Die Besorgnisse eines Konzilspapstes – Neue Dokumente von Roncalli und Montini

Erzbischof Capovilla, Sekretär von Papst Johannes XXIII.(Rom) Bis­her unbe­kann­te Doku­men­te geben neu­en Ein­blick in die Kon­zils­ge­schich­te. In Ita­li­en wur­den Brie­fe von Papst Johan­nes XXIII. und Paul VI. ver­öf­fent­licht. Für die Her­aus­ge­ber­schaft im Ver­lag Stu­di­um zeich­nen Erz­bi­schof Loris Capo­vil­la und Mar­co Ron­cal­li. Der eine war Sekre­tär von Johan­nes XXIII., der ande­re ist ein Groß­nef­fe von Papst Ron­cal­li und Publi­zist.
Als Johan­nes XXIII. am 11. Okto­ber 1962 im Peters­dom das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil eröff­ne­te, lag es nicht in sei­ner Absicht, neue Dog­men zu ver­kün­den, son­dern die Zei­chen der Zeit zu inter­pre­tie­ren und neue Wege der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Welt zu fin­den. Die Kir­che befand sich in gespann­ter Erwar­tung, wie sie am 14. Febru­ar Bene­dikt XVI. vor dem Kle­rus von Rom schil­der­te. Eine Span­nung, die auch an der Römi­schen Kurie spür­bar war, wo es nicht an kri­ti­schen Stim­men fehl­te, die weder eine Not­wen­dig­keit für ein Kon­zil noch für Neue­run­gen sahen.

Konzilseinberufung aus päpstlicher Vollmacht — Einsame Beweggründe schwer faßbar

Der ein­sa­me, aus der päpst­li­chen Voll­macht her­aus getrof­fe­ne Ent­schluß, ein Kon­zil ein­zu­be­ru­fen, wirft noch heu­te zahl­rei­che Fra­gen auf. Ein Ent­schluß, des­sen Beweg­grün­de letzt­lich nicht wirk­lich faß­bar sind. 50 Jah­re dem Tod Johan­nes XXIII. und der Wahl Pauls VI. bie­ten die neu­en Doku­men­te einen gewis­sen Ein­blick in die Span­nung jener Zeit.
Der Papst stieß im Allein­gang eine Tür auf, weil er der Mei­nung war, daß die gesi­cher­te und unver­än­der­ba­re Glau­bens­leh­re in einer den Bedürf­nis­sen der Zeit ange­paß­ten Form dar­ge­legt wer­den soll­te. Gera­de die­se Begrün­dung macht es schwer, die tat­säch­li­che Moti­va­ti­ons­la­ge zu erfas­sen, weil sie nicht erklärt, wes­halb ein Kon­zil das geeig­ne­te Instru­ment zur Errei­chung des gesetz­ten Zie­les sein soll­te, zumal die eigent­li­che Auf­ga­be eines Kon­zils, umstrit­te­ne Glau­bens­fra­gen zu klä­ren, von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen wur­de.
Das neue Buch ent­hält auch Tei­le des bis­her unver­öf­fent­lich­ten Tage­buchs von Papst­se­kre­tär Capo­vil­la. Am Abend des ersten Sit­zungs­ta­ges des Kon­zils hielt er dar­in fest: “Ich bin unru­hig, ich sehe nicht klar, was den Beginn, die Tie­fe und die Ernst­haf­tig­keit der Arbei­ten anbe­langt. Ich bin über­zeugt, daß die Kurie ver­sucht hat, sich des Kon­zils zu bemäch­ti­gen, um dar­aus eine Art von Tagung zu machen. Vie­le glaub­ten nicht, daß es statt­fin­den wür­de. Und jetzt, wo wir da sind, wol­len sie es auf ein recht­li­ches Ereig­nis redu­zie­ren.“

Weht nach 50 Jahren erneut der „Wind der Veränderung“?

