Kann die Kirche einen „Dialog ohne Vorurteile“ führen? — Einige kritische Einwände an Papst Franziskus

Jesus beruft Simon Petrus und AndreasIn ihrem neu­en Gast­kom­men­tar befaßt sich die frei­schaf­fen­de Schrift­stel­le­rin und Künst­le­rin Han­na Jüng­ling aus­ge­hend vom Brief von Papst Fran­zis­kus an den Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri mit dem Span­nungs­feld Kir­che und Dia­log mit der moder­nen Welt. Han­na Jüng­ling geht der Fra­ge nach, ob die Kir­che über­haupt einen „Dia­log ohne Vor­ur­tei­le“ füh­ren kann, und macht eini­ge „kri­ti­sche Ein­wän­de“ an Papst Fran­zis­kus.
Zuletzt ver­öf­fent­lich­ten wir von Han­na Jüng­ling den Bei­trag: „Gei­ster im Wei­zen­feld – Gegen­wär­ti­ger Zustand der Kir­che: Ver­such einer heils­ge­schicht­li­chen Ein­ord­nung“.

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Gast­kom­men­tar von Han­na Jüng­ling*

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on kam zwi­schen der Kir­che und der christ­lich inspi­rier­ten Kul­tur einer­seits und der moder­nen, durch die Auf­klä­rung gepräg­ten, Kul­tur ande­rer­seits zum Still­stand. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ebne­te den Weg für einen offe­nen Dia­log ohne Vor­ur­tei­le, auf des­sen Grund­la­ge eine ernst­haf­te und frucht­ba­re Begeg­nung erneut ermög­licht wird. Nun ist die Zeit gekom­men. (Papst Fran­zis­kus an Euge­nio Scal­fa­ri, La Repub­bli­ca 11. Sep­tem­ber 2013) ((Der Text des Brie­fes an Euge­nio Scal­fa­ri, der am 11. Sep­tem­ber 2013 in der ita­lie­ni­schen Zeit­schrift „La Repub­bli­ca“ erschie­nen ist, wur­de am 12.+13. Sep­tem­ber 2013 im katho­li­schen Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Zenit“ (www.zenit.org/de) in einer eige­nen deut­schen Über­set­zung und auch im Ori­gi­nal ver­öf­fent­licht: https://www.zenit.org/de/articles/wahrheit-ist-eine-beziehung-erster-teil und https://www.zenit.org/de/articles/wahrheit-ist-eine-beziehung-zweiter-teil
Alle Zita­te aus die­sem Brief, die ich anfüh­re, stam­men aus die­ser Zenit-Über­set­zung.))

1. “Omnia tempus habent … tempus tacendi et tempus loquendi…“ ((Ecclesiastes 3, 1+7))

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on kam zum Still­stand“ – ja, das gehört zum schma­len Weg der Nach­fol­ge Chri­sti. Hat ER nicht auch ab einem bestimm­ten Zeit­punkt mit dem Hohen Rat, den Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­ern und mit Pila­tus nicht mehr dis­ku­tiert? Die gele­gent­li­che Not­wen­dig­keit des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­bru­ches in fin­ste­ren Zei­ten hat unser Herr uns gelehrt.

Wir ken­nen alle die­se oder ähn­lich lau­ten­de Sät­ze, wie sie Fran­zis­kus’ Brief an den Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri for­mu­liert, stets wohl­tö­nend, auf bei­den Sei­ten hin­kend, vol­ler Spit­zen gegen Unge­nann­te und mit einem Sen­dungs­be­wusst­sein vor­ge­tra­gen, das in eigen­ar­ti­gem Gegen­satz zu sei­ner argu­me­na­to­ri­schen Dürf­tig­keit steht.

Natür­lich zeu­gen sol­che Sät­ze von nai­ver Frie­dens­sehn­sucht und dem Wunsch, etwas Wich­ti­ges und Beson­de­res zu tun, einen der vor­der­sten Plät­ze im Reich Got­tes ein­zu­neh­men.

Je mehr wir jedoch eine Kul­tur der defen­si­ven Frie­dens­kon­zep­te pro­pa­giert haben, desto bru­ta­ler ent­fal­te­te sich die Gewalt auf der gesam­ten Erde. Die Anzahl der Krie­ge und die Metho­den, ande­re syste­ma­tisch zu ter­ro­ri­sie­ren, sind eska­liert. Seit 1945 wäl­zen sich immer gigan­ti­sche­re Flücht­lings­strö­me über den Glo­bus wie eine glü­hen­de Lava­mas­se, und lösen vie­ler­orts Über­for­de­rung und Desta­bi­li­sie­rung aus — das fer­ne Grol­len zukünf­ti­ger Vul­kan­aus­brü­che und neu­er Flücht­lings­strö­me… Die Tat­sa­che, dass der welt­wei­te, tie­fe Unfrie­den sich zum All­tags­zu­stand eta­bliert hat, zeugt für die Unzu­läng­lich­keit aller gän­gi­gen „Friedens“-Konzepte und für die Frie­dens­un­fä­hig­keit des Men­schen, der dem drei­fal­ti­gen Gott abge­sagt hat, des­sen Wesen unbe­greif­lich, gemäß der Offen­ba­rung Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit, und in die­ser Unbe­greif­lich­keit als Rich­ter und Erbar­mer für uns ehr­furcht­ge­bie­ten­de Hei­lig­keit ist.

Ja: Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit müss­ten immer zusam­men mit der Lie­be genannt wer­den! Gott gilt uns inzwi­schen als ein Über-alles-Hin­weg­se­her. Dass zwi­schen der uns zuge­wand­ten Lie­be und Barm­her­zig­keit von­sei­ten Got­tes und uns, die wir Sün­der sind, der grau­sa­me Opfer­tod Jesu steht, wird nicht mehr prä­zi­se zele­briert und in der Ver­kün­di­gung durch ober­fläch­li­che Moral­ap­pel­le unter­ge­pflügt. Fran­zis­kus hat gele­gent­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Glau­be ohne „das Kreuz“ nicht Nach­fol­ge Chri­sti ist – es ist ver­schwom­men for­mu­liert, immer­hin ver­schweigt er es nicht voll­stän­dig wie so vie­le ande­re Bischö­fe! ((So bei­spiels­wei­se in sei­ner ersten Anspra­che nach der Papst­wahl))

Nach der Leh­re der Kir­che liebt Gott uns als hei­li­ger und ehr­furcht­ge­bie­ten­der Gott! Wer IHN liebt, muss got­tes­fürch­tig und gerecht, wie Sime­on ein „homo ius­tus et timo­ra­tus“ ((Vgl. Anm. 23)) sein.

Fran­zis­kus hat allein des­we­gen unrecht, weil ihm die Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit Got­tes kei­ne Erwäh­nung wert ist. Er folgt damit der „pasto­ra­len“ Spra­che des Kon­zils, die jeden Anklang an die berühm­te „Droh­bot­schaft“ ver­mei­den will. Dem­ge­gen­über muss klar­ge­stellt wer­den: die Froh­bot­schaft ist defi­ni­tiv eine Droh­bot­schaft für alle, die sie nicht anneh­men: „Qui credit in Fili­um, habet vitam aeter­nam; qui autem inc­redu­lus est Filio, non vide­bit vitam, sed ira Dei manet super eum“ – (Wer dem Sohn glaubt, hat das ewi­ge Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, son­dern der Zorn Got­tes bleibt über ihm.) ((Joh. 3, 36))

Der Begriff der „Demut“, den er so häu­fig als Kar­di­nal­tu­gend bemüht, ergibt Sinn nur in der Hei­lig­keit Got­tes.

Bei Fran­zis­kus fun­giert die „Demut“ als kan­zel­red­ne­ri­scher Rohr­stock gegen kri­ti­sche Gei­ster, die sich nicht abspei­sen las­sen wol­len mit ober­fläch­li­chen und häre­ti­schen Appel­len. Fast hat man den Ein­druck: wer auf­grund eines geist­li­chen Cha­ris­mas etwas zu sagen hat, wird mit der Demut­s­keu­le aus­ge­bremst, der Hart­her­zig­keit, Unbarm­her­zig­keit und der Arro­ganz gezie­hen.

Das unrei­fe Motiv des „Hopp­la, jetzt kom­me ich!“ schwingt durch­aus mit, wenn Fran­zis­kus schreibt: „Nun ist die Zeit gekom­men“ für die „tief­grei­fen­de Neu­aus­rich­tung der Fra­ge“ – wobei mir nicht ganz klar wer­den konn­te, um wel­che Fra­ge es sich genau han­delt, aber es scheint, dass Fran­zis­kus den pola­ri­sie­ren­den Kurs, den die Kir­che auf­grund ihres dog­ma­ti­schen Cha­rak­ters immer ris­kiert hat, auf­ge­ben will. Wie anders soll­te man sei­ne Wor­te vom „Aus­tre­ten aus den engen Pfa­den einer … abso­lu­ten Gegen­über­stel­lung“ ver­ste­hen: „Ich den­ke, dass dies heu­te von grund­le­gen­der Not­wen­dig­keit ist, wenn die­ser von mir erhoff­te fro­he und kon­struk­ti­ve Dia­log vor­ge­bracht wer­den soll.

Mit dem Kon­zil haben Johan­nes XXIII. und Paul VI. die „Öff­nung zur Welt“ prak­ti­ziert, die nicht mehr das Opfer Jesu und eine Schei­dung der Gei­ster zur Ret­tung der ein­zel­nen See­len, son­dern All­ver­söh­nung, das Shake-hands von Licht und Fin­ster­nis und die merk­wür­di­ge theo­re­ti­sche Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung der Men­schen zur „Mensch­heits­fa­mi­lie“ ins Zen­trum der Ver­kün­di­gung stell­te. Was will Fran­zis­kus noch mehr? Was drückt sei­ne Behaup­tung vom „Still­stand der Kom­mu­ni­ka­ti­on“ hier und heu­te aus, 50 Jah­re nach dem glor­rei­chen Kon­zil, als dass es ein Feh­ler gewe­sen sei, immer einer Schei­dung der Gei­ster treu zu blei­ben, wie es vor dem Kon­zil durch­weg gesche­hen war? Was aber ist seit 1965 gesche­hen? Man kann ihn so ver­ste­hen, als glaub­te er, mit ihm fan­ge nun erst die Zeit der wah­ren Früch­te des Kon­zils an…

Wor­auf will er hin­aus ange­sichts gra­vie­ren­der anti­christ­li­cher Eska­la­tio­nen inner­halb der auf­klä­re­ri­schen Kul­tur, die sich seit 200 Jah­ren immer tie­fer ins gesell­schaft­li­che Leben der euro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Völ­ker ein­gra­ben, genau­so wie auch in den Macht­be­rei­chen ande­rer Reli­gio­nen, vor allem im Islam, eine mas­si­ve Chri­sten­ver­fol­gung zu beob­ach­ten ist?

2. Der „Dialog“ und das Grundprinzip „tertium non datur“

Bei dem vom Papst beschrie­be­nen „Dia­log“ geht es um das Gespräch, das kei­nes­falls ein „Streit“ ((Beim Tref­fen mit japa­ni­schen Stu­den­ten — vgl. Anm. 12)) sein darf, zwi­schen grund­sätz­lich ver­schie­de­ne Anschau­un­gen, Reli­gio­nen und Kul­tu­ren, die in ihrer Ganz­heit jeweils einen kon­sti­tu­ie­ren­den Wahr­heits­an­spruch auf­wei­sen. Eine Reli­gi­on oder Kul­tur ohne die­ses Merk­mal exi­stiert nicht.

Die Wor­te des Pap­stes an eine japa­ni­sche Stu­den­ten­grup­pe legen nahe, dass man zu Beginn des Dia­logs nicht aus­schlie­ßen dür­fe, die eige­ne Über­zeu­gung zurück­zu­neh­men und zu ver­än­dern. Er behaup­tet, dass eine Kul­tur bzw. eine ein­zel­ne Per­son (das bleibt unklar) nicht ohne sol­che Bereit­schaft zur Selbst-Infra­ge­stel­lung durch das Frem­de oder Ent­ge­gen­ste­hen­de „rei­fen“ bzw. „wach­sen“ ((Beim Tref­fen mit japa­ni­schen Stu­den­ten — vgl. Anm. 12)) kön­ne. Die­se Aus­sa­ge ist bedenk­lich aus päpst­li­chem Mund – denn die Kir­che hat sol­cher­lei nie gelehrt. Viel­mehr lehrt sie, dass der Mensch nur in Jesus Chri­stus recht wach­sen und rei­fen kön­ne – er ist der Wein­stock, wir sind die Reben. Nur in ihn ein­ge­pfropft gedei­hen wir. In der Los­lö­sung von Jesus Chri­stus reift der Mensch grund­sätz­lich nicht zu sei­nem Heil. War­um pro­ji­ziert Fran­zis­kus die­se tota­le Abhän­gig­keit von Jesus Chri­stus nun auf ande­re Kul­tu­ren?

Kann man in ein Reli­gi­ons-Gespräch gehen, ohne zuvor sta­bi­le Begrif­fe und Urtei­le gebil­det zu haben? Wüss­te man andern­falls über­haupt, wor­über man redet? Zwei­fel­los gibt es Über­ein­stim­mun­gen auf­grund der (begrenz­ten) natür­li­chen Wahr­heits­fä­hig­keit der Ver­nunft. Lehrt aber nicht die ver­tief­te Refle­xi­on von Begrif­fen im Rah­men eines kom­ple­xen kul­tu­rel­len Systems, dass gleich­lau­ten­de Begrif­fe, die auch die frem­de Kul­tur benutzt, dort anders besetzt sind, manch­mal sogar einen (bewuss­ten) Wider­spruch auf­bau­en zum eige­nen Begriffs­ver­ständ­nis? Es han­delt sich um Äqui­vo­ka­tio­nen, die Anlass zu Miss­ver­ständ­nis­sen, Ent­täu­schun­gen, Ver­wir­rung und Riva­li­tä­ten geben.

