Papst brach 2005 Tabu, seither Progressive erstmals auf Rückzug — Piusbruderschaft soll in den Ring steigen und kämpfen — Rahner hatte verheerende Wirkung — Interview mit Erzbischof Di Noia

Erzbischof Di Noia Rahner hatte verheerende Wirkung Piusbruderschaft soll kämpfen (Rom) Kuri­en­erz­bi­schof Augu­sti­ne Di Noia ist seit Som­mer 2012 Vize-Prä­si­dent der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei und damit direk­ter Ansprech­part­ner für die Bezie­hun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Pius­bru­der­schaft. Die ame­ri­ka­ni­sche Zeit­schrift Natio­nal Catho­lic Regi­ster ver­öf­fent­lich­te am 1. Juli 2012, kurz nach sei­ner Ernen­nung ein aus­führ­li­ches Inter­view mit Msgr. Di Noia, das Ein­blick in des­sen Posi­ti­on bie­tet, wes­halb sie in Erin­ne­rung geru­fen wer­den soll. Sei­ne Ernen­nung sei für ihn eine Über­ra­schung gewe­sen, so der ame­ri­ka­ni­sche Domi­ni­ka­ner, „aber Ereig­nis­se die­ser Art sind das immer“.

Wie der genaue Stand der Gesprä­che mit der Pius­bru­der­schaft sei, wur­de der Erz­bi­schof gefragt. „Ehr­lich gesagt, ich weiß es nicht.“ Msgr. Di Noia betont, vie­le Aspek­te zu den in den Gesprä­chen behan­del­ten The­men ver­tie­fen zu müs­sen. „Als ich in das Amt kam“, habe er sich die Geschich­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils genau­er ange­schaut, um die Ein­sprü­che, die von tra­di­tio­na­li­sti­scher Sei­te vor­ge­bracht wer­den, bes­ser zu ver­ste­hen. „Ich las die Bücher über das Kon­zil von Roma­no Ame­rio und Rober­to de Mattei“. Zusam­men mit dem jah­re­lan­gen Stu­di­um des Kon­zils, sei er daher „imstan­de mit ihnen über ihre Pro­ble­me zu spre­chen“.

„Sehr wich­tig“ sei auch ein „auto­bio­gra­phi­scher Fak­tor“, so Msgr. Di Noia. Er habe sein gesam­tes Ordens­le­ben, bevor er nach Rom geru­fen wur­de, in zwei Domi­ni­ka­ner­klö­stern in den USA ver­bracht. „An die­sen Orten wur­de eine Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät und der Erneue­rung gelebt, wenn man es so nen­nen will“, aber „nie des Bruchs“. Erst als er begon­nen habe, tra­di­tio­na­li­sti­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen zu lesen, habe er ver­stan­den, daß es „wirk­li­che Pro­ble­me“ gibt. „Wenn man jedoch auf­hört zu glau­ben, daß der Hei­li­ge Geist die Kir­che vor dem Irr­tum bewahrt, ver­liert man jede Hoff­nung.“ Es spie­le kei­ne Rol­le, wel­che Inter­pre­ta­ti­on gewählt wer­de, wel­che Rich­tung die­se ver­tritt oder wel­che Absich­ten die Autoren der Kon­zils­do­ku­men­te ver­folg­ten: „Kon­zi­le kön­nen nie zum Irr­tum ver­lei­tet wer­den. Alle Doku­men­te sind begrün­det. Das Schis­ma ist nicht die rich­ti­ge Ant­wort. Ich ver­ste­he die Posi­tio­nen der Bru­der­schaft, aber die Lösung ist nicht, die Kir­che zu ver­las­sen.“

Auf die Fra­ge, wie er sich denn erklä­re, daß eini­ge Katho­li­ken es vor­ge­zo­gen haben, einer „ein­ge­fro­re­nen“ Tra­di­ti­on anzu­hän­gen, als in der vol­len Ein­heit zu blei­ben, sag­te der Kuri­en­erz­bi­schof, daß er die Ant­wort nicht ken­ne.

