz in Bel­gi­en? Alle, die das durch­füh­ren, fol­gen ihrem Gewis­sen und glau­ben, das ist gut so?

    Kin­der wol­len Regeln ler­nen. Was glaubt Fran­zis­kus wohl, wie sie mit die­sem „es darf kei­ne spi­ri­tu­el­le Ein­mi­schung in das per­sön­li­che Leben geben“ zurecht kom­men? Er soll­te mal das Buch „War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den“ lesen.

    Der Satz „Es darf kei­ne spi­ri­tu­el­le Ein­mi­schung in das per­sön­li­che Leben geben“, erklärt die Kir­che für bank­rott. Sie spricht sich damit selbst ihre Exi­stenz ab.

    • Ich kann mich den Aus­füh­run­gen von „Kirch­gän­ge­rin“ nur voll und ganz anschlie­ßen. Auf wel­chem intel­lek­tu­el­len Niveau ist die­ser Papst eigent­lich? Ich hal­te ihn für einen Wolf im Schafs­pelz. Sogar in kath. Medi­en wie kath.net gibt s täg­lich „Fran­zis­kus-Per­len“ zu lesen. Bene­dikt XVI war in sei­ner Beschei­den­heit und Zurück­hal­tung, aber Herz­lich­keit nicht für so ein Medi­en­spek­ta­kel geeig­net wie Fran­zis­kus es zele­briert. Bene­dikt wur­de von den Medi­en ver­ris­sen, wo es nur ging. Es gibt zu den­ken, dass Fran­zis­kus im Gegn­satz dazu nur hoch geju­belt wird. Das geht nur, wenn man sich dem Zeit­geist anpaßt und nir­gends anecken will. Die Wahr­heit hört kei­ner gern. Bald glau­be ich auch an die Prphe­zei­un­gen von La Salet­te.

      • Fran­zis­kus soll­te mal über­le­gen, wer ihm über­haupt das Papst­amt ermög­licht! Das sind die Katho­li­ken mit ihren Kir­chen­steu­ern und nicht die Nicht-Katho­li­ken, die die katho­li­sche Kir­che nur als „Ich-bin-dagegen“-Instanz brau­chen, qua­si als kon­trä­re auto­ri­tä­re Instanz, um sich selbst als libe­ra­le Gut­men­schen und damit über­le­gen füh­len zu kön­nen.

        All die­se Men­schen, die jubeln, füh­len sich doch mit ihrer Ideo­lo­gie des Libe­ra­lis­mus über­le­gen gegen­über denen, die den Mut haben klar Stel­lung zu bezie­hen. Und das sind nun mal die Katho­li­ken. Und wer Stel­lung bezieht, ist immer angreif­ba­rer. Immer.

        Aber lie­ber angreif­bar als wie ein Fähn­chen im Wind. Ein Leben ohne Posi­tio­nen, ohne Wer­te ist ein lee­res, ein inhalts­lo­ses, scha­les Leben.

  6. Was in der Tat mehr als befremd­lich ist, ist die Tat­sa­che, dass der über­wie­gen­de Teil der Reden von Papst Fran­zis­kus den unein­ge­schränk­ten Bei­fall gera­de auch in libe­ral frei­gei­sti­ger Umge­bung fin­den könn­te.

    Wenn wir Schlag­zei­len in den links libe­ra­len Klatsch­me­di­en lesen müs­sen wie

    „Es wur­de auch Zeit. Papst Fran­zis­kus kämpft für die Rech­te der Frau­en“

    „Papst Fran­zis­kus: Es gibt kei­nen katho­li­schen Gott“

    dann ist das Bild der Kir­che mäch­tig in Schief­la­ge gera­ten.
    Das Inter­view mit dem Frei­mau­rer Scal­fa­ri in der „La Repu­bli­ca“ beinhal­tet einen Satz, der in der Tat Pro­gramm sein dürf­te:

    -
    Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil …
    hat beschlos­sen, der Zukunft mit einem moder­nen Geist ins Gesicht zu sehen und sich für die moder­ne Kul­tur zu öff­nen.
    [.…]
    -

