Liturgie muß schön sein! Sinn und Bedeutung des priesterlichen Ornats

Weihbischof (em.) frimt Jugendliche im außerordentlichen Ritus. 6. November 2011 St. Aegidii Münstervon Peter Ste­phan

Die Fehldeutung der katholischen Liturgie als äußerlicher Prunk

Wer in die bei Stutt­gart gele­ge­ne Stadt Lud­wigs­burg kommt, soll­te nicht nur die berühm­ten Gar­ten­an­la­gen, son­dern auch den Thron­saal des Schlos­ses besu­chen. Der präch­ti­ge Bal­da­chin, der den Thron über­fängt, ist aus Mess­ge­wän­dern und Ante­pen­di­en gefer­tigt, die 1803, nach der Säku­la­ri­sie­rung der Klö­ster und Reichs­ab­tei­en, in den Besitz der würt­tem­ber­gi­sche Kro­ne gelangt waren.

Die Umwid­mung der Para­men­te soll­te zum einen die neu­en ter­ri­to­ria­len Herr­schafts­ver­hält­nis­se doku­men­tie­ren. Zum ande­ren woll­te der pro­te­stan­ti­sche Lan­des­va­ter im Zeit­al­ter der Auf­klä­rung ein kir­chen­po­li­ti­sches Zei­chen set­zen: Barocker Prunk, der katho­li­schen Prä­la­ten zur Selbst­dar­stel­lung dien­te, hat­te in den Got­tes­dien­sten sei­nes Lan­des nichts zu suchen. Schließ­lich hat­te schon Mar­tin Luther fest­ge­stellt: „Die Mes­se ist umso christ­li­cher, je näher und ähn­li­cher sie der aller­er­sten Mes­se ist, die Chri­stus beim letz­ten Mah­le gehal­ten hat. Aber Chri­sti Mes­se war so ein­fach wie mög­lich, ohne jeden Prunk mit Gewän­dern, Gebär­den, Gesän­gen und ande­rer zere­mo­ni­el­ler Pracht.“ Daher sei es, so Luther wei­ter, wich­tig, „daß nie­mand, durch den Glanz der Zere­mo­nien betro­gen und den viel­fäl­ti­gen Prunk ver­wirrt, (…) das schlich­te Wesen der Mes­se ver­liert und an den vie­len äußer­li­chen Zuta­ten des Geprän­ges hängt.“ Denn in der Urkir­che sei die Mes­se in erster Linie ein Lie­bes­mahl gewe­sen, bei dem die „Kol­lek­ten nach dem Bei­spiel der Apo­stel (Apg 4, 34f) an alle Bedürf­ti­gen ver­teilt wer­den soll­ten“. ((Mar­tin Luther, Die Gefan­gen­schaft der Kir­che (Die refor­ma­to­ri­sche Grund­schrif­ten, Bd. 3), Mün­chen 1983, S. 51; WA Bd. 6, S. 523.))

Ganz ähn­lich sieht man es mitt­ler­wei­le auch in der katho­li­schen Kir­che. Luthers Wor­te hät­ten auch von Anni­ba­le Bugni­ni, dem Erfin­der der Lit­ur­gie­re­form von 1970, gespro­chen wer­den kön­nen. Und unter Papst Fran­zis­kus schei­nen sie aber­mals an Bedeu­tung zu gewin­nen. Jeden­falls ist der Unter­schied zwi­schen den neu­en Papst­mes­sen und dem „Para­men­te­stil“ des Ratz­in­ger-Pon­ti­fi­kats unüber­seh­bar. Hämisch geben die Geg­ner von Bene­dikts lit­ur­gi­scher Reform der Reform zu ver­ste­hen, die Zei­ten des „Kar­ne­vals“ und des „Tun­ten­bal­letts“ sei­en nun end­gül­tig vor­über. ((Dani­el Deckers, Der Vati­kan unter Papst Fran­zis­kus. Der Kar­ne­val ist aus, in FAZ vom 24.03.2013))

Die Polemik gegen eine feierliche Liturgie als Angriff auf das heilige Messopfer

Aller­dings lohnt es sich, dar­auf zu ach­ten, in wel­chem gedank­li­chen Zusam­men­hang das eben ange­führ­te Luther-Zitat steht. Es fin­det sich in der Schrift über „Die baby­lo­ni­sche Gefan­gen­schaft der Kir­che“. In die­sem Werk ver­such­te der Refor­ma­tor nach­zu­wei­sen, daß die Leh­re von den Sakra­men­ten eben­so wie das Myste­ri­um der Tran­sub­stan­tia­ti­on eine Erfin­dung der Scho­la­stik sei, mit­tels derer die Papst­kir­che ihre Tyran­nei über die wah­re Kir­che Chri­sti errich­tet habe. In der luthe­ri­schen Abend­mahls­leh­re geht die Ableh­nung präch­ti­ger Meß­ge­wän­der Hand in Hand mit der Ver­un­glimp­fung des hei­li­gen Meß­op­fers als Göt­zen­dienst.

Luthers Pole­mik gegen das Meß­op­fer taugt also kei­nes­falls als Begrün­dung für inner­ka­tho­li­sche Lit­ur­gie­re­for­men – es sei denn, man will den Cha­rak­ter der katho­li­schen Meß­fei­er wirk­lich im Sin­ne der refor­ma­to­ri­schen Abend­mahls­theo­lo­gie ver­än­dern und die kirch­li­che Hier­ar­chie zugun­sten eines basis­de­mo­kra­tisch orga­ni­sier­ten Kir­chen­volks abschaf­fen.