Auf die Fra­ge, war­um man Tra­di­tio­na­list ist, mei­ne ich sagen zu kön­nen, daß es von den per­sön­li­chen Erfah­run­gen des Ein­zel­nen abhängt. Die Lit­ur­gie­re­form ist ein ent­schei­den­der Fak­tor. Sie stell­te eine schreck­li­che Revo­lu­ti­on dar, sie war ein Schock für vie­le Men­schen. Vie­le fühl­ten sich ver­las­sen, so als hät­te die Kir­che sie im Hafen zurück­ge­las­sen. Die Beweg­grün­de sind daher sehr kom­pli­ziert und vari­ie­ren je nach Art des Tra­di­tio­na­lis­mus von einer Nati­on und einer Kul­tur zur ande­ren und dem jewei­li­gen Kon­text.

Ein ande­res Pro­blem sei es, ein „sehr ein­fa­ches Ele­ment der Kir­chen­ge­schich­te“ nicht anzu­er­ken­nen: „Nicht alle theo­lo­gi­schen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten müs­sen die Kir­che spal­ten.“ Di Noia nennt als Bei­spiel eine tief­ge­hen­de Unei­nig­keit zwi­schen Jesui­ten und Domi­ni­ka­nern im 16. Jahr­hun­dert über die Theo­lo­gie der Gna­de [Gna­den­streit]. „Schließ­lich ver­bot der Papst ihnen, die jeweils ande­re Sei­te als Häre­ti­ker zu bezeich­nen, was sie getan hat­ten. Er sag­te: ‚Ihr könnt Eure theo­lo­gi­schen Mei­nun­gen haben´, wei­ger­te sich jedoch, eine lehr­amt­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen und zu sagen, daß die Jesui­ten oder Domi­ni­ka­ner recht haben. Es han­delt sich um ein sehr inter­es­san­tes Bei­spiel, weil es zeigt, daß der Katho­li­zis­mus aus­rei­chend weit ist, eine beacht­li­che Men­ge theo­lo­gi­scher Ver­schie­den­heit und Dis­kus­sio­nen ein­zu­schlie­ßen.“ Die Kir­che wer­de nur in die theo­lo­gi­sche Debat­te ein­grei­fen, wenn sie fest­stellt, daß man der Häre­sie ver­fällt und sich dadurch von der Ein­heit mit ihr trennt.

Wie wich­tig sei Papst Bene­dikt XVI. die Ver­söh­nung? Der Papst, so Di Noia, hof­fe „immer“, daß es zur Ver­söh­nung kom­me, das sei sein Auf­trag. Das Petrus­amt bestehe vor allem dar­in, die Ein­heit der Kir­che zu bewah­ren. „Wie Sie wis­sen, war er von Anfang an in die­se Ange­le­gen­heit ein­ge­bun­den. Der Papst macht Schrit­te zurück, um sie auf­zu­neh­men. Er wird aber nicht im Punkt nach­ge­ben, der die Authen­ti­zi­tät der Leh­ren des Zwei­ten Vati­ka­nums als Akte des Lehr­am­tes betrifft.“

Die Pius­bru­der­schaft ver­tritt den Stand­punkt, das Kon­zil habe kei­ne unfehl­ba­ren und unver­än­der­li­chen Leh­ren ver­kün­det. Es sei ein pasto­ra­les und kein dog­ma­ti­sches Kon­zil gewe­sen. Wenn dem so sein soll­te, war­um ist es so wich­tig, daß sie die Aus­sa­gen des Kon­zils akzep­tie­ren?

Das Kon­zil ent­hal­te zahl­rei­che dog­ma­ti­sche Ele­men­te, so die Wei­ter­ent­wick­lung des sakra­men­ta­len Cha­rak­ters der Bischofs­wei­he. Das Kon­zil ist sicher in vol­lem Umfang Teil des ordent­li­chen Lehr­am­tes, so Di Noia.

