Was will Papst Franziskus mit seinem Pontifikat erreichen? — Perfekte PR-Strategie oder Preis des Schweigens?

Papst Franziskus Jubel um den Preis des Schweigens(Rom) Papst Fran­zis­kus hat in den ersten Juli-Tagen sei­ne erste Enzy­kli­ka ver­öf­fent­licht und sei­ne erste Pasto­ral­rei­se unter­nom­men. Zwei wich­ti­ge Mark­stei­ne und rich­tungs­wei­sen­de Signa­le eines Pon­ti­fi­kats. Die Signa­le schei­nen jedoch gegen­sätz­li­cher Natur. Die Enzy­kli­ka Lumen fidei trägt die Hand­schrift Bene­dikts XVI. Papst Fran­zis­kus hat sie über­nom­men, um dadurch die Kon­ti­nui­tät mit sei­nem Vor­gän­ger her­aus­zu­strei­chen und zu signa­li­sie­ren, daß die wich­tig­ste Auf­ga­be jedes Pap­stes immer die­sel­be ist: die Brü­der im Glau­ben zu stär­ken, wie der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster anmerk­te.

Die Rei­se nach Lam­pe­du­sa zeig­te einen ganz ande­ren Papst. Um zum Kon­flikt der Kul­tu­ren und den Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit Stel­lung zu neh­men, hät­te Papst Bene­dikt XVI. ger­ne eine lec­tio magi­stra­lis an der Al-Azhar-Uni­ver­si­tät in Kai­ro gehal­ten. Stets in der Hoff­nung unter den Ent­schei­dungs­trä­gern, die wirk­lich Ver­ant­wor­tung haben und Ent­schei­dun­gen tref­fen, Men­schen guten Wil­lens zu fin­den, die bereit sind, das Wort Got­tes zu hören.

Papst Fran­zis­kus ging einen ganz ande­ren Weg, den zu den Unbe­kann­ten, Namen­lo­sen, die kei­ne Macht haben und kei­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen. Magi­ster zog einen Ver­gleich mit dem hei­li­gen Franz von Assi­si und des­sen Gang zu den Aus­sät­zi­gen außer­halb der Stadt. Sei­ne Fahrt nach Lam­pe­du­sa war ein Buß­akt mit Blick auf die bibli­sche Erzäh­lung von Kain, der sei­nen Bru­der Abel tötet. Eine pasto­ra­le Rei­se mit lit­ur­gi­schem Cha­rak­ter ohne expli­zi­te poli­ti­sche Bot­schaft, die den­noch durch Ort und Kon­text poli­tisch auf­ge­la­den war.

Roger Köppel: „Franziskus predigt Fernstenliebe“. Armut ist eine Sünde, für die der Norden schuldig ist

Kri­ti­sche Wor­te fand des­halb der Chef­re­dak­teur der Schwei­zer Welt­wo­che Roger Köp­pel in einem Leit­ar­ti­kel.

„Eben war Papst Fran­zis­kus auf der ita­lie­ni­schen Insel Lam­pe­du­sa, um ein Zei­chen zu set­zen gegen die «Glo­ba­li­sie­rung der Gleich­gül­tig­keit». Sei­ne Appel­le rich­ten sich an das schlech­te Gewis­sen Euro­pas mit der For­de­rung, noch mehr nord­afri­ka­ni­sche Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Der ober­ste Katho­lik ist bekannt dafür, die Bekämp­fung der Armut ins Zen­trum sei­nes Wir­kens zu stel­len. Dass der Pon­ti­fex sich der Armen annimmt, geht in Ord­nung. Irri­tie­rend bleibt, dass in sei­nen Pre­dig­ten der Begriff Eigen­ver­ant­wor­tung fehlt. Armut ist für ihn ein Schick­sal oder prä­zi­ser: eine am Süden ver­üb­te Sün­de, für die der Nor­den alles, der Süden hin­ge­gen nichts kann. Wäre es nicht brü­der­li­cher, wenn die Afri­ka­ner, die nach Nor­den stre­ben, ihre Ener­gien in den Dienst ihrer Hei­mat­län­der stell­ten? Sind die jun­gen Män­ner, die aus Nord­afri­ka abwan­dern, wirk­lich alles Flücht­lin­ge? Und hat der Nor­den die Pflicht, jeden Afri­ka­ner auf­zu­neh­men, der kom­men will? Das Gebot der Näch­sten­lie­be bedeu­tet Soli­da­ri­tät im Nah­be­reich. Fran­zis­kus pre­digt Fern­sten­lie­be: Er for­dert mehr Soli­da­ri­tät der Euro­pä­er für die Afri­ka­ner, die ihrer­seits wenig Soli­da­ri­tät unter­ein­an­der zei­gen. Böser Nor­den, armer Süden: Der neue Papst ist ein Freund beque­mer Bot­schaf­ten im welt­an­schau­li­chen Links­be­reich. Die Medi­en beju­beln ihn.“

Vati­ka­ni­sten bemüh­ten sich, den Besuch auf Lam­pe­du­sa als apo­li­tisch dar­zu­stel­len und die pasto­ra­le Sei­te her­vor­zu­he­ben. Vor allem ging es dar­um, die poli­tisch bri­san­te Ein­wan­de­rungs­fra­ge etwas zu ver­ber­gen. Den­noch bleibt die Fra­ge, ob an der Not ande­rer Men­schen wirk­lich immer jemand Schuld trägt? Zwi­schen gefor­der­ter christ­li­cher Näch­sten­lie­be und lin­ker Sozi­al­kri­tik lie­gen Wel­ten. Das weiß auch Papst Fran­zis­kus und den­noch scheint er ein wenig damit zu koket­tier­ten.

Sandro Magister: Papst tut auffällig genau das, was PR-Profis ihm empfehlen würden

Über den anhal­ten­den Jubel für den Papst schrieb nach Lam­pe­du­sa auch San­dro Magi­ster: „Es ver­wun­dert nicht, daß nach der Rei­se nach Lam­pe­du­sa die welt­wei­te Popu­la­ri­tät von Fran­zis­kus ihren Höhe­punkt erreich­te“. Das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt mein­te zwar jüngst: „Die Sta­ti­sti­ken macht Gott“, aber „die auf­fäl­li­ge Über­ein­stim­mung zwi­schen dem, was der Papst tut und sagt und dem, was ein gewief­ter, pro­fes­sio­nel­ler PR-Stra­te­ge ihm in der­sel­ben Situa­ti­on emp­feh­len wür­de, ist doch ver­blüf­fend“, so Magi­ster.

