„Unverständliche Worte an die Wand“ — Das Mysterium fidei und die visionäre Realisation der leibhaftigen Gegenwart des Herrn in der Alten Messe

Mysterium fidei
Gast­kom­men­tar von Han­na Jüng­ling*
Karl Kar­di­nal Leh­mann äußer­te sich unlängst über den Alten Ritus und das eucha­ri­sti­sche Geheimnis:„Was ist die­ses Geheim­nis? Es besteht sicher­lich nicht dar­in, dass ein Prie­ster unver­ständ­li­che Wor­te an die Wand mur­melt.“ ((https://www.eucharistie2013.de/service/news/news-detailansicht/article/aufbrueche-und-bleibende-herausforderungen.html)) Und wei­ter sag­te er an ande­rer Stel­le zum glei­chen The­ma: „Ich habe den Ein­druck, die gan­ze Begei­ste­rung auch für das Latein hat viel mit Pre­sti­ge und fal­schen Vor­spie­ge­lun­gen einer ver­meint­li­chen Kul­ture­li­te zu tun“. ((Köl­ner Stadt­an­zei­ger vom 7. Juni 2013)) Er hält „ein stär­ke­res Neben­ein­an­der bei­der lit­ur­gi­scher For­men heu­te nicht für sinn­voll, auch weil es nicht von unten gewach­sen ist (…) Die Ent­wick­lung geht eher in die Rich­tung der erneu­er­ten Mes­se.“ ((https://pius.info/archiv-news/892-kirchenkrise/7996-kardinal-lehmann-gegen-ausweitung-der-qtridentinischen-messeq-))

Der Kar­di­nal hat also kräf­ti­ge Hie­be gegen die Alte Mes­se aus­ge­teilt. Aber die eigent­li­che Fra­ge, näm­lich die nach dem „Geheim­nis des Glau­bens“, konn­te er nicht beant­wor­ten.

Mysterium fidei kommt in der überlieferten Alten Messe unübertrefflich zum Ausdruck

Das Myste­ri­um fidei, das in der über­lie­fer­ten Alten Mes­se unüber­treff­lich zum Aus­druck kommt, besteht gewiss nicht dar­in, dass jemand „unver­ständ­li­che Wor­te an die Wand mur­melt“.

Das Wort vom Myste­ri­um fidei hat Paul VI. aus dem Kelch­wort der Alten Mes­se her­aus­ge­löst und im Novus ordo nach die Ein­set­zungs­wor­te als Zuruf an das Volk gestellt, das mit den Sät­zen „Dei­nen Tod, o Herr, ver­kün­den wir, und dei­ne Auf­er­ste­hung…“ ant­wor­tet.

In  1. Kor 11,25–26 wird die Teil­nah­me an der Eucha­ri­stie­fei­er ver­bun­den mit der Ver­kün­di­gung des Todes des Herrn, bis er (ein zwei­tes Mal) kommt. Um die­ser Ver­kün­di­gung der Teil­neh­men­den Raum zu geben, viel­mehr aber um das Prie­ster­tum aller Gläu­bi­gen zu beto­nen, hat Paul VI. die Wor­te des alten Mess­ka­nons umge­stellt.

Wenn das „Geheim­nis des Glau­bens“ durch den Zuruf kon­zen­triert wird auf eine bestimm­te, ver­künd­ba­re Bot­schaft, wird ihm der Cha­rak­ter des Geheim­nis­ses genom­men. Denn was man ein­fach so nach außen tra­gen kann, ist kein Geheim­nis. Solan­ge das Wort vom Myste­ri­um fidei in das Kelch­wort ein­ge­scho­ben, förm­lich dar­in ver­steckt war wie in einem Schatz­käst­chen, blieb der Geheim­nis­cha­rak­ter gewahrt. In aller Regel wird die lit­ur­gi­sche Ver­än­de­rung durch Paul VI. „biblisch“ aus dem Satz des ersten Korin­ther­brie­fes recht­fer­tigt. Es ent­steht der Ein­druck, man habe so zurück­ge­fun­den zu dem „eigent­lich“ Gemein­ten nach lan­gem Ver­schüt­tet­sein…

Es stellt sich jedoch die Fra­ge, was der Hei­li­ge Pau­lus wirk­lich gemeint hat, als er schrieb: Denn sooft ihr von die­sem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, ver­kün­det ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Mein­te er damit, dass man zusätz­lich zur Teil­nah­me an der Eucha­ri­stie­fei­er auch noch den Tod des Herrn ansa­gen müs­se? Das zumin­dest wäre die Inter­pre­ta­ti­on seit der Lit­ur­gie-Reform. Ich hal­te die­se Auf­fas­sung für falsch und flach. Der Hei­li­ge Pau­lus for­mu­liert ja nicht, dass man das Fleisch und Blut Chri­sti isst und ande­rer­seits noch etwas dazu sagen, „ver­kün­den“ müs­se. Er meint, dass die Tat­sa­che, dass ich teil­ha­be an der Eucha­ri­stie­fei­er, die Ver­kün­di­gung des Todes Chri­sti ist, bis er kommt. Dies besagt nichts ande­res, als dass mein „alter Mensch“ stirbt und ersetzt wir durch — IHN. Das „Geheim­nis des Glau­bens“ wird folg­lich in dem Moment „ver­kün­det“, in dem es durch die rea­le, mich sicht­bar umge­stal­ten­de Teil­nah­me bezeugt wird. Es ist kein Zei­chen “im über­tra­ge­nen Sin­ne“, kein Sym­bol. Nein! Es ist ein rea­les, leib­haf­ti­ges Zei­chen, die­ses Myste­ri­um fidei. Es ist ein Stig­ma, eine Ein­zeich­nung in den Gläu­bi­gen, ein Her­zens­tausch. Er wird leib­haf­tig und buch­stäb­lich selbst zu dem, den er isst. Der Zeu­ge ist leib­haf­ti­ges Zei­chen, eine sicht­ba­re Außen­sei­te des Herrn, der gestor­ben (und auf­er­stan­den) ist, und zum zwei­ten Mal kom­men wird. Nur so lässt sich auch begrei­fen, war­um der Hei­li­ge Pau­lus sofort anschließt, dass nie­mand unwür­dig den Leib Chri­sti emp­fan­gen dür­fe – Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu beden­ken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.

