Jean Madiran — Belastungszeuge gegen die eigene Zeit

Jean Madiran, unbeugsamer Vertreter des katholischen Widerstandes gegen die Selbstzerstörung der Kirche(Rom/Paris) Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei ver­faß­te am Hoch­fest Maria Him­mel­fahrt in der Tages­zei­tung „Il Foglio“ einen Nach­ruf auf Jean Mad­iran, einen „Pio­nier des katho­li­schen Wider­stan­des gegen den Pro­gres­sis­mus“. Mad­iran ist am 31. Juli im Alter von 93 Jah­ren in Frank­reich ver­stor­ben. Der 1920 gebo­re­ne, in jun­gen Jah­ren Charles Mau­rras nahe­ste­hen­de Mad­iran erleb­te einen grund­le­gen­den intel­lek­tu­el­len Wan­del durch die Ent­deckung der Schrif­ten und des Den­kens des Hei­li­gen Tho­mas von Aquin. Die von ihm 1956 im Alter von 36 Jah­ren gegrün­de­te Zeit­schrift „Iti­nér­ai­res“ wur­de für fast 40 Jah­ren zu einem intel­lek­tu­el­len Brenn­punkt der katho­li­schen Tra­di­ti­on in Frank­reich. Mad­iran, der 1982 mit „Pré­sent“ auch eine katho­li­sche Tages­zei­tung grün­de­te, war ein auf­merk­sa­mer Beob­ach­ter der kirch­li­chen Selbst­zer­stö­rung, die er in sei­nen Wer­ken „L’Héresie du XX sià¨cle“ (1968) und „La révo­lu­ti­on coper­ni­ci­en­ne dans l’Eglise“ (2004) scho­nungs­los offen­leg­te.

.

Jean Madiran und die “Geschichte der verbotenen Messe“

von Rober­to de Mattei

In die­sen Tagen ver­dient es Mad­iran, daß sei­ner vor allem auch für sei­ne unbeug­sa­me Ver­tei­di­gung der über­lie­fer­ten Mes­se gedacht wird, deren histo­ri­sche Ent­wick­lung er in der Histoire de la Mes­se inter­di­te (2 Bän­de, 2007 und 2009) dar­ge­stellt hat. Nach der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Mis­sa­le Roma­num, mit der Paul VI. am 3. April 1969 die neue Mes­se ein­führ­te, erschien am 12. Novem­ber des­sel­ben Jah­res in Frank­reich ein Dekret, das von Kar­di­nal Mar­ty, dem Vor­sit­zen­den der fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz unter­zeich­net war, das ab 1. Janu­ar 1970 den Gebrauch der fran­zö­si­schen Mut­ter­spra­che im neu­en Ordo Mis­sae  obli­ga­to­risch ein­führ­te. Dar­aus folg­te, daß die seit Jahr­hun­der­ten gül­ti­ge über­lie­fer­te Mes­se ab 31. Dezem­ber 1969 ver­bo­ten war. Das war die Initi­al­zün­dung für einen Kampf, der noch nicht abge­schlos­sen ist.

Seit den 50er Jahren gingen französische Bischöfe und Theologen auf Distanz zu Rom

Seit den 50er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts, wenn nicht schon vor­her – so Mad­iran – gin­gen die fran­zö­si­schen Bischö­fe und Theo­lo­gen auf Distanz zur Kir­che von Rom, der sie vor­war­fen, Gefan­ge­ne einer repres­si­ven theo­lo­gi­schen und juri­di­schen Schu­le zu sein. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil war die Gele­gen­heit, einen Fron­tal­an­griff gegen die Römi­sche Schu­le zu unter­neh­men und zur lit­ur­gi­schen Umwäl­zung Pauls VI. bei­zu­tra­gen, der seit jun­gen Jah­ren für die Beein­flus­sung durch pro­gres­si­ve, fran­zö­si­sche Krei­se offen war. Als das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil im Oktober1962 eröfff­net wur­de, bezeich­ne­te es der künf­ti­ge Kar­di­nal Pater Yves Con­gar begei­stert als „die Okto­ber­re­vo­lu­ti­on der Kir­che“ (in Anspie­lung auf Lenins Okto­ber­re­vo­lu­ti­on von 1917): eine Revo­lu­ti­on, die ihren Höhe­punkt nicht in den Kon­zils­do­ku­men­ten hat­te, son­dern in der auf sie fol­gen­den Lit­ur­gie­re­form.