Zwar mit ande­ren Wor­ten, sagen Roger Köp­pel und San­dro Magi­ster doch das­sel­be: Fast alles, was Papst Fran­zis­kus tut oder sagt, kann weder in der katho­li­schen noch in der lai­zi­sti­schen Öffent­lich­keit auf wirk­li­chen Wider­spruch sto­ßen, ange­fan­gen bei sei­nem Mot­to, sich eine „arme Kir­che und eine Kir­che für die Armen“ zu wün­schen. Wer woll­te wider­spre­chen?

Ein wei­te­res Ele­ment sei­ner Popu­la­ri­tät ist die Glaub­wür­dig­keit. Es sind aller­dings die Medi­en, die sie bekannt­ma­chen oder zer­stö­ren. Es gefällt, von einem Erz­bi­schof zu berich­ten, der in einer beschei­de­nen Zwei­zim­mer­woh­nung leb­te, mit der U‑Bahn fuhr, sich sel­ber koch­te und alle mon­dä­nen Ereig­nis­se mied. Zu die­sen scheint er auch Kon­zer­te klas­si­scher Musik zu zäh­len, wes­halb er bereits zwei Kon­zer­ten im Vati­kan fern­blieb, einem des Tho­man­er­chors aus Leip­zig und einem des RAI-Sym­pho­nie­or­che­sters.

„Glaubwürdigkeit“ eines Papstes wird von Medien gemacht — oder zerstört

Vie­le Päp­ste vor ihm übten sich in stren­gen Fast- und Buß­übun­gen, die meist erst nach ihrem Able­ben bekannt wur­den. Papst Bene­dikt XVI. war nicht mit der U‑Bahn, aber mit dem Fahr­rad unter­wegs. Er bezahl­te nach sei­ner Wahl nicht das Hotel, weil er schon in Rom wohn­te, schlich sich aber aus dem Vati­kan, um sel­ber sei­ne Sachen in der alten Woh­nung zu packen und sich bei den ande­ren Bewoh­nern des Hau­ses zu ver­ab­schie­den und ihnen zu dan­ken. Und nie­mand wird Joseph Ratz­in­ger Kar­rie­ris­mus vor­wer­fen kön­nen. Papst Fran­zis­kus selbst sag­te erst in die­sen Tagen am Tele­fon sei­nem argen­ti­ni­schen Freund und Jour­na­li­sten Jor­ge Milia über Bene­dikt XVI.: „Du kannst Dir die Demut und Weis­heit die­ses Man­nes gar nicht vor­stel­len.“

Den­noch könn­te der media­le Umgang mit den bei­den Päp­sten nicht unter­schied­li­cher sein und das Bild beein­flus­sen oder bes­ser mani­pu­lie­ren, das die Men­schen vom jewei­li­gen Papst haben.

Hat jemand schon eine Nonne im Ferrari gesehen? — Kritik von Franziskus bleibt vage

Wer aber könn­te den Aus­sa­gen des neu­en Pap­stes wider­spre­chen? Wer wagt es, die Kri­tik an unge­recht­fer­tig­tem Kar­rie­re­tum zu kri­ti­sie­ren? Wer jene an tat­säch­li­cher oder angeb­li­cher Macht und Reich­tum in der Kir­che? Selbst dann, wenn man noch nie eine Non­ne im Fer­ra­ri vor­bei­fah­ren hat sehen? Wer möch­te schon die Unter­drückung der Not­lei­den­den recht­fer­ti­gen? „Im Mund des der­zei­ti­gen Pap­stes ist das Wort von der armen Kir­che ein unfehl­ba­res Para­dig­ma“, so Magi­ster. Es garan­tiert eine prak­tisch uni­ver­sa­le Zustim­mung sowohl unter Freun­den als auch unter den erklär­te­sten Geg­nern der Kir­che, jenen, die die Kir­che am lieb­sten gleich so „arm“ möch­ten, daß sie völ­lig vom Erd­bo­den ver­schwin­det.

Magi­ster macht aber noch einen wei­te­ren Schlüs­sel für die Popu­la­ri­tät von Papst Fran­zis­kus aus: sei­ne Angrif­fe gegen „unsicht­ba­re Tyran­nen“. Gemeint ist etwa die Kri­tik an den „inter­na­tio­na­len Finanz­zen­tren“. Die­se Kri­tik trifft kein kon­kret loka­li­sier­ba­res und iden­ti­fi­zier­ba­res Ziel, son­dern bleibt popu­li­stisch vage. Nie­mand von den zu recht oder zu unrecht kri­ti­sier­ten „Mäch­ten“, muß sich betrof­fen oder gemeint füh­len. Das wie­der­um bedeu­tet, daß es kei­ne Gegen­re­ak­tio­nen geben wird, daß kein Gegen­wind erwar­tet wer­den muß, wie er Bene­dikt XVI. nach sei­ner histo­ri­schen Regens­bur­ger Rede durch Mos­lems und west­li­che Rela­ti­vi­sten ent­ge­gen­schlug. Oder auf sei­ner Afri­ka­rei­se wegen sei­ner Kri­tik an der Ver­hü­tungs­men­ta­li­tät.

Auch wenn Fran­zis­kus über Miß­stän­de in der Kir­che spricht, blei­ben sei­ne Aus­sa­gen all­ge­mein. „Als der Papst bei einer sei­ner spon­ta­nen mor­gend­li­chen Pre­dig­ten mehr zufäl­lig auf die Vati­kan­bank zu spre­chen kam, lie­fen sein Pres­se­amt und sei­ne Medi­en­be­auf­trag­ten um die Wet­te, die Sache sofort her­un­ter­zu­spie­len“, so Magi­ster. Als er ein ande­res Mal über eine „Homo-Lob­by“ in der Kir­che sprach, und die Sache auf Umwe­gen und uner­war­tet publik wur­de, wur­de die Sache auf gan­zer Linie baga­tel­li­siert. Sogar die kir­chen­fer­nen welt­li­chen Medi­en, die sonst nur zu ger­ne die Kir­che kate­go­risch der „Homo­pho­bie“ beschul­di­gen, haben dem neu­en Papst die Wort­mel­dung als einen „Aus­rut­scher“ nach­ge­se­hen. Und das mit einer Groß­zü­gig­keit, die Bene­dikt XVI. nie gewährt wor­den wäre und nie gewährt wur­de.