Wie sieht es im Novus ordo mit dem „Bedenken, dass es der Leib des Herrn ist“ aus?

Seit der Lit­ur­gie­re­form ist die Beicht­pra­xis in sich zusam­men­ge­bro­chen. Die­ses Fak­tum ist ein­deu­ti­ger Beweis dafür, dass der Novus ordo das Geheim­nis des Glau­bens bana­li­siert, wenn er es nicht sogar in gewis­ser Hin­sicht igno­riert.
Der Novus ordo hat durch die Ver­schie­bung weni­ger Wor­te – ähn­lich wie der Pro­te­stan­tis­mus — einen gan­zen Sinn­zu­sam­men­hang ent­stellt.
Ja, das Myste­ri­um fidei ist ein Geheim­nis in sub­ti­len, vom Hei­li­gen Geist früh ins Ohr der Mut­ter Kir­che ein­ge­mur­mel­ten Wor­ten und in Gesten, die die Braut dem Bräu­ti­gam ent­ge­gen­bringt, wenn sie ihn höher ach­tet als sich selbst und ihm alles zu Füßen legen will. Es ist kei­ne Fra­ge, wie oft von­sei­ten der Moder­ni­sten vor­ge­bracht, dass es nicht Vari­an­ten von Lit­ur­gien geben oder dass nicht das eine oder ande­re etwas ver­än­dert wer­den könn­te. Sol­che klei­nen „Refor­men“ sind ja immer wie­der vor­ge­nom­men wor­den.
Bei der Reform 1970 scheint jedoch ein Total­scha­den ent­stan­den zu sein. Die Ele­men­te der refor­mier­ten Form sind für sich genom­men nicht „falsch“. Es sind die ver­scho­be­nen Gewich­tun­gen, Umstel­lun­gen, die zer­ris­se­nen Sinn­zu­sam­men­hän­ge, die zu dem Nie­der­gang geführt haben, den wir mit Schmer­zen sehen.
Der vage oder feh­len­de Sinn­zu­sam­men­hang selbst ist es , der zu dem Wild­wuchs geführt hat, den wir allent­hal­ben beob­ach­ten kön­nen. Des­ori­en­tier­te Prie­ster und bla­sier­te Lit­ur­gie­krei­se basteln sich die Lit­ur­gie so zusam­men, wie es ihnen gera­de oppor­tun erscheint. Welt­kirch­li­che Nor­men, Instruk­tio­nen aus Rom inter­es­sie­ren sie schon lan­ge nicht mehr.
Der Novus Ordo ist Aus­druck dafür gewor­den, dass die Braut sich selbst höher ach­tet als den Bräu­ti­gam. Sei­ne Gegen­wart nimmt sie nur noch zäh­ne­knir­schend hin. Er gibt sich ihr treu, aber sie gewährt ihm Audi­enz, wann und wie es ihr beliebt. Oder gar nicht mehr. Wozu auch, wenn das „Geheim­nis des Glau­bens“ vor allem dar­in besteht, dass ich, ich und noch mal ich es „ver­kün­de“ und mir anschlie­ßend die „mir zuste­hen­de“ Hostie abgrei­fe?

Obszöne Sprachverwirrung kennzeichnet so manchen „Gottesdienst“

Das „lit­ur­gi­sche“ Trei­ben, das wir vor allem sonn- und fei­er­tags erle­ben müs­sen, hat etwas Baby­lo­ni­sches. Eine obszö­ne Sprach­ver­wir­rung kenn­zeich­net so man­chen „Got­tes­dienst“. Und es ist kein Zufall, dass ins­be­son­de­re das Leben in sexu­el­ler Unord­nung als Kava­liers­de­likt betrach­tet wird.
Die ein­heit­li­che latei­ni­sche Spra­che hat eine läu­tern­de Wir­kung auf alles Fri­vo­le und jede Unord­nung. Der in sexu­el­ler Unord­nung Leben­de wird es sich über­le­gen, ob er kniend an der Kom­mu­ni­on im Alten Ritus teil­nimmt, nach­dem er die erha­be­nen latei­ni­schen Wor­te gehört und selbst gemur­melt hat.
Die latei­ni­sche Mes­se ist ihrem Wesen nach intim und keusch. Jeder wahr­haft Lie­ben­de offen­bart sich der Gelieb­ten nur scheu und in ver­bor­ge­nen Wor­ten. Jesus hat sein Herz ganz weit geöff­net. Die, der er sich zuerst offen­bart hat, die Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, hat ihn ohne Zögern und Vor­be­halt auf­ge­nom­men, in sich wach­sen las­sen, alles für ihn aufs Spiel gesetzt und ihn gebo­ren. Mit ihm und für ihn ist sie geflo­hen. Mit ihm und für ihn ist sie den Kreuz­weg mit­ge­gan­gen. Mit ihm und für ihn stand sie unter dem Kreuz, als er starb. Sie hat das Geheim­nis, das ihr zuteil wur­de, still im Her­zen bewegt. Sie hat nichts „ver­kün­det“, nichts aus eige­ner Voll­kom­men­heit refor­miert, umge­mo­delt oder „gedeu­tet“. Amts­die­ner, die nicht an ihr Maß neh­men, ver­feh­len ihre Auf­ga­be.
Aber die Welt, für die Maria den Anfang mach­te, hat dem Lie­ben­den ins Herz gespuckt. Sie hat es ihm aus dem Lei­be geris­sen und zer­tre­ten, um zu ver­hin­dern, dass auch nur ein Mensch ihn wei­ter­hin ver­ste­he oder sei­ne Lie­be gar beant­wor­te… Das zer­tre­te­ne Herz Jesu, Quel­le sei­nes Blu­tes und Was­sers, ist das Heil­mit­tel, das in der Alten Mes­se zu uns kommt.
Die hass­erfüll­te Ableh­nung, die der Alte Ritus von­sei­ten der Hier­ar­chie erfah­ren hat, als wäre er ein skan­da­lö­ser Irr­tum der Kir­che gewe­sen, den es mit Stumpf und Stiel gel­te aus­zu­ra­die­ren, folgt der feind­se­li­gen Geste des Her­z­aus­rei­ßens.
Es ergibt kei­ner­lei Sinn, eine Tra­di­ti­on zu ent­stel­len und ihre leben­dig gewach­se­ne Form zu ersticken. Der Novus ordo hängt am Tropf der Alten Mes­se. Mit der Alten Mes­se wird jede „refor­mier­te Form“ seit 1970 ster­ben. Wol­len die Hir­ten den Tod des Lei­bes Chri­sti? Sie sol­len wis­sen: er lässt sich kein zwei­tes Mal opfern. Er wird statt­des­sen ein zwei­tes Mal wie­der­kom­men und das ange­kün­dig­te Gericht hal­ten.