Ich möch­te das an einem Bei­spiel ver­deut­li­chen. Die Tat­sa­che, dass alle mono­the­isti­schen Reli­gio­nen einen ein­zi­gen Gott beken­nen, ruft eine Äqui­vo­ka­ti­on des Begriffs vom „einen Gott“ her­vor. In der Tat mei­nen aber alle drei einen jeweils ande­ren Gott. Etwas ande­res kann nicht begrün­det ange­nom­men wer­den — andern­falls müss­te erklärt wer­den, wie man beim Mei­nen des­sel­ben ein­an­der wider­spre­chen­de Bil­der zeich­nen kann? Das Argu­ment, dass Gott ja immer der­sel­be blei­be, auch wenn eine Reli­gi­on ein fal­sches Got­tes­bild habe, und man inso­fern an den­sel­ben Gott glau­be, ist unlo­gisch! ((Vgl. P. Engel­bert Reck­ten­wald: Glau­ben Chri­sten und Mus­li­me an den­sel­ben Gott? Und vgl. P. Franz Pro­sin­ger: Der­sel­be Gott? Auf www.kath-info.de/monotheismus.html am 21.9.2013)) Eine Reli­gi­on, die nicht den tri­ni­ta­ri­schen Gott bekennt und IHN, im Gegen­teil, sogar ablehnt – was zum Bei­spiel zur spe­zi­fi­schen Sen­dung des Islam gehört – glaubt nicht an den­sel­ben Gott wie ein Christ. Ein Mus­lim meint auch nicht „eigent­lich“ den­sel­ben Gott. Wie soll­te ein Mensch inner­halb eines Got­tes­bil­des, das sogar aus­drück­lich dem Got­tes­bild der ande­ren Reli­gi­on wider­spricht, an den den­sel­ben Gott glau­ben kön­nen? Es ist evi­dent, dass eine sol­che Annah­me absurd ist und eher unse­rem Har­mo­nie­be­dürf­nis als nüch­ter­ner Ver­nunft ent­springt. In der Spra­che der Bibel muss man soweit gehen zu sagen, die­se Reli­gi­on beken­ne einen Göt­zen. Bloß weil es ein ein­zi­ger Göt­ze anstel­le von vie­len ist, ist das Got­tes­bild ja nicht zwangs­läu­fig rea­li­sti­scher. Es mag dem eige­nen Got­tes­bild for­mal schein­bar näher­ste­hen. Das ergibt aber noch kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung dafür, einem ande­ren mono­the­isti­schen Got­tes­bild mehr Rea­li­tät zuzu­ge­ste­hen als einem wie auch immer gear­te­ten nicht-mono­the­isti­schen Glau­ben. In jedem Fall muss genau geprüft wer­den, was objek­tiv aus­ge­sagt wird und in wel­cher Rela­ti­on es zur Wahr­heit in Jesus Chri­stus steht. Nur der Geist, der Jesus Chri­stus, wie ihn die Kir­che bezeugt, bekennt und lehrt, ist in der gan­zen, natür­li­chen und über­na­tür­li­chen Wahr­heit. So steht es im 1. Johan­nes­brief: In hoc cogno­s­ci­tis Spi­r­itum Dei: omnis spi­ri­tus, qui con­fi­te­tur Iesum Chri­stum in car­ne venis­se, ex Deo est.

Et omnis spi­ri­tus, qui non con­fi­te­tur Iesum, ex Deo non est; et hoc est anti­chri­sti, quod audi­stis quo­ni­am venit, et nunc iam in mun­do est. – (Dar­an erkennt ihr den Geist Got­tes: jeder Geist, der bekennt, dass Jesus ins Fleisch gekom­men ist, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott; und das ist der des Anti­chri­sten, von dem ihr gehört habt, dass er kommt und schon jetzt in der Welt ist.) ((1. Johan­nes 4,2 ff))

Das ist eine kla­re Aus­sa­ge der Hl. Schrift: Weil alle nicht-christ­li­chen Reli­gio­nen die­sen Geist nicht aner­ken­nen, sind sie aus christ­li­cher Sicht als Reli­gio­nen im gan­zen falsch – die Wahr­heit ist nicht teil­bar! Dem wider­spricht nicht, dass der eine oder ande­re Gedan­ke oder Brauch, der dort auf­grund natür­li­cher Wahr­heits­er­kennt­nis ange­trof­fen wird, iso­liert betrach­tet, gut sein kann.

Tref­fen wir nicht all­zu oft Wider­sprü­che zum Eige­nen an, wenn wir dem Frem­den begeg­nen? Aus mei­ner Sicht ist es wich­tig, den ande­ren, den Frem­den, viel­leicht sogar den erbit­ter­ten Feind nicht zu unter­schät­zen: er kann den­ken, er hat sich sei­ne Posi­ti­on erwählt, er hat einen nor­ma­len IQ! Das ist mein Aus­druck von Respekt. Er irrt, weil er ein irren­der Mensch ist, wie ich einer war, bevor mich Jesus berühr­te und wie­der bin, sobald ich mich von Jesus abwen­de. War­um soll­ten wir anneh­men, dass sein Wider­spruch ein Miss­ver­ständ­nis sei, das sich mit ein paar Dia­log­sit­zun­gen auf­lö­sen lässt?
Wie viel Sinn ergibt der Ver­such, eine Aus­sa­ge, die eine Reli­gi­on für wahr hält, in „Dia­log“ mit ihrem Wider­spruch zu brin­gen? Der Wider­spruch geschieht ja nicht aus spie­le­ri­schen oder belang­lo­sen Grün­den. Er ist ernst gemeint. Der erwähn­te Anti­christ ist kei­ne harm­lo­se Spiel­fi­gur, son­dern eine mör­de­ri­sche Gestalt, die im Namen bereits die Kon­tra­dik­ti­on trägt!

Auch hier möch­te ich ein Bei­spiel geben: Wenn das Chri­sten­tum bekennt „Jesus ist von Gott in Maria gezeugt und nicht geschaf­fen“, der Islam dage­gen aus­drück­lich bekennt „Allah zeugt nicht und wur­de nicht gezeugt“, dann han­delt es sich um einen klas­si­schen Wider­spruch. Eine frucht­ba­re Kom­mu­ni­ka­ti­on kann aus logi­schen Grün­den nicht statt­fin­den.

Selbst wenn wir nicht ent­schei­den woll­ten, ob wir die Aus­sa­gen einer Reli­gi­on für wahr hal­ten, gilt der „Satz vom aus­ge­schlos­se­nen Drit­ten“, der uns lehrt, dass zwi­schen einer Aus­sa­ge und ihrem Gegen­teil kei­ne Mit­te, kein Kom­pro­miss mög­lich ist. Dass also selbst im Fal­le einer aus­blei­ben­den Wahr­heits­ent­schei­dung weder bei­des gleich­be­rech­tigt gel­ten noch eine Mit­te zwi­schen bei­dem gene­riert wer­den kann.
Man wird mir ent­ge­gen­hal­ten, dass nicht alles in einer frem­den Reli­gi­on oder Kul­tur ein Wider­spruch zur christ­li­chen Kul­tur ist. Dazu möch­te ich mit Nach­druck sagen: Es läge mir fern, alles Nicht-Christ­li­che pau­schal zu ver­teu­feln. Ich möch­te aber auch anmer­ken, dass nicht alles, was Nicht­chri­sten tun, Aus­druck ihres Nicht­christ-Seins ist. Vie­les in ande­ren Reli­gio­nen und Kul­tu­ren ist aus der mensch­li­chen Ver­fasst­heit erwach­sen und an sich selbst neu­tral. All das Schö­ne, Spie­le­ri­sche, Musi­ka­li­sche, das, was die natür­li­chen Gaben des Men­schen her­vor­brin­gen und was die natür­li­che Ver­nunft als Wahr­heit zu erken­nen ver­mag, ist gut!

Mir geht es um etwas ande­res: Eine Kul­tur ist immer eine gei­sti­ge Syn­the­se und kon­ta­mi­niert mit ihrem Geist alles, was sie inte­griert. An die­ser Stel­le sehe ich das Pro­blem.
Nach einer Bekeh­rung zu Jesus Chri­stus erfährt der Gläu­bi­ge stets eine Neu­ori­en­tie­rung, eine Reform sei­ner bis­he­ri­gen kul­tu­rel­len Ver­fas­sung. Vie­les wird trans­for­miert, vie­les ver­wor­fen, alles IHM zu Füßen gelegt. Einem sol­chen Umge­stal­tungs­pro­zess ist ja die abend­län­di­sche Kul­tur erwach­sen… Wer umkehrt zu Jesus Chri­stus, kann unmög­lich so blei­ben, wie er war. Er lässt sich wil­lent­lich von der Wahr­heit, die Jesus Chri­stus heißt, umge­stal­ten. Allein das ist schon ein prak­ti­scher Beweis gegen den Sinn eines „Dia­logs ohne Vor­ur­tei­le“: in mei­ner „Umkehr“ voll­zieht sich kein lebens­lan­ger „Dia­log“ zwi­schen dem Vor­her und Nach­her, son­dern sogar eine regel­rech­te Läu­te­rung aus dem Vor­her her­aus. Die von Gott gut geschaf­fe­ne Sub­stanz bleibt, alles Akzi­den­ti­el­le ver­wan­delt sich.

Aber zurück zur Fra­ge nach den Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des „Dia­logs“: Wel­ches Ziel hat ein „Dia­log“, in den man „offen“, ein­tritt?
Ist er ein unver­bind­li­cher „kon­tro­ver­ser“ Salon­talk unter Ver­mei­dung ernst­haf­ter Kon­fron­ta­tio­nen und kla­rer Aus­sa­gen, ein bür­ger­li­ches Spiel­chen, wie wir ihn tag­täg­lich über alle Fern­seh­ka­nä­le unter der Rubrik „Talk­show“ flim­mern sehen?
Fra­gen über Fra­gen!

Eines scheint klar gewor­den zu sein – eine sol­che Visi­on vom „Dia­log“ ist unmensch­lich und beraubt den Men­schen sei­ner Wür­de. Die Wür­de des Men­schen als ima­go Dei beinhal­tet zen­tral die Sehn­sucht danach und in Jesus Chri­stus auch das unver­dien­te Recht dar­auf, in der Wahr­heit zu sein – nicht stets auf der Suche außer­halb der Wahr­heit nach der immer wie­der flie­hen­den Wahr­heit, in Abwand­lung des Spru­ches „Das Kapi­tal ist ein scheu­es Reh!“.
Man kann nur in der Wahr­heit oder außer­halb der Wahr­heit sein. Im Licht oder in der Fin­ster­nis. Fran­zis­kus aber will offen­bar ein Schat­ten­reich zwi­schen Licht und Fin­ster­nis kre­ieren.

Wie anders soll­te man Fran­zis­kus’ For­mu­lie­rung im Brief an Scal­fa­ri ver­ste­hen: Mit ande­ren Wor­ten ver­langt die Wahr­heit, die letzt­lich mit der Lie­be voll­kom­men eins ist, Demut und ein Offen­sein für die Suche, die Auf­nah­me und ihren Aus­druck. Dies erfor­dert Klar­heit über die Begriff­lich­keit und viel­leicht ein Aus­tre­ten aus den engen Pfa­den einer … abso­lu­ten Gegen­über­stel­lung, eine tief­grei­fen­de Neu­aus­rich­tung der Fra­ge.
Die engen Pfa­de der abso­lu­ten Gegen­über­stel­lung“ – Fran­zis­kus kann damit nur auf die Rela­ti­vie­rung der je eige­nen Wahr­heits­an­nah­men anspie­len. Die­ser Satz ergä­be sonst kei­ner­lei Sinn. Da er nach­schiebt: „…eine tief­grei­fen­de Neu­aus­rich­tung der Fra­ge…“, ist unver­kenn­bar, dass er für ein end­gül­ti­ges Abrücken vom tra­di­tio­nel­len kirch­li­chen Kurs vor dem Vati­ca­num II plä­diert.

Die­ser Kurs aller Päp­ste vor dem Vati­ca­num II, des Triden­ti­nums und des Vati­ca­num I, der die Unver­ein­bar­keit der phi­lo­so­phi­schen Grund­la­gen der Moder­ne und der Leh­re der Kir­che viel­fäl­tig in Kon­zils­tex­ten, Dekre­ten, Enzy­kli­ken und Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men kon­sta­tier­te, hat­te den Gläu­bi­gen die­se kla­re Schei­dung der Gei­ster dar­ge­legt und als zu Glau­ben­des abver­langt. Am mar­kan­te­sten sta­chen hier der Index libro­rum pro­hi­bi­torum und der Anti­mo­der­ni­sten­eid her­aus. Bei­des wur­de unter dem Pon­ti­fi­kat Pauls VI. auf­ge­ge­ben.

Ein wei­te­rer Begriff, der für unse­re Betrach­tung hier zen­tral ist, ist die Reli­gi­ons- und Gewis­sens­frei­heit. Fran­zis­kus geht dar­auf aus­drück­lich ein:

„Um eine Sün­de han­delt es sich auch beim Nicht­glau­ben­den dann, wenn er gegen sein Gewis­sen han­delt. Auf es zu hören und ihm zu gehor­chen bedeu­tet, sich ange­sichts des für gut oder für böse Erkann­ten zu ent­schei­den. Und an die­ser Ent­schei­dung hängt Güte oder Schlech­tig­keit unse­res Han­delns.“

Fran­zis­kus wiegt Scal­fa­ri mit die­sen Wor­ten in eine fal­sche Sicher­heit hin­ein. Natür­lich muss auch ein Ungläu­bi­ger – zwangs­läu­fig möch­te man sagen — sei­nem Gewis­sen fol­gen! Was jedoch das Gewis­sen, das sich nicht an der Wahr­heit in Jesus Chri­stus ori­en­tiert, für gut oder böse hält, kann voll­kom­men falsch sein. Die Güte und Schlech­tig­keit unse­res Han­delns hängt gera­de nicht dar­an, dass wir etwas gut oder böse gemeint haben, son­dern ob es objek­tiv gut oder böse war. Selbst der Volks­mund fasst dies in einen Sinn­spruch: „Gut gemeint ist noch lan­ge nicht gut gemacht!“ Die­se Tat­sa­che kommt in den bibli­schen Sze­nen vom Jüng­sten Gericht zum Aus­druck. ((Vgl. Mt. 25, 31 ff + Mt. 7, 22))

Es ist Dog­ma der Hei­li­gen römisch-katho­li­schen Kir­che, dass die Zuge­hö­rig­keit zur Kir­che für alle Men­schen heils­not­wen­dig ist.

