Franziskus über Benedikt XVI.: „Wie der Opa im Haus. Leben Sie Ihr Leben“

Papst Franziskus improvisierte Pressekonferenz im Flugzeug(Rom) Auf dem Rück­flug von Rio de Janei­ro nach Rom fand auf Wunsch eines gut­ge­laun­ten Pap­stes eine impro­vi­sier­te Pres­se­kon­fe­renz statt (sie­he eige­nen Bericht). Ange­spro­chen auf sei­nen Vor­gän­ger Papst Bene­dikt XVI. sag­te Fran­zis­kus: „Es ist wie den Groß­va­ter im Haus zu haben, aber einen wei­sen Groß­va­ter. Wenn in einer Fami­lie der Opa zu Hau­se ist, wird er ver­ehrt, wird er geliebt, wird auf ihn gehört. Er ist beson­nen, mischt sich aber nicht ein. Ich habe ihm oft gesagt: ‚Aber Hei­lig­keit, emp­fan­gen Sie Besuch, leben Sie Ihr Leben, kom­men Sie mit uns…‘. Er kam zur Ent­hül­lung und Ein­wei­hung der Erz­engel-Micha­el-Sta­tue… Für mich ist es, wie den Opa im Haus zu haben: mei­nen Papa. Wenn ich Schwie­rig­kei­ten hät­te oder etwas nicht ver­ste­hen wür­de, wür­de ich tele­fo­nie­ren: ‚Aber, sagen Sie mir, kann ich das tun?‘ Und als ich zu ihm ging, um über jenes gro­ße Pro­blem von Vati­leaks zu reden, hat er mir alles mit einer Ein­fach­heit gesagt… immer bereit zum Dienst.“

Text: Radio Vati­kan
Bild: Radio Vati­kan

16 Kommentare

  1. „Er kam zur Ent­hül­lung und Ein­wei­hung der Erz­engel-Micha­el-Sta­tue“.
    Wir wis­sen, mit wem die­ser Engel kämpft, mit wem und wann. Und er ist einer unse­rer natio­na­len Schutz­pa­tro­ne, den wir bit­ter nötig haben, aber seit lan­gem nicht mehr um Hil­fe bit­ten…
    Es ist nicht zu fas­sen, wie F. über Bene­dikt redet! Es klingt zwar fami­li­är, aber in die­sem Rah­men ziem­lich puber­tär: Opi sitzt auf dem Alten­teil und darf reden, wenn F. ihn fragt und soll sich nicht „ein­mi­schen“. „Leben Sie Ihr Leben, kom­men Sie mit uns!“ — Welch eine Distanz­lo­sig­keit. Wel­che Grob­schläch­tig­keit. Ist Bene­dikt ein bedau­erns­wer­ter alter Narr, dem man Rat­schlä­ge für sei­ne letz­ten Tage geben muss? Außer­dem: Bene­dikt hat aus­drück­lich gesagt, dass er nicht sein (!) Leben leben will, son­dern das des Gebets für die Kir­che. Er hat sich zu die­sem Zweck in das Klo­ster bege­ben, in dem die Schwe­stern sich ganz die­ser Auf­ga­be wid­men.
    Es hat für mich etwas Per­fi­des — eine Stim­me schmeich­le­ri­scher Ver­füh­rung: man sagt dem, der sich das Gebet für einen ster­ben­de Kir­che zur Auf­ga­be gemacht hat (hat machen las­sen durch IHN), er möge doch ein biss­chen mit „raus­kom­men“ und end­lich ent­span­nen sozu­sa­gen, end­lich das eige­ne Leben leben… nicht stän­dig beten…
    Will F. das Gebet Bene­dikts nicht? Schätzt er es nicht?
    Wäre nicht unge­fähr die­ser Satz ange­mes­sen gewe­sen: Ich dan­ke mei­nem gro­ßen Vor­gän­ger, dem ich nicht das Was­ser rei­chen kann in aller Demut, dass er mich fest­hält im treu­en Gebet?
    Ja — das wäre der rich­ti­ge Satz gewe­sen!

    • S.H. Fran­zis­kus ist sehr plau­der­freu­dig.
      Was soll man von einem sol­chen Satz hal­ten, den er gestern vor dem Bis­tums­ra­dio in Rio impro­vi­sier­te:
      „… Dem Herrn kön­nen wir so die Gna­de erwei­sen, ihm einen Platz zwi­schen den Din­gen im Leben zu geben…“ (nach: http://kath.net/news/42241)
      Klingt sehr gut gemeint — aber wie kommt es her­aus?!

