Kardinal Caffarra: „Ohne Wahrheit keine Liebe“ — Vom Diebstahl und der Entleerung des Wortes „Liebe“

Kardinal Caffarra und Benedikt XVI.: Man hat uns Christen und damit der Menschheit das Wort "Liebe" gestohlen und entleert. Doch Liebe existiert nur mit Wahrheit. Ohne Wahrheit keine Liebe.(Bolo­gna) Der Erz­bi­schof von Bolo­gna, Car­lo Kar­di­nal Caf­farra hielt eine Lec­tio magi­stra­lis, die es ein­mal mehr in sich hat. Der Kar­di­nal ist bekannt für sei­ne kla­ren Wor­te und sei­ne unver­kürz­te Ver­kün­di­gung der katho­li­schen Glau­bens­leh­re. Aus die­sem Grund eck­te er bereits mehr­fach bei den zeit­gei­sti­gen Homo­phi­len an. Eine Kon­fron­ta­ti­on, die der Erz­bi­schof nicht scheut. In sei­ner jüng­sten Lec­tio ging es dar­auf ein, daß die Chri­sten sich durch Unacht­sam­keit das Wort „Lie­be“ aus der Hand neh­men haben las­sen. Das Wort sei mit neu­en Inhal­ten gefüllt und damit sei­ner eigent­li­che Bedeu­tung beraubt wor­den. Denn Lie­be exi­stiert nur im Zusam­men­hang mit Wahr­heit. Ohne Wahr­heit gibt es kei­ne Lie­be.

Ein Kind braucht einen Vater und eine Mutter, nicht „Elter 1“ oder „Elter 2“

Die Lec­tio magi­stra­lis hielt Kar­di­nal Caf­farra in Bolo­gna zur Eröff­nung des neu­en Schul­jah­res für katho­li­sche Lehr­kräf­te. Die Medi­en­kom­men­ta­to­ren kon­zen­trier­ten sich auf eine wich­ti­ge Pas­sa­ge, in der der Kar­di­nal sich ent­schie­den gegen die Erset­zung der Wor­te „Vater“ und „Mut­ter“ durch „Elter 1“ und „Elter 2“ aus­sprach. Eine ideo­lo­gisch moti­vier­te Umsprachung im links­li­be­ra­len Ver­nich­tungs­kampf gegen die Fami­lie.

Die Lec­tio ent­hielt jedoch eine wei­te­re Stel­le, die tie­fer ging und grund­le­gen­der ist. Dabei geht es auch um die Dis­kus­si­on rund um den Brief, den Papst Fran­zis­kus jüngst an den Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri und die links­li­be­ra­le Tages­zei­tung La Repub­bli­ca schrieb.

„Ein Schlüsselbegriff der christlichen Lehre ist von der modernen Kultur gestohlen worden“

„Es wird Euch auf­ge­fal­len sein, daß ich mich gehü­tet habe, das Wort ‚Lie­be‘ zu gebrau­chen“, so Kar­di­nal Caf­farra. „War­um das? Weil ein Dieb­stahl gesche­hen ist. Ein Schlüs­sel­be­griff der christ­li­chen Leh­re, eben ‘Lie­be’, ist von der moder­nen Kul­tur gestoh­len wor­den und ist zu einem lee­ren Begriff gewor­den, eine Art Behäl­ter, in den jeder hin­ein­legt, was er meint.“ Auf die­se Wei­se aber, so der Kar­di­nal, „ist die Wahr­heit der Lie­be heu­te schwer ver­mit­tel­bar“.

Die Aus­sa­ge des Erz­bi­schofs von Bolo­gna ist von gro­ßer Bedeu­tung. Der Kar­di­nal erin­ner­te damit alle, vor allem jene, die eine fle­xi­ble Wahr­heit haben möch­ten, daß auch die Lie­be, eben­so wie die Barm­her­zig­keit, eine ganz kon­kre­te Rea­li­tät dar­stellt und damit unver­än­der­li­che Wahr­heit ist und kei­ne belie­big model­lier­ba­re Knet­mas­se. Um deut­li­cher ver­ständ­lich zu machen, was er mein­te, zitier­te Kar­di­nal Caf­farra eine Stel­le aus der Enzy­kli­ka Cari­tas in Veri­ta­te von Bene­dikt XVI.:

„Ohne Wahr­heit glei­tet die Lie­be in Sen­ti­men­ta­li­tät ab. Sie wird ein lee­res Gehäu­se, das man nach Belie­ben fül­len kann. Das ist die ver­häng­nis­vol­le Gefahr für die Lie­be in einer Kul­tur ohne Wahr­heit. Sie wird Opfer der zufäl­li­gen Gefüh­le und Mei­nun­gen der ein­zel­nen, ein Wort, das miß­braucht und ver­zerrt wird, bis es schließ­lich das Gegen­teil bedeu­tet.“