Der Beginn des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus wur­de sofort mit dem Pon­ti­fi­kat Johan­nes XXIII. ver­gli­chen, zumin­dest ab des­sen Ankün­di­gung des Kon­zils. Papst Fran­zis­kus ist ein Mann der Gesten. Das kann von Johan­nes XXIII. nicht gesagt wer­den. Der Ver­gleich gilt daher einem „Wind der Ver­än­de­rung“, der mit dem Kon­zil in der Luft lag und jetzt auch wie­der in der Luft zu lie­gen scheint, der von den einen freu­dig, von ande­ren besorgt, jeden­falls irgend­wie auf allen Sei­ten wahr­ge­nom­men wird. Was aber genau soll, je nach Sicht­wei­se „erneu­ert“, was „desta­bi­li­siert“ wer­den? Han­delt es sich um ein blo­ßes Gefühl? Die „Vox popu­li“ (Pao­lo Roda­ri) füh­le sich bei Ber­go­glio am stärk­sten an Papst Ron­cal­li erin­nert, jenem Papst, der im 50. Jahr nach Beginn des Kon­zils etwas mehr ins Blick­feld gerückt ist, wie der­zeit wegen der Erin­ne­rung an die Enzy­kli­ka Pacem in ter­ris an alle Katho­li­ken „und alle Men­schen guten Wil­lens“, aber anson­sten nur mehr wenig bekannt ist. Man soll­te daher den Kreis viel­leicht doch etwas enger zie­hen. Wer bestimm­te Ver­glei­che zieht, ver­knüpft damit in der Regel auch bestimm­te Inter­es­sen. So rich­tet sich der Blick auf kom­men­den Sonn­tag, an dem Papst Fran­zis­kus auch die letz­te der vier römi­schen Patri­ar­chal­ba­si­li­ken besucht, näm­lich Sankt Paul vor den Mau­ern, wo der Völ­ker­apo­stel Pau­lus begra­ben ist. Dort gab Johan­nes XXIII. am 25. Janu­ar 1959 über­ra­schend die Absicht bekannt, ein Kon­zil ein­zu­be­ru­fen. Wird Papst Fran­zis­kus in sei­ner Pre­digt dar­auf ein­ge­hen?
Wie aus den nun ver­öf­fent­lich­ten Doku­men­te her­vor­geht, zeig­te sich Gio­van­ni Bat­ti­sta Kar­di­nal Mon­ti­ni, der dama­li­ge Erz­bi­schof von Mai­land und künf­ti­ge Papst Paul VI. nicht irri­tiert über die Ein­be­ru­fung eines Kon­zils. Er beklag­te viel­mehr eine gewis­se vor­herr­schen­de Rat­lo­sig­keit, was nun eigent­lich mit dem Kon­zil zu gesche­hen habe, „das Feh­len eines klar umris­se­nen und geeig­ne­ten Plans, die Arbei­ten zu len­ken“, so Capo­vil­la.