Der Ornat als Symbol für das Priestertum Christi

In Wirk­lich­keit hat das katho­li­sche Mess­op­fer jedoch nicht das min­de­ste mit dem pro­te­stan­ti­schen Gedächt­nis­mahl zu tun, und dies aus gutem Grund. Wie Bene­dikt XVI. in sei­ner Jesus-Mono­gra­phie noch ein­mal klar her­aus­ge­ar­bei­tet hat, fei­er­te Chri­stus beim sog. Letz­ten Abend­mahl nicht nur das jüdi­sche Pascha-Fest. ((Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus von Naza­reth, Bd. 2, Frei­burg 2010, v.a. S. 126–145)) Viel­mehr mach­te Er, indem er in den Gestal­ten von Brot und Wein Sei­nen Kreu­zes­tod vor­weg­nahm, auch sich selbst zum Opfer­lamm. Er setz­te Sein Blut, das Er am Holz des Kreu­zes ver­goß, mit dem Blut gleich, mit dem Mose beim aller­er­sten Pascha-Fest die Tür­pfo­sten der Israe­li­ten hat­te bestrei­chen las­sen. Damals hat­te das Opfer­blut das Got­tes­volk vor der Ver­skla­vung durch den Pha­rao und vor der Rache des Wür­ge­en­gels bewahrt. Nun aber soll­te es die Welt aus der Knecht­schaft der Sün­de und aus den Ban­den des Todes erret­ten. Anders als das jüdi­sche Pascha-Fest und die pro­te­stan­ti­sche Abend­mahl­fei­er, die das gött­li­che Heils­han­deln durch Erin­ne­rung an das Ver­gan­ge­ne ver­ge­gen­wär­ti­gen, wei­sen das Letz­te Abend­mahl Chri­sti und das katho­li­sche Meß­op­fer auf Zukünf­ti­ges vor­aus: dar­auf, daß Gott durch das Lei­den und die Auf­er­ste­hung Sei­nes Soh­nes die Wür­de des Men­schen, die er wun­der­bar erschaf­fen hat, noch wun­der­ba­rer erneu­ert; daß er uns Anteil gege­ben hat an Sei­ner himm­li­schen Herr­lich­keit.

Vor die­sem gedank­li­chen Hin­ter­grund erhält auch das katho­li­sche Meß­ge­wand sei­nen Sinn. Mit ihm legt sich der Prie­ster gleich­sam Chri­stus um. Er schlüpft buch­stäb­lich in die Rol­le des Hohen­prie­sters nach der Ord­nung des Mel­chise­dek, der sich selbst als Opfer dar­ge­bracht hat.

Der Priester als Diener Christi

Somit zeigt das Gewand an, daß der Prie­ster wäh­rend der Mes­se – vor allem aber bei der Spen­dung der Sakra­men­te – aus­schließ­lich in per­so­na Chri­sti han­delt. Das Gewand erhebt ihn nicht über ande­re, son­dern macht ihn zum unwür­di­gen Werk­zeug. Um die­ses Han­deln in per­so­na Chri­sti zum Aus­druck zu brin­gen, sieht der Alte Ritus sogar vor, daß der Prie­ster dann, wenn er ‚per­sön­lich wird’, etwa bei der Pre­digt, das Meß­ge­wand ablegt. Frü­her war es bis­wei­len sogar üblich, daß das Gewand zu Beginn der Mes­se noch (in Erin­ne­rung an das Lamm bei der Opfe­rung oder an den Jesus­kna­ben bei der Dar­brin­gung im Tem­pel) auf der Alt­ar­men­sa lag und erst nach dem Introitus ange­legt wur­de.

Der liturgische Stil Benedikts XVI.: sich klein machen, um Christus Raum zu geben

Doch auch inner­halb des Neu­en Ritus gibt es Mög­lich­kei­ten, die Rol­le des Prie­sters als eines Die­ners Chri­sti her­aus­zu­stel­len. Eines der ein­drucks­voll­sten Bei­spie­le hier­für war die Vigil, die Bene­dikt XVI. zum Abschluß des Prie­ster­jah­res 2010 auf dem Peters­platz abhielt und die in der Ver­eh­rung des Aller­hei­lig­sten gip­fel­te. Bene­dikt war ganz von sei­nem Plu­via­le umschlos­sen. Man sah von ihm nur noch die gefal­te­ten Hän­de und das auf Chri­stus gerich­te­te Gesicht. Und da die Zere­mo­nia­re das Plu­via­le auch über die Knie­bank gelegt hat­ten, war der Papst völ­lig bewe­gungs­un­fä­hig. Er war außer­stan­de, über das Beten hin­aus eine ande­re Tätig­keit zu ver­rich­ten. Chri­stus hat­te ganz von ihm Besitz ergrif­fen. [Sie­he dazu auch die Bil­der­ga­le­rie]

Der Ornat als Symbol des Königtums Christi

Doch reich­te die Wir­kung von Bene­dikts Plu­via­le noch wei­ter. Da der Hei­li­ge Vater ad alta­re knie­te, bil­de­te die gol­de­ne Bor­dü­re auf dem Plu­via­le­schild zusam­men mit dem Altar­kreuz eine durch­ge­hen­de senk­rech­te Linie, wäh­rend der übri­ge Stoff sich optisch voll­kom­men mit der Orna­men­tik des Ante­pen­di­ums ver­band. Nun ging die Per­son des Pon­ti­fex erst recht im lit­ur­gi­schen Gese­hen auf. Die­ses wie­der­um bezog das gesam­te Umfeld auf sich. Die Fas­sa­de der Basi­li­ka, deren Säu­len die Altar­ker­zen gleich­sam ins Rie­sen­haf­te poten­zier­ten, erschien wie ein gewal­ti­ges Reta­bel, in des­sen Mit­te das Bild des hei­li­gen Pfar­rers von Ars prang­te. Der Bereich vor der Fas­sa­de wur­de zum Kir­chen­raum, wobei die ein­zel­nen Bezir­ke (Piaz­za Pio XII., Peters­platz und die Piaz­za Ret­ta) in die­ser Abfol­ge einem Sakral­raum mit Vor­hal­le, Lang­haus und Hoch­chor ent­spra­chen. Dank dem lit­ur­gi­schen Ornat wur­de die Herr­schaft, die der im Altarsa­kra­ment gegen­wär­ti­ge rex glo­riae über die Stadt und den Erd­kreis aus­üb­te, sinn­lich erfahr­bar.

Tat­säch­lich steht der lit­ur­gi­sche Ornat nicht nur für das Hohe­prie­ster­tum, son­dern auch für das König­tum Chri­sti: für die himm­li­sche Herr­lich­keit, in wel­cher der Herr am Jüng­sten Tag wie­der­kom­men wird und in die Er uns heim­füh­ren will. Inso­fern trägt der Prie­ster die Para­men­te auch stell­ver­tre­tend für alle Gläu­bi­gen – die rei­chen wie die armen.

