Die tägliche Feier der Heiligen Messe auch in Abwesenheit von Gläubigen

Priester der katholischen Kirche: die tägliche Feier des Heiligen Meßopfers aus ohne Volk

(Vati­kan) Auf­satz der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus zum Jahr des Glau­bens über die täg­li­che Fei­er der Hei­li­gen Mes­se sine popu­lo. Ver­öf­fent­licht am 12. August 2013 auf der offi­zi­el­len Inter­net­sei­te der Kon­gre­ga­ti­on Clerus.va.

Wir wis­sen sehr wohl, dass es in letz­ter Zeit immer wie­der Prie­ster gibt, die das so genann­te „Mes­se-Fasten“ ein­hal­ten, das dar­in besteht, werk­tags, ab und zu, manch­mal sogar jede Woche, die hei­li­ge Mes­se nicht zu zele­brie­ren, sie somit auch den Gläu­bi­gen vor­ent­hal­tend. In man­chen Fäl­len ist der Prie­ster der Ansicht, vor allem wenn er nicht auch direkt mit Seel­sor­ge beauf­tragt ist, dass das täg­li­che Fei­ern der Mes­se nicht not­wen­dig sei, wenn er sie nicht für eine Gemein­schaft zele­brie­ren kann. Und dann gibt es auch die­je­ni­gen, die der Ansicht sind, dass auch sie, in der Zeit ihrer wohl­ver­dien­ten Feri­en, das Recht haben „nicht zu arbei­ten“; des­halb unter­bre­chen sie das täg­li­che Zele­brie­ren der Eucha­ri­stie. Was soll man nun davon hal­ten? Fas­sen wir die Ant­wort in zwei Punk­ten zusam­men: die Leh­ren des Magi­steri­ums einer­seits und eini­ge theo­lo­gisch-spi­ri­tu­el­le Betrach­tun­gen ande­rer­seits.

1. Das Lehramt

Zwei­fels­oh­ne fin­den wir in den Lehr­amts-Doku­men­ten kei­ne Wei­sun­gen hin­sicht­lich einer zwin­gen­den Pflicht des Prie­sters, täg­lich die hei­li­ge Mes­se zu zele­brie­ren; es ist jedoch eben­so offen­sicht­lich, dass ihm dies nicht nur emp­foh­len, son­dern auch nahe­ge­legt wird. Las­sen Sie mich eini­ge Bei­spie­le nen­nen. Der Kodex des Kano­ni­schen Rechts von 1983 ver­weist, im Rah­men eines Kanons über die Pflicht der Prie­ster des Stre­bens nach Hei­lig­keit, auf Fol­gen­des: «Die Prie­ster sind nach­hal­tig ein­ge­la­den, täg­lich das eucha­ri­sti­sche Opfer dar­zu­brin­gen » (Kan. 276, § 2 n. 2). Auf die täg­li­che Fei­er der Eucha­ri­stie müs­sen sie bereits in der Zeit ihrer Aus­bil­dung vor­be­rei­tet wer­den: «Die Fei­er der Eucha­ri­stie hat der Mit­tel­punkt des gan­zen Semi­nar­le­bens zu sein, so dass die Alum­nen täg­lich an der Lie­be Chri­sti Anteil haben und die geist­li­che Kraft für ihre apo­sto­li­sche Arbeit und für ihr geist­li­ches Leben vor allem aus die­ser rei­chen Quel­le schöp­fen.» (Kan. 246 § 1).

Auf die­sen letz­ten Kanon Bezug neh­mend, unter­streicht Johan­nes Paul II. Fol­gen­des: «Es ist daher ange­mes­sen, dass die Semi­na­ri­sten jeden Tag an der Eucha­ri­stie­fei­er teil­neh­men, auf dass sie, im wei­te­ren Ver­lauf des Lebens, die täg­li­che Fei­er der Eucha­ri­stie als Grund­re­gel ihres Prie­ster­le­bens ver­in­ner­li­chen. Ihre Aus­bil­dung wird sie auch dazu füh­ren, die Fei­er der Eucha­ri­stie als den grund­le­gend­sten Moment ihres Tages zu erach­ten.» (vgl. Ange­lus, 01.07.1990, n. 3; kur­siv von uns).