Das „Feuer“, das 1959 Kardinal Montini und Weihbischof Suenens antrieb

Die neu­en Doku­men­te geben neu­en Ein­blick, wer und wie Vor­be­rei­tun­gen für das Kon­zil traf. Kar­di­nal Mon­ti­ni schrieb 1959 an den dama­li­gen diplo­ma­ti­schen Ver­tre­ter des Hei­li­gen Stuhls in den USA und künf­ti­gen Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Amle­to Gio­van­ni Cico­gna­ni und kurz dar­auf schrieb Léon-Joseph Sue­n­ens, der dama­li­ge Weih­bi­schof von Mecheln und künf­ti­ge Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel und Kar­di­nal an Johan­nes XXIII. „Es sind zwei wich­ti­ge und beklem­men­de Brie­fe. Im Wesent­li­chen for­dern bei­de, daß das Kon­zil weiß, was zu tun ist, wo es hin­füh­ren will und mit wel­cher Spra­che.“
Papst-Sekre­tär Capo­vil­la spricht von einem „Feu­er“, das Mon­ti­ni und Sue­n­ens antrieb. „Ich den­ke, daß Gott die­ses Feu­er ent­zün­det hat“, so der Erz­bi­schof. Es habe damals aber „vie­le“ gege­ben, die ver­such­ten, die­ses Feu­er „zu ersticken“. Im Unter­schied zu „vie­len“, die gegen­zu­ru­dern ver­such­ten, war Mon­ti­ni aber für Ron­cal­li ein „ver­läß­li­cher Freund“, der sich völ­lig bewußt gewe­sen sei, wie sehr die Kurie Johan­nes XXIII. bekämpft habe. Dies bele­ge, so Capo­vil­la, ein Schrei­ben von Don Giu­sep­pe De Luca, einem Freund Ron­cal­lis, an Mon­ti­ni vom 6. August 1959, in dem die­ser von „Vor­be­hal­ten“ und „Kri­tik“ berich­tet.

Konzilszweifler, die „alten Aasgeier, die nach dem erstem Schreck wieder zurückkehren“

Der Brief gibt wider, wie im eng­sten Umfeld des Kon­zils­pap­stes jene gese­hen wur­den, die Zwei­fel an Not­wen­dig­keit und Weg der päpst­li­chen Ent­schei­dung vor­brach­ten. Seit der Wahl Ron­cal­lis zum Papst war nicht ein­mal ein Jahr ver­gan­gen. Der in Intel­lek­tu­el­len­krei­sen ver­keh­ren­de De Luca beschreibt die Römi­sche Kurie, an der er über zahl­rei­che gute Kon­tak­te ver­füg­te, als „Kreis der alten Aas­gei­er, der sich nach nach dem ersten Schreck wie­der fängt und zurück­kehrt. Lang­sam, aber er kehrt zurück.“ Um noch hin­zu­zu­fü­gen: „Und er kehrt zurück und ver­langt nach neu­er Zer­flei­schung und neu­er Ver­gel­tung. Und der maka­bre Kreis schließt sich um Car­um caput [womit er Johan­nes XXIII. mein­te, Anm. Capo­vil­la]. Er hat sich mit Sicher­heit wie­der for­miert.“
Capo­vil­la beschreibt Mon­ti­ni als „Freund“, auf den Ron­cal­li „zäh­len konn­te“. Bereits 1925 schrieb er dem künf­ti­gen Johan­nes XXIII. den ersten Brief. Der 28 Jah­re alte Mon­ti­ni war soeben zum Gene­ral­as­si­sten­ten des Katho­li­schen Stu­den­ten­ver­ban­des Ita­li­ens ernannt wor­den. Der 44 Jah­re alte Ron­cal­li hat­te soeben die Bischofs­wei­he emp­fan­gen und war von Pius XI. zum Apo­sto­li­schen Visi­ta­tor für Bul­ga­ri­en beru­fen wor­den. Mon­ti­ni soll­te sei­nem Vor­gän­ger im Papst­amt bis zu des­sen Tod immer wie­der schrei­ben. So auch als Erz­bi­schof von Mai­land am 25. Mai 1963, als bereits bekannt war, daß der Gesund­heits­zu­stand Johan­nes XXIII. ange­schla­gen war: „Die Nach­rich­ten, die über die Übel­keit im Umlauf sind, die Ihre Gesund­heit bela­sten, sind auch in Mai­land, mir vor allen ande­ren, Grund für kind­li­che Sor­ge und herz­li­chem Lei­den. Es ist uns fast Trost, mit dem gelieb­te­sten Vater In pas­sio­ne socii zu sein und Ihr phy­si­sches Lei­den mit unse­rem geist­li­chen zu ver­ei­nen. So wach­sen im Geist die Vor­sät­ze und Gebe­te für die Gesund­heit Eurer Hei­lig­keit … Möge Eure Hei­lig­keit die Früch­te Sei­nes apo­sto­li­schen Amtes im öku­me­ni­schen Kon­zil ern­ten, das Sie bei sei­ner dem­nächst begin­nen­den zwei­ten Ses­si­on in der Mit­te sei­ner gro­ßen Ver­samm­lung zu haben wünscht, mit gestärk­ten Kräf­ten des Lei­bes und immer pracht­voll in jenen des Gei­stes.“