Hat man ver­sucht zu klä­ren, was das Kon­zil von Tri­ent und das Vati­ka­num I bezüg­lich der Schrift und der Tra­di­ti­on offen­ge­las­sen hat­te? Da und dort gibt es dok­tri­na­le Ent­wick­lun­gen. Und die Bru­der­schaft denkt natür­lich, daß die gesam­te Leh­re zur Reli­gi­ons­frei­heit ein Bruch mit der Tra­di­ti­on sei. Aber sehr scharf­sin­ni­ge Per­so­nen haben ver­sucht dar­zu­le­gen, daß es sich um eine kon­se­quen­te Wei­ter­ent­wick­lung han­delt. Ich habe ver­sucht auf­zu­zei­gen, daß alles, was sie zu tun haben, dar­in besteht, fest­zu­stel­len, daß im Kon­zil nichts ent­hal­ten ist, was der Tra­di­ti­on wider­spricht und daß jeder umstrit­te­ne Text oder Teil von ihm im Kon­text des Kon­zils gele­sen wer­den muß – und im Licht der Tra­di­ti­on. Mir scheint, daß sie trotz ihrer Schwie­rig­kei­ten imstan­de sein soll­ten, dies zu tun.

Als Teil des ordent­li­ches Lehr­am­tes und mit des­sen Gewicht und Bedeu­tung, sei das Kon­zil für die Gläu­bi­gen bin­dend. Wenn Papst Bene­dikt XVI. davor gewarnt habe, das Kon­zil als „Super­dog­ma“ zu sehen, habe er nicht das dar­in ent­hal­ten­de ordent­li­che Lehr­amt gemeint. Ledig­lich die bei­den dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­tio­nen sei­en eben als dog­ma­tisch defi­niert: Dei Ver­bum und Lumen Gen­ti­um.

Wel­che posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen erwar­ten Sie sich von einer Ver­söh­nung zwi­schen der Pius­bru­der­schaft und dem Hei­li­gen Stuhl?

Die Tra­di­tio­na­li­sten, die sich in der Kir­che befin­den, wie zum Bei­spiel die Petrus­bru­der­schaft, haben erfüllt, wor­auf der Papst bestan­den hat: in der Fei­er­lich­keit der von ihnen für die Zele­bra­ti­on gewähl­ten Lit­ur­gie Zeu­gen der fort­dau­ern­den Leben­dig­keit der vor­kon­zi­lia­ren lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on zu sein. Das ist die Bot­schaft von Summorum Pon­ti­fi­cum. Sache ist: sie kön­nen nicht sagen, daß der Novus Ordo ungül­tig ist, aber ihre Zele­bra­ti­on nach dem Mis­sa­le von 1962 ist etwas, das anzie­hend bleibt und den Glau­ben nährt, sogar jener, die kei­ne Erfah­rung damit haben. Und das ist ein sehr wich­ti­ger Fak­tor.

Ich habe ver­sucht eine Ana­lo­gie zu fin­den, um die­se Situa­ti­on zu beschrei­ben. Es ist ein biß­chen wie mit der Ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung, die min­de­stens auf zwei unter­schie­de­ne Wei­sen gele­sen wer­den kann: die Histo­ri­ker inter­es­sie­ren sich für ihren histo­ri­schen Kon­text, für die Ver­fas­ser, deren Absich­ten, deren Hin­ter­grund und alles, was histo­risch mit der Ver­fas­sung zu tun hat. Durch das Stu­di­um der Ver­fas­sung kann aus histo­ri­scher Sicht viel Licht in ihre Bedeu­tung gebracht wer­den. Den­noch, wenn der Ober­ste Gerichts­hof die Ver­fas­sung benützt, wenn sie also als leben­di­ges Doku­ment gele­sen wird, auf das die Insti­tu­tio­nen des Staa­tes gegrün­det sind, ist die Les­art eine ganz ande­re. Das­sel­be gilt, was die Gedan­ken und Absich­ten der Ver­fas­ser anbe­langt, wie auch der Exper­ten, derer sie sich bedient haben. Die Ver­fas­ser sind mit den Bischö­fen ver­gleich­bar, die Exper­ten mit den Kon­zil­s­pe­ri­ti. Die­se Doku­men­te sind unab­hän­gig von die­sen allen. Ich sage oft, daß die Inten­tio­nen der Kon­zils­vä­ter kei­ne Bedeu­tung haben: Was zählt ist, wie sie heu­te ange­wandt wer­den. Es han­delt sich um ein leben­di­ges Doku­ment.