    Die­se Aus­sa­ge wür­de bei jeder links libe­ra­len / frei­gei­sti­gen Ver­an­stal­tung sofort unter­schrie­ben.
    Frei­lich kennt die Hei­li­ge Mut­ter Kir­che kei­nen „moder­nen Geist“ , der sich für die „moder­ne Kul­tur“ öff­nen sol­le.,
    die wie­der­um ang. die „Öku­me­ne“ und der „Dia­log“ sein soll.
    Sie kennt allei­ne den HEILIGEN GEIST , der unwan­del­bar ist und sich kei­ner wie auch immer
    ange­prie­se­nen „moder­ner Kul­tur“ ( heu­te der­je­ni­gen des Todes) anpasst.

    Die trei­ben­de Kraft hin­ter dem Ver­such der Zer­set­zung der Kir­che ist und bleibt
    die Frei­mau­re­rei und ihre Able­ger der „Ser­vice Clubs“ wie Rota­ry oder Lions etc.…
    Gera­de in Letz­te­ren wer­den Per­sön­lich­kei­ten — oder sol­che, die zu sol­chen künst­lich geho­ben wer­den — aus Poli­tik, Wirt­schaft und Gesellschaft.…geködert, um im Rah­men einer
    „unver­bind­li­chen Brü­der­lich­keit“ für „wohl­tä­ti­ge Zwecke“ Pate zu ste­hen.
    Lei­der ver­fal­len auch immer mehr kirch­li­che Wür­den­trä­ger die­sen Schmei­che­lei­en.
    und wer­den so — gewollt oder unge­wollt sei dahin­ge­stellt — zu Tür­öff­nern des Frei­gei­stes.

    In sei­nem Buch „Atha­na­si­us und die Kir­che in unse­rer Zeit“
    zitiert Bischof Dr. Rudolf Gra­ber den
    Frei­mau­rer Mar­s­audon, der die neue Stra­te­gie der Frei­mau­re­rei offen­ge­legt:
    -

    „Nicht mehr die Ver­nich­tung der Kir­che ist das Ziel,
    son­dern man sucht sie zu benüt­zen, indem man in sie ein­dringt“
    -

    Wie weit die­ses Unter­fan­gen bereits gelun­gen ist, zeigt sich wohl nicht zuletzt an den aktu­el­len Gescheh­nis­sen.

    • Und zu die­ser Stra­te­gie der Ernied­ri­gung gehört neben der lit­ur­gi­schen und lehr­amt­li­chen Ver­wil­de­rung vor allem, die finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit und die zen­tra­li­sti­sche, hier­ar­chi­sche Struk­tur der Kir­che zu zer­schla­gen. Und die­ser Pro­zess ist in vol­lem Gan­ge und wird den Gläu­bi­gen natür­lich wie­der als „Reform­werk“ ver­kauft.

    • In der säku­la­ri­sier­ten Welt gibt es doch schon lang neue, viel schlim­me­re Abhän­gig­kei­ten und Abwer­tun­gen der Frau­en.

      Mas­sen­wei­se ledi­ge Müt­ter, die nicht mehr gehei­ra­tet wer­den, extre­me finan­zi­el­le Abhän­gig­kei­ten durch nicht­ehe­li­che Bezie­hun­gen, Gren­zen­lo­se sexu­el­le Ver­füg­bar­keit und Weg­nah­me der weib­li­chen Sexua­li­tät durch die Pil­le, mora­lisch ver­ord­ne­te Pro­mis­kui­ti­vi­tät im Jun­gend­li­chen­al­ter, Men­schen­ver­ach­ten­de Zustän­de spe­zi­ell in Deutsch­land durch das Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz, Mut­ter- und Kin­der­lo­sig­keit, nach wie vor Benach­tei­li­gung im Beruf, eine gesell­schaft­li­che Moral der Tole­rie­rung von Ehe­brü­chen und Schei­dun­gen, mas­sen­wei­ser Anstieg der psy­chi­schen Erkran­kun­gen von denen Frau­en dop­pelt so oft betrof­fen sind. 80% der Psy­cho­the­ra­peu­tin­nen sind Frau­en und bei den Pati­en­ten schaut es unge­fähr genau­so aus. Die weib­li­chen Pro­ble­me wer­den heut­zu­ta­ge nur alle tabui­siert nach dem Mot­to „Ihr seid doch jetzt eman­zi­piert, was wollt Ihr denn“ und in die Dun­kel­kam­mer der Psy­cho­the­ra­pie ver­bannt ohne dass es irgend­ei­nen gesell­schaft­li­chen Dis­kurs dar­über gäben wür­de.