Im nach­syn­oda­len Apo­sto­li­schen Schrei­ben Sacra­men­tum Cari­ta­tis von 2007, hat Bene­dikt XVI. vor allem dar­an erin­nert, dass «Bischö­fe, Prie­ster und Dia­ko­ne – jeder sei­nem Grad ent­spre­chend – die Zele­bra­ti­on als ihre Haupt­pflicht betrach­ten müs­sen.» (Nr. 39). Dar­aus hat der Hei­li­ge Vater die logi­sche Fol­ge­rung gezo­gen:

« Die prie­ster­li­che Spi­ri­tua­li­tät ist von ihrem inne­ren Wesen her eucha­ri­stisch. […]Den Prie­stern emp­feh­le ich des­halb „die täg­li­che Fei­er der hei­li­gen Mes­se, auch wenn kei­ne Gläu­bi­gen teil­neh­men“ (Pro­po­si­tio 38 Bischofs­syn­ode). Die­se Emp­feh­lung steht zunächst in Ein­klang mit dem objek­tiv unend­li­chen Wert jeder Eucha­ri­stie­fei­er und hat über­dies sei­nen Beweg­grund in ihrer ein­zig­ar­ti­gen geist­li­chen Wirk­kraft, denn wenn die hei­li­ge Mes­se mit Auf­merk­sam­keit und Glau­ben erlebt wird, ist sie for­mend im tief­sten Sinn des Wor­tes, da sie die Gleich­ge­stal­tung mit Chri­stus för­dert und den Prie­ster in sei­ner Beru­fung stärkt.» (Nr. 80)

Als Nach­fol­ger die­ser und wei­te­rer Leh­ren besagt das Direk­to­ri­um für Dienst und Leben der Prie­ster, — 2013 von der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus neu her­aus­ge­ge­ben — unter Nr. 50, bezüg­lich der „Mit­tel für das spi­ri­tu­el­le Leben“ der Prie­ster: « Daher ist es für den Prie­ster not­wen­dig, sein Gebets­le­ben der­ma­ßen zu gestal­ten, dass es fol­gen­des umfasst: die täg­li­che Eucha­ri­stie­fei­er mit geeig­ne­ter Vor­be­rei­tung und anschlie­ßen­der Dank­sa­gung».

Die­se und wei­te­re Leh­ren des neue­ren Magi­steri­ums wur­zeln selbst­ver­ständ­lich in den Wei­sun­gen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, das unter Nr.13 des Dekrets Pres­by­terorum Ordi­nis besagt:

« Im Myste­ri­um des eucha­ri­sti­schen Opfers, des­sen Dar­brin­gung die vor­nehm­li­che Auf­ga­be des Prie­sters ist, wird bestän­dig das Werk unse­rer Erlö­sung voll­zo­gen; dar­um wird sei­ne täg­li­che Fei­er drin­gend emp­foh­len; sie ist auch dann, wenn kei­ne Gläu­bi­gen dabei sein kön­nen, ein Akt Chri­sti und der Kir­che ».

2. Die wichtigsten Gründe

Allein der Ver­weis auf die­se Wei­sun­gen des Lehr­am­tes soll­te aus­rei­chen um alle Prie­ster zur täg­li­chen Fei­er der hei­li­gen Mes­se zu ver­an­las­sen, unab­hän­gig davon ob Gläu­bi­ge anwe­send sind oder nicht. So kurz gefasst wie mög­lich möch­ten wir jedoch auch die wich­tig­sten theo­lo­gisch-spi­ri­tu­el­len Grün­de dar­le­gen, die dies­be­züg­lich den Wei­sun­gen der Kir­che zugrun­de lie­gen. In knap­pen Ver­wei­sen sei Fol­gen­des gesagt.

