Katholische Zeitung „nicht mehr katholisch“ — Harter Richtungskampf zwischen Progressiven und Kirchentreuen in den USA

Harter Richtungskampf in katholischer Kirche der USA Progressive Nervosität und Radikalisierung(Washing­ton) “Zum ersten Mal in sei­ner Geschich­te“ war der The Catho­lic Key, das Diö­ze­san­blatt der Diö­ze­se Kan­sas City-Saint Joseph „rest­los aus­ver­kauft“, berich­tet der Vati­ka­nist Pao­lo Roda­ri. Die Diö­ze­se umfaßt 27 Coun­tys im US-Bun­des­staat Mis­sou­ri. Auf der Titel­sei­te der katho­li­schen Kir­chen­zei­tung fin­det sich ein Fron­tal­an­griff aus der Feder von Diö­ze­san­bi­schof Robert Wil­liam Finn (59) gegen die bekann­te­ste katho­li­sche Zeit­schrift des pro­gres­si­ven Lagers in den USA, den Natio­nal Catho­lic Repor­ter, nicht zu ver­wech­seln mit dem von EWTN her­aus­ge­ge­be­nen Natio­nal Catho­lic Regi­ster (NCR). Die wach­sen­den Span­nun­gen zwi­schen den ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fen und dem pro­gres­si­ven Blatt schwe­len schon län­ge­re Zeit. Eine neue Genera­ti­on von Bischö­fen zeigt dem pro­gres­si­ven Lager die Stirn. Nicht ohne Fol­gen. Die Fron­tal­kri­tik erfolg­te durch den Bischof von Kan­sas City, weil die Zei­tung in die­ser Stadt ihren Haupt­sitz hat. Aber nicht nur des­halb. Der Kon­flikt ist viel­schich­tig.

Neue Generation von Bischöfen fordert Progressive heraus

Die Wor­te von Bischof Finn hät­ten nicht schär­fer aus­fal­len kön­nen. Er for­der­te den Natio­nal Catho­lic Repor­ter auf, aus sei­nem Namen das Adjek­tiv „katho­lisch“ zu strei­chen, weil die Zei­tung „alles ande­re als eine katho­li­sche Zei­tung ist“. Der Bischof wei­ter: „In den ver­gan­ge­nen Mona­te wur­de ich wegen der Linie des Repor­ter im wahr­sten Sinn des Wor­tes von E‑Mails und ande­ren Zuschrif­ten von besorg­ten Katho­li­ken über­schwemmt“. Eine Zeit­schrift, „die offi­zi­ell und offen die Leh­re der Kir­che zur Frau­en­or­di­na­ti­on ver­ur­teilt und mit Nach­druck die Leh­re zur künst­li­chen Ver­hü­tung und zur Sexu­al­mo­ral im all­ge­mei­nen unter­gräbt, die abwei­chen­de Theo­lo­gien ver­brei­tet, die erklär­ter­ma­ßen und in meh­re­ren Punk­ten ablehnt, was das Lehr­amt der Kir­che fest­ge­legt hat“, eine sol­che Zeit­schrift, so der Bischof, gegen die noch „eine Rei­he ande­rer Kla­ge“ vor­lie­gen, habe nicht von sich zu behaup­ten, „was sie nicht ist“, näm­lich „katho­lisch“ zu sein.

National Catholic Reporter 1964 in progressiver Aufbruchstimmung entstanden

Der 1964 wäh­rend des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils in einer pro­gres­si­ven Auf­bruch­stim­mung ent­stan­de­ne Natio­nal Catho­lic Repor­ter ver­trat seit sei­ner Grün­dung in Fra­gen der katho­li­schen Glau­bens­leh­re ein­deu­tig libe­ra­le Posi­tio­nen.

Bereits 1968 ver­ur­teil­te der dama­li­ge Diö­ze­san­bi­schof von Kan­sas City-Saint Joseph, Msgr. Charles Her­man Helm­sing die Zei­tung als „häre­tisch“. Im all­ge­mei­nen Kli­ma­wan­del der 70er Jah­re mit sei­ner Ach­sen­ver­schie­bung nach links konn­te sich das Blatt den­noch hal­ten und sogar zur ein­fluß­reich­sten katho­li­schen Zei­tung der USA auf­stei­gen.

