Das Konzil: Opfer gegensätzlicher Fraktionen? — Fragen zum Konzil klären, da es nicht zwei Kirchen geben kann

Zweites Vatikanisches Konzil Johannes XXIII: Fragen zum Konzil müssen beantwortet werden, weil es nicht zwei Kirchen geben kann(Rom) Im Jahr des Glau­bens, das Papst Bene­dikt XVI. als Abschluß der Tri­lo­gie über die Kar­di­nal­tu­gen­den aus­ge­ru­fen hat, wird mit zahl­rei­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen und Ver­an­stal­tun­gen auch des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gedacht, das vor 50 Jah­ren eröff­net wur­de.

Dazu führ­te Bene­det­ta Cor­te­se für Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na ein Inter­view mit Pro­fes­sor Ste­fa­no Fon­ta­na, dem Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church (Kar­di­nal Van Thu­an Beob­ach­tungs­stel­le für die Sozi­al­leh­re der Kir­che). Von Fon­ta­na ist soeben das Buch Il Con­ci­lio resti­tui­to alla Chie­sa (Das Kon­zil der Kir­che zurück­ge­ge­ben, Turin 2013) erschie­nen. Dar­in bemüht sich der Autor um eine „Wie­der­ent­deckung“ des Kon­zils durch sei­ne Inter­pre­ta­ti­on als Teil der kirch­li­chen Tra­di­ti­on und aus der Tra­di­ti­on her­aus.

Wir befin­den uns mit­ten im Jahr des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, das Bene­dikt XVI. gewis­ser­ma­ßen als Ergän­zung zum Jahr des Glau­bens woll­te. Wie sehen Sie des­sen Ver­lauf?

Mir scheint nicht, daß das Jahr des Kon­zils beson­ders hilft, das Kon­zil zu ver­ste­hen. Vie­le Ver­öf­fent­li­chun­gen legen ein­fach nur die bekann­ten Posi­tio­nen neu auf, ohne irgend­ei­nen Schritt vor­wärts zu machen.

Die unter­schied­li­chen Rea­li­tä­ten der Kir­che rufen je nach ihrer Posi­ti­on zum Zwei­ten Vati­ka­num die­sen oder jenen Refe­ren­ten zur Bestä­ti­gung einer bestimm­ten Mei­nung. Es ist das­sel­be ver­här­te­te Sche­ma, das neu prä­sen­tiert wird. Ich habe mir mehr und bes­se­res erwar­tet.

Bene­dikt XVI. hat­te mit sei­ner berühm­ten Rede vom 22. Dezem­ber 2005 die Grund­li­nie für eine rich­ti­ge Her­me­neu­tik des Kon­zils abge­steckt. Ist nichts davon geblie­ben?

Bereits damals haben die bei­den kon­trä­ren Haupt­rich­tun­gen die Rede des Pap­stes als Bestä­ti­gung ihrer jewei­li­gen Posi­tio­nen inter­pre­tiert. Dann haben sie wei­ter­ge­macht, als habe es die Rede des Pap­stes nie gege­ben.

Das Geden­ken an das Zwei­te Vati­ka­num geschieht oft mit Paro­len und Schlag­wör­tern. Wei­ter­hin greift ein irrea­les, nicht exi­sten­tes Kon­zil, das sich inzwi­schen a prio­ri kol­lek­tiv auf­ge­drängt hat. Eine Vul­ga­ta des Kon­zils, die nicht ein­mal im ent­fern­te­sten die Pro­ble­me wahr­nimmt, die hin­ter dem Kon­zil ste­hen.

Man wür­digt das Kon­zil nicht, indem man es empha­tisch ver­herr­licht, son­dern indem man es anhand der von Bene­dikt XVI. und den ande­ren Päp­sten vor ihm auf­ge­zeig­ten Grund­li­ni­en ver­steht.

Sie haben ein Buch über das Kon­zil ver­öf­fent­licht. Mit wel­cher Absicht?

Mit der Inten­ti­on das Kon­zil zu ver­ste­hen, oder anders gesagt, es an sei­nem Platz ein­zu­ord­nen. Ohne die­se Klä­rung kommt die Kir­che nicht aus. So tun, als ob es das Pro­blem nicht gäbe, bedeu­tet kon­kret, die Exi­stenz von zwei Kir­chen zu akzep­tie­ren. Das Kon­zil ist ein Pro­blem, dem man nicht aus­wei­chen kann.

Ist das Kon­zil ein Pro­blem oder die Nach­kon­zils­zeit?

Die Umset­zung des Kon­zils war ein Pro­blem, aber auch das Kon­zil selbst. Das bedeu­tet weder daß das Kon­zil nicht mit Auto­ri­tät aus­ge­stat­tet war noch daß es nicht Gehor­sam ver­dient, geschwei­ge denn, daß es Irr­tü­mer ent­hal­ten wür­de oder ein „min­de­res“ Kon­zil wäre.

Wor­in besteht dann das Pro­blem Kon­zil?

Es besteht in sei­ner pasto­ra­len Natur. Es scheint para­dox, aber es ist so. Die pasto­ra­le Natur des Kon­zils soll­te die Lösung der Pro­ble­me sein, statt des­sen ist sie das Pro­blem gewor­den.

Inwie­fern?

Ich zäh­le kurz nur eini­ge pro­ble­ma­ti­sche Kno­ten auf, die mit der pasto­ra­len Natur des Zwei­ten Vati­ka­nums ver­bun­den sind. Waren die frü­he­ren Kon­zi­le nicht pasto­ral? Es waren dog­ma­ti­sche Kon­zi­le: Hat das Dog­ma aber nichts mit der Seel­sor­ge zu tun? Ist ein rei­nes Pasto­ral­kon­zil mög­lich, das nicht auch die Glau­bens­dok­trin über­denkt? Für Paul VI. stand fest, daß dem nicht so sein soll­te.  Also hat das Zwei­te Vati­ka­num auch die Glau­bens­leh­re über­dacht? War sie also auch ein dokrti­nel­les, wenn auch nicht ein dog­ma­ti­sches Kon­zil? Wel­chen Wert hat die vom Zwei­ten Vati­ka­num fest­ge­leg­te Leh­re, da das Kon­zil selbst den Anspruch erhob, nur ein pasto­ra­les zu sein? Das Vati­ka­ni­sche Kon­zil woll­te nicht die Glau­bens­leh­re über­den­ken, son­dern sich mit pasto­ra­len Fra­gen befas­sen, doch die pasto­ra­len Erfor­der­nis­se mach­ten auch ein Über­den­ken der Dok­trin not­wen­dig und auf die­se Wei­se hat­te man plötz­lich ein Pasto­ral­kon­zil, das die gan­ze Glau­bens­leh­re über­dach­te, viel­leicht mehr als frü­he­re Kon­zi­le, die sich nur zu ein­zel­nen Glau­bens­sät­zen äußer­ten. Das sind nur eini­ge Bei­spie­le.

Bene­dikt XVI. sag­te, daß das Kon­zil kein Super­dog­ma ist. Doch als er zum Papst gewählt wur­de, sag­te er sofort, er wol­le das Kon­zil umset­zen. Wie behan­deln Sie die­se Fra­ge in Ihrem Buch?