Auf die Fra­ge, daß aber gera­de die Art, wie das Kon­zil umge­setzt wur­de, ein Pro­blem dar­stel­le, ant­wor­tet Di Noia: Es sei sehr wich­tig, daß die Theo­lo­gen und hohen Amts­trä­ger ver­stün­den, daß das Kon­zil auf sehr destruk­ti­ve Wei­se und in Dis­kon­ti­nui­tät inter­pre­tiert wur­de.

Ich lese ein 1968 von Lou­is Bouy­er geschrie­be­nes Buch mit dem Titel „The Decom­po­si­ti­on of Catho­li­cism [Die Zer­set­zung des Katho­li­zis­mus]. Und dann gibt es Xavier Ryn­ne, der mit sei­nen Arti­keln in „The New Yor­ker“ in der west­li­chen Welt das Ver­ständ­nis vom Kon­zil geprägt hat. [Ryn­nes in Rom als Skan­dal betrach­te­tes Buch erschien 1964 in deut­scher Spra­che unter dem Titel Die zwei­te Refor­ma­ti­on. Die erste Sit­zungs­pe­ri­ode des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, Ent­ste­hung, Ver­lauf].

Der Papst hat vie­le vie­le Male bril­lant dage­gen geschrie­ben, aber Sie sehen, zum Teil haben die Tra­di­tio­na­li­sten zu recht gegen die haar­sträu­ben­den Inter­pre­ta­tio­nen des Kon­zils durch die Pro­gres­si­ven reagiert.

Wenn sie [die Pius­brü­der] von der Kir­che akzep­tiert und in die vol­le Ein­heit inte­griert wer­den, dann wer­den sie eine Art leben­des Zeug­nis der Kon­ti­nui­tät sein. Sie kön­nen sich glück­lich schät­zen, in der katho­li­schen Kir­che zu sein als leben­de Zeu­gen der Tat­sa­che, daß die Kon­ti­nui­tät vor und nach dem Kon­zil Wirk­lich­keit ist.

Aber nur, wenn sie die Bedin­gun­gen des Vati­kans akzep­tie­ren?

Es ist mehr als das. Es han­delt sich nicht um ein Edikt: bleibt ste­hen bei Rot, geht wei­ter bei Grün, denn der Kir­che in vol­ler Ein­heit anzu­ge­hö­ren beinhal­tet den Glau­ben, daß der Hei­li­ge Geist die Kir­che vor dem Irr­tum bewahrt und daß die Ein­heit mit Petrus ein Teil der Wirk­lich­keit des Seins in der vol­len Gemein­schaft ist. Es ist nicht etwas Zufäl­li­ges.

Wenn die Pius­bru­der­schaft also ein­wil­ligt, müs­se sie dafür alle Vor­aus­set­zun­gen wah­rer Katho­li­ken erfül­len und nicht nur mit dem ein­ver­stan­den sein, was etwa der Papst oder was er, Di Noia, sage.

