Geistliche Armut durch Diktatur des Relativismus — Kein wahrer Frieden ohne Wahrheit

Franziskus Amtseinführung

ANSPRACHE
vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Corps von
PAPST FRANZISKUS

22. März 2013

 

Am spä­ten Vor­mit­tag emp­fing Papst Fran­zis­kus zu sei­nem Amts­an­tritt das beim Hei­li­gen Stuhl akkre­di­tier­te Diplo­ma­ti­sche Corps in Audi­enz. Nach einer kur­zen Gruß­bot­schaft des Doy­ens des Corps, des Bot­schaf­ters des Für­sten­tums Mona­co, Jean-Clau­de Michel, rich­te­te der Hei­li­ge Vater fol­gen­de Anspra­che an die Bot­schaf­ter.

Exzel­len­zen,
mei­ne Damen und Herrn,

ich dan­ke Ihrem Dekan, Bot­schaf­ter Jean-Clau­de Michel, von Her­zen für die schö­nen Wor­te, die er im Namen aller an mich gerich­tet hat, und mit Freu­de emp­fan­ge ich Sie zu die­ser ein­fa­chen, aber zugleich inten­si­ven Begrü­ßung, die gleich­sam für die Umar­mung steht, mit der der Papst die Welt umfängt. Denn durch Sie begeg­ne ich Ihren Völ­kern, und so kann ich in gewis­sem Sinn jeden Ihrer Mit­bür­ger errei­chen, mit sei­nen Freu­den, sei­nen dra­ma­ti­schen Situa­tio­nen, sei­nen Erwar­tun­gen, sei­nen Wün­schen.

Dass Sie so zahl­reich erschie­nen sind, ist auch ein Zei­chen dafür, dass die Bezie­hun­gen, die Ihre Län­der mit dem Hei­li­gen Stuhl unter­hal­ten, erfolg­reich sind, dass sie wirk­lich eine Mög­lich­keit zum Wohl der Mensch­heit dar­stel­len. Das ist es ja, was dem Hei­li­gen Stuhl am Her­zen liegt: das Wohl eines jeden Men­schen auf die­ser Erde! Und genau mit die­ser Inten­ti­on beginnt der Bischof von Rom sei­nen Dienst, wobei er weiß, dass er auf die Freund­schaft und die Zunei­gung der Län­der zäh­len kann, die Sie ver­tre­ten, und die Gewiss­heit hat, dass Sie die­sen Vor­satz tei­len. Zugleich ist es, wie ich hof­fe, auch die Gele­gen­heit, einen Weg zu begin­nen mit den weni­gen Län­dern, die noch kei­ne diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen mit dem Hei­li­gen Stuhl unter­hal­ten und von denen eini­ge, denen ich von Her­zen dan­ke, bei der Mes­se zu mei­ner Amts­ein­füh­rung zuge­gen waren oder Bot­schaf­ten als Geste der Ver­bun­den­heit gesandt haben.

Wie Sie wis­sen, gibt es meh­re­re Grün­de, war­um ich bei der Wahl mei­nes Namens an Fran­zis­kus von Assi­si gedacht habe – eine Per­sön­lich­keit, die über die Gren­zen Ita­li­ens und Euro­pas hin­aus und auch bei denen, die nicht den katho­li­schen Glau­ben beken­nen, wohl­be­kannt ist. Einer der ersten Grün­de ist die Lie­be, die Fran­zis­kus zu den Armen hat­te. Wie vie­le Arme gibt es noch in der Welt! Und wel­chen Lei­den sind die­se Men­schen aus­ge­setzt! Nach dem Bei­spiel des hei­li­gen Fran­zis­kus von Assi­si hat die Kir­che immer ver­sucht, sich in jedem Win­kel der Erde um die Not­lei­den­den zu küm­mern, sie zu behü­ten, und ich den­ke, dass Sie in vie­len Ihrer Län­der das groß­her­zi­ge Wir­ken jener Chri­sten fest­stel­len kön­nen, die sich enga­gie­ren, um den Kran­ken, den Wai­sen, den Obdach­lo­sen und allen Aus­ge­grenz­ten zu hel­fen, und die so dar­an arbei­ten, mensch­li­che­re und gerech­te­re Gesell­schaf­ten auf­zu­bau­en.