Das Kon­zil ist oft ein Super­dog­ma gewor­den. Ein wei­te­res Para­dox: Ein Pasto­ral­kon­zil, das super­dog­ma­tisch wird. Es scheint, als wäre alles, was die Kir­che vor­her getan hat, falsch gewe­sen. Die Zele­bra­ti­on der Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus wur­de als Haupt­hä­re­sie betrach­tet, doch genau so hat­te die Kir­che immer zele­briert. Der Kate­chis­mus von Pius X. wur­de fak­tisch als häre­tisch betrach­tet. Jeder, der das Lehr­amt bestritt und angriff, wur­de plötz­lich als „Vor­läu­fer“ des Kon­zils kano­ni­siert. Wie kann man sol­che par­tei­ischen und zwang­haf­ten Inter­pre­ta­tio­nen ver­mei­den? Indem man das Kon­zil umsetzt, wie Bene­dikt XVI. sag­te. Um es aber umset­zen zu kön­nen, muß man sei­ne wah­re Rea­li­tät ver­ste­hen. Ich sehe daher kei­nen Wider­spruch zwi­schen den bei­den Aus­sa­gen Bene­dikts XVI.

Sie sagen: das Kon­zil in sei­ner „wah­ren Rea­li­tät ver­ste­hen“. Ihr Buch trägt den Titel „Das Kon­zil der Kir­che zurück­ge­ben“. Ist das damit gemeint?

Ja, so ist es. Die Welt hat sich oft des Kon­zils bemäch­tigt. Die Kir­che muß es für sich zurück­ge­win­nen und ihm in ihrer Tra­di­ti­on sei­nen Platz zuwei­sen. Dabei gilt es aber die Nomi­na­lis­men zu über­win­den. Alle erklä­ren sich mit die­ser Fest­stel­lung ein­ver­stan­den, doch dann haben sie unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen von der Tra­di­ti­on und damit beginnt das Miß­ver­ständ­nis wie­der von vor­ne.

Wel­ches sind die der­zeit wich­tig­sten The­sen zur Tra­di­ti­on?

Ich wür­de sagen, jene von Ratz­in­ger und jene von Rah­ner. Gemäß der ersten gibt es einen Kern unab­än­der­li­cher Wahr­hei­ten, die im histo­ri­schen Kon­text der Tra­di­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Gemäß der zwei­ten ist die Inter­pre­ta­ti­on und die Rezep­ti­on der Tra­di­ti­on inte­gra­ler Teil der Bot­schaft selbst. Bei erste­rer kommt der Pri­mat der Glau­bens­leh­re zu, bei zwei­te­rer der Seel­sor­ge.

Bedeu­tet das, daß das Zwei­te Vati­ka­num den Vor­rang der Seel­sor­ge vor der Glau­bens­leh­re pro­kla­miert hat?

Tat­säch­lich hat heu­te die Seel­sor­ge soweit die Ober­hand über die Dok­trin gewon­nen, daß sie sie in vie­len Fäl­len ver­schwin­den läßt. In eini­gen Kapi­teln mei­nes Buches beschrei­be ich vie­le kirch­li­che Ent­schei­dun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen, die dies auf brei­ter Basis bele­gen. Das Pro­blem ist, fest­zu­stel­len, ob die­ser pasto­ra­le Pri­mat im Zwei­ten Vati­ka­num selbst ent­hal­ten ist oder des­sen ver­zerr­ter Umset­zung zuzu­schrei­ben ist.

Mei­ne The­se, die ich im Buch dar­le­ge, lau­tet, daß es im Zwei­ten Vati­ka­num „Spal­ten“ gibt, durch die danach die Idee des pasto­ra­len Pri­mats in die Kir­che ein­ge­drun­gen ist. Nicht gewoll­te Spal­ten, aber eben Spal­ten. Es war weder die Absicht der Päp­ste noch der Kon­zils­vä­ter, auch wenn man histo­risch nach­wei­sen kann, daß eini­ge Kon­zils­vä­ter For­men des Moder­nis­mus in die Glau­bens­leh­re der katho­li­schen Kir­che ein­füh­ren woll­ten. Das ist aber nicht gesche­hen, wegen der dok­tri­nel­len und pasto­ra­len Wach­sam­keit der Päp­ste und durch den Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes.

In den 60er Jah­ren behaup­te­ten alle Theo­lo­gien, die gera­de in Mode waren, den Pri­mat der Pra­xis vor der Theo­rie…

In der Tat so war es. Weder Johan­nes XXIII. noch Paul VI. woll­ten dies. Das Behar­ren auf der pasto­ra­len Natur des Kon­zils eig­ne­te sich jedoch auch für sol­che Inter­pre­ta­tio­nen.

Um ein Bei­spiel zu nen­nen: Gegen­über der Welt äußer­te das Kon­zil auf aus­drück­li­che Vor­ga­be Johan­nes XXIII. mehr Aner­ken­nung als Ver­ur­tei­lung. Die Theo­lo­gien jener Zeit sag­ten, daß Chri­stus die Welt liebt und nicht die Kir­che. Damit annul­lier­ten sie die heils­not­wen­di­ge Mis­si­on der Kir­che gegen­über der Welt. Die bei­den Din­ge sind unver­ein­bar, aber das Kli­ma der 60er Jah­re, die soge­nann­te „Öff­nung zur Welt“ lie­fer­te Spal­ten auch für die­se ver­dreh­ten Inter­pre­ta­tio­nen, die bis in unse­re Tage bit­te­re Früch­te her­vor­brin­gen.

Woll­te das Kon­zil, Ihrer Mei­nung nach, eine voll­stän­di­ge Leh­re über das Ver­hält­nis mit der Welt her­vor­brin­gen?

Ein wei­te­res Pro­blem, dem sein Platz zuzu­ord­nen und das der Kir­che zurück­ge­ge­ben wer­den muß. Das Kon­zil woll­te nicht die gesam­te katho­li­sche Glau­bens­leh­re dar­le­gen. Dafür gibt es den Kate­chis­mus. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, daß Gau­di­um et spes nicht den Anspruch erhob, die gesam­te Leh­re über das Ver­hält­nis Kir­che-Welt dar­zu­le­gen.

In der Pasto­ral­kon­sti­tu­ti­on wird nichts über den Kom­mu­nis­mus gesagt. Ist es mög­lich, lehr­mä­ßig umfas­send das Ver­hält­nis zur moder­nen Welt dar­zu­le­gen, ohne über den Kom­mu­nis­mus zu reden? Die Ent­schei­dung hat­te pasto­ra­le Grün­de. Sie zog jedoch lehr­mä­ßi­ge Kon­se­quen­zen nach sich. Wer aber auf die­ser Grund­la­ge den Schluß zieht, daß der Kom­mu­nis­mus für die Kir­che kein Pro­blem mehr ist, nur weil das Kon­zil nicht über ihn sprach, der wür­de die Din­ge ein­deu­tig miß­ver­ste­hen. Das wäre als wür­de man behaup­ten, der Teu­fel sei für die Kir­che kein Pro­blem mehr, nur weil das Zwei­te Vati­ka­num nichts dar­über sagt. Dar­über spricht aber der Kate­chis­mus.

Es ist aus­ge­spro­chen schäd­lich zu behaup­ten, das Zwei­te Vati­ka­num habe den Wil­len gehabt, in toto den Glau­ben der Kir­che dar­zu­stel­len. Das hie­ße das Kon­zil zu einem Super­dog­ma zu sti­li­sie­ren, das sogar noch über dem Kate­chis­mus und über der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on steht.

Es ist aber auch sinn­los zu leug­nen, daß das nicht ver­sucht wur­de und daß es wei­ter­hin ver­sucht wird.

In Ihrem Buch behan­deln Sie aus­führ­lich das Pro­blem der Spra­che der Doku­men­te des Zwei­ten Vati­ka­nums. Kön­nen Sie uns etwas dazu sagen?