Tagung Johannes XXIII. und Paul VI. Die Päpste des Zweiten Vatikanums

Wor­te der Freund­schaft, die sich in den Unter­la­gen fin­den, denen ab Frei­tag eine zwei­tä­gi­ge Tagung im Kon­greß­zen­trum Gio­van­ni XXIII. von Ber­ga­mo gewid­met ist. Die Tagung wird von zwei eme­ri­tier­ten Kuri­en­kar­di­nä­len eröff­net und geschlos­sen: Die Eröff­nung nimmt Wal­ter Kar­di­nal Kas­per (2001–2010 Prä­si­dent des Päpst­li­chen Rats zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten) vor, der Abschluß erfolgt durch Paul Kar­di­nal Puo­pard (1988–2007 Prä­si­dent des Päpst­li­chen Kul­tur­rats und 2006–2007 auch Prä­si­dent des Päpst­li­chen Rats für den Inter­re­li­giö­sen Dia­log) been­det. Das The­ma lau­tet: „Johan­nes XXIII. und Paul VI. Die Päp­ste des Zwei­ten Vati­ka­nums.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Una Fides

15 Kommentare

  1. Möge Papst Fran­zis­kus an die­se bei­den gro­ßen Kon­zil­späp­ste anknüp­fen und möge Gott ihn stär­ken gegen sei­ne Geg­ner.

    • Got­tes Wege sind nicht unse­re Wege,noch Sei­ne Gedan­ken unse­re Gedanken.Gott hat wich­ti­ge­res zu tun als sich um einen klei­nen Papst zu kümmern.Glauben SIE denn wirk­lich die­sen kin­di­schen Str­untz, dass Gott sich 4 Stun­den am Tag um unser unbe­deu­ten­des Pla­net­chen Erde sich küm­mert? Herr,lass Hirn reg­nen.…

  2. Der Brief zeigt sehr deut­lich, wie kri­tisch bis feind­lich die Päp­ste Johan­nes XXIII. und Paul VI. der Kurie gegen­über stan­den. „Alte Aas­gei­er“ wer­den sie genannt, die­je­ni­gen, die ver­sucht haben, den Glau­ben noch gegen Neo­mo­der­ni­sten zu ver­tei­di­gen.
    Papst Johan­nes XXIII. hat aus­drück­lich dar­auf ver­zich­tet, den Glau­ben noch gegen Irr­tü­mer zu ver­tei­di­gen, nach ihm alle Päp­ste. Nur noch die „Medi­zin der Barm­her­zig­keit“ rei­chen, wur­de die­se schwe­re Unter­las­sung, die Pflicht­ver­ges­sen­heit von Päp­sten, euphe­mi­stisch ver­schlei­ert.
    Inzwi­schen ver­sinkt der katho­li­sche Glau­be in Häre­si­en, Profs, RU-Leh­rer, Pfar­rer, alle kön­nen leh­ren, was sie wol­len. Fran­zis­kus spricht von der Lie­be, der Zärt­lich­keit Got­tes, alles wird gut.
    Statt Aas­gei­er nur noch Frie­dens­tau­ben, das ist die schö­ne, neue, hei­le katho­li­sche Welt. Am Anfang stand Johan­nes XXIII., der Brief zeigt es, wenn man ihn kri­tisch liest.