Doch es gibt auch noch eine ande­re Armut! Es ist die geist­li­che Armut unse­rer Tage, die ganz ernst­lich auch die Län­der betrifft, die als die reich­sten gel­ten. Es ist das, was mein Vor­gän­ger, der lie­be und ver­ehr­te Bene­dikt XVI., „Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus“ nennt und was jeden sein eige­ner Maß­stab sein lässt und so das Zusam­men­le­ben unter den Men­schen gefähr­det. Und damit kom­me ich zu einem zwei­ten Grund für mei­nen Namen. Fran­zis­kus von Assi­si sagt: Arbei­tet, um den Frie­den auf­zu­bau­en! Aber es gibt kei­nen wah­ren Frie­den ohne Wahr­heit! Es kann kei­nen wah­ren Frie­den geben, wenn jeder sein eige­ner Maß­stab ist, wenn jeder immer und ein­zig sein eige­nes Recht ein­for­dern kann, ohne sich gleich­zei­tig um das Wohl der ande­ren – aller – zu küm­mern, ange­fan­gen von der Natur, die alle Men­schen auf die­ser Welt ver­bin­det.

Einer der Titel des Bischofs von Rom ist Pon­ti­fex, das heißt Brücken­bau­er – Brücken zu Gott und zwi­schen den Men­schen. Ich wün­sche mir wirk­lich, dass der Dia­log zwi­schen uns dazu bei­trägt, Brücken zwi­schen allen Men­schen zu bau­en, so dass jeder im ande­ren nicht einen Feind, einen Kon­kur­ren­ten sieht, son­dern einen Bru­der, den er anneh­men und umar­men soll! Außer­dem drängt mich mei­ne eige­ne Her­kunft dazu, Brücken zu bau­en. Wie Sie wis­sen, kommt ja mei­ne Fami­lie aus Ita­li­en; und so ist in mir stets die­ser Dia­log zwi­schen Orten und Kul­tu­ren leben­dig, die von­ein­an­der ent­fernt sind – zwi­schen dem einen und dem ande­ren Ende der Erde, die heu­te ein­an­der immer näher rücken, von­ein­an­der abhän­gig sind, es nötig haben, ein­an­der zu begeg­nen und wirk­li­che Räu­me ech­ten Mit­ein­an­ders zu schaf­fen.

Grund­le­gend in die­sem Werk ist auch die Rol­le der Reli­gi­on. Man kann näm­lich kei­ne Brücken zwi­schen den Men­schen bau­en, wenn man Gott ver­gisst. Doch es gilt auch das Gegen­teil: Man kann kei­ne wah­re Ver­bin­dung zu Gott haben, wenn man die ande­ren igno­riert. Dar­um ist es wich­tig, den Dia­log zwi­schen den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen zu ver­stär­ken – ich den­ke beson­ders an den mit dem Islam –, und ich habe die Anwe­sen­heit vie­ler zivi­ler und reli­giö­ser Auto­ri­tä­ten der isla­mi­schen Welt bei der Mes­se zu mei­ner Amts­ein­füh­rung sehr geschätzt. Und es ist auch wich­tig, die Gegen­über­stel­lung mit den Nicht­gläu­bi­gen zu inten­si­vie­ren, damit nie­mals die Unter­schie­de, die tren­nen und ver­let­zen, über­hand neh­men, son­dern bei aller Ver­schie­den­heit doch der Wunsch über­wiegt, wah­re Bin­dun­gen der Freund­schaft zwi­schen allen Völ­kern zu auf­zu­bau­en.

Die mate­ri­el­le wie die geist­li­che Armut bekämp­fen, Frie­den schaf­fen und Brücken bau­en – das sind gleich­sam die Bezugs­punk­te eines Weges, den mit­zu­ge­hen ich jedes der Län­der, die Sie ver­tre­ten, ein­la­de. Das ist jedoch ein schwie­ri­ger Weg, wenn wir nicht immer mehr ler­nen, die­se unse­re Erde zu lie­ben. Auch in die­sem Fall hilft es mir, an den Namen Fran­zis­kus zu den­ken, der eine tief­grei­fen­de Ach­tung gegen­über der gesam­ten Schöp­fung und die Bewah­rung die­ser unse­rer Umwelt lehrt, die wir lei­der all­zu oft nicht zum Guten gebrau­chen, son­dern sie gie­rig aus­beu­ten zum gegen­sei­ti­gen Scha­den.