Das Zwei­te Vati­ka­num war kein dog­ma­ti­sches Kon­zil, des­halb gebrauch­te es nicht die für Kon­zi­le übli­che defi­nie­ren­de Spra­che, son­dern eine Spra­che, die man­che als nar­ra­tiv bezeich­nen. Aus die­sem Grund ist es häu­fig schwer, sei­ne Leh­ren mit Sicher­heit zu ver­ste­hen. Den Satz eines Doku­ments muß man zwin­gend mit ande­ren Sät­zen des­sel­ben Doku­ments ver­knüp­fen und häu­fig muß man das Bild durch Ver­wei­se auf ande­re Kon­zils­do­ku­men­te ver­voll­stän­di­gen. Häu­fig gewinnt man nicht ein­mal dadurch einen Über­blick über das behan­del­te Argu­ment. Tat­sa­che ist, daß das Lehr­amt im nach­hin­ein vie­le Din­ge prä­zi­siert hat. Wenn alles klar gewe­sen wäre, hät­te kei­ne Not­wen­dig­keit dafür bestan­den.

Zum Bei­spiel der berühm­te erste Satz von Gau­di­um et spes, der immer von allen zitiert wird, auch von jenen, die vom Kon­zil nie etwas ande­res gele­sen haben, ver­mit­telt kei­ne prä­zi­se theo­lo­gi­sche Aus­sa­ge. Er muß durch ande­re Sät­ze des Doku­ments und ande­rer Doku­men­te erst ergänzt und ver­voll­stän­digt wer­den, um als Aus­sa­ge gel­ten zu kön­nen. Häu­fig wird aber das Kon­zil effekt­hei­schend mit aus dem Zusam­men­hang geris­se­nen Sät­zen zitiert, bleibt man bei die­sen ste­hen und macht dar­aus eine Glau­bens­de­fi­ni­ti­on.

Bene­di­kit XVI. wur­de als Anti­kon­zi­lia­rist bezeich­net. Was den­ken Sie dar­über?

Die Päp­ste sind weder Kon­zi­lia­ri­sten noch Anti­kon­zi­lia­ri­sten, oder anders aus­ge­drückt, weder dog­ma­ti­sie­ren sie das Kon­zil, indem sie es über den von den Apo­steln gelehr­ten Glau­ben stel­len noch liqui­die­ren sie es als einen Betriebs­un­fall. Das Kon­zil ist in die Tra­di­ti­on der Kir­che, aus der allein es Licht emp­fängt, an dem ihm zuste­hen­den Platz ein­zu­rei­hen.

Was ist also zu tun?

Die zu lei­sten­de Arbeit ist lang­wie­rig. Bene­dikt XVI. hat die Rich­tung vor­ge­ge­ben. Man muß über das Kon­zil reden, aber nicht indem man von den eige­nen chro­ni­schen ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nen oder vor­ge­fer­tig­ten, ein­stu­dier­ten Schlag­wör­tern aus­geht.

Bene­dikt XVI. hat einen Weg auf­ge­zeigt: eine Bewe­gung von unten, die unter der Lei­tung des Pap­stes das Kon­zil wie­der­ent­deckt als Teil der Tra­di­ti­on der Kir­che und aus die­ser her­aus inter­pre­tiert und nicht im Wider­spruch zu ihr. Eine Wie­der­ent­deckung nicht im Zei­chen des Bruchs, son­dern der Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät, lang­sam fort­schrei­tend durch Ver­tie­fung und immer bewuß­ter, wie sie die gesam­te Kir­chen­ge­schich­te aus­zeich­net. Ich hof­fe, daß auch mein Buch dazu bei­tra­gen kann.

Das Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church ist nach dem viet­na­me­si­schen Kar­di­nal Van Thu­an benannt, der von 1998 bis 2001 Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Rats für Gerech­tig­keit und Frie­den war. Von 1975 bis 1988 war der katho­li­sche Bischof drei­zehn Jah­re in kom­mu­ni­sti­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern inhaf­tiert. Direk­tor des Insti­tuts ist Pro­fes­sor Ste­fa­no Fon­ta­na, Vor­sit­zen­der ist Erz­bi­schof Giam­pao­lo Crepal­di von Tri­est. Der Sitz der Beob­ach­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­stel­le befin­det sich in der nord­ita­lie­ni­schen Stadt Vero­na.

Text: NBQ/Giuseppe Nar­di
Bild: Nuo­ba Bus­so­la Quo­ti­dia­na

24 Kommentare

  1. Das Kon­zil war nie und wird nie ein „Super­dog­ma“ sein. Was soll das auch sein? Es ist aber kir­chen­recht­lich und dog­ma­tisch die Vor­ga­be, wie Christ­sein heu­te gestal­tet wer­den soll.

  2. „Ich wür­de sagen, jene von Ratz­in­ger und jene von Rah­ner. Gemäß der ersten gibt es einen Kern unab­än­der­li­cher Wahr­hei­ten, die im histo­ri­schen Kon­text der Tra­di­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Gemäß der zwei­ten ist die Inter­pre­ta­ti­on und die Rezep­ti­on der Tra­di­ti­on inte­gra­ler Teil der Bot­schaft selbst. Bei erste­rer kommt der Pri­mat der Glau­bens­leh­re zu, bei zwei­te­rer der Seel­sor­ge.“
    Genau hier aber liegt der Irr­tum in der Ein­schät­zung. Die Linie von Joseph Ratz­in­ger ist jene, die durch den Pro­gres­sis­mus cha­rak­te­ri­siert ist, die Linie die in der „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ die „Wahr­heit des Geschicht­li­chen, der Geschich­te“ aner­kennt. Alles ist der Geschich­te unter­wor­fen, nichts ist bestän­dig, die Sub­jek­te ändern sich.
    Die Linie von Karl Rah­ner ist jene der Moder­ni­sten. Hier ist die Wahr­heit geschicht­lich, sie ist der Zeit unter­wor­fen, und von daher ist sie immer in einem pasto­ra­len Rah­men zu sehen.
    Karl Rah­ner und Joseph Ratz­in­ger haben bei­de Dog­ma­tik und Fun­da­men­tal­theo­lo­gie gelehrt, bei­de aber haben in je unter­schied­li­chen Haupt­wer­ken die Theo­lo­gie maß­geb­lich bestimmt. Karl Rah­ner in sei­nem „Hand­buch der Pasto­ral­theo­lo­gie“ und Joseph Ratz­in­ger in sei­ner „Theo­lo­gi­schen Prin­zi­pi­en­leh­re“
    Prof- Fon­ta­na unter­liegt hier dem Feh­ler des „Ter­ti­um non datur“. Es gab die Scho­la­stik, die „Römi­sche Schu­le“ von Ghir­la­ni und Tar­di­ni. Es gab eben auch dort die pasto­ra­len Hin­wei­se, etwa zur Sün­den­leh­re und zur Kate­che­se, die sehr wohl den moder­nen Men­schen im Blick hat­tes, die Leh­re der Kir­cheaber im Mit­tel­punkt gelas­sen haben. Die „Her­me­neu­tik der Tra­di­ti­on“ wie sie spä­ter durch Siri und Otta­via­ni prak­ti­ziert wur­de wäre die rich­ti­ge gewe­sen. Dann wären die Sche­ma­ta Johan­nes XXIII unbe­scha­det geblie­ben und das Kon­zil hät­te nicht geschicht­lich mit einem bruch begon­nen. Das Kon­zil hat­te schon gebro­chen mit der Tra­di­ti­on, bevor es begon­nen hat­te. Und so bekam es den scha­len Geschmack einer „Räu­ber­syn­ode“. Roma, Roma, con­ver­te­re ad DOMINUM DEUM TUUM!

    • Die Wahr­heit ist bei Rah­ner — man muss ihn nicht mögen — gewiss nicht der Zeit unter­wor­fen.