Der Herzenstausch lässt uns teilhaben am „Geheimnis des Glaubens“

Das Wun­der besteht dar­in, dass dies für jeden Men­schen mög­lich gemacht ist. Es bedarf kei­ner beson­de­ren Befä­hi­gun­gen oder Initia­tio­nen, wie sie eso­te­ri­sche Myste­ri­en­kul­te kenn­zeich­nen. Es bedarf des schlich­ten Auf­hor­chens, der Umkehr und der treu­en Gefolg­schaft. In der Hei­li­gen Mes­se schenkt uns Jesus wie­der und wie­der sein Herz.
Das Myste­ri­um fidei erschließt sich im Ein­ver­ständ­nis mit dem Herrn, im Still­sein, im Hören, im Betrach­ten der ver­ständ­lich-unver­ständ­li­chen Wor­te, die auf einer bana­len Sprach­ebe­ne unbe­greif­lich blei­ben. Es sind Wor­te, die in einer ein­fäl­ti­gen Auf­fas­sung nah an die Spra­che der Engel gren­zen. Sie sind kein „Reden“. Sie sind Zei­chen eines Gesche­hens, in das ich hin­ein­ge­nom­men wer­de, das sich in mich ein­zeich­net, indem ich ihm schwei­gend zustim­me. Die schwei­gen­de Zustim­mung ist die Ver­kün­di­gung des Todes und des Kom­mens des Herrn. Ich schwei­ge und wer­de – IHM gleich. Das Mur­meln des Prie­sters muss vom Schwei­gen her ver­stan­den wer­den.
Die Wor­te der Hei­li­gen Mes­se sind, in wel­cher Spra­che auch immer, dem erneu­er­ten und umge­stal­te­ten Her­zen ver­ständ­li­che Wor­te.
Stuft man sie auf Latei­nisch als „unver­ständ­li­che Wor­te“ ein, muss man sie auch auf Deutsch für „unver­ständ­li­che Wor­te“ hal­ten. Der Blick in die deutsch­spra­chi­ge Kir­che passt zu die­ser The­se. Die Äuße­run­gen des ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz bewei­sen, dass sich bis in die Kar­di­nal­s­rän­ge hin­auf eine merk­wür­di­ge Begriffs­stut­zig­keit eta­bliert hat. Unver­stän­dig­keit und gelehrt-ter­mi­no­lo­gi­sche Hori­zont­ver­en­gung ist ein­ge­zo­gen, seit­dem das pil­gern­de Volk Got­tes die Hei­li­ge Mes­se in der Volks­spra­che und coram publi­co zele­brie­ren darf.
Es ist nicht die latei­ni­sche Spra­che, die nicht ver­ständ­lich ist. Es ist der Hörer bzw. der Ohr-Abwen­der, der unver­stän­dig ist.
Die Hei­li­ge Mes­se ver­liert ohne die Bin­dung ans Latei­ni­sche ihren Sinn. Es ist nicht belie­big, in wel­cher Spra­che sich eine lit­ur­gi­sche Tra­di­ti­on über Jahr­hun­der­te weg ent­wickelt hat.
Wenn man sieht, wie ein­fa­che baye­ri­sche oder öster­rei­chi­sche Men­schen ohne latei­ni­sche Bil­dung aus weit ver­brei­te­ten Büch­lein wie zum Bei­spiel „Maria=Trost“ von Coele­stin May­er OSB voll­stän­dig ein­ge­führt wur­den in die Sakra­men­te der Kir­che und in den latei­ni­schen Ordo, dann kann nur ein Unwis­sen­der oder ein Lüg­ner behaup­ten, sie hät­ten damals kei­ne Chan­ce gehabt zu ver­ste­hen, um was es ging. Sie gin­gen regel­mä­ßig zur Beich­te, vie­le täg­lich in die Hei­li­ge Mes­se, ihre Feld­ar­beit unter­bra­chen sie zum Ange­lus. Selbst Knech­te und Mäg­de gin­gen nach ihrer har­ten Arbeit stun­den­lang zu Fuß, um in den Buß­zei­ten an Mes­sen und Andach­ten teil­zu­neh­men. Von aus­ge­dehn­ten Wall­fahr­ten ganz zu schwei­gen. Die Lite­ra­tur der deutsch­spra­chi­gen katho­li­schen Län­der des 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­derts erzählt davon aus­führ­lich. Ob Hei­mat­au­toren wie Peter Roseg­ger oder Lud­wig Gang­ho­fer, ob Lite­ra­ten wie Hein­rich Fede­rer, Adal­bert Stif­ter, Oskar Maria Graf oder Hans Caros­sa – sie alle beschrei­ben, oft unge­wollt, manch­mal sogar mit Anti­pa­thie, wie sehr die reli­giö­se Bil­dung und die Fröm­mig­keit der unte­ren Schich­ten zu Zei­ten der latei­ni­schen Mes­se um ein Viel­fa­ches grö­ßer war als heu­te. Das „ein­fa­che Volk“ war sprach­fä­hig und reli­gi­ös gebil­det. Nur hoch­mü­ti­ger Stan­des­dün­kel lässt uns glau­ben, die­je­ni­gen, die nicht das Pri­vi­leg „höhe­rer Bil­dung“ besit­zen, müss­ten uns unter­le­gen sein an Erkennt­nis… Es war so, wie es immer noch ist: ein inter­es­sier­ter Mensch bil­det sich selbst und weiß das Vor­han­de­ne für sich zu ergrei­fen. Der wirk­lich Gebil­de­te ist Auto­di­dakt…