    • Der gute “ seli­ge“ Johann. XXIII. hat­te gar kei­ne gut katho­li­sche Ver­gan­gen­heit. Als jun­ger Pro­fes­sor an der GREGORIANA würz­te er sei­ne Vor­le­sun­gen mit Ein­ge­bun­gen eines berüch­tig­ten Gno­sti­kers, Rudolf Stei­ner. Papst Pius XI. war außer sich vor Zorn und ent­fern­te ihn von sei­nem Lehr­stuhl. Nur die dring­li­che Inter­ven­ti­on sei­nes Men­tors Radi­ni-Tede­schi, Biss­chof von Ber­ga­mo und ver­bis­se­ner Moder­nist, bewahr­te in vor wei­te­ren Sank­tio­nen. Lei­der war der Zorn Pius Xi. nicht aus­dau­ernd genug, so erhielt Ron­cal­li die Bischofs­wei­he und wur­de der Mann des Vati­kans in der Tür­kei. Dort hat er sich wie über­all, sehr wohl gefühlt.

  3. Beson­ders ist dem seli­gen Johan­nes XXIII. für sei­ne Apo­sto­li­sche Kon­sti­tui­on “ Vete­r­um sapi­en­tia“ zu dan­ken. Mit die­se Kon­sti­tu­ti­on hat der seli­ge Papst dar­auf hin­ge­wie­sen, das die latei­ni­sche Spra­che geför­dert und bei­be­hal­ten wer­den soll.…
    Latein war für ihn auch die Spra­che der Lit­ur­gie und daher ist es nicht rich­tig, wenn man ihm die Lit­ur­gie­re­form und die aus­schliess­li­che Fei­er der Mes­se in der Volks­spra­che „zuschrei­ben“ will. Er hat das Latein bekannt­lich ja ver­tei­digt.
    Seli­ger Papst Johan­nes XXIII. bit­te für die Kir­che

  4. Nur eines ist doch wirk­lich komisch… Lie­be und Barm­her­zig­keit wird jedem zuteil… Das Kon­zil soll­te ja nicht ver­ur­tei­len. Aber mit wirk­li­chem Haß wird auf die kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken gera­de im Namen die­ses Kon­zils ein­ge­prü­gelt. Mit Fun­da­men­ta­li­sten wer­den kon­ser­va­ti­ve beti­telt, wohl­wis­send, wie nega­tiv die­ser Aus­druck seit den blu­ti­gen Atten­ta­ten von isla­mi­schen Extre­mi­sten behaf­tet ist. Ich erschrecke manch­mal, wie gna­den­los und haß­er­füllt man­che Kom­men­ta­re gegen tra­di­ti­ons­treue Katho­li­ken aus­fal­len.
    Lie­be und Frie­de wird nur noch denen zuteil. die an der Zer­stö­rung der Kir­che arbei­ten und denen die brav und ruhig zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen.… Wer es wagt, Fehl­ent­wick­lun­gen nach dem Kon­zil und die Lit­ur­gie­re­form, wel­che noch nicht ein­mal auf dem Kon­zil beschlos­sen wur­de, anzu­spre­chen, wird sofort ver­bal „fer­tig gemacht“. Bekannt­lich wur­de sowohl die „Neue Mes­se“ als auch die Hand­kom­mu­ni­on gegen den Wider­stand des Welt­epi­sko­pa­tes, also von oben auf­ge­zwun­gen. Und dann soll dar­aus Segen flie­ssen???

    • Das darf einen nicht wun­dern. Jener Hass, mit­tels dem die neue Hack­ord­nung her­ge­stellt wird, ist ver­na­gel­ten Ideo­lo­gen aller Cou­leur eigen.

