Was meint Papst Franziskus mit „Volk der Armen“? — Sich auflösender Welt Charisma päpstlicher Autorität entgegensetzen

Papst Franziskus Primat päpstliche Autorität, Was meint Papst Franziskus mit "Volk der Armen", "Peripherie", "Zärtlichkeit", welche Theologie vertritt er, welchen Schaden hat Papsttum durch Benedikts Rücktritt genommen, wie soll Papsttum beschädigt werden, wie kann das Charisma des Felsen genützt werdenDer bekann­te tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne ita­lie­ni­sche Histo­ri­ker Rober­to de Mattei befaßt sich in einem Auf­satz, der am 28. März in der Tages­zei­tung Il Foglio erschien, mit dem Papst­tum. Dar­in geht er einer Rei­he von Fra­gen nach: Wer ist nun eigent­lich Papst, da Bene­dikt XVI. noch lebt? Wer ist eigent­lich Papst Fran­zis­kus und wel­che Theo­lo­gie ver­tritt er? Wel­chen Scha­den hat das Papst­tum durch den Ver­zicht Bene­dikts genom­men? Wel­che Aus­wir­kun­gen hät­te ein neu­es Amts­ver­ständ­nis, das den Bischof von Rom aus dem Wei­he­sa­kra­ment her­aus als Bischof unter Bischö­fen betont?

De Mattei unter­nimmt erste Ansät­ze die Theo­lo­gie von Papst Fran­zis­kus zu ent­schlüs­seln: Was meint Fran­zis­kus mit sich wie­der­ho­len­den Chif­fren wie „Volk der Armen“, „Peri­phe­rie“ und „Zärt­lich­keit“, die er zum Teil auch in sei­ner Anspra­che bei der Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on vor dem Kon­kla­ve gebrauch­te, von der es nun heißt, sie sei aus­schlag­ge­bend gewe­sen, die Auf­merk­sam­keit der ande­ren Kar­di­nä­le auf ihn zu len­ken und damit letzt­lich ent­schei­dend für sei­ne Wahl gewe­sen? Ansät­ze, die zu ver­tie­fen sind.
Gibt es eine inne­re Span­nung zwi­schen der Per­son Jor­ge Mario Ber­go­glio und Papst Fran­zis­kus und wenn ja wel­che? Eine Span­nung zwi­schen den per­sön­li­chen Ent­schei­dun­gen und den Not­wen­dig­kei­ten und der Wür­de des Amtes? Eine Span­nung, die emble­ma­tisch in der Fra­ge des gol­de­nen Brust­kreu­zes des Pap­stes sicht­bar wur­de: die Ableh­nung des gol­de­nen Kreu­zes, der Wunsch nach einem sil­ber­nen Kreuz und schließ­lich die Ent­schei­dung für ein ver­gol­de­tes Sil­ber­kreuz. Eine Span­nung, die sich in der Fra­ge des päpst­li­chen Ornats ins­ge­samt oder auch sei­nes Wohn­sit­zes fort­zu­set­zen scheint.
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Der Verzicht von Benedikt und die Wahl von Franziskus. Wer ist der Papst?

Von Rober­to de Mattei

Die Fra­ge: „Wer ist der Papst?“, ist eine spon­ta­ne Fra­ge, die all­ge­mein gestellt wird, wann immer ein neu­er Papst gewählt wird, vor allem, wenn sein Name und sei­ne Lebens­ge­schich­te einem brei­ten Publi­kum unbe­kannt sind. Das war nicht der Fall bei Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, einem Deutschrö­mer durch Adop­ti­on, der bereits vie­le Jah­re als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on in Rom ver­bracht hat­te. Der Fall war es hin­ge­gen bei Karol Kar­di­nal Woj­ty­la, der aus Kra­kau hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang kam und eben­so ist es heu­te bei Jor­ge Mario Ber­go­glio, der aus einer der ent­le­gen­sten Diö­ze­sen der Welt stammt, wie er selbst am Tag sei­ner Wahl sagte.

Es ist ver­ständ­lich, daß in den ersten Tagen und Wochen nach der Wahl die nähe­re und fer­ne­re Ver­gan­gen­heit des neu­en Pap­stes abge­klopft wird, um die Ideen, die Ten­den­zen, die Gewohn­hei­ten ken­nen­zu­ler­nen, um aus den Wor­ten und den Gesten der Ver­gan­gen­heit ein Pro­gramm für das neue Pon­ti­fi­kat zu ergrün­den. Der Band El Jesui­ta. Con­ver­sa­cio­nes con el car­denal Jor­ge Ber­go­glio (Der Jesu­it. Gesprä­che mit Kar­di­nal Jor­ge Ber­go­glio, Ver­ga­ra, Bue­nos Aires 2010, her­aus­ge­ge­ben von Ser­gio Rubin und Fran­ce­s­ca Ambro­get­ti), skiz­ziert bereits das Gesicht eines Papa­bi­le und ver­dient es beach­tet zu werden.

Welche Theologie vertritt Jorge Mario Bergoglio, der nunmehrige Papst Franziskus

Weni­ger bekannt ist die empör­te Reak­ti­on eines tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen argen­ti­ni­schen Gelehr­ten, Anto­nio Capon­net­to, dar­auf in Buch­form: La Igle­sia trai­cio­na­da (Die ver­ra­te­ne Kir­che, Edi­to­ri­al Sant­ia­go Apo­stol, Bue­nos Aires 2010). Man wird auch nicht ver­ste­hen, wer der neue Papst ist, wenn man nicht das Urteil über ihn von Pater Juan Car­los Scan­no­ne, eines Jesui­ten und Karl-Rah­ner-Schü­lers kennt, der Ber­go­glio als Zög­ling unter­rich­te­te und der den Erz­bi­schof von Bue­nos Aires der „Argen­ti­ni­schen Schu­le“ der Befrei­ungs­theo­lo­gie zuord­net (La Croix vom 18. März 2013).