Fran­zis­kus’ Satz „Sie (die Wahr­heit, Anm. HJ) gibt sich uns immer nur als Weg und als Leben“ muss folg­lich in die­ser For­mu­lie­rung als falsch bezeich­net wer­den: Die Wahr­heit in der Per­son Jesu Chri­sti gibt sich uns zwar als Weg und Leben. Dar­aus folgt aber nicht, dass sie sich uns „immer nur“ als Weg und Leben gibt, wie Fran­zis­kus meint. Sie gibt sich uns sehr wohl – und das ist wohl die Dif­fe­renz zwi­schen der Leh­re der Kir­che und der „tief­grei­fen­den Neu­aus­rich­tung“ – in Form objek­ti­ver Dog­men, die dem Gläu­bi­gen als de fide gel­ten, auch dann, wenn er sie noch nicht leben­dig ver­ste­hen kann! Kurz: sie gibt sich uns aus­schließ­lich durch die Ver­mitt­lung der Kir­che! Es gehört zu den Absur­di­tä­ten der moder­nen Theo­lo­gie zu sug­ge­rie­ren, nur das sei de fide für den ein­zel­nen, was sich ihm bis­her erschlos­sen hat! Cum autem vene­rit ille, Spi­ri­tus veri­ta­tis, dedu­cet vos in omnem veri­tatem. ((Joh. 16, 13)) – (Wenn aber jener kom­men wird, der Geist der Wahr­heit, wird er euch in die gan­ze Wahr­heit heim­füh­ren.) In die gan­ze, natür­li­che und über­na­tür­li­che Wahr­heit! Wir wer­den in die Wahr­heit heim­ge­führt wie eine Braut, die­ses Zuhau­se exi­stiert schon lan­ge vor uns und erwar­tet den, der glaubt, ohne zu schau­en, als eine fest gebau­te Stadt, in der nichts wankt. „Et cogno­s­ce­tis veri­tatem, et veri­tas libe­ra­bit vos“ – (Wenn ihr die Wahr­heit erkennt, wird euch die Wahr­heit befrei­en.) ((Joh. 8, 32))

Davon hören wir bei Fran­zis­kus kein Wort. Er spricht aus sich selbst her­aus. Das wird nicht abge­mil­dert durch sei­ne Ich-Bot­schaft „Ohne die Kir­che – das kön­nen Sie mir glau­ben – hät­te ich Jesus, selbst im Bewusst­sein, die uner­mess­li­chen (sic!) Gabe des Glau­bens in zer­brech­li­chen Ton­töp­fen der Mensch­heit auf­be­wahrt zu wis­sen, nicht begeg­nen kön­nen.“ Er hät­te Manns genug sein müs­sen, Scal­fa­ri zu sagen: Ohne die Kir­che kön­nen Sie Jesus, der allei­ne die gan­ze Wahr­heit ist, nicht begeg­nen! Der Rück­zug auf die Ich-Bot­schaft bleibt dem Fra­gen­den die Weg­wei­sung schul­dig.

Ent­spre­chend hat Papst Fran­zis­kus die Not­wen­dig­keit und den Sinn des „Dia­logs“ gegen­über jun­gen Japa­nern bereits im Som­mer 2013 defi­niert. Las­sen wir ihn aus­führ­lich zu Wort kom­men:

Denn wenn wir in uns selbst iso­liert sind, haben wir nur das, was wir haben und kön­nen kul­tu­rell nicht wach­sen. Wenn wir aber zu ande­ren Per­so­nen gehen, zu ande­ren Kul­tu­ren, ande­re Denk­wei­sen und Reli­gio­nen ken­nen­ler­nen, gehen wir aus uns selbst her­aus und begin­nen die­ses schö­ne Aben­teu­er, dass sich ‚Dia­log’ nennt. Der Dia­log ist sehr wich­tig für die eige­ne Rei­fe, denn im Kon­takt mit ande­ren Per­so­nen und ande­ren Kul­tu­ren, auch in der gesun­den Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren Reli­gio­nen wächst man: man wächst und reift.

Denn wir füh­ren einen Dia­log, um uns zu fin­den, nicht um zu strei­ten. Und was ist die tief­ste Hal­tung, die wir für einen Dia­log brau­chen und nicht für den Streit? Die Sanft­mut. Die Fähig­keit, Per­so­nen und Kul­tu­ren mit Frie­den auf­zu­su­chen. Die Fähig­keit, intel­li­gen­te Fra­gen zu stel­len wie: ‚War­um denkst du so? War­um macht die­se Kul­tur das so?’ Die ande­ren zu hören und dann zu spre­chen. Zuerst zuhö­ren, dann spre­chen. Das ist Sanft­mut.

Es gibt kei­nen Frie­den ohne Dia­log. Alle Krie­ge, Kämp­fe, alle Pro­ble­me, die sich nicht lösen und denen wir begeg­nen gibt es auf­grund eines Man­gels an Dia­log. Wenn es ein Pro­blem gibt – Dia­log: die­ser bringt den Frie­den, dass ihr einen Dia­log zu füh­ren ver­steht: ‚aha, so denkt also die­se Kul­tur, wie schön, dies aber gefällt mir nicht so’… immer aber im Dia­log. ((Die­ser Text stammt von der Web­sei­te https://de.radiovaticana.va/news/2013/08/21/papst_franziskus_trifft_japanische_studenten:_%E2%80%9Enur_begegnung_bringt/ted-721447 des Inter­net­auf­tritts von Radio Vati­kan))

Dass ein Mensch, der allein Jesus fol­gen und sich nicht auf ande­re Kul­tu­ren ein­las­sen will, nicht „in sich iso­liert“ ist, ergibt sich allein dar­aus, dass einer, der in Chri­stus und in Maria ist, kei­nes­falls mehr „in sich“ selbst „iso­liert“ sein kann. Er wächst und reift in Maria zu Jesus Chri­stus hin und ande­rer­seits wächst und reift in ihm selbst – wie in Maria – Jesus Chri­stus. Bei­des gilt. Nie­mand ist weni­ger iso­liert als ein wah­rer Christ! Es ist völ­lig gleich, ob er dabei das Pri­vi­leg hat, in der Welt her­um­rei­sen zu kön­nen. Fran­zis­kus rich­tet ein bekla­gens­wer­tes, begriff­li­ches Cha­os an! Und dies bei der voll­mun­dig gefor­der­ten „Klar­heit über die Begriff­lich­keit“!

Fran­zis­kus redet ger­ne von der „Zärt­lich­keit Got­tes“ und der „Sanft­mut des Chri­sten“. Was meint er damit? Gegen­über den Japa­nern sag­te er wört­lich:  „Und was ist die tief­ste Hal­tung, die wir für einen Dia­log brau­chen und nicht für den Streit? Die Sanft­mut.“ Nüch­tern bemerkt ist es hin­sicht­lich der Wahr­heit nicht von Belang, ob sie sanft oder unsanft vor­ge­tra­gen wird – was wahr ist, ist wahr. In Fran­zis­kus’ Sät­zen klingt der Spruch „Der Ton macht die Musik!“, aber die­ser Satz ist hin­sicht­lich der Wahr­heit – falsch. Die Auf­wer­tung der „Ver­packung“ zum unver­zicht­ba­ren Bestand­teil der Wahr­heit, eine irri­ge Frucht des „Pasto­ral­kon­zils“, hat nicht nur die tra­di­tio­nel­le Lehr­ver­kün­di­gung in Miss­kre­dit gebracht, son­dern die Wahr­heit ihrer Objek­ti­vi­tät beraubt

Es ist evi­dent, dass dies logi­scher Unsinn ist. Ent­we­der bin ich „in“ der Wahr­heit gebor­gen (also in Chri­stus) oder eben nicht. Ter­ti­um non datur. „Utinam fri­gi­dus esses aut cali­dus!“ – (O, wenn du kalt oder heißt wärest!) ((Offen­ba­rung 3, 15)) ruft der himm­li­sche Jesus in der Johan­nes-Offen­ba­rung. Die Erschei­nung des Herrn wird übri­gens dort so beschrie­ben: „et de ore eius gla­di­us anceps acu­tus exi­bat“ ((Offen­ba­rung 1, 16)) – (und aus sei­nem Mund wuchs ein schar­fes, zwei­schnei­di­ges Schwert her­aus). Das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert ist das Kon­trast­pro­gramm zu Fran­zis­kus’ Dia­log!

Fran­zis­kus For­mu­lie­rung ist nicht miss­ver­ständ­lich, son­dern falsch: „Mit ande­ren Wor­ten ver­langt die Wahr­heit, die letzt­lich mit der Lie­be voll­kom­men eins ist, Demut und ein Offen­sein für die Suche, die Auf­nah­me und ihren Aus­druck.“ Nein! Die Lie­be ist immer ohne Falsch. Was wahr ist, ist wahr. Was falsch ist, ist falsch. Ech­te Demut beugt sich der objek­ti­ven, schwert­schar­fen Wahr­heit, die Jesus Chri­stus heißt, und nicht dem, was wir, ich selbst oder ein ande­rer Mensch, momen­tan gera­de für wahr hal­ten, wenn wir über­haupt noch nach objek­ti­ver Wahr­heit fra­gen. Denn Scal­fa­ri tut dies offen­sicht­lich nicht. Fran­zis­kus geht dar­auf direkt ein: „Sie (fra­gen) mich, ob es ein Irr­tum oder eine Sün­de sei zu glau­ben, dass es kei­ne abso­lu­te Wahr­heit gebe. Zunächst wür­de ich auch für einen Glau­ben­den nicht von einer „abso­lu­ten“ Wahr­heit im Sin­ne eines Los­ge­löst­seins und daher einer Bezie­hungs­lo­sig­keit des Abso­lu­ten spre­chen. Nun ist die Wahr­heit dem christ­li­chen Glau­ben zufol­ge die Lie­be Got­tes zu uns in Jesus Chri­stus und daher eine Bezie­hung! Jeder von uns geht von sich selbst aus, wenn er die Wahr­heit auf­nimmt und aus­drückt: von sei­ner Geschich­te, sei­ner Kul­tur, sei­ner Lage usw.

Der Exkurs dar­auf, dass auch ein Gläu­bi­ger nicht von einer „abso­lu­ten“, im Sin­ne einer „los­ge­lö­sten“ Wahr­heit aus­ge­he, stellt eine kru­de Ver­kür­zung des kirch­li­chen Wahr­heits­be­griffs dar und ist nichts wei­ter als ein fei­ges Um-den-Brei-her­um-Reden. Die Wahr­heit ist sehr wohl „abso­lut“, denn sie exi­stiert tat­säch­lich los­ge­löst von jeder Bin­dung an Wahr­heits­min­dern­des, Kor­rum­pie­ren­des, Rela­ti­vie­ren­des. Und noch etwas: nicht wir gehen von uns aus, wenn wir die Wahr­heit(!) auf­neh­men! Im Moment der Umkehr zu IHM neh­men wir tat­säch­lich aus­schließ­lich IHN in uns auf und las­sen unse­re „Geschich­te, unse­re Lage, unse­re Kul­tur etc.“  zurück! „At illi con­ti­nuo, relic­tis reti­bus, secu­ti sunt eum“ ((Mt. 4, 18)) – (Sie folg­ten IHM sogleich, nach­dem sie ihre Net­ze lie­gen­ge­las­sen hat­ten.)  Was sie ver­spon­nen, gebun­den und gefan­gen gehal­ten hat­te, war­fen sie ab und folg­ten IHM…

3. An IHM scheiden sich die Geister!

Die Tat­sa­che, dass vie­le Dif­fe­ren­zen zwi­schen Ein­zel­per­so­nen und kul­tu­rel­len Aus­prä­gun­gen ganz offen­kun­dig im Zusam­men­hang mit Wahr­heit und Irr­tum, mit Bos­heit und Güte, Gerech­tig­keit und Unge­rech­tig­keit ste­hen, scheint Fran­zis­kus nicht im Blick zu haben, gar nicht ernst zu neh­men – als sei­en die Mäch­te und Gewal­ten in der Luft, vor denen uns der Hl. Pau­lus warnt, ein Kin­der­spiel. „Quia non est nobis colluc­ta­tio adver­sus san­gui­nem et car­nem sed adver­sus princi­pa­tus, adver­sus pote­sta­tes, adver­sus mun­di rec­to­res tenebrar­um har­um, adver­sus spi­r­ita­lia nequi­tiae in cae­le­sti­bus.“ – (Denn wir kämp­fen nicht gegen Fleisch und Blut, son­dern gegen Für­sten, gegen Mäch­te, gegen die Herr­scher die­ser fin­ste­ren Welt, gegen böse Gei­ster in den Him­mels­re­gio­nen.) In der Waf­fen­rü­stung gegen die­se Mäch­te nennt der Hl. Pau­lus zuerst das Umgür­ten der Len­den mit der Wahr­heit! ((Eph. 6, 12 ff))

Nicht von Unge­fähr wird am Ende der Zei­ten der Wel­ten­rich­ter Jesus Chri­stus eine Schei­dung von „Scha­fen“ und „Böcken“ vor­neh­men: nicht alles war gleich „gut“ oder hat­te die glei­che Berech­ti­gung. Und vie­les, was „gut gemeint“ war, wird ER abwei­sen und böse nen­nen! Vor IHM wer­den Men­schen ste­hen, die ein­kla­gen wol­len, dass sie doch – sogar „in sei­nem Namen“ – „das­sel­be“ getan hät­ten wie die vor IHM Gerech­ten. Mehr­fach mahnt uns das NT: Er wird sagen, er ken­ne sie nicht und wird sie hin­aus­wer­fen in die äußer­ste Fin­ster­nis, die ihre Hei­mat war. ((Vgl. Mt. 25 31 ff oder Mt 7, 22)) Jeder, der die­se Wor­te der Hl. Schrift liest, muss erschau­ern vor dem Ernst der Lage!