      • Mei­ster Eck­art:
        „Die Erkennt­nis Got­tes unter Aus­schluss des Wil­lens Got­tes ist nichts. In Got­tes Wil­len sind alle Din­ge und sind etwas (…); außer­halb des Wil­lens Got­tes sind alle Din­ge nichts (…)“ — Pre­digt 48

        „Käme es aber so weit, dass wir unse­ren gan­zen Wil­len auf­gä­ben und uns aller Din­ge äußer­lich und inner­lich zu ent­schla­gen getrau­ten, so hät­ten wir alles getan, und eher nicht.“ — Trak­tat „Was der Mensch tun soll“

        Ja, F. pre­digt den hoch­mü­ti­gen Men­schen, der Gott die Gna­de erweist, ihm einen klei­nen Platz zwi­schen den selbst­be­stimm­ten Din­gen zuzu­wei­sen. Noch nie ist ein Papst soweit von der wah­ren christ­li­chen Demut und Armut abge­wi­chen wie F.
        Sie den­ken, er meint das gut? Nein, das glau­be ich nicht. Weß das Herz voll ist, deß geht der Mund über. Er sagt es so und meint es auch so! Ich kann nicht aus Wohl­wol­len unter­stel­len, dass einer sei­ne bösen Wor­te nicht so gemeint wie gesagt hat…
        Es ist ein Kreuz: da redet einer von Armut, der Jesus gera­de mal noch auf sei­ne Kom­mo­de zwi­schen den Nip­pes sei­nes armen Lebens stellt! In aller Gna­de und Hoch­herr­schaft­lich­keit, ver­steht, und die­ses „Evan­ge­li­um pre­digt er und for­dert die Jugend auf, wei­ter­zu­sa­gen, als ob das die Welt nicht schon zur Genü­ge und bis zum­Ru­in wüss­te und aus­pro­biert hät­te…

        • Hm, vor­sichts­hal­ber schrieb ich:
          K l i n g t sehr gut gemeint…
          Über sein Inne­res mache ich mir oft Gedan­ken, will mich aber doch vor einem Urteil hüten.
          Dem Urteil unter­lie­gen sei­ne Wor­te und Taten.
          Mir ist schon der Gedan­ke gekom­men: Viel­leicht wur­de er Papst, damit Hun­der­te Mil­lio­nen für ihn beten und er so geret­tet wird.
          Jeden­falls ist er eine Prü­fung für die Kir­che.
          Tra­gen wir es gefasst, und dan­ken wir Gott, in einer so schwe­ren Zeit leben und uns bewäh­ren zu dür­fen.
          Beten wir für Fran­zis­kus!

          • Ich bete für F., weil jeder Katho­lik für den Papst, den Bischof, den Pfar­rer, die Kir­che all­ge­meinund beson­ders zu hau­se, für bestimm­te Men­schen, die ihm auf­ge­tra­gen sind etc. etc. betet. Ich mache mir jedoch nicht über sein Inne­res Gedan­ken, wie Ihnen nicht ent­gan­gen sein kan, son­dern über sei­ne Taten und Wor­te. Das ist völ­lig legi­tim und sogar not­wen­dig. Dage­gen erscheint es mir als ein Tabu, mir über Got­tes Absich­ten mit ihm und für ihn, wo sie uns nicht schon in der Offen­ba­rung und Leh­re der Kir­che kund­ge­tan sind, kon­kre­te Gedan­ken zu machen. Was Gott von uns all­ge­mein will, näm­lich sei­nen Wil­len zu tun, gilt für jeden, auch den Papst. Danach kann und soll ich mes­sen, zuerst bei mir selbst, sehr wohl aber auch bei denen, die uns füh­ren sol­len, und jedes Abwä­gen führt natur­ge­mäß auch zu einem Urteil, das revi­si­ons­fä­hig blei­ben muss. Das bit­te ich Sie nicht zu ver­wech­seln mit dem Rich­ter­spruch, den allein Gott spre­chen kann und nicht revi­si­ons­be­dürf­tig ist.
            Und noch ein Gedan­ke: man darf als Christ auch Kla­gen, Erschrecken aus­drücken und ande­rer­seits Freu­de. Alles zu sei­ner Zeit. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass nicht am Ende alles mit Fas­sung getra­gen wer­den muss und kann, ja darf, da stim­me ich Ihnen völ­lig zu!

      • in mul­ti­lo­quio non effu­gi­es pec­ca­tum-im vie­len Reden ent­fliehst du der Sün­de nicht-das geht uns allen so.Freilich für den Papst ist das etwas problematischer.Vielleicht muss er das Mass volllau­fen las­sen?

    • Lie­be® Zeit­schnur,
      Sie spre­chen mir so aus der Seele,das ich mir einen eige­nen Kom­men­tar schen­ken kann,denn bes­ser könn­te ich das,was ich beim Lesen die­ses Arti­kels fühlte,in mei­nen Wor­ten nicht aus­drücken!!
      Mich hält nur der Gedan­ke und der Glau­be aufrecht,das ja letzt­end­lich ALLES nach Got­tes Plan läuft,auch wenn unser­ei­ner stän­dig zwi­schen Wut und Trau­er hin und ger­ris­sen wird.