  5. Ich den­ke, es ist ein grund­sätz­li­cher Feh­ler, immer nur die Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Bei Johan­nes XXIII. gibt es Licht und Schat­ten. Er war zum Bei­spiel auch ein Ver­eh­rer des Kost­ba­ren Blu­tes, die neue Mes­se Paul VI. hät­te bei ihm wahr­schein­lich kei­ne Chan­ce gehabt. Nicht in der Form, wie sie auf uns zu gekom­men ist.
    Wenn man die Kon­zil­späp­ste mit den Vor­kon­zil­späp­sten ver­gleicht, dann erst hat man über­haupt einen Maß­stab.
    Und dann wun­dert mich die­ser Nie­der­gang im Glau­ben, die­ses über­haupt nicht mehr Ken­nen von wesent­li­chen Glau­bens­in­hal­ten, über­haupt nicht.
    Die Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste erin­nern mich irgend­wie an Chef­kö­che, die lecke­re, nahr­haf­te Spei­sen zube­rei­ten kön­nen. Die aus uner­find­li­chen Grün­den erlau­ben, dass Mit­ar­bei­ter auch mal eine klei­ne Pri­se Gift in die Mahl­zeit streu­en, als beson­de­re Wür­ze. Der eine Chef­koch mehr, der ande­re weni­ger natür­lich…
    Katho­li­ken, die sich an die­ser Art, mit dem Glau­ben umzu­ge­hen, stö­ren, wur­den frü­her als „Inte­gra­li­sten“ beschimpft von den Pro­gres­si­ven. Katho­li­ken, die dar­auf bestehen, dass, wer nur eine Glau­bens­wahr­heit leug­net, den gan­zen Glau­ben leug­net.
    Die Zeit der Inte­gra­li­sten ist vor­bei. Sie ster­ben aus. Mit den vor­kon­zi­lia­ren Päp­sten ver­sin­ken sie in der Ver­gan­gen­heit.

    • Sehen Sie, cup­pa. Und des­we­gen bedurf­te es für eine Reform der Kir­che so drin­gend der Pius­bru­der­schaft, weil der Papst durch alle Ebe­nen über­haupt kaum noch Leu­te fand, die nicht vom moder­ni­sti­schen Geist ange­krän­kelt waren. Die FSSPX und natür­lich die Prie­ster der Eccle­sia Dei Gemein­schaf­ten hät­ten hier mit ihrer scho­la­sti­schen Durch­bil­dung wie Sauer­teig wir­ken müs­sen. Natür­lich wäre es ein gefahr­vol­les Unter­fan­gen gewe­sen. Aber, dass sich gro­ße Tei­le der FSSPX ein­fach wei­gern wür­den, die­sen Reform­pro­zess zu unter­stüt­zen, das hat­te man in Rom ver­mut­lich nicht für mög­lich gehal­ten. Als das offen­bar wur­de, war dem Pon­ti­fi­kat Bene­dikts der Sinn genom­men.

      • Zutiefst bin ich davon über­zeugt, dass es zur Reform der Kir­che der Pius­bru­der­schaft bedarf, hicest­ho­die. Nur hat Bene­dikt XVI. For­de­run­gen für eine Regu­la­ri­sie­rung erho­ben, die Bischof Fel­lay nicht unter­schrei­ben konn­te. Beim besten Wil­len konn­te er es nicht, und er hat es nicht getan.
        Wir wis­sen nicht, ob Papst Bene­dikt unter Druck gesetzt wur­de. Denn er muss­te wis­sen, von sei­nen Ver­hand­lun­gen mit Erz­bi­schof Lef­eb­v­re als Kar­di­nal, dass der Gene­ral­obe­re die­se For­de­run­gen nicht unter­schrei­ben konn­te.
        Die Pius­bru­der­schaft hät­te alle Grund­sät­ze ihres Grün­ders auf­ge­ben müs­sen. Und dann dient sie der Kir­che nicht, son­dern bringt zusätz­lich den Glau­ben ihrer Gläu­bi­gen in Gefahr. Der Preis ist zu hoch.

