Weihbischof Aloysius Jin Luxian gestorben: 17 Jahre Lagerhaft — Wie geht es in der Diözese Shanghai weiter?

Jin Luxian Weihbischof Shanghai 17 Jahre Gefängnis(Hong Kong) Msgr. Aloy­si­us Jin Luxi­an, der vom kom­mu­ni­sti­schen Regime in Peking offi­zi­ell aner­kann­te Bischof von Shang­hai ist tot. Der seit lan­gem kran­ke Prä­lat starb im Alter von 97 Jah­ren. Die letz­te Zeit hat­te er im Kran­ken­haus ver­bracht, wo ihn durch Anord­nung der Behör­den nie­mand besu­chen durf­te.

Bischof Jin Luxi­an war ein umstrit­te­ner Kir­chen­fürst, dem Unter­grund­chri­sten vor­war­fen, zu regie­rungs­na­he zu sein. Der Jesu­it gilt jedoch auch als einer der wich­tig­sten Ver­tre­ter der Kir­che Chi­nas in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. Vor eini­gen Jah­ren ver­söhn­te er sich mit Rom und unter­stell­te sich dem Papst. Als Zei­chen die­ser Unter­wer­fung ver­zich­te­te er auf das Amt des Diö­ze­san­bi­schofs und wur­de von Papst Bene­dikt XVI. als Weih­bi­schof von Shang­hai aner­kannt. Ein Wech­sel, den das Regime offi­zi­ell nie nach­voll­zog. Für Peking blieb Jin Luxi­an Diö­ze­san­bi­schof, für Rom war er Weih­bi­schof. Kirch­lich aner­kann­ter Diö­ze­san­bi­schof von Shang­hai ist Msgr. Joseph Fan Zhon­gliang, der eben­falls sehr alt und krank ist.

Die Diö­ze­se gab noch kein Datum für die Beer­di­gung bekannt. Wie Asia­news berich­tet, arbei­tet hin­ge­gen die Regie­rung seit län­ge­rem an einem Pro­gramm für die Bei­set­zung des Bischofs. Das Regime ver­su­che grund­sätz­lich durch Ein­mi­schung zu dik­tie­ren, wer wich­ti­gen Zere­mo­nien vor­steht, um von Rom nicht aner­kann­te, regi­me­hö­ri­ge Bischö­fe in Sze­ne zu set­zen.

Für den Hei­li­gen Stuhl soll­te Weih­bi­schof Msgr. Thad­dä­us Ma Daqin zele­brie­ren. Ma Daqin, der vom Papst aner­kannt ist, wur­de am 7. Juli 2012 geweiht. Er soll­te die Nach­fol­ge der bei­den betag­ten Bischö­fe antre­ten und damit den Fort­be­stand der Diö­ze­se garan­tie­ren. Wäh­rend der Hei­li­gen Mes­se, in deren Rah­men er die Bischofs­wei­he emp­fing, gab er den Aus­tritt aus der regime­treu­en Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung bekannt. Nach dem Ende der Fei­er wur­de er sofort ver­haf­tet. Er befand sich seit­her unter Haus­ar­rest und kann sein Bischofs­amt nicht aus­üben. Nach unbe­stä­tig­ten Mel­dun­gen soll er vor eini­gen Tagen aus der Diö­ze­se ent­fernt und an einen unbe­kann­ten Ort gebracht wor­den sein.

Jin Luxian entstammt alter katholischer Familie

Weih­bi­schof Jin Luxi­an wur­de am 20. Juni 1916 in Shang­hai als Sohn einer bereits seit meh­re­ren Genera­tio­nen katho­li­schen Fami­lie gebo­ren. Mit 14 Jah­ren wur­de er Voll­wai­se, nach­dem er bereits vier Jah­re zuvor sei­ne Mut­ter ver­lo­ren hat­te. Nach dem Besuch katho­li­scher Schu­len trat er 1938 in den Jesui­ten­or­den ein, der zu sei­ner neu­en Fami­lie wur­de. Jin Luxi­an wuchs in einer Zeit radi­ka­ler Umbrü­che auf, auf den Sturz der Mon­ar­chie folg­te eine fra­gi­le Repu­blik mit sozia­ler Insta­bi­li­tät und poli­ti­schen Macht­kämp­fen zwi­schen Natio­na­li­sten und Kom­mu­ni­sten, dazu kam noch exter­ne Ein­fluß­nah­me durch die west­li­chen Kolo­ni­al­mäch­te und japa­ni­scher Druck.