„Entweltlichung“: Benedikt XVI. forderte arme Kirche, konkret, fundiert, dramatisch — Alle verstanden, alle ignorierten mit Kälte

Das „gute“ und „schlech­te“ Wet­ter machen die Medi­en. Nur: Bene­dikt XVI. war anders. Er rich­te­te sich nicht danach. Bei Papst Fran­zis­kus wirkt alles so medi­en­ge­recht, als trä­fe er sei­ne Ent­schei­dun­gen gera­de danach. Trotz sei­ner offen­sicht­li­chen Mil­de war Bene­dikt XVI. in sei­nen For­mu­lie­run­gen oft sehr deut­lich und sehr kon­kret. Die Regens­bur­ger Rede wur­de bereits erwähnt. Es gibt aber noch eine ande­re Rede, die sei­ne Ent­schie­den­heit und die auf­ge­schreck­ten Reak­tio­nen dar­auf ver­deut­licht: sei­ne Frei­bur­ger Kon­zert­haus­re­de im Sep­tem­ber 2011 mit der er eine „Ent­welt­li­chung“ der Kir­che ver­lang­te.

In aller Ruhe rich­te­te er Wor­te von erschüt­tern­der Stren­ge an die anwe­sen­den Bischö­fe und „enga­gier­ten Katho­li­ken“. Wor­te, die „eine tief­grei­fen­de Ent­welt­li­chung der Kir­che“ ver­lang­ten, „die sich dabei gleich­sam ihres welt­li­chen Reich­tums ent­blößt und wie­der ganz ihre welt­li­che Armut annimmt“. Und wei­ter:

„Die von mate­ri­el­len und poli­ti­schen Lasten und Pri­vi­le­gi­en befrei­te Kir­che kann sich bes­ser und auf wahr­haft christ­li­che Wei­se der gan­zen Welt zuwen­den, wirk­lich welt­of­fen sein. Sie kann ihre Beru­fung zum Dienst der Anbe­tung Got­tes und zum Dienst des Näch­sten wie­der unbe­fan­ge­ner leben. Die mis­sio­na­ri­sche Pflicht, die über der christ­li­chen Anbe­tung liegt und die ihre Struk­tur bestim­men soll­te, wird deut­li­cher sicht­bar.“

Vie­len Anwe­sen­den stock­te der Atem. Die Auf­for­de­rung erging an eine sat­te, rei­che Kir­che und alle hat­ten die Wor­te instink­tiv als Kri­tik am Kir­chen­steu­er­sy­stem ver­stan­den. Des­halb wur­de die Rede mit äußer­ster Käl­te auf­ge­nom­men, jeder Zusam­men­hang mit dem Kir­chen­steu­er­sy­stem bestrit­ten und die gan­ze Fra­ge im Eil­ver­fah­ren gera­de von jenen ad acta gelegt, an die sich der Papst gewandt hat­te: An jene deut­sche Kir­che, die er nur zu gut kann­te, eine „rei­che, büro­kra­ti­sier­te, poli­ti­sier­te, aber glau­bens­ar­me Kir­che“ (Magi­ster).

Das Bei­spiel macht den Unter­schied zwi­schen Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus deut­lich, oder mehr noch wie die Medi­en das Bild eines Pap­stes bestim­men. Die Wor­te über eine arme Kir­che von Bene­dikt XVI. waren kon­kret, dra­ma­tisch, gezielt und ein­deu­tig. Und sie wur­den von den Medi­en über­hört, von den direkt Ange­spro­che­nen ver­drängt und der Papst bei jeder Gele­gen­heit im arro­gan­ten Ton­fall kri­ti­siert. Papst Fran­zis­kus, der zwar viel, aber vage von einer armen Kir­che spricht, wird von allen Sei­ten beju­belt.

Sprachstil von Franziskus „originell, aber weder spontan noch improvisiert“

Papst Fran­zis­kus hat zwei­fels­oh­ne einen ori­gi­nel­len Sprach­stil: ein­fach, ver­ständ­lich, kom­mu­ni­ka­tiv. Alles wirkt spon­tan und impro­vi­siert. Bezwei­felt wur­de die­se „Spon­ta­nei­tät“ schon früh­zei­tig von San­dro Magi­ster: „In Wirk­lich­keit ist alles genau ein­stu­diert, das gilt für die Erfin­dung von For­mu­lie­run­gen — wie die ‚Sei­fen­bla­se‘ mit der er auf Lam­pe­du­sa den Ego­is­mus der moder­nen Hero­des ver­glich — bis zu den Grund­sät­ze des christ­li­chen Glau­bens, die er ger­ne wie­der­holt und die sich in sei­nen Aus­füh­rung in einem ‚alles ist Gna­de‘ ver­dich­ten“, so Magi­ster.

Bene­dikt XVI., schau­te mit beson­de­rer Sen­si­bi­li­tät auf die Her­aus­for­de­rung des Glau­bens heu­te. Er erkann­te bereits die Kon­flikt­li­ni­en von mor­gen und ver­such­te Ant­wor­ten dar­auf zu geben, wie mit sei­ner letz­ten Weih­nachts­an­spra­che an die Römi­sche Kurie. Im Gegen­satz dazu schweigt Papst Fran­zis­kus. „Es kann kein Zufall sein, daß Papst Fran­zis­kus selbst nach 120 Tagen des Pon­ti­fi­kats die Wor­te Abtrei­bung, Eutha­na­sie, Homo-Ehe nie über die Lip­pen gekom­men sind“, so Magi­ster.

Es wer­den um ein Viel­fa­ches mehr unge­bo­re­ne Kin­der durch Abtrei­bung getö­tet als jähr­lich Men­schen an Hun­ger ster­ben. Und es sind nicht die Kin­der, die vom Hun­ger­tod bedroht sind, die getö­tet wer­den, son­dern die Kin­der der „zivi­li­sier­ten“, wohl­ha­ben­den Län­der und der Schwel­len­staa­ten. Doch Papst Fran­zis­kus bezieht das Bei­spiel des Königs Hero­des, der in der Über­lie­fe­rung mit dem Beth­le­he­mi­ti­schen Kin­der­mord in Ver­bin­dung gebracht wird, auf For­men der sozia­len Aus­beu­tung. „Papst Ber­go­glio hat es sogar am Tag von Evan­ge­li­um vitae, der jener erschüt­tern­den gleich­na­mi­gen Enzy­kli­ka von Papst Johan­nes Paul II. gewid­met ist, geschafft, das The­ma Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der zu umschif­fen“, so Magi­ster.

