Liturgieskandal vor Papstbesuch in Brasilien — Erzbischof wollte knienden Kommunionempfang verbieten

Kniende Mundkommunion dreier Päpste: Johannes Paul II., Benedikt XVI., Franziskus(Bra­si­lia) Kurz vor der Rei­se von Papst Fran­zis­kus zum Welt­ju­gend­tag nach Bra­si­li­en ist in dem latein­ame­ri­ka­ni­schen Land ein lit­ur­gi­scher Skan­dal aus­ge­bro­chen. Der Erz­bi­schof von Cuia­bá, Mil­ton Anto­nio dos San­tos hat in einem lehr­amt­li­chen Schrei­ben an sei­ne Erz­diö­ze­se den Gläu­bi­gen den knien­den Kom­mu­nion­emp­fang ver­bo­ten. Die Real­prä­senz Chri­sti erwähnt Erz­bi­schof dos San­tos in sei­nem Lehr­schrei­ben vom 11. Juli nie. Nie, daß die Eucha­ri­stie das wirk­lich fleisch­ge­wor­de­ne Wort Got­tes ist.

Verbot der „Einheitlichkeit“ wegen

Der Erz­bi­schof begrün­det sei­ne „Wei­sung“ mit der „Ein­heit­lich­keit der Gemein­schaft“. Die­se sieht der Erz­bi­schof durch den knien­den Kom­mu­nion­emp­fang in den Mund bedroht.

Erzbischof Dos Santos„Der eigent­li­che Feh­ler lag bei Johan­nes Paul II., der ihn 2000 zum Bischof von Corum­ba im bra­si­lia­ni­schen Bun­des­staat Mato Grosso do Sul ernann­te und ihn 2003 zum Erz­bi­schof­ko­ad­ju­tor von Cui­bá mit Nach­fol­ge­recht beför­der­te, wo er 2004 Erz­bi­schof wur­de“, so der Kir­chen­hi­sto­ri­ker und katho­li­sche Blog­ger Fran­cis­co de la Cigo­ña. Dos San­tos wur­de noch weni­ge Tage vor dem Rück­tritt des bra­si­lia­ni­schen Kar­di­nals Lucas Morei­ra Neves als Prä­fekt der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on als Bischof instal­liert.

Der bra­si­lia­ni­sche Ober­hir­te begibt sich mit sei­nem Ver­bot und sei­ner Begrün­dung dafür auf dün­nes Eis. In sei­nem Schrei­ben beruft er sich auf die Instruk­ti­on Eucha­ri­sti­cum Myste­ri­um der dama­li­gen Riten­kon­gre­ga­ti­on von 1967. Die seit­her getä­tig­ten lehr­amt­li­chen Aus­sa­gen igno­riert er.

Die­se sehen die Mund­kom­mu­ni­on aus­drück­lich als ordent­li­che und damit eigent­li­che Form des Kom­mu­nion­emp­fangs vor. Die ste­hen­de Hand­kom­mu­ni­on stellt seit der Nach­kon­zils­zeit ledig­lich eine gewähr­te Aus­nah­me dar. Zudem befin­det sich der Erz­bi­schof, der sich auf die „Gemein­schaft“ beruft, nicht in der Gemein­schaft mit den Päp­sten, weder mit Fran­zis­kus noch mit Bene­dikt XVI., die bei­de knien­den Kom­mu­ni­kan­ten die Mund­kom­mu­ni­on spen­den.

Erzbischof auf dünnem Eis

Das Verbot des ErzbischofsWäh­rend der knien­de Kom­mu­nion­emp­fang immer erlaubt ist, kann der ste­hen­de zusätz­lich durch die zustän­di­ge Bischofs­kon­fe­renz erlaubt sein. Sowohl die Ein­füh­rung in das Mis­sa­le Roma­num als auch die Instruk­ti­on Redemp­tio­nis Sacra­men­tum von 2002 spre­chen eine kla­re Spra­che. In einem Schrei­ben der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on an einen Diö­ze­san­bi­schof, Pro­to­koll 1322/02/L, vom 1. Juli 2002, wer­den die kano­ni­schen und lehr­amt­li­chen Grund­la­gen dar­ge­legt.

Die Kon­zils­kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um stellt unter Num­mer 22, Absatz 3 fest, daß es nie­man­dem erlaubt ist, auf eige­ne Faust irgend­et­was in der Lit­ur­gie hin­zu­zu­fü­gen, weg­zu­las­sen oder zu ändern. Laut Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um, Num­mer 22, Absatz 1, fällt die allei­ni­ge Zustän­dig­keit für die Lit­ur­gie dem Hei­li­gen Stuhl zu, der auch der ein­zi­ge recht­mä­ßi­ge Gesetz­ge­ber ist. Canon 838, Para­graph 1 des Kir­chen­rechts wie­der­holt die­sen Rechts­satz.

Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang, daß die Erz­diö­ze­se Ciu­abá 2012 eine Mei­nungs­um­fra­ge durch­führ­te, bei der sie die Gläu­bi­gen aus­drück­lich frag­te, ob sie kniend die Mund­kom­mu­ni­on emp­fan­gen. 57,3 Pro­zent der Gläu­bi­gen ant­wor­te­ten mit Ja. Eine Ver­hal­tens­wei­se, die aus­drück­lich mit der Nach­ah­mung des Vor­bil­des von Papst Bene­dikt XVI. in Zusam­men­hang gebracht wur­de.

Der Rückzieher nach Protesten — 57 Prozent der Gläubigen empfangen kniende Mundkommunion

Das Schrei­ben des Erz­bi­schofs war zunächst auch auf die Inter­net­sei­te des Erz­bis­tums gesetzt wor­den. Weni­ge Stun­den nach Ver­öf­fent­li­chung eines Arti­kels der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Sei­te Fra­tes in Unum wur­de es am 13. Juli ent­fernt. Fra­tres in Unum for­der­te die Gläu­bi­gen der Erz­diö­ze­se auf, gegen das rechts­wid­ri­ge Ver­bot beim Erz­bi­schof, der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on in Rom und der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Bra­si­li­en zu pro­te­stie­ren. Im erz­bi­schöf­li­chen Palais gin­gen sofort zahl­rei­che Pro­te­ste ein, so daß der Erz­bi­schof den Rück­zug antrat. Am heu­ti­gen Diens­tag wur­de eine kor­ri­gier­te Fas­sung des Schrei­bens von Erz­bi­schof Dos San­tos ver­öf­fent­licht. „Wie für bra­si­lia­ni­sche Bischö­fe üblich, wird dar­in kein Feh­ler ein­ge­stan­den, son­dern ‚prä­zi­siert‘ “, wie Fra­tres in Unum die Wen­de kom­men­tiert. In der neu­en Fas­sung erklärt der Erz­bi­schof, daß es jedem Gläu­bi­gen frei steht, ste­hend oder kniend die hei­li­ge Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen und er „nie“ jemand zur Hand­kom­mu­ni­on „ver­pflich­ten“  woll­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Fra­tres in Unum

3 Kommentare

  1. „Der eigent­li­che Feh­ler lag bei Johan­nes Paul II. …“ So ist es. Er hat uns rei­hen­wei­se sol­che drei­sten Ober­hir­ten beschert. Unter ande­rem des­halb wer­de ich die Eilig­spre­chung die­ses Pap­stes kon­se­quent igno­rie­ren.

  2. Es ist erfreu­lich und ermu­ti­gend fest­zu­stel­len, daß Pro­te­ste ab und zu doch etwas bewir­ken. Wir soll­ten das nut­zen, und zwar uner­müd­lich. Momen­tan scheint es das ein­zi­ge Mit­tel zu sein, durch Pro­test und Gebet etwas zu errei­chen.

  3. Die röm. kath. Kir­che kennt als gel­ten­de Regel allei­ne die knien­de Mund­kom­mu­ni­on. Das „Indult“ ( Befrei­ung vom gel­ten­den Recht ) für die erzwun­ge­ne „Hand- und Steh­kom­mu­ni­on“ ist denn nie­mals auch nur andeu­tungs­wei­se mit irgend­ei­nem Dekret des Vati­ca­num II. zu bele­gen !

    S.E. Kar­di­nal Anto­nio Cañizares Llove­ra, Prä­fekt der päpst­li­chen Kon­gre­ga­ti­on für Got­tes­dienst und Sakra­men­ten­ord­nung in einem Inter­view im Jah­re 2011:
    -
    „Es ist emp­feh­lens­wert, 
    dass die Gläu­bi­gen die Kom­mu­ni­on in den Mund und auf Knien emp­fan­gen
    [.…]
    Es ist ein­fach das Wis­sen, dass wir vor Gott selbst ste­hen und dass Er zu uns gekom­men ist und wir ihn nicht ver­die­nen.
    [.…]
    Wenn wir die Kom­mu­ni­on tri­via­li­sie­ren, tri­via­li­sie­ren wir alles, 
    und wir kön­nen einen so wich­ti­gen Augen­blick nicht ver­lie­ren, wie es das Kom­mu­ni­zie­ren ist, wie es das Aner­ken­nen der Real­prä­senz des dort gegen­wär­ti­gen Chri­stus ist, des Got­tes, der die Lie­be aller Lie­be ist, 
    wie wir in einem spa­ni­schen Lied sin­gen
    [.…]
    Ich glau­be, dass es für die gan­ze Kir­che not­wen­dig ist, die Kom­mu­ni­on auf den Knien zu emp­fan­gen“
    -

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