Die Leh­re der Kir­che kann­te aus die­sem Grund kei­nen „Dia­log als Mit­tel des Frie­dens“. Unser Frie­de ist allein Chri­stus. Unser Herz ist im Unfrie­den, und was im Her­zen ist, dringt – ohne Ver­söh­nung mit Gott — unwei­ger­lich nach außen. Frie­den heißt in der christ­li­chen Vor­stel­lung, dass der Wil­le Got­tes ohne Abstri­che erfüllt wird. Es ist ver­schie­dent­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass ein sol­cher Frie­den nicht von einem Kol­lek­tiv initi­iert wer­den kann, son­dern nur in den Her­zen der ein­zel­nen Gläu­bi­gen ent­facht zur Gemein­schaft drängt. „Secund­um volun­tatem tuam paci­fi­ca­re et coaduna­re digne­ris“ — (Dei­nem Wil­len gemäß mögest DU befrie­den und ver­ei­ni­gen) beten wir im Alten Mess­ka­non. Erst geschieht die per­sön­li­che Befrie­dung des ein­zel­nen, danach ist die Ver­ei­ni­gung mög­lich…

In die Rea­li­tät mensch­li­chen Unfrie­dens ragt die merk­wür­di­ge Aus­sa­ge Jesu, der Frie­de, den er gebe, sei nicht der Frie­de, den die Welt gibt. ((Joh. 14, 27)) Sein Frie­de ist also jen­seits alles des­sen, was der Mensch an Frie­dens­be­mü­hung vor­neh­men könn­te.

Im Agnus Dei kommt der Ein­bruch die­ser frem­den Frie­dens­vor­stel­lung, die nicht von die­ser Welt ist, zum Aus­druck: „qui tol­lis pec­ca­ta mun­di dona nobis pacem“ — (der Du trägst die Sün­den der Welt, gib uns Frie­den…). Die Bezie­hung zwi­schen unse­rer Sün­de und der pri­va­tio des Frie­dens ist hier deut­lich aus­ge­spro­chen. Ein rein irdi­scher „Welt­frie­den“ ist – auf­grund des apo­ka­lyp­ti­schen Kamp­fes zwi­schen Licht und Fin­ster­nis – vor der Wie­der­kunft Jesu Chri­sti sogar aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen:

ER, so ist es von Anfang an gesagt, bringt das „Schwert“. An IHM schei­den sich die Gei­ster. An IHM wird offen­bar, was in den Her­zen schlum­mert. ER trennt unter uns Licht und Fin­ster­nis. So wie Gott am Anfang der Schöp­fung das Licht und die Fin­ster­nis schied… Ange­sichts SEINER Gegen­wart kann sich kei­ner ver­stel­len.

Sime­on pro­phe­zeit der Got­tes­mut­ter im Tem­pel: „Ecce posi­tus est hic in ruinam et resur­rec­tio­n­em mul­torum in Isra­el et in signum, cui con­tra­di­ce­tur „” et tuam ipsi­us ani­mam per­tran­siet gla­di­us „” ut revel­en­tur ex mul­tis cor­di­bus cogi­ta­tio­nes.“ – (Sie­he, die­ser ist gesetzt zum Ruin und zur Auf­er­ste­hung vie­ler in Isra­el und zum Zei­chen, dem wider­spro­chen wird – und dir wird selbst ein Schwert durch dei­ne See­le gesto­ßen wer­den – damit die Gedan­ken aus den Her­zen vie­ler ans Tages­licht kom­men.) ((Lk. 2, 25 ff))

Zum Ruin! Er wird Wider­spruch her­vor­ru­fen! Das Schwert in Mari­as See­le ist kei­ne roman­tisch-pathe­ti­sche Beschrei­bung müt­ter­li­cher Affen­lie­be, son­dern die Ankün­di­gung der Teil­ha­be Mari­ens am Erlö­sungs­werk ihres Soh­nes. Das Schwert in der See­le Mari­ens ist Teil des Lei­dens­we­ges Jesu, der den Frie­den in Gott mög­lich machen wird für vie­le.

Mit Jesus steht jeden­falls der ein­zel­ne Mensch vor der Mög­lich­keit des end­gül­ti­gen Ruins oder der Auf­er­ste­hung. Ab jetzt ist die Rede von den Wer­ken der Fin­ster­nis und denen des Lichts:

Nemo vos deci­pi­at ina­ni­bus ver­bis; prop­ter haec enim venit ira Dei in fili­os dif­fi­dentiae.
Noli­te ergo effi­ci com­par­ti­ci­pes eorum;
era­tis enim ali­quan­do tenebrae, nunc autem lux in Domi­no. Ut filii lucis ambu­la­te
„” fruc­tus enim lucis est in omni boni­ta­te et ius­ti­tia et veri­ta­te „”
pro­b­an­tes quid sit ben­e­pla­ci­tum Domi­no;
et noli­te com­mu­ni­ca­re ope­ri­bus infruc­tuo­sis tenebrar­um, magis autem et redar­gui­te;
quae enim in occul­to fiunt ab ipsis, tur­pe est et dice­re;
omnia autem, quae arguun­tur, a lumi­ne mani­fe­st­an­tur,
omne enim, quod mani­fe­sta­tur, lumen est. Prop­ter quod dicit: “ Sur­ge, qui dor­mis, et exsur­ge a mor­tuis, et illu­mina­bit te Chri­stus
„. ((Eph 5, 6–14))

(Nie­mand täu­sche euch mit lee­ren Wor­ten; wegen ihnen kommt der Zorn Got­tes auf die Kin­der des Miss­trau­ens.
Dar­um ergebt euch nicht als deren Teil­ha­ber;
Einst­mals wart ihr Fin­ster­nis, jetzt aber Licht im Herrn. Auf dass ihr wie Kin­der des Lich­tes wan­delt – die Frucht des Lich­tes näm­lich besteht in Güte und Gerech­tig­keit und Wahr­heit – prüft, was dem Herrn ein Wohl­ge­fal­len sei;
Und macht euch nicht gemein mit den unfrucht­ba­ren Wer­ken der Fin­ster­nis, viel­mehr aber deckt sie auf;
was näm­lich im Gehei­men von jenen getan wird, ist zu schänd­lich, um gesagt zu wer­den;
alles aber, was offen­ge­legt wird, wird vom Licht sicht­bar gemacht,
alles näm­lich, was sicht­bar gemacht wird, ist Licht.

Des­we­gen sagt man:
„Steh auf, der du schläfst, ersteh von den Toten auf, damit dich Chri­stus erleuch­tet.“
Wer nicht von Chri­stus erleuch­tet ist mit sei­ner wil­lent­li­chen Zustim­mung, liegt „im Grab“, ist „tot“!
Es ist dem Chri­sten nicht erlaubt, mit den „Toten“ an einem Strang zu zie­hen: „Noli­te iugum duce­re cum infi­de­li­bus! Quae enim par­ti­ci­pa­tio ius­ti­tiae cum ini­qui­ta­te? Aut quae socie­tas luci ad tenebras? ((2. Kor. 6, 14)) – (Zieht nicht ein Joch mit den Ungläu­bi­gen! Hat denn die Gerech­tig­keit teil an der Bos­heit? Oder was hat das Licht mit der Fin­ster­nis zu tun?)

Distanz ist immer dann gebo­ten, wenn Din­ge aus einem bestimm­ten Geist her­aus vor­ge­nom­men wer­den, der der Leh­re der Kir­che aus­drück­lich wider­spricht oder bei nüch­ter­ner Ana­ly­se impli­zit ent­ge­gen­steht. Dazu zäh­len poli­ti­sche, sozia­le und kul­tu­rel­le Pro­jek­te, die eine star­ke ideo­lo­gi­sche Fun­die­rung haben und immer ande­re Reli­gio­nen und ihre Kul­te.
Es ist nicht „über­heb­lich“, wie Fran­zis­kus behaup­tet, die­se gei­sti­gen Fun­die­run­gen, die den Hl. Geist abwei­sen, als „Werk der Fin­ster­nis“ zu bezeich­nen. Wer sich wirk­lich bekehrt hat, weiß, dass der Mensch außer­halb der Kir­che unwei­ger­lich in die Hän­de der Fin­ster­nis gerät. Wer wagt, die Gei­ster von­ein­an­der zu schei­den – es ist ja bei vie­lem nicht ein­fach, zu erken­nen, wes Gei­stes Kind es ist!?

Und es gibt schon in alt­te­sta­ment­li­cher Zeit das Cha­ris­ma der Unter­schei­dung der Gei­ster, das der­je­ni­ge, der es hat, sei­nen Glau­bens­ge­schwi­stern schen­ken muss. Die Gabe der Unter­schei­dung ist ver­bun­den mit einem pro­phe­ti­schen Cha­ris­ma. Dass Sime­on und Han­na (letz­te­re wird aus­drück­lich eine pro­phe­tis­sa genannt) ((Lk. 2, 36)) in die­ser unschein­ba­ren Fami­lie, die in den Tem­pel kam, um ihren Erst­ge­bo­re­nen Gott zu wei­hen, die Hei­li­ge Fami­lie erkann­ten, dass Sime­on in Maria die Got­tes­mut­ter und Teil­ha­be­rin des Erlö­sungs­wer­kes sah und ihr das unter Segens­sprü­chen sogar zuspre­chen konn­te, basiert auf der Fähig­keit, das, was wahr ist und von Gott kommt, sofort zu unter­schei­den von allem ande­ren, das nicht die­sen Sta­tus hat. Sime­on wird ein „homo ius­tus et timo­ra­tus“ genannt, dem der Hl. Geist ein­ge­ge­ben habe, „non visurum se mor­tem nisi pri­us vide­ret Chri­stum Domini.“ Unter Ein­wir­kung des Gei­stes geht er zur besag­ten Stun­de in den Tem­pel. ((Lk. 2, 26+27)) Auch er ist ein Pro­phet wie Han­na – ganz ein­deu­tig. Die Kir­che braucht auch die­ses Cha­ris­ma. Das Lehr­amt hät­te die Auf­ga­be, die­ses Cha­ris­ma und sei­ne Frucht im Ein­zel­fall zu prü­fen und zu bestä­ti­gen.

Aus der zitier­ten Stel­le aus dem Ephe­ser­brief geht her­vor, dass die Wer­ke der Fin­ster­nis, sobald sie beleuch­tet wer­den, sich zwangs­läu­fig als nicht-licht­voll erwei­sen wer­den: „Omne enim, quod mani­fe­sta­tur, lumen est.“ Hin­ter die­sem Satz steht die Vor­stel­lung der Fin­ster­nis als Abwe­sen­heit des Lich­tes. Wenn etwas wesen­haft fin­ster ist, bleibt es auch im Licht fin­ster, „wie ein schwar­zes Loch“. Das Licht scheint und beleuch­tet – nichts! Was sich dage­gen beleuch­ten lässt und erkenn­ba­re Gestalt gewinnt, das ist Licht! Ein Läu­te­rungs­pro­zess klingt auch hier an die­ser Stel­le an: das Licht „heilt“ die gekränk­te, ver­min­der­te, ursprüng­lich gut geschaf­fe­ne, ver­fin­ster­te Sub­stanz des Men­schen. Jesus trat des­halb so über­aus wirk­mäch­tig als Arzt in Erschei­nung. Das Hei­len der mensch­li­chen Gebre­chen blieb immer eine zen­tra­le Beru­fung der Kir­che und fand einen sicht­ba­ren Nie­der­schlag in der Pfle­ge und Behand­lung Kran­ker, aber auch in Wun­der­hei­lun­gen durch die Für­bit­te der Hei­li­gen. Im Licht der Leh­re der Kir­che muss alles geprüft wer­den und wird sei­nen Cha­rak­ter erwei­sen. Es ist nicht „über­heb­lich“, so vor­zu­ge­hen, wie Fran­zis­kus behaup­tet, son­dern so ist es uns gebo­ten zu unse­rem Heil und dem der gan­zen Welt.

4. Das „Vorurteil“ als Kampfbegriff gegen die Objektivität

Ein letz­tes Wort sei gegen den gedan­ken­lo­sen Ein­satz des Begrif­fes „Vor­ur­teil“ durch Papst Fran­zis­kus ein­ge­wandt: Wir mei­nen zu wis­sen, was ein „Vor­ur­teil“ ist. Bis weit ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein hät­te nie­mand von „Vor­ur­tei­len“ gespro­chen. Er hät­te von einem „Urteil“, „Fehl­ur­teil“ oder „Irr­tum“ gespro­chen. Man hät­te einem bestimm­ten Urteil auf­grund ratio­na­ler Ein­wän­de viel­leicht nicht zuge­stimmt. Man hät­te aber nicht bestrit­ten, dass das Urtei­len, die Gewin­nung einer aus­schließ­li­chen Über­zeu­gung an sich selbst, legi­tim sei.

