Interview mit Metropolit Hilarion: „Westen betreibt Selbstmordpolitik“ — Syrien, Papst Franziskus, China und Kreml

Papst Franziskus und Metropolit Hilarion, am Tag nach der Amtseinführung des neuen katholischen Kirchenoberhaupts(Mos­kau) Die Sor­ge um das Schick­sal der Chri­sten Syri­ens, wo “die extre­mi­sti­schen Grup­pen auf die völ­li­ge Aus­lö­schung des Chri­sten­tums“ hin­ar­bei­ten; die Signa­le einer mög­li­chen “Nor­ma­li­sie­rung“ des reli­giö­sen Lebens der ortho­do­xen Chri­sten in der Volks­re­pu­blik Chi­na; der Stand des theo­lo­gi­schen Dia­logs zwi­schen Katho­li­ken und Ortho­do­xen und der prak­ti­schen Zusam­men­ar­beit in der Ver­tei­di­gung mora­li­scher Wer­te und in sozia­len Fra­gen, ste­hen im Mit­tel­punkt eines Inter­views, das Asia­news mit Metro­po­lit Hil­ari­on von Wolo­ko­lamsk führ­te. Der „Außen­mi­ni­ster“ des rus­sisch-ortho­do­xen Patri­ar­chats von Mos­kau ver­tei­digt dar­in das neue, im Westen scharf kri­ti­sier­te rus­si­sche Gesetz gegen Homo-Pro­pa­gan­da. Das Gesetz soll­te west­li­chen Staa­ten viel­mehr als Vor­bild die­nen, die mit ihrer Poli­tik für die „Homo-Ehe“ dem „siche­ren Tod“ ent­ge­gen­ge­hen, so Erz­bi­schof Hil­ari­on.

Die Lage in Syri­en ist dra­ma­tisch. Was denkt die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che über die­sen Kon­flikt?

Die Situa­ti­on in Syri­en weckt in uns gro­ße Sor­ge. Seit lan­gem ist ein bewaff­ne­ter Kon­flikt im Gan­ge, den ich nicht als Bür­ger­krieg bezeich­nen wür­de. Viel­mehr hal­te ich ihn für einen Krieg eini­ger Staa­ten auf dem Gebiet eines ande­ren Staa­tes. Die bewaff­ne­ten Grup­pen, Oppo­si­ti­on genannt, set­zen sich meist in Wirk­lich­keit aus Aus­län­dern zusam­men, die mit aus­län­di­schem Geld kämp­fen.

Was besorgt das Mos­kau­er Patri­ar­chat am mei­sten?

Was die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che am mei­sten besorgt, ist das Schick­sal der Zivil­be­völ­ke­rung und der Chri­sten. Es scheint mir offen­sicht­lich, daß die extre­mi­sti­schen Kräf­te, die die Macht zu erobern ver­su­chen, sich die völ­lig Aus­lö­schung des Chri­sten­tums in Syri­en zum Ziel gesetzt haben. Wo sie an die Macht gelan­gen und sei es nur vor­über­ge­hend, wird die christ­li­che Bevöl­ke­rung eli­mi­niert oder vom eige­nen Land ver­trie­ben und die Kir­chen wer­den zer­stört. Mehr­fach haben wir unse­re Sor­ge zum Aus­druck gebracht und mit der in Syri­en und im Liba­non bestehen­den Kir­che von Antio­chi­en ver­schie­de­ne huma­ni­tä­re Pro­gram­me erar­bei­tet und umge­setzt. Dar­an betei­ligt sich die Kai­ser­li­che Ortho­do­xe Gesell­schaft von Palä­sti­na, eine rus­sisch-ortho­do­xe Orga­ni­sa­ti­on, die eine akti­ve Rol­le im Nahen Osten spielt und sich um die Ver­tei­lung von Medi­ka­men­ten und ande­rem Lebens­not­wen­di­gem küm­mert.

In Syri­en befin­den sich noch zwei ortho­do­xe Bischö­fe in den Hän­den von Ent­füh­rern.

Ja, Metro­po­lit Bou­los Yazi­ji der ortho­do­xen Kir­che von Antio­chi­en und Metro­po­lit Mar Gre­go­ri­os Yohan­na Ibra­him der syrisch-ortho­do­xen Kir­che, deren Schick­sal uns besorgt. Ich ken­ne bei­de per­sön­lich seit vie­len Jah­ren. Sie sind bedeu­ten­de geist­li­che Füh­rer. Wir sind sehr besorgt über ihre Ent­füh­rung und noch mehr, weil wir seit­her kei­ne Nach­richt dar­über haben, wo sie sich befin­den und wie es ihnen geht [die Ent­füh­rung erfolg­te am ver­gan­ge­nen 22. April]. Es gibt unter­schied­li­che Infor­ma­tio­nen, aber kei­ne wur­de je offi­zi­ell bestä­tigt.

Auch Ägyp­ten erlebt eine Eska­la­ti­on der Gewalt und die Chri­sten befin­den sich im Visier.

In Ägyp­ten besorgt uns die Gewalt­es­ka­la­ti­on, für die die Mus­lim­brü­der ver­ant­wort­lich sind, eine Bewe­gung, die wegen ihres Extre­mis­mus in vie­len Staa­ten ver­bo­ten ist, die aber vor eini­ger Zeit die Macht in Ägyp­ten über­nom­men hat­te und sie nun wie­der ver­lo­ren hat. Es ist ihre Schuld, daß es zu die­ser Eska­la­ti­on der Gewalt im Land gekom­men ist, mit der Zer­stö­rung der Kir­chen ver­schie­de­ner christ­li­cher Kon­fes­sio­nen. Wir hof­fen, daß Ägyp­ten zum Frie­den zurück­fin­det und daß eine fried­li­che Kraft an die Macht kommt, der das reli­giö­se Gleich­ge­wicht, das es in die­sem Land seit vie­len Jahr­hun­der­ten gab, ein Anlie­gen ist.

An wel­chem Punkt befin­den sich die Arbei­ten der gemisch­ten Kom­mis­si­on für den theo­lo­gi­schen Dia­log zwi­schen Ortho­do­xen und Katho­li­ken. Wann wird das näch­ste Tref­fen statt­fin­den?