Sie müs­sen sagen: ‚Ja, ich glau­be, daß die Kir­che vom Hei­li­gen Geist vor dem Irr­tum bewahrt wird.‘ Dann kann ich sagen: ‚Ja, ihr seid wirk­lich katho­lisch‘.
Vie­le in der Bru­der­schaft haben auf dem Wort ‚Irr­tum‘ beharrt. ‚Irr­tum‘ ist in der katho­li­schen Tra­di­ti­on ein sehr vager Aus­druck. Es gibt unter­schied­li­che Stu­fen von Irr­tum. Die­ser Begriff kann aus­drücken wol­len, daß jemand ein Häre­ti­ker ist oder ein­fach nur, daß jemand in sei­nem Urteil vor­ei­lig und unge­nau ist.“

In wel­chem Aus­maß spie­le das, was von den Tra­di­tio­na­li­sten als Schwä­chung des Dog­mas extra Eccle­si­am nul­la salus wahr­ge­nom­men wird, eine Rol­le?

Ich weiß nicht, ob das Kon­zil dafür geta­delt wer­den kann oder ob man nicht viel­mehr den Fin­ger gegen das Auf­tre­ten einer theo­lo­gi­schen Rich­tung rich­ten muß, von der die Heils­mög­lich­keit für Nicht-Chri­sten betont wur­de. Die Kir­che hat das eine immer bekräf­tigt und das ande­re nie geleug­net. [Karl] Rah­ner hat mit sei­nem ‚anony­men Chri­sten­tum‘ eine ver­hee­ren­de Wir­kung in die­ser Fra­ge. Aber das Kon­zil hat die Leh­re der Kir­che nicht ver­än­dert.

Die Pius­bru­der­schaft aber sage, daß sie es ver­än­dert habe.

Das ist ein sehr gutes Bei­spiel für das, was bereits ange­spro­chen wur­de: Die Gefahr das Kon­zil so zu inter­pre­tie­ren, wie es von Rah­ner inter­pre­tiert wur­de, statt im Licht der gesam­ten Tra­di­ti­on.

Die Tra­di­tio­na­li­sten bekla­gen, daß kaum mehr vom Heil und der Heils­not­wen­dig­keit gespro­chen wer­de.

„Ralph Mar­tin stimmt mit die­ser Fest­stel­lung über­ein. Wir befin­den uns in einer Kri­se, weil die Kir­che von der Idee infi­ziert ist, der­zu­fol­ge wir uns weder zu besor­gen noch in Angst gera­ten brau­chen, noch den Auf­trag, Chri­stus gewis­sen­haft zu ver­kün­den, all­zu ernst neh­men brau­chen. Die Schuld liegt aber nicht beim Zwei­ten Vati­ka­num, son­dern bei einer schlech­ten Theo­lo­gie. Domi­nus Iesus war eine Teil­ant­wort gegen die­sen Zweig der Reli­gi­ons­theo­lo­gie.“

Catho­lic Natio­nal Regi­ster befrag­te Erz­bi­schof Di Noia auch nach even­tu­el­len Refor­men des Mis­sa­le von 1962.

Dabei geht es um zwei Din­ge: Im Kalen­der sind zahl­rei­che Hei­li­ge ent­hal­ten, die die Tra­di­tio­na­li­sten ger­ne hin­zu­fü­gen möch­ten, doch das Mis­sa­le Roma­num ist fest­ge­schrie­ben. Es wird ein Dia­log zwi­schen ihnen und der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on not­wen­dig sein über den Modus, in dem Ele­men­te des Römi­schen Kalen­ders ein­ge­baut wer­den kön­nen und dar­über wie sich die­ser in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren ver­än­dert hat. Dann gibt es noch die Fra­ge der Präf­a­tio­nen. Das alte Mis­sa­le Roma­num von 1962 hat eine begrenz­te Zahl von Präf­a­tio­nen, denen die Prie­ster­bru­der­schaft eini­ge neue hin­zu­fü­gen möch­te. Wir spre­chen von Mis­sa­le von 1962. Wer aber kann die Edi­tio von 1962 ändern?