  3. Jeder der das VK II ver­tei­digt, ver­tei­digt somit auch die Unhei­li­gen Früch­te die­ses nicht dog­ma­ti­schen Kon­zils, man kann noch so oft behaup­ten und davon Reden dass es eine „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät “ gibt, aber wenn nur die „Her­me­neu­tik des Bru­ches und Dis­ko­ni­tui­tät “ sicht­bar für alle ist, fragt man sich ja doch wo ist die­se Kon­ti­nui­tät geblie­ben???? Allei­ne die Tat­sa­che das die Kir­che nach den Kon­zil von einer Glau­bens­kri­se in die näch­ste rutsch­te, hät­te vor Jah­ren schon dazu füh­ren müßen, das die Tex­te des Kon­zils auf Irr­tü­mer über­prüft wer­den hät­te sol­len.

    Aber um ja kei­nen vor den Kopf zu sto­ßen, oder gar als Feind der Kir­che hin­zu­stel­len, wur­den die­se Früch­te mit Blind- Taub- und Stumm­heit hin­ge­nom­men und unter dem Mot­to „Wer schweigt Dul­det“ auch noch geför­dert. Haupt­sa­che gewis­se Wöl­fe konn­ten in der Hier­ar­chie hoch­stei­gen und ihre Anti­ka­tho­li­schen Gedan­ken ver­stärkt ver­brei­ten, und nur weni­ge Hir­ten stell­ten sich die­sen Irr­leh­rern Tap­fer ent­ge­gen, der Rest will ja doch nur sei­ne Ruhe und gefüll­te Brief­ta­schen und Bäu­che.

    Mir konn­te bis­her ein ein­zi­ger Kon­zils­ver­tei­di­ger, die angeb­lich guten Früch­te des VK II ben­nen, ohne das sich die Früch­te bei nähe­rer Betrach­tung als schlech­te Früch­te her­aus­stell­ten.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

  4. Das ordent­li­che Lehr­amt der Päp­ste ist gera­de­zu defor­miert. Die berühm­te „Rede des Pap­stes vom 22. Dezem­ber 2005“ wird immer wie­der neu gedeu­tet, es wird Bezug dar­auf genom­men von Theo­lo­gen, sar­ka­stisch könn­te man sagen — bis zum Jüng­sten Tag…
    Bis Pius XII. war es üblich, dass Päp­ste wich­ti­ge, offe­ne theo­lo­gi­sche Fra­gen nicht in Reden vor einem bestimm­ten Kreis anschnit­ten, son­dern in lehr­amt­lich ver­bind­li­cher Form der gesam­ten Kir­che vor­leg­ten, nor­ma­ler­wei­se in einer Enzy­kli­ka. Die dann auch die päpst­li­che Ant­wort ent­hielt. Jetzt über­neh­men Pro­fes­so­ren die eigent­li­che Auf­ga­be des Pap­stes, die­se Rede zu einem Ende zu brin­gen. Ver­geb­lich, denn die Beant­wor­tung einer so wich­ti­gen Fra­ge wäre die Auf­ga­be des Pap­stes gewe­sen, zumal es sein spe­zi­el­les Kern­the­ma war. Er hat gefor­dert, das Kon­zil im Lich­te der Tra­di­ti­on zu sehen. Doch wenn es wirk­li­che Brü­che gab, dann hilft kei­ne „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät.“ Ein Bruch ver­schwin­det nicht, wenn man ihn ver­schlei­ert. Und so wun­dert es nicht, dass Bene­dekt XVI. kei­ne Enzy­kli­ka zu sei­nem Haupt­the­ma ver­fas­sen konn­te.
    Nach den Enzy­kli­ken über die Lie­be und die Hoff­nung muss­te man erwar­ten, dass zum Jahr des Glau­bens die über­fäl­li­ge Enzy­kli­ka über den Glau­ben fol­gen wür­de. Dass sie nicht kam, wun­dert nur die­je­ni­gen nicht, die sich mit sei­ner Theo­lo­gie näher befas­sen. Hier hät­te er sich ein­deu­tig fest­le­gen müs­sen. Sei­ne Theo­lo­gie ließ das nicht zu.
    Wenn „alles der Geschich­te unter­wor­fen ist“ — Chri­stoph Rhein — dann ist es auch der Glau­be. Doch das ist ein­deu­tig ein Bruch zwi­schen der Ver­gan­gen­heit und der Gegen­wart und wider­spricht dem über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben.
    Mit die­sem Wider­spruch in sich konn­te Bene­dikt XVI. kei­ne Enzy­kli­ka über den Glau­ben ver­fas­sen. Es ist umsonst, dass Theo­lo­gen ver­su­chen, die­sen Wider­spruch zu ver­schlei­ern. Mit fal­schen Grund­prin­zi­pi­en gibt es kei­ne rich­ti­ge Lösung.

  5. Für mich gibt Papst Bene­dikt XVI. sel­ber den Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Kon­zils:

    „Es gab eine unglaub­li­che Erwar­tungs­hal­tung. Wir hoff­ten, alles wür­de sich erneu­ern, es wür­de wirk­lich ein neu­es Pfing­sten, ein neu­es Zeit­al­ter der Kir­che kom­men, denn die Kir­che war zu jener Zeit noch recht stark, die Teil­nah­me am Sonn­tags­got­tes­dienst noch recht ver­brei­tet, die Beru­fun­gen zum Prie­ster­tum und zum Ordens­le­ben waren bereits ein wenig zurück­ge­gan­gen, aber noch aus­rei­chend. Man spür­te jeden­falls, dass es mit der Kir­che nicht vor­wärts ging, dass sie abnahm, dass sie eher als etwas Ver­gan­ge­nes, denn als Trä­ge­rin der Zukunft erschien. In jenem Moment hoff­ten wir, dass die­se Rela­ti­on sich erneu­ern, sich ver­än­dern wür­de; dass die Kir­che wie­der zu einer Kraft der Zukunft und der Gegen­wart wer­den wür­de. […] So waren wir von Hoff­nung und Begei­ste­rung erfüllt, sowie von dem Wil­len, das Unse­re dazu bei­zu­steu­ern.“ (Anspra­che von Papst Bene­dikt XVI. an die Prie­ster der Diö­ze­se Roms am 14.02.2013).

    Wenn die Erneue­rung der Kir­che die Inten­ti­on des Kon­zils war, die Kir­che wie­der zu einer Kraft der Zukunft und der Gegen­wart wer­den soll­te, dann muss man 50 Jah­re nach dem Kon­zil nüch­tern fest­stel­len, dass die­ses Ziel gewal­tig ver­fehlt wur­de! Die die Teil­nah­me am Sonn­tags­got­tes­dienst ist mas­siv zurück­ge­gan­gen die Beru­fun­gen zum Prie­ster­tum und zum Ordens­le­ben so gut wie erlo­schen. Die 50er Jah­re erschei­nen im Ver­gleich zu heu­te wie eine fan­ta­sti­sche Zeit.

    Die Rezep­ti­on des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, im Prin­zip das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil an sich (ich hal­te es für lächer­lich 50 Jah­re nach dem Kon­zil zu behaup­ten, das Kon­zil an sich sei gut, nur des­sen Umset­zung sei sub­op­ti­mal gewe­sen) war gemes­sen an dem eige­nen Anspruch ein gewal­ti­ger Fehl­schlag.

    Was ist zu tun?

    Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch sagen, dass A falsch war. Da das Kon­zil nicht zu einem neu­en Früh­ling geführt, son­dern für die Kir­che eher den Win­ter ein­ge­läu­tet hat, soll­te man es bei­sei­te legen.