Das näch­ste Tref­fen der Kom­mis­si­on wird mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit 2014 statt­fin­den. Es ist noch zu früh, um über die Ergeb­nis­se der Kom­mis­si­on zu spre­chen, weil sehr schwie­ri­ge Fra­gen geprüft wer­den, wie jene des Pri­mats und der Rol­le des Bischofs von Rom, die zum ersten Mal seit tau­send Jahr behan­delt wird. Wäh­rend der Arbei­ten wur­den zudem eini­ge sehr heik­le Fra­gen auf­ge­wor­fen, nicht nur für die Bezie­hun­gen zwi­schen Katho­li­ken und Ortho­do­xen, son­dern auch zwi­schen den ortho­do­xen Kir­chen selbst. Das Doku­ment, das die Kom­mis­si­on vor­be­rei­tet, befin­det sich unter Ver­schluß, wes­halb es lei­der nicht mög­lich ist, es zu kom­men­tie­ren oder zu kri­ti­sie­ren, außer in der Kom­mis­si­on selbst.

Mir scheint aber, daß die­ses Doku­ment der­zeit nicht dem Man­dat gerecht wird, das die Kom­mis­si­on von den Kir­chen erhal­ten hat und nicht aus­rei­chend deut­lich erklärt, wor­in die Unter­schie­de und die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen Katho­li­ken und Ortho­do­xen bestehen.

Ist der Dia­log mit den Katho­li­ken zu ethi­schen Fra­gen also ziel­füh­ren­der?

Die gemisch­te theo­lo­gi­sche Kom­mis­si­on ist nur ein Aspekt des heu­te zwi­schen Ortho­do­xen und Katho­li­ken statt­fin­den­den Dia­logs. Per­sön­lich bin ich davon über­zeugt, daß der­zeit die gemein­sa­me Arbeit im Bereich der mora­li­schen Wer­te und im Sozia­len viel effi­zi­en­ter ist. Ich glau­be, daß wir in der Aus­ar­bei­tung gemein­sa­mer Posi­tio­nen zu ver­schie­de­nen sozia­len und mora­li­schen Fra­gen weit vor­an­ge­kom­men sind. Im beson­de­ren möch­te ich in die­sem Zusam­men­hang an die Arbeit des ortho­dox-katho­li­schen Forums erin­nern, das vor eini­gen Jah­ren ein­ge­rich­tet wur­de und in ver­schie­de­nen Län­dern Tref­fen zu Fra­gen der Fami­li­en-Ethik durch­führ­te [das Erste ortho­dox-katho­li­sche Forum fand 2006 in der ehe­ma­li­gen Kon­zils­stadt Tri­ent statt]. Wir sind zu erstaun­li­chen Ergeb­nis­sen gelangt, die sich im gemein­sa­men Wil­len kon­kre­ti­sie­ren, zusam­men für die Ver­tei­di­gung der tra­di­tio­nel­len christ­li­chen Wer­te ein­zu­tre­ten.

Wel­chen Ein­druck haben Sie vom neu­en Pon­ti­fi­kat gewon­nen?

Ich habe an sei­ner Thron­er­he­bung teil­ge­nom­men und hat­te am Tag dar­auf eine Begeg­nung mit ihm, bei der wir eini­ge wich­ti­ge Wege der Inter­ak­ti­on zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che aus­ge­macht haben. Beim Papst konn­te ich vol­les Ver­ständ­nis für die Wich­tig­keit unse­res gemein­sa­men Han­delns fest­stel­len. Zudem war es offen­sicht­lich, daß für ihn die­se The­men nicht neu sind. Er kennt sie und weiß genau, wor­um es geht. Sei­ne Kennt­nis im Bereich des katho­lisch-ortho­do­xen Dia­logs und auch sei­ne frü­he­re Erfah­rung in Argen­ti­ni­en, wo er meh­re­re Male unse­re rus­sisch-ortho­do­xen Pfar­rei­en in Bue­nos Aires besuch­te und bei lit­ur­gi­schen Hand­lun­gen anwe­send war und die Pfarr­an­ge­hö­ri­gen traf, las­sen auf eine posi­ti­ve Ent­wick­lung unse­rer Bezie­hun­gen unter die­sem Pon­ti­fi­kat hof­fen.

Was ist noch zu tun, damit es zu einem Tref­fen zwi­schen dem Papst und dem Patri­ar­chen kommt?

Man muß es vor­be­rei­ten. Kon­kret muß man zu einem Abkom­men zu jenen Fra­gen kom­men, bei denen wir heu­te noch unter­schied­li­cher Mei­nung sind. Sie wis­sen, wie man ein bila­te­ra­les Tref­fen zwi­schen zwei Staats­ober­häup­tern vor­be­rei­tet? Bevor sich die bei­den Staats­ober­häup­ter tref­fen, müs­sen ver­schie­de­ne Grup­pen von Mit­ar­bei­tern gründ­lich vie­le Fra­gen der bila­te­ra­len Bezie­hun­gen behan­deln. Auf die­se Wei­se ist das Tref­fen zwi­schen den bei­den Füh­rern nicht nur pro­to­kol­la­risch, son­dern das Ergeb­nis eines lan­gen Vor­be­rei­tungs­pro­zes­ses. Auch wir müs­sen die­ses Tref­fen gründ­lich vor­be­rei­ten, so daß es sich nicht nur um ein pro­to­kol­la­ri­sche Begeg­nung han­delt, son­dern ermög­licht wird, unse­re Bezie­hun­gen auf eine neue Ebe­ne der Zusam­men­ar­beit, des Ver­trau­ens und des gegen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis­ses zu heben.

Was ist das größ­te Hin­der­nis dafür?

Heu­te ist das größ­te Pro­blem in die­sem Sinn die Lage in der west­li­chen Ukrai­ne, wo in den 80er und 90er Jah­ren sehr trau­ri­ge Din­ge gesche­hen sind, die die ortho­do­xe Gemein­schaft in eini­gen Städ­ten und Orten ihrer Kir­chen beraub­ten. Es han­delt sich um eine Situa­ti­on, die sich der­zeit nicht ändert.

Kommt man, Ihrer Mei­nung nach, die­sem Tref­fen den­noch näher?

Ich den­ke, daß wir uns jeden Tag genau um einen Tag nähern! Ich kann aller­dings nicht sagen, wann genau die­ses Tref­fen statt­fin­den wird.

Wie wür­de das Patri­ar­chat von Mos­kau einen Besuch des Pap­stes in Jeru­sa­lem auf Ein­la­dung von Patri­arch Bar­tho­lo­mä­us I. sehen?