Kein Wort zu Abtreibung, Homo-Ehe oder Euthanasie — Jubel und Schonung haben einen Preis

Weil Papst Fran­zis­kus zu einer der zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen die­ser Zeit, dem Mas­sen­mord an unge­bo­re­nen Kin­dern schweigt, müs­sen sich die katho­li­schen Lebens­rechts­be­we­gun­gen  mit etwas Phan­ta­sie aus­hel­fen. Sie ver­wei­sen man­gels kon­kre­ter Aus­sa­gen dar­auf, daß sich Papst Fran­zis­kus am 12. Mai dem Marsch für das Leben in Rom ange­schlos­sen habe, an dem 40.000 Men­schen teil­nah­men und der zum Abschluß auf den Peters­platz führ­te. Der Papst rief damals sogar zur Unter­schrift für die EU-wei­te Peti­ti­on One of Us auf. Und die Lebens­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen tun gut dar­an. Je genau­er man jedoch hin­sieht, desto mehr ver­schwimmt der Ein­druck.

Der Papst hat sich nicht wirk­lich dem Marsch ange­schlos­sen. Die Inter­pre­ta­ti­on ist gut, aber etwas geschönt. Er fuhr mit dem Papa­mo­bil ein­fach über den Peters­platz, grüß­te und seg­ne­te die Men­ge, sprach mit die­sem und jenem, wie er es jeden Sonn­tag zum Ange­lus zu tun pflegt. Nicht mehr und nicht weni­ger. Beim Ange­lus erwähn­te er One of Us. Er tat es aller­dings auf eine hin­ken­de Wei­se. Obwohl die Akti­on EU-weit statt­fin­det und in allen EU-Staa­ten eine Mil­li­on Unter­schrif­ten gesam­melt wer­den, ja gesam­melt wer­den müs­sen, weil das neu­ge­schaf­fe­ne Peti­ti­ons­recht hohe for­ma­le Anfor­de­run­gen stellt, sprach Papst Fran­zis­kus ledig­lich davon, daß in Ita­li­en Unter­schrif­ten gesam­melt wer­den. Ein Indiz, daß es die im Vati­kan ein­fluß­rei­che  ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz war, die die­sen Zusatz in die Anspra­che des Pap­stes gebracht hat­te und nicht der Papst selbst. Sie blieb, so for­mu­liert, eine hal­be Sache. Als Papst hät­te der Auf­ruf One of Us gene­rell gel­ten müs­sen, schließ­lich ist Fran­zis­kus nicht nur Papst der ita­lie­ni­schen Katho­li­ken. Nach einem über­zeug­ten Anlie­gen klingt das Gan­ze jeden­falls nicht, zumal in Ita­li­en die nöti­ge Min­dest­zahl an Unter­schrif­ten bereits gesam­melt sind, wäh­rend in ande­ren Län­dern, dar­un­ter auch Deutsch­land noch Anstren­gun­gen not­wen­dig sind, denen eine päpst­li­che Auf­mun­te­rung gut getan hät­te.

Papst erklärt sich im Namen der Kollegialität für „politische“ Fragen nicht zuständig?

Als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires nahm Jor­ge Mario Ber­go­glio in einem Vor­wort zu einem Buch über die Zukunft der Kir­che in Latein­ame­ri­ka sehr deut­lich zu Abtrei­bung und Gen­der-Ideo­lo­gie Stel­lung (sie­he eige­nen Bericht). Seit er zum Papst gewählt wur­de, schweigt er jedoch. Ein wei­te­rer Grund für das Wohl­wol­len der Mas­sen­me­di­en und der „Mei­nungs­füh­rer“ unse­rer Zeit.

Papst Fran­zis­kus gab sogar zu ver­ste­hen, daß er sich für „poli­ti­sche“ Fra­gen für nicht zustän­dig hält. Oder bes­ser gesagt, im Namen der Kol­le­gia­li­tät die­se Fra­gen den Bischofs­kon­fe­ren­zen und ein­zel­nen Bischö­fen wei­ter­reicht. Eine gefähr­li­che Ver­su­chung, die – soll­te sie wirk­lich so umge­setzt wer­den – schwer­wie­gen­de Fol­gen nach sich zie­hen wird.

Die Hoff­nung bleibt, daß sich dies noch ändern wird, daß sich der neue Papst nur eine Schon­frist gön­nen woll­te, ehe er in die Höh­le des Löwen steigt und im Sturm ste­hen wird, in dem Johan­nes Paul II. und vor allem Bene­dikt XVI. stan­den. Der Vati­ka­nist Magi­ster rech­net nicht damit. Was aber erwar­tet sich dann der Papst von sei­nem Pon­ti­fi­kat? Wel­che Zie­le hat er sich gesteckt? Ein Pon­ti­fi­kat, das auf der Wel­le des Jubels von Gna­den kir­chen­kri­ti­scher Medi­en und deren Eigen­tü­mer segelt, bis es zu Ende ist?

Die christ­li­che Welt ist schon voll von Reli­gi­ons­ver­tre­tern, die dem Main­stream nach dem Mund reden und das Chri­sten­tum wie ein Fähn­chen in den Wind hän­gen. An Wel­bys, Käß­manns, Küngs und Schül­lers, die nach dem Applaus der Welt schie­len und bereit sind, das Chri­sten­tum für ’n Appel und ’n Ei zu ver­kau­fen, gibt es schon genug.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Blog Raf­fa­el­la

14 Kommentare

  1. Wer die Armen selbst in den Mit­tel­punkt stellt, pre­digt dadurch auch für Ent­welt­li­chung, die ja nicht nur eine Befrei­ung von der Knecht­schaft des Reich­tums, son­dern viel mehr noch das Tei­len des Über­flus­ses mit den Not­lei­den­den sein muss.

    Gera­de Afri­ka muss viel mehr in den Blick genom­men wer­den. Gera­de dort muss noch viel gei­sti­ges und mate­ri­el­les Kapi­tal inve­stiert wer­den, um sinn­voll Arbeit und Lebens­per­spek­ti­ven zu ermög­li­chen.

