Katholisches.info überholt Katholisch.de das Internetportal der Bischöfe – Stichworte zur katholischen Medienarbeit

Vergleich Katholisches.info und Katholisch.de: Einige Anmerkungen zur offiziellen Medienarbeit der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum(Bonn) Katholisches.infoDas Maga­zin für Kul­tur und Kir­che hat erst­mals mehr Besu­cher und Sei­ten­zu­grif­fe als das Inter­net­por­tal Katholisch.de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (DBK). So zumin­dest laut Ale­xa-Ran­king. Am 23. Juli erreich­te Katholisches.info Platz 17.106 in Deutsch­land, das Online­por­tal der Bischofs­kon­fe­renz Katholisch.de hin­ge­gen Platz 17.608. Anlaß für einen Kosten­ver­gleich und eini­ge wei­te­re Anmer­kun­gen zur offi­zi­el­len Medi­en­ar­beit der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land (die aber durch­aus auch für den übri­gen deut­schen Sprach­raum, vor allem Öster­reich gel­ten).

Die Zah­len sind stän­dig in Bewe­gung, die Berech­nungs­grund­la­gen von Ale­xa durch­aus umstrit­ten und es gibt katho­li­sche Inter­net­sei­ten, die noch mehr Zugrif­fe und bes­se­re Plät­ze ein­neh­men, kei­ne Fra­ge. An die­ser Stel­le soll auch gar nicht auf die ende­misch ver­brei­te­te Unsit­te auf­ge­bla­se­ner Zah­len­an­ga­ben ein­ge­gan­gen wer­den, die auch katho­li­sche Inter­net­an­bie­ter ange­krän­kelt hat. ((Das kir­chen­of­fi­zi­el­le Online­por­tal Katholisch.de erleb­te im Vor­jahr ein mit gro­ßem Auf­wand betrie­be­nes „Resty­ling“ und am 27. Sep­tem­ber 2012 mit neu­en Mög­lich­kei­ten, Rubri­ken und gra­phi­scher Gestal­tung einen „Neu­start“. Laut IVW-Anga­ben 2012 hat­te die Sei­te zuvor durch­schnitt­lich 200.000 Besu­cher im Monat mit 800.000 Sei­ten­auf­ru­fen, s. Chri­sti­an Klenk: Zustand und Zukunft katho­li­scher Medi­en. Prä­mis­sen, Pro­ble­me, Pro­gno­sen, LIT-Ver­lag, Ber­lin 2013, S. 306. Seit dem Neu­start heißt es, hät­ten sich die Zugrif­fe „deut­lich“ erhöht. Und den­noch fin­det Katholisches.info offen­bar grö­ße­res Inter­es­se.)) Die tat­säch­li­chen Zugrif­fe auf Katholisches.info wer­den von uns monat­lich ver­öf­fent­licht. Im Zah­len­ver­gleich kann sich damit jeder selbst sei­nen Reim auf die Anga­ben­ehr­lich­keit machen. Um all das geht es uns an die­ser Stel­le aber gar nicht. Erwäh­nung soll der Ver­gleich den­noch fin­den, weil er eini­ges über die Lage der deut­schen Kir­che und ihr kir­chen­steu­er­fi­nan­zier­tes System aus­sagt.

Sym­pto­ma­tisch ist ein Kosten­ver­gleich: Das kir­chen­of­fi­zi­el­le Online­por­tal Katholisch.de wird mit mehr als zwei Mil­lio­nen Euro aus dem Medi­en­etat der deut­schen Bischö­fe finan­ziert. Katholisches.info ist eine pri­va­te, von katho­li­schen Lai­en betrie­be­ne Sei­te, die jah­re­lang völ­lig ehren­amt­lich und auf eige­ne Kosten betrie­ben wur­de und inzwi­schen zur Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und Sicher­stel­lung des redak­tio­nel­len und tech­ni­schen Dien­stes einen Jah­res­auf­wand von 20.000 Euro ver­an­schlagt. Wäh­rend die zwei Mil­lio­nen Euro von Katholisch.de aus dem Kir­chen­steu­er­topf stam­men, finan­ziert sich Katholisches.info durch Spen­den. Mit knapp einem Pro­zent der Finanz­mit­tel erreicht die im Ver­gleich kosten­win­zi­ge, aber mit Ein­satz und Über­zeu­gung vor­an­ge­brach­te Sei­te Katholisches.info mehr als die offi­zi­el­le, hun­dert­fach teu­re­re Zwei-Mil­lio­nen-Euro-Sei­te Katholisch.de.