Novus Ordo: Choreographie der hermentischen Verschlossenheit

Die Cho­reo­gra­phie des Novus Ordo ist eine Cho­reo­gra­phie der her­me­ti­schen Ver­schlos­sen­heit gegen­über dem Geheim­nis. Es ist die zir­ku­lä­re Per­for­mance des Sup­pen­tel­lers, über des­sen Rand nicht mehr hin­weg­ge­se­hen wer­den kann, der Gum­mi­zel­le der Nar­ren, die mit dem Kopf durch die Wand wol­len und sich an der Erha­ben­heit des Alten Ritus den Dumm­kopf blu­tig ren­nen. Die Zele­bra­ti­on der Hei­li­gen Mes­se im Neu­en Ritus wirkt wie ein Teig, des­sen Bestand­tei­le immer wie­der aus­ein­an­der­fal­len. Man ver­lässt die Kir­che und hat eine gespal­te­ne Erin­ne­rung: es war eine gül­ti­ge Mes­se, aber sie war ein Zer­falls­pro­dukt. Ihr fehlt der schla­gen­de, nur in der Stil­le gut hör­ba­re Puls, das Rau­schen des Blu­tes, der Schrei Jesu und das Wei­nen der Got­tes­mut­ter, ihr fehlt das Stau­nen der Jün­ger über die Auf­er­ste­hung, die Freu­de­trun­ken­heit an Pfing­sten und die Hoff­nung auf den wie­der­kom­men­den Herrn und auf das Himm­li­sche Jeru­sa­lem. Sie ist bleich, eigent­lich nur noch ein schwin­den­der Schat­ten der ursprüng­li­chen Mes­se im Ram­pen­licht des fri­vol-sen­ti­men­ta­len Unglau­bens. Man schafft es nicht mehr hin­aus aus der klei­nen, run­den Welt, die sich Zele­bran­ten und Volk gegen­sei­tig bestä­ti­gen. Man hält sich im Gegen­über in Schach, anstatt gemein­sam auf den Herrn zu schau­en. Mora­lin tropft von der Decke, das Kon­den­sat säku­la­ri­sier­ter Aus­dün­stung am ent­wer­te­ten Altar.
Es ver­wun­dert nicht, dass aus­ge­rech­net die am mei­sten ehr­furcht­ge­bie­ten­de Situa­ti­on, näm­lich die Hei­li­ge Wand­lung, nach­läs­sig, nun auch noch legi­ti­miert durch den neu­en Papst Fran­zis­kus, mit schlam­pi­gen oder feh­len­den Knie­beu­gen geschieht. Die Gläu­bi­gen grei­fen – wie bereits erwähnt — im Vor­bei­ge­hen ihre Hostie ab und schie­ben sie sich zwi­schen die Zäh­ne wie einen Kau­gum­mi. Noch schmerz­vol­ler ist es, wenn die Kom­mu­ni­on in bei­der­lei Gestalt statt­fin­det. Die Kom­mu­ni­kan­ten tun­ken ihre Hosti­en an vie­len Orten ent­ge­gen jeder Regel etwa so in den Kelch, als säßen sie mit Zwie­back und Milch­schäl­chen am Früh­stücks­tisch. Der Novus Ordo hat Mes­sen im Sti­le von McDo­nalds-Büf­fets mög­lich gemacht. Man schlappt hin und holt sich, wor­auf man „Bock“ hat. In mei­ner Pfarr­kir­che sam­melt eine Gläu­bi­ge nach jeder Mes­se die Reste der her­un­ter­ge­fal­len Hosti­en, lau­ter leben­di­ge Stück­chen des Lei­bes Chri­sti, ein und ver­schluckt sie. Das alles geschieht unter den Augen der Prie­ster und der Bischö­fe. Anfra­gen ent­setz­ter Gläu­bi­ger wer­den nach Wochen erst oder gar nicht beant­wor­tet. Lai­en­gre­mi­en in den Pfar­rei­en bestim­men, was lit­ur­gisch gebo­ten ist. Man­cher Prie­ster, selbst ohne kla­res Ver­ständ­nis sei­nes Amtes, legt sich mit die­ser Lai­en-Mafia um Jesu wil­len nicht an. Er hät­te in den mei­sten Diö­ze­sen kei­nen Rück­halt beim Bischof, wenn er dar­auf besteht, dass die Regeln der Kir­che ein­ge­hal­ten wer­den. Wir haben den lit­ur­gi­schen Null­punkt erreicht. Mir ist klar, dass es auch noch unter Null gehen kann.
In die­se erschüt­tern­de Lage hin­ein sagt ein Kar­di­nal die zitier­ten Sät­ze. Er glaubt, es müs­se nun eine „erneu­er­te Mes­se“ geben. Die berühm­te „Reform der Reform“ also. Das Spiel zwi­schen dem Fuchs und dem Raben. Es wird so lan­ge von der Hei­li­gen Mes­se abge­stri­chen, bis nichts mehr übrig­ge­blie­ben ist als eine Käse­rin­de, die man dann end­gül­tig fort­wirft.
In der Kir­che gibt es nur ein Mess­op­fer aller Zei­ten. Es muss weder, noch darf es refor­miert wer­den. So wie es tra­diert wur­de, ist es echt. Anders ist es eine Fäl­schung, ein Abgott, ein gol­de­nes Kalb, ein Greuel­bild.
Ein sach­hal­ti­ges Argu­ment gegen die Alte Mes­se hat der Kar­di­nal nicht vor­zu­wei­sen, außer der Behaup­tung, das Inter­es­se an der Alten Mes­se sei nicht „von unten“ gewach­sen. Es ist eine Lüge: das Inter­es­se ist von unten gewach­sen, wenn auch über­re­gio­nal, frei und ohne Kon­zen­tra­ti­on auf bestimm­te Seel­sor­ge-Plat­ten­bau­ten. Die Abschaf­fung des Alten Ritus im Jah­re 1970 dage­gen wur­de den Her­zens-Gläu­bi­gen von oben her­un­ter zum Teil bru­tal auf­ge­zwun­gen. Mit den Kri­ti­kern ging man um wie mit Häre­ti­kern, und bis heu­te müs­sen sich Gläu­bi­ge, die tat­säch­lich „von unten her“ um einen pas­sen­den und zen­tra­len Ort für die von ihnen gewünsch­ten Alten Mes­sen bit­ten, von Deka­nen und dem Per­so­nal der Ordi­na­ria­te von “oben her­un­ter­put­zen“ las­sen.
Im übri­gen ist es völ­lig irrele­vant, ob die Mes­se „von oben“ oder „von unten wächst“ – sie ist über Jahr­tau­sen­de gewach­sen und vor 45 Jah­ren so grau­sam beschnit­ten wor­den, dass sie nicht mehr aus­schla­gen konn­te.