    Viel pro­ble­ma­ti­scher ist die neue Vor­gangs­wei­se bei Hei­lig­spre­chun­gen, wo es mehr und mehr um eine Art Star-Kult geht, die Ein­wän­de gegen die Hei­lig­spre­chung, die die Kir­che frü­her sehr ernst genom­men hat, nicht mehr wirk­lich geprüft wer­den (Abschaf­fung des sog. „advo­ca­tus dia­bo­li“ und Ver­zicht auf Wun­der als über­na­tür­li­ches Zei­chen), wodurch „Hei­li­ge“ nicht mehr durch hel­den­haf­te Tugend und Beglau­bi­gung von oben aus­ge­zeich­net erschei­nen, son­dern als eine neue Klas­se (medien)politisch ver­stan­de­ner „Stars“.
    Die Auf­for­de­rung zum Göt­zen­dienst, wie sie Woj­ty­la in Assi­si 1986 voll­zo­gen hat. die Bekämp­fung der Über­lie­fe­rung der Kir­che im Kult, die Zulas­sung oder sogar För­de­rung von Irr­leh­rern, die Ehr­furchts­lo­sig­keit bis hin zu Oben-ohne Lek­to­rin­nen in den Got­tes­dien­sten von Joh.Paul, der Ver­zicht auf Mis­si­on unter Schis­ma­ti­kern, Juden usw., all das wird bei den Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren nicht erwähnt, son­dern bewusst ver­schwie­gen, um spä­ter sol­ches in der gan­zen Kir­che mit Beru­fung auf neue „Hei­li­ge“ zum Stan­dard machen zu kön­nen!? Ganz zu schwie­gen von den vie­len Miss­brauchs­fäl­len, die noch gar nicht alle geprüft sind (Was ist mit der Über­prü­fung, wie es zu der von Fran­zis­kus genann­ten „Homo-Lob­by“ im Vati­kan über­haupt kom­men konn­te?)
    Wenn es kei­ne Wun­der gibt, heißt das doch, dass jemand vom Volk ent­we­der kaum als „Hei­li­ger“ ange­ru­fen wird, oder dass Gott eben nicht eine sol­che Hei­lig­spre­chung wünscht.
    An die­ser unhalt­ba­ren Form neu­er „Hei­lig­spre­chung„ ‚ hat auch Bene­dikt XVI. einen Groß­teil Schuld. Fran­zis­kus folgt ihm nur.

    • Es darf doch wohl, der Gerech­tig­keit wegen ein­mal erlaubt sein, auf den Zah­len­ver­gleich zwi­schen den Ver­bre­chen kathol. Prie­ster (die­se schreckl., ein­deu­ti­ge Bezeich­nung „Ver­bre­chen“ gebrauch­ten Johan­nes Paul II. u. Bene­dikt XVI. gg. sich der­art ver­feh­len­de kath. Prie­ster) und den Ver­bre­chen, began­gen inmit­ten unse­rer Gesell­schaft = in den bürgl. Fami­li­en! Sicher­lich sind die­se Unta­ten durch einen geweih­ten kath. Prei­s­ter unbe­schreib­lich und unfaß­bar. Wie sieht es dann aber damit aus, wenn z.B. ein Fami­li­en­va­ter sein von ihm gezeug­tes Kind (nach­her) als Objekt für sei­ne Sex­gier miß­braucht. Wie ist es, wenn wie­der ein­mal aus einer Fami­lie ein min­derj. Kind durch das Jugend­amt her­aus­ge­nom­men wer­den muß­te, weil es dort ent­we­der vom eige­nen Vater oder ande­ren „guten“ Ver­wand­ten miß­braucht. geschän­det wur­de. Und die­se Fäl­le in unse­rer Gesell­schaft (so ermit­tel­te es die amtl. Sta­ti­stik) betra­gen ca. 99,9 % (Pro­zent !). Im Ver­gleich mit den inner­kirchl. Miß­brauchs­fäl­len (aller­dings sind es die bekann­ten) betra­gen die­se 0,9… Pro­mil­le. Es geht hier über­haupt nicht um eine Beschö­ni­gung, nach dem Mot­to: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Bei jedem Miß­brauchs­ver­bre­chen, began­gen durch einen kath. Prie­ster, ver­geht einem irgend­ein Gedan­ke an eine etwai­ge „Erklä­rung“ in Rich­tung Beschö­ni­gung. Da kommt einem das schreck­li­che Schrift­wort in den Sinn: Mt 18, 6: … für den wäre es bes­ser, wenn er mit einem Mühl­stein um den Hals im tie­fen Meer ver­senkt wür­de! Man wagt es nicht, daß auch auf einen kath. Prie­ster zu bezie­hen, so furchbar ist die­se (gött­li­che) Kon­se­quenz. Aber eben­so furcht­bar ist es doch auch, die­ses etwa auf einen Fami­li­en­va­ter zu bezie­hen. Um der Gerech­tig­keit wil­len soll­te beim Zah­len­ver­gleich dar­auf geach­tet wer­den, daß die Miß­brauchs­ver­bre­chen in unse­rer so auf­ge­klär­ten, frei­en Gesell­schaft sich im Pro­zent­be­reich befin­den = etwa 99,9 % ! Das darf doch auch ein­mal erwähnt wer­den. In Fern­seh-Talk­shows, wer­den oft nur Fäl­le mit kath. Prie­stern genannt.

  2. Zitat aus dem Arti­kel:
    „Als Papst hät­te der Auf­ruf ‚One of Us‘ gene­rell gel­ten müs­sen, schließ­lich ist Fran­zis­kus nicht nur Papst der ita­lie­ni­schen Katho­li­ken. “
    Hier haben Sie ein wesent­li­ches Pro­blem auch nur indi­rekt ange­spro­chen (oder viel­leicht ist es Ihnen gar nicht auf­ge­fal­len):
    Als was pflegt sich Fran­zis­kus selbst zu bezeich­nen? Als Papst oder wie? Eben! Von wegen „Papst der ita­lie­ni­schen Katho­li­ken“! Er scheint sich nur für die Diö­ze­se Rom zustän­dig zu füh­len. Oh welch heh­res Bei­spiel von Beschei­den­heit!

  3. Ich fin­de das Maß der Kri­tik der zwei Kom­men­ta­to­ren an unse­rem neu­en Papst Fran­zis­kus ist doch mit sehr reich­li­chem „Salz“ bedacht wor­den. Wie bei einer Sup­pe, die mit bedacht­sa­mer Salz­bri­se wohl­schmecken wür­de; aber so ist sie an der Gren­ze des Unge­nieß­ba­ren gera­ten. Ähn­lich ver­hält es sich, wenn eine Spei­se mit einem Über­maß an Pfef­fer der­art scharf gewürzt wur­de, daß dadurch selbst die guten Antei­le auch abso­lut unge­nieß­bar gewor­den sind. Ich stel­le mir vor, wie jetzt von „außen“ her sich die all­zu bekann­ten „ewi­gen“ Kir­chen­kri­ti­sie­rer sich eif­rig die Hän­de rei­ben, weil so ihr Geschäft von Kir­chen­in­si­dern selbst betrie­ben wird. Mir fiel jetzt ein Aus­spruch der hl. Katha­ri­na von Sie­na, 14. Jhdt., auf, die ja gegen die Kräf­te, die den Papst­sitz in Avi­gnon haben woll­ten, mit uner­schrocke­nem Mut, sich ihnen ent­ge­gen­stell­te und den Papst doch bewe­gen konn­te, sich nicht von den Bes­ser­wis­sern in Beschlag neh­men zu las­sen, um schließ­lich nicht so zu sein, wie sie es woll­ten. Von ihr stammt der Aus­spruch: „Wer gegen den Papst auf­steht, erhebt sich gegen den, des­sen Stel­le er ver­tritt!“ Wir ein­fa­chen Gläu­bi­gen sind der festen Auf­fas­sung, der Hl. Geist , den das Kar­di­nals­kol­le­gi­um so beein­druckend erbe­ten hat­te, von Chri­stus selbst in die­sem Kon­kla­ve in beson­de­rer Wei­se auf die Kar­di­nä­le so spe­zi­fisch aus­ge­gos­sen wur­de. ER hat­te sie in die­ser ein­ma­li­gen Papst­wahl ganz beson­ders geführt , in dem sie gera­de die­sen Kar­di­nal aus Bue­nes Aires als neu­en Papst nun wähl­ten. Es gibt wohl immer, auch mit­ten in unse­rer Kir­che beson­de­re Leu­te, die uns eigent­lich vor­ge­ben wol­len, doch noch ein Stück­chen schlau­er als der Hl. Geist zu sein. Auch hier heißt es: „Der Geist Got­tes weht (noch immer), wo E R will!“ Joh 3,8