    • „Die Rezep­ti­on des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, im Prin­zip das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil an sich (ich hal­te es für lächer­lich 50 Jah­re nach dem Kon­zil zu behaup­ten, das Kon­zil an sich sei gut, nur des­sen Umset­zung sei sub­op­ti­mal gewe­sen) war gemes­sen an dem eige­nen Anspruch ein gewal­ti­ger Fehl­schlag.
      Was ist zu tun? Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch sagen, dass A falsch war. Da das Kon­zil nicht zu einem neu­en Früh­ling geführt, son­dern für die Kir­che eher den Win­ter ein­ge­läu­tet hat, soll­te man es bei­sei­te legen.“
      Damit erwei­sen Sie sich als Super­pro­te­stant. Denn als der Erz­ket­zer und Kir­chen­spal­ter „Luther“ die berühmt-berüch­tig­te Aus­sa­ge mach­te „Auch Kon­zi­li­en kön­nen irren“, hat­te er end­gül­tig den Rubi­kon über­schrit­ten und wur­de zu Recht exkom­mu­ni­ziert und dann für vogel­frei erklärt. Genau dies sagen Sie jetzt auch in Bezug auf das V II.

      • Das ist nicht wirk­lich Ihr Ernst, Dun­kel­ka­tho­lik, oder? Sie wis­sen schon, war­um Mar­tin Luther exkom­mu­ni­ziert wur­de? Die 41 Irr­tü­mer, die Papst Leo X. in der Bann­an­dro­hungs­bul­le „Exsur­ge Domi­ne“ vom 15. Juni 1520 ver­ur­teilt hat, sind Ihnen bekannt?

        Oder wie soll ich Sie ver­ste­hen?

        Aber ich will Ihnen hel­fen, viel­leicht ergrei­fen Sie ja die­sen Stroh­halm: mei­nen Sie mit Ihrem Vor­wurf den Irr­tum Nr. 29?

        „Via nobis fac­ta est ener­van­di auc­to­ri­tatem Con­ci­lio­rum, et libe­re con­tra­di­cen­di eorum gestis, et iudi­can­di eorum decre­ta, et con­fi­den­ter con­fi­ten­di quid­quid ver­um vide­tur, sive pro­ba­tum fue­rit, sive repro­ba­tum a quo­cum­que Con­ci­lio.“ — „Uns ist der Weg gemacht, die Auto­ri­tät der Kon­zi­li­en zu ent­kräf­ten, ihren Aus­füh­run­gen frei zu wider­spre­chen, ihre Dekre­te zu beur­tei­len und zuver­sicht­lich alles zu beken­nen, was wahr scheint, ob nun von was für einem Kon­zil auch immer gebil­ligt oder ver­wor­fen wur­de.“

        Wis­sen Sie, was Luther mit sei­ner The­se mein­te, und war­um Leo X. die­sen Irr­tum als sol­chen bezeich­ne­te, Dun­kel­ka­tho­lik? Oder raten Sie bei Ihrer mög­li­chen Ant­wort?

        • Wenn Johan­nes XXIII. und Paul VI. recht­mä­ßig gewählt waren und recht­mä­ßig im Amt blie­ben, dann sind auch alle Kon­zils­be­schlüs­se rechts­gül­tig — und bis auf päpst­li­chen und/oder kon­zi­lia­ren Wider­ruf umzu­set­zen. Der Hl. Geist spricht zu uns durch die con­ci­lia. Auch durch das Zwei­te Vati­ca­num.

        • Ich weiuß sehr wohl, was der Erz­ket­zer und Tot­schlä­ger mit sei­ner unse­li­gen The­se mein­te. Das­sel­be wie Sie, lei­der Got­tes. Denn wenn Sie hier Papst Leo X. anfüh­ren, dann ver­schwei­gen Sie lei­der, daß der Papst die­se Aus­sa­ge aus­schließ­lich auf sich selbst bezog, kraft sei­ner sacra potestas. Dies aber wohnt allein einem Papst inne — nur die­ser kann erklä­ren, ob ein Kon­zil evt. irrt (wozu der viel zu wei­che Bene­dikt XVI. trotz rich­ti­ger Ein­sicht lei­der nie den Mut hat­te) — nicht aber der gemei­ne Gläu­bi­ge, sei er nun ein Luther oder ein „Nas­sau­er“. Wenn Sie in Bezug auf das V II den­noch tun, was kein papst bis­her getan hat (noch ein­mal: was ich bedau­re), dann stel­len Sie sich klar auf die Sei­te des Erz­ket­zers.

  6. Fort­set­zung: Wenn also das Kon­zil gemes­sen an den Erwar­tun­gen der Kon­zils­teil­neh­mer geschei­tert ist, war­um legt man die­ses nicht ad acta? War­um macht man genau das Gegen­teil? War­um fei­ert man das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil ab, ver­an­stal­tet Gedenk- und Jubel­ver­an­stal­tun­gen?

    Weil die Kir­che das Kon­zil bei­sei­te gelegt hat.

    Nicht in dem Sin­ne, wie sich dies tra­di­tio­nel­le Krei­se in der Kir­che vor­stel­len. Aber für die Kir­che spielt das Kon­zil kei­ne beson­de­re Rol­le, sind die Kon­zils­tex­te dem Grun­de nach irrele­vant. Oder ist schon jeman­dem zu Ohren bekom­men, dass auf den zahl­lo­sen Ver­an­stal­tun­gen zum Kon­zils­ju­bi­lä­um Kon­zils­tex­te rezi­piert wur­den? Ange­sichts der Unver­ständ­lich­keit und der damit ein­her­ge­hen­den Lang­wei­le könn­ten die Tex­te doch wun­der­bar für Medi­tia­tio­nen die­nen, oder?

    Nichts davon ist der Fall. Weil das Kon­zil für eine neue Theo­lo­gie, eine neue Ekkle­sio­lo­gie, für ein neu­es Sakra­men­ten­ver­ständ­nis steht, wel­ches durch das Kon­zil zum Durch­bruch kam. Ob auf dem Kon­zil eine ent­spre­chen­de Basis gelegt wur­de, ist schluss­end­lich egal. Ent­schei­dend ist die Tat­sa­che, dass das Kon­zil ein Wen­de­punkt war. Um es mit einem Bei­spiel aus dem Fuß­ball aus­zu­drücken: man fei­ert die Mei­ster­schaft, weni­ger das ent­schei­den­de 1–0.

    Ent­spre­chend fin­de ich die Ver­su­che, den Tex­ten des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils einen Sinn im Rah­men der Tra­di­ti­on zu geben, rüh­rig. Weil das schlicht so gut wie nie­man­den, noch nicht mal die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zu inter­es­sie­ren scheint. Das erin­nert mich, um ein wei­te­res Bei­spiel aus dem Fuß­ball zu neh­men, an die Erklä­rung des Repor­ters, dass die Ecke vor dem 1–0 unbe­rech­tigt war; egal das 1–0 zählt trotz­dem.

    Die Kir­che wird daher nach mei­ner Mei­nung ihre Kri­se nur dann über­win­den, wenn sie die neue Theo­lo­gie, die neue Ekkle­sio­lo­gie, das neue Sakra­men­ten­ver­ständ­nis über­win­det, und weni­ger, wenn sie die Kon­zils­tex­te so biegt, dass sie gera­de noch in die Tra­di­ti­on pas­sen.

    Des­halb muss das Kon­zil über­wun­den wer­den, es vedeckt das Wesent­li­che.