Die „Opti­on für die Armen“ von Kar­di­nal Ber­go­glio wur­zelt vor allem in den Leh­ren von Lucio Gera und Rafa­el Tel­lo, den Ver­tre­tern einer „Volks­theo­lo­gie“, deren Wesens­merk­mal die Erset­zung der Ideo­lo­gie des bewaff­ne­ten Kamp­fes durch eine prak­ti­zier­te Armut ist. Car­los Pagni, der in der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung La Nación vom 21. März die „Regie­rungs­me­tho­de Ber­go­glio“ ana­ly­sier­te, erklärt die theo­lo­gi­schen Grün­de, war­um die „Peri­phe­rie“ eine zen­tra­le Stel­lung in der ideo­lo­gi­schen Land­schaft des Erz­bi­schofs Ber­go­glio einnimmt.

Die „Armen“ sind dem­zu­fol­ge pri­mär nicht eine hilfs­be­dürf­ti­ge sozio­lo­gi­sche Rea­li­tät, son­dern ein theo­lo­gi­sches Sub­jekt, von dem man ler­nen soll: „Die­se päd­ago­gi­sche Hal­tung hat eine reli­giö­se Wur­zel: das Ver­hält­nis des [armen] Vol­kes zu Gott wäre ursprüng­li­cher, weil die mate­ri­el­le Ver­un­rei­ni­gung [in die­sem Ver­hält­nis] fehlt“.

„Volk der Armen“ nicht soziologische Realität, sondern theologisches Subjekt

Auch Mau­ri­zio Crip­pa betont die­sen Aspekt in sei­nem Auf­satz Die Armut ist ein theo­lo­gi­sches, nicht sozio­lo­gi­sches Zei­chen im Il Foglio vom 23. März, indem er Bezü­ge zu ver­wand­ten Phä­no­me­nen such­te: „Im Mit­tel­punkt steht immer der — gar noch selbst­be­ru­fe­ne — Ver­such, die Kir­che in das Volk der Armen auf dem Weg zu ver­wan­deln, von den Armen von Lyon, spä­ter als Wal­den­ser bekannt, über alle ortho­do­xen und häre­ti­schen Strö­mun­gen, die das Hoch- und Spät­mit­tel­al­ter durch­zo­gen, wie den Humi­lia­ten und Fra Dol­ci­no, mit Aus­läu­fern, die bis Tol­stoi rei­chen und in einer stän­di­gen Rege­ne­ra­ti­on noch wei­ter her­auf, bis der Ver­such wie­der iden­tisch in Die fünf Wund­ma­le der hei­li­gen Kir­che von Anton von Ros­mi­ni auf­tritt. Das fünf­te ‚Wund­mal‘ lau­te­te über die Kir­chen­gü­ter im Dienst der Theo­lo­gie der armen Kirche.“

Es han­delt sich um ein The­ma, das wei­te­re Ver­tie­fung ver­dient, aber letzt­lich nicht der ent­schei­den­de Punkt ist. Das Leben eines Men­schen, auch eines Pap­stes, mißt man nicht mit den Gesten der Ver­gan­gen­heit, es ändert sich jeden Tag und jeden Tag kann es durch Wen­dun­gen, Rei­fun­gen, durch neue und unvor­her­ge­se­he­ne Wege auf Null gesetzt werden.

Jeder Wech­sel des Pon­ti­fi­kats soll­te, statt die­se Fra­gen auf­zu­wer­fen, auf die nur die Zukunft Ant­wort geben kann, viel­mehr Gele­gen­heit sein, über das zu reflek­tie­ren, was der Neu­ge­wähl­te ver­tritt. Mehr noch um dar­über nach­zu­den­ken, was das Papst­tum als Insti­tu­ti­on ist, als über den Papst als Per­sön­lich­keit. Und das vor allem in einem Augen­blick, in dem zwi­schen dem 11. Febru­ar und dem 13. März 2013 die Kon­sti­tu­ti­on des Papst­tums tief­grei­fend ver­letzt wor­den zu sein scheint.

Die Verletzung des Papsttums seit dem 11. Februar

Der erste Hieb die­ser Gei­ße­lung war der Ver­zicht auf das Pon­ti­fi­kat durch Bene­dikt XVI. Ein kir­chen­recht­lich legi­ti­mer Akt, aber mit einer ver­hee­ren­den Aus­wir­kung von histo­ri­scher Trag­wei­te. „Ein Papst der zurück­tritt, ist bereits ein epo­cha­les Ereig­nis in der Geschich­te der Neu­zeit“, merk­te Mas­si­mo Fran­co an. „Aber ein Papst, der es im vol­len Besitz sei­ner gei­sti­gen Fähig­kei­ten tut und zur Begrün­dung ledig­lich die Alters­schwä­che nennt, zer­bricht eine tau­send­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on“ (La cri­si dell’impero vati­ca­no, Die Kri­se es vati­ka­ni­schen Impe­ri­ums, Mond­ado­ri, Mai­land 2013).