Lie­be Bot­schaf­ter,
mei­ne Damen und Her­ren,

ich dan­ke Ihnen noch­mals für all die Arbeit, die Sie in Zusam­men­ar­beit mit dem Staats­se­kre­ta­ri­at voll­brin­gen, um Frie­den zu schaf­fen und Brücken der Freund­schaft und des Mit­ein­an­ders zu bau­en. Über Sie möch­te ich Ihren Regie­run­gen noch ein­mal mei­nen Dank über­mit­teln für ihre Teil­nah­me an den Fest­lich­kei­ten anläss­lich mei­ner Wahl, in der Vor­aus­schau auf eine frucht­ba­re gemein­sa­me Arbeit. Der all­mäch­ti­ge Herr erfül­le jeden von Ihnen, Ihre Fami­lie und die Völ­ker, die Sie ver­tre­ten, mit sei­nen Gaben.

15 Kommentare

  1. Die­se Ans­spra­che des Pap­stes erin­nert in gera­de­zu fata­ler Wei­se an dei berühmt-berüch­tig­ten Aggior­na­ment­os an die mode­ren Welt,der Pop­so­zio­lo­gen des V 2 Com­pen­di­ums. Lob­hu­de­lei­en and die moder­ne Welt. Die­se Rede hät­te auch von einem Rota­rier­mei­ster oder Hoch­g­rad­frei­mau­rer stam­men können.Was dar­an noch spe­zi­fisch christ­lich ‚geschwei­ge denn katho­lisch-apo­sto­lisch sein soll, ist ein­fach uner­klär­lich und schlicht für einen Katho­li­ken nicht nachfollziehbar.Aber es ist mit die­sem neu­en Papst nicht anders zu erwarten.Das war von Anfang an so geplant.Die Anti-Rat­zi­ger Frak­ti­on hat dafür gesorgt,jetzt haa­ben Sie einen Ver­bün­de­ten auf dem Stuhl Petri und sie kön­nen fortfahren,katholische Bastio­nen zu schleifen.Papst Joh.XXIII hat die Kir­che in die Kri­se hinen­ema­nö­vriert. Papst Paul VI. hat ein neu­es Kir­chen­bild geschaf­fen, gemäss dem Kon­zil, ‑mit einer neu­en Mes­se, ‑mit neu­en Sakra­men­ten. — Der Mensch steht im Mit­tel­punkt, Dia­log statt Bekeh­rung. Eines ist jedoch sicher wie das Amen in der Kirche:Und das gilt ganz beson­ders für das-wenn auch nur kur­ze Pon­ti­fi­kat — von Papst Fran­zis­kus; Das Kon­zil ist und wird Quel­le des Lei­dens des Pap­stes sein,weil die Kon­zils­kir­che aus­ein­ader­fal­len wird durch den Liberlisamus,Der jetz­ti­ge Papst ist noch immer Voll­strecker der Irr­tüm­mer des Kon­zils uns so Voll­strecker der Revolution.Der neue Huma­nis­mus der Kir­che ‑oder gera­de das was die­ser Papst anstrebt, wird die Gesell­schaft zer­rüt­ten, da der alte Glau­be in Ver­ges­sen­heit gera­ten wird und ist. Die Bot­schaft der MUTTERGOTTES VON LA SALETTE: » Rom wird den Glau­ben ver­lie­ren uns Sitz des Anti­christs werde«,das gilt ausser­or­dent­lich ernst zu neh­men. Unter dem gegen­wä­ri­gen Papst zwar noch nicht ganz erfüllt,aber er ist wis­send oder unwissend,ein Vor­läu­fer und Wegbereiter.Unter sei­nem Pon­ti­fi­kat eig­net sich das Vor­spiel im Abfall vom Abso­lut­heits­an­spruch der katho­li­schen Reli­gi­on und der Pro­kla­ma­ti­on der „Suche nach der Wahr­heit“. Herr,erbarme dich Dei­ner klei­nen Herde.Amen

    • Die Fra­ge nach dem War­um ist aber noch offen. Die Päp­ste sind doch nicht blö­der als wir. War­um also begrei­fen Sie nicht, dass das Psto­ral­kon­zil ein Irr­tum war und es es ihre Pflicht ist die Hei­li­ge Tra­di­ti­on wie­der auf­zu­rich­ten. Das wäre doch ganz ein­fach. Vor allem für einen Papst.