      Die größ­te Wert­schät­zung und den größ­ten Stel­len­wert erfährt die Frau immer noch in der Unauf­lös­lich­keit der Ehe. Genau das gibt der Frau die mei­ste Sicher­heit, Stel­lung und Wert­schät­zung. Aber genau das ist Fran­zis­kus dabei zu demon­tie­ren.

  7. Kirch­gän­ge­rin,
    vie­len Dank, bestens argu­men­tiert. Ich habe noch im Reli­gi­ons­un­ter­richt gelernt, dass das Gewis­sen gebil­det wer­den muss. Immer neu ist es an Chri­stus auf­zu­rich­ten.
    Mir scheint es wich­tig, dass wir die Hei­den (in Deutsch­land, in unse­ren Fami­li­en, im Freun­des­kreis) nicht argu­men­ta­tiv beleh­ren, das führt sel­ten zum Ziel. Wir soll­ten han­deln nach dem Bei­spiel Chri­sti „kommt und seht“ — dafür müss­ten wir sel­ber aber Chri­stus-Nach­fol­ger, Kreuz­an­neh­mer sein!

    • Natür­lich muss das Gewis­sen gebil­det wer­den. Einer der ersten Psy­cho­lo­gen, der die Gewis­sens­bil­dung bei Kin­dern beschrie­ben hat, war Jean Pia­get, ein­ge­bun­den in meh­re­re Ent­wick­lungs­stu­fen bei Kin­dern.

      Das Pro­blem ist nur, dass die Psy­cho­lo­gen, die die Grund­la­gen in der Psy­cho­lo­ge gelegt haben, noch ganz selbst­ver­ständ­lich von einer christ­li­chen Anthro­po­lo­gie aus­ge­gan­gen, der eine mit einer eige­nen posi­ti­ven Ein­stel­lung dazu, der ande­re mit einer eige­nen nega­ti­ven Ein­stel­lung dazu. Die mit der nega­ti­ven Ein­stel­lung zur christ­li­chen Anthro­po­lo­gie haben dabei natür­lich ver­drängt, wie sehr sie trotz­dem sub­li­men­tär davon abhän­gig sind, und dass ihr gan­zes eige­nes Gedan­ken­ge­bäu­de zusam­men­stürzt, wenn sie das zer­stö­ren, gegen das sie sind.

      Das Buch „War­um unse­re Kin­der Tyran­nen wer­den“ war jah­re­lang auf den Best­sel­ler­li­sten und wur­de von einem Kin­der­psych­ia­ter geschrie­ben, der den über­bor­den­den Libe­ra­lis­mus angreift und zu Recht als Grund­übel vie­ler Ent­wick­lungs­pro­ble­me, Erzie­hungs­pro­ble­me, Genera­tio­nen­kon­flik­te, Ehe­pro­ble­me und Kin­der­lo­sig­keit an sich angreift.
      Die­ser Kin­der­psych­ia­ter kommt aus der Ver­hal­tens­the­ra­pie, der gro­ßen The­ra­pie­rich­tung, die mit „gut“ und „schlecht“ arbei­tet. Nur was machen die­se The­ra­peu­ten, wenn es kein „gut“ und „schlecht“ mehr geben darf?