  4. Mar­tin Mose­bach hat recht mit sei­nen schlimm­sten Befürch­tun­gen, die er äußer­te. Die neue Mes­se, die Mes­se Paul VI., wer­de die Men­ta­li­tät der Katho­li­ken tief ver­än­dern. Er hät­te sei­ne Befürch­tung auf das II. Vati­ka­num und die damit unwei­ger­li­chen Ver­än­de­run­gen aus­deh­nen müs­sen, ist hin­zu­zu­fü­gen.
    Ein Papst Fran­zis­kus hät­te bei Katho­li­ken frü­he­rer Genera­tio­nen über­haupt kei­ne Chan­ce, ange­nom­men zu wer­den. So ein Mann hät­te die­ses Amt gar nicht antre­ten kön­nen. Ich mei­ne Genera­tio­nen von Katho­li­ken, die längst im Gra­be ruhen, die leben­dig vor mir ste­hen, wenn ich mit leben­den alten Katho­li­ken spre­che, die sich ihrer erin­nern.
    Die­ser gan­ze unse­li­ge Popu­lis­mus, die­se nicht mehr erträg­li­chen Ver­glei­che mit dem hei­li­gen Fran­zis­kus. Die­ser Hei­li­ge ver­zich­te­te nicht nur auf sein gesam­tes Ver­mö­gen. Auch als er längst alles weg­ge­ge­ben hat­te, schenk­te er spon­tan einem frie­ren­den Bett­ler sei­nen Man­tel. Dass sei­ne Mit­brü­der sich um den damals schon Kran­ken sorg­ten, müh­sam Ersatz suchen muss­ten, um den frie­ren­den Kran­ken vor der Käl­te zu schüt­zen, ist eine ande­re Sache. Der jun­ge Franz bei sei­ner Bekeh­rung: Er stieg vom Pferd, über­wand sei­nen Ekel vor dem Aus­satz, er küss­te Aus­sät­zi­ge, deren Anblick er bis dahin nicht ertra­gen konn­te. Aus Popu­lis­mus, um bei den ande­ren beliebt zu sein? Die fan­den die­ses Ver­hal­ten mehr als abson­der­lich…
    Fran­zis­kus, ich mei­ne den Hei­li­gen, war erfüllt von der Lie­be zu Jesus Chri­stus. In den Armen, den Aus­sät­zi­gen, erkann­te er den Gott­men­schen Jesus Chri­stus, der für uns arm gewor­den ist. Das war sein Cha­ris­ma, sei­ne Beru­fung.
    Ein Papst hat grund­sätz­lich eine ande­re Beru­fung. Fran­zis­kus I., Bischof von Rom, muss aus Lie­be zu den Armen nicht frie­ren, er muss auch nicht sei­nen Ekel über­win­den. Er muss nichts opfern, wohl­be­hal­ten wird er in sein Hotel zurück­ge­fah­ren. Und schmückt sich mit Tugen­den, die ihm voll­kom­men abge­hen. Er erhöht wei­ter sei­ne Popu­la­ri­täts­wer­te bei den Medi­en.
    Und bei uns abge­stumpf­ten Zeit­geist- Katho­li­ken…

  5. Die­ter shreibt: 13.07.2013
    Es lie­ße sich noch vie­les zum jet­zi­gen Papst schrei­ben und Ihren wert­vol­len Arti­kel ergän­zen. Die Namens­ge­bung, Fran­zis­kus ist von der Öffent­lich­keit sehr begrüßt wor­den. Wofür steht der Name Fran­zis­kus wirk­lich? Wie sym­bol­träch­tig ist der Name Fran­zis­kus?
    1. Fran­zis­kus war ein Hei­li­ger, der arm wur­de, um den Armen das Reich Got­tes zu ver­kün­den. Aus mei­ner Sicht eine wun­der­ba­re Idee, ganz im Sin­ne des Evan­ge­li­ums. Aber muss dann auch die Kir­che arm wer­den, auch arm an lit­ur­gi­schem Zei­chen? Soll dann auch die Pracht der Kir­chen, als ein­drucks­vol­le Zei­chen der Got­tes­ver­eh­rung ver­gan­ge­ner Genera­tio­nen ersatz­los ver­schwin­den? Wem nützt lit­ur­gi­sche Ver­ar­mung? Eine Kir­che der Armen kann doch nur so defi­niert wer­den, dass der Rei­che dem Armen soviel mit­gibt, dass die­ser sei­ne Wür­de zurück­er­hält und sich selbst ernäh­ren kann. Oder Hil­fe zur Selbst­hil­fe im Sin­ne der Kirch­li­chen Sozi­al­leh­re. Mit ande­ren Wor­ten ich hal­te die­sen Teil der Bot­schaft, die vom Namen Fran­zis­kus aus­geht für irri­tie­rend und lei­der popu­li­stisch.

    2. Fran­zis­kus ist asso­zi­iert mit dem Namen Assi­si, dem Sym­bol für den inter­re­li­giö­sen Dia­log. Kar­di­nal Ber­go­glio kri­ti­sier­te 2006 die Regens­bur­ger Rede Bene­dikt Soll­ten sie Schluss­fol­ge­run­gen, die aus dem Ver­hal­ten von Kar­di­nal Ber­go­glio 2006 zu zie­hen waren „dass der Zweck des inter­re­li­giö­sen Dia­lo­ges bei Kar­di­nal Ber­go­glio oder heu­te bei Papst Fran­zis­kus die Unschär­fe der Defi­ni­ti­on oder kon­kret den Umgang mit dem Wahr­heits­ge­halt hei­ligt“, so droht der Ver­lust der katho­li­schen viel­leicht sogar der christ­li­chen Iden­ti­tät.