Als im April 1969 der neue Ordo Mis­sae in Kraft trat, übten eini­ge der höch­sten Ver­tre­ter der kirch­li­chen Hier­ar­chie schar­fe Kri­tik dar­an. Die Kar­di­nä­le Otta­via­ni und Bac­ci über­reich­ten Paul VI. eine Kur­ze kri­ti­sche Über­prü­fung des Novus Ordo Mis­sae, die von einer Grup­pe füh­ren­der Theo­lo­gen ver­schie­de­ner Natio­na­li­tät erar­bei­tet wor­den war, die zum Schluß kamen, daß „der Novus Ordo Mis­sae […] sowohl in sei­ner Gesamt­heit als auch in den Details eine beein­drucken­de Abkehr von der katho­li­schen Theo­lo­gie der Hei­li­gen Mes­se, die von der XXII. Ses­si­on des Kon­zils von Tri­ent for­mu­liert wur­de, das die Kano­nes des Ritus defi­ni­tiv fest­ge­legt und eine unüber­wind­li­che Schutz­mau­er gegen jeg­li­che Häre­sie errich­tet hat, die die Inte­gri­tät des Myste­ri­ums anzu­grei­fen ver­sucht.“ Die Kri­tik am Novus Ordo wur­de in der Fol­ge von zahl­rei­chen gelehr­ten Lai­en fort­ge­setzt, unter ande­rem vom Fran­zo­sen Lou­is Sal­le­ron, dem Eng­län­der Micha­el Davies und dem Bra­si­lia­ner Arnal­do Xavier da Sil­vei­ra. In Frank­reich war Jean Mad­iran ein lei­den­schaft­li­cher Ver­brei­ter der Kur­zen kri­ti­schen Über­prü­fung und ver­öf­fent­lich­te in den Iti­nér­ai­res die Stim­men aller, die aus Gewis­sens­grün­den zum Schluß gelang­ten, die Neue Mes­se nicht akzep­tie­ren zu kön­nen. Ein füh­ren­der Kir­chen­recht­ler, Abbé Ray­mond Dulac, ver­öf­fent­lich­te 1972 mit einem sorg­fäl­ti­gen Kom­men­tar eine Neu­aus­ga­be der Bul­le Quo pri­mum (1570) des Hei­li­gen Pius V. und führ­te den Beweis, daß die Kon­sti­tu­ti­on Mis­sa­le Roma­num von Paul VI. die triden­ti­ni­sche Bul­le nicht abge­schafft hat­te und auch gar nicht abschaf­fen hät­te kön­nen, die der vom Ghis­lie­ri-Papst wie­der­her­ge­stell­ten Mes­se ein ewi­ges Indult-Pri­vi­leg garan­tier­te.

„Euer Heiligkeit, geben Sie uns die Heilige Messe wieder…“

Im Janur 1973 erschien am 21. Okto­ber 1972 in der Zeit­schrift Iti­nér­ai­res ein Appell Mad­irans in Brief­form an Paul VI., der mit den Wor­ten begann:

„Euer Hei­lig­keit, geben Sie uns die Hei­li­ge Schrift, den Kate­chis­mus und die Hei­li­ge Mes­se wie­der, die uns ent­zo­gen wer­den, jeden Tag mehr, von einer kol­le­gia­len, des­po­ti­schen und bos­haf­ten Büro­kra­tie, die ob zu Recht oder zu Unrecht, aber ohne daß ihr bis­her wider­spro­chen wur­de, den Anspruch erhebt, im Namen des Zwei­ten Vati­ka­nums und Pauls VI. auf­zu­zwin­gen. Geben Sie uns die tra­di­tio­nel­le, katho­li­sche, latei­ni­sche und gre­go­ria­ni­sche Mes­se gemäß dem Mis­sa­le Roma­num des Hei­li­gen Pius V. wie­der. Ihr laßt sagen, daß Ihr sie ver­bo­ten hät­tet. Kein Papst aber könn­te, ohne sei­ne Macht zu miß­brau­chen, den tau­send­jäh­ri­gen Ritus der katho­li­schen Kir­che unter­sa­gen, der vom Kon­zil von Tri­ent kano­ni­siert wur­de. Wenn die­ser Macht­miß­brauch tat­säch­lich erfolgt wäre, dann wäre es Gehor­sam gegen­über Gott und der Kir­che, zu wider­ste­hen und nicht im Stil­len zu erdul­den.“

Der Brief wur­de spä­ter auch von illu­stren Per­sön­lich­kei­ten wie Alexis Cur­vers, Mar­cel De Cor­te, Hen­ri Ram­baud, Lou­is Sal­le­ron, Eric de Saven­them und Jac­ques Tré­mo­let de Vil­lers unter­zeich­net und in einem Buch von außer­ge­wöhn­li­cher Aktua­li­tät mit dem Titel Récla­ma­ti­on au Saint-Pà¨re (1974) ver­öf­fent­licht.