  7. Aus dem Jah­re 1966 !
    Teil 1:

    HEILIGE KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
    Rund­schrei­ben an die Prä­si­den­ten der Bischofs­kon­fe­ren­zen
    zu eini­gen Erklä­run­gen und Irr­tü­mern bezüg­lich
    der Inter­pre­ta­ti­on der Beschlüs­se des
    Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils

    -
    „[.…]Den­noch muss man bedau­er­li­cher­wei­se zuge­ben, dass von ver­schie­de­nen Sei­ten alar­mie­ren­de Nach­rich­ten über Miss­bräu­che ein­ge­gan­gen sind, die sich auf Inter­pre­ta­tio­nen der Kon­zils­leh­re beru­fen, so wie auch über merk­wür­di­ge und gewag­te Mei­nun­gen, die die See­len vie­ler Gläu­bi­ger in nicht gerin­ger Wei­se ver­wirr­ten. Stu­di­en und Bemü­hun­gen mit dem Ziel, die Wahr­heit tie­fer zu erfas­sen und ehr­lich zu unter­schei­den zwi­schen dem, was Gegen­stand des Glau­bens, und dem, was dis­ku­tier­bar ist, sind lobens­wert. Aus den von die­ser Hei­li­gen Kon­gre­ga­ti­on unter­such­ten Doku­men­ten gehen aber nicht weni­ge Behaup­tun­gen her­vor, die weit über die Gren­zen von Hypo­the­sen oder ein­fa­chen Mei­nun­gen hin­aus­ge­hen und in einem gewis­sen Maße das Dog­ma selbst und die Grund­la­gen des Glau­bens zu berüh­ren schei­nen.
    Bei­spiel­haft soll auf eini­ge die­ser Mei­nun­gen und Irr­tü­mer hin­ge­wie­sen wer­den, die uns aus den Berich­ten kom­pe­ten­ter Per­so­nen und ver­öf­fent­li­chen Schrif­ten bekannt sind

    1) An erster Stel­le ist im Bezug auf die Hei­li­ge Offen­ba­rung fest­zu­stel­len, dass man­che, die sich auf die Hei­li­ge Schrift beru­fen, absicht­lich die Tra­di­ti­on bei­sei­tel­as­sen, dann aber das Aus­maß und die Kraft der Inspi­ra­ti­on und Irr­tums­lo­sig­keit der Bibel ein­gren­zen und zudem kein rech­tes Ver­ständ­nis vom Wert der histo­ri­schen Tex­te haben.

    2) Bezüg­lich der Glau­bens­leh­re wird behaup­tet, die dog­ma­ti­schen For­meln sei­en der­art der histo­ri­schen Ent­wick­lung unter­wor­fen, dass auch ihre objek­ti­ve Bedeu­tung der Ver­än­de­rung unter­liegt.

    3) Das ordent­li­che Lehr­amt der Kir­che, beson­ders des römi­schen Pap­stes, wird manch­mal grob ver­nach­läs­sigt und geschmä­lert, ja fast schon in den Bereich der frei­en Mei­nun­gen ver­bannt.

    4) Man­che erken­nen eine abso­lu­te, fest­ste­hen­de und unver­än­der­li­che objek­ti­ve Wahr­heit nicht an und unter­wer­fen statt­des­sen alles einem gewis­sen Rela­ti­vis­mus, unter dem Vor­wand, dass jede Wahr­heit not­ge­drun­gen dem Ent­wick­lungs­rhyth­mus des Bewusst­seins und der Geschich­te folgt.

    5) Sogar die anbe­tungs­wür­di­ge Per­son Unse­res Herrn Jesus Chri­stus wird in Fra­ge gestellt: Bei der Aus­ar­bei­tung der chri­sto­lo­gi­schen Leh­re über Natur und Per­son wer­den Begrif­fe ver­wen­det, die nur schwer mit den dog­ma­ti­schen Defi­ni­tio­nen ver­ein­bar sind. Es geht ein gewis­ser chri­sto­lo­gi­scher Huma­nis­mus um, der Chri­stus auf die Befind­lich­keit eines blo­ßen Men­schen ver­kürzt, der erst nach und nach das Bewusst­sein sei­ner Got­tes­sohn­schaft erlangt hat. Dass er von einer Jung­frau emp­fan­gen wur­de, Wun­der gewirkt hat und von den Toten auf­er­stan­den ist, wird nur dem Wort nach zuge­ge­ben, in Wahr­heit aber auf die rein natür­li­che Ord­nung ver­kürzt.

  8. Teil 2:

    „6) In ähn­li­cher Wei­se igno­riert man auch eini­ge Ele­men­te der Sakra­men­ten­theo­lo­gie oder misst ihnen, beson­ders was die Eucha­ri­stie angeht, nicht die gebo­te­ne Bedeu­tung bei. Man­che spre­chen mit einem über­trie­be­nen Sym­bo­lis­mus von der Real­prä­senz Chri­sti unter den Gestal­ten von Brot und Wein – als ob Brot und Wein nicht kraft der Trans­sub­stan­tia­ti­on in Leib und Blut Unse­res Herrn Jesus Chri­stus ver­wan­delt, son­dern ihnen ein­fach nur eine ande­re Bedeu­tung zuge­schrie­ben wer­den wür­de. Ande­re wie­der beto­nen bezüg­lich der Mes­se all­zu sehr den Begriffs des Mah­les („aga­pe“) „und ver­nach­läs­si­gen dabei den des Opfers.

    7) Man­che möch­ten das Buß­sa­kra­ment als Mit­tel der Ver­söh­nung mit der Kir­che erklä­ren und ver­säu­men es, dem Kon­zept der Ver­söh­nung mit Gott, der belei­digt wur­de, aus­rei­chend Rech­nung zu tra­gen. Sie behaup­ten sogar, dass das per­sön­li­che Sün­den­be­kennt­nis bei der Fei­er die­ses Sakra­ments gar nicht not­wen­dig sei und stel­len ein­zig die sozia­le Funk­ti­on der Ver­söh­nung mit der Kir­che her­aus.

    8) Es fehlt auch nicht an sol­chen, die der Leh­re des Kon­zils von Tri­ent über die Erb­sün­de nicht gebüh­rend Rech­nung tra­gen wol­len oder sie auf eine Art und Wei­se erklä­ren, in der die Ursün­de des Adam und die Wei­ter­ga­be sei­ner Sün­de zumin­dest ver­dun­kelt blei­ben.

    9) Auch im Bereich der Moral­theo­lo­gie sind vie­le Irr­tü­mer im Umlauf. Nicht weni­ge wagen es näm­lich, das objek­ti­ve Kri­te­ri­um der Mora­li­tät abzu­leh­nen; ande­re wie­der erken­nen das Natur­recht nicht an und behaup­ten statt­des­sen die Legi­ti­mi­tät der soge­nann­ten „Situa­ti­ons­ethik“. Auch was die Mora­li­tät und Ver­ant­wor­tung im Bereich der Sexua­li­tät und der Ehe angeht, fin­den ver­derb­li­che Mei­nun­gen immer mehr Ver­brei­tung.

    10) Dem bis­her Gesag­ten müs­sen noch eini­ge Wor­te über den Öku­me­nis­mus hin­zu­ge­fügt wer­den: Der Apo­sto­li­sche Stuhl begrüßt, dass eini­ge Initia­ti­ven ergrei­fen, die ganz im Geist des Kon­zils­de­krets über den Öku­me­nis­mus, die Lie­be zu den getrenn­ten Brü­dern för­dern und die­se wie­der der Ein­heit der Kir­che zufüh­ren wol­len. Zu bekla­gen ist aber, dass man­che das Kon­zils­de­kret eigen­mäch­tig aus­le­gen und eine Art von Öku­me­ne vor­an­trei­ben wol­len, wel­che die Wahr­heit über die Ein­heit des Glau­bens und der Kir­che belei­digt und einen gefähr­li­chen Ire­nis­mus und eine Gleich­gül­tig­keit begün­stigt, die dem Geist des Kon­zils voll­kom­men fremd sind.
    *