Der zwei­te Hieb gegen die Insti­tu­ti­on war die Ent­schei­dung Bene­dikts XVI. sich selbst als „eme­ri­tier­ten Papst“ zu bezeich­nen, sei­nen Namen und das wei­ße Gewand eines Pap­stes zu behal­ten und wei­ter­hin im Vati­kan zu leben, wenn auch im Klo­ster. Nam­haf­te Kir­chen­recht­ler wie Car­lo Fan­tap­piਠhaben die Neu­heit die­ses Schrit­tes erkannt und betont wie „der Ver­zicht Bene­dikts XVI. die Ver­fas­sung der Kir­che vor schwer­wie­gen­de Pro­ble­me gestellt hat, die die Natur des päpst­li­chen Pri­mats betref­fen, aber eben­so den inne­ren wie äuße­ren Gel­tungs­be­reich sei­ner Zustän­dig­kei­ten nach dem Ende sei­nes Amtes (Papa­to, sede vacan­te e ‚Papa eme­ri­to‘. Equi­vo­ci da evi­t­a­re, Papst­tum, Sedis­va­kanz und „eme­ri­tier­ter Papst“. Zu ver­mei­den­de Miß­ver­ständ­nis­se, Inter­view in Avve­ni­re vom 21. Febru­ar). ((Pro­fes­sor Fan­tap­piਠplä­dier­te in dem Inter­view, die sei­ner­zeit gebrauch­te For­mel „Pie­tro da Mor­ro­ne, gewe­se­ner Cöle­stin V.“ zu gebrau­chen, also umge­setzt auf heu­te „Joseph Ratz­in­ger, gewe­se­ner römi­scher Papst“.))

Warum wurde verwirrende Begegnung zwischen Franziskus und Benedikt XVI. medial ausgebreitet?

Die Koexi­stenz eines Pap­stes, der sich als Bischof von Rom bezeich­net und eines Bischofs (denn das ist heu­te Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger), der sich selbst als Papst bezeich­net, bie­tet das Bild einer „dop­pel­köp­fi­gen“ Kir­che und ruft unwei­ger­lich die Zei­ten der gro­ßen Schis­men in Erin­ne­rung. Man ver­steht in die­sem Zusam­men­hang auch nicht die media­le Auf­merk­sam­keit, die der Vati­kan der Begeg­nung der bei­den Päp­ste am 23. März auf Castel Gan­dol­fo ver­schaff­te. Das Bild, das rund um die Welt ging und das auch der Osser­va­to­re Roma­no vom 24. März auf der Titel­sei­te abdruck­te, zeigt zwei Män­ner, die in der Sym­bol­spra­che abso­lut gleich­ran­gig gezeigt wer­den, sodaß es dem Betrach­ter auf Anhieb schwer­fällt zu erken­nen, wer der wirk­li­che Papst ist.

Das Ereig­nis wider­spricht zudem der vom Pres­se­amt des Hei­li­gen Stuhls gege­be­nen Ver­si­che­rung, daß Bene­dikt XVI. nach dem 28. Febru­ar die Büh­ne der Öffent­lich­keit mei­den und sich in die Stil­le und das Gebet zurück­zie­hen wür­de. Wäre es nicht klü­ger gewe­sen, wenn das Tref­fen abseits der Schein­wer­fer statt­ge­fun­den hät­te? Oder steckt hin­ter der Ent­schei­dung für die media­le Öffent­lich­keit eine prä­zi­se Stra­te­gie? Wenn ja, wel­che? Ein Exper­te für die Geschich­te des Chri­sten­tums, Rober­to Rus­co­ni, hat das Sze­na­ri­um der unvoll­ende­ten Enzy­kli­ka Joseph Ratz­in­gers über den Glau­ben nach jenen über die Lie­be und die Hoff­nung weitergedacht.

„Die nicht voll­ende­te Enzy­kli­ka könn­te noch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt wie irgend­ein ande­rer Text von Joseph Ratz­in­ger ver­öf­fent­licht wer­den, der wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats wie­der­holt erklär­te, daß die letz­ten Bücher in kei­ner Wei­se als direk­ter Aus­druck sei­nes päpst­li­chen Lehr­am­tes zu betrach­ten sei­en“, wie Rus­co­ni anmerk­te (Il gran rifiu­to. Per­ché un papa si dimet­te, Die gro­ße Ver­wei­ge­rung. War­um ein Papst zurück­tritt, Mor­cel­lia­na, Bre­scia 2013).

Rücktritt Benedikts XVI. wirft viele Fragen auf, die Bedeutung des Papsttums angreifen

Wenn dem so gesche­hen soll­te, wür­de damit nicht nur die Auto­ri­tät der von Bene­dikt XVI. wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats erlas­se­nen Doku­men­te unter­mi­niert, son­dern auch jene sei­nes Nach­fol­gers, weil die Wahr­neh­mung ver­schwim­men wür­de, was ein lehr­amt­li­cher Akt ist und was nicht, wodurch das Kon­zept der Unfehl­bar­keit zer­schla­gen wür­de, über die so oft und unan­ge­mes­sen gespro­chen wird.