Katechismuslose Zeit — 1965 Verbot aller Katechismen

Für Mad­iran war das Pro­blem der Mes­se auf das Eng­ste mit jenem des Kate­chis­mus und der Hei­li­gen Schrift ver­bun­den. Dem Ver­bot der Mes­se war näm­lich in den fran­zö­si­schen Diö­ze­sen ein gene­rel­les Ver­bot aller vor­kon­zi­lia­ren Kate­chis­men und vor allem des Kate­chis­mus des Hei­li­gen Pius X. vor­aus­ge­gan­gen. Für 27 Jah­re, von 1965 bis 1992, dem Jahr, in dem von Johan­nes Paul II. der neue Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che pro­mul­giert wur­de, war die fran­zö­si­sche Kir­che kate­chis­mus­los und fak­tisch ohne reli­giö­se Unter­wei­sung für die Kin­der. Die­se Ver­bo­te wur­den und wer­den noch heu­te von einem exege­ti­schen Van­da­lis­mus beglei­tet, der die Hei­li­ge Schrift auf den Kopf stellt. Es genügt dar­an zu erin­nern, daß die Kom­men­ta­to­ren Bibel in fran­zö­si­scher Spra­che der Mei­nung sind, daß alle Wor­te Jesu in den Evan­ge­li­en nach sei­nem Tod erfun­den wur­den. Ab 1965 wur­de zudem das 325 vom Kon­zil von Nizäa in die dog­ma­ti­sche Spra­che ein­ge­führ­te Wort „wesens­eins“ von den fran­zö­si­schen Bischö­fen unter­sagt. Seit bald 50 Jah­ren wird im Glau­bens­be­kennt­nis nicht mehr „eines Wesens mit dem Vater“ bekannt, son­dern „von glei­cher Natur“, und das mit dem absur­den Vor­wand, daß der Begriff „Sub­stanz“ im Lau­fe der Zeit einen Bedeu­tungs­wan­del voll­zo­gen hät­te. Die Fol­ge ist, daß in Frank­reich seit einem hal­ben Jahr­hun­dert ein zen­tra­les Dog­ma des Chri­sten­tums, das im Begriff Trans­sub­stan­tia­ti­on zum Aus­druck kommt, zunich­te­ge­macht wird.

Der Pro­test von Mad­iran und der Theo­lo­gen von Iti­nér­ai­res ver­ein­te sich mit dem von 75 eng­li­schen Kul­tur­ver­tre­tern unter­zeich­ne­ten Appell von Paul VI. vom 6. Juli 1971, dar­un­ter auch die berühm­te Schrift­stel­le­rin Aga­tha Chri­stie, Robert Gra­ves, Gra­ham Green, Mal­colm Mud­der­idge, Ber­nard Wall, Roma­no Ame­rio, Augu­sto Del Noce, Mar­cel Bri­on, Juli­en Green, Yehu­di Menu­hin, Hen­ri de Mon­ther­lant und Jor­ge Luis Bor­ges. Immer mehr Appel­le von Gläu­bi­gen aus ver­schie­de­nen Län­dern für die Wie­der­her­stel­lung der über­lie­fer­ten Mes­se oder zumin­dest deren Gleich­stel­lung erfolg­ten durch die Initia­ti­ve der Ver­ei­ni­gung Una Voce. Drei inter­na­tio­na­le Wall­fahr­ten von Katho­li­ken führ­ten nach Rom, um die Treue zur Mes­se und zum Kate­chis­mus des Hei­li­gen Pius V. zu bekräf­ti­gen.