Vom einflußreichen Blatt zur Randständigkeit

Hin­ter dem Tau­zie­hen zwi­schen dem zustän­di­gen Diö­ze­san­bi­schof und der Zei­tung steckt ein Kon­flikt von außer­or­dent­li­cher Dimen­si­on. Bischof Finn gehört nicht zur ersten Gar­de einer neu­en Genera­ti­on von Bischö­fen mit einem mar­kan­ten kir­chen­treu­en und kon­ser­va­ti­ven Pro­fil, aber er gehört zwei­fels­oh­ne zu die­ser Grup­pe, die der katho­li­schen Kir­che in den USA ein neu­es, kämp­fe­ri­sches Gesicht ver­leiht. Die Kri­tik am Natio­nal Catho­lic Repor­ter hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich gestei­gert. Der Trop­fen, der das Faß zum Über­lau­fen brach­te, war ein Leit­ar­ti­kel Anfang Dezem­ber 2012. Der Repor­ter for­der­te in einem von der Redak­ti­on als namen­lo­ses Kol­lek­tiv unter­zeich­ne­ten Arti­kel das Frau­en­prie­ster­tum, um damit eine „Unge­rech­tig­keit zu besei­ti­gen“. Die Zei­tung wird von kir­chen­treu­en Katho­li­ken als fünf­te Kolon­ne kir­chen­feind­li­cher Kräf­te wahr­ge­nom­men. Offen­bar haben Her­aus­ge­ber und Redak­ti­on des NCR die Kli­ma­ver­än­de­rung in der Kir­che regi­striert. Wie es scheint: zu spät. Von einem bis nach Rom aus­strah­len­den, einst ton­an­ge­ben­den Blatt manö­vrier­te sich die Zei­tung in die Rand­stän­dig­keit.

Nervosität und Radikalisierung führen zu frontalem Richtungsstreit

Die Zei­tung reagiert dar­auf sicht­lich ner­vös und mit einer Radi­ka­li­sie­rung ihrer Posi­tio­nen. In die­sen Kon­text scheint es auch zu gehö­ren, ein Exem­pel zu sta­tu­ie­ren und die eige­ne Macht wie­der­her­zu­stel­len. Die Stra­te­gie lau­tet: Wenn die ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fe die Zei­tung schon nicht schät­zen, so sol­len sie sie zumin­dest fürch­ten.

Der Natio­nal Catho­lic Repor­ter for­dert seit eini­gen Mona­ten den Rück­tritt von Bischof Finn. Finn wur­de aus­ge­sucht, weil er nicht zur ersten Gar­ni­tur der ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fe gehört, aber ein­deu­tig ein Ver­tre­ter der neu­en kon­ser­va­ti­ven Bischofs­ge­nera­ti­on ist, die den Kli­ma­wan­del in der katho­li­schen Kir­che der USA vor­an­treibt, der den Repor­ter und die pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­se sicht­lich ver­stört. Gelingt es dem Repor­ter durch eine von ihm aus­ge­lö­ste Kam­pa­gne, Bischof Finn zum Rück­tritt zu zwin­gen, erhof­fen sich libe­ra­le Grup­pen einen Befrei­ungs­schlag, der den rom­treu­en Vor­marsch stop­pen und das inner­kirch­li­che Gewicht noch ein­mal kip­pen las­sen könn­te.

Durch „Herausschießen“ eines Bischofs Machtposition erhalten

Im deut­schen Sprach­raum ist das geziel­te „Her­aus­schie­ßen“ von Bischö­fen, hin­ter dem der pro­gres­si­ve Wider­stand gegen eine Erneue­rung der Kir­che steht, bereits bestens bekannt. Auf­takt dazu war 1987 die Ernen­nung von Kurt Krenn zum Weih­bi­schof der Erz­diö­ze­se Wien. Kam­pa­gnen, die bereits mehr­fach erfolg­reich waren und teils einen ver­hee­ren­den Ein­druck in der Öffent­lich­keit ver­mit­tel­ten. Die Rück­trit­te von Bischof Krenn als Bischof von Sankt Pöl­ten, von Bischof Mixa als Bischof von Augs­burg, die Ver­set­zung von Bischof Haas von Chur nach Vaduz und der Ver­zicht von Pfar­rer Wag­ner auf sei­ne Ernen­nung zum Weih­bi­schof von Linz sind in die­sem Zusam­men­hang zu nen­nen. Kei­ner von ihnen hat­te sich etwas zuschul­den kom­men las­sen. Neben der Macht­fra­ge war es offen­kun­di­ges Ziel die­ser Kam­pa­gnen, die Ernen­nung von akzen­tu­iert kir­chen­treu­en Kan­di­da­ten zu ver­hin­dern. Der aktu­el­le Fall in den USA ist eine Spur kom­pli­zier­ter.