Es gibt erklär­te Ver­fech­ter einer Redu­zie­rung des Papst­tums, die sich all­ge­mein auf eine Pas­sa­ge von Johan­nes Paul II. in des­sen Enzy­kli­ka Ut Unum sint vom 25. Mai 1995 beru­fen, in der Papst Woj­ty­la sich bereit erklärt, „eine Form der Pri­mats­aus­übung zu fin­den, die zwar kei­nes­wegs auf das Wesent­li­che ihrer Sen­dung ver­zich­tet, sich aber einer neu­en Situa­ti­on öff­net.“ (Nr. 95)

Daher rührt die von Giu­sep­pe Albe­ri­go und von der Schu­le von Bolo­gna vor­ge­nom­me­ne Unter­schei­dung zwi­schen dem unver­än­der­li­chen Wesent­li­chen des Papst­tums und den „For­men der Amts­aus­übung“, in der es sich in der Geschich­te aus­ge­drückt hat (For­me sto­ri­che di gover­no del­la chie­sa, in “Il Reg­no“, 1. Dezem­ber 2001, S. 719–723). Der Haupt­feind sei die im Mit­tel­al­ter ent­stan­de­ne Idee „päpst­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät“, die am Ursprung der Ver­for­mung des Papst­tums vom ursprüng­li­chen Geist des Amtes stehe.

Alberigos „Schule von Bologna“ und die rückgängig zu machende Deformierung des Papsttums

Seit der Mit­te des 15. Jahr­hun­derts habe, laut einem ande­ren Bolo­gne­ser Histo­ri­ker, Pao­lo Pro­di, eine Meta­mor­pho­se des Papst­tums statt­ge­fun­den, die ins­ge­samt die Insti­tu­ti­on betrof­fen habe. Die­se habe nicht nur die insti­tu­tio­nel­len Merk­ma­le des Kir­chen­staa­tes ver­än­dert, der zu einer welt­li­chen Herr­schaft wur­de, son­dern auch zu einer Neu­de­fi­ni­ti­on der kirch­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät auf poli­ti­scher Grund­la­ge geführt.

Das Papst­tum war sieg­reich gegen den Kon­zi­lia­ris­mus, wur­de dann aber vom moder­nen Staat geschla­gen, denn gera­de wäh­rend sich die Kir­che ver­welt­lich­te, wur­de der Staat sakra­li­siert (Il Sov­ra­no Pon­te­fice. Un cor­po e due ani­me: la mon­ar­chia papa­le nella pri­ma età  moder­na, Der Papst als Herr­scher. Ein Kör­per und zwei See­len: die päpst­li­che Mon­ar­chie in der frü­hen Neu­zeit, Il Muli­no, Bolo­gna 1983, S. 306).

Ab der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on aber, habe die Kir­che durch einen frucht­ba­re dia­lek­ti­sche Bezie­hung mit der moder­nen Welt begon­nen, sich von den Fes­seln der Ver­gan­gen­heit zu lösen. Trotz eini­ger rück­wärts­ge­wand­ten Pha­sen vor allem durch die Pon­ti­fi­ka­te Pius IX., Pius X. und Pius XII. stel­le das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil, laut Albe­ri­go und sei­nen Schü­lern, den ent­schei­den­den „Wen­de­punkt“ dar, in dem es die recht­lich-insti­tu­tio­nel­le Dimen­si­on der Kir­che eli­mi­niert und sich einer neu­en Visi­on der­sel­ben auf der Grund­la­ge der „Com­mu­nio“ und des „Vol­kes Got­tes“ öffnet.

Speist sich Papsttum aus dem Weihesakrament? Ist Bischof von Rom nur ein Bischof unter allen Bischöfen?

Die­se The­sen wur­den auf theo­lo­gi­scher Ebe­ne in einem jüngst erschie­ne­nen Buch wie­der­holt, das der Dekan der ita­lie­ni­schen Ekkle­sio­lo­gen, Seve­ri­no Dia­nich ((Seve­ri­no Dia­nich gehört zu den Unter­zeich­nern der ita­lie­ni­schen Ver­si­on der Rebel­len-Prie­ster)) dem Papst­amt wid­me­te (Per una teo­lo­gia del papa­to, Cini­s­el­lo Bal­sa­mo, San Pao­lo 2010). Den Kern der Ver­öf­fent­li­chung bil­det die The­se vom Über­gang von einer recht­li­chen Sicht­wei­se der Kir­che, die auf dem ent­schei­den­den Kri­te­ri­um der Juris­dik­ti­on beruht, zu einer sakra­men­ta­len, die auf der Idee der Gemein­schaft gründet.

Der Kno­ten des Pro­blems geht auf die Dis­kus­si­on wäh­rend des Kon­zils zurück über die Inter­pre­ta­ti­on der Nr. 22 von Lumen Gen­ti­um und der Nota pra­e­via, die die­sem Doku­ment in jener Woche des Kon­zils nach­ge­scho­ben wur­de, die von den Pro­gres­si­sten als die „Schwar­ze Woche“ des zwei­ten Vati­ka­nums bezeich­net wird.

Die Bezie­hun­gen zwi­schen dem Papst und den Bischö­fen kön­nen, laut Dia­nich, nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil nicht mehr durch Dele­gie­rung und Unter­ord­nung geprägt sein. Der Papst regiert die Kir­che nicht „von oben“, son­dern lei­tet sie in der Gemein­schaft. Sei­ne Lei­tungs­ge­walt lei­te sich vom Sakra­ment her und unter dem sakra­men­ta­len Aspekt ste­he der Papst nicht höher als die Bischöfe.