    • @zeitschnur
      Damit es kein Miss­ver­ständ­nis gibt, eines vor­ab: Mir ist Bene­dikt auch viel lie­ber als Fran­zis­kus.
      Aber: hier ist etwas bei der Über­set­zung ins Deut­sche pas­siert, was zu Miss­ver­ständ­nis­sen führt, und des­halb muss ich dies­mal nolens volens Fran­zis­kus ver­tei­di­gen. Fran­zis­kus hat das Wort „non­no“ ver­wen­det. Das ist das ganz nor­ma­le Wort für „Groß­va­ter“. Eine her­ab­las­sen­de und leicht despek­tier­li­che Bezeich­nung für „Groß­va­ter“ so wie das deut­sche „Opa“ gibt es im Ita­lie­ni­schen gar nicht (es sei denn, in irgend­wel­chen Dialekten,aber da bin ich mir auch nicht so sicher). Die­ser abfäl­li­ge Bei­geschmack, der in der Aus­sa­ge von Fran­zis­kus da zu sein scheint, ergibt sich also erst dar­aus, dass man „non­no“ statt mit „Groß­va­ter“ mit „Opa“ über­setzt hat.
      Per­fi­di­tät soll­ten Sie also nicht Fran­zis­kus vor­wer­fen, son­dern dem Über­set­zer.

      • Um vor­ei­li­ge Schluß­fol­ge­run­gen zu ver­mei­den. Die ita­lie­ni­sche Spra­che unter­schei­det nicht zwi­schen „Groß­va­ter“ und „Opa“. Aus dem gesam­ten Kon­text die­ser Aus­füh­run­gen von Papst Fran­zis­kus (sie­he auch den Gebrauch von „Papa“ statt „Vater“) müß­te eigent­lich „Groß­va­ter“ immer mit „Opa“ über­setzt wer­den. Allein aus Respekt vor dem Papst, aber auch vor Bene­dikt XVI. hat der Über­set­zer „Groß­va­ter“ geschrie­ben und nur ein­mal „Opa“. Wer den Text jeden­falls so lesen will, wie es Papst Fran­zis­kus sag­te, müß­te eigent­lich im Text „Groß­va­ter“ jeweils mit „Opa“ erset­zen.
        Für die Redak­ti­on: Giu­sep­pe Nar­di

        • Hab ich ja eh geschrie­ben, nicht wort­wört­lich, aber sinn­ge­mäß. Das Ita­lie­ni­sche unter­schei­det nicht zwi­schen „Groß­va­ter“ und „Opa“.
          Nur, wol­len Sie jetzt wirk­lich behaup­ten, dass das ita­lie­ni­sche „non­no“ den sel­ben her­ab­las­sen­den Bei­geschmack hat wie das deut­sche „Opa“? Das wür­de näm­lich bedeu­ten, dass die Ita­lie­ner Ihre Groß­vä­ter grund­sätz­lich nicht ernst neh­men. Trotz Ihres ita­lie­ni­schen Namens: Das kön­nen Sie mir wirk­lich nicht erzäh­len.

          • Ich habe Ihnen den Zusam­men­hang der Aus­sa­ge von Papst Fran­zis­kus erklärt. Mehr kann ich nicht tun.

        • Mir ging es nicht drum, zu sagen, wer mir per­sön­lich lie­ber ist. „Opa“ ist auch auf Deutsch nicht grund­sätz­lich her­ab­las­send. Aber es ist eine fami­liä­re Benen­nung, die sowohl Erer­bie­tung, als auch Lie­be, aber auch Her­ab­las­sung aus­drückt — egal in wel­cher Spra­che.
          Den­noch möch­te ich bei mei­ner Aus­sa­ge blei­ben, dass eine sol­che Rede­wei­se über Bene­dikt XVI. abso­lut — abso­lut! — nicht ange­mes­sen ist. Auch und vor allem nicht für sei­nen Nach­fol­ger.
          Bene­dikt ist nicht der „Opa“. Auch wenn wir als Chri­sten eine Fami­lie sind, erscheint mir dies zu distanz­los. Die wei­te­ren Aus­füh­run­gen F.s legen eine Art „Eman­zi­pa­ti­ons­not­wen­dig­keit“ von Bene­dikt nahe, wenn auch wie immer vage und unprä­zi­se, dafür aber sug­ge­stiv.

  2. Bei jedem Satz, den die­ser Mann von sich gibt, wird mir übel. War­um? Weil er bestän­dig Wah­res mit Fal­schem ver­men­delt und im Ergeb­nis stets das Fal­sche die Domi­nanz behält.

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