    Die­se gefähr­li­chen, ver­schie­de­ner­orts anzu­tref­fen­den Irr­tü­mer wur­den in die­sem Brief an die Orts­or­di­na­ri­en zusam­men­ge­fasst, damit sich ein jeder von ihnen, gemäß sei­ner Auf­ga­be und sei­nes Amtes, dar­um bemü­he, sie aus­zu­mer­zen oder ihnen vor­zu­beu­gen.
    Die­ses Hei­li­ge Dikaste­ri­um bit­tet die Ordi­na­ri­en, die sich in den Bischofs­kon­fe­ren­zen ver­sam­meln, dring­lich, sich mit die­sem The­ma zu befas­sen und dem Hei­li­gen Stuhl noch vor Weih­nach­ten die­ses Jah­res dies­be­züg­lich in gebo­te­ner Wei­se Bericht zu erstat­tenr
    Die Ordi­na­ri­en und all jene, denen sie die­ses Schrei­ben aus gerech­tem Grund zei­gen, wer­den ange­hal­ten, es unter stren­ger Geheim­hal­tung zu hal­ten, da eine Ver­öf­fent­li­chung aus offen­sicht­li­chen Grün­den der Vor­sicht nicht rat­sam ist.
    „Rom, 24. Juli 1966.“
    A. Card. Otta­via­ni
    *
    Es muss wie­der ver­deut­licht wer­den:
    „Ausser­halb der Kir­che kein Heil !“
    http://katholischpur.xobor.de/t116f50-Ausser-shy-halb-der-Kir-shy-che-kein-Heil.html

  9. (…) „da es nicht zwei Kir­chen geben kann“, lau­tet der letz­te Halb­satz der Über­schrift die­ses Arti­kels.
    Die Kir­chen­kri­se fin­det ihren Aus­druck dar­in, dass es die­se zwei Kir­chen real längst gibt. Nur eine Fas­sa­de ver­deckt die­se Wirk­lich­keit. Es ist nicht Pole­mik, zwi­schen der vor­kon­zi­lia­ren Kir­che und der Kon­zils­kir­che zu spre­chen, wie es oft unter­stellt wird.
    Dass gera­de­zu Heim­tücki­sche an die­sem Vor­gang ist für mich, dass die­se Trans­for­ma­ti­on unmerk­lich gesche­hen ist. „Wir beten das Cre­do wei­ter“, war eine For­de­rung Karl Rah­ners und all sei­ner Epi­go­nen. Aber die Inhal­te wer­den neu, zeit­ge­mäß inter­pre­tiert; letzt­lich sind die­se gro­ßen Tex­te, die den gan­zen Glau­ben zur Spra­che brin­gen, mehr oder weni­ger Hül­len, unter denen sich ein Glau­bens­syn­kre­tis­mus ver­birgt.
    Ich spre­che aus eige­ner Erfah­rung, weil ich in der Mit­te die­ser Kir­che gelebt habe. „Wir haben ein frei­es Gewis­sen, wir suchen uns aus, was wir glau­ben und was nicht“, zwi­schen dem luthe­ri­schen und dem „neu­ka­tho­li­schen Sub­je­ti­vis­mus“ gibt es nur noch gra­du­el­le, nicht mehr sub­stan­ti­el­le Unter­schie­de. Die­ser Sub­jek­ti­vis­mus geht durch alle Krei­se der Kir­che, von der Hier­ar­chie bis zu den Lai­en.
    Wenn die Geschicht­lich­keit des Glau­bens das Leit­prin­zip ist, wenn es kei­ne bis in den Text hin­ein unver­än­der­li­chen Glau­bens­wahr­hei­ten geben kann, die von Gott geof­fen­bart wor­den sind, dann ist die­ser Sub­jek­ti­vis­mus die logi­sche Fol­ge. Er zer­stört die Kir­che und das Prie­ster­tum, das sakra­men­ta­le Leben, denen die­ser Sub­jek­ti­vis­mus wesens­fremd ist.
    Der Erzähl‑, der Pre­digt­stil des II. Vati­can­ums ist die GRO­ßE Häre­sie. Die lau­tet: Der Glau­be kann nicht mehr in ver­bind­li­chen Sät­zen aus­ge­drückt wer­den; wegen sei­ner histo­ri­schen Wan­del­bar­keit gibt es nur noch den unver­bind­li­chen Erzähl-Pre­digt­stil.
    Ich sehe es als gro­ßes Unglück an, dass die FSSPX die­se Auf­fas­sung nicht teilt. Dass man bereit ist, mit die­ser Kon­zils­kir­che ein Abkom­men zu schlie­ßen und sich damit GRUNDSÄTZLICH ein­glie­dert.

  10. Fort­set­zung:
    Man bekommt ein paar Zuge­ständ­nis­se, die wich­tig sind. Aber man darf nicht mehr grund­sätz­lich Kri­tik üben.Man wird ‚Teil des Systems.‘ Der inte­gra­le katho­li­sche Glau­be kann nicht mehr gefor­dert wer­den, besten­falls darf man ihn in der eige­nen klei­nen Grup­pie­rung leben, wei­ter­hin ange­fein­det von der über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit.
    Wenn man nicht ein­ge­glie­dert ist, kann man offen vom inte­gra­len Glau­ben Zeug­nis able­gen, ohne Zuge­stän­dis­se an eine moder­ni­sti­sche Hier­ar­chie. Ich glau­be, er hat zur Zeit nur die­se Chan­ce. Zur Zeit, denn ein Dau­er­zu­stand kann dar­aus nicht wer­den.

  11. Um das mal deut­lich zu sagen: Nicht das Kon­zil ist das „Opfer zwei­er Frak­tio­nen.“
    Das Opfer ist die römisch-katho­li­sche Kir­che, die zu einem „ver­wü­ste­ten Wein­berg“ gewor­den ist (Diet­rich von Hil­de­brand) „Rui­nen“ (Mat­thi­as Sil­vert).
    Opfer sind eine unzäh­li­ge Schar von Gläu­bi­gen, die durch Theo­lo­gen, Bischö­fe, Kar­di­nä­le, die sich wäh­rend des Kon­zils durch­setz­ten, um nach dem Kon­zil unge­hin­dert ihre Zer­stö­rungs­ar­beit fort­zu­set­zen. ihren Glau­ben ver­lo­ren haben.
    Opfer sind bis jetzt Kin­der und Jugend­li­che, die den katho­li­schen Glau­ben gar nicht mehr ken­nen­ler­nen kön­nen, weil dies zumin­dest im deutsch­spra­chi­gen Raum nicht mehr mög­lich ist.
    Ich fin­de ange­sichts einer fast zer­stör­ten Kir­che in unse­ren Brei­ten­gra­den die­se Kon­zils­de­bat­te nur noch per­vers. Ist die römisch-katho­li­sche Kir­che nur noch eine theo­lo­gi­sche Fakul­tät, in der Pro­fes­so­ren im Elfen­bein­turm ihre theo­lo­gi­schen Gefech­te aus­füh­ren?

    • Das stimmt doch gar nicht. Es gibt „im deutsch­spra­chi­gen Raum“ über­all die FSSPX, und an etli­chen Orten auch die tra­di­ti­ons­treue Petrus­bru­der­schaft, wo Sie Ihre Kin­der besten Gewis­sens hin­schicken kön­nen. Wenn Eltern die­ses nicht tun, weil der Weg zur Kir­che für ihre armen Kin­der­lein nicht mehr als ein paar Meter betra­gen darf, sind sie sel­ber schuld, dass ihre Kin­der den katho­li­schen Glau­ben nicht mehr ken­nen­ler­nen.