Gemäß die­ser Vor­stel­lung ist er, noch bevor er Hir­te der Welt­kir­che ist, zual­ler­erst Bischof von Rom und der Pri­mat, den er über die Welt­kir­che aus­übt, ist nicht einer der Regie­rung, son­dern einer der Lie­be, gera­de weil der Papst – onto­lo­gisch – als Bischof auf der­sel­ben Stu­fe wie alle ande­ren Bischö­fe steht. Des­halb möch­te Dia­nich dem Bischofs­kol­le­gi­um mehr Befug­nis­se zuschrei­ben und die­sem die Mög­lich­keit über­tra­gen, maß­geb­li­chen Anteil an der legis­la­ti­ven Gewalt zu haben. Der Papst soll­te sei­nen Pri­mat auf neue Wei­se aus­üben, indem er neben sich bera­ten­de oder sogar ent­schei­den­de Gre­mi­en zuläßt, wie zum Bei­spiel Bischofs­kon­fe­ren­zen, Syn­oden oder jeden­falls stän­di­ge Gre­mi­en, die ihn bei der Lei­tung der Kir­che unterstützen.

Für Papst nur mehr „Ehrenprimat“ oder „Liebesprimat“, aber keine Leitungsgewalt?

Es wür­de sich um einen „Ehren­pri­mat“ oder „Lie­bes­pri­mat“ han­deln, aber nicht um einen sou­ve­rä­nen Pri­mat der Lei­tungs­ge­walt über die Kirche.

Die­se The­sen sind jedoch, vor allem histo­risch falsch. Die Geschich­te des Papst­tums ist in Wirk­lich­keit nicht die Geschich­te unter­schied­li­cher und unter­ein­an­der in Kon­flikt ste­hen­der histo­ri­scher For­men, son­dern die homo­ge­ne Ent­wick­lung eines Prin­zips höch­ster und sou­ve­rä­ner Lei­tungs­ge­walt, die in den Wor­ten von Jesus Chri­stus ent­hal­ten sind, die er zum hei­li­gen Petrus und nur ihm allein sag­te: „Du bist Petrus und auf die­sen Fel­sen wer­de ich mei­ne Kir­che erbau­en“ (Mt 16,14–18).

Als der hei­li­ge Cle­mens (92–98 oder 100), der drit­te Nach­fol­ger des Petrus als Bischof von Rom am Beginn der Regie­rungs­zeit von Kai­ser Ner­va (um 97) ein­griff, um die Ein­heit der Kir­che von Korinth wie­der­her­zu­stel­len, die von schwer­wie­gen­der Zwie­tracht erschüt­tert wur­de, und Gehor­sam ein­for­der­te, berief er sich auf den Grund­satz der von Chri­stus und den Apo­stel fest­ge­leg­ten Suk­zes­si­on, indem er sogar mit Sank­tio­nen droh­te, soll­ten sei­ne Ent­schei­dun­gen nicht aus­ge­führt und ein­ge­hal­ten wer­den (Let­te­ra Prop­ter subi­tas ai Corin­zi, in Denz‑H, Nr. 101–102). Der gebie­ten­de Ton des Brie­fes und die Ver­eh­rung, mit der er von der Gemein­de von Korinth ange­nom­men wur­de, sind der ein­deu­ti­ge Beweis für den bereits exi­sten­ten und aner­kann­ten Pri­mat des Bischofs von Rom am Ende des ersten Jahrhunderts.

Historische Fakten sprechen klare Sprache: Direkter Auftrag Christi an Petrus und dessen Nachfolger

Etwa zehn Jah­re spä­ter ver­faß­te der hei­li­ge Igna­ti­us, der Bischof von Antio­chi­en, wäh­rend einer Rei­se von Antio­chi­en nach Rom, wo er das Mar­ty­ri­um erlitt, einen Brief an die Römer, in dem er die Vor­rang­stel­lung der Kir­che von Rom über die gesam­te Welt­kir­che aner­kann­te. Er bekräf­tig­te: „Ihr habt die ande­ren belehrt und ich wün­sche, daß das, was ihr in euren Beleh­run­gen ver­kün­det, fest­ge­schrie­ben sei“ (Epi­stu­la ad Roma­nos 3,1).

Sei­ne so häu­fig falsch zitier­te Fest­stel­lung, wonach die Kir­che von Rom „der Aga­pe vor­steht“, ist in sei­nem wah­ren Sinn zu ver­ste­hen. Die Aga­pe bedeu­tet nicht all­ge­mein Cari­tas, son­dern ist, für Igna­ti­us, die Welt­kir­che (die er als erster katho­lisch nennt), die durch das Band der Lie­be ver­bun­den ist.

Im Lauf der Jahr­hun­der­te blieb der päpst­li­che Pri­mat, ver­stan­den als akti­ver und zen­tra­ler Grund­satz in der Lei­tung der Welt­kir­che, das cha­rak­te­ri­sti­sche Wesens­merk­mal des Papst­tums, eben­so wie die mon­ar­chi­sche und hier­ar­chi­sche Kon­sti­tu­ti­on die Kir­che im Lauf der Jahr­hun­der­te cha­rak­te­ri­sier­te. Wann immer ein Pon­ti­fi­kat im Lauf der Kir­chen­ge­schich­te schwach, abwe­send oder unge­eig­net war, waren Schis­men, Häre­si­en und reli­giö­se und sozia­le Umbrü­che die Fol­ge. Im Gegen­satz dazu fan­den die gro­ßen Refor­men und die Wie­der­auf­rich­tung der Kir­che unter Päp­sten statt, die ihre Lei­tungs­ge­walt in ihrer gan­zen Voll­macht aus­üb­ten, vom hei­li­gen Gre­gor VII. bis zum hei­li­gen Pius X.