Was aber meint der Begriff „Vor-Urteil“, der 1954 von Gor­don All­port theo­re­tisch begrün­det wor­den sein soll und als nega­ti­ver Kampf­be­griff all­täg­lich ver­wen­det wird? ((Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Vorurteil#Definitionen, abge­ru­fen am 17.9.2013)) Es lässt sich schnell defi­nie­ren, was die Rede von den „Vor­ur­tei­len“ meint: Wer „Vor­ur­tei­le“ hat, denkt angeb­lich abwer­tend oder dis­kri­mi­nie­rend über ande­re, liegt damit selbst­ver­ständ­lich falsch und muss zurecht­ge­wie­sen wer­den. Der Begriff ist ein ideo­lo­gi­scher Tot­schlä­ger, denn jedes Urteil kann als Vor­ur­teil zurück­ge­wie­sen wer­den. Fast jedem All­tags-Urteil haf­tet etwas Vor­läu­fi­ges an. Dar­aus ist ver­nünf­tig nicht zu schlie­ßen, dass ein sol­ches „vor­schnel­les“ Urteils falsch oder abwer­tend sein muss. Das Urteil ist sach­lich mög­li­cher­wei­se kor­rekt, aber spon­tan gefällt. Die Mög­lich­keit posi­ti­ver Vor-Urtei­le wird bezeich­nen­der­wei­se von­sei­ten der Begriffs­an­wen­der nicht in Erwä­gung gezo­gen – auch dies ein Hin­weis auf die hohe ideo­lo­gi­sche Kon­ta­mi­na­ti­on die­ses Wor­tes.

Und wie kann das „Vor­ur­teil“ scharf abge­grenzt wer­den von aus­rei­chend begrün­de­ten und bewuss­ten Urtei­len? Es ist unschwer zu erken­nen, dass dies nicht mög­lich ist. Nie­mand ist in der Lage, ratio­na­le, all­ge­mein­gül­ti­ge Kri­te­ri­en zu for­mu­lie­ren, nach denen ein ille­gi­ti­mes „Vor­ur­teil“ von einem legi­ti­men Urteil unter­schie­den wer­den kann. Ratio­nal lässt sich nur über die Begründ­et­heit eines Urteils ent­schei­den.

Längst hat sich die Rede von der Ille­gi­ti­mi­tät der Vor­ur­tei­le zum Gemein­platz auf­ge­weicht, man dür­fe über­haupt nicht urtei­len. „Urtei­len“ wird als gleich­be­deu­tend mit „ver-urtei­len“ auf­ge­fasst. Die Kri­tik­fä­hig­keit ist ver­lo­ren gegan­gen: jedes Urteil wird als ein Urteil ad per­so­nam – als nar­ziss­ti­sche Krän­kung — auf­ge­fasst, nicht mehr in der Sache, also ad rem!

Iro­nisch spre­chen wir bereits von „poli­ti­cal cor­rect­ness“, einem vor-tota­li­tä­ren gesell­schaft­li­chen Kli­ma, das nicht mehr ertra­gen will, dass jemand auf­grund ratio­na­ler Erwä­gun­gen zu uner­wünsch­ten Urtei­len kommt. In man­cher Ein­zel­fra­ge – zum Bei­spiel der nach der Homo­se­xua­li­tät – geschieht inzwi­schen in vie­len Staa­ten eine Kri­mi­na­li­sie­rung all jener, die aus wohl­erwo­ge­nen Urtei­len her­aus nicht bereit sind ein ideo­lo­gisch fun­dier­tes Urteil über das Phä­no­men zu tei­len, im Rah­men von „Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­zen“. Es genügt der ver­ba­le Wider­spruch, um vor ein Gericht gestellt zu wer­den.

Fran­zis­kus ist zu fei­ge, sich zu The­men wie dem genann­ten öffent­lich zu äußern und win­det sich wie eine Schlan­ge zwi­schen Licht und Fin­ster­nis. Er will im Licht sein und doch die Fin­ster­nis nicht brüs­kie­ren: „Wer den christ­li­chen Glau­ben lebt, flüch­tet nicht aus der Welt oder sucht irgend­ei­ne Hege­mo­nie, son­dern stellt sich in den Dienst des Men­schen; er dient dem gan­zen Men­schen und allen Men­schen, begin­nend bei den Peri­phe­rien der Geschich­te, stets erfüllt von der leben­di­gen Hoff­nung, die trotz allem zu Wer­ken des Guten drängt, und den Augen dem Jen­seits zuge­wandt.

Der Christ „ist nicht von die­ser Welt“. Sein Stre­ben ist, dass er nicht dem Men­schen, son­dern dem Herrn die­nen will. Dass der Herr, der sich zum Die­ner aller gemacht hat, auch die Sei­nen zum Dienst an allen aus­sen­det, ist wahr. Ob der Herr im Ein­zel­fall dabei „bei den Peri­phe­rien der Geschich­te“ begin­nen will, soll­ten wir IHM nicht vor­schrei­ben. War­um soll­te er nicht im Zen­trum wir­ken wol­len?

War­um aber erwähnt Fran­zis­kus nicht, dass der Christ pri­mär sei­nem Herrn und erst sekun­där dem Men­schen dient? Weiß er nicht, dass die­se pri­mä­re Moti­va­ti­on erst das spe­zi­fisch Christ­li­che aus­macht und den „Dienst am Men­schen“ unter­schei­det von der Ver­göt­zung des Men­schen, der alle Welt frönt?

Ein tie­fer Seuf­zer ent­fährt mir – O, Fran­zis­kus, war­um wirfst Du Dich nicht vor IHM nie­der und flehst unse­re Mut­ter um Für­bit­te an, war­um lässt Du Dir nicht raten von klu­gen Män­nern und Frau­en, bevor Du redest oder schreibst? Was willst Du hin­ter­las­sen mit solch chao­ti­schen und fal­schen Ver­laut­ba­run­gen? Soll die Kir­che unter Dir zusam­men­sin­ken wie eine ver­mo­der­te Lei­che? Wenn ich nicht wüss­te, dass nicht Du es bist, der die Kir­che bewahrt vor den Pfor­ten der Höl­le – ich müss­te es jetzt befürch­ten!

O Maria!

* Han­na Jüng­ling, frei­schaf­fen­de Musi­ke­rin, Schrift­stel­le­rin und Künst­le­rin

Text: Han­na Jüng­ling
Bild: Zeit­schnur

28 Kommentare

  1. Der hw Domi­ni­ka­ner­pa­ter Gio­van­ni Caval­co­li , 
    Dozent für Moral­theo­lo­gie und Christ­li­che Anthro­po­lo­gie an der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Emi­lia-Roma­gna, 
    hat vor gut drei Mona­ten einen sehr treff­li­chen Vor­trag zum The­ma
    „Der Dia­log­kult und die Fein­de Jesu“
    gehal­ten.
    Ein Aus­zug:

    -
    [.…]
    „Chri­stus sagt uns klar und deut­lich, 
    wenn wir sei­ne Jün­ger sein und mit ihm an der Ret­tung der Welt mit­wir­ken wol­len, 
    dann müs­sen auch wir den Mut haben, unse­re Iden­ti­tät als Kin­der Got­tes zu zei­gen, 
    indem wir uns den Irr­tü­mern und Sün­den der Welt für deren Rei­ni­gung und Ret­tung wider­set­zen 
    auch um den Preis, wie Selbst­ge­rech­te zu erschei­nen.
    Dar­aus folgt eine letz­te Kon­se­quenz: 
    Wir müs­sen 
    den scha­len, ergeb­nis­lo­sen und zwei­deu­ti­gen Dia­log­kult unse­rer Tage 
    kor­ri­gie­ren, 
    eine Pra­xis, die, wenn wir das Vor­bild von Chri­stus ernst neh­men, 
    ganz und gar nicht christ­lich ist und 
    unter des­sen Deck­man­tel von Freund­lich­keit und Tole­ranz sich ein beschä­men­der Oppor­tu­nis­mus 
    und ein Dop­pel­spiel ver­steckt, das eines wah­ren Jün­gers Chri­sti abso­lut unwür­dig ist.

    Wenn wir von uns wirk­lich sagen wol­len, sei­ne Jün­ger zu sein, 
    dann müs­sen wir in einer Art mit den Men­schen unse­rer Zeit spre­chen, 
    die wenn nötig – und wir hof­fen natür­lich, daß dies sel­ten der Fall ist – 
    auch har­te und muti­ge Töne gebraucht, auch auf die Gefahr hin, 
    Ver­fol­gung zu erlei­den oder sogar zum Preis unse­res Lebens.

    Wenn Chri­stus sich damit begnügt hät­te, 
    es wie Bud­dha oder Moham­med zu machen, 
    gäbe es kein
    „Myste­ri­um cru­cis“, 
    das der Weg und das Unter­pfand für unser ewi­ges Heil ist“.
    -

    Zum gesam­ter Text:

    https://katholisches.info/2013/05/16/der-dialogkult-und-die-feinde-jesu/

  2. ein ganz treff­li­cher Text von Han­na Jüng­ling-von mes­ser­schar­fem Ver­stand eine glanz­vol­le Ana­ly­se
    was aber noch wich­ti­ger ist :gläu­big und vol­ler Lie­be zu Chri­stus, sei­ner Braut.nur so kann man kom­pe­tenst von sol­chen Din­gen reden.
    Ein Appell der mir in den Ohren nachhallt.Es ist der Auf­schrei des von den Funk­tio­nä­ren im Stich gelas­se­nen enga­gier­ten guten gläu­bi­gen Men­schen
    Möge doch die­ses Schrei­en über die Alpen hin­un­ter ins Herz der sicht­ba­ren Kir­che drin­gen-wenn unge­hört, es wird sicher ins Herz des vom Vater erhöh­ten Herrn drin­gen-der erschei­nen wird auf den Wol­ken des Him­mels mit gro­sser Macht und Herr­lich­keit und mit dem Zei­chen des Kreu­zes Rechen­schaft ein­for­dern von einem jeden nach sei­nem Tun.Dann gibt es kei­ne Ver­dre­hun­gen und Aus­flüch­te mehr, denn Sei­ne Urtei­le sind wahr und gerecht.

  3. Ähn­li­ches hat­ten wir schon zu Zei­ten des soge­nann­ten Kon­zils, und danach, da wur­den vie­le Prie­ster weil sie mit der Frei­ga­be des Zöli­ba­tes rech­ne­ten, und da lie­ßen sich vie­le schei­den und gin­gen zur Über­näch­sten , weil sie mit der Frei­ga­be der Eheun­auf­lös­lich­keit rech­ne­ten. Wer das Reich Got­tes zu ver­kün­den hat ver­letzt sei­ne Auf­ga­be wenn er dia­lo­gi­siert.

    • nein, nach mei­ner Erfah­rung waren es nicht sosehr die ange­hen­den Prie­ster, die mit der Frei­ga­be des Zöli­ba­tes rech­ne­ten-es wur­de ihnen damals sug­ge­riert, in Aus­sicht gestellt von mass­geb­li­chen Pro­fes­so­ren, Regen­tes in Seminarien,welche sich zT abfäl­lig etwa über Papst Paul als Pil­len­pau­li vor den Alum­nen äusser­ten, von einem ver­he­ren­den State­ment wie folgt sich nicht ent­hal­ten konn­ten „punk­to Zöli­bat wird es gewis­se Erleich­te­run­gen(?) geben“ so ein Rat eines Dekans(der spä­ter Bischof wur­de-aber end­lich von Rom abge­setzt wur­de).
      Es ist unver­ant­wort­lich sol­che The­sen zu ver­brei­ten beson­ders in kri­ti­schen Zei­ten-die sind wie­der präsent-.Mich beelen­den die­se Getäusch­ten und Ent­täusch­ten und höre nicht auf sie in mei­ne arm­se­li­ge Für­bit­te mit­zu neh­men.

  4. Fort­set­zung des Dia­logs im Thread des Arti­kels „Sedis­va­kanz“
    https://katholisches.info/2013/09/26/stichwort-sedisvakanz-aus-aktuellem-anlass/

    Sehr geehr­te Frau Jüng­ling,
    zu Ihrer wort­rei­chen Kri­tik an dem Schrei­ben von Papst Fran­zis­kus an den Athe­isten Scal­fa­ri möch­te ich auf man­che Unsach­lich­keit und man­chen Irr­tum (neben manch Uner­klär­li­chem und Unzu­tref­fen­dem) hin­wei­sen.

    Sie schrei­ben:
    „Fran­zis­kus hat allein des­we­gen unrecht, weil ihm die Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit Got­tes kei­ne Erwäh­nung wert ist.“ Das ist Unsinn. Der Papst ant­wor­tet in sei­nem Brief auf ganz kon­kre­te weni­ge Fra­gen. Dass er nicht jedes Dog­ma und jede Glau­bens­wahr­heit erwäh­nen kann ist offe­sicht­lich – oder um es mit Ihren eige­nen Wor­ten zu sagen: „Wenn ein Auf­satz ein bestimm­tes The­ma hat, kann dar­in unmög­lich auf alles ein­ge­gan­gen wer­den, was in einem Zusam­men­hang damit steht. Es ist nur ein Auf­satz, bei dem man sein Ziel nicht aus den Augen ver­lie­ren will“. Andern­falls müss­te man wohl auch Ihnen beschei­ni­gen, dass Sie ‑allein schon aus die­sem Grun­de (!) – unrecht haben, trotz Ihrer wort­rei­chen Abhand­lun­gen, die in der Tat vie­le schö­ne Wor­te ent­hal­ten.

    Sie schrei­ben:
    „Mit dem Kon­zil haben Johan­nes XXIII. und Paul VI. die „Öff­nung zur Welt“ prak­ti­ziert, die nicht mehr das Opfer Jesu und eine Schei­dung der Gei­ster zur Ret­tung der ein­zel­nen See­len, son­dern All­ver­söh­nung, das Shake-hands von Licht und Fin­ster­nis und die merk­wür­di­ge theo­re­ti­sche Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung der Men­schen zur „Mensch­heits­fa­mi­lie“ ins Zen­trum der Ver­kün­di­gung stell­te.“
    Die Erlö­sung (des Men­schen!) war schon immer die Ver­kün­di­gung der Kir­che. Es ist die Fro­he Bot­schaft schlecht­hin. Adres­sat die­ser Fro­hen Bot­schaft ist in der Tat die gan­ze Mensch­heits­fa­mi­lie – und das nicht erst seit Johan­nes XXIII.! Juden und Hei­den – alle Men­schen.
    Auch im Gebet, dass Jesus uns selbst gelehrt hat, heißt es „kol­lek­ti­vie­rend“ „Vater UNSER…“.
    Vgl. (übri­gens auch zum „welt­li­chen“ Frie­den, den anzu­ster­ben für Sie ein Pro­blem dar­stellt:
    http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/messages/peace/documents/hf_ben-xvi_mes_20071208_xli-world-day-peace_ge.html

    For­te­set­zung folgt

  5. Fortsetzung1

    Sie schrei­ben in Bezug auf die mono­the­isti­schen Reli­gio­nen:
    „In der Tat mei­nen aber alle drei einen jeweils ande­ren Gott.“

    Einen JEWEILS ANDE­REN…
    Ich neh­me mal an, dass Sie neben den genann­ten, näm­lich Chri­sten­tum und den Islam, als drit­te Reli­gi­on das Juden­tum mei­nen. Und Sie behaup­ten, dass auch der Gott der Juden ein ande­rer sei als der der Chri­sten und erei­fern sich in schein­bar (!) logi­schen aber äußerst kurz­sich­ti­gen Schluss­fol­ge­run­gen.