Doch wie sieht es mit „der Wand“ aus, von der der Herr Kardinal spricht?

Spricht der Prie­ster, wenn er am Altar im Alten Ritus zele­briert, „an die Wand“?
Es will mir nicht in den Kopf, wenn ein geweih­ter Bischof nicht weiß, dass der „Erbe des Alls“ lebt und herrscht in alle Ewig­keit. Kann es wirk­lich sein, dass ihm nicht bekannt ist, dass die Zele­bra­ti­ons­rich­tung auf den Ori­ens hin, den wie­der­kom­men­den Herrn, nach Osten, jede Wand durch­sich­tig wer­den lässt, den Altar­raum auf­schließt und den Blick in den Him­mel frei­gibt?
In der tra­di­tio­nel­len Hei­li­gen Mes­se tritt der Prie­ster für die ande­ren und mit ihnen vor den Herrn. Er „dreht“ dem Volk nicht „den Rücken“ zu, son­dern schaut mit allen gemein­sam auf den Herrn. Er ist eine Über­gangs­ge­stalt: er macht den Herrn am Altar sicht­bar für alle und ist Glied ihrer Men­ge. Ein wei­te­res Geheim­nis: das Prie­ster­tum, ver­wo­ben mit dem eucha­ri­sti­schen Myste­ri­um fidei. Das Prie­ster­tum, Schnitt­stel­le zwi­schen der Kir­che und ihrem Herrn… Ja, auch das Prie­ster­tum ist auf den Hund gekom­men, wird nicht mehr ver­stan­den, am wenig­sten oft von den Prie­stern selbst.
Ach, es wäre so viel zu erklä­ren, aufs Neue zu ent­decken, man weiß gar nicht, wo anfan­gen. Das wäre die „Reform“, nach der so vie­le jam­mern: die Wie­der­ent­deckung der Tra­di­ti­on.
Im wah­ren Glau­ben gibt es nicht „alt“ und „neu“. Die Tra­di­ti­on der Kir­che ist ewig. Jeder, der daher­kommt und „fort­schritt­lich“ sein will, hat allein in sei­ner Rede­wei­se offen­bart, dass er gebro­chen hat mit der ewi­gen Wahr­heit inner­halb Mau­ern der Kir­che.
Das von Kar­di­nal Leh­mann so häss­lich behaup­te­te „An-die-Wand-Mur­meln“ öff­net die Gefäng­nis­to­re wie einst beim Hei­li­gen Petrus, der in der Nacht von einem Engel aus sei­nen Ket­ten befreit und durch die schein­bar unüber­wind­li­chen Mau­ern und Tore hin­aus­ge­führt wur­de in die Frei­heit.
Plötz­lich trat ein Engel des Herrn ein und ein hel­les Licht strahl­te in den Raum. Er stieß Petrus in die Sei­te, weck­te ihn und sag­te: Schnell, steh auf! Da fie­len die Ket­ten von sei­nen Hän­den.
Der Engel aber sag­te zu ihm: Gür­te dich und zieh dei­ne San­da­len an! Er tat es. Und der Engel sag­te zu ihm: Wirf dei­nen Man­tel um und fol­ge mir!
Dann ging er hin­aus und Petrus folg­te ihm, ohne zu wis­sen, dass es Wirk­lich­keit war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe er eine Visi­on.
Sie gin­gen an der ersten und an der zwei­ten Wache vor­bei und kamen an das eiser­ne Tor, das in die Stadt führt; es öff­ne­te sich ihnen von selbst. Sie tra­ten hin­aus und gin­gen eine Gas­se weit; und auf ein­mal ver­ließ ihn der Engel. ((Apg 12, 7–10))

OHNE ZU WISSEN, DASS ES WIRKLICHKEIT WAR!

Ohne zu wis­sen, dass es Wirk­lich­keit ist, zele­brie­ren wir heu­te die Hei­li­ge Mes­se. Wehe uns, wenn uns eines Tages die Augen, die wir so zwang­haft geschlos­sen hal­ten woll­ten oder vor lau­ter Ver­schla­fen­heit nicht offen­hal­ten konn­ten, geöff­net wer­den!Was vor­her Gna­de war — das offe­ne Auge — , wird nach­her Gericht sein.

Die Alte Mes­se befreit den, der an ihr – glau­bend, dass es Wirk­lich­keit ist — still oder mur­melnd teil­nimmt, aus dem gei­sti­gem Gefäng­nis, in dem wir alle von Natur her sit­zen. In ihr wird das Myste­ri­um fidei sicht­bar für den, der bereit ist, Jesus unter allen Umstän­den Gesell­schaft zu lei­sten in sei­ner schwer­sten Stun­de, ohne dabei ein­zu­schla­fen wie die Jün­ger am Ölberg. Die Alte Mes­se hebt den ein­fach­sten Men­schen, wenn er alle Sin­ne, alles was er ist oder meint zu sein, öff­net, auf den Herrn hin öff­net, in den Adels­stand eines Got­tes­kin­des.
Die Alte Mes­se ist eine visio­nä­re Rea­li­sa­ti­on: nach und nach wer­den die Wän­de unsicht­bar, die uns umklam­mern, sie lösen sich auf und wei­chen zurück wie böse Gei­ster. Der Raum, in dem wir uns wie­der­fin­den, ist unend­lich weit und schön. Ein­zig die Lie­be des Herrn umfasst uns. Die Visi­on ist leib­haf­ti­ge Wirk­lich­keit. Der Prie­ster, der hier zele­briert, weiß wie­der, war­um er Prie­ster ist. Das Opfer Jesu Chri­sti geht durch sein Herz. Welch eine gro­ße Beru­fung, leib­haf­ti­ges Zei­chen der heils­ge­schicht­li­chen Wen­de in Chri­stus zu sein!
Als der Herr das Los der Gefan­gen­schaft Zions wen­de­te, / da waren wir alle wie Träu­men­de.… ((Psalm 126, 1))
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* Han­na Jüng­ling, frei­schaf­fen­de Musi­ke­rin, Schrift­stel­le­rin und Künst­le­rin