      • „War­um also begrei­fen Sie nicht, dass das Pasto­ral­kon­zil ein Irr­tum war und es es ihre Pflicht ist die Hei­li­ge Tra­di­ti­on wie­der auf­zu­rich­ten.“ — .… weil sie nicht um die Gna­de bit­ten, die Wahr­heit in Demut zu erken­nen und mit allen unan­ge­neh­men Kon­se­quen­zen anneh­men zu kön­nen? …weil sie sich als Herr­scher über die Wahr­heit füh­len? …weil sie ihrer Mei­nung nach eine „befrei­te“, eine „bes­se­re“ Form des Glau­ben „ent­deckt“ haben und von die­ser nicht las­sen wol­len? Gegen den Wil­len eines Men­schen ist kein Kraut gewach­sen!

    • Da kann ich ihnen nur voll und ganz bei­pflich­ten! Wir kön­nen nur hof­fen, dass das Pon­ti­fi­kat des jet­zi­gen römi­schen Bischofs nur von kur­zer Dau­er ist. Doch wer weiß das schon. In unse­rer schnelllebi­gen und am Glau­ben des­in­ter­es­sier­ten Zeit rei­chen ein paar Jah­re, um die Kir­che voll­ends gegen die Wand zu fah­ren. Das Kon­zil hat ja die Wei­chen rich­tig gestellt.

      Doch wer begreif­ts in die­ser Kir­chen­lei­tung ??? Es darf nicht begrif­fen wer­den. Denn es gilt der alte Grund­satz: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Auch wenn es ist …

    • Von Her­zen stim­me ich den Aus­füh­run­gen Leo­nes zu. Der ein­zi­ge Trost der uns in die­ser Situa­ti­on der Kir­che bleibt ist die Ver­hei­ßung des Herrn, daß die Pfor­ten der Höl­le die Römi­sche Kir­che nicht ver­schlin­gen wer­den. Doch ganz gewiß wird Fran­zis­kus  die Kir­che mit sei­nen getreu­en Kar­di­nä­len ganz nah an die­se Port­ae infe­ri­is her­an­füh­ren. Gott sei uns und sei­ner hei­li­gen Kir­che gnä­dig, denn es kommt eine Zeit der grau­sa­men Glau­bens­ver­wü­stung auf uns zu die wir noch nie gese­hen haben. Beten wir! Gna­de uns Gott, wenn die­ser Papst neue Kar­di­nä­le kre­iert, dann nimmt die Über­macht der Ultra­pro­gres­si­sten über­hand, und der näch­ste Papst wird noch schlim­mer als Fran­zis­kus. Ein Hor­ror­bild.
       

      • Immer wie­der die­se sach­lich völlg unhalt­ba­re Behaup­tung, VatII sei ein Tra­di­ti­ons­bruch! Man hört und liest das immer wie­der von Tra­di­tio­na­li­sten, Reak­tio­nä­ren Katho­li­zi­sten und Pius-Brü­dern.

        Denn es geht nicht um Tra­di­tio­na­lis­mus, son­dern um Tra­di­ti­on, nicht um Katho­li­zis­mus, son­dern um Katho­li­zi­tät!

        Es geht um Fort­ent­wick­lung im Span­nungs­feld von Inno­va­ti­on und Tra­di­ti­on. Die Tra­di­tio­na­li­sten, Kat­jho­li­zi­sten, Reak­tio­nä­re und Pius­brü­der leh­nen offen­bar jede Inno­va­ti­on ab, so daß nach deren Auf­fas­sung die Tra­di­ti­on im Tra­di­tio­na­lis­mus zu erstar­ren hat. Es war gera­de VATII, das die Kir­che aus der ideo­lo­gi­schen Enge des Katho­li­zis­mus her­aus­ge­führt hat in die ursprüng­li­che Wei­te ihrer Katho­li­zi­tät und ihr so ihre ursprüng­li­che Dyna­mik wie­der­ge­ge­ben hat. Dass das Aus­land den Unb­ter­schied zwi­schen Ideo­lo­gie und Wirk­lich­keit nicht kennt, wor­auf die Redak­ti­on in einem ande­ren Zusam­men­hang hin­ge­wie­sen hat, macht das Pro­blem nicht gera­de leich­ter.

        Beson­ders ger­ne wird die an Wirk­lich­keits­fremd­heit kaum über­biet­ba­re Auf­fas­sung geäu­ssert, das Dekret über Reli­gi­ons­frei­heit bedeu­te die Gleich­wer­tig­keit der Glau­ens­aus­sa­gen aller Reli­gio­nen.