Das ist die katho­li­sche Leh­re, die­sel­be die Papst Fran­zis­kus in sei­nem Dia­log­ver­such mit dem Athe­isten Scal­fa­ri zu ver­mit­teln ver­such­te. Ein Ver­such, der unter ande­rem den Athe­isten dar­an erin­ner­te, daß die Wahr­heit weder ver­än­der­bar noch sub­jek­tiv ist. Eini­ge Pas­sa­gen des Papst­brie­fes waren etwas miß­ver­ständ­lich und boten Scal­fa­ri und La Repub­bli­ca, die maß­geb­li­chen Ein­fluß auf das links­li­be­ra­le Medi­en­spek­trum hat, wenn es um den Vati­kan und Ita­li­en geht, die Mög­lich­keit einer dia­lek­ti­schen Ver­keh­rung. Aller­dings gilt auch: Wo der gute Wil­le fehlt, wird es immer sol­che Ver­zer­rungs­ver­su­che geben, um Gott und der Wahr­heit aus­wei­chen zu kön­nen, ganz egal wie gut ein Text auf for­mu­liert ist.

„Zu behaupten Homo und Hetero sei dasselbe, heißt das Offensichtliche leugnen“

Kar­di­nal Caf­farra war der erste Prä­si­dent des Päpst­li­ches Insti­tuts Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie. Bereits im ver­gan­ge­nen Juli fand er kla­re Wor­te gegen die Homo-Part­ner­schaf­ten. Er ant­wor­te­te damals auf Aus­sa­gen des lin­ken Bür­ger­mei­sters von Bolo­gna. Damals brach­te der Kar­di­nal auf tref­fen­de Wei­se zum Aus­druck, was vie­le an der aktu­el­len Ent­wick­lung bekla­gen: „Zu behaup­ten, daß Homo und Hete­ro ein Äqui­va­lent dar­stel­len, daß es für die Gesell­schaft und für die Kin­der kei­nen Unter­schied macht, heißt das Offen­sicht­li­che leug­nen. Wenn selbst das erklärt wer­den muß, dann muß einem wirk­lich zum Wei­nen zu Mute sein. Wir sind bei einer sol­chen Ver­dun­ke­lung der Ver­nunft ange­langt, daß man denkt, es sei­en die Geset­ze, die die Wahr­heit der Din­ge fest­le­gen.“ Und das sei wahr­lich ein Trau­er­spiel.

In sei­ner Lec­tio magi­stra­lis griff der Kar­di­nal sei­ne Über­le­gun­gen von Juli wie­der auf und es ist wirk­lich zu wei­nen, daß man sol­che Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten heu­te teil­wei­se einem Publi­kum in Erin­ne­rung rufen muß, das so tut, als habe es von allem mög­li­chen eine Ahnung, aber nicht von der Rea­li­tät der Din­ge, nicht ein­mal den ele­men­tar­sten Rea­li­tä­ten des mensch­li­chen Daseins: Die „Homo-Ehe“, so der Kar­di­nal, „ist unfä­hig, die Vor­aus­set­zung für das Wer­den neu­en mensch­li­chen Lebens zu erfül­len“. Den­noch, wie er hin­zu­füg­te, haben ver­schie­de­ne Län­der mit ihren Geset­zen homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen aner­kannt und „die­sen das Recht zur Adop­ti­on oder zur künst­li­chen Befruch­tung zuer­kannt“. Wir ste­hen damit bereits mit­ten drin­nen im Ver­such die lie­ben­de Ver­bin­dung zwi­schen Mann und Frau und die Fort­pflan­zung von­ein­an­der zu tren­nen. Inzwi­schen ist es gleich­gül­tig gewor­den, ob das neue Leben gezeugt oder pro­du­ziert wird. Das The­ma Leih­mut­ter­schaft wird noch unter­schla­gen, aber es steht bereits im Raum.

Die von der Wahrheit entkoppelte Liebe „führt uns zum Abgrund“

Was aber, so Kar­di­nal Caf­farra, „ist dann mit der mensch­li­chen Per­son, die in die Welt tritt?“ Der Irr­tum, zu mei­nen, daß die Ver­bin­dung zwi­schen Mann und Frau ein lee­rer Begriff sei, für den der gesell­schaft­li­che Kon­sens jed­we­den Inhalt beschlie­ßen kön­ne, sei die Zer­stö­rung des grund­le­gend­sten sozia­len mensch­li­chen Net­zes: die Genea­lo­gie des Men­schen. „Der ein­ge­schla­ge­ne Weg, der aus der Lie­be ein von der Wahr­heit ent­leer­tes Kon­zept macht und es nur mit sub­jek­ti­ven Gefüh­len füllt, führt uns zum Abgrund, in dem auch die bio­lo­gi­sche Dimen­si­on als kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment der Genea­lo­gie ver­schwin­det.“

Text: NBQ/Giuseppe Nar­di
Bild: Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na