Ich wür­de sagen, daß es eine Fra­ge ist, die die bila­te­ra­len Bezie­hun­gen zwi­schen der Kir­che von Rom und jener von Kon­stan­ti­no­pel betrifft. Die­se Bezie­hun­gen haben eine lan­ge Geschich­te und sind lei­der von tra­gi­schen Ereig­nis­sen geprägt. Ich glau­be, daß die Tref­fen zwi­schen Ober­häup­tern der Kir­chen von Rom und Kon­stan­ti­no­pel sehr wich­tig und nütz­lich sind, um die Wun­den zu hei­len, die in der Ver­gan­gen­heit der Ein­heit der Kir­che zuge­fügt wur­den.

Wel­che Ergeb­nis­se brach­te der Besuch von Patri­arch Kyrill in der Volks­re­pu­blik Chi­na im ver­gan­ge­nen Mai und wel­che Spiel­räu­me öff­nen sich für die Reli­gi­ons­frei­heit in die­sem Land?

Die gan­ze Geschich­te der Ortho­do­xie in Chi­na hängt mit der Geschich­te der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che zusam­men. Die chi­ne­sisch-ortho­do­xe Kir­che unter­stand immer der Juris­dik­ti­on von Mos­kau. In den 50er Jah­ren, nur kurz vor Beginn der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on wur­de die auto­no­me chi­ne­sisch-ortho­do­xe Kir­che errich­tet, die dem Patri­ar­chat von Mos­kau unter­stand. Mit der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on wur­de jedoch die gesam­te kirch­li­che Struk­tur zer­stört. In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren haben wir uns bemüht, die­se Struk­tur wie­der­auf­zu­bau­en und einen Dia­log mit den chi­ne­si­schen Behör­den für eine Nor­ma­li­sie­rung der Lage der ortho­do­xen Gläu­bi­gen in Chi­na zu füh­ren. Vie­le Jah­re lang wur­de der Dia­log von Metro­po­lit Kyrill geführt. Nach­dem er Patri­arch wur­de, habe ich begon­nen, mich dar­um zu kün­mern.

Der Besuch des Patri­ar­chen in Chi­na wur­de dank die­ses inzwi­schen zwan­zig­jäh­ri­gen Dia­logs mit den Behör­den mög­lich. Noch ist es zu früh, um zu sagen, wel­che kon­kre­ten Ergeb­nis­se die­ser Besuch gebracht hat, aber allein die Tat­sa­che, daß es zu die­sem Besuch gekom­men ist, ist bereits sehr wich­tig für die Nor­ma­li­sie­rung des Lebens der ortho­do­xen Gläu­bi­gen in Chi­na.

Die ortho­do­xe Gemein­schaft im Westen wächst, so auch in Ita­li­en. Besteht die Absicht eine Diö­ze­se zu errich­ten?

In Ita­li­en leben inzwi­schen, mei­nes Erach­tens, nicht weni­ger als eine Mil­li­on Ortho­do­xe der ver­schie­de­nen Kir­chen, viel­leicht auch mehr. Die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che hat in Ita­li­en mehr als 50 regi­strier­te Pfar­rei­en, die eine Diö­ze­se bil­den. Die­se Diö­ze­se wird der­zeit von Mos­kau ver­wal­tet, aber ich den­ke, daß in näch­ster Zukunft, viel­leicht in drei oder vier Jah­ren, der Bischof in Ita­li­en resi­die­ren könn­te.

In Ruß­land ist ein Gesetz in Kraft getre­ten, das die „Wer­bung für nicht-tra­di­tio­nel­le Sexu­al­be­zie­hun­gen“ ver­bie­tet und viel Kri­tik aus­ge­löst hat. Sind Sie der Mei­nung, daß das Land wirk­lich ein sol­ches Gesetz braucht?

Ich bin nicht nur der Über­zeu­gung, daß die­ses Gesetz not­wen­dig ist, son­dern auch, daß sol­che Geset­ze von ande­ren Staa­ten über­nom­men wer­den und die Bestim­mun­gen erset­zen soll­ten, die der­zeit von der Euro­päi­schen Uni­on zu den Homo-Part­ner­schaf­ten erlas­sen wer­den, die ihnen sogar das Recht ein­räu­men, Kin­der zu adop­tie­ren. Ich hal­te die­se Poli­tik der west­li­chen Regie­run­gen für eine Selbst­mord­po­li­tik, denn unter den heu­ti­gen Gege­ben­hei­ten einer demo­gra­phi­schen Kri­se und der Zer­stö­rung der Insti­tu­ti­on Fami­lie, homo­se­xu­el­len Ver­bin­dun­gen sol­che Pri­vi­le­gi­en zu gewäh­ren, bedeu­tet das eige­ne Todes­ur­teil zu unter­zeich­nen, sowohl des Staa­tes als auch des Vol­kes.

In wel­cher Wei­se?

Wir ste­hen unter dem Ein­fluß einer welt­li­chen Ideo­lo­gie des Kon­su­mis­mus, der sogar auf die zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen aus­ge­dehnt wird, der Wer­bung und eines Erzie­hungs­sy­stems, das dar­auf abzielt, den Kin­dern nicht höhe­re mora­li­sche Wer­te zu ver­mit­teln, son­dern ihre nie­de­ren Instink­te zu ent­hem­men. Unter die­sem Ein­fluß erle­ben vie­le euro­päi­sche Staa­ten eine schwe­re demo­gra­phi­sche Kri­se und einen star­ken Bevöl­ke­rungs­ein­bruch. Das ist, mei­nes Erach­tens, Aus­druck einer tie­fe­ren geist­li­chen Erkran­kung. Wenn die­se Krank­heit nicht behan­delt wird, wird sie, wie alle nicht behan­del­ten Krank­hei­ten, zum Tod füh­ren.

Ich den­ke, daß Ruß­land in die­sem Sinn ein Vor­bild sein kann. Die Geset­ze, die heu­te bei uns erlas­sen wer­den, zie­len auf den Erhalt und die Bewah­rung des­sen ab, was wir „gene­ti­sche Grund­la­ge“ der Nati­on nen­nen, ihr „Human­po­ten­ti­al“, damit es star­ke Fami­li­en mit vie­len Kin­dern gebe, die das aus­ge­dehn­te rus­si­sche Gebiet besie­deln.

Vie­le beschul­di­gen das Patri­ar­chat, dem Kreml zu nahe zu ste­hen und auch ein Teil der Gläu­bi­gen scheint die­se Nähe nicht zu schät­zen. Wie ist das Ver­hält­nis zwi­schen Staat und Kir­che im Ruß­land von heu­te?