  8. Die voll­stän­di­ge Lek­tü­re die­ses neue­sten Papst­in­ter­views hin­ter­lässt eine tief­ge­hen­de Erschüt­te­rung. Schon vor­der­grün­dig befrem­det die kum­pel­haf­te Umgangform mit dem erklär­ten Athe­isten Scal­fa­ri, mit dem F. fast in allen Punk­ten Einig­keit bezeugt. Danach gibt es kei­ne objek­ti­ve Wahr­heit mehr, sie wird in das sub­jek­ti­ve Gewis­sen jedes Ein­zel­nen gelegt. Mis­si­on und Glau­bens­ver­kün­di­gung wird als „Poly­zen­tris­mus“ dif­fa­miert. Die wich­tig­ste Auf­ga­be der Kir­che besteht nach F. in der Sor­ge um die Arbeits­lo­sig­keit der Jugend und das Wohl von Armen und Alten. Von der Leh­re Jesu scheint ihm nur die Barm­her­zig­keit und die Näch­sten­lie­be bekannt zu sein. Ein gött­li­ches Gericht und die Gefahr, ver­lo­ren zu gehen, schei­nen völ­lig unbe­kannt. Am Ende erhal­ten alle dann einen Anteil an dem gött­li­chen Licht. Das Bekennt­nis des päpst­li­chen Glau­bens ist äußerst dürf­tig. Er spricht von Gott dem Vater, und alle Men­schen sind Kin­der Got­tes ohne Unter­schied. Dabe sind die gött­li­chen Sohn­schaft, die Erlö­sung und die hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit nicht der Rede wert. Die Leh­re der Kir­che scheint erst vom hl. Pau­lus for­mu­liert zu sein. Wenn man das alles bedenkt, so sieht es aus, als ob das Wesen des christ­li­chen Glau­bens und die Sen­dung der Kir­che bei die­sem Papst weit­ge­hend ver­ges­sen zu sein. Den­noch fühlt er sich demü­tig genug(!), die so ver­stan­de­nen Kon­zils­er­geb­nis­se end­lich mit aller Tat­kraft zu ver­wirk­li­chen. Zum guten Schluss wird der Athe­ist Scal­fa­ri um sein Gebet ersucht, und man greift sich an den Kopf und fragt sich, zu wem er denn also beten soll.
    Es ist nicht zu fas­sen, was die Kir­che unter der Lei­tung von F. erle­ben muss.
    erschüt­te­rung.

    • Ja, das ist das neue „Evan­ge­li­um des Huma­nen“, was da ver­kün­det wird zur Erleuch­tung der Vie­len, nicht aller, denn nach Über­zeu­gung der Frei­mau­rer sind nur weni­ge beru­fen, den Pfad der Erleuch­tung zu beschrei­ten und die Frei­heit des auto­no­men Gewis­sens in rech­ter Wei­se zu genie­ßen. Die Mas­se wird von die­sen ein­ge­weih­ten Frei­gei­stern beherrscht und soll den Aus­wer­wähl­ten den Genuß ihrer Frei­heit ermög­li­chen. Die­se neue Welt­ord­nung des Huma­nen wird zu einer neu­en Ver­skla­vung des Men­schen füh­ren, so wie alles, was vom Teu­fel stammt, die Men­schen nicht frei macht, son­dern ver­sklavt. Kir­che hat als „Feld­la­za­rett“ ledig­lich die­sen arm­se­li­gen Skla­ven die Wun­den zu ver­bin­den, um ihre Arbeits­kraft zu erhal­ten.

  9. Habe seit der Wahl die­ses Pap­stes lei­der nie ein gutes Gefühl gehabt; wie soll das in unse­rer Kir­che wei­ter­ge­hen, selbst eini­ger­ma­ßen noch kon­ser­va­ti­ve Bischö­fe und Kar­di­nä­le zie­hen das Schwei­gen vor. Opfern wir all die­se Wun­den und Schmer­zen im über­lie­fer­ten Hl. Mess­op­fer auf. Die über­lie­fer­te Mes­se und das unab­läs­si­ge Gebet ist wohl das beste Heil­mit­tel gegen die­se trau­ri­ge Ent­wick­lung in unse­rer Kir­che. Gelobt sei Jesus und Maria.

