Papst Franziskus und die Journalisten — Keine Pressekonferenz auf Flug nach Rio de Janeiro

Weltjugendtag Rio de Janeiro 2013: keine Pressekonferenz des Papstes(Vati­kan) Am kom­men­den Mon­tag fliegt Papst Fran­zis­kus zum Welt­ju­gend­tag nach Rio de Janei­ro. Heu­te Vor­mit­tag wur­de den Jour­na­li­sten von Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ über­ra­schend mit­ge­teilt, daß die ange­kün­dig­te Pres­se­kon­fe­renz des Pap­stes wäh­rend des Flu­ges nicht statt­fin­den wird. Fran­zis­kus wird im Flug­zeug mit den mit­rei­sen­den Jour­na­li­sten zusam­men­tref­fen, auch jeden Pres­se­ver­tre­ter ein­zeln begrü­ßen und eini­ge Wor­te wech­seln, zur ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Pres­se­kon­fe­renz wird es aber nicht kom­men. Die Jour­na­li­sten hat­ten bereits schrift­lich Fra­gen ein­ge­reicht, aus denen eini­ge vom Vati­kan aus­ge­wählt und auf der vor­be­rei­te­ten Pres­se­kon­fe­renz auf dem Flug vom Papst beant­wor­tet wer­den soll­ten.

Der Vati­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li erin­nert in die­sem Zusam­men­hang dar­an, daß der per­sön­li­che Gruß an jeden ein­zel­nen Jour­na­li­sten „die Uhr in die Zeit von Johan­nes Paul II. zurück­dreht, als die­ser noch bei Gesund­heit war“. Der pol­ni­sche Papst beweg­te sich pro­blem­los unter den Pres­se­ver­tre­tern und such­te die­se vor allem wäh­rend der lan­gen Inter­kon­ti­nen­tal­flü­ge auf, um mit ihnen zu plau­dern.

Wäh­rend des Pon­ti­fi­kats Bene­dikts XVI. hat­ten die Pres­se­kon­fe­ren­zen im Flug­zeug ver­schie­de­ne Gesich­ter. Es gab spon­ta­ne Pres­se­kon­fe­ren­zen, bei denen die Jour­na­li­sten frei ihre Fra­gen stel­len konn­ten (Pasto­ral­rei­se nach Bra­si­li­en 2007), vor­be­rei­te­te mit vor­ab ein­ge­reich­ten Fra­gen, die vom Vati­kan­spre­cher aus­ge­wählt, aber von den Jour­na­li­sten selbst for­mu­liert wur­den (Pasto­ral­rei­se in die USA 2008) und vor­be­rei­te­te, bei denen Pater Lom­bar­di die Fra­gen aus­wähl­te und sie auch selbst dem Papst stell­te. Alle ein­zeln begrüß­te Bene­dikt XVI. auf kei­nem Flug. Aller­dings such­te er manch­mal nicht nur beim Hin­flug, son­dern auch auf dem Rück­flug die Jour­na­li­sten auf, um sie zu grü­ßen und eini­ge Wor­te über die zu Ende gegan­ge­ne Rei­se zu sagen (Austra­li­en 2008, Afri­ka 2009)

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. löste man­che die­ser Pres­se­kon­fe­ren­zen eine Medi­en­la­wi­ne aus, die zum Teil die gesam­te Rei­se über­schat­te­te und selbst die getä­tig­te Aus­sa­ge ver­zerrt wie­der­gab. So geschah es vor allem bei sei­ner Afri­ka­rei­se 2009, als die Wor­te des Pap­stes über Prä­ser­va­ti­ve wie ein Lauf­feu­er um die Welt gin­gen. Bene­dikt XVI. wur­de zur Ziel­schei­be zahl­rei­cher, oft unqua­li­fi­zier­ter Angrif­fe, wäh­rend sei­ne Rei­se und die damit ver­bun­de­ne Bot­schaft weit­ge­hend igno­riert wur­den. Nicht die Afri­ka­ner kri­ti­sier­ten den Papst, son­dern die west­li­chen Apo­lo­ge­ten der Kul­tur des Todes, die unter dem euphe­mi­sti­schen Code­wort „repro­duk­ti­ve Gesund­heit“ fir­miert. In Afri­ka kam es zu Pro­te­sten gegen die Ver­un­glimp­fung des katho­li­schen Kir­chen­ober­haupts und weil sich die Bewoh­ner des schwar­zen Kon­ti­nents nicht auf Kon­do­me redu­zie­ren las­sen woll­ten. Genützt hat es wenig. Zumin­dest im Westen kon­trol­lie­ren ande­re die mei­nungs­bil­den­den Medi­en.

Papst Fran­zis­kus scheint sich trotz sei­ner die­ser Gefahr nicht aus­set­zen zu wol­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: WJT 2013

1 Kommentar

  1. Die Fra­ge ist nicht, will der Papst sich den Jour­na­li­sten stel­len, son­dern sind die Jour­na­li­sten fähig, gebüh­rend die Audi­enz über den Wol­ken zu nut­zen. Ich wür­de mei­ne gei­sti­ge Gesund­heit schon sehr bezwei­feln, wenn ich die­ses Seel­sor­gean­ge­bot aus Sen­sa­ti­ons­in­ter­es­sen ver­un­glimp­fen wür­de.

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