        • Cup­pa, mei­nes Erach­tens muss man bei der Bewer­tung der Ereig­nis­se zwi­schen der Zeit vor und nach dem Wil­liam­son-Inter­view unter­schei­den. Vor der wie ein Tor­pe­do wir­ken­den Interviw-„Bombe“, in Abstri­chen viel­leicht sogar noch nach Abschluss der theo­lo­gi­schen Gesprä­che, war ein Per­so­nal­or­di­na­ri­at der Tra­di­ti­on in greif­bar­ster Nähe. Danach hat die Zeit für die Geg­ner der Eini­gung gear­bei­tet. Wie sehr der media­le und poli­ti­sche Hype um W. Äusse­run­gen auch den Papst geschockt haben dürf­te, erkennt man an der Ent­las­sung von Hoyos und des­sen ver­dienst­vol­len Sekre­tär Perl sowie am Buch von See­wald, wo selbst Bene­dikt (angeb­lich!) die theo­lo­gisch unhalt­ba­re Fra­ge bejaht, ob er denn die Exkom­mu­ni­ka­ti­on NICHT auf­ge­ho­ben haben wür­de, wenn er von W. Den­ken gewusst hät­te. Am Ende kam dann die Prä­am­bel, die in der Tat einen Rück­fall in die For­de­run­gen aus der Zeit des Erz­bi­schofs dar­stellt. Die­se ent­sprang nicht dem ursprüng­li­chen Wil­len Bene­dikts, dem zu die­sem Zeit­punkt das Heft des Han­delns längst aus der Hand genom­men war, oder will man glau­ben, Bene­dikt hät­te all die Mühen auf sich genom­men, wenn er nur alte Bedin­gun­gen hät­te wie­der­ho­len wol­len. Mich wür­de nur eines inter­es­sie­ren: hat Wil­liam­son die­ses Inter­view bewusst gege­ben, um mit den vati­ka­ni­schen Intri­gan­ten zusam­men gegen die Eini­gung zu arbei­ten oder war er doch nur ein nai­ves Opfer sei­ner Eitel­keit?

  6. Das ein Kon­zil abge­hal­ten wer­den soll­te, pfif­fen die Spat­zen in Rom schon vor der Ankün­di­gung des Kon­zils von allen Dächern. Für die vor­geb­li­che Ein­ge­bung Jo XXIII. in St. Paul hat­te man nur ein müdes Lächeln. — Papst Fran­zis­kus traue ich auch einen sol­chen Coup zu. Mit einem Schlag dürf­te sich ein Kon­zil mit allen Pro­ble­men her­um­är­gern. Fran­zis­kus wür­de mil­de lächelnd hold­se­lig nach allen Sei­ten win­ken.

    • Sogar Kar­di­nal Otta­via­ni sprach sich bei Johan­nes XXIII. für ein Kon­zil aus. Aller­dings aus der Sor­ge wegen der häre­ti­schen Ten­den­zen in der Theo­lo­gie. Er woll­te Ver­ur­tei­lun­gen, weil er den Glau­ben in Gefahr sah. Der ober­ste Glau­bens­hü­ter hat­te eine gera­de­zu ent­ge­gen­ge­setz­te Moti­va­ti­on als Johan­nes XXIII. Schon Pius XI. und Pius XII. tru­gen sich mit dem Gedan­ken, ein Kon­zil ein­zu­be­ru­fen. Es wur­de ihnen aber nach ein­ge­hen­der Bera­tung abge­ra­ten. Sicher mit bestem Wil­len, aber mit einem unglaub­lich nai­vem Fort­schritts­glau­ben berief Johan­nes XXIII. das Kon­zil ein. Mit dem Ergeb­nis, dass die soge­nann­ten „alten Aas­gei­er“ — man beach­te bit­te die Bos­heit die­ser Spra­che — zu denen Otta­via­ni gehör­te, eine völ­li­ge Nie­der­la­ge wäh­rend des Kon­zils erlit­ten.
      Paul VI. löste das hl Offi­zi­um auf, mit der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bekam es einen ent­schei­dend neu­en Schwer­punkt: Jetzt soll­te der Glau­be dar­ge­legt, die Wäch­ter­funk­ti­on auf ein Mini­mum beschränkt wer­den.
      Das Ergeb­nis kann jeder, jede sehen:Selbst Katho­li­ken, die noch prak­ti­zie­ren, glau­ben ent­schei­den­de Glau­bens­wahr­hei­ten nicht mehr oder nur noch teil­wei­se. Weil der Glau­be nicht mehr ver­tei­digt wird oder nur noch rudi­men­tär. Weil er zusam­men mit Häre­si­en ver­kün­det wird und Katho­li­ken ihn voll­um­fäng­lich nicht mehr ken­nen kön­nen.
      Johan­nes XXIII. war noch viel tra­di­tio­nel­ler als Fran­zis­kus. Aber es führt eine direk­te Linie zu ihm. Bene­dikt XVI. schien die­se Linie teil­wei­se unter­bre­chen zu wollen.Aber er konn­te es nicht.