Text: Han­na Jüng­ling
Bild: Zeit­schnur

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  1. Ein gro­sser Dank an Han­na Jüng­ling für die­sen gut fun­dier­ten und muti­gen Arti­kel. Er zeugt von Sach­kennt­nis und gleich­zei­tig von tie­fem boden­stän­di­gen Glau­ben. Nur wer die kost­ba­ren ver­bor­ge­nen Schät­ze der katho­li­schen Kir­che sucht ‑und die sind in der Tra­di­ti­on zu finden‑, wird die­sen ana­ly­ti­schen und kri­ti­schen Text ver­ste­hen und dem zustim­men. Die Kon­se­quen­zen des Novus Ordo sind offen­sicht­lich, wir leben in einer Zeit der Ero­si­on des Glau­bens in der katho­li­schen Kir­che. Prie­ster wur­den Show­ma­ster, Schau­spie­ler oder ver­de­mü­tig­te Pup­pen. Sie fürch­ten sich die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums in sei­ner Ganz­heit zu ver­kün­di­gen. Der Got­tes­dienst ist men­schen-gefäl­lig und es wird unse­rem Schöp­fer nicht die Ehre gege­ben, die IHM gebührt. Dank sei Gott für die aussero­ent­li­che Form des römi­schen Ritus.

  2. Ein aus­ge­zeich­ne­ter Bei­trag. Ganz herz­li­chen Dank! Das war übri­gens Sinn sowohl der früh­christ­li­chen und früh­mit­tel­al­ter­li­chen Apsis­mo­sai­ken, der goti­schen Glas­fen­ster und der barocken Hoch­al­tar­bil­der: zu zei­gen, dass die Wand wäh­rend der Lit­ur­gie für das Gött­li­che, für den wie­der­keh­ren­den Chri­stus durch­läs­sig wird. Die Bil­der mach­ten die Wand im buch­stäb­li­chen Sin­ne trans-parent (wörtl. durch die Wand hin­durch­ge­hend). Die­se Trans­pa­renz war die bild­li­che und lit­ur­gi­sche Ver­an­schau­li­chung der Tran­szen­denz: des Über­gangs der irdi­schen in die himm­li­sche Welt, der sicht­ba­ren Kir­che in die unsicht­ba­re Kir­che aber auch des Ein­bruchs des Himm­li­schen in das Irdi­sche. Emi­nenz Leh­mann ist aber so sehr dem irdi­schen ver­haf­tet, so sehr in der Ace­dia gefan­gen, dass ihm und vie­len ande­ren Theo­lo­gen das Tran­szen­den­te völ­lig fremd zu sein scheint.

  3. Ein unglaub­lich star­ker Arti­kel! Ich bin noch ganz trun­ken von sei­ner tie­fen Wahr­heit, die wie ein Lab­sal den wan­der­mü­den Geist erfrischt. Die­se Medi­ta­ti­on ist wie ein Weck­ruf, wie ein Fan­fa­ren­si­gnal, die Wor­te sind schnei­dend wie der Schall der Trom­pe­ten von Jeri­cho. Mögen sie hel­fen, die Mau­ern des kon­zi­lia­ren Selbst­be­tru­ges end­gül­tig zum Ein­sturz zu brin­gen!

  4. Es gibt unter­schied­li­che Wei­sen, sich an ein „leben­di­ges Gesamt­kunst­werk“ , das in Jahr­hun­der­ten immer wei­ter orga­nisch gewach­sen ist, anzu­nä­hern.
    Ich ver­su­che es mal, kurz im Kom­men­tar, mit dem über­lie­fer­ten Glau­ben. Danach ist das hl. Mess­op­fer, so war die übli­che Bezeich­nung, die Gegen­wär­tig­set­zung des Kreu­zes­op­fers, des Zen­trums unse­rer Erlö­sung. Jedes Mess­op­fer wen­det den Teil­neh­men­den die Früch­te der Erlö­sung zu. Am Altar fin­det ein rea­les, wenn auch sakra­men­ta­les Opfer statt: (…)„Er selbst ist der Prie­ster, er selbst auch die Gabe“ .…betet die Kir­che in der Präf­a­ti­on vom hei­lig­sten Sakra­ment. Der mensch­li­che Prie­ster ist Sein Werk­zeug, der Mitt­ler, der an Chri­sti Stel­le das Opfer voll­zieht, in Sei­nem Namen, in Sei­nem Auf­trag. Das ist eine „hohe Wür­de“, „Hoch­wür­den“, sag­ten die Gläu­bi­gen. Die „ein Recht dar­auf haben“, dass der Prie­ster auf jede Krea­ti­vi­tät ver­zich­tet, sich treu an die Rubri­ken hält, nichts weg­lässt, was die Kir­che vor­ge­schrie­ben hat, nichts hin­zu­fügt, was ihm ein­fällt.
    Die Ver­un­stal­tung der Lit­ur­gie ist nicht zu tren­nen von der Ver­än­de­rung, der Pro­te­stan­ti­sie­rung des Glau­bens. Wenn die Kir­che nicht zum MESSOPFER zurück­kehrt, wird es kei­ne Erneue­rung geben. Ich den­ke, das war die gro­ße Täu­schung von Bene­dikt XVI., der er sich hin­ge­ge­ben hat, die er nicht las­sen konn­te: Dass das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil mit sei­nem „Pascha-Myste­ri­um“ die Leh­ren des Kon­zils von Tri­ent, vom Opfer­cha­rak­ter der hl. Mes­se, ver­dun­kelt hat.
    Im übri­gen schau­en Prie­ster und Gläu­bi­ge nicht nur nicht an die Wand, sie schau­en auch nicht in erster Linie in Rich­tung Osten, son­dern auf den Taber­na­kel, auf das Kreuz. Dass sich Altar, Taber­na­kel, Kreuz im Osten befin­den, deu­tet hin auf den wie­der­kom­men­den Herrn. Doch er ist bereits da. In den demü­ti­gen Gestal­ten von Brot und Wein ist er real, „leib­haf­tig“ da. Gera­de das „ein­fa­che Volk“ hat das gut ver­ste­hen kön­nen. Auch wenn der über­lie­fer­te römi­sche Ritus sich stets dem Begrei­fen ent­zieht…