Der Ornat als Symbol der Erlösung

Grund­le­gend für die­se zwei­te Sym­bo­lik des Ornats sind zwei bibli­sche Meta­phern: das pau­li­ni­sche Bild von der Tau­fe, durch die wir den alten Adam und die Wer­ke der Fin­ster­nis able­gen, um Chri­stus anzu­zie­hen (vgl. Eph. 4,22; Kol. 3,9; Röm. 6,6 und 13, 12–14), sowie das von Jesa­ja und Baruch ver­wen­de­te Bild vom neu­en Jeru­sa­lem bzw. von der Braut Chri­sti, die sich das Kleid der Trau­er und der Wit­wen­schaft able­gen darf, um sich mit den Gewän­dern des Heils zu schmücken (Jes 61,1–2a und 10–11; Bar 5,1–2). Die­se zwei­te Meta­pher kehrt im Buch der Offen­ba­rung wie­der, wenn vom neu­en Jeru­sa­lem als der „kost­bar geschmück­ten Braut“, der spon­sa orna­ta, die Rede ist (Offb 21,1).
Doch wie kost­bar darf der Ornat der spon­sa orna­ta sein? Müs­sen es Sei­de und Gold­bro­kat sein? Oder genügt das ein­fa­che Weiß, in dem die Gewän­der der Hei­li­gen erstrah­len, nach­dem sie durch das Blut des Opfer­lam­mes rein­ge­wa­schen wur­den (Offb 4,4 u. 7.14)? Und was bedeu­tet Ornat über­haupt?

Die latei­ni­sche Voka­bel orna­tus (Schmuck, Zier­de, Aus­rü­stung) hängt eng mit dem grie­chi­schen Wort kós­mos zusam­men. Kos­mos bezeich­net das Welt­all, aber auch die Ord­nung, die Gott Sei­ner Schöp­fung gege­ben hat. Kos­mos ist das Gegen­teil von Cha­os. Zugleich bedeu­tet Kos­mos (wie der latei­ni­sche Begriff decor) das, was ange­mes­sen ist, was sich ziemt. Die Welt-Ord­nung fin­det also in all dem einen ange­mes­se­nen Aus­druck, was Gott zur Zier­de und zum Schmuck gereicht, was Ihn aus­zeich­net. In die­sem Sin­ne hat der prie­ster­li­che Ornat – wie die gesam­te Lit­ur­gie – die Auf­ga­be, Gott und auf gebüh­ren­de Wei­se zur Zier­de zu gerei­chen und Sei­ner Ord­nung ange­mes­sen Aus­druck zu ver­lei­hen.

Die Schönheit der Liturgie als Spiegel der Wahrheit und Güte Gottes

Daß der Ornat dies vor allem dann lei­stet, wenn er schön ist, war in der Kir­che ein selbst­ver­ständ­li­ches All­ge­mein­gut – jeden­falls bis die von moder­nen Kunst­theo­re­ti­kern ver­brei­te­te The­se, Schön­heit sei kit­schig und unwahr­haf­tig und Orna­ment sei ein Ver­bre­chen (Adolf Loos), auch in die theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten Ein­zug hielt. Bis dahin galt, daß das Wah­re und das Gute sich immer auch im Schö­nen offen­bart, wes­halb die via pulch­ri­tu­di­nis (von der auch Bene­dikt XVI. immer wie­der sprach) als eine Metho­de der Got­te­s­er­kennt­nis aner­kannt war: die Schön­heit in der Welt weist den Weg zu Gott.

Wie sehr sich das Gött­li­che im Schö­nen offen­bart, zeigt auch die Bibel. Die Gelieb­te, die Gott sich zur spon­sa orna­ta erwählt hat, wird vor allem als schön beschrie­ben (Hld 4,1–16). Alle ande­ren Eigen­schaf­ten, ihre Treue, ihre Rein­heit und ihre Tugend­haf­tig­keit, wer­den unter die­sem Begriff sub­su­miert.

Kirchenreform bedeutet, Liturgie schön zu gestalten

Selbst der Begriff der Kir­chen­re­form zielt auf die Schön­heit der Braut Chri­sti ab. Para­do­xer­wei­se wird die­ser Begriff heu­te meist als Schlag­wort miß­braucht, um die Lit­ur­gie ihrer Schön­heit zu berau­ben. In Wahr­heit zielt er jedoch dar­auf ab, der Kir­che jene Schön­heit (for­mo­si­tas) zurück­zu­ge­ben, die sie als Braut Chri­sti ursprüng­lich gehabt hat. Refor­ma­re bedeu­tet nicht, die Kir­che neu zu erfin­den, son­dern sie in ihrer ursprüng­li­chen Gestalt (for­ma) wie­der­her­zu­stel­len: so, wie Chri­stus sie sich zur Braut erwählt hat: „ohne Flecken und Run­zeln, noch mit etwas der­glei­chen, son­dern hei­lig und makel­los“ (Eph 5, 27). Die­se Schön­heit wird nir­gend­wo so sinn­fäl­lig wie in der Lit­ur­gie.

Die Schönheit der Liturgie äußert sich auch in der Kostbarkeit der Paramente

Biblisch ist außer­dem, daß die­se Schön­heit mit Kost­bar­keit ein­her­geht. In den Tex­ten des Alten Testa­ments sowie im Buch der Offen­ba­rung sind Gold, Edel­stei­ne und erle­se­ne Stof­fe gera­de gut genug, um der Ehre Got­tes Aus­druck zu ver­lei­hen. Das gilt für die hohen­prie­ster­li­chen Gewän­der Aarons (2 Mose 2,1–42), für die Geschmei­de der Braut Got­tes (Jes 61,3.10; Hld 4,9), für die Archi­tek­tur des Salo­mo­ni­schen Tem­pels (1 Kön 6,1–38, v.a. V 21.28–36), für den gött­li­chen Thron (Offb 4,2–6) und für die Mau­ern des himm­li­schen Jeru­sa­lem (Offb 21,9–26).

Wie ist eine prachtvolle Liturgie mit der Armut Jesu vereinbar?

Doch wie sind die­se Vor­ga­ben mit jenen Pas­sa­gen zu ver­ein­ba­ren, die von der Armut im Stall zu Beth­le­hem, von Jesu Ein­zug in Jeru­sa­lem auf einem Esel, von der Ein­fach­heit des Letz­ten Abend­mahls, von der Schmach der Dor­nen­kro­ne und vom Elend des Kreu­zes berich­ten? Hat nicht der Zim­mer­manns­sohn aus Naza­reth, indem er Sei­ne Jün­ger zur Armut ver­pflich­te­te und das Anhäu­fen irdi­scher Schät­ze ver­bot, an die Stel­le des prunk­vol­len Tem­pel­kults die schlich­te Fei­er der Aga­pe gesetzt? Hat Er mit der Erfül­lung und Über­win­dung des Geset­zes nicht auch die lit­ur­gi­schen Bestim­mun­gen des Buches Exo­dus außer Kraft gesetzt und hat Gott dies nicht durch das Zer­rei­ßen des Tem­pel­vor­hangs aller Welt bekun­det? Doch wenn dem so ist, wie­so wer­den dann die alt­te­sta­ment­li­chen Bil­der der kost­bar geschmück­ten Braut, des gol­de­nen Him­mels­throns und des edel­stein­be­setz­ten Jeru­sa­lem am Ende der Hei­li­gen Schrift, im Buch der Offen­ba­rung, wie­der resti­tu­iert?