„Montini-Partei“ besetzte alle Machtpositionen — 1978 unregierbare Situation

Die­se brei­te Wider­stands­be­we­gung ent­wickel­te sich zwi­schen 1969 und 1975 deut­lich bevor am 29. Juni 1976 der soge­nann­te Fall Lef­eb­v­re  zum Aus­bruch gelang­te, als der fran­zö­si­sche Erz­bi­schof 26 sei­ner Semi­na­ri­sten die Sub­dia­ko­nats- und die Prie­ster­wei­he spen­de­te und der sus­pen­sio a divi­nis ver­fiel. Im Jahr dar­auf stell­te Msgr. Lef­eb­v­re in einer denk­wür­di­gen Kon­fe­renz im Palaz­zo Pal­la­vi­ci­ni in Rom Fra­gen, die bis heu­te kei­ne Ant­wort gefun­den haben: „Wie kann es sein, daß ich, weil ich wei­ter­hin das tue, was ich 50 Jah­re mei­nes Lebens mit den Glück­wün­schen und den Ermu­ti­gun­gen der Päp­ste getan habe, im beson­de­ren von Papst Pius XII., der mich durch sei­ne Freund­schaft ehr­te, mich heu­te in einer Situa­ti­on wie­der­fin­de, fast so als wür­de ich als Feind der Kir­che betrach­tet wer­den?“ Msgr. Lef­eb­v­re, zu Unrecht als „Kopf“ der Tra­di­tio­na­li­sten dar­ge­stellt, war in Wirk­lich­keit nur die sicht­bar­ste Aus­drucks­form eines Phä­no­mens, das weit über sei­ne Per­son hin­aus­ging und sei­ne Wur­zeln und sein Anlie­gen zual­ler­erst in den durch das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ent­stan­de­nen Pro­ble­men und des­sen Umset­zung hat­te.

In den 14 Jah­ren des Pon­ti­fi­kats von Paul VI. (1963–1978) besetz­te die „Mon­ti­ni-Par­tei“ alle füh­ren­den Macht­po­ste in der Kir­che, von den Spit­zen der Römi­schen Kurie bis zu den Bischofs­kon­fe­ren­zen. Der Pro­zeß der Selbst­zer­stö­rung der Kir­che wur­de immer dra­ma­ti­scher, sodaß Johan­nes Paul II. eine unre­gier­ba­re Situa­ti­on erb­te. Durch den Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats begann jedoch die Feind­se­lig­keit gegen die über­lie­fer­te Mes­se, zunächst nach außen kaum wahr­nehm­bar, nach­zu­las­sen. Der Papst bil­de­te eine gehei­me Kom­mis­si­on aus acht Kar­di­nä­len, um die lit­ur­gi­sche Fra­ge zu stu­die­ren. Sie kam zum Schluß, daß es weder theo­lo­gi­sche noch juri­di­sche Grün­de gibt, die ein Ver­bot des triden­ti­ni­schen Ritus erlau­ben wür­de. Dar­uf­hin erließ am 3. Okto­ber 1984 die Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on mit dem Schrei­ben Quat­tu­or abhinc annos an die Vor­sit­zen­den der Bischofs­kon­fe­ren­zen ein Indult zur Zele­bra­ti­on der über­lie­fer­ten Mes­se, die bis dahin als ver­bo­ten galt. Der Groß­teil der Bischö­fe wei­ger­te sich jedoch, die­se Maß­nah­me umzu­set­zen, sodaß Johan­nes Paul II. in sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Eccle­sia Dei vom 2. Juli 1988 nach dem Bruch zwi­schen Rom und der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. anord­ne­te:

„Fer­ner muß über­all das Emp­fin­den derer geach­tet wer­den, die sich der Tra­di­ti­on der latei­ni­schen Lit­ur­gie ver­bun­den füh­len, indem die schon vor län­ge­rer Zeit vom Apo­sto­li­schen Stuhl her­aus­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en zum Gebrauch des Römi­schen Meß­buchs in der Edi­tio typi­ca vom Jahr 1962, weit und groß­zü­gig ange­wandt wer­den.“

Blinde Obstruktion der Bischöfe gegen Maßnahmen Johannes Pauls II. für Alte Messe

Auch das Ergeb­nis die­ser Maß­nah­me blieb wegen der blin­den Obstruk­ti­ons­hal­tung der Bischö­fe ent­täu­schend. Kar­di­nal Ratz­in­ger, der stets die Lit­ur­gie in den Mit­tel­punkt sei­nes Augen­merk hat­te (man den­ke an den Tagungs­band der Lit­ur­gi­schen Tage von Font­gom­bault, vom 22.–24. Juli 2001), war nach sei­ner Wahl zum Papst ent­schlos­sen, die Fra­ge per­sön­lich zu regeln und erließ am 7. Juli 2007 das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, mit dem er dem alten Römi­schen Ritus die Frei­heit zurück­gab und in die Kir­che zurück­führ­te.