  5. So kann es einem gehen, wenn man sich müh­sam wie­der den über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben aneig­net: Das Wesent­li­che wird zwar mit­ge­dacht, aber nicht aus­ge­drückt: Das Opfer rich­tet sich natür­lich an Gott. Unse­rer Sün­den wegen hat sich Chri­stus am Kreuz als Opfer dar­ge­bracht, die sonst unüber­brück­ba­re Kluft, die uns von Gott trennt, durch sein Opfer über­wun­den.
    Mit dem „Pascha- Myste­ri­um“ wur­de ver­sucht, die Vor­stel­lung eines Got­tes, der durch ein ange­mes­se­nes Opfer ver­söhnt wer­den muss, min­de­stens stark abzu­mil­dern. Gleich­zei­tig war es die Brücke zum Pro­te­stan­tis­mus: Mar­tin Luther wüte­te mit den schlimm­sten Aus­drücken gegen das Süh­nop­fer, für ihn, wie für den Pro­te­stan­tis­mus über­haupt, ist es unan­nehm­bar. Allein des­we­gen wird die „Kir­che des Kon­zils“ zum Mess­op­fer nicht zurück­keh­ren. Alle Blü­ten­träu­me des Öku­me­nis­mus wären dahin.

  6. Die­se Welt hat die Spra­che ver­dun­kelt. Nur in einer toten Spra­che wie Latein oder im alten Ara­mä­isch ist die Bedeu­tung der Begrif­fe noch die ursprüng­li­che. In der Phi­lo­so­phie­ge­schich­te drückt sich das im Kampf um die Idea­le aus. Besit­zen Idea­le, wie die Anti­ke glaub­te, eine Rea­li­tät, oder wie es Kant zurecht­rück­te, nur eine phä­no­mä­na­le Bedeu­tung, wäh­rend die Wahr­heit hin­ter den Idea­len zu suchen ist.

    Das Vater Unser ist im Deut­schen mitt­ler­wei­le unbet­bar gewor­den, weil die Bedeu­tung und die Asso­zia­tio­nen der ver­wen­de­ten Begrif­fe im Deut­schen fast voll­stän­dig ver­dun­kelt wor­den ist. Ein Vater ist nicht vor­ran­gig Erzeu­ger, füh­ren hat nicht mit dik­ta­to­ri­scher Will­kür zu tun und der Begriff „unser“ zeugt nicht von einer oppor­tu­ni­sti­schen Wahl­zu­ge­hö­rig­keit, son­dern von dem Gefühl der Auf­op­fe­rung eines Indi­vi­du­ums in eine Gemein­schaft.

    Die Kir­che hat sich für die Ver­wen­dung der leben­den Natio­nal­spra­chen ent­schie­den. Sie hat sich damit für die Welt ent­schie­den. Die Welt ver­dun­kelt die Spra­che in Asso­zia­tio­nen und ver­zerr­ten Sinn­zu­sam­men­hän­gen, die Kir­che hält in der natio­nal­sprach­li­chen Lit­ur­gie dage­gen. Lit­ur­gie in Natio­nal­spra­che ist eine The­ra­pie ent­ge­gen der Ent­frem­dung der Spra­che.

    Natür­lich hat Latein die Tra­di­ti­on und Rein­heit einer längst nicht mehr gespro­che­nen Spra­che. Des­halb macht es Sinn, auch den alten Ritus zu för­dern. Aber aus­schließ­lich latei­nisch durch­ge­führ­te Mes­sen wür­den die leben­di­gen Spra­chen der Gegen­wart dem Ver­der­ben aus­lie­fern.

    Kar­di­nal Leh­mann hat ein­mal mehr dar­auf hin­ge­wie­sen, was wohl als die unge­schrie­be­ne Über­lie­fe­rung anzu­se­hen ist.

    • Der zugrun­de­lie­gen­de Text von von Han­na Jüng­ling ist ein gro­sses Gottesgeschenk.nur gläu­big und und vol­ler Lie­be kann man über gött­li­che Geheim­nis­se reflek­tie­ren bezw. meditieren.Der Hinweis,dass sich die Kir­che ent­schie­den hat sowohl die Hochsprache(Latein) als auch die lin­gua ver­nacu­la zu ver­wen­den hal­te ich als ein­fa­cher Mensch berechtigt,obwohl mir aus besag­ten guten grün­den das Latein lie­ber ist.
      dass aber Kard. Leh­mann in sei­ner selt­sa­men Art sich so kirchenfeindlich,gemahnend an die Hass­ti­ra­den Luthers gegen die hl. Mes­se verbreitet„an die Wand mur­meln“ et cete­ra ac alia similia(solche Din­ge tram­peln und ver­let­zen mei­ne See­le ),das erin­nert an sei­ne“ beleh­ren­den“ Wor­te an Sei­ne Hei­lig­keit Bene­dikts zu Mt16„auf die­sem Fel­sen will ich mei­ne Kir­che bau­en-dazu gäbe es vie­le Deutungen…“(Originaltion Lehmann)das ist für mich ein­fa­che gläu­bi­ge See­le ein Skan­dal und Impertinenz.pure Ver­ach­tung des klei­nen Gläubigen,dessen Lebens­kraft allein aus dem hoch­hei­li­gen Kreu­zes­op­fer herkommt,der das ehr­furcht­ge­bie­ten­de Myste­ri­um braucht.Herr kar­di­nal: seri­us aut citi­us sedem propera­mus ad unum.

      • Aus dem imper­ti­nen­ten und igno­ran­ten Geschwätz die­ses Main­zer Ober­hir­ten spricht nicht allein pure Ver­ach­tung des „klei­nen Gläu­bi­gen“, er schlägt damit den Hei­li­gen aller Jahr­hun­der­te, dem katho­li­schen Glau­ben, ja der Kir­che selbst sei­ne Ver­ach­tung ins Gesicht. Wer als Kar­di­nal sol­cher­lei von sich gibt, muss ent­we­der voll­stän­dig senil oder vom Glau­ben abge­fal­len sein.