Die katho­li­sche Kir­che bemüh­te sich durch die Früch­te der jüng­sten Mis­sio­nie­rungs­wel­le einen chi­ne­si­schen Epi­sko­pat auf­zu­bau­en und ein­zu­set­zen. 1946 wur­de der erste chi­ne­si­sche Bischof geweiht. 1945 zum Prie­ster geweiht, konn­te Jin Luxi­an vor der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me zur Aus­bil­dung nach Frank­reich, Öster­reich, Deutsch­land und Ita­li­en gehen.

1948 mit dem Sieg Mao Tse-tungs, der als „Erhe­bung“ Chi­nas pro­pa­giert wur­de, ver­än­der­te sich die Lage grund­le­gend. Die aus­län­di­schen Mis­sio­na­re und die Kir­che selbst wur­den als „streu­nen­de Hun­de des ame­ri­ka­ni­schen Kapi­ta­lis­mus“ beschimpft. Jin Luxi­an wird wie die ande­ren Katho­li­ken vom Regime vor die Alter­na­ti­ve gestellt, dem Regime oder dem Papst treu zu sein. In der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ti­on hieß es sich ent­schei­den zwi­schen der „Lie­be zum Vater­land“ und einer „aus­län­di­schen Macht“.

1955 gemeinsam mit Bischof und Hunderten Priestern und Laien verhaftet

1951 kehr­te Jin Luxi­an nach Shang­hai zurück, wo damals der Jesu­it Igna­ti­us Kung Pin-Mei Bischof war. 1955 wur­de der jun­ge Prie­ster gemein­sam mit Bischof Kung und Hun­der­ten ande­ren Prie­stern und Lai­en ver­haf­tet und fünf Jahr in Iso­la­ti­ons­haft gehal­ten. Erst 1960 wur­de er vor Gericht gestellt und zu 18 Jah­ren Gefäng­nis, Bischof Kung zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt.

1972 wur­de Jin nach 17 Jah­ren in Gefäng­nis­sen und Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern aus der Haft ent­las­sen, zumin­dest als Frei­gän­ger. Auf die­se Zeit bezie­hen sich Stim­men, die besa­gen, der jun­ge Prie­ster habe „zuviel“ mit der Poli­zei gere­det. Obwohl nie­mand Bewei­se erbrin­gen konn­te, haf­te­te Jin Luxi­an seit­her der Ruf an, ein Kol­la­bo­ra­teur zu sein. Wegen sei­ner Sprach­kennt­nis­se konn­te er als Über­set­zer arbei­ten. Die offi­zi­el­le Frei­las­sung erfolg­te erst 1982 unter Deng Xiao­ping. Obwohl die Par­tei­li­nie offi­zi­ell nicht geän­dert wur­de und wei­ter­hin die Eli­mi­nie­rung aller Reli­gio­nen for­der­te, ließ Deng Xiao­ping die Wie­der­eröff­nung von Kir­chen und Semi­na­ren zu. Natür­lich unter stren­ger staat­li­cher Über­wa­chung.

Jin Luxi­an wird 1985 vom Regime mit der Wie­der­eröff­nung des Semi­nars von Shes­han beauf­tragt und ohne päpst­li­che Zustim­mung als Weih­bi­schof von Shang­hai ein­ge­setzt. Als „patrio­ti­scher“ Bischof wur­de ein ande­rer Jesu­it, Aloy­si­us Zhang Jia­s­hu ohne Aner­ken­nung durch Rom ein­ge­setzt, wäh­rend der eigent­li­che Bischof, Msgr. Kung wei­ter­hin im Gefäng­nis sitzt.