        Inn obi­ger Rede vor Diplo­ma­ten hat sich der Papst ver­ständ­li­cher­wei­se diplo­ma­tich aus­ge­drückt. Man muß mit der Inter­pre­ta­ti­on vor­sich­tig sein. Das geht nicht ohne Kennt­nis des diplo­ma­ti­schen Voi­ka­bu­lars.

  2. Man ver­zei­he mir die Tipp­feh­ler in mei­nem Posting .Es gab Pro­ble­me mit der Funk­ti­ons­wei­se der Tasta­tur auf dem PC.Danke für das Verständnis.Aber Gott schreibt ja auch gera­de auch auf„krummen Zeilen“.Danke für die Nach­sicht

  3. Viel­leicht sind Sie da etwas zu pes­si­mi­stisch, Herr Leo­ne. Natür­lich besteht die Gefahr, dass Papst Fran­zis­kus im guten Wil­len über das Ziel hin­aus­ge­tra­gen wird und damit in der Kir­che wie­der eine rela­ti­vi­sti­sche Glau­bens­dis­kus­si­on in den Vor­der­grund rückt. Die­sen Rela­ti­vis­mus im Glau­ben gab es latent in der Kir­che unse­rer Zeit immer, er hat sei­nen Ursprung auch nicht im 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil, son­dern im moder­nen Den­ken selbst, das vom Posi­ti­vis­mus geprägt ist. Wahr­heit erscheint den mei­sten Men­schen als das, was sie sub­jek­tiv unter dem Begriff ver­ste­hen wol­len. Wahr­heit geht dann sub­jek­ti­ver Inter­pre­ta­ti­on nicht mehr vor­aus, son­dern wird ihr unter­ge­ord­net und so zu einem Pro­dukt des Wil­lens. In einem sol­chen Welt­bild kann es Wahr­heit im eigent­li­chen Sin­ne nicht geben. Wo Wahr­heit im Sub­jek­ti­ven auf­ge­löst wird, ver­flüch­tigt sich aber auch der Glau­be, er schlägt not­wen­dig in poli­ti­sche Pra­xis um. In Latein­ame­ri­ka ken­nen wir das aus der Befrei­ungs­theo­lo­gie, der sich aber Papst Fran­zis­kus nie ange­schlos­sen hat. Inso­fern kann man schon dar­auf ver­trau­en, dass Papst Fran­zis­kus dem Rela­ti­vis­mus in der Kir­che deut­li­che Gren­zen setzt. Ich den­ke, Papst Fran­zis­kus geht das Pro­blem des Rela­ti­vis­mus mehr vom Gefühl an und nicht so sehr vom Kopf, wie es Papst Bene­dikt getan hat, der ja ein bril­lan­ter Kir­chen­leh­rer ist. Die drän­gen­den Fra­gen des Glau­bens las­sen sich nicht nur aus einer gerei­nig­ten Kir­chen­leh­re anpacken, son­dern sie müs­sen im kon­kre­ten Leben der Kir­che in der heu­ti­gen Zeit beant­wor­tet wer­den. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Befrei­ungs­theo­lo­gie konn­te Papst Fran­zis­kus nur bestehen, indem er einen star­ken Glau­ben in die Waag­scha­le gewor­fen hat. Man mag sei­ne Hal­tung naiv nen­nen, aber ist christ­li­che Glau­be, wenn er sich ernst nimmt, nicht immer naiv im posi­ti­ven Sinn? Es wäre doch ent­setz­lich, wenn wir in unse­rem Glau­ben immer dar­auf ach­ten müss­ten, nur ja nichts Fal­sches zusa­gen, um unan­greif­bar zu sein. Wir müs­sen ler­nen, wie­der auf Gott zu ver­trau­en.

  4. Alle in trau­tem Schwei­gen ver­eint: Pater John Berg, Gene­ral­obe­rer der Petrus­bru­der­schaft, die Lei­ter der ande­ren Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten, Bischof Fel­lay, Gene­ral­obe­rer der Pius­bru­der­schaft.
    Ich kann auch eine Stu­fe her­un­ter­ge­hen: Pater A. Mau­ßen FSSP, Pater F. Schmid­ber­ger FSSPX und die ande­ren deut­schen Eccle­sia-Dei-Obe­ren.
    Mir fällt ein Satz vom deut­schen Distrik­t­o­be­ren der FSSPX ein: „Wenn die Mut­ter miss­han­delt wird, muss der Sohn sie ver­tei­di­gen.“ So sei auch die Kir­che zu ver­tei­di­gen. Das war mal. Es ist einem gewünsch­ten Abkom­men hin­der­lich.
    Bis­her war nicht ein Wort des neu­en Pap­stes zu hören, das nicht jeder x‑beliebige Evan­ge­li­ka­le auch hät­te sagen kön­nen…
    Ich habe vom Papst noch nichts über die Situa­ti­on der vefolg­ten Chri­sten gehört. Aber die­se pas­sen nicht ins Bild der hei­len Welt der Brü­der­lich­keit, die ihm vor­schwebt.
    Sie stö­ren. Aber auch die Mil­lio­nen Chri­sten, die von den Bol­sche­wi­sten ver­folgt wur­den, waren dem II. Vat. Kon­zil kein Wort wert.
    Zumin­dest gab es wäh­rend und vor allem nach die­sem Kon­zil noch einen Erz­bi­schof, der sei­ne Stim­me erho­ben und nicht geschwie­gen hat. Damals…