    Inter­es­san­ter­wei­se füh­ren Sie zu die­sem The­ma die Erläu­te­run­gen an von P. E. Reck­ten­wald FSSP und P. F. Pro­sin­ger, so als wür­den die­se Ihre Posi­ti­on unter­stüt­zen. Wer aber die Arti­kel der bei­den Theo­lo­gen auf­merk­sam gele­sen hat, wird fest­stel­len, dass genau das Gegen­teil der Fall ist. Bei­de bestä­ti­gen die auch von den Päp­sten ver­tre­te­ne Hal­tung, dass Mus­li­me bzw. Juden (den­sel­ben) Gott mei­nen und anbe­ten wie wir Chri­sten – auch wenn das Got­tes­bild ein ande­res ist. So sieht es die Kir­che, wie Sie auch aus den Wor­ten der Päp­ste erse­hen kön­nen. Es ist unnö­tig, alles dort Gesag­te zu wie­der­ho­len, es kann ja jeder nach­le­sen, nur dies:
    P. Reck­ten­wald: „Noch viel weni­ger hebt die Leug­nung der Drei­fal­tig­keit die Refe­renz auf den einen Gott auf. Auch die Juden wuß­ten noch nichts von der Drei­fal­tig­keit, den­noch war Jah­we, an den sie glaub­ten, der eine drei­fal­ti­ge Gott. Die Mus­li­me glau­ben wie die Juden und die Chri­sten an den Gott Abra­hams, Isaaks und Jakobs. Daß Chri­stus die Drei­fal­tig­keit Got­tes offen­bar­te, macht Jah­we im Nach­hin­ein nicht zu einem ande­ren Gott. Es ist der­sel­be Gott, über den eine wei­te­re Wahr­heit geof­fen­bart wur­de.“
    P. Pro­sin­ger: „Anstatt die selbst­ge­rech­te Behaup­tung auf­zu­stel­len, die Mus­li­me und die Juden wür­den nicht an den wah­ren Gott glau­ben (im Gegen­satz zu uns!), soll­ten wir die Her­aus­for­de­rung derer, die die Ein­zig­ar­tig­keit Got­tes bezeu­gen wol­len, anneh­men.“

    Sie bemän­geln „Äqui­vo­ka­tio­nen, die Anlass zu Miss­ver­ständ­nis­sen, Ent­täu­schun­gen, Ver­wir­rung und Riva­li­tä­ten“ geben, und stel­len aber gleich­zei­tig fest, dass ein (sog. offe­ner) Dia­log, der den ande­ren anhört und ihn zu ver­ste­hen sucht und so zur Klä­rung der Begrif­fe bei­tra­gen kann, nicht nur sinn­los ist son­dern dass „eine sol­che Visi­on vom „Dia­log“ (…) unmensch­lich [ist]und (…) den Men­schen sei­ner Wür­de [beraubt]“. Offen­sicht­lich ist auch das Unsinn.

    Genau des­we­gen, lie­be Frau Jüng­ling ist recht­ver­stan­de­ner Dia­log (der etwas ganz ande­res ist als das, was ein Erz­bi­schof Zollitsch und die DBK dar­un­ter ver­ste­hen), wich­tig. Kein ver­nünf­ti­ger Mensch wird das bestrei­ten, und kein Katho­lik wür­de behaup­ten, dass (recht­ver­stan­de­ner) Dia­log, so wie ihn Bene­dikt XVI. und auch Papst F. emp­feh­len, eine Form des Auf­trags des Chri­sten ist.
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/02/dialog-ist.html
    http://frischer-wind.blogspot.de/2011/08/dialog-mission_27.html

    • Einen JEWEILS ANDE­REN…
      Ich neh­me mal an, dass Sie neben den genann­ten, näm­lich Chri­sten­tum und den Islam, als drit­te Reli­gi­on das Juden­tum mei­nen. Und Sie behaup­ten, dass auch der Gott der Juden ein ande­rer sei als der der Chri­sten und erei­fern sich in schein­bar (!) logi­schen aber äußerst kurz­sich­ti­gen Schluss­fol­ge­run­gen.

      Man lernt immer neu dazu. Das habe ich auch nicht gewußt das der „Drei­fal­ti­ge Gott“ eine kurz­sich­ti­ge Schluss­fol­ge­rung ist.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  6. Fort­set­zung 2

    Sie kri­ti­sie­ren, dass F. von der „Zärt­lich­keit Got­tes“ und der „Sanft­mut der Chri­sten“ spricht und die Sanft­mut als die tief­ste Hal­tung bezeich­net, die es für einen (kul­tu­rel­len wie auch den reli­giö­sen) Dia­log braucht.
    Sie mei­nen:
    „Nüch­tern bemerkt ist es hin­sicht­lich der Wahr­heit nicht von Belang, ob sie sanft oder unsanft vor­ge­tra­gen wird – was wahr ist, ist wahr.“ Natür­lich! Selbst­ver­ständ­lich kön­nen Sie Anders­gläu­bi­gen die Wahr­heit ins Gesicht klat­schen, so wie Sie das in die­sem Forum, auf Ihrem Blog oder sicher auch bei sich zu Hau­se tun. Das hat aber mit der Tugend der Klug­heit und wirk­li­cher christ­li­cher Lie­be nicht viel zu tun. Für den per­sön­li­chen Dia­log von Mensch zu Mensch ist aber die per­sön­li­che Ein­stel­lung durch­aus für den Erfolg des Dia­lo­ges (den wir ja wün­schen um das Got­tes­reich zu bau­en) wich­tig. Da ist es ein Unter­schied, ob Sie sich fein­füh­lig dem ande­ren nähern wol­len, oder ob Sie wie ein Ele­phant im Por­zel­lan­la­den alles zer­stamp­fen was schon dage­we­sen wäre. Nicht der Spruch „Der Ton macht die Musik!“ klingt hier an, son­dern — wenn schon ein Spruch, dann doch eher „Mit einem Trop­fen Honig fängt man mehr Flie­gen als mit einem Fass voll Essig“.

    Aller­dings ver­ken­nen Sie hier, dass es sich bei der Sanft­mut um eine christ­li­che Tugend han­delt, die wir uns aneig­nen sol­len: Chri­stus sagt selbst: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanft­mü­tig und demü­tig von Her­zen; so wer­det ihr Ruhe fin­den für eure See­le“ (Mt 11,29). Sicher ist Ihnen bekannt, dass die Herz-Jesu-Ver­eh­rung eine beson­de­re Stel­lung bei den Jesui­ten hat, aus der auch F., wie die stän­di­ge Erwäh­nung der Tugen­den Demut und Sanft­mut zei­gen, merk­lich schöpft.

    Ihr Satz: „Die Auf­wer­tung der „Ver­packung“ zum unver­zicht­ba­ren Bestand­teil der Wahr­heit, eine irri­ge Frucht des „Pasto­ral­kon­zils“, hat nicht nur die tra­di­tio­nel­le Lehr­ver­kün­di­gung in Miss­kre­dit gebracht, son­dern die Wahr­heit ihrer Objek­ti­vi­tät beraubt“ ist offen­sicht­li­cher Unsinn. Weder wird die „Ver­packung“, also die „Ver­kün­di­gung in der Hal­tung der Sanft­mut“, ein „unver­zicht­ba­ren Bestand­teil der Wahr­heit“, son­dern trans­por­tiert die Wahr­heit viel­mehr, noch wur­de durch die­sen Anspruch die Wahr­heit „ihrer Objek­ti­vi­tät beraubt“. Wie soll das denn gesche­hen sein? Noch­mal: Dadurch, dass ich in sanft­mü­ti­ger Hal­tung einen Dia­log füh­re, dadurch soll die Wahr­heit an Objek­ti­vi­tät ver­lie­ren? … Schmarrn.

    • “ Da ist es ein Unter­schied, ob Sie sich fein­füh­lig dem ande­ren nähern wol­len, oder ob Sie wie ein Ele­phant im Por­zel­lan­la­den alles zer­stamp­fen was schon dage­we­sen wäre.“

      „Ihr seid nicht heiß, ihr seid nicht kalt, ihr seid nur lau. Ich spuck euch aus.“
      Ist das fein­füh­lig genug?
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  7. Fort­se­tung 3

    Ich wüss­te nicht dass die Kir­che ihre Leh­re ver­kün­det unter der Prä­mis­se „Friss oder stirb“. Schein­bar stel­len Sie sich so „die tra­di­tio­nel­le Lehr­ver­kün­di­gung“ vor. In sol­cher unbarm­her­zi­ger und arro­gan­ter Wei­se wol­len Sie denen, denen Sie die Wahr­heit ver­kün­den, kei­nen Raum für einen Rei­fungs­pro­zess hin zum wah­ren Glau­ben las­sen. Sie mei­nen: “in mei­ner „Umkehr“ voll­zieht sich kein lebens­lan­ger „Dia­log“ zwi­schen dem Vor­her und Nach­her, son­dern sogar eine regel­rech­te Läu­te­rung aus dem Vor­her her­aus.“ Ja, aber des­we­gen bin ich nach mei­ner Bekeh­rung den­noch ein Kind mei­ner Zeit, im wesent­li­chen noch immer ein Kind mei­nes kul­tu­rel­len und son­sti­gen Umfel­des.

    Frei­lich wider­spre­chen Sie sich selbst, wenn Sie den­noch von einem „Umge­stal­tungs­pro­zess“ spre­chen, den aber nicht nur eine Kul­tur, son­dern auch jeder ein­zel­ne von uns – und zwar genau ein Leben lang – durch­läuft. Auch nach sei­ner Bekeh­rung – bis zu dem Punkt an dem wir voll­kom­men in Chri­stus umge­stal­tet, sprich hei­lig sind. Oder leug­nen Sie, dass dies für jeden von uns eine Lebens­auf­ga­be ist?

    Sie raten (mit Recht) dazu den ande­ren, „den Frem­den“, nicht zu unter­schät­zen.
    Zitat: „Er irrt, weil er ein irren­der Mensch ist, wie ich einer war, bevor mich Jesus berühr­te und wie­der bin, sobald ich mich von Jesus abwen­de. War­um soll­ten wir anneh­men, dass sein Wider­spruch ein Miss­ver­ständ­nis sei, das sich mit ein paar Dia­log­sit­zun­gen auf­lö­sen lässt?“ Ande­ren wol­len Sie also ver­wei­gern, was Ihnen selbst wie­der­fah­ren ist, dass Jesus sie mög­li­cher­wei­se berüh­re — durch eine Erklä­rung, einen Hin­weis, ein Aus­räu­men eines Vor­ur­teils (zu dem Begriff spä­ter noch).

    Sie fra­gen:
    „Wie viel Sinn ergibt der Ver­such, eine Aus­sa­ge, die eine Reli­gi­on für wahr hält, in „Dia­log“ mit ihrem Wider­spruch zu brin­gen?“ Gegen­über der Reli­gi­on als Gan­zer gese­hen, bringt das nichts. Aber gegen­über einer kon­kre­ten Per­son, einer Per­son, die an der Wahr­heit inter­es­siert und des­we­gen offen ist für einen Dia­log, die zuhört und sich Gedan­ken über das Gehör­te macht, für die­se Per­son kann es die­se Berüh­rung durch Jesus sein – wer woll­te das in Abspra­che stel­len. Aber hier gilt: wir säen; was dar­aus wird müs­sen wir Gott über­las­sen.

    Fort­set­zung folgt

    • „Ich wüss­te nicht dass die Kir­che ihre Leh­re ver­kün­det unter der Prä­mis­se „Friss oder stirb“.“

      „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  8. Fort­set­zung 4

    Noch zum Begriff des Vor­ur­teils. Ein Vor­ur­teil ist ein Urteil, das ich über jeman­den gefasst habe, aber nicht der Wirk­lich­keit ent­spricht. Und zwar habe ich mir die­ses Urteil gebil­det, weil ich nicht die Mög­lich­keit (oder das Inter­es­se dar­an) hat­te, her­aus­zu­fin­den, wie es in Wirk­lich­keit ist. Die­ses Vor­ur­teil kann aber, wenn ich es zur Grund­la­ge mei­nes Han­delns mache, zu Unge­rech­tig­keit (in jeg­li­cher Aus­prä­gung) füh­ren.

    Was Sie aller­dings zu die­sem Begriff schrei­ben, ist abso­lut suspekt: Unsinn, ver­mengt mit wikipedia-„Wissen“ (s. Quel­len­an­ga­be), das jeg­li­chem Bezug zu dem Gebrauch von Papst F. bar ist. Sie behaup­ten: „Bis weit ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein hät­te nie­mand von „Vor­ur­tei­len“ gespro­chen.“ Um dann (mit Beru­fung auf wiki­pe­dia, das Sie aber lei­der wie­der falsch inter­pre­tie­ren) zu behaup­ten, dass der Begriff „von Gor­don All­port theo­re­tisch begrün­det wor­den sein soll und als nega­ti­ver Kampf­be­griff all­täg­lich ver­wen­det wird“.Unsinn!