Absolute und souveräne Leitungsgewalt von der frühen Kirche immer anerkannt

Das beson­de­re Munus des Pap­stes besteht nicht in sei­ner Wei­he­ge­walt, die er mit allen ande­ren Bischö­fen der Welt gemein­sam hat, son­dern in sei­ner Lei­tungs­ge­walt, die ihn von jedem ande­ren Bischof unter­schei­det, weil nur er über die voll­stän­di­ge und abso­lu­te Lei­tungs­ge­walt ver­fügt und er der allei­ni­ge Quell der Lei­tungs­ge­walt aller ande­ren Bischö­fe ist. Die Gewalt des Lehr­am­tes ist Teil sei­nes Lei­tungs­pri­mats und die Unfehl­bar­keit stellt die höch­ste und voll­kom­men­ste Aus­drucks­form des päpst­li­chen Pri­mats dar, eine Sou­ve­rä­ni­tät, die noch viel not­wen­di­ger ist, als jene der welt­li­chen Gesellschaft.

Die Lei­tungs­ge­walt ist vor allem Regie­rungs­ge­walt. Der Papst ist Papst, weil er die Kir­che regiert und eine Lei­tungs­ge­walt in Fra­gen der Glau­bens­leh­re und der kirch­li­chen Ord­nung aus­übt, die er nicht dele­gie­ren kann. Es gibt eben kei­nen Unter­schied zwi­schen der Regie­rungs­ge­walt und deren Aus­übung, als wäre die Mög­lich­keit einer Regie­rung vor­stell­bar, deren Wesens­merk­mal es wäre, nicht zu regie­ren. Die Essenz des Papst­tums hat in die­sem Sinn unver­än­der­li­che Wesens­merk­ma­le: es han­delt sich um eine abso­lu­te Lei­tungs­ge­walt, die nicht an ande­re dele­giert wer­den kann, weder voll­stän­dig noch teil­wei­se. Das Papst­tum ist eine abso­lu­te Mon­ar­chie, in der der Papst herrscht und regiert und die nicht in eine kon­sti­tu­tio­nel­le Mon­ar­chie umge­wan­delt wer­den kann, in der der Sou­ve­rän zwar herrscht, aber nicht regiert.

Absolute Leitungsgewalt nicht historische Ausformung, sondern Wesensmerkmal des Papsttums

Eine Ver­än­de­rung die­ser Regie­rung wür­de nicht die histo­ri­sche Form angrei­fen, son­dern das von Gott ein­ge­setz­te Wesens­merk­mal des Papst­tums. Es han­delt sich nicht um einen abstrak­ten Streit, son­dern um ein theo­lo­gi­sches Pro­blem mit kon­kre­ten histo­ri­schen Aus­wir­kun­gen. Die Epo­che der Glo­ba­li­sie­rung der Märk­te und der digi­ta­len Revo­lu­ti­on sieht  den Nie­der­gang der Natio­nal­staa­ten, die durch neue Finanz- und Medi­en­mäch­te ersetzt wer­den. Aber das Cha­os und die Zer­split­te­rung und die Kon­flik­tra­te der neu­en Sze­na­ri­en rüh­ren gera­de von die­sem Sou­ve­rä­ni­täts­ver­lust her, für den die aus dem Maas­tricht-Ver­trag ent­stan­de­ne Euro­päi­sche Uni­on ein elo­quen­tes Bei­spiel ist, die sich nicht als „Super-Staat“ prä­sen­tiert, son­dern wie ein Nicht-Staat, der durch die Ver­meh­rung von Ent­schei­dungs­zen­tren und einer Kon­fu­si­on von Zustän­dig­kei­ten und Befug­nis­sen gekenn­zeich­net ist. Die Auto­ri­tät und die Kraft der Natio­nal­staa­ten und der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie zer­fal­len zuse­hends und das ent­ste­hen­de Vaku­um wird durch sicht­ba­re oder ver­steck­te ideo­lo­gi­sche Lob­bys und Finanz­lob­bys besetzt.

Die katho­li­sche Kir­che soll­te sich gemäß die­sem Auf­lö­sungs- und Zer­falls­pro­zeß umfor­men und sich damit selbst zer­stö­ren? Der Rela­ti­vis­mus ver­langt, daß die Kir­che den Unfehl­bar­keits­an­spruch auf­gibt, wie der Wal­denser­pa­stor Pao­lo Ric­ca am 19. März 2013 im Il Foglio zeit­gleich zur Amts­ein­füh­rung von Papst Fran­zis­kus forderte.

Das Charisma Autorität des Papsttums als Fels in einer sich zersplitterndern Welt nützen

Soll sie die­sem Weg fol­gen, um sich der Welt schwach und nach­gie­big zu zei­gen, oder nicht doch sich die­ses Cha­ris­mas bedie­nen, über das nur sie allein ver­fügt, um ihre reli­giö­se und mora­li­sche Sou­ve­rä­ni­tät den Rui­nen der Moder­ni­tät ent­ge­gen­zu­stel­len? Die Alter­na­ti­ve ist dra­ma­tisch, aber unausweichlich.

Sicher ist, daß die Fra­ge „wer ist heu­te der Papst?“, noch vor den Medi­en, der Theo­lo­gie, der Geschich­te und dem kano­ni­schen Recht der Kir­che zu stel­len ist. Sie ant­wor­ten uns, daß hin­ter der Per­son von Bene­dikt XVI. und von Fran­zis­kus ein von Chri­stus selbst errich­te­ter päpst­li­cher Thron exi­stiert. Der hei­li­ge Papst Leo der Gro­ße, der als der bedeu­tend­ste Theo­lo­ge des Papst­tums des ersten Jahr­tau­sends bezeich­net wer­den kann, erklär­te mit Klar­heit die Bedeu­tung der petri­ni­schen Suk­zes­si­on, indem er sie in der For­mel zusam­men­faß­te: „Unwür­di­ger Erbe des hei­li­gen Petrus“. Der Papst wur­de zum Erben des hei­li­gen Petrus was sei­nen recht­li­chen Sta­tus anbe­lang­te und sei­ne objek­ti­ven Gewal­ten, nicht aber was sei­nen per­sön­li­chen Sta­tus und sei­ne sub­jek­ti­ven Ver­dien­ste anbelangte.