In der Tat ist der Novus Ordo, das aktu­el­le Mis­sa­le Roma­num eine Revi­si­on des Mis­sa­le Roma­num von 1962. Die Fra­ge ist also: Wie kön­nen sie das tun? Ich weiß es nicht, aber die­se Arbeit ist zu tun. Wir hat­ten bereits zwei Tref­fen der Ver­tre­ter der Kon­gre­ga­ti­on mit jenen von Eccle­sia Dei um über den Modus zu spre­chen, wie dies gesche­hen könn­te.

Nostra Aeta­te, ein Kon­zils­do­ku­ment, das für vie­le zu einer Ver­bes­se­rung der Bezie­hun­gen zwi­schen Juden und Katho­li­ken bei­getra­gen hat, ist für die Pius­bru­der­schaft ein Pro­blem.

Ja, aber beden­ken Sie: wenn man eine Kon­sti­tu­ti­on auf kor­rek­te Wei­se einer Prü­fung unter­zieht, von Juri­sten, gibt es zwei modi sie zu inter­pre­tie­ren: in sen­su lato und in sen­su stric­to, die von zwei Anwäl­ten auch in Kon­tra­po­si­ti­on ver­tre­ten wer­den kön­nen. Das bedeu­tet, wenn die Bru­der­schaft die­se Art von Doku­men­ten im engen Sinn aus­le­gen will, ist sie vom theo­lo­gi­schen Stand­punkt aus, frei dies zu tun. Das bedeu­tet aber nicht, daß sie dafür außer­halb der Kir­che blei­ben müs­sen. Und sie soll­ten auf theo­lo­gi­scher Grund­la­ge Argu­men­te gegen jene vor­brin­gen. Wenn die Bru­der­schaft Nostra Aeta­te für schlecht inter­pre­tiert hält, müs­sen sie in den Ring stei­gen und kämp­fen und den Nach­weis für die ihrer Ansicht nach kor­rek­te Inter­pre­ta­ti­on erbrin­gen. Anstatt sich zurück­zu­zie­hen, muß sie die Sache aus­tra­gen.

Di Noia wur­de wei­ters gefragt, ob sei­ner Ein­schät­zung nach eine Ver­söh­nung inner­halb kur­zer Zeit denk­bar ist, ange­sichts der dor­ni­gen Pro­ble­me in der Kir­che und der Gesell­schaft.

Ich habe den Ein­druck ja. Beden­ken Sie: bis zu sei­ner berühm­ten Rede vor der Römi­schen Kurie im Dezem­ber 2005, als Bene­dikt XVI. von der Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät sprach, war das The­ma gera­de­zu ein Tabu. Papst Bene­dikt hat uns end­lich davon befreit.
Heu­te kann man De Lub­ac, Con­gar und Chenu kri­ti­sie­ren. Und vie­le Jun­ge schrei­ben Dok­tor­ar­bei­ten und Bücher, die zuvor undenk­bar waren. Ich wür­de sogar sagen, daß die vor­herr­schen­de pro­gres­si­ve Les­art des Kon­zils heu­te auf dem Rück­zug ist. Und das war sie vor­her nie. Aber die Bru­der­schaft muß sich auch sein Behar­ren auf der Kon­ti­nui­tät zu eigen machen.
Die Tra­di­tio­na­li­sten müs­sen auf­hö­ren, das Kon­zil als Bruch und Dis­kon­ti­nui­tät zu sehen. Das ist eine Unter­schei­dung, die [der Histo­ri­ker Rober­to] de Mattei macht. Das Kon­zil wur­de als Bruch wahr­ge­nom­men, muß aber dok­tri­nell und theo­lo­gisch in der Kon­ti­nui­tät gele­sen wer­den – andern­falls könn­te man nur das Hand­tuch wer­fen.

Den­ken Sie, daß die Pius­bru­der­schaft befürch­tet, daß ihren For­de­run­gen kein Gehör mehr geschenkt wer­den, wenn sie sich ver­söhnt?