    Selbst­ver­ständ­lich hat man auch vor dem 20. Jh. von „Vor­ur­tei­len“ gespro­chen und wuss­te, was das ist. Einen Beweis fin­den Sie z. B. im Titel einer im Jah­re 1813 erschie­ne­nen Novel­le von Jane Austen, namens „Pri­de and Pre­ju­di­ce“ – „Stolz und Vor­ur­teil“. Ja, wir wis­sen, was ein Vor­ur­teil ist: z. B. dass alle Ita­lie­ner Spa­ghet­ti-Esser sind; oder dass die Katho­li­ken Men­schen­fres­ser sind und Maria anbe­ten, oder dass alle Deut­schen blaue Augen und blon­de Haa­re haben, Leder­ho­sen und Dirndl tra­gen und Nazis sind. Und tat­säch­lich könn­ten sol­che Vor­ur­tei­le durch mut­ein­an­der­ge­führ­te Gesprä­che auf­ge­klärt und abge­baut wer­den – im kul­tu­rel­len wie im reli­giö­sen Bereich. Gibt es über­haupt eine ande­re Mög­lich­keit, Vor­ur­tei­le abzu­bau­en?

    In oben genann­tem Sin­ne gebraucht es F. wenn er (war­um nur unter­stel­len Sie F. Gedan­ken­lo­sig­keit?) an Scal­fa­ri schreibt: „So kam es zwi­schen der Kir­che und der christ­lich inspi­rier­ten Kul­tur einer­seits und der moder­nen, von der Auf­klä­rung gepräg­ten Kul­tur ande­rer­seits zu einer Kon­takt­un­fä­hig­keit. Nun ist die Zeit gekom­men – und das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat sie ja ein­ge­lei­tet – für einen offe­nen Dia­log ohne Vor­ur­tei­le, der die Tür zu einer ern­sten und frucht­ba­ren Begeg­nung wie­der öff­net.“ (auto­ri­sier­te Über­set­zung aus dem Ita­lie­ni­schen)
    http://www.vatican.va/holy_father/francesco/letters/2013/documents/papa-francesco_20130911_eugenio-scalfari_ge.html
    Gibt es über­haupt eine ande­re Mög­lich­keit, Vor­ur­tei­le abzu­bau­en? Ja: Krieg, Erobe­rung, Ver­skla­vun­g… Okay.

    • Sie irren auch bezgl. des Begrif­fes „pre­ju­di­ce“ (Jane Austen):

      „Vor-urteil“ ist eine Nach­bil­dung des latei­ni­schen „pra­eiu­di­ci­um“. Das aber meint nicht ein­ge­engt ein „Vor­ur­teil“ im Sin­ne einer Dis­kri­mi­nie­rung oder einer nega­ti­ven Vor­an­nah­me, also das ideo­lo­gi­sier­te Ver­ständ­nis des Begrif­fes, wie ich es in mei­nem Text beschrei­be, son­dern „pra­eiu­di­ci­um“ meint fol­gen­des:

      Es kann eine Vor­ent­schei­dung, eine Vor­her­sa­ge (im Sin­ne der Befürch­tung), bei Cae­sar sogar ein maß­geb­li­ches Urteil sein (also „vor“ hier im Sin­ne der Vor­rei­ter­schaft).
      Die abso­lut nega­ti­ve und ideo­lo­gi­sche Ein­engung auf ein „dis­kri­mi­nie­ren­des, vor­ge­fass­tes Urteil“ stammt erst aus der Mit­te des 20. Jh wie ich es erklärt habe.

      Kein ver­nünf­ti­ger und ver­ant­wort­li­cher Mensch, soll­te ein der­art kon­ta­mi­nier­tes Wort unbe­dacht ein­set­zen. Ich kann bei F. nicht erken­nen, dass er sich über die Pro­ble­ma­tik die­ses Begrif­fes über­haupt bewusst ist.

  9. „Nun ist die Zeit gekom­men – und das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat sie ja ein­ge­lei­tet – für einen offe­nen Dia­log ohne Vor­ur­tei­le, der die Tür zu einer ern­sten und frucht­ba­ren Begeg­nung wie­der öff­net.“ (auto­ri­sier­te Über­set­zung aus dem Ita­lie­ni­schen).“

    Wer die­se Welt liebt kennt den Vater nicht. Und wer sich die­se Welt zum Freund macht, macht sich zum Feind Got­tes. Wenn die Zeit kommt wird es kei­nen Dia­log mehr geben. „Ihr habt mich nicht gekannt und ich ken­ne euch auch nicht“.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  10. Ich kann nur jeden Leser bit­ten, mei­nen Text zu lesen und zu prü­fen, ob die­se lang­at­mi­gen Vor­wür­fe zutref­fen oder nicht.

    Nur eine wich­ti­ge Kor­rek­tur: ich habe mich auf Reck­ten­wald und Pro­sin­ger kri­tisch bezo­gen und sie gera­de nicht für mei­ne Argu­men­ta­ti­on als „Unter­stüt­zer“ her­an­ge­zo­gen. Ich habe ihre Posi­ti­on kri­ti­siert.

    Anson­sten: ich habe alles gesagt, was zu sagen war. Auf eine der­art ver­grö­bern­de Kri­tik kann ich nicht wei­ter ein­ge­hen.

    • Lie­be @zeitschnur,

      “ … ob die­se lang­at­mi­gen Vor­wür­fe …“ und „.. ich habe alles gesagt, was zu sagen war. Auf eine der­art ver­grö­bern­de Kri­tik kann ich nicht wei­ter ein­ge­hen.“

      Bei­de Zita­te zei­gen m. E. dass Sie sich von @Frischer Wind per­sön­lich getrof­fen füh­len. Da ich Sie bzw. Ihre Bei­trä­ge immer sehr schät­ze, aber nicht immer in allem Ihnen wirk­lich zustim­men kann, glau­be ich auch berech­tigt zu sein, Ihnen emp­feh­len zu dür­fen, — dia­lo­gisch — den Stand­punkt des/der ande­ren aus deren Sicht bzw. Her­kunft zu betrach­ten.

      Jemand, der nicht aus dem Den­ken der Pius­bru­der­schaft mit geprägt ist, hat wohl auch nicht die glei­chen Ver­ständ­nis­grund­la­gen wie Sie; das gilt aber auch umge­kehrt. Außer­dem ist es wohl so, dass wir alle begrenzt sind und Feh­ler machen kön­nen, auch — und gera­de dann — wenn wir uns ’so sicher sind‘. Zur Demut gehört an die­ser Stel­le gera­de die Fra­ge an den Herrn. „Herr, habe ich mich in eini­gen Punk­ten viel­leicht doch ver­rannt, willst Du mir mit diesem/dieser ande­ren viel­leicht etwas sagen, was mir bis­her ent­gan­gen ist? Herr, ver­zeih mir, wenn ich mir zu sicher war.“

      Wah­re Grö­ße zeigt sich immer auch in der ange­mes­se­nen Demut. Das gilt immer für bei­de Sei­ten. Manch­mal ist die Bereit­schaft zum per­sön­li­chen Dia­log die Brücke zum jeweils ande­ren, auch wenn ich die­se Brücke mehr­fach — und schein­bar ver­geb­lich — betre­ten müss­te.

      Darf ich Ihnen emp­feh­len, mit @Frischer Wind über deren E‑Mail-Adres­se (sie­he Blog) per­sön­lich in Kon­takt zu tre­ten? Ich bin über­zeugt: Sie wür­den sich wun­dern, wie vie­le Gemein­sam­kei­ten es zwi­schen Ihnen bei­den gibt; aber auch ent­decken, wor­aus die Unter­schie­de erwach­sen sind. So nur kann man m. E. fest­stel­len, was an den Vor­wür­fen dran ist.

      Ich wün­sche Ihnen bei­den von Her­zen gutes Gelin­gen dazu und Got­tes rei­chen Segen. Viel­leicht kann ja so sogar eine neue Freund­schaft ent­ste­hen bzw. will Gott Sie so damit beschen­ken.

  11. Die Ein­wän­de von @Frischer Wind sind, zumin­dest was mich angeht, wenig über­zeu­gend. Wie kann man an etwas glau­ben, was man nicht kennt? Natür­lich ist der Jah­we der Juden und der drei­fal­ti­ge Gott der Chri­sten der­sel­be Gott, aber wenn ich ihn letzt­lich nicht als den ken­ne und somit be-ken­ne, der er in Wahr­heit ist, dann hat die­ses Beten zu dem sel­ben Gott und die­ses Glau­ben an den einen Gott kei­ne Sub­stanz in der Wahr­heit.
    Was den Dia­log betrifft, geht die Kri­tik ins Lee­re, weil es letzt­lich in der Fra­ge der Wahr­heit kei­nen Dia­log geben kann. So sah das m. E. auch Jesus. Frei­lich hat auch er, wenn man so will, den Weg des Dia­logs im Sin­ne einer Dar­le­gung sei­nes Stand­punk­tes betre­ten, aber als die­ser Stand­punkt abge­lehnt und ver­wor­fen wur­de, ist er aufs Kreuz gestie­gen und hat kon­se­quent und bis zum Tod die Wahr­heit bezeugt. Und in der Auf­er­ste­hung wur­de von Gott die­ses Zeug­nis als wahr bestä­tigt, so glau­ben wir — und nur wir! Was heu­te die Kir­che unter Dia­log mit ande­ren Reli­gio­nen und Kul­tu­ren ver­steht, darf sich nicht auf Chri­stus beru­fen, denn es ist ein Dia­log in Form einer Suche nach dem klein­sten gemein­sa­men Nen­ner. Ein sol­cher Dia­log führt nicht zur Wahr­heit, son­dern er ver­sucht Kom­pro­mis­se zu schlie­ßen, wo es letz­ten Endes kei­ne Kom­pro­mis­se geben kann. Es stimmt, man soll­te die Wahr­heit den Men­schen nicht um die Ohren hau­en (das ist letztlcih sicher auch nicht@zeitschnurs Absicht!), man soll­te nicht über­all pro­vo­kant auf­tre­ten, aber man muss bei der Wahr­heit blei­ben und sich nicht mit Schein­kom­pro­mis­sen selbst betrü­gen. Aus einem sol­chen (Selbst-)Betrug ent­steht näm­lich nicht der ersehn­te Frie­de und die Ver­stän­di­gung, son­dern nur neu­er Streit oder ein voll­kom­me­nes Abglei­ten in die Lüge. Und wir erle­ben ja momen­tan die „Früch­te“ eines sol­chen jahr­zehn­te­lang falsch geführ­ten Dia­logs bspw. mit den Pro­te­stan­ten. Es sind fau­le Früch­te, die man nun ern­tet, brü­chi­ge Brücken, die man gebaut hat. Und inso­fern erscheint mir der Stand­punkt @zeitschnurs in unse­rer Situa­ti­on und gene­rell wirk­lich als der beden­kens- und beher­zi­gerens­wer­te.

    • Dan­ke — Sie ver­ste­hen, wovon ich rede.
      Ein Detail noch zum Gott der Juden: durch die Ver­wer­fung Jesu, also des Soh­nes, haben sie aller­dings das Got­tes­bild, das das alte Isra­el über­lie­fer­te, ein­ge­engt auf — um es for­ma­li­stisch zu sagen: Der wah­re Gott — (minus) Jesus. Das ist dann defi­ni­tiv nicht der­sel­be Gott wie der der Chri­sten.

      Ich habe übri­gens gera­de Ber­go­gli­os „Über Him­mel und Erde“ gele­sen. Es ist dar­in vie­les auf­fal­lend und im kla­ren Wider­spruch zu den über­lie­fer­ten Dog­men. Aber ganz beson­ders befremd­lich ist, dass Jesus in die­sem Buch nicht vor­kommt.
      Im Kapi­tel „Über Gott“ spricht er nicht ein­mal den Namen Jesu aus. Alle ande­ren Kapi­tel han­deln mehr oder weni­ger von sozia­len und ethi­schen Fra­gen.

      Wir wer­den sehen, dass das, was Ber­go­glio bekennt — nach­prüf­bar und auf der fak­ti­schen Ebe­ne bekennt — nicht der tra­di­tio­nel­len Leh­re der Kir­che ent­spricht. Er lehrt etwas ande­res. Die bei­den ein­zi­gen The­men, bei denen er voll­kom­men, wie es scheint, tra­di­tio­na­li­stisch redet, sind einer­seits die Frau­en­fra­ge (daher auch die Exkom­mu­ni­ka­ti­on des Prie­sters in Austra­li­en), ande­rer­seits sei­ne Auf­fas­sung vom Teu­fel.
      Das passt aller­dings syste­ma­tisch nicht zusam­men.

      • „Tra­di­tio­nel­le Leh­re“ — ich grei­fe die­ses Stich­wort auf, weil sich der inner­kirch­li­che Streit, wie ich das beob­ach­te, doch dar­um dreht, was tra­di­tio­nel­le Leh­re ist und was dar­an (für alle Zei­ten) ver­bind­lich und was ver­än­der­bar (wobei sich das in der brei­te­ren Öffent­lich­keit vor allem auf Moral- und Struk­tur­fra­gen fokus­siert). Das wird doch ins­be­son­de­re im Kon­flikt mit der Pius­bru­der­schaft in punc­to Reli­gi­ons­frei­heit deut­lich.

        Zum Dia­log: Ich sehe nicht, wie­so Dia­log und ein kla­res Bekennt­nis zu Chri­stus sich aus­schlie­ßen sol­len. Es wäre doch wider­sin­nig, wenn ich mit dem Ange­hö­ri­gen einer ande­ren Reli­gi­on einen reli­giö­sen Dia­log füh­re, ohne mei­nen Glau­ben an Chri­stus dar­zu­le­gen. Die Wahr­heit ver­trägt in der Tat kei­ne Kom­pro­mis­se, aber es ist doch auch wahr, dass jeder Mensch eine Wür­de hat, die es zu ach­ten gilt.