  10. Ich bin erschüt­tert über die so tief­ge­hen­de Ana­ly­se von San­dro Magi­ster. Dan­ke für den Abdruck! Ich fra­ge mich seit März, wie es mög­lich ist, dass anschei­nend nur eine Min­der­heit unse­rer christ­li­chen Mit­brü­der und-schwe­stern zu glei­chen Über­le­gun­gen kommt. Schwei­gen alle? Selbst unter Theo­lo­gen, Pasto­ral­re­fe­ren­ten etc. wird der neue Stil bewun­dert. Sind die­se Leu­te blind, ken­nen sie ihren eige­nen Glau­ben nicht mehr. Oder lullt Papst F. mit aller­lei „christ­li­chen Schlag­wor­ten“ wie Armut etc.uns ein? Kar­di­nal Meis­ner hat in einer jüngst gehal­te­nen Anspra­che beklagt, dass Prie­ster nicht mehr in der Gesell­schaft zu erken­nen sei­en, dies wur­de in unse­rer Zei­tung hef­tig kritisiert.….Ich den­ke, dass Prie­ster, Ordens­män­ner und-frau­en sich heut­zu­ta­ge anpas­sen an For­de­run­gen der Gesell­schaft!! „Wir ver­schleu­dern die Tie­fe und die Spi­ri­tua­li­tät unse­rer Reli­gi­on. Der Zeit­geist ver­schlingt unse­re See­len!!

    • Es gibt vie­le Grün­de, aus denen ein Prie­ster in der Öffent­lich­keit kennt­lich sein muß. Vor kur­zem hör­te ich von einer jun­gen, unver­hei­ra­te­ten Frau ein für mich neu­es Argu­ment. Wenn ihr ein Mann gefie­le, und er sei Prie­ster, und sie wis­se es nicht, dann könn­te es sein, daß sie mit ihm flir­te. Das sei ent­setz­lich für bei­de Tei­le.
      Er sol­le also auch aus Schutz für sich selbst und weib­li­che Jugend­li­che als Prie­ster erkenn­bar sein.

  11. „Es gibt vie­le Grün­de, aus denen ein Prie­ster in der Öffent­lich­keit kennt­lich sein muß. Vor kur­zem hör­te ich von einer jun­gen, unver­hei­ra­te­ten Frau ein für mich neu­es Argu­ment. Wenn ihr ein Mann gefie­le, und er sei Prie­ster, und sie wis­se es nicht, dann könn­te es sein, daß sie mit ihm flir­te. Das sei ent­setz­lich für bei­de Tei­le.“

    Es gibt auch Frau­en die genau wis­sen das er Prie­ster ist. Für die­se ist es eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Gera­de was durch das Myste­ri­um ver­bo­ten ist reizt am mei­sten. Man soll­te die­se Din­ge nicht unter­schät­zen. Aber heu­te ist ja alles Lie­be. Man kann ja kaum noch lau­fen vor lau­ter Lie­be in die­ser Welt.
    „Betet für die Prie­ster und Ordens­leu­te“. Die „Köni­gin von Tur­zov­ka“ wuß­te um die Gefahr. “
    „Der Zeit­geist ver­schlingt unse­re See­len!!“.
    Da ist was dran. Die­ser Zeit­geist wird die größ­te Prü­fung sein die wir Katho­li­ken zu über­ste­hen haben. Er hat alles besetzt und deu­tet alles um was für unse­ren Glau­ben essen­ti­ell ist.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  12. So wie es jetzt aus­sieht, ist es ziem­lich klar, daß Papst Bene­dikt nicht nur aus Grün­den des Alters zurück­ge­tre­ten ist. Ganz offen­sicht­lich soll­te ein Plan ver­wirk­licht wer­den.

    Lei­der hat­te Papst Bene­dikt dis­zi­pli­när nicht alles getan, was getan wer­den hät­te müs­sen.

    Auch bezüg­lich Fati­ma hat er Wis­sen mit sich her­um­ge­schleppt, ohne es in die Pra­xis umzu­set­zen. Das rächt sich jetzt.

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