Mir scheint nicht, daß es unter unse­ren Gläu­bi­gen vie­le Per­so­nen gibt, die wegen der Bezie­hun­gen zum Staat unzu­frie­den sind. Es sind die Medi­en, die das gele­gent­lich behaup­ten. Als ich jüngst in Eng­land war, frag­te mich die BBC in einem Inter­view, ob ich nicht der Mei­nung sei, daß die Bezie­hun­gen unse­rer Kir­che zum Kreml zu eng sei­en. Ich habe geant­wor­tet, daß in Ruß­land die Bezie­hun­gen zwi­schen Staat und Kir­che weni­ger eng sind als in Groß­bri­tan­ni­en, wo das Ober­haupt der Kir­che und die Bischö­fe von der Köni­gin auf Vor­schlag des Pre­mier­mi­ni­sters ernannt wer­den. Dann haben sie mich gefragt: Mei­nen nicht auch Sie, daß die­sel­be Per­son nicht zu lan­ge an der Macht sein soll­te? Und ich habe geant­wor­tet, daß es bei uns noch nicht pas­siert ist, daß jemand seit 60 Jah­ren unun­ter­bro­chen an der Macht ist wie die Köni­gin von Eng­land. Aber im Wider­spruch zu der demo­kra­ti­schen Tra­di­ti­on Eng­lands wur­den die­se mei­ne Ant­wor­ten zen­su­riert und aus dem Inter­view geschnit­ten, das aus­ge­strahlt wur­de.

Heu­te beru­hen die Bezie­hun­gen zwi­schen Staat und Kir­che in Ruß­land auf zwei Grund­sät­zen. Der erste ist der Grund­satz der Nicht­ein­mi­schung. Die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che unter­stützt kei­ne bestimm­te Par­tei. Da sie am sozia­len Leben teil­nimmt, kann die Kir­che ihre Mei­nung zu einem poli­ti­schen Pro­gramm oder bestim­men kon­kre­ten Pro­ble­men äußern. Die Kir­che mischt sich aber weder in die Regie­rung des Staa­tes noch in den poli­ti­schen Wett­kampf ein. Eben­so­we­nig mischt sich der Staat in die Regie­rung der Kir­che, die Aus­wahl der Bischö­fe oder des Patri­ar­chen oder irgend­ei­ne ande­re kir­chen­in­ter­ne Ent­schei­dung ein.

Der zwei­te Grund­satz ist der der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kir­che und Staat in Fra­gen von gemein­sa­mem Inter­es­se. Es han­delt sich vor allem um ethi­sche Fra­gen wie die Bevöl­ke­rungs­po­li­tik, die Fami­li­en­ethik, das Pro­blem der aus­ge­setz­ten, ver­wai­sten oder ver­wahr­lo­sten Kin­der und vie­le ande­re The­men, zu denen es brei­ten Spiel­raum für die Zusam­men­ar­beit gibt.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news

17 Kommentare

  1. Solan­ge die Ost­kir­chen an so man­chen theo­lo­gi­schen Unge­reimt­hei­ten fest­hal­ten, 
    kann und wird es zu kei­ner Glau­bens­ein­heit mit der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che kom­men.

    So folgt die Hei­li­ge Mut­ter Kir­che bez. dem 
    „filio­QUE“
    der Leh­re des hl. Augu­sti­nus
    ( die im Gegen­satz zur fal­schen sub-ordi­nier­ten Aus­le­gung der Ost­kir­che 
    die RICHTIGE ko-ordi­nier­te Aus­le­gung bekennt ), 
    die RICHTIGERWEISE besagt, 
    dass die Zeu­gung des ein­ge­bo­re­nen Soh­nes Got­tes IN EWIGKEIT 
    kei­ne „Zeit­rei­hen­fol­ge“ beim Her­vor­ge­hen des Hei­li­gen Gei­stes zulas­se und somit der Hei­li­ge Geist vom Vater 
    UND
    vom Soh­ne aus­ge­he; 

    Des­wei­te­ren sei ein­mal mehr auf die nicht gerin­gen wei­te­ren theo­lo­gi­schen Diver­gen­zen 
    zwi­schen der 
    Hei­li­gen Mut­ter Kir­che Kir­che und der Ost­kir­che hin­ge­wie­sen; 
    nebst dem „filio­que“ auch wei­te­re ost­kirch­li­chen Abir­run­gen:

    -
    — Chri­stus als Haupt von versch. „Natio­nal­kir­chen“
    — die hl. Wand­lung als „meta­bo­le“; der Leib Chri­sti als „Ver­ei­ni­gung“ mit Brot und Wein
    ( dage­gen die wah­re katho­li­sche Trans­sub­stan­ta­ti­ons-Leh­re 
    der völ­li­gen Wesens­ver­wand­lung in Leib und Blut Chri­sti in nur noch Gestalt von Brot und Wein ! )
    – das Fege­feu­er als läu­tern­de Stra­fe lehnt sie ab
    – das Dog­ma der unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria 
    wur­de nicht ange­nom­men; eige­ne Defi­ni­ti­on der Erb­sün­den­leh­re
    – Die Ehe gilt als nicht unbe­dingt unauf­lös­lich

    –Das „end­gül­ti­ge Gericht“ sehen sie erst nach der Auf­er­ste­hung
    (röm. katho­li­sche Leh­re besagt, das beson­de­re
    – end­gül­ti­ge– 
    Gericht folgt bereits unmit­tel­bar nach dem Tode !)

    -

    • defen­dor,
      Sie unter­stel­len der Ost­kir­che eine fal­sche sub­or­di­nie­ren­de Drei­fal­tig­keits­leh­re, die sie nicht hat. Und erst recht kennt sie kei­ne „Zeit­rei­hen­fol­ge“.
      Die Tri­ni­täts­leh­re der Ost­kir­che ist die der Kon­zi­li­en von Nizäa und Kon­stan­ti­no­pel, die von sämt­li­chen nach­fol­gen­den öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en des 1. Jahr­tau­sends bestä­tigt wur­de.
      Es ist die Leh­re der öst­li­chen kap­pa­do­zi­schen Kir­chen­leh­rer — die Sie ja wohl nicht als Häre­ti­ker bezeich­nen wer­den.