Wie könn­ten die­se nicht geschützt sein? Wer soll ihnen ihr Han­deln dik­tie­ren? Das ein­zi­ge, was ich ihnen sage ist: Das Zwei­te Vati­ca­num ist kein Bruch mit der Tra­di­ti­on.

Sind Sie Opti­mist oder Pes­si­mist was die Ver­söh­nung angeht?

Weder das eine noch das ande­re, ich weiß es nicht. Ich den­ke, daß es ein Akt der Gna­de sein wird. Des­halb wer­de ich die Domi­ni­ka­ner bit­ten, dafür zu beten. Ich hof­fe, daß man ans Ziel gelangt. Der Papst wünscht nicht, daß die Din­ge so blei­ben, wie sie sind – kei­ne wei­te­re Sek­te, kei­ne wei­te­re Spal­tung.

Inter­view: Natio­nal Catho­lic Regi­ster
Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Mes­sa in Lati­no

34 Kommentare

  1. Oder wäre im Sin­ne des Kon­zils eine Aus­glie­de­rung der Tra­di­ti­ons­treu­en in eine eige­ne Kir­che mit eige­nem Kate­chis­mus (Pius X.), eige­nem Kir­chen­recht (CIC 1917) und eige­ner Lit­ur­gie (Mis­sa­le, Pon­ti­fi­ca­le, Cere­mo­nia­le und Brer­vi­a­ri­um Roma­num 1962) ein bes­se­rer Schritt? Eine sol­che „römisch-katho­li­sche Kir­che der Tra­di­ti­on“ könn­te ja dann sich sehr schnell auf einem„ökumenischem“ Wege über eine Ein­heit (Unio) mit dem Papst ver­stän­di­gen. Soll­te man nicht auch eine Unier­te Kir­che latei­ni­schen Ritus aner­ken­nen, wie es etwa im Fal­le einer mög­li­chen Eini­gung mit den Hoch­lu­the­ra­ne­ren der Fall wäre und der Eini­gung mit Angli­ka­nern gewe­sen ist?
    Daß man hier auch über die Aner­ken­nung der Sakra­men­te (com­u­nio in sacris) bei einem Uni­ons­de­kret spre­chen könn­te, was stün­de die­sem ent­ge­gen? Es gibt sicher etwa 10 Mio. Christ­gläu­bi­ge, die sich der Tra­di­ti­on ver­schrie­ben haben, etwa die Hälf­te aller tat­säch­lich prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken hat Erfah­run­gen mit der Tra­di­ti­on.
    Der Papst könn­te ja dann sich auch um die Ernen­nung von wirk­lich glau­bens­treu­en Bischö­fen bemü­hen und das II. Vati­ka­num für die Kon­zils­kir­che ver­ba­tim aus­le­gen las­sen. Ent­we­der eine sau­be­re und brü­der­li­che Tren­nung (Abra­ham und Laban!) oder eine ein­zi­ge Kir­che mit einer Total­re­vi­si­on des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Für bei­de Schrit­te braucht es Zeit, Ruhe und Demut von bei­den Sei­ten. Und das Gebet zum Hei­li­gen Geist, den Bei­stand der Imma­cu­la­ta und Got­tes­mut­ter Maria und des Hl. Josefs.

    • Aus­glie­de­rung in eine eige­ne Kir­che — das geht nicht. Es ist ja gera­de ein Glau­bens­grund­satz der Pius­bru­der­schaft, daß Gott nur eine Kir­che grün­de­te und die­se eine von Gott gegrün­de­tet Kir­che die katho­li­sche Kir­che ist.

      Auch Papst Bene­dikt XVI sag­te, daß es nur eine Kir­che und dane­ben nur reli­giö­se Gemein­schaf­ten gibt.

  2. (…) „Ich ver­ste­he die Posi­tio­nen der Bru­der­schaft. Aber die Lösung ist nicht, die Kir­che zu ver­las­sen.“ Sagt Kuri­en­erz­bis­hof Di Noia unter ande­rem. Aber Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat nie die Kir­che ver­las­sen. Die Prie­ster