Bischof Finn eine leichte „Beute“? — Ein neuer Fall Krenn oder Mixa?

Nicht zufäl­lig rich­tet sich die jüng­ste Kam­pa­gne des Natio­nal Catho­lic Repor­ter gegen Bischof Finn von Kan­sas City-Saint Joseph. Er scheint eine leich­te „Beu­te“ zu sein. Im Sep­tem­ber 2012 wur­de der Bischof zu einer Gefäng­nis­stra­fe von zwei Jah­ren auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. In einem Straf­ver­fah­ren gegen den Diö­ze­san­prie­ster Shawn Rati­gan, der wegen Her­stel­lung von kin­der­por­no­gra­phi­schen Bil­dern ver­ur­teilt wur­de, war auch gegen die Diö­ze­se und den Bischof, als deren letzt­ver­ant­wort­li­che Instanz Ankla­ge erho­ben wor­den. Der Bischof wur­de schul­dig befun­den, die ihm bekannt gewor­de­nen Hin­wei­se über sei­nen Prie­ster nicht sofort gemel­det, son­dern fünf Mona­te zurück­ge­hal­ten zu haben. Rati­gan war im Mai 2011 ver­haf­tet wor­den. Der Bischof hat­te im Dezem­ber 2010 einen ersten Hin­weis erhal­ten. Msgr. Finn steht der Diö­ze­se seit 2005 als Bischof vor. Bischof Finn ist der rang­höch­ste Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­che in den USA, der im Zusam­men­hang mit den sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­len ver­ur­teilt wur­de.

Mißbrauchsskandal für ideologisch motivierten Kampf ausgenützt

Die ohne Prä­ju­diz von zustän­di­ger Sei­te zu prü­fen­de Rück­tritts­fra­ge wird durch die Kam­pa­gne des Natio­nal Catho­lic Repor­ter über­schat­tet und droht zu einer ideo­lo­gi­schen Fra­ge zu wer­den. Wie immer die Kir­che ent­schei­det, soll das Was­ser auf pro­gres­si­ve Müh­len gelei­tet wer­den. Hält Rom an Bischof Finn fest und mag dies auch aus objek­tiv guten Grün­den gesche­hen, kann ein­mal mehr gegen die Kir­che der Gene­ral­ver­dacht der Ver­tu­schung erho­ben wer­den. Tritt Bischof Finn zurück, ent­steht der Ein­druck, daß pro­gres­si­ve Kam­pa­gnen erfolg­reich und bei Bedarf jeder­zeit wie­der­hol­bar sind. Die Kam­pa­gne ermög­licht es der Zei­tung, einen kir­chen­in­ter­nen Rich­tungs­kampf aus­zu­tra­gen und gleich­zei­tig sich in der Öffent­lich­keit als Sau­ber­mann zu prä­sen­tie­ren, als wäre der 2010/2011 die Kir­che beu­teln­de Miß­brauchs­skan­dal ein kon­ser­va­ti­ves Pro­blem.

Der Natio­nal Catho­lic Repor­ter ließ den pres­by­te­ria­ni­schen Pre­di­ger Bill Tamm­eus zu Wort kom­men, der ver­kün­de­te: „Nie­mand sagt, daß Finn für sei­ne Sün­den nicht ver­ge­ben wer­den kann. […] Wenn aber jemand in einer kirch­li­chen Füh­rungs­po­si­ti­on auf so spek­ta­ku­lä­re Wei­se ver­sagt hat, daß ihn auch ein staat­li­ches Gericht für schul­dig befun­den hat, hat er die Pflicht, um wei­te­ren Scha­den von der abzu­wen­den, die Finn selbst häu­fig Hei­li­ge Mut­ter Kir­che nennt, Wor­te, die ihn erzit­tern las­sen müß­ten.“

Mit Blick auf den Welt­tag der sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel schrieb Bischof Finn, daß er den Schutz­pa­tron der Jour­na­li­sten, den hei­li­gen Franz von Sales um Für­spra­che für den Repor­ter bit­te, damit er sei­ne Wider­spen­stig­keit auf­ge­be.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Sanc­te Pater

1 Kommentar

  1. Die­se Zei­tung scheint ja ein abso­lut anti­christ­li­ches Pro­pa­gan­da­blatt zu sein. Ich wür­de sagen weg damit. Möge der hl. Pau­lus um die Ret­tung der See­len für uns bit­ten. Gott seg­ne und schüt­ze den ame­ri­ka­ni­schen Bischof!

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