Die Ant­wort dürf­te dar­in lie­gen, daß die Hei­li­ge Schrift zwi­schen dem außerwelt­li­chen und dem innerwelt­li­chen Erschei­nen Got­tes genau unter­schei­det. Das Alte Testa­ment und die Offen­ba­rung schil­dern die außer­welt­li­che Herr­lich­keit Got­tes, aus der Chri­stus gekom­men und in die Er nach Sei­ner Auf­er­ste­hung zurück­ge­kehrt ist. Die Evan­ge­li­en befas­sen sich hin­ge­gen mit der Selbstent­äu­ße­rung Jesu, mit sei­ner inner­welt­li­chen Exi­stenz bis zum Tod am Kreuz. Die­se Dif­fe­ren­zie­rung soll­te auch für das kirch­li­che Leben gel­ten. Die Lit­ur­gie, in der die Kir­che Gott ver­herr­licht und den Tri­umph des Lebens über den Tod fei­ert, soll­te den Vor­ga­ben des Alten Testa­ments und dem Buch der Offen­ba­rung fol­gen. Das Pri­vat­le­ben der Kle­ri­ker und der Gläu­bi­gen soll­te sich hin­ge­gen am irdi­schen Leben Jesu ori­en­tie­ren. Hier gel­ten die Maß­stä­be der Evan­ge­li­en.

Liturgie wird auf den Kopf gestellt, wenn sie nicht die außerweltliche Herrlichkeit Gottes, sondern die innerweltliche Armut Jesu darstellt.

Pro­ble­ma­tisch ist es, wenn wir die Din­ge ver­keh­ren. Wenn eine mate­ri­ell satu­rier­te Kir­che wie die deut­sche die Lit­ur­gie arm macht und dies von Gläu­bi­gen, die per­sön­lich nicht bereit sind, ihren Wohl­stand mit den Bedürf­ti­gen zu tei­len, auch noch als mora­lisch rich­tig befun­den wird. Dies erin­nert stark an das Ver­hal­ten des Judas Ischa­ri­ot, der Maria von Betha­ni­en vor­warf, sie hät­te das Geld für das teu­re Öl, mit dem sie Jesus salb­te, lie­ber den Armen geben sol­len. Bekannt­lich wies Chri­stus die­sen Vor­wurf mit dem Hin­weis zurück, daß die Jün­ger die Armen alle Tage unter sich hät­ten, Ihn aber nur ein­mal (Joh 12,1–6). Eben­so ließ Er es bereit­wil­lig zu, daß die Men­ge beim Ein­zug in Jeru­sa­lem vor Ihm die Klei­der aus­brei­te­te und Ihm mit Palm­zwei­gen als König hul­dig­te. Auch lehn­te Er die kost­ba­ren Gaben, wel­che die Wei­sen in Beth­le­hem dar­brach­ten, nicht ab. Das Öl der Maria, die Klei­der und Palm­zwei­ge der Men­ge und die Gaben der Köni­ge waren Zei­chen des Glau­bens und der Treue in einer Welt, die für ihren Schöp­fer sonst nur die Krip­pe und das Kreuz bereit­hielt.

Eine würdige und erhabene Liturgie ist Ausdruck der Liebe zu Christus und zu den Armen

Die­se Treue zu Chri­stus äußer­te sich auch, wenn Geist­li­che unter Lebens­ge­fahr gol­de­ne Kel­che in den Prie­ster­block von Dach­au schmug­gel­ten, um das Meß­op­fer wür­dig zu fei­ern. Wenn die frü­hen Chri­sten, kaum daß sie den Kata­kom­ben ent­stie­gen waren, dar­an gin­gen, pracht­vol­le Basi­li­ken zu errich­ten, weil sie dar­in jene Gewän­der erblick­ten, mit denen die Kir­che sich nach dem Ende ihrer Ver­fol­gung für den himm­li­schen Bräu­ti­gam schmück­te. Auf­schluß­reich ist in die­sem Zusam­men­hang vor allem die Kirch­weih­pre­digt, die der Kir­chen­va­ter Euse­bi­us von Cäs­area 317 n. Chr. in Tyrus hielt (Kir­chen­ge­schich­te 10,4). Die Feind­se­lig­keit der Welt zeig­te sich hin­ge­gen, wenn athe­isti­sche Dik­ta­to­ren Kir­chen in Stäl­le ver­wan­del­ten oder selbst­herr­li­che Duo­dez­für­sten aus Para­men­ten Thron­bal­da­chi­ne anfer­ti­gen lie­ßen.

Vor die­sem Hin­ter­grund erweist sich der Ver­such, die Armut Chri­sti zu ehren, indem man – ohne äuße­re Not – Meß­kel­che aus Holz und Para­men­te aus gro­ber Baum­wol­le ver­fer­tigt, als fal­sche Beschei­den­heit. Das­sel­be gilt für Got­tes­häu­ser, die in der Pri­mi­ti­vi­tät von Bet­scheu­nen erbaut wer­den. Mit sol­chen Maß­nah­men ver­ban­nen wir Chri­stus erneut in den Stall von Beth­le­hem und wickeln ihn erneut in zer­schlis­se­ne Win­deln. ((Wie sehr die Lie­be zu Chri­stus auch der sinn­li­chen Ver­mitt­lung bedarf und wie sehr die rech­te äuße­re Form den Glau­ben vor der Ver­äu­ßer­li­chung bewahrt, zei­gen bei­spiel­haft die Blog­sei­ten Motu Pro­prio: Summorum Pon­ti­fi­cum und Fides et For­ma.)) Vor­bild­lich sind dage­gen all jene reli­giö­sen Insti­tu­te päpst­li­chen Rechts, die sich – im Neu­en wie im Alten Ritus – um eine vor­bild­li­che Lit­ur­gie küm­mern, ohne auf Kir­chen­steu­er­mit­tel zurück­zu­grei­fen, etwa Die Geist­li­che Fami­lie. Das Werk in Bre­genz oder das Insti­tut St. Phil­ipp Neri in Ber­lin. Vor­bild­lich waren auch die Ein­wan­de­rer­ge­mein­den des 19. Jahr­hun­derts in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, die sich trotz – oder gera­de auch wegen – ihrer mate­ri­el­len Armut die pracht­voll­sten Orna­te lei­ste­ten. Und vor­bild­lich war der hei­li­ge Pfar­rer von Ars, der sich die kost­ba­ren Para­men­te buch­stäb­lich vom Mund abspar­te – und den­noch Gele­gen­heit fand, die Armen selbst­los zu unter­stüt­zen.