    3. Der jet­zi­ge Papst ist der erste Papst, der sich als Namen und damit als Pro­gramm den Namen eines Nicht­prie­sters gege­ben hat! und sich damit von einer Tra­di­ti­on gelöst hat, Ich ver­mag und will zwar die­sen Teil der Bot­schaft (noch) nicht ent­schlüs­seln, aber sie gibt mir sehr zu den­ken.

    • Ihre Ana­ly­se ist beden­kens­wert, v.a. die Punk­te 2+3. Punkt 1 wur­de schon öfter kri­ti­siert. Mich wür­de inter­es­sie­ren, was F. genau 2006 gesagt hat über die Regens­bur­ger Rede.
      Das Bauch­grim­men will ein­fach nicht schwin­den.

  6. zu Franz Josef Man­del 83J.

    der Kom­men­tar von Franz Josef Man­del tat mir in der See­le gut! Auch wenn ich davon über­zeugt bin, dass die hier ver­öf­fent­lich­ten Kom­men­ta­re auf bestimm­te Arti­kel in der Regel nicht reprä­sen­ta­tiv sind, freut die­ser Kom­men­tar.

    Beson­ders gut hat mir die Aus­sa­ge zuge­sagt: „Es gibt wohl immer, auch mit­ten in unse­rer Kir­che beson­de­re Leu­te, die uns eigent­lich vor­ge­ben wol­len, doch noch ein Stück­chen schlau­er als der Hl. Geist zu sein. Auch hier heißt es: „Der Geist Got­tes weht (noch immer), wo E R will!“ Joh 3,8.

    Dies trö­ste­te mich über den teil­wei­se unsäg­li­chen Streit, der auf die­ser Sei­te immer wie­der aus­ge­tra­gen wird, hin­weg. Die Agi­ta­ti­on der Kir­chen­fein­de wird all­mäh­lich über­flüs­sig, das besor­gen schon man­che Katho­li­ken selbst, von denen Franz Josef Man­del schreibt. Die­se Selbst­zer­tö­rungs­kräf­te betrü­ben mich, ja sie erzeu­gen in mir einen „hei­li­gen Zorn“. Dass sich die­ser Zorn in Gren­zen hal­ten läßt, bewirkt u.a. Joh 3,8.

    Eben­so hilft mir Mat­thä­us 24,23–27: „Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Sie­he, hier ist der Chri­stus! oder: Da!, so sollt ihr’s nicht glau­ben. Denn es wer­den fal­sche Chri­stus­se und fal­sche Pro­phe­ten auf­ste­hen und gro­ße Zei­chen und Wun­der tun, so daß sie, wenn es mög­lich wäre, auch die Aus­er­wähl­ten ver­führ­ten. Sie­he, ich habe es euch vor­aus­ge­sagt. Wenn sie also zu euch sagen wer­den: Sie­he, er ist in der Wüste!, so geht nicht hin­aus; sie­he, er ist drin­nen im Haus!, so glaubt es nicht.

    Dar­an hal­te ich mich und hof­fe des­we­gen nicht ver­lo­ren zu gehen.
    Mög­li­cher­wei­se wer­den mich nun beson­de­re Leu­te dahin­ge­hend auf­klä­ren wol­len, (oder auch nicht), dass ein (ein­fa­cher) Katho­lik, der sei­nem Glau­ben seit Geden­ken treu geblie­ben ist, schlau­er sein müss­te. Aber da ver­las­se ich mich getrost auf den Hei­li­gen Geist.

    • @Theophilus und Josef Man­del

      Glau­ben Sie nicht, es tut jedem Katho­li­ken weh, wenn er die Skan­da­le bekla­gen muss, unter denen die Kir­che heu­te so sehr lei­det?

      Aber kön­nen wir als Katho­li­ken die Skan­da­le ein­fach applau­die­rend hin­neh­men?

      Wenn Sie etwas an der Kri­tik unbe­rech­tigt fin­den — wider­le­gen Sie sie sach­lich! Man kann doch nicht die­je­ni­gen, die auf einen Brand auf­merk­sam machen und „Feu­er!“ rufen, ankla­gen, sie wür­den „unsäg­li­chen Streit“ ver­ur­sa­chen, wenn sie die Brand­stif­ter nicht in Schutz neh­men?!

      Wenn Sie das als „Selbst­zer­stö­rungs­kräf­te“ bezeich­nen, dann müs­sen Sie doch auch über Katha­ri­na von Sie­na und vie­le ande­re Hei­li­ge in „Zorn“ gera­ten, die ja oft hef­tig die Hir­ten der Kir­che kri­ti­siert haben!? Wären sie wohl hei­lig gespro­chen wor­den, wenn sie auf die­se not­wen­di­ge Kri­tik ver­zich­tet hät­ten, und sich z.B. ein­fach damit abge­fun­den hät­ten, dass der Papst in Avi­gnon sitzt (wobei: dies ist ver­gli­chen mit den Vor­gän­gen und Skan­da­len heu­te ja fast eine Lapa­lie! Heu­te wird der Glau­be selbst ange­grif­fen, und da kann kein Katho­lik ein­fach still sit­zen!

      Oder wie stel­len Sie sich das vor?