Die Unter­schei­dung zwi­schen dem Amt und dem Inha­ber des Amtes, zwi­schen der öffent­li­chen Per­son des Pap­stes und sei­ner pri­va­ten Per­son ist grund­le­gend in der Geschich­te des Papst­tums. Der Papst ist der Stell­ver­tre­ter Chri­sti, der in sei­nem Namen und durch sei­ne Beauf­tra­gung die Kir­che regiert. Bevor er eine pri­va­te Per­son ist, ist er vor allem eine öffent­li­che Per­son. Bevor es um den Men­schen geht, geht es vor allem um die Insti­tu­ti­on. Bevor er Papst ist, ist es das Papst­tum, in dem die Kir­che zusam­men­ge­faßt und kon­zen­triert ist, die der mysti­sche Leib Chri­sti ist.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Una Fides

8 Kommentare

  1. Sehr tref­fend wird die destruk­ti­ve Rol­le von Bene­dikt XVI. geschil­dert, der da als Schat­ten­papst wei­ter­macht, und selbst zuge­dach­ten Wür­den und Apa­na­gen, und die Kir­che einer Zer­reiß­pro­be aus­lie­fert und aus­setzt, typisch für sei­ne Eitel­keit, und es gibt ja auch Äuße­run­gen von Johan­nes Paul II. dass er das Papst­tum “ öku­men­e­taug­lich “ machen müsse.
    Das mit den Armen fin­de ich nicht so schlimm, erstens war Ber­go­glio immer ein Geg­ner des Mar­xis­mus , und an der Ver­mi­schung zwi­schen Mar­xis­mus und Chri­sten­tum nahm Johan­nes Paul II. zu Recht Anstoß, und auch Jesus lässt Johan­nes auf die Fra­ge ob er der sei , der kom­men soll,ausrichten Blin­de gehen wie­der , Lah­me sehen wie­der, und den ARMEN wird das Evan­ge­li­um ver­kün­det. Ich fin­de es des­halb in hohem Maße logisch wenn sich ein Papst den Armen zuwen­det auch wenn das jetzt 1000 Jah­re nicht der Fall war.

  2. Wickerl,

    neh­men Sie bit­te wenig­stens zur Kennt­nis, was Papst Bene­dikt zugleich mit sei­nem Rück­tritt erklärt hat, daß er ein Leben im Gebet für die Kir­che füh­ren will.

    Das heißt ganz klar, daß er sich nir­gends ein­mi­schen und kei­ne Reden mehr hal­ten wird. Er ist in Kür­ze Gefan­ge­ner des Vati­kan, und das biß­chen Essen und Trin­ken wer­den Sie ihm doch gön­nen können.

    Ich den­ke, daß Papst Fran­zis­kus mit sei­ner Sor­ge für die Armen und dem Beten für­ein­an­der die Befrei­ungs­theo­lo­gie in die Zan­ge neh­men will.

  3. „Die Koexi­stenz eines Pap­stes, der sich als Bischof von Rom bezeich­net und eines Bischofs (denn das ist heu­te Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger), der sich selbst als Papst bezeich­net, bie­tet das Bild einer „dop­pel­köp­fi­gen“ Kir­che und ruft unwei­ger­lich die Zei­ten der gro­ßen Schis­men in Erinnerung.“

    So weit, so rich­tig. ich tei­le die­se Ansicht. Mich hat es befrem­det, dass die­ses Tref­fen bei­der Päp­ste so in Bild und Ton fest­ge­hal­ten und ver­brei­tet wur­de. Auch beim Gebet der Bei­den in der Kapel­le der Papstre­si­denz zu Castel Gan­dol­fo hör­te man im Hin­ter­grund per­ma­nent (!) die Kame­ras klicken. Das war — freund­lich for­mu­liert — nicht nötig.

    Eine Anmer­kung aber den­noch zu obi­gem Zitat: Joseph Ratz­in­ger, gewe­se­ner Bene­dikt XVI., ist ent­ge­gen land­läu­fi­ger Mei­nung eben auch nicht mehr Kar­di­nal (schon seit sei­ner Wahl zum Papst nicht mehr), son­dern eben tat­säch­lich nur noch eme­ri­tier­ter Bischof von Rom.

  4. Der erste Ver­such einer Ana­ly­se des theo­lo­gi­schen Den­kes von Ber­go­glio. Aus­ge­zeich­net! Scha­de aller­dings, dass inhalt­lich nicht aus­führ­li­cher auf „El Jesui­ta“ und “ La Igle­sia trai­cio­na­da“ ein­ge­gan­gen wird.

    Über den Rück­tritt Bene­dikts, den auch ich für falsch und gefähr­lich hal­te, möch­te ich den­noch nicht urtei­len, denn wir wis­sen nicht, wel­che Umstän­de letzt­lich zu die­ser Ent­schei­dung geführt haben. Höchst bedenk­lich aber erschien mir die Art und Wei­se, wie er sich aus dem Amt ver­ab­schie­de­te, so als sei es die nor­mal­ste Sache der Welt, als füh­re er mal eben in die Sommerfrische.