      • Leo Lämm­lein,

        Sie wol­len aber nicht bestrei­ten, dass das „Filio­que“ und der Pri­mat des Pap­stes der Grund für für die Kir­chen­tren­nung ist?
        Wenn der Hl. Geist nach ortho­do­xer Leh­re nicht „gezeugt“, son­dern aus dem Vater „gehaucht“ wur­de (ohne Mit­wir­kung des Soh­nes), dann unter­schei­det sich die­se Leh­re erheb­lich von der der RKK, die end­gül­tig im 4. Later­an­kon­zil 1215 als Dog­ma ver­kün­det wur­de. Die ortho­do­xe Kir­che lehnt die­ses Dog­ma aus­drück­lich ab.
        Ob mit dem „Zeu­gen“ und „Hau­chen“ eine Sub­or­di­na­ti­on ver­bun­den ist?
        Wenn man logisch denkt, ist damit def­in­tiv eine Sub­or­di­na­ti­on ver­bun­den! Nach der rkk Leh­re bedeu­tet erst die Zeu­gung auch des Hl. Gei­stes eine Auf­he­bung jeg­li­chen Sub­or­di­na­ti­ons­ge­dan­kens. Nimmt man näm­lich an was die Ortho­do­xie glaubt, steht der Vater über Sohn und Geist (Bild der „zwei Arme“, die aus dem Vater her­vor­ge­hen, aber mit­ein­an­der nicht direkt ver­bun­den sind!). Erst durch die Zeu­gung des Gei­stes auch aus dem Sohn, wird das „Nach­ein­an­der“ auf­ge­ho­ben, und damit jedes Miss­ver­ständ­nis in Rich­tung „zeit­li­ches Nach­ein­an­der“ oder „Sub­ord­ni­na­ti­on des Soh­nes und des Gei­stes unter den Vater“. Die Filio­que-Fra­ge ist gei­stig ver­wandt mit der aria­ni­schen Pro­ble­ma­tik und lässt auch daher kei­nen Spiel­raum zu.
        Ihr Ver­weis auf älte­re Kon­zi­li­en ist wohl kaum rele­vant — ganz ein­fach, weil in der RKK nicht zurück­ge­gan­gen wer­den kann hin­ter einen Grad der Ent­fal­tung der Leh­re. Und 1215 ist eben etwas spä­ter als Nicäa und Kon­stan­ti­no­pel…

        • Geehr­te zeit­schnur,
          bei der Kir­chen­tren­nung ist zu unter­schei­den zwi­schen Grün­den, Ursa­chen, Anläs­sen… Sie sind heu­te nicht unbe­dingt die­sel­ben wir vor 1000 Jah­ren.
          Zu den fort­be­stehen­den Lehr­un­ter­schie­den gehö­ren das Filio­que und der Pri­mat des Pap­stes, aber auch wei­te­re.
          Der Papst­pri­mat wird all­ge­mein als größ­te Schwie­rig­keit ange­se­hen.
          Zum Filio­que. Das vati­ka­ni­sche Doku­ment „The Greek and Latin Tra­di­ti­ons Regar­ding the Pro­ces­si­on of the Holy Spi­rit“ (1995) bestä­tigt die voll­kom­me­ne Recht­gläu­big­keit des Glau­bens­be­kennt­nis­ses von Nizäa und Kon­stan­ti­no­pel, wie es von der ortho­do­xen Kir­che seit dem 4. Jh. unver­än­dert bis heu­te gebe­tet wird, wie ja auch von den mit Rom unier­ten Ost­kir­chen.
          Die Recht­gläu­big­keit die­ses Cre­do – ohne Filio­que-Zusatz — steht gar nicht zur Fra­ge. Des­halb haben es die Päp­ste bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten gebe­tet, und wird es in die­sem Wort­laut so auch in der Enzy­kli­ka „Domi­nus Jesus“ ange­führt.
          Das Anlie­gen des erwähn­ten vati­ka­ni­schen Doku­ments ist es, die Recht­gläu­big­keit des Filio­que und sei­ne Ver­ein­bar­keit mit dem alt­kirch­li­chen, durch öku­me­ni­sche Kon­zi­li­en als unver­än­der­lich (!) fest­ge­leg­ten und von den Päp­sten gebil­lig­ten Cre­do zu erwei­sen. (Die Abän­de­rung des Cre­do ist mit Anathe­ma belegt.)
          Nicht nur nach ortho­do­xer, son­dern auch nach römisch-katho­li­scher Leh­re ist der Hei­li­ge Geist vom Vater natür­lich n i c h t gezeugt. Der Aus­gang vom Vater durch Zeu­gung ist allein dem Sohn vor­be­hal­ten.
          Der Aus­gang des Gei­stes vom Vater wird vom Kon­zil in Kon­stan­tio­pel 381 „ekpó­reu­sis“ genannt – und zwar in genau­er Über­ein­stim­mung mit dem Wort Jesu im Johan­nes­evan­ge­li­um (Joh 15,26:): „… der Geist der Wahr­heit, der vom Vater aus­geht“ (tò Pneûma tês aletheías hò parà toû Patròs e k p o r e ú e t a i …“ ) Die­ser bibli­sche, patri­sti­sche, kon­zi­lia­re und lit­ur­gi­sche Ter­mi­nus, von den Ortho­do­xen bis heu­te ver­wen­det, ist selbst­ver­ständ­lich recht­gläu­big, wur­de von Rom nie bestrit­ten, kann von Rom gar nicht bestrit­ten wer­den.
          Schluss folgt.