    • Jeder Katho­lik ist auf­ge­ru­fen, nach sei­nen Cha­ris­men und Beru­fun­gen mit ein­zu­ste­hen für den Leib Chri­sti. Vor unse­ren Augen spielt sich ein Grau­en ab, das selbst Ben­dikt­vxi. nicht mehr ord­nen konn­te, die Kräf­te des Cha­os zie­hen und zie­hen. Ich fin­de es fast blas­phe­misch, für die­se Zustän­de den Hl. Geist zu bemü­hen.
      Ja, ER wird uns nicht ver­las­sen, aber der Hl. Geist weht wo ER will — das gilt auch für Sie und Ihren „hei­li­gen Zorn“, der sich auf nichts als Emo­tio­na­li­tät grün­det. Brin­gen Sie mir ein Argu­ment und wir kön­nen reden.
      Die, die hier kri­tisch schrei­ben, sind Men­schen, denen das Herz zer­reißt in der Kri­se. Katho­lisch­sein ist doch kei­ne Vogel-Strauß-Poli­tik. Ich sage es noch mal: wir alle sind mit­ver­ant­wort­lich an unse­rem Platz.
      F. appel­liert an uns (Lam­pe­du­sa), dass wir wei­nen sol­len über irgend­wel­che schlim­men Zustän­de anders­wo. Ich wei­ne über die Zustän­de in der Kir­che. Ob F. wohl auch um die Kir­che weint? Allei­ne die­se merk­wür­di­ge Flucht­be­we­gung in sei­nen Appel­len, müss­te jedem Gläu­bi­gen das Blut gefrie­ren las­sen.
      Pas­sen wir auf, dass wir nicht in zwei jah­ren auf­wa­chen und fest­stel­len müs­sen, dass in Rom kein Stein mehr auf dem andern ist. Das sind näm­lich die ungu­ten Ein­drücke, die wahr­schein­lich fast alle der von Ihnen abge­wie­se­nen Kri­ti­ker hier ins­ge­heim oder offen haben. Ja, wir glau­ben, dass Jesus bei uns ist bis zum Ende. Aber wir spü­ren auch genau, dass wir dabei sind, einen Exzess zu erle­ben. Neu­lich schrieb hier jemand, der Leib Chri­sti wer­de erneut gekreu­zigt, wir wür­den das Lei­den und Ster­ben Chri­sti am Leib der Kir­che mit­er­le­ben.
      Ja, Theo­phi­lus und Herr Man­del — er ist auch nicht drin­nen im Haus, obwohl Sie es behaup­ten, — wenn das Haus bereits bewohnt ist von Ungei­stern. Er ist da, aber er lässt sich nicht von Hl-Geist-For­ma­li­sten erklä­ren, wo er zu sein hat. Immer, immer ist es auch der freie Wil­le der Amts­trä­ger, der jasa­gen muss. Und da hapert es gewal­tig.

  7. Zu Dr. Die­ter Fasen hin­sicht­lich Fran­zis­kus:

    Mir, der ich in einem pau­pe­r­ier­ten Fran­zis­ka­ner-Inter­nat auf­ge­wach­sen bin (von 5.–11. Klas­se), fiel beim Papst­na­men Franz­sis­kus sofort auf, dass, im Gegen­satz zu Papst Fran­zis­kus, der hei­li­ge Franz von Assi­si einer war, dem man das Prie­ster­amt ange­bo­ten hat­te, der es aber aus­schlug. da er sich des­sen für unwür­dig erach­te­te. Er schätz­te das Prie­ster­tum so hoch, dass er einen Prie­ster vor einem Engel grü­ßen wür­de.

    Papst Franz­sis­kus dage­gen hat nicht nur das Prie­ster­amt, son­dern sogar die Wür­de des Papst­am­tes ange­nom­men. Der Bür­de, das Amt auch aus­zu­üben, ent­zieht er sich nahe­zu. Er dient eher als Reflek­tor des Lich­tes der Medi­en. Eine beson­de­re Ach­tung gegen­über dem Prie­ster­tum lässt sei­ne Art, die Lit­ur­gie zu fei­ern, sowie sei­ne Miss­ach­tung alt­her­ge­brach­ter Para­men­te auch nicht erken­nen.

    In mei­ner Wahr­neh­mung ist also der hl. Fran­zis­kus eher das Gegen­teil als das Vor­bild des jet­zi­gen Pap­stes.

  8. Fran­zis­kus I. mag sei­ne Scha­fe wei­den wol­len im wört­lich­sten Sin­ne, dass er sie ger­ne ernäh­ren und spei­sen wür­de, aber geist­li­che Spei­se gibt er nicht. Aller­dings stim­me ich dem Arti­kel in dem Sin­ne nicht zu, dass Fran­zis­kus nicht genau auf einer Linie mit Bene­dikt XVI. wäre. Fran­zis­kus ist nur offen­kun­di­ger.
    http://youtu.be/MNjUfI07s90

  9. „Im Mund des der­zei­ti­gen Pap­stes ist das Wort von der armen Kir­che ein unfehl­ba­res Para­dig­ma“, so Magi­ster. Es garan­tiert eine prak­tisch uni­ver­sa­le Zustim­mung sowohl unter Freun­den als auch unter den erklär­te­sten Geg­nern der Kir­che, jenen, die die Kir­che am lieb­sten gleich so „arm“ möch­ten, daß sie völ­lig vom Erd­bo­den ver­schwin­det.“
    Eine pro­fun­de Ana­ly­se!! Das Armuts­pa­ra­dig­ma, das Papst Fran­zis­kus stän­dig wie­der­holt, wird schon von ande­rer Sei­te benutzt, um For­de­run­gen nach Ver­kauf von Kunst­ge­gen­stän­den des Vati­kans oder Geld­mit­tel der rei­chen Dio­zö­se Köln für Sozi­al­zwecke ein­zu­for­dern.
    Wis­sen wir denn erst seit Papst Fran­zis­kus, dass wir die Armen unter­stüt­zen sollen?Wenn er sel­ber am Tele­fon einem Jour­na­li­sten mit­teilt, sein Vor­gän­ger sei so beschei­den und demü­tig, dann ist die­ser wahn­sin­ni­ge Gegen­satz, der zwi­schen ihm und sei­nem Amts­vor­gän­ger in der Pres­se rauf und run­ter gere­det wird, Maku­la­tur!!! !Aber wer mag sei­ne Moti­va­ti­on zu sei­nem Amts­ver­ständ­nis ergrün­den. Habe mir schon Gedan­ken gemacht, dass er sei­ne Namens­wahl “ Fran­zis­kus“ durch einen schnel­len Ein­wurf sei­nes Kar­di­nal­nach­barn , er möge die ARMEN nicht vergessen,gefunden hat.
    Übri­gens hat er sei­ne Enzy­kli­ka lumen fidei (sicher zumeist von Papst Bene­dikt XVI geschrie­ben) NUR mit Fran­zis­cus unter­schrie­ben, ohne Zussatz pp.… Haben wir einen Papst, oder.….…????

  10. Der 1965 zum 28. Gene­ral­obe­ren der Jesui­ten gewähl­te Bas­ke Pedro Arru­pe ver­trat die Auf­fas­sung, die Kir­che habe sich in die Welt hin­ein zu ver­lie­ren.
    „Ein Bas­ke hat uns gegrün­det, ein Bas­ke wird uns been­den“, scherz­ten Jesui­ten sei­ner­zeit mit Gal­gen­hu­mor.
    Der Argen­ti­ni­er Ber­go­glio hat die Lek­ti­on sei­nes frü­he­ren Gene­ral­obe­ren gelernt. Nur, er ist Papst. Jetzt geht es um die Kir­che, nicht nur um den Jesui­ten­or­den, der sich in der Ver­gan­gen­heit so sehr um die Kir­che ver­dient gemacht hat.

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