Die „Wider­ständ­ler“ der 60er Jah­re, sahen nach fast 40 Jah­ren ihre Anstren­gun­gen end­lich belohnt. „Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag“, schrieb Jean Mad­iran am 6. Sep­tem­ber 2007, „bin ich, und ich war nicht der ein­zi­ge, in die Kir­che, die nur weni­ge Schritt von mir ent­fernt ist, zurück­ge­kehrt, anstatt 20 Kilo­me­ter Hin­weg und 20 Kilo­me­ter Rück­weg zurück­zu­le­gen. Das Wich­tig­ste ist aber nicht, daß wir zurück­ge­kehrt sind, son­dern daß die Mes­se zurück­ge­kehrt ist. Was für eine Gna­de!“ (Chro­ni­ques sous Benoà®t XVI., 2010, S. 197).

Benedikt XVI. gab überlieferte Messe einer kranken Kirche zurück

Die Kir­che, der Bene­dikt XVI. die über­lie­fer­te Mes­se zurück­ge­ge­ben hat, ist eine kran­ke Kir­che, die bis in die höch­sten Spit­zen­po­si­tio­nen von pro­gres­si­ven Prä­la­ten besetzt gehal­ten wird, die sich wei­ter­hin des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils wie einer Keu­le bedie­nen, mit der sie ihre Fein­de schla­gen. Das ist jüngst der Fall gegen die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, die wegen ihrer Anhäng­lich­keit an die tra­di­tio­nel­le Mes­se auf unge­rech­te Wei­se durch ein Dekret getrof­fen wer­den, das eine Ver­let­zung der all­ge­mei­nen Kir­chen­ge­set­ze dar­stellt, vor allem des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI., das jedem Prie­ster die Frei­heit ein­räumt, die Hei­li­ge Mes­se in der soge­nann­ten „außer­or­dent­li­chen“ Form des Ritus zu zele­brie­ren.

Mut­ter Maria Fran­zis­kus von den Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta hat mit ihrem Bei­trag Die apo­sto­lisch-patri­sti­schen Ursprün­ge der soge­nann­ten „triden­ti­ni­schen“ Mes­se im ita­lie­ni­schen Sam­mel­band Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum S.H. Bene­dikt XVI. Eine Hoff­nung für die gan­ze Kir­che (Bd. 3, hrsg. von Pater Vin­cen­zo Nua­ra OP, 2013, S. 93–115) aus­rei­chend belegt, wie der bis 1969 in Kraft gewe­se­ne Ritus in sei­nen zen­tra­len Ele­men­ten auf den hei­li­gen Papst Gre­gor den Gro­ßen zurück­geht und von die­sem ohne Unter­bre­chung auf die Apo­stel, um vom Letz­ten Abend­mahl und dem blu­ti­gen Opfer Jesu Chri­sti, ihren Aus­gangs­punkt zu neh­men. Im Band La Réfor­me lit­ur­gi­que en que­sti­on (1992) mit dem Vor­wort von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, stell­te Msgr. Klaus Gam­ber, für den Papst Bene­dikt stets gro­ße Bewun­de­rung heg­te, klar, daß kein Papst das Recht hat, den Ritus der auf die Apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on zurück­gehrt und der sich im Lauf der Jahr­hun­der­te ver­tief­te, wie es für die soge­nann­te Mes­se des Hei­li­gen Pius V. der Fall ist, zu ändern. Der ple­na et supre­ma potestas des Pap­stes sind kla­re Gren­zen gesetzt und Gam­ber schrieb unter Beru­fung auf die Theo­lo­gen Sua­rez und Cajeta­no, daß „ein Papst zum Schis­ma­ti­ker wür­de, wenn er nicht, wie es sei­ne Pflicht ist, bereit wäre, sich in Ein­heit mit dem gesam­ten Kör­per der Kir­che zu hal­ten, son­dern ver­su­chen wür­de, die gesam­te Kir­che zu exkom­mu­ni­zie­ren oder die durch die Apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on bestä­tig­ten Riten zu ändern (eben­dort S. 37).