          • Im Latei­ni­schen ist der Aus­gang des Gei­stes mit „pro­ces­sio“ wider­ge­ge­ben, ent­spre­chend der Über­set­zung „pro­ce­dit“ für „ekpo­reúe­tai“. Wenn es hier eine Schwie­rig­keit gibt, dann rührt sie von der latei­ni­schen Über­set­zung her – wor­auf das vati­ka­ni­sche Doku­ment ein­geht, weil „pro­ces­sio“ von den latei­ni­schen Vätern in einer wei­te­ren Bedeu­tung als „ekpó­reu­sis“ ver­wen­det wur­de.
            Wie soll die ortho­do­xe Leh­re sub­or­di­na­tia­nisch sein, wenn sie nichts ande­res ent­hält als die unver­än­der­te katho­li­sche Leh­re des 1. Jt.s? Der Vater ist Sohn und Geist nicht über­ge­ord­net, er ist aber ihr Ursprung (gr. arché) – ihr ein­zi­ger Ursprung, wie das vati­ka­ni­sche Doku­ment von 1995 unter­streicht. Der Vater, die erste Per­son der Drei­ei­nig­keit, ist der Ursprung, das Prin­zip (princi­pi­um) der ande­ren Per­so­nen. Der Vater ist „princi­pi­um sine princi­pio“, „fons toti­us deita­tis“, „princi­pi­um fon­ta­le“. Der Vater hat zwar in der Bibel und Tra­di­ti­on ein äuße­res und inne­res Über­ge­wicht vor den bei­den ande­ren Per­so­nen, aber eben nicht im Sinn eines häre­ti­schen Sub­or­di­na­tia­nis­mus.
            Der ortho­do­xen Tria­do­lo­gie kön­nen Sie Sub­or­di­na­tia­nis­mus eben­so­we­nig vor­wer­fen wie den öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en, die das gro­ße Cre­do defi­nier­ten und ja gera­de den Aria­nis­mus zurück­wie­sen.
            Eine Leh­re kann sich, wie Sie es aus­drücken, ent­fal­ten, aber sie kann sich nicht in Gegen­satz zu ihren frü­he­ren Ent­fal­tungs­pha­sen set­zen und ihre Iden­ti­tät ändern. Eine voll auf­ge­blüh­te Rose sieht anders aus als eine Rosen­knos­pe – aber bei­des ist die eine Rose, in ver­schie­de­nen Wer­de­zu­stän­den. Aus der Rose kann aber kei­ne Distel wer­den. Ich glau­be, dass der Vati­kan im Ver­hält­nis zur Ortho­do­xie auf dem rich­ti­gen Weg ist, wenn er die Ver­ein­bar­keit des Filio­que mit dem (in der Sub­stanz unver­än­der­li­chen) Glau­ben der Kon­zi­li­en des 4. Jahr­hun­derts auf­weist.
            Stün­de das Filio­que in Wider­spruch zum Cre­do von Kon­t­an­ti­no­pel 381, des­sen Katho­li­zi­tät außer Fra­ge steht, wür­de das bedeu­ten, dass die römi­sche Kir­che nicht mehr katho­lisch ist – das aber sei fern.

          • Vie­len Dank für die­se gelehr­ten und lehr­rei­chen Sät­ze — dann fragt man sich aber doch, wor­um über­haupt gestrit­ten wur­de?
            Anders gefragt: war­um erschien es der RKK so unab­ding­bar not­wen­dig, den Zusatz des Filio­que ein­zu­fü­gen, wenn eine Ver­än­de­rung des Cre­do — im Wort­laut oder auf wel­che Wei­se — unter Anathem stand/steht?
            Ich den­ke, es hängt eben doch mit der Unklar­heit bzw. irre­füh­ren­den Rich­tung zusam­men, die ohne das Filio­que hin­sicht­lich der Tri­ni­täts­leh­re ent­stan­den war. Das Filio­que ist gewis­ser­ma­ßen das „Zau­ber­wort“, mit dem jeg­li­cher Anflug von Sub­or­di­na­ti­on ver­un­mög­licht wur­de. Ihre Wor­te sug­ge­rie­ren, man habe sich um qua­si Nichts gestrit­ten. Das erscheint mir unmög­lich.
            Es ist wahr, dass für lan­ge Jahr­hun­der­te eine wider­sprüch­li­che Hal­tung zu der Fra­ge auch auf­sei­ten der römi­schen Päp­ste sicht­bar wer­den konn­te. Aber den­noch scheint die Rosen­knop­se — um in Ihrer Meta­pher zu blei­ben — am Ende doch die Form einer Rosen­blü­te (also plus Filio­que) ent­hal­ten zu haben.
            Dass dabei natür­lich nicht die kom­plet­te ortho­do­xe Tra­di­ti­on ver­werf­lich genannt wer­den darf — dar­in stim­men wir sicher über­ein.
            Nicht jedoch zustim­men kann ich Ihrer Mei­nung, es fol­ge aus der ortho­do­xen Leh­re ein­deu­tig, dass hier kei­ne Sub­or­di­na­ti­on mit­ge­dacht wird: doch, allein aus logi­schen Grün­den liegt dies dar­in beschlos­sen — aller­dings nur, wenn man das Filio­que aus­drück­lich ver­neint. Solan­ge man dazu ein­fach nichts sagt oder es nicht ent­fal­tet, liegt es in der ortho­do­xen Auf­fas­sung nicht beschlos­sen, Sohn und Geist zu sub­or­di­nie­ren. Es ist ähn­lich wie mit dem Got­tes­bild der Juden: solan­ge sie Jesus nicht aus­drück­lich abge­lehnt haben, war ihr Gott iden­tisch mit dem Gott der Chri­sten: in dem Moment, in dem sie aber die Ableh­nung die­ser Ent­fal­tung aus­spre­chen, ver­ab­schie­den sie sich aus der Über­ein­stim­mung der Über­zeu­gung. So auch hier. Wir aber als Katho­li­ken glau­ben an die Unfehl­bar­keit des Lehr­am­tes…

  2. Was ist denn da in den 80er und 90er Jah­ren im Westen der Ukrai­ne pas­siert? Ging es da nicht um die Rück­ga­be des Eigen­tums ent­ei­ge­ter katho­li­scher Pfar­rei­en?

    • Ja. Die Tra­gik ist, daß Sta­lin die grie­chisch-katho­li­sche Kir­che der Ukrai­ne 1946 zwangs­wei­se der ortho­do­xen ange­glie­dert hat. Von den ukrai­ni­schen Katho­li­ken, die von Ver­fol­gun­gen der 20er Jah­re und vom Hun­ger­ge­no­zid 1932/33 (Holo­do­mor) übrig­ge­blie­ben sind, sind noch ein­mal zehn­tau­sen­de im Gulag umge­kom­men. Unzäh­li­ge Prie­ster wur­den ermor­det, die Bischö­fe ein­ge­sperrt.

      Die Rol­le der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che ist in die­sem Zusam­men­hang auf­klä­rungs­be­dürf­tig.

      Inso­fern ist die Aus­sa­ge von Metro­po­lit Hil­ari­on kraß dis­pro­por­tio­nal: „Trau­rig“ sind die die 80er und 90er Jah­re allen­falls für die­je­ni­gen, die der Rück­ga­be geraub­ten Eigen­tums Wider­stand lei­sten. Trau­rig ist, daß die russ.-orth. Kir­che nicht zu ihrer Ver­ant­wor­tung steht.