      • Was ist denn das für eine Ant­wort? Es geht doch nicht um mei­ne Kin­der. Oder um Eltern, die ihren Kin­dern wei­te Wege erspa­ren wol­len Es geht ganz ein­fach dar­um, dass die katho­li­sche Kir­che ver­pflich­tet ist, im katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt, in der Sakra­men­ten­ka­te­che­se, in der Ver­kün­di­gung all­ge­mein die ihr von Gott geof­fen­bar­ten Wahr­hei­ten zu ver­kün­di­gen.
        Das ist in der Kon­zils­kir­che nur noch rudi­men­tär der Fall.
        Ihre Ant­wort zeigt, Dun­kel­ka­tho­lik, wie tief die Kon­zils­kir­che bereits gesun­ken ist. Es wird von ihr gar nicht mehr erwar­tet, dass sie den katho­li­schen Glau­ben ver­kün­det. Na, dann…

        Im übri­gen gibt es gan­ze Land­stri­che, in denen weder die FSSPX noch die FSSP zu errei­chen ist. Man müss­te dann schon sams­tags los­fah­ren, über­nach­ten, um sonn­tags an einer wirk­lich katho­li­schen hl. Mes­se teil­neh­men zu kön­nen. Es gibt Fami­li­en, die haben nicht so viel
        Geld. Die soll es geben…
        Um mich geht es schon gar nicht. Ich habe die Gele­gen­heit, regel­mä­ßig in eine FSSPX-Kapel­le zu fah­ren, Gott sei Dank.
        Den­noch ist es mir alles ande­re als gleich­gül­tig, dass in der Kon­zils­kir­che weit­ge­hend der katho­li­sche Glau­be zer­stört wird, jeden­falls die Reste, die noch da sind.

        • Da die Kon­zils­kir­che für Sie ja längst nicht mehr die römishc-katho­li­sche Kir­che ist, son­dern die 2.779te pro­te­stan­ti­sche Kir­che, wird es Ihnen sicher­lich gleich­gül­tig sein, was dort so rum­hä­re­si­ert wird. Zumal Sie ja, wie Sie sagen, glück­li­cher­wei­se leicht zur FSSPX gelan­gen kön­nen, in der die römisch-katho­li­sche Kir­che voll­um­fäng­lich da ist.

          • Ich kann Sie nicht hin­dern, mei­ne Kom­men­ta­re zu inter­pre­tie­ren, wie es Ihnen passt, und ich habe weder Zeit, noch Lust dazu, inhalt­lich dar­auf zu reagie­ren.

  12. Im Grun­de kann es nur eine Kir­che geben. Die Rea­li­tät ist: Die katho­li­sche Kir­che hat seit dem II. Vati­ka­num einen Bruch mit ihrer Ver­gan­gen­heit voll­zo­gen, der in ihrer Geschich­te ein­ma­lig sein dürf­te. Seit­dem ist sie in sich zer­ris­sen und gespal­ten.
    Als ob die­ses Unglück nicht groß genug wäre, trifft das auch noch auf die Krei­se in ihr zu, die treu zum über­lie­fer­ten Glau­ben ste­hen. Sie sind sich im Glau­ben, in der Dok­trin einig, aber unei­nig, wie sie zu den Päp­sten ste­hen, die dafür eine wesent­li­che Ver­ant­wor­tung tra­gen, wenn auch natür­lich nicht aus­schließ­lich.
    Das schlimm­ste Übel scheint mir die sprach­li­che Ver­wir­rung zu sein. Theo­lo­gi­sche Grund­be­griff­fe haben nicht mehr die Bedeu­tung, die dem Begriff an sich inne­wohnt, sie sind mehr­deu­tig gewor­den. Den „lin­gu­isti­schen Wahn­sinn“ in der Theo­lo­gie beklag­te Guisep­pe Kar­di­nal Siri in sei­nem Buch „Geth­se­ma­ni“ schon vor über 30 Jah­ren.
    Nun hat es die Mög­lich­keit gege­ben, dass vati­ka­ni­sche Theo­lo­gen und Theo­lo­gen der FSSPX als „Zen­trum der Tra­di­ti­on“ offi­zi­ell dok­tri­nel­le Gesprä­che geführt haben. Es kam zu kei­ner Eini­gung.
    Statt dass die­se Gesprä­che ver­öf­fent­licht wer­den, damit zumin­dest die Kon­flikt­li­ni­en öffent­lich wer­den, wer­den unver­ständ­li­cher­wei­se die­se Gesprä­che streng­stens geheim­ge­hal­ten. Viel­leicht sind die­se Gesprä­che unwich­tig, viel­leicht tref­fen sie den Kern. Weiß es jemand außer den Betei­lig­ten? Nein.
    Statt­des­sen wird mit „Her­me­neu­ti­ken“ her­um han­tiert. Der „lin­gu­isti­sche Wahn­sinn“ scheint zemen­tiert, als Dau­er­zu­stand für die Kir­che all­ge­mein akzep­tiert.
    Für die röm.-katholische Kir­che, die für sich in Anspruch nimmt, von Jesus Chri­stus gegrün­det zu sein, ist die­ser Dau­er­zu­stand ver­hee­rend.
    Dass die­se streng geheim­ge­hal­te­nen Gesprä­che eine Lösung brin­gen, bil­de ich mir nicht ein.
    Aber wenn es noch nicht mal mög­lich ist, ein paar begriff­li­che Anhalts­punk­te zu haben, wie soll dann eine Aus­sicht bestehen, jemals aus dem Vagen, Dif­fu­sen, dem „lin­gu­isti­schen Wahn­sinn“ (Siri) her­aus zu kom­men?

  13. Auch von mei­ner Sei­te Kri­tik an der FSSPX-Füh­rung, dass die Ver­hand­lun­gen mit dem Vati­kan, die bereits 2011 ende­ten, nicht ver­öf­fent­licht wer­den. War­um traut sich kein Distrik­t­o­be­rer und auch die älte­ren Prie­ster der Bru­der­schaft nicht, das ein­zu­for­dern? Ich glau­be, auch wir Gläu­bi­gen haben ein Recht zu wis­sen, wie recht­gläu­big Rom ist und für was die Bru­der­schaft steht.
    Viel­leicht behin­dert eine Ver­öf­fent­li­chung die Eini­gungs­be­mü­hun­gen. Wer weiß es.
    Es wur­de immer behaup­tet, dass die Gesprä­che ernst­haft geführt wur­den und es dar­über eine pein­lich genaue Schrift- und Video­do­ku­men­ta­ti­on gibt. Schön lang­sam kommt mir der Ver­dacht, dass das nur diplo­ma­ti­sche Tref­fen im Salon mit anschlie­ßen­dem Umtrunk waren.

  14. Reno­va­tio, ich den­ke, dass die Eini­gungs­be­mü­hun­gen die Ver­öf­fent­li­chung verhindern.Ich kann es nur ver­mu­ten, aber ich wüss­te nicht, wel­che Grün­de es sonst geben könn­te.
    Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat immer den Glau­ben und die „Mes­se aller Zei­ten“ in enger Ver­bin­dung gese­hen. Viel­leicht hat er es in den ersten Jah­ren nicht so deut­lich betont, aber ich fin­de es in sei­nen Anspra­chen und Pre­dig­ten als ein durch­ge­hen­des Motiv.
    Die Lei­tung der FSSPX scheint es jetzt anders zu sehen. Die Ver­ant­wor­tung für die Kir­che vor dem Kon­zil mit ihrem inte­gra­len Glau­ben, der sich aus den Quel­len der Offen­ba­rung speist, scheint dem Wunsch, ein prak­ti­sches Abkom­men zu errei­chen, geop­fert zu wer­den. Egel, wie katho­lisch, im Sin­ne der vor­kon­zi­lia­ren Päp­ste, der regie­ren­de Papst ist.
    Die Kir­che vor dem Kon­zil hat in der FSSPX kei­ne „Ver­tei­di­ger“ mehr. Ich mei­ne nicht die Patres vor Ort in den Prio­ra­ten, das wäre ein Unrecht, undif­fe­ren­ziert und unwahr. Wenig­stens als all­ge­mei­ne Behaup­tung.

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