a) Pri­vi­le­gier­tes Instru­ment zur Hei­lig­keit des Prie­sters. Die hei­li­ge Mes­se ist „Quel­le und Krö­nung“ des gan­zen prie­ster­li­chen Lebens: aus ihr schöpft der Prie­ster die über­na­tür­li­che Kraft und nährt den Geist des Glau­bens des­je­ni­gen, der ihn braucht um sich Chri­stus gleich­ge­stal­ten zu kön­nen und um ihm wür­dig zu die­nen. Wie die Man­na, die wäh­rend der Flucht aus Ägyp­ten jeden Tag gesam­melt wer­den muss­te, so muss auch der Prie­ster jeden Tag an der Quel­le der Gna­de trin­ken, dem Opfer auf dem Gol­ga­tha, das sich in jeder hei­li­gen Mes­se sakra­men­tal erneu­ert. Die­se täg­li­che Fei­er zu unter­las­sen — außer im Fal­le tat­säch­li­cher Unmög­lich­keit — bedeu­tet, sich der wich­tig­sten Nah­rung zu ent­zie­hen, die zur eige­nen Hei­li­gung und für den apo­sto­li­schen Dienst in der Kir­che erfor­der­lich ist. Es bedeu­tet auch, das Risi­ko einer Art spi­ri­tu­el­len Pela­gia­nis­mus zu lau­fen, der eher auf die Kraft des Men­schen setzt als auf die Gna­de des Herrn.

b) Wich­tig­ste Pflicht des Prie­sters, sei­ne Iden­ti­tät kenn­zeich­nend. Es ist ja vor allem die Fei­er der Eucha­ri­stie, die den Prie­ster als sol­chen kenn­zeich­net; dies bestä­tigt sich durch die Tat­sa­che, dass die­ser Kir­chen­dienst, dass die Eucha­ri­stie als sol­che, in Chri­sti Han­deln wäh­rend des Letz­ten Abend­mahls grün­det. Die hei­li­ge Mes­se zu fei­ern ist nicht die ein­zi­ge Auf­ga­be des Prie­sters, aber es ist die wich­tig­ste. Dar­an erin­nert ja gera­de auch Pres­by­terorum Ordi­nis: im Dar­brin­gen der Eucha­ri­stie „üben die Prie­ster ihre bedeu­tend­ste Funk­ti­on aus.“ Die­se Leh­re wird 1992 von Johan­nes Paul II. in Pasto­res Dabo Vobis auf­ge­grif­fen: «In ihrer Beru­fung zum Dienst am Hei­li­gen sind die Prie­ster also vor allem Die­ner beim Mess­op­fer» (Nr. 48).

c) Voll­kom­men­ste Hand­lung pasto­ra­ler Lie­be. Es gibt kei­ne bedeu­ten­de­res Han­deln in Näch­sten­lie­be, das der Prie­ster zu Gun­sten der Gläu­bi­gen aus­füh­ren könn­te, das grö­ßer wäre oder mehr Bedeu­tung hät­te als die hei­li­ge Mes­se. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil erin­nert mit fol­gen­den Wor­ten dar­an: «Mit der Eucha­ri­stie ste­hen die übri­gen Sakra­men­te im Zusam­men­hang; auf die Eucha­ri­stie sind sie hin­ge­ord­net; das gilt auch für die ande­ren kirch­li­chen Dien­ste und für die Apo­sto­lats­wer­ke. Die Hei­lig­ste Eucha­ri­stie ent­hält ja das Heils­gut der Kir­che in sei­ner gan­zen Fül­le, Chri­stus selbst, […].Dar­um zeigt sich die Eucha­ri­stie als Quel­le und Höhe­punkt aller Evan­ge­li­sa­ti­on » (Pres­by­terorum Ordi­nis, Nr. 5).