      Trau­rig ist das vor allem, weil die Ortho­do­xie sich der­zeit in ande­ren Fra­gen als mora­li­sches Boll­werk in Ruß­land bewährt. Metro­po­lit Hil­ari­on ist ja in prak­tisch allen ande­ren Punk­ten des Inter­views zuzu­stim­men.
      Inso­fern ist Zusam­men­ar­beit mit den Ortho­do­xen sehr zu begrü­ßen — es dür­fen aber nicht die unier­ten und latei­ni­schen Katho­li­ken auf dem Gebiet der ehem. UdSSR dabei geop­fert wer­den.

      Die ein­zig rich­ti­ge Lösung wäre ohne­hin die vom Him­mel in Fati­ma gefor­der­te Wei­he Ruß­lands. Viel­leicht wird sich Papst Fran­zis­kus ein­mal dazu durch­rin­gen kön­nen.

  3. Man muss heut­zu­ta­ge schon um die rus­si­sche Ortho­do­xie und die Kir­chen­spal­tung froh sein, weil das zwei­te Vati­ka­num mit sei­nen Homo­se­xu­el­len­sym­pa­thien und Ver­ständ­nis­sen, und den lit­ur­gi­schen Exzes­sen dort nicht ankom­men,.….…

    • Wickerl,
      um die Kir­chen­spal­tung kann man zwar nie froh sein — aber wenn Sie damit sagen wol­len, dass man froh sein kann, dass die Moder­ni­sten in Rom kei­nen Ein­fluss auf die ortho­do­xe Lit­ur­gie haben, dann bin ich ganz Ihrer Mei­nung.
      Aber lei­der ist das, was die Ost­kir­che zwei Jahr­tau­sen­de treu, ja hart­näckig bewahrt haben, heu­te gefähr­det. Auch dort sind Moder­ni­sten am Werk, die sich bemü­hen, die Lit­ur­gie zu zer­stö­ren. Zum Bei­spiel in der ser­bisch-ortho­do­xen Kir­che, aber dazu muss man Ein­blick in die inne­ren Aus­ein­an­der­set­zun­gen haben, die dort statt­fin­den und die sprach­li­che Bar­rie­re über­win­den. Das Muster ähnelt teuf­lisch dem, wie es hier gelau­fen ist (man den­ke an die Ein­füh­rung der Hand­kom­mu­ni­on): eine Min­der­heit von Hier­ar­chen zwingt der Mehr­heit der Hier­ar­chie und dem Kir­chen­volk moder­ni­sti­sche Ände­run­gen auf, oder ver­sucht es zumin­dest.

  4. Wenn die römisch-katho­li­sche Kir­che betreffs der Ein­heit mit den Ortho­do­xen die glei­chen öku­me­ni­schen Ener­gien auf­ge­bracht hät­te, wie sie sie mit und seit dem Kon­zil bei den Pro­te­stan­ten an den Tag gelegt hat, man könn­te schon längst Schul­ter an Schul­ter gegen die west­li­che Deka­denz vor­ge­hen und der Gesell­schaft dabei einen wah­ren Dienst erwei­sen. Man hät­te sich dann auch die pro­te­stan­ti­sie­ren­de Lit­ur­gie­re­form und das dümm­li­che „Fen­ster­öff­nen zur Welt“ erspa­ren kön­nen, denn genau das war kurz­sich­tig und kon­tra­pro­duk­tiv und hat den Zer­falls­pro­zess der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on beschleu­ni­gen hel­fen. (Kar­di­nal Koch u. a. müss­ten sich dann auch nicht ent­blö­den, Katho­li­ken die ortho­do­xe Lit­ur­gie als Inspi­ra­ti­ons­quel­le zu emp­feh­len!) Allein aus die­sem Grun­de müss­te sich übri­gens auch die Hei­lig­spre­chung Johan­nes XXIII., dem spi­ri­tus rec­tor der kata­stro­pha­len Ent­wick­lung, ver­bie­ten.

    • Lei­der ist dem so.
      Vor dem Kon­zil besuch­ten 60% der Katho­li­ken die Sonn­tags­mes­se,
      1990 waren es 20 % und heu­te sind es noch 10%.
      War­um sind es inzwi­chen so wenig? Ach ja, wegen der Wohl­stands­ge­sell­schaft. Ach nein. Vie­le, sehr vie­le gehen nicht mehr, weil die lit­ur­gi­schen Zustän­de im NOM immer trost­lo­ser wer­den. Die lit. Miß­bräu­che wer­den kaum gerügt und noch weni­ger beho­ben. War­um? Sag­te nicht der dama­li­ge so über­aus gute Papst, er wol­le ganz auf das Gute im Men­schen set­zen, kei­ne Bestra­fun­gen, er wol­le kei­ne Unglück­s­profe­ten mehr hören usw. Also die Geburts­stun­de des Gut­men­schen­tums in all sei­ner Nai­vi­tät. Und gleich­zei­tig fort­an die Hal­tung: na ja, Schwamm drü­ber, wol­len wir mal nicht so sein.
      Der Mensch hat die Nei­gung zum Bösen auf­grund der Erb­sün­de und muß zum Guten ange­hal­ten wer­den. Es ist ein Irr­tum zu glau­ben, es wür­de schon von selbst alles gut wer­den. (sie­he das Modell der anti­au­to­ri­tä­ren Erzie­hung der 60er Jah­re) Die­ser Irr­tum muß berei­nigt wer­den. Bei Joh XXIII liegt der Anfang des kirch­li­chen Nie­der­gangs. Dort muß kor­ri­giert wer­den.