  7. Par­don-Nach­trag zu mei­nem Posting: Rich­tig soll­te es natür­lich heissen:…24 Stun­den am TAG-nicht 4 Stunden.Tja,die Tech­nik.….….

    • Sie brau­chen Ihren Text nicht zu kor­ri­gie­ren. Er wird dadurch nicht rich­ti­ger.

      Der lie­be Gott hat sehr wohl Zeit und Kraft, sich um alles zu küm­mern.
      Kön­nen Sie ein Staub­korn oder ein Atom aus nichts erschaf­fen? Kön­nen Sie die Son­ne fest­hal­ten oder auf ihr spa­zie­ren? Eine neue Gala­xie pla­nen? Nein? Oder etwas ein­fa­ches, wis­sen sie, wie Gott ein Staub­korn erschafft? Oder die Son­ne, oder Luft?
      Hier liegt ein Unter­schied zwi­schen uns und Gott. Ein Unter­schied zwi­schen einer Uhr und dem Uhr­ma­cher. Ver­steht eine Uhr, wie der Uhr­ma­cher sie gemacht hat? Da ist es nicht ver­wun­der­lich, daß wir über Got­tes Fähig­kei­ten und Kraft nichts wis­sen. Des­we­gen ist ja die Bibel eine so gro­ße Hil­fe. Man soll­te sich mal infor­mie­ren. Das Alte Testa­ment gibt Infos in die­ser Fra­ge. „Ein Wort und es ward…“ Ver­ste­hen Sie, wie so etwas funk­tio­niert?
      Isai­as 40.26: „Er ruft sie alle mit Namen; sein Ver­mö­gen und sei­ne Kraft ist so groß, daß es nicht an einem feh­len kann. (Psalm 147.4) 27 War­um sprichst du denn, Jakob, und du, Isra­el, sagst: Mein Weg ist dem HERRN ver­bor­gen, und mein Recht geht vor mei­nem Gott vor­über? 28 Weißt du nicht? hast du nicht gehört? Der HERR, der ewi­ge Gott, der die Enden der Erde geschaf­fen hat, wird nicht müde noch matt; sein Ver­stand ist unaus­for­sch­lich. (Isai­as 40.13) (Isai­as 45.12) 29. Er gibt den Müden Kraft, und Stär­ke genug dem Unver­mö­gen­den. 30 Die Kna­ben wer­den müde und matt, und die Jüng­lin­ge fal­len; 31 aber die auf den HERRN ver­trau­en, bekom­men neue Kraft, daß sie auf­fah­ren mit Flü­geln wie Adler, daß sie lau­fen und nicht matt wer­den, daß sie wan­deln und nicht müde wer­den. (Psalm 103.5) .“
      Gott küm­mert sich also um uns, und ist kein Raben­va­ter. Soll­te er uns denn einen Stein geben, wenn wir um Brot bit­ten?

Kommentare sind deaktiviert.