Hoffnung auf eine Kontinuität in der Papstliturgie

Kurz nach sei­ner Wahl hat Papst Fran­zis­kus dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Kir­che kei­ne Nicht-Regie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on sei, son­dern die Braut Chri­sti. Wenig spä­ter sprach er wäh­rend der Chri­sam-Mes­se von dem kost­ba­ren Salb­öl und von den wert­vol­len Gewän­dern der Hohen­prie­ster. Hof­fen wir, daß er die Bedeu­tung die­ser Meta­phern auf die Gestal­tung der Lit­ur­gie von St. Peter über­trägt. Damit die Papst­mes­sen für alle Prie­ster und Bischö­fe vor­bild­lich blei­ben. Damit die Ein­lei­tungs­wor­te des Motu Pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI. ihre Gül­tig­keit behal­ten: Die Sor­ge der Päp­ste ist es bis zur heu­ti­gen Zeit stets gewe­sen, dass die Kir­che Chri­sti der Gött­li­chen Maje­stät einen wür­di­gen Kult dar­bringt, „zum Lob und Ruhm Sei­nes Namens“ und „zum Segen für Sei­ne gan­ze hei­li­ge Kir­che“.

Prof. Dr. Peter Ste­phan hat Geschich­te, Kir­chen­ge­schich­te und Kunst­ge­schich­te stu­diert und ist apl. Pro­fes­sor für Kunst­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Frei­burg im Breis­gau. Zugleich lehrt er als Pro­fes­sor für Archi­tek­tur­theo­rie an der Fach­hoch­schu­le Pots­dam und ist Dozent für Phi­lo­so­phie der Ästhe­tik am Insti­tut St. Phil­ipp Neri in Ber­lin.

Bild: Jens Falk, Die Mes­se aller Zei­ten

14 Kommentare

  1. Hier ist Vie­les rich­tig gesagt. Aber bit­te nicht die Mes­se aller Zei­ten, die von Papst Bene­dikt nie zele­briert wur­de, in einem Atem­zug nen­nen mit der neu­en Mes­se, der Mes­se der Nach­kon­zils­kir­che.
    Alle Kathe­dra­len, alle gro­ßen schö­nen Kir­chen wur­de für das hl Mess­op­fer gebaut. Es ist bit­ter, es ist schmerz­lich, es tut weh, dass die­se hl. Mes­se aus ihren Domen, Kathe­dra­len ver­bannt ist.
    Gott sei Dank hat die Mes­se aller Zei­ten den lit­ur­gi­schen Nach­kon­zils­ter­ror über­lebt. Gott sei Dank habe ich die Mög­lich­keit, an die­ser hl. Mes­se teil­neh­men zu dür­fen in einer sehr beschei­de­nen Kapel­le der Pius­bru­der­schaft. Dank ihres Grün­ders, dank ihrer Prie­ster, dank ihrer treu­en Gläu­bi­gen. Die sich Häme, Spott, Ver­leum­dung gefal­len las­sen muss­ten und noch gefal­len las­sen müs­sen. Solan­ge ich lebe und mei­nen Ver­stand gebrau­chen kann, wer­de ich die­se Dank­bar­keit hegen, weil ich dem Kon­zils- bzw. Nach­kon­zil­s­tau­mel erle­gen bin.
    Für uns ist das kei­ne Fra­ge, es ist selbst­ver­ständ­lich.
    Katho­li­sche Kin­der haben es vor dem Kon­zil ganz sicher gewusst wie der Arzt, wie die katho­li­sche Ver­käu­fe­rin: Wenn dem Prie­ster im über­aus kost­ba­ren Chor­man­tel noch das präch­ti­ge Schul­ter­vel­um von den Mini­stran­ten umge­legt wur­de, wenn er die Stu­fen zum Altar empor­schritt, mit einer noch­ma­li­gen Knie­beu­ge und uns mit sei­nen ver­hüll­ten Hän­den mit der Mon­stranz seg­ne­te, dann seg­ne­te uns der Gott­mensch Jesus Chri­stus. Und uns allen war klar, klein oder groß, jung oder alt, gebrech­lich oder fit, klug oder ein­fäl­tig, dass sich der Prie­ster so kost­bar zu klei­den hat­te, wie es mög­lich war. Er hat­te sich gera­de­zu ein­zu­hül­len. Denn es ging nicht um sei­ne indi­vi­du­el­le Per­son. Wir alle haben gewusst, wer uns wirk­lich seg­ne­te.
    Vor dem II. Vati­ka­ni­schen Konil war das allen prak­ti­zie­ren­den, gläu­bi­gen Katho­li­ken klar. Wir konn­ten es evan­ge­li­schen Chri­sten leicht erklä­ren. Heu­te muss man es Katho­li­ken erklä­ren. So ändern sich die Zei­ten.

  2. Das gan­ze Geschreib­sel der soge­nann­ten Kon­zils­stra­te­gen bei der „Reform“ und den Konzisldokumenten,erinnert dem unvor­ein­ge­nom­me­nen Betrachter,sehr an die unse­li­ge chi­ne­si­sche Kulturrevolution,gerade auch deshalb,weil das Räu­ber­kon­zil V 2 in die­se Zeit fiel 1966–1972. Wie frap­pie­rend die­se Aehn­lich­keit. Und erin­nert man sich noch an die Aus­sa­gen des Herrn Mon­ti­ni — ali­as Papst Paul VI, die vor Lob­hu­de­lei­en für die chi­ne­si­che Jugend und sei­ner Bewun­de­rung für die „neue Kul­tur“ die in Chi­na auf­ge­baut wird- es wird einem gera­de­zu schlecht.…Biderstürmerei, wohin man auch blick­te und blickt. Ja, die moder­ne Welt-der moder­ne Mensch, so wie er ist, das war das dilet­tan­ti­sche Hob­by die­ses Pap­stes und mit ihm des gan­zen Kon­zils. Die Fol­gen sehen wir HEUTE.…..

    • In der Tat war die Lit­ur­gier­form von 1970 eine Kul­tur­re­vo­lu­ti­on — wie die chi­ne­si­sche und die 68er-Bewe­gung. Und in allen Fäl­len ist viel zer­stört, aber nur wenig geschaf­fen wor­den: der Mini-Rock, der Mao-Anzug und die Sack­al­be!