  5. Sei­ne Hei­lig­keit Fran­zis­kus hat einen dra­ma­ti­schen Frie­dens­ap­pell an die Welt­öf­fent­lich­keit gerich­tet.
    In Demut möch­te ich die­se Fra­gen äußern und hof­fe, dass sie ver­öf­fent­licht wer­den:
    * War­um ver­ur­teilt S.H. Fr. spe­zi­ell che­mi­sche Waf­fen? War­um ver­ur­teilt er nicht auch bio­lo­gi­sche Kampf­stof­fe, die durch die Bio­waf­fen­kon­ven­ti­on 1972 ver­bo­ten sind, oder das „Drecki­ge Dut­zend“, eben­falls ver­bo­ten? Was ist mit dem von den USA welt­weit geführ­ten Droh­nen­krieg?
    * Gibt es für S. H. Fr. nur unge­rech­te Gewalt? Gibt es für ihn nicht, in Über­ein­stim­mung mit der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Leh­re, gerech­te Gewalt zur Selbst­ver­tei­di­gung?
    * Ist es bibli­sche Leh­re, ist es katho­li­sche Theo­lo­gie, zu behaup­ten, „die Kul­tur der Begeg­nung, die Kul­tur des Dia­logs“ sei der Weg zum Frie­den? Ist nicht der Frie­de, auch der irdi­sche Frie­de, eine Gabe des einen, wah­ren, drei­ei­n­i­gen Got­tes? Ist nicht allein Jesus Chri­stus unser wah­rer Frie­de?
    * War­um erwar­tet S.H. Fr. den Frie­den vom ver­ei­nig­ten Gebet der Nicht­chri­sten zu ihren jewei­li­gen fal­schen Göt­tern? Hat das Assi­si-Gebet 1987 zum Welt­frie­den geführt? Wenn das Gegen­teil offen­sicht­lich ist, war­um soll­te dann ein ver­viel­fach­tes, poten­zier­tes Assi­si, ein auf alle Ebe­nen bis in jede Pfar­rei aus­ge­dehn­tes inter­re­li­giö­ses Gebet zum Frie­den füh­ren? War­um hat der hl. Pro­phet Eli­as nicht gemein­sam mit dem Baal­sprie­stern um Regen gebe­tet, son­dern statt­des­sen dem wah­ren Gott ein wah­res Opfer dar­ge­bracht und zugleich den Baal als fal­schen Gott ent­larvt — und so vom wah­ren Gott die irdi­sche Gabe des Regens erlangt?
    * Wenn S. H. Fr. so gro­ßen Respekt vor den Chri­sten des Ostens hat, die er von Bue­nos Aires her gut kennt — war­um for­dert er sie dann auf, Kanon 46 der Hei­li­gen Apo­stel zu ver­let­zen, wel­cher das Sams­tags­fa­sten ver­bie­tet? War­um ruft er nicht zum Fasten am Frei­tag und zum Gebet zu Unse­rem Herrn, Erlö­ser und wah­ren Gott Jesus Chri­stus auf, der allein Frie­den stif­ten kann?

    • An die­ser Stel­le stim­me ich Ihnen aus­drück­lich zu — ich habe die­se Anspra­che gestern gele­sen und bin fast zu Tode erschrocken über die wir­re Argu­men­ta­ti­on, die­sen Popu­lis­mus und die­se geist­li­che Wüste. Ich habe mich an ande­rer Stel­le hier dazu geäu­ßert (bei dem Arti­kel über die­se Anspra­che).
      Am mei­sten aber schockiert mich immer wie­der aufs Neue und in Stei­ge­run­gen das offen­sicht­lich häre­ti­sche Den­ken die­ses Man­nes…
      …und dass das außer weni­gen kei­ner merkt, als ob es allen das kla­re, logi­sche Den­ken ver­schla­gen hät­te…

  6. Unse­re latei­ni­sche 
    Hei­li­ge Mut­ter Kir­che sieht denn im Zusatz „filio­que“ auch 
    den Hin­weis auf die 
    per­so­na­le Bezie­hung der drei gött­li­chen Per­so­nen zuein­an­der.
    Da der SOHN 
    wesens­gleich mit dem VATER ist, ist Er denn auch 
    mit­wir­kend am Her­vor­ge­hen des mit dem VATER und dem SOHNE wesens­glei­chen 
    HEILIGEN GEISTES betei­ligt !

    Die Theo­lo­gie der Ost­kir­che aber legt den Focus nur auf den Ursprung der drei Gött­li­chen Per­so­nen.
    So beharrt sie dar­auf, 
    den VATER als Ursprung zu sehen und 
    den SOHN und den HEILIGEN GEIST gleich­sam als 
    „lin­ken und rech­ten Arm“.
    Daher ist für sie 
    — irri­ger­wei­se — 
    der Zusatz „filio­que“ gleich­be­deu­tend 
    mit einer 
    „zwei­ten Quel­le der Gott­heit“, die den Anschein erwecken wür­de als wäre der HEILIGE GEIST erst durch den SOHN ins Leben geru­fen wor­den.
    Wir sehen, dass hier für die 
    BEZIEHUNG der Drei Gött­li­chen wesens­glei­chen Per­so­nen *l
    — die denn auch der ver­ständ­li­che Grund für das „filio­que“ in unse­rer Hei­li­gen Mut­ter Kir­che gewe­sen ist — 
    in der Ost­kir­chen-Theo­lo­gie kein Platz mehr bleibt.“

    Die öst­li­chen Kir­chen­vä­ter hat­ten eine etwas 
    ande­re Inter­pre­ta­ti­on der Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit:
    So etwa der hei­li­ge Atha­na­si­us, der des­sen Wesen als
    aus dem Vater 
    durch den Sohn 
    im Geist 
    aus­leg­te…
    den Geist als „per fili­um“ ( durch den Sohn )
    also eine „sub-ordi­nier­te“ Aus­le­gung.

    „per fili­um“ war nun nicht hin­rei­chend gefeit 
    gegen­über der damals auf­kom­men­den 
    aria­ni­schen Irr­leh­re, 
    die vor­ge­ben woll­te, dass der Geist eine „Krea­tur“ des Soh­nes sei 
    ( und dass im Ueb­ri­gen der Sohn die „erste Krea­tur“ sei ?!)
    Das Wort „per“ kann denn so auch immer noch auf eine „Schöp­fungs­mit­t­ler­schaft“ hin­wei­sen.“ 

    Der hei­li­ge Augu­sti­nus aber hat für die west­li­che Kir­che das Wesen der Heilgs­ten Drei­fa­litgkeit so aus­ge­legt:
    Der Geist von VATER und SOHN geht auch 
    aus die­sen bei­den her­vor
    Vom VATER und vom SOHN also eine 
    „ko-ordinierte„Auslegung
    Er ver­wies auch auf die 
    GEISTSENDUNG durch unse­ren HERRN und GOTT JESUS CHRISTUS
    Die Zeu­gung des SOHNES ist eine 
    Zeu­gung in der Ewig­keit
    Daher ist auch 
    im Her­vor­ge­hen des Gei­stes kei­ne zeit­li­che Rei­hen­fol­ge mög­lich.
    Der SOHN muss denn auch dabei betei­ligt sein !

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