    • Ja, es ist Toten­stil­le in den kon­ser­va­ti­ven Krei­sen. Der Gehor­sam scheint den Her­ren die Keh­le zuzu­schnü­ren. Und ich erwar­te auch nichts mehr.

      Wie die Lem­min­ge wol­len alle in die glei­che Rich­tung und in den Abgrund lau­fen.

      Der Ver­gleich Kon­zil und Kom­mu­nis­mus ist sehr pas­send. Es will kei­ner unschö­ne Sze­nen schaf­fen und Ein­heit und Frie­de vor­gau­keln.

      Viel­leicht ste­hen doch noch eini­ge Kämp­fer unter den Prie­stern auf und wider­ste­hen…

      • Wenn es stimmt, daß das Bild der „strei­ten­den Kir­che“ durch das Bild vom „pil­gern­den Gotts­volk“ voll­stän­dig abge­löst ist, ist das mehr, als befremd­lich. So wich­tig Gesprächs­be­reit­schaft selbst mit Kir­chen­fein­den auch ist, so dür­fen wir trotz­dem auf kei­nen Fall unse­re Mar­ty­rer ver­ges­sen, denn die durch sie ver­mit­tel­te Got­tes­kraft kommt der gan­zen Kir­che und damit auch uns zugu­te. Wir sind also zu Dank ver­pflich­tet.

        Koexi­stenz bei­der bil­der ist selbst­ver­stän­lich ver­tret­bar.

        „Das Blut der Mar­ty­rer ist die Saat für neue Chri­sten“, so oder so ähn­lich wird gesagt. Man kann die­sen Satz ver­all­ge­mei­nern: „äuße­res Unge­mach bewirkt inne­res Wachs­tum“.

  5. @Cuppa
    Zitat: „Bis­her war nicht ein Wort des neu­en Pap­stes zu hören, das nicht jeder x‑beliebige Evan­ge­li­ka­le auch hät­te sagen kön­nen…“
    Das ist nicht rich­tig:
    z.B.: 
    „Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz auf­bau­en und Chri­stus ohne Kreuz beken­nen, sind wir nicht Jün­ger des Herrn: Wir sind welt­lich, wir sind Bischö­fe, Prie­ster, Kar­di­nä­le, Päp­ste, aber nicht Jün­ger des Herrn.“
    Die Evan­ge­li­ka­len ver­tre­ten eine Theo­lo­gie ohne das Kreuz, ohne Lei­den
     
     

    • @Mystiker
      Für Evan­ge­li­ka­le bin ich wirk­lich kei­ne Spe­zia­li­stin. Ich weiß nur, dass es zwi­schen Frei­kir­chen gro­ße Unter­schie­de gibt. Mei­ne evan­ge­li­ka­le Bekann­te trägt ihre Krank­heit, ihre Beschwer­den mit einem Glau­ben, der stark chri­sto­lo­gisch geprägt ist. Vom Kreuz spricht sie aller­dings nicht. Doch wie sie ihre Beschwer­den mit der Kraft ihres Glau­bens bewäl­tigt, erfüllt mich mit Respekt.
      Der Satz, den Sie zitie­ren, ist für mich der Wich­tig­ste, den ich bis­her von Papst Fran­zis­kus gehört habe.
       
       

    • „Die Evan­ge­li­ka­len ver­tre­ten eine Theo­lo­gie ohne das Kreuz, ohne Lei­den“ — Nicht unbe­dingt! Ein grö­ße­rer Teil des pie­ti­sti­schen Spek­trum tut es z.B.

      Das kann ich als „Ex“-Evangelikale so sagen…

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