6 Kommentare

  1. „Das ist die katho­li­sche Leh­re, die­sel­be die Papst Fran­zis­kus in sei­nem Dia­log­ver­such mit dem Athe­isten Scal­fa­ri zu ver­mit­teln ver­such­te. Ein Ver­such, der unter ande­rem den Athe­isten dar­an erin­ner­te, daß die Wahr­heit weder ver­än­der­bar noch sub­jek­tiv ist. Eini­ge Pas­sa­gen des Papst­brie­fes waren etwas miß­ver­ständ­lich und boten Scal­fa­ri und La Repub­bli­ca, die maß­geb­li­chen Ein­fluß auf das links­li­be­ra­le Medi­en­spek­trum hat, wenn es um den Vati­kan und Ita­li­en geht, die Mög­lich­keit einer dia­lek­ti­schen Ver­keh­rung. Aller­dings gilt auch: Wo der gute Wil­le fehlt, wird es immer sol­che Ver­zer­rungs­ver­su­che geben, um Gott und der Wahr­heit aus­wei­chen zu kön­nen, ganz egal wie gut ein Text auf for­mu­liert ist.“

    Wenn das ein direk­tes Caf­farra-Zitat ist, macht es sich der Herr Kar­di­nal zu leicht!
    Wer den Brief F.s gele­sen hat, muss zuge­ben, dass er nicht miss­ver­ständ­lich ist! Der Papst sagt schlicht Wir­res und Fal­sches! Das Dia­log-Gedu­del ist noch nie Leh­re der Kir­che gewe­sen! Die Kenn­zeich­nung derer, die nicht bereit sind, über alles zu dis­ku­tie­ren und alles zum Gegen­stand eines Dia­logs zu machen, nann­te F. „über­heb­lich“ (ital. „arro­gan­te“). Wenn man die Enzy­kli­ken frü­he­rer Päp­ste liest, z.B. „Quan­ta cura“ (Pius IX.) oder „Mira­ri vos“ (Gre­gor XVI.) oder die Ein­däm­mung des Moder­nis­mus durch Pius X., dann kann es sich bei den betref­fen­den Her­ren nur um „über­heb­li­che“ Päp­ste gehan­delt haben.
    F. behaup­tet zwar, dass die Wahr­heit nicht sub­jek­tiv sei. Aber sei­ne unschar­fe Kenn­zeich­nung der Wahr­heit als „Bezie­hung“ führt von der Tat­sa­che ab, dass die Wahr­heit objek­tiv ist und tat­säch­lich „los­ge­löst“ von allen (kor­rum­pie­ren­den) Bedin­gun­gen. Dass ich die­se Wahr­heit inner­halb einer Bezie­hung erken­nen darf, der zu Jesus näm­lich, nimmt ihr kei­nes­wegs den abso­lu­ten Cha­rak­ter!!! Kor­rum­pie­rend kann auch der Anspruch sein, „auf dem Wege“ die oder jene Auf­fas­sung von der Wahr­heit zu haben. Was „wahr“ ist, ver­mit­telt allein das Lehr­amt, wenn es sich vom Hl. Geist füh­ren lässt. Das war bis ca. 1960 wider­spruchs­frei so — danach gab es plötz­lich Wider­sprü­che und die Auf­he­bung gan­zer Berei­che der bis­he­ri­gen objek­ti­ven Wahr­heit. Da die Wahr­heit aber immer ein Gan­zes ist, wur­de damit die gan­ze Wahr­heit der RKK kor­rum­piert. Ent­spre­chend sieht es aus in der Kir­che. Wie wir erfah­ren haben, sieht F. das ja gera­de anders­rum: noch nie ging es der RKK so gut wie heu­te! Und nur die­ser Zustand mach­te einen Brief wie den F.s an Scal­fa­ri mög­lich. Man stel­le sich vor, ob Pius X. oder Pius XII. oder auch Bene­dikt XVI. einen der­art dürf­ti­gen und theo­lo­gisch unhalt­ba­ren Brief geschrie­ben hät­te!
    Es kann nur die Mei­nung sein, loy­al sein zu sol­len oder ret­ten zu müs­sen, was zu ret­ten ist, die Caf­farra dazu ver­lei­tet, nun die­se Schön­fär­be­rei des Papst-Brie­fes zu betrei­ben. Aber fair ist es gegen­über Scal­fa­ri und La Repu­blic­ca nicht, nun den Feh­ler allein bei ihnen zu suchen — das ist nicht nur unge­recht und unwahr­haf­tig, son­dern auch ein erbärm­li­ches Zeug­nis.

  2. Zu die­ser vor­treff­li­chen „lec­tio magi­stra­lis“ pas­send der hl. Augu­sti­nus:
    -
    “ Willst du wis­sen, von wel­cher Art dei­ne Lie­be ist:
    gib acht, wohin sie dich führt !“
    -

  3. Frü­her galt es mal als Man­gel eines Tex­tes, ins­be­son­de­re eines kirch­li­chen Lehr­tex­tes, wenn er anfäl­lig für ver­schie­de­ne Inter­pre­ta­tio­nen bzw. ver­schie­dent­lich deut­bar war. Inso­fern fin­de ich, soll­te man Franz nicht so ein­fach aus der Kri­tik ent­las­sen.

  4. Hal­lo!
    Gibt es eine gute deut­sche Über­set­zung die­ser „lec­tio magi­stra­lis“? Viel­leicht sogar einen aut­ho­ri­sier­ten Text?

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