    • Ihre Aus­füh­run­gen zur Natio­nal­spra­che sind sehr tref­fend, gera­de auch zum Vater­un­ser. Dazu noch eini­ge Anmer­kun­gen: Die deut­sche Fas­sung ist dadurch noch schlim­mer gewor­den, dass man aus dem „der Du bist im Him­mel“ („qui es in cae­lis) ein „im Him­mel“ gemacht hat. Das per­sön­li­che Ver­hält­nis des Geschöpfs zu sei­nem Schöp­fer, das in der Anre­de Du zum Aus­druck kommt, ent­fällt. Eben­so der Gedan­ke, dass Gott der Sei­en­de schlecht­hin ist (Ich bin, der ich bin“). Dann auch „Dein Reich kom­me“. Das Wort adve­ni­at, in dem Advent anklingt, die Ankunft des Welt­erlö­sers, besagt sehr viel mehr. Eine Ver­kür­zung stellt auch dar „wie auch wir ver­ge­ben unse­ren Schul­di­gern „. Das sicut (so wie) stellt näm­lich einen Kau­sal­zu­sam­men­hang her zwi­schen der Ver­ge­bung Got­tes und unse­rer Bereit­schaft zu ver­ge­ben: Wir dür­fen nur in dem Maße um Ver­ge­bung bit­ten, wie wir bereit sind zu ver­ge­ben. Alles, was dar­über hin­aus geht, ist Gna­de.
      Man könn­te das unend­lich fort­füh­ren. Aber Kar­di­nal Leh­mann scheint nicht ein­mal das zu kapie­ren.

  7. Vie­len Dank — auch für die­sen Text, wirk­lich ein Lab­sal! — Über jene Wor­te Sr. Em. hat­te ich mir auch schon „so mei­ne Gedan­ken gemacht“, mit ziem­li­chem Ent­set­zen, mal dezent for­mu­liert … — und über die Unter­bre­chung des prie­ster­li­chen Hoch­ge­bets durch das Her­aus­neh­men des ‚myste­ri­um fidei‘ aus den Wand­lungs­wor­ten — um dem ‚Volk-Got­tes‘ Gele­gen­heit zu einer Akkla­ma­ti­on zu geben (natür­lich auch ganz im ‚anti­kle­ri­ka­li­sti­schen Sin­ne‘ — Wor­te, die „frü­her“ als die hei­lig­sten gal­ten, die man nicht „mal so“ aus­sprach, die dem Prie­ster allein vor­be­hal­ten waren, im Inner­sten des Aller­hei­lig­sten des Hoch­ge­bets, der Kon­se­kra­ti­on — bewußt her­aus­ge­nom­men!); und laut Cate­chis­mus Roma­nus bezie­hen die­se Wor­te sich nicht nur, wie die­se Akkla­ma­ti­on sug­ge­rie­ren will, auf den Kreu­zes­tod und die Auf­er­ste­hung Chri­sti, son­dern (eben dadurch) aus­drück­lich auch auf das myste­ri­um (tre­men­dum & fasci­no­sum), wel­ches sich gera­de jetzt auf dem Altar voll­zieht — Kon­se­kra­ti­on und Trans­sub­stan­tia­ti­on; Gegen­wär­tig­set­zung des einen Kreu­zes­op­fers Chri­sti; sein ganz aktu­el­les zu-uns-Kom­men (nicht erst „irgend­wann mal, in fer­ner Zukunft“). Inso­fern stellt die­se Akkla­ma­ti­on (sicher­lich auch als Mög­lich­keit zur ‚par­ti­ci­pa­tio actuo­sa‘ gedacht & gewollt), wie ich fin­de, eine Abschwä­chung, eine Ver­schleie­rung des GANZEN ‚myste­ri­um fidei‘ dar; es wird Bezug genom­men auf die (für uns, histo­risch) ‚fer­ne Ver­gan­gen­heit‘ in Jeru­sa­lem, und auf die ‚fer­ne Zukunft‘ (und wer weiß, wie ‚fern‘ die wirk­lich ist …?!) — aber merk­wür­di­ger­wei­se nicht auf die aktu­el­le Gegen­wart, auf das Gesche­hen am Altar. Hat­te schon immer so ein „dump­fes Gefühl“, daß da was feh­le, daß die­se Akkla­ma­ti­on doch irgend­wie nicht GANZ tref­fend (pas­send!?) oder voll­stän­dig sei (und irgend­wie stö­rend, das Hoch­ge­bet zer­rei­ßend, wenn nicht ‚desa­kra­li­sie­rend‘); ich glaub, jetzt weiß ich ein biß­chen bes­ser, genau­er, wes­halb.

  8. Die hei­li­ge Lit­ur­gie soll und muss aus dem All­täg­li­chen her­aus­ge­ho­ben und ihre Erha­ben­heit so auch in einer eige­nen Spra­che zum Aus­druck gebracht wer­den. Die latei­ni­sche Spra­che ist denn auch eine „tote Spra­che“, will hei­ssen, sie ist gekenn­zeich­net von Bestän­dig­keit und unter­liegt durch ihre 
    Unver­än­der­lich­keit kei­nem Wan­del wie etwa ande­re Spra­chen !
    Zudem bil­det sie ein enges Band der Ein­heit !
    Sehr schnell kön­nen wir die Brücke schla­gen zur unfehl­ba­ren Leh­re der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che.
    Die­se ist eben­falls unver­än­der­lich und bestän­dig !
    Die EWIGE WAHRHEIT JESUS CHRISTUS ist 
    unver­än­der­lich und passt sich kei­nem Zeit­geist an !
    Somit ist die latei­ni­sche Spra­che gleich­sam der Aus­druck einer Sym­bio­se von  bestän­di­ger Kult­spra­che und bestän­di­ger unfehl­ba­rer Leh­re der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che !“

  9. HERRMANN sagt:
    21. Juli 2013 um 20:45
    Wie ist die­ser Mann an sei­nen Dr. phil. et theol. gelangt. Man kann schlech­te Argu­men­te vor­brin­gen, schlimm ist es, wenn die Argu­men­te schlecht und dumm sind.- Die Ortho­do­xie und auch die Unier­ten sin­gen die Wand­lungs­wor­te ( weiß er schein­bar nicht ), da „mur­melt“ nie­mand etwas gegen die Wand und trotz­dem ver­tre­ten sie wie die vor­kon­zi­lia­re Kir­che und die heu­ti­gen Prie­ster der Tra­di­ti­on ener­gisch die Trans­sub­stan­ti­ons­leh­re.- Letzt­lich erklä­ren sich die Äuße­run­gen aber dadurch, Leh­mann war Mit­ar­bei­ter
    von Rah­ner, von dem die Wor­te stam­men: „Die Apo­theo­se der Eucha­ri­stie ist biblisch nicht beleg­bar!!“

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