  3. Vie­len Dank, ein aus­ge­zeich­ne­ter Auf­satz. Die Lie­be zur Lit­ur­gie födert den Glau­ben und die rech­te Anbe­tung des drei­fal­ti­gen Got­tes. Mit Geduld gilt es die Brü­che zu über­win­den, die die hei­li­ge Kir­che seit Jahr­zehn­ten durch­zie­hen und die bei den einen Abwen­dung von der Lit­ur­gie, von der Kir­che und schließ­lich von Chri­stus aus­lö­ste, bei den ande­ren hin­ge­gen Unduld­sam­keit. So sehr ich die Unduld­sam­keit tra­di­tio­na­li­sti­scher Krei­se ver­ste­he, braucht es den­noch Geduld und Lie­be und vor allem den uner­schüt­ter­li­chen Glau­ben, daß der wah­re, hei­li­ge Glau­be, mit ihm die wah­re, hei­li­ge Lit­ur­gie und damit letzt­li­che Tra­di­ti­on sie­gen wer­den. Gebe Gott, dass es bald sein möge.
    Dan­ke noch ein­mal Herr Pro­fres­sor. Vie­len Dank. Ich hof­fe, dass ihr Auf­satz wei­te Ver­brei­tung fin­det.

  4. Nein, @ Glo­ria, Sie ver­ste­hen die „Unduld­sam­keit tra­di­tio­na­li­sti­scher Krei­se“ nicht. Sie kön­nen sie offen­sicht­lich nicht ver­ste­hen. Soll­ten Sie glau­ben, die neue Mes­se soll­te Ele­men­te der Alten über­neh­men um fei­er­li­cher zu wer­den, ich respek­tie­re Ihren Stand­punkt. Aber behaup­ten Sie bit­te nicht, uns, die Tra­di­tio­na­li­sten, müs­se man mit Lie­be und Geduld dahin brin­gen, auch so zu den­ken, auch das zu wol­len, damit zufrie­den zu sein. Das war in Wirk­lich­keit das Ziel von Kar­di­nal Ratz­in­ger — Papst Bene­dikt: Den Lang­sa­men, den Ver­stock­ten, Zeit zu geben, Nach­hil­fe zu geben. Irgend­wann wer­den sie ihre „Alte Mes­se“ los­las­sen.
    „Die Tra­di­tio­na­li­sten“ gibt es nicht. Von mei­ner Zeit bei den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten weiß ich: So vie­le Jugend­li­che sah ich — durch­schnitt­lich — in kei­ner neu­en Mes­se. Ohne ihre Eltern. Stu­den­ten las­sen sich nicht von ihren Eltern schicken. Ich selbst darf von mir sagen, dass ich alles ande­re bin als eine her­kömm­li­che Tra­di­tio­na­li­stin. Bei mei­ner letz­ten „Tisch­mes­se“ saß und stand ich neben dem Prie­ster, wie eine Kon­ze­le­bran­tin. Es war eine sehr „dich­te Atmo­sphä­re“. Alles, was recht, es war sehr fei­er­lich. Wir reich­ten uns die Hosti­en­scha­le, mit den vor­ge­se­he­nen Wor­ten, genau­so den Kelch. Die Andacht war per­fekt. In einem Klo­ster, es war nichts Wil­des, Illege­ti­mes.
    Es war sehr andäch­tig, und es war fromm. Aber es war theo­lo­gisch falsch. Es war nicht katho­lisch. Das habe ich erst gelernt, als ich in die „Alte Mes­se“ ging. Schon beim ersten Mal war mir klar: Der ordent­li­che und der außer­or­dent­li­che Ritus sind nicht kom­pa­ti­bel. Es kann nur Syn­kre­tis­mus dabei her­aus­kom­men.
    Und weil ich merk­te: Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten sind in gewis­ser Wei­se anfäl­lig, so, als könn­ten sie sich nicht ent­schei­den zwi­schen dem hl. Pius V. und Bene­dikt XVI., bin ich gegan­gen, weg von mei­nem ver­trau­ten Umfeld.
    Die­ser Bei­trag bestä­tigt mich. Ich lie­be kla­re Ent­schei­dun­gen…

    • Alle Ach­tung, lie­be cup­pa, Sie haben da gro­ße Hür­den genom­men — Respekt!
      Bei mir ist das ganz anders, ich bin von klein auf in der Tra­di­ti­on und im alten Ritus auf­ge­wach­sen und bin noch vom ver­ehr­ten Erz­bi­schof Lef­eb­v­re gefirmt wor­den. Ich weiß nicht, ob ich den Weg allein gefun­den hät­te, aber schluss­end­lich ist es ja doch nur Gna­de.
      Ich sehe das mit der Unver­ein­bar­keit der zwei Riten neben­ein­an­der genau­so. Wäre ich der Mei­nung, dass der Neue und der Alte Ritus gleich­be­rech­tigt sind, dann wür­de ich mir ein­fach einen from­men NO-Prie­ster in der Umge­bung suchen und dort­hin zur Mes­se gehen. Der Kampf und das Opfer wären unnö­tig, die Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren wür­de ent­fal­len. Lang­fri­stig kann die Kir­che nur dadurch gesun­den, indem das Kon­zil, der Neue Ritus und das neue Kir­chen­recht „fei­er­lich“ ent­sorgt wer­den.

      • Vor Ihnen habe ich Ach­tung, lie­ber Reno­va­tio, vor Ihren Eltern, vor allen, die treu­ge­blie­ben sind. Was wäre denn aus mir gewor­den? Eine ver­zwei­fel­te Agno­sti­ke­rin. Ich war mit der Mes­se Paul VI. am Ende. Und mit der Theo­lo­gie der Kon­zils­theo­lo­gen eben­falls. Den Reich­tum der Tra­di­ti­on konn­te ich nur ent­decken, weil Katho­li­ken treu geblie­ben sind: Der Erz­bi­schof, die Prie­ster, die Gläu­bi­gen. Und ich weiß, was Sie Alle dafür ein­stecken muss­ten: Hohn, Ver­leum­dung, Vor­ur­tei­le. Alle Ach­tung, kann ich nur wie­der­ho­len!