Überlieferte Messe nie abgeschafft — Schule der Gegenrevolution

Das Motu pro­prio von Bene­dikt XVI. hat offen­sicht­lich gemacht, daß die über­lie­fer­te Mes­se nie abge­schafft wur­de (und auch nie abge­schafft wer­den hät­te kön­nen) und daß die neue Mes­se von Paul VI. fakul­ta­tiv ist, und als sol­che darf man sie kri­ti­sie­ren und zurück­wei­sen. Kein Prie­ster kann gezwun­gen wer­den die neue Mes­se zu zele­brie­ren oder gehin­dert wer­den, die über­lie­fer­te Mes­se frei zu zele­brie­ren. Jedes Dekret oder jede Anord­nung, die etwas ande­res auf­zwin­gen möch­te, wäre Miß­brauch, der anzu­zei­gen und zurück­zu­wei­sen ist. Jean Mad­iran hat durch sein intel­lek­tu­el­les Vor­bild gezeigt, wie breit und legi­tim der Spiel­raum für den katho­li­schen Wider­stand gegen unge­rech­te Befeh­le ist. Er war kei­ne iso­lier­te Stim­me. Bei sei­ner Beer­di­gung, die von Dom Lou­is Marie, dem Abt von Bar­roux in der „außer­or­dent­li­chen“ Form zele­briert wur­de, waren Ver­tre­ter der wich­tig­sten Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on anwe­send, der Petrus­bru­der­schaft, des Insti­tuts Chri­stus König und Hoher­prie­ster, des Insti­tuts Bon Pasteur und der Pius­bru­der­schaft. Jean Mad­iran, der sich selbst als „Bela­stungs­zeu­ge gegen die eige­ne Zeit“ bezeich­ne­te (Inter­view mit Abbé Guil­laume de Tano­üarn, in Cer­ti­tu­des, Juli-Sep­tem­ber 2002) war vor allem ein kämp­fen­der Katho­lik. Bis zum letz­ten Tag sei­nes Lebens beton­te er stolz sei­ne kul­tu­rel­le und gei­sti­ge Abstam­mung von der katho­li­schen Schu­le der Gegen­re­vo­lu­ti­on, die wegen ihrer Anhäng­lich­keit zum päpst­li­chen Pri­mat in Frank­reich als „ultra­mon­tan“ bezeich­net wird und deren füh­ren­de Ver­tre­ter Lou­is Veuil­lot, Dom Gué­ran­ger, und Kar­di­nal Pie sind. Mad­iran faß­te die Grund­sät­ze die­ser nicht nur fran­zö­si­schen Denk­schu­le zusam­men und ver­öf­fent­lich­te eine umfas­sen­de gei­stig-kul­tu­rel­le Genea­lo­gie: L’école (infor­mel­le) cont­re-révo­lu­ti­onn­aire, in Pré­sent vom 18. Febru­ar 2011. Wer die Welt der Tra­di­ti­on kri­ti­siert, macht sich nicht bewußt, daß die­se Welt tie­fe intel­lek­tu­el­le Wur­zeln hat und ihre Vita­li­tät gera­de in Kon­flik­ten unter Beweis stellt, wie dem um die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und um die Alte Mes­se, der gera­de im Gan­ge ist. Jeder im übri­gen, ob er sich des­sen bewußt ist oder nicht, gehört einer Rich­tung, einer Schu­le oder einer gei­sti­gen Fami­lie an. Im Leben muß man sich ent­schei­den, auf wel­cher Sei­te man steht. Jean Mad­iran wäre auf der Sei­te all jener gewe­sen, die heu­te mit Nach­druck ihre uner­schüt­ter­li­cher Treue zum über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus bekun­den.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

3 Kommentare

  1. Interessant,dass der fran­zö­si­sche Epi­sko­pat sich der­art gegen Rom und Papst erho­ben hat,jener Episkopat,der dem teuf­li­schen Nazi­re­gime der Okku­pan­ten will­fäh­rig zur sei­te stand-das Ver­trau­en der Gläu­bi­gen war nach Kriegs­en­de schwer erschüttert.Das sind die Dämo­nen der Revolution,die dort immer wie­der umhergeistern,die See­len zu verderben,aber dort ist auch die Aller­se­lig­ste Jung­frau in Lour­des der demü­ti­gen Ber­na­det­te erschie­nen und hat so einen Ort der Gna­de geschenkt,der leuch­tet und alle Fin­ster­nis überstrahlt.Ave Maria gra­tia ple­na!

  2. R.I.P und möge Gott der Herr sei­nen Kampf für die gelieb­te Eine, Hei­li­ge, Katho­li­sche und Apo­sto­li­sche Kir­che Got­tes unsers Herrn fürst­lich beloh­nen.

  3. Ganz herz­li­chen Dank dafür, daß Sie Robert de Mattei’s Bei­trä­ge uns brin­gen (über­set­zen).

    Es sind ganz wesent­li­che Gedan­ken und Infor­ma­tio­nen.

    Allein schon dafür lohnt sich der monat­li­che Obu­lus an die Sei­te Katholisches.info.

Kommentare sind deaktiviert.