        • Da haben Sie mal eben zu 100 Pro­zent die Posi­ti­on der Pius­brü­der und damit die Posi­ti­on der Kir­che bis zum 2. Vati­ka­num über­nom­men. Sehr gut!

        • Es geht nicht drum, dass wir nicht mit­ein­an­der reden, son­dern dar­um, dass nie­mand sei­ne Über­zeu­gung inner­halb des Dia­logs an der Über­zeu­gung des ande­ren trans­for­mie­ren muss.
          Mei­ne Zita­te von F. bele­gen aber, dass er das offen­bar for­dert. Und dage­gen habe ich argu­men­tiert.

          Wesent­lich spielt hier auch die lei­der ver­nach­läs­sig­te Form-Inhalt-Debat­te her­ein: es ist schlech­ter­dings unmög­lich, einen Inhalt bei­zu­be­hal­ten bei inzwi­schen fast kon­trä­rer Form.

          Ich selbst habe erst im Vetus Ordo end­gül­tig ver­stan­den, wor­um es eigent­lich geht . Im Novus ordo war mir das ver­schlos­sen, weil er den Men­schen ins Zen­trum stellt und eben nicht Chri­stus. Die Dra­ma­tur­gie der Hl. Mes­se im Alten Ritus ist total auf Chri­stus hin zen­triert. Das ist wun­der­bar und heil­sam. Erst heu­te mor­gen habe ich wie­der erle­ben müs­sen, wie der Novus ordo dazu führt, dass sich die hal­be Gemein­de selbst dar­stellt udn fei­ert und die Eucha­ri­stie­fei­er auch noch mit einer Fei­er des eige­nen Hand­werks ver­wech­selt wird. Wir essen dann das hei­li­ge Brot, das wir selbst erar­bei­tet haben und natür­lich mit allen tei­len sol­len. Das Opfer Jesu wird im Sin­ne des Myste­ri­ums nicht mehr ver­ständ­lich, die Gesten ver­lie­ren ihren Sinn und der Prie­ster weiß auch so nicht mehr, war­um der Prie­ster zöli­ba­tär lebt. Natür­lich begrieft man dann nur noch ober­fläch­lich, dass es hier irgend­wie um Come-tog­e­ther der „Men­schen­brü­der“ (die es in der Leh­re der Kir­che nicht gibt — da gibt es den Näch­sten, die Men­schen­kin­der und Glau­bens­brü­der/-schwe­stern. Das ist etwas ganz ande­res!) und ach ja… da gibt es ja auch noch Gott…geht.

          Tra­di­tio­nel­le Leh­re heißt: die objek­tiv dar­ge­leg­te Leh­re in lehr­amt­li­chen Akten. Und es heißt: A muss A hei­ßen, B muss B hei­ßen. Der Moder­nis­mus hat dazu geführt, dass man alles der­art aus­dehnt in der Deu­tung, dass man auch das Gegen­teil schließt aus ein und dem­dem sel­ben Satz. Oder ganz ein­fach das an der Leh­re igno­riert, was einem nicht passt.

          Wenn ein Kon­zil etwas for­mu­liert, was vor­her alle Päp­ste aus­drück­lich ver­wor­fen haben samt vor­an­ge­gan­ge­nen Kon­zi­li­en, dann ist das logisch ein Wider­spruch und nicht ein­fach eine „Deu­tungs­mög­lich­keit“. So wird seit dem Kon­zil Stück für Stück abge­tra­gen, was bis dato gelehrt wor­den ist. Und vie­le der Heu­ti­gen wis­sen das nicht, weil sie nie gehört haben, was zuvor gelehrt wur­de.

          • Ich habe den Brief von Fran­zis­kus anders gele­sen als Sie.

            Im Übri­gen zie­he ich die alte Mes­se klar vor, teil­wei­se aus den­sel­ben Grün­den wie Sie, und hal­te die Lit­ur­gie­re­form für ver­fehlt — wobei ich, seit ich die alte Mes­se ken­ne, aber der neu­en Form mit grö­ße­rem Gewinn fol­gen kann. Gegen den Tra­di­tio­na­lis­mus, wie Sie ihn offen­bar ver­tre­ten, habe ich jedoch gro­ße intel­lek­tu­el­le wie emo­tio­na­le Beden­ken. Dies im Detail aus­zu­füh­ren, wür­de hier den Rah­men spren­gen, zumal mir das theo­lo­gi­sche Fach­wis­sen fehlt. Ich kann es nur andeu­ten: Mir erscheint der Tra­di­ti­ons­be­griff ver­kürzt bzw. eine Fik­ti­on. Auch ein zuge­ge­ben ober­fläch­li­cher Blick in die Kir­chen­ge­schich­te lehrt mich, dass es immer Ent­wick­lung gab, und Ent­wick­lun­gen ver­lau­fen mit­un­ter wider­sprüch­lich. (Spon­tan fal­len mir Beicht­pra­xis und Zins­ver­bot ein.) Und aus der Dis­kus­si­on um die Reli­gi­ons­frei­heit habe ich mit­ge­nom­men, dass über­haupt nicht fest­ge­legt, wel­ches lehr­amt­li­che Schrei­ben wel­che Ver­bind­lich­keit erlangt.

  12. @ CHB Lehr­schrei­ben zur Reli­gi­ons­frei­heit:

    Vor allem „Quan­ta cura“ (Pius IX.) und „Mira­ri vos“ (Gre­gor XVI.). Was den islam betrifft wur­de er wirk­lich über­wäl­ti­gend und über Jahr­hun­der­te weg von sehr vie­len Päp­sten als Häre­sie ver­ur­teilt. Assis, ein Koran­kuss — das wäre bis zum Kon­zil ein Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­grund gewe­sen und ein Grudn für eine Amts­ent­he­bung sowie­so.

    Die Reli­gi­ons­freie­hit hängt mit dem Kon­strukt von der Gewis­sen­frei­heit zusam­men.
    Hier­zu die Enzy­kli­ka „Immor­ta­le Dei“ (Leo XIII.).

    Ich kann Ihnen nur emp­feh­len, sich hier ein­fach lang­sam ein­zu­ar­bei­ten. An ande­rer Stel­le habe ich es schon öfters bekun­det: auch ich habe frü­her so gedacht, wie hier man­cher, der meint, sich gegen mei­ne Gedan­ken stem­men zu müs­sen. Es war den­noch für mich eine Art geist­li­cher Hei­lung, nun das Gan­ze in mich ein­zie­hen zu las­sen und nicht nur die total ver­eng­te nach­kon­zi­lia­re Ver­si­on.

    Zum Begriff der Tra­di­ti­on. da sind ja heu­te vie­le leicht sen­ti­men­ta­le und­pa­the­ti­sche Sprü­che in Umlauf wie „Tra­di­ti­on ist nicht das Bewah­ren der Asche, son­dern das Wei­ter­tra­gen der Glut“. Sol­che Sprü­che sind bei genau­er Betrach­tungs­wei­se leer und hohl. Sie geben näm­lich total ins will­kür­li­che Ermes­sen, was man für Asche und was für Glut hält, sagen also über­haupt nichts aus.
    Man soll­te hier viel­leicht ein­fach zurück­fin­den zum objek­ti­ven, ratio­na­len, logi­schen Den­ken. Wenn ein Dog­ma A sagt, meint es A. Es ist unbe­dingt und immer vom Wort­sinn aus­zu­ge­hen. Daher ist ja der Ver­lust der Lati­ni­tas so ver­hee­rend. Die moder­nen Spra­chen unter­lie­gen einem der­art rasan­ten Wan­del, dass nun jeder ganz „krea­tiv“ alles und nichts hin­ein- und her­aus­liest aus der Tra­di­ti­on. Jesus sag­te es ja: ja sei Ja. Nein sei Nein. Punkt.
    man­che ver­su­chen ja, die schos­la­sti­sche Metho­de wie­der zu eta­blie­ren aus die­sem Grund. Ob die aus­reicht, die moder­ne Kri­se zu hei­len, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall führt sie zurück zu einem ver­läss­li­chen und kla­ren Den­ken.

    • Ver­zei­hung — die vie­len Tipp­feh­ler…

      Aber was ich ver­ges­sen hab: Dass Sie den Novus ordo, nach­dem Sie die Alte Mes­se ken­nen­ge­lernt haben, mit grö­ße­rem Gewinn fei­ern kön­nen, ver­ste­he ich. Das ging mir genau­so — wenn der Novus ordo nicht der­art ver­zerrt ist, dass sei­ne eigent­li­che Struk­tur kaum mehr erkenn­bar ist, was lei­der mei­stens der Fall ist.

  13. Ich habe mich in die The­ma­tik ein­ge­ar­bei­tet bis zu dem Punkt, wo ich zu der Erkennt­nis gelangt bin, dass ich die gesam­te Kir­chen- und Dog­men­ge­schich­te stu­die­ren müss­te, um zu einem vali­den Urteil zu kom­men. Ich habe Quan­ta cura gele­sen, auch Pas­cen­di und kann dar­in nicht die gesi­ti­gen Mei­len­stei­ne sehen, als die sie in tra­di­tio­na­li­sti­schen Krei­sen gehan­delt wer­den. Mir feh­len da not­wen­di­ge Dif­fe­ren­zie­run­gen. Indem ich bei­spiels­wei­se Reli­gi­ons- und Gewis­sens­frei­heit beja­he, ste­he ich in der­sel­ben moder­ni­sti­schen Ecke wie ein Theo­lo­ge, der alles Über­na­tür­li­che, das Wun­der­wir­ken Chri­sti oder Sei­ne Auf­er­ste­hung, leug­nen.

    Dar­über hin­aus geht es um eine Meta-Fra­ge: Wie­so soll das Kon­zil die Leh­re zur Reli­gi­ons­frei­heit nicht abän­dern kön­nen? Wie­so soll die­se Leh­re für alle Zei­ten dog­ma­tisch ver­bind­lich sein?

    • Sie haben schon gestern mich in eine anti­mo­der­ni­sti­sche Ecke stel­len wol­len und befürch­ten nun, dass ich Sie in eine moder­ni­sti­sche Ecke stel­le.
      Kei­ne Sor­ge — so den­ke ich nicht. Ich neh­me wahr, wel­che Posi­tio­nen Sie im ein­zel­nen äußern.
      Ich glau­be nicht, dass es genügt, ein­fach eine Posi­ti­on der Kir­che nach­zu­wei­sen und damit zu bewei­sen, dass ihr Inhalt gilt. Jeder Gläu­bi­ge soll natür­lich wis­sen dür­fen, war­um die­se Posi­ti­on gilt.
      „Mei­len­stei­ne“ sind die Rund­schrei­ben des­halb nicht, weil ja die Gewis­sens- und Reli­gi­ons­frei­heit „Errun­gen­schaf­ten“ der Auf­klä­rung sind, davor also nicht zur Debat­te stan­den. Sie sind Reak­tio­nen auf eine plötz­lich auf­tre­ten­de Her­aus­for­de­rung und stel­len eher eine Bekräf­ti­gung der bis­he­ri­gen Leh­re der Kir­che dar.
      Ich hat­te unlängst mit jeman­dem einen Email-Brief­wech­sel, der unbe­dingt nach­wei­sen woll­te, dass die Reli­gi­ons- und Gewis­sen­frei­heit schon lan­ge vor­her Leh­re der Kir­che gewe­sen sei. Er konn­te aller­dings nur dar­auf ver­wei­sen, dass das „Imago-Dei“-Sein des Men­schen ihm eine Wür­de gebe, die ein „Recht auf Irr­tum“ ein­schlie­ße.
      Ich habe die­ses The­ma selbst noch „in der Pipe­line“, bin also damit noch nicht ganz „fer­tig“, aber soweit kann ich mich schon äußern:
      Da die Wür­de des Men­schen als Ima­go Dei ihm sub­stan­zi­ell eig­net, kann er sie nicht ver­lie­ren, aber durch­aus bis gegen Null ver­min­dern, indem er sün­digt oder sich frei und bewusst oder auch unbe­wusst dem Irr­tum ver­schreibt. Die „Höl­le“ ist dann die kon­se­quen­te Fol­ge die­ses Irr­tums-Ent­scheids: der end­gül­ti­ge Ver­lust der Wür­de auf eige­nen, frei­en Wunsch.
      Die Kir­che hat daher eine posi­tiv for­mu­lier­te „Irr­tums­frei­heit“ (die ja inbe­grif­fen ist in der Gewis­sens­frei­heit) stets abge­lehnt: sie wür­de damit dem irren­den Men­schen ein „Recht“ auf Höl­le, auf die Ver­nich­tung ein­ge­ste­hen. Die Kir­che ist dazu nicht in der Welt: sie ist gekom­men zu suchen und selig zu machen, was ver­lo­ren ist. Anders gesagt: ein Recht auf Irr­tum braucht man nicht, weil man schon im Irr­tum ist (wegen der Erb­sün­de).
      Die Kir­che kann allein des­halb kei­ne Reli­gi­ons­frei­heit auf der Basis einer ange­nom­me­nen „Gewis­sen­frei­heit“ gewäh­ren, weil sie den Men­schen nicht wis­sent­lich ins Ver­der­ben ver­ab­schie­den darf. Aller­dings darf sie natür­lich nie­man­den bedrän­gen, der unbe­dingt irren will. Inso­fern müs­sen ande­re Reli­gio­nen oder was auch immer an Irr­tü­mern aus Sicht der Kir­che „hin­ge­nom­men“ wer­den. Auf­trag ist und bleibt, Jesus Chri­stus und den Wil­len des Vaters zu ver­kün­den.
      Die Kir­che hat sich daher — und hier hat die Pius­bru­der­schaft aus logi­schen Grün­den allein schon recht — auf eine häre­ti­sche Linie bege­ben. Wer die Men­schen in Chri­stus lieb­hat, kann ihnen nicht sagen: ja, wer­det auch ohne IHN selig.
      Aber wie gesagt, suche ich selbst gera­de noch nach der tra­di­tio­nel­len Posi­ti­on in grö­ße­rer Prä­zi­si­on.

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