  5. Eine kur­ze Refle­xi­on…
    Ich fin­de die­sen Bei­trag von Peter Ste­phan sehr inter­es­sant, auch wenn er an man­chen Stel­len ein biss­chen irri­tie­rend ist.
    Schon mit dem ein­lei­ten­den Ver­weis auf Mar­tin Luther und die spä­te­re Säku­la­ri­sie­rung spricht er indi­rekt sofort das unter­schied­li­che Eucha­ri­stie­ver­ständ­nis bei Katho­li­ken und Pro­te­stan­ten an… für uns Katho­li­ken ist die Hl. Mes­se kla­rer­wei­se viel mehr als nur ein Lie­bes­mahl oder ein blo­ßes Gedächt­nis an das Letz­te Abend­mahl Chri­sti. Dem­entspre­chend ist die gan­ze Sym­bo­lik bei die­sem Pas­si­ons­spiel, als das man die Hl. Mes­se ver­ein­fa­chend auf­fas­sen könn­te, obwohl sie weit mehr ist als nur ein Pas­si­ons­spiel, näm­lich die Ver­ge­gen­wär­ti­gung des Kreu­zes­op­fers Chri­sti, bei uns Katho­li­ken eine ande­re als bei den Pro­te­stan­ten. Dazu gehö­ren eben auch die ent­spre­chen­den prie­ster­li­chen Gewän­der.
    So, jetzt hat Peter Ste­phan den ersten Abschnitt über­schrie­ben mit „Die Fehl­deu­tung der katho­li­schen Lit­ur­gie als äußer­li­cher Prunk“, bringt nun Bugni­ni ins Spiel und äußert nach drei Wochen mit dem neu­en Papst Fran­zis­kus die Befürch­tung, dass es jetzt wie­der in die­ser Art und Wei­se wei­ter­ge­hen könn­te und ver­weist dabei auf Aus­sa­gen von Geg­nern der Reform der Reform wie eben „die Zei­ten des ‚Kar­ne­vals‘ und des ‚Tun­ten­bal­letts‘ sei­en nun end­gül­tig vor­über“ … wobei ich per­sön­lich über­zeugt bin, dass die­se oder ähn­li­che Aus­sa­gen im Umfeld des neu­en Pap­stes nie gefal­len sind… könn­te ich mir bei all den Infos, die ich mitt­ler­wei­le über sei­ne Per­son habe, auch gar nicht vor­stel­len. Ein tief­from­mer, demü­ti­ger und mysti­scher Mensch, der für mich ein abso­lut authen­ti­scher Chri­stus­nach­fol­ger ist, auch wenn er als Jesu­it und als Süd­ame­ri­ka­ner mehr das Ein­fa­che­re zu lie­ben scheint, ohne dabei in mei­nen Augen der Lit­ur­gie das Wür­de­vol­le zu neh­men. Letzt­end­lich ent­schei­dend ist doch das Ver­ständ­nis für das eigent­li­che Erlö­sungs­my­ste­ri­um… das Drum­her­um soll­te zu die­sem Ver­ständ­nis hin­füh­ren!

  6. Eine kur­ze Refle­xi­on: Teil 2
    Es geht also, wie ich schon erwähnt habe, um das rech­te Ver­ständ­nis des Erlö­sungs­my­ste­ri­ums.
    Im zwei­ten Abschnitt sei­nes Bei­trags, den Peter Ste­phan mit „Die Pole­mik gegen eine fei­er­li­che Lit­ur­gie als Angriff auf das hei­li­ge Mess­op­fer“ über­schrie­ben hat, äußert er Befürch­tun­gen, die für mei­ne Begrif­fe ziem­lich über­zo­gen sind. Frei­lich ist unbe­streit­bar, dass es inner­kirch­lich Grup­pie­run­gen gibt, die eine Pro­te­stan­ti­sie­rung der kath. Kir­che anstre­ben, aber muss man des­halb wegen der von Papst Fran­zis­kus bis­her gezeig­ten grö­ße­ren Ein­fach­heit im Äuße­ren gleich befürch­ten, dass er „den Cha­rak­ter der katho­li­schen Mess­fei­er wirk­lich im Sin­ne der refor­ma­to­ri­schen Abend­mahls­theo­lo­gie ver­än­dern und die kirch­li­che Hier­ar­chie zugun­sten eines basis­de­mo­kra­tisch orga­ni­sier­ten Kir­chen­volks abschaf­fen will“? Ich den­ke, dass ein sol­ches Ansin­nen kei­ner mehr dem neu­en Papst ernst­haft unter­stel­len wird, der sei­ne bis­he­ri­gen Anspra­chen und Pre­dig­ten gehört hat. Möch­te dabei nur an fol­gen­de Aus­sa­ge von ihm erin­nern:

    „Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz auf­bau­en und Chri­stus ohne Kreuz beken­nen, sind wir nicht Jün­ger des Herrn: Wir sind welt­lich, wir sind Bischö­fe, Prie­ster, Kar­di­nä­le, Päp­ste, aber nicht Jün­ger des Herrn. Ich möch­te, dass nach die­sen Tagen der Gna­de wir alle den Mut haben, wirk­lich den Mut, in der Gegen­wart des Herrn zu gehen mit dem Kreuz des Herrn; die Kir­che auf­zu­bau­en auf dem Blut des Herrn, das er am Kreuz ver­gos­sen hat; und den ein­zi­gen Ruhm zu beken­nen: Chri­stus den Gekreu­zig­ten. Und so wird die Kir­che vor­an­schrei­ten.“

    Zudem ist er ein gro­ßer Mari­en­ver­eh­rer, der täg­lich den gan­zen Psal­ter betet, und ver­traut auf die Für­spra­che gro­ßer Hei­li­ger unse­rer Kir­che… er ist ein gro­ßer Ver­eh­rer des Hl. Joseph und der Hl. Thérèse von Lisieux.
    Ange­sichts sol­cher Fak­ten soll­te man eigent­lich gelas­se­ner sein kön­nen!

    • Sie bezie­hen sich auf den Abschnitt: „Luthers Pole­mik gegen das Meß­op­fer taugt also kei­nes­falls als Begrün­dung für inner­ka­tho­li­sche Lit­ur­gie­re­for­men – es sei denn, man will den Cha­rak­ter der katho­li­schen Meß­fei­er wirk­lich im Sin­ne der refor­ma­to­ri­schen Abend­mahls­theo­lo­gie ver­än­dern und die kirch­li­che Hier­ar­chie zugun­sten eines basis­de­mo­kra­tisch orga­ni­sier­ten Kir­chen­volks abschaf­fen.“
      Hier sind Orga­ni­sa­tio­nen wie „Kir­che von unten“, aber auch eini­ge Kon­zils­theo­lo­gen (Küng usw.) gemeint. Der Ver­fas­ser hat kei­nes­falls Papst Fran­zis­kus im Sinn gehabt. Natür­lich macht sich der Papst die The­sen von einer baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che nicht zu eigen.