Unter den offi­zi­el­len kirch­li­chen Medi­en­be­auf­trag­ten der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und deren Bera­tern, so auch um Katholisch.de, wird betont, die offi­zi­el­len kirch­li­chen Medi­en müß­ten inhalt­lich in einer ima­gi­nä­ren „Mit­te“ ste­hen und zudem — so scheint es — fle­xi­bel und anpas­sungs­fä­hig an die gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen sein. Der Rest wird als „Nischen­mei­nun­gen“ und „Nischen­pro­duk­te“ abge­tan, die sich an den „Rän­dern“ beweg­ten. Dabei schei­nen die Medi­en­be­auf­trag­ten, und durch die­se offen­sicht­lich auch die Bischö­fe, bewußt die Tats­sa­che zu igno­rie­ren, daß alle erfolg­rei­chen nicht offi­zi­el­len, nicht kir­chen­steu­er­fi­nan­zier­ten, ganz oder groß­teils spen­den­fi­nan­zier­ten katho­li­schen Medi­en akzen­tu­iert katho­li­sche­re Posi­tio­nen ein­neh­men. Nicht zu ver­ges­sen sind dabei auch die zahl­rei­chen glau­bens- und kir­chen­treu­en katho­li­schen Blog­ger, die in Rom zumin­dest eini­ge Beach­tung fin­den, wäh­rend sie in unse­ren Brei­ten offi­zi­ell über­se­hen wer­den.

Umso inter­es­san­ter ist es, daß eine sich selbst als tra­di­ti­ons­freund­lich bezeich­nen­de Sei­te wie Katholisches.info das offi­zi­el­le Ange­bot der katho­li­schen Kir­che im Inter­net über­run­den kann. Katho­li­sche Inter­net­nut­zer, die sich mit reli­giö­sen Fra­gen befas­sen, gel­ten als „Men­schen aus den Milieus Post­ma­te­ri­el­le und Eta­blier­te, die erstens inter­netaf­fin sind und zwei­tens ein über­durch­schnitt­li­ches Inter­es­se an reli­giö­sen The­men im Netz zei­gen“. Ihre „Aus­ein­an­der­set­zung mit der Kir­che ist emo­tio­nal oder ratio­nal, aber in jedem Fall sehr enga­giert.“ ((Sinus-Milieu-Stu­die zitiert nach Klenk: Zustand und Zukunft katho­li­scher Medi­en, S. 309)) Soll­te dem so sein, und es spricht viel dafür, hät­ten die offi­zi­el­len Medi­en­be­auf­trag­ten der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land und eben­so im übri­gen deut­schen Sprach­raum ihre Medi­en­ar­beit gründ­lich zu über­den­ken: ein­mal in finan­zi­el­ler Hin­sicht (was teu­er ist, muß noch lan­ge nicht gut sein) und mehr noch in inhalt­li­cher Hin­sicht (wenn man sich schon nicht unter den nicht-offi­zi­el­len katho­li­schen Medi­en­an­ge­bot bei uns umse­hen will, wäre zumin­dest der eine oder ande­re Blick in die USA hilf­reich).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Katholisches.info/Katholisch.de Screen­shots

7 Kommentare

  1. Katholisch.de ist über­haupt nicht zu emp­feh­len. Da gibt es Vide­os, die in hei­te­rer Manier Jugend­li­che über fun­da­men­ta­le Aspek­te des Glau­bens auf­klä­ren sol­len, und in einem Video, das die Jung­fern­ge­burt Chri­sti erklä­ren soll, fällt den Machern nichts bes­se­res ein als sti­li­sier­te Kon­do­me sich über die Geburt freu­en las­sen (oder so ähn­lich). Ein ande­res Video zeigt unkri­tisch eine „Jesus“-Figur vom Köl­ner Kar­ne­val, die ein „Fun­ke­ma­rie­chen“ mit der Hand unter dem Hös­chen hebt, usw. Es ist als ob Bru­der Tuck aus dem Robin Hood Film das Sagen hät­te 😉

  2. Der geld­mä­ßi­ge Ver­gleich zwi­schen Katholisch.de und katholisches.info hinkt natür­lich, weil kei­ne Per­so­nal­ko­sten ein­ge­rech­net sind.

    Was aber bei .de fehlt, ist das Den­ken mit der Kir­che. Lie­ber pflegt man sei­nen vom Geist des Kon­zils ver­ur­sach­ten Defekt. Das macht den Unter­schied.

Kommentare sind deaktiviert.