d) See­len­amt für Ver­stor­be­ne. Die pasto­ra­le Lie­be, die im all­ge­mei­nen nur die gläu­bi­gen via­to­res zu errei­chen ver­mag, geht in der hei­li­gen Mes­se über die Gren­zen von Zeit und Raum hin­aus. In per­so­na Chri­sti zele­brie­rend, erfüllt der Prie­ster eine Auf­ga­be, die über die Wir­kungs­di­men­si­on der mensch­li­chen Geste hin­aus­geht, die ja auf ihre Zeit, ihren Raum und auf die Geschich­te ihrer Aus­wir­kung beschränkt ist. Er geht über die Gren­zen des mensch­lich Erreich­ba­ren hin­aus. Dies gilt ins­be­son­de­re für den Wert des Ver­dien­stes Chri­sti, der sich in der hei­li­gen Mes­se erneut dem Vater hin­gibt, sich für uns und für Vie­le opfernd. Zu den „Vie­len“ für die sich Chri­stus ein­ma­lig auf dem Kreuz geop­fert hat und für die er sich auf dem Gol­ga­tha der Altä­re unse­rer Kir­chen opfert, gehö­ren auch die ver­stor­be­nen Gläu­bi­gen, die danach stre­ben in die gött­li­che Ewig­keit ein­zu­ge­hen. Seit jeher betet die Kir­che wäh­rend der Lit­ur­gie auch für sie, wie das Erwäh­nen der Ver­stor­be­nen in den eucha­ri­sti­schen Gebe­ten beweist. «Schon seit frü­he­ster Zeit hat die Kir­che das Andenken an die Ver­stor­be­nen in Ehre gehal­ten und für sie Für­bit­ten und ins­be­son­de­re das eucha­ri­sti­sche Opfer dar­ge­bracht, damit sie geläu­tert wer­den und zur bese­li­gen­den Got­tes­schau gelan­gen kön­nen.» (Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, n. 1032).

2 Kommentare

  1. Kanon 246 § 1 zeigt das gan­ze Dilem­ma auf:“…So dass die Alum­nen täg­lich an der Lie­be Christ Anteil haben.…“
    An der Lie­be Chri­sti kann man auch im inten­si­ven täg­li­chen Gebet Anteil haben. Es bedarf der Eucha­ri­stie­fei­er, der Mes­se Paul VI. nicht.
    Anders ist es mit dem hl. Mess­op­fer, der Mes­se aller Zei­ten: Hier bringt der Prie­ster der gött­li­chen Maje­stät ein Opfer dar, er ver­ge­gen­wär­tigt das Erlö­sungs-Opfer Jesu Chri­sti am Kreuz. Auch wenn Gläu­bi­ge nicht anwe­send sind, die Früch­te die­ses Opfers ihnen nicht direkt zuge­wen­det wer­den, das Opfer in sich bleibt, sein unschätz­ba­rer Wert für das Erlö­sungs­ge­sche­hen wird nicht ange­ta­stet.
    Die nach­kon­zi­lia­re Eucha­ri­stie­fei­er ist auf Gemein­schaft ange­legt, der Opfer­cha­rak­ter ist bis zur Unkennt­lich­keit zurück­ge­drängt.
    Das Erlö­sungs­ge­sche­hen durch Jesus Chri­stus wird weit­ge­hend zurück­ge­drängt. Sei­ne Erlö­ser­lie­be wird weit­ge­hend ersetzt durch eine sub­jek­ti­vi­sti­sche Lie­be, im gün­stig­sten Fall, muss hin­zu­ge­fügt wer­den. Denn auch die­se sub­jek­ti­vi­sti­sche Lie­be wird zurück­ge­drängt.
    Wenn der Mensch im Mit­tel­punkt steht, wenn Theo­zen­trik durch Anthro­po­zen­trik ersetzt wird, hat nur die Mes­se in der Gemein­schaft wirk­lich Sinn. Zumin­dest wenn man von Grund­prin­zi­pi­en aus­geht, die Ebe­ne der sub­jek­ti­ven Fröm­mig­keit ver­lässt.

  2. Kann mir bit­te jemand den Para­gra­phen aus dem CIC (Codex Iuris Cano­ni­ci) nen­nen, in wel­chem der Prie­ster zur täg­li­chen Fei­er der Eucha­ri­stie ver­pflich­tet wird???

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