  7. Eine kur­ze Refle­xi­on: Teil 3
    Im Abschnitt „Der Ornat als Sym­bol für das Prie­ster­tum Chri­sti“ ruft Ste­phan vor­erst Grund­le­gen­des in Erin­ne­rung und lei­tet dann schön über zu sei­nem eigent­li­chen Anlie­gen:
    „Vor die­sem gedank­li­chen Hin­ter­grund erhält auch das katho­li­sche Mess­ge­wand sei­nen Sinn. Mit ihm legt sich der Prie­ster gleich­sam Chri­stus um. Er schlüpft buch­stäb­lich in die Rol­le des Hohen­prie­sters nach der Ord­nung des Mel­chise­dek, der sich selbst als Opfer dar­ge­bracht hat.“
    Für mich als ech­ten Tra­di­tio­na­li­sten sehr schön dann auch dies: „Doch auch inner­halb des Neu­en Ritus gibt es Mög­lich­kei­ten, die Rol­le des Prie­sters als eines Die­ners Chri­sti her­aus­zu­stel­len.“
    Ja, Bene­dikt XVI. hat das immer wie­der bewie­sen… und auch unter Papst Fran­zis­kus scheint mir das trotz der grö­ße­ren Ein­fach­heit bis­her nicht anders zu sein. Von Sack­al­ben und dgl. sind wir doch auch unter Papst Fran­zis­kus weit ent­fernt!
    Schön fand ich auch, wie Ste­phan auf die Fra­ge, wie eine pracht­vol­le Lit­ur­gie mit der Armut Jesu ver­ein­bar sei, geant­wor­tet hat. Sei­ne Aus­füh­run­gen dazu haben mir sehr gut gefal­len!
    Jedoch hat mich auch hier sei­ne neu­er­lich gezeig­te Ängst­lich­keit über­rascht:
    „Ver­such, die Armut Chri­sti zu ehren, indem man – ohne äuße­re Not – Mess­kel­che aus Holz und Para­men­te aus gro­ber Baum­wol­le ver­fer­tigt“, „das­sel­be gilt für Got­tes­häu­ser, die in der Pri­mi­ti­vi­tät von Bet­scheu­nen erbaut wer­den“.
    Muss man befürch­ten, dass sol­ches durch den ein­fa­che­ren Stil von Papst Fran­zis­kus jetzt ver­mehrt ange­strebt wer­den wird? Hat man hier­zu­lan­de nicht schon bis­her Din­ge voll­kom­men eigen­mäch­tig vor­an­ge­trie­ben, unab­hän­gig davon, wel­che Mei­nung der Papst dazu hat­te?
    Manch­mal habe ich das Gefühl, dass es man­chen Kri­ti­kern des neu­en Pap­stes weni­ger um wirk­li­che Kri­tik geht als viel­mehr um eine Ver­un­glimp­fung des Pap­stes, die man hin­ter aller­lei Äng­sten und Befürch­tun­gen gut zu ver­stecken weiß.

    • Auch hier rich­ten sich die Aus­füh­run­gen des Ver­fas­sers nicht gegen Fran­zis­kus, son­dern gegen den all­ge­mei­nen lit­ur­gi­schen Nie­der­gang. Sinn des Arti­kels ist es letzt­lich, den Papst zu bit­ten, dass er nicht, indem er die lit­ur­gi­sche Reform Bene­dikts rück­gän­gig
      macht, jene ermu­tigt, die den Abbruch der Lit­ur­gie betrei­ben, weil sie die von Tori­bio zu Recht her­aus­ge­ar­bei­te­ten Fein­hei­ten nicht sehen.

  8. Eine kur­ze Refle­xi­on: Teil 4
    PS. Dass Ste­phan hier neben dem Insti­tut St. Phil­ipp Neri in Ber­lin auch die Geist­li­che Fami­lie ‚Das Werk‘ in Bre­genz erwähnt hat, hat mich sehr gefreut, da ich die­se Gemein­schaft sehr gut ken­ne… deren Prie­ster fei­ern die Hl. Mes­se zwar aus­schließ­lich im Neu­en Ritus, sie sind aber abso­lut glau­bens- und papst­treu, wes­halb gleich meh­re­re von ihnen von Bene­dikt XVI. nach Rom beru­fen wur­den.
    Ich glau­be, dass bei uns in Öster­reich die Hl. Mes­se kaum anders­wo so wür­dig und ehr­fürch­tig gefei­ert wird wie im Klo­ster Thal­bach in Bre­genz bzw. in den Außen­kir­chen, wo die­se Prie­ster tätig sind. Ver­gleich­bar etwa mit Hei­li­gen­kreuz.

    Noch eini­ge Anmer­kun­gen zu den Kom­men­ta­ren:
    @ cup­pa: Die Neue Mes­se, die Mes­se der Nach­kon­zils­kir­che, hat die glei­che Gül­tig­keit wie die Alte Mes­se, wenn sie so wie von den FSO-Prie­stern gefei­ert wird.
    Zudem haben Sie geschrie­ben. „ ‚Die Tra­di­tio­na­li­sten‘ gibt es nicht.“ — Da stim­me ich Ihnen voll­kom­men zu. Peter Ste­phan hat schon das Insti­tut St. Phil­ipp Neri in Ber­lin erwähnt… dazu kom­men die vie­len Prie­ster der Petrus­bru­der­schaft, die vie­len Prie­ster der maria­ni­schen Prie­ster­be­we­gung, die vie­len glau­bens­treu­en Prie­ster vom Schla­ge eines Pfr. Hend­rick Jolie usw. — das sind für mich die wirk­li­chen Tra­di­tio­na­li­sten.
    Nicht dass ich Ihre Aus­füh­run­gen anzweif­le, aber Sie haben Vor­komm­nis­se in einem Klo­ster beschrie­ben und gleich­zei­tig Kri­tik an den Eccle­sia Dei-Gemein­schaf­ten geübt, daher mei­ne Fra­ge: Hat­te die­ses Klo­ster irgend­wie Ver­bin­dun­gen zu so einer ED-Gemein­schaft? Mir fällt es näm­lich schwer zu glau­ben, dass das, was Sie beschrie­ben haben, sich in einer ED-Gemein­schaft ereig­net haben könn­te.

    • Der Ver­fas­ser dankt Ihnen, Tori­bio, sehr dafür, dass Sie sich so inten­siv und dif­fe­ren­ziert mit sei­nem Arti­kel aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Wie gesagt: Die Aus­füh­run­gen rich­ten sich nicht gegen Papst Fran­zis­kus, son­dern sol­len ange­sichts des lit­ur­gi­schen Nie­der­gangs das kost­ba­re Erbe Bene­dikts XVI. wach­hal­ten.

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