    Die Bil­der von der Begeg­nung zwei­er in Papst­ge­wän­der geklei­de­ter Män­ner war gro­tesk und man muss sich wirk­lich fra­gen, ob man dadurch medi­al den Aus­nah­me­zu­stand in einen Nor­mal­zu­stand umdeu­ten und ihn somit zemen­tie­ren wollte.

    Die „Pau­per­o­ma­nie“ , wie es ein hie­si­ger Kom­men­ta­tor an ande­rer Stel­le nann­te, des neu­en „Bischofs von Rom“ hat wirk­lich etwas beklem­men­des, weil Jesus für alle gestor­ben ist, nicht nur für die mate­ri­ell Armen.

    Die Redu­zie­rung des päpst­li­chen Pri­ma­tes durch die Schu­le von Bolo­gna geschieht unter Miss­ach­tung der dog­ma­ti­schen Leh­ren des I. Vati­ka­nums! Auch hier eine Her­me­neu­tik des Bru­ches, die nach Papst Bene­dikt kei­ne trag­fä­hi­ge Lösung sein kann, weil ein Reich, das in sich gespal­ten ist, zugrun­de geht!

  5. Wenn jemand recht­zei­tig auf ein Amt ver­zich­tet, von dem er spürt, dass er ihm alters­mä­ßig nicht mehr gerecht wer­den kann, ist das nicht verantwortungslos.

    Wenn er es nicht täte, wür­den schließ­lich ande­re in sei­nem Namen regie­ren, oder aber er müss­te even­tu­ell spä­ter sogar als amts­un­fä­hig erklärt werden.
    Bei­de Fol­gen wür­den viel mehr Unklar­heit und Durch­ein­an­der ver­ur­sa­chen als ein recht­zei­ti­ger Rücktritt.

    Man soll­te sich viel­leicht auch ein­mal in einem Alten-oder Pfle­ge­heim umse­hen. Wer in die­sem Alter kann noch lei­ten und wirk­lich alles überblicken?

  6. Wenn man zurück­blickt sieht man, wie von Paul VI ange­fan­gen das Papstum von Rom selbst zuneh­mend demon­tiert wur­de, einen trau­ri­gen Höhe­punkt errei­chend in Bene­dikt-Ratz­in­ger und Franz-Bergoglio:

    1. Erklä­rung VII zur Kollegialität
    2. Paul VI legt die Tia­ra ab
    3. Joh Paul I läßt sich schon gar nicht mehr mit die­ser krönen
    4. Eben­so Joh Paul II
    5. Außer­dem will die­ser eine neue Form der Aus­übung des Papst­am­tes fin­den, die auch für die Schis­ma­ti­ker annehm­bar ist — so in dem ver­hee­ren­den Doku­ment
    6. Sodann das in die­ser Hin­sicht noch ver­hee­ren­de­re Doku­ment Domi­nus Jesus, das die Schis­ma­ti­ker, die den Papst nicht aner­ken­nen, als „ech­te Teil-“ oder „Schwe­ster­kir­chen“ bezeich­net. (Ähn­lich schon in Balamand.)
    7. Bene­dikt xVI läßt die Tia­ra sogar aus sei­nem offi­zi­el­len Papst­wap­pen verschwinden
    8. Franz folgt ihm dar­in — und demon­tiert das Papst­tum noch wei­ter, wie etwa hier im Arti­kel dokumentiert

    Nicht zu ver­ges­sen der Rück­tritt Bene­dikt-Ratz­in­gers mit den eben­falls hier genann­ten Nega­tiv­fol­gen für das Papst­amt (es wird nun eher wie ein Prä­si­den­ten­amt angesehen)
    etc. pp.

    • zu 5.: Das Doku­ment war wie oben auch im Ari­ti­kel erwähnt Ut unum sint 

      Inter­es­sant, der von de Mattei zitier­te Fan­tap­pie ist in der Tat nicht der erste, von dem ich vor­sich­ti­ge Zwei­fel höre, wer von den bei­den „Thron­an­wär­tern“ nun wirk­lich Papst sei.

      Aber viel­leicht löst sich die Fra­ge ohnenin bald auf — oder hat dies schon? — wenn immer deut­li­cher wird, dass der Papst/„Papst“ gar kein Papst sein will und damit den Thron selbst vakant macht — aller­dings hat ja auch Bene­dikt-Ratz­in­ger zuvor schon mit sei­nem neu­ne Ohne-Tia­ra-Wap­pen eigent­lich sehr klar gemacht, dass er nicht Papst (im alten, tra­di­tio­nel­len Sinn — wie eben auch schon seit Ut unum sint eigent­lich klar ist, s.a. oben im Arti­kel!) sein möchte.

      So könn­ten wir bald alle — ob wir es wol­len oder nicht — sedis­va­kan­ti­sten gewor­den sein bzw. gezwun­gen sein, dies zu wer­den — weil es kei­nen Papst mehr gibt, der ein sol­cher sein möchte.
      So hät­te die Fra­ge des „Sedis­va­kan­tis­mus“ eine inter­es­san­te „Lösung“ gefunden.

      • @ dspecht

        Der Rück­tritts­ge­dan­ke war im Den­ken Ratz­in­gers — lei­der! — schon immer latent vorhanden.

        Es stellt sich die Fra­ge, ob er sich dabei im kla­ren dar­über war und ist, dass er das Petrus­amt mit die­sem Schritt mög­li­cher­wei­se dau­er­haft beschä­digt hat.

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