1988 Diözesanbischof von Shanghai ohne päpstliche Anerkennung

Jin Luxi­an folg­te Msgr. Zhang Jia­s­hu 1988 im Bischofs­amt nach. Er bemüht sich um die Wie­der­in­stand­set­zung von Kir­chen, um Kon­takt zum Aus­land, die Semi­na­ri­sten­aus­bil­dung und katho­li­sche Publi­ka­tio­nen auf Chi­ne­sisch. Die Pro­fes­so­ren am Semi­nar von Shang­hai kom­men fast alle von aus­wärts, dar­un­ter auch Joseph Zen, der spä­te­re Bischof von Hong Kong und Kar­di­nal. Eben­so der Sale­sia­ner Savio Hon, heu­te Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker an der Römi­schen Kurie.

Dank sei­ner guten Bezie­hun­gen zur Par­tei­spit­ze erhält Bischof Jin Luxi­an die Erlaub­nis, sogar den Papst im Hoch­ge­bet zu erwäh­nen und das offi­zi­el­le Mis­sa­le (Novus Ordo) in chi­ne­si­scher Spra­che zu ver­wen­den, das vom Regime anson­sten abge­lehnt wird, weil es die Ver­bin­dung zum Papst sym­bo­li­siert. Er bleibt aber immer ein „patrio­ti­scher“ Bischof.

Rechtmäßiger Bischof nach 33 Jahren Lagerhaft entlassen — 1979 geheim zum Kardinal ernannt

Der recht­mä­ßi­ge und rom­treue Bischof von Schang­hai, Igna­ti­us Kung Pin-Mei, wur­de nach 33 Jah­ren auf­grund inter­na­tio­na­len Drucks aus dem Gefäng­nis ent­las­sen. Nach wei­te­ren zwei Jah­ren Haus­ar­rest durf­te er 1987 aus gesund­heit­li­chen Grün­den die Volks­re­pu­blik Chi­na ver­las­sen. Papst Johan­nes Paul II. hat­te ihn bereits 1979 in pec­to­re zum Kar­di­nal erho­ben, wie erst 1991 bekannt wur­de. Bischof Kung starb 2000 im ame­ri­ka­ni­schen Exil. Seit­her gilt der Bischofs­stuhl von Shang­hai kir­chen­recht­lich offi­zi­ell als vakant.

2005 ver­söhn­te sich Bischof Jin Luxi­an mit dem Papst. Damals wur­de fest­ge­legt, daß Msgr. Fan Zhon­gliang Ordi­na­ri­us und Msgr. Jin Luxi­an wie­der Weih­bi­schof ist. Da bei­de bereits sehr alt sind, ersucht der Vati­kan, einen Nach­fol­ger nam­haft zu haben. Die Wahl fällt auf Joseph Xing Wenzhi, des­sen Bischofs­wei­he eine der ersten ist, die sowohl vom Hei­li­gen Stuhl als auch von der Regie­rung in Peking aner­kannt wer­den. Unter Papst Bene­dikt XVI., der sich sehr um Chi­na bemüht, scheint eine Ent­span­nung der Bezie­hun­gen zwi­schen Kir­che und Staat mög­lich.

Nachfolgefrage schwierig: Bischof alt und krank, Koadjutor in Haft

Doch dann zieht das Regime plötz­lich wie­der die Schrau­ben an. 2012 gibt Msgr. Xing sei­nen Rück­tritt bekannt. Die Grün­de dafür sind bis heu­te unklar. Die Nach­fol­ge­fra­ge ist damit uner­war­tet wie­der offen. Mit der Aner­ken­nung durch Rom und Peking wird Msgr. Thad­dä­us Ma Daqin als neu­er Weih­bi­schof mit Nach­fol­ge­recht bestimmt. Sein demon­stra­ti­ver Aus­tritt aus der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung stürzt die Diö­ze­se noch am Tag sei­ner Wei­he in eine neue Kri­se.

Durch den Tod von Weih­bi­schof Jin Luxi­an hat die Fra­ge nach der Zukunft der Diö­ze­se neue Aktua­li­tät gewon­nen. Bischof Fan ist schwer krank, Bischof-Koad­ju­tor Ma befin­det sich an einem unbe­kann­ten Ort in Haft und die Diö­ze­se ist seit einem Jahr fak­tisch füh­rungs­los.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news

2 Kommentare

  1. Im Bezug auf die Über­set­zung latei­ni­scher Zita­te gilt für mich natür­lich Ent­spre­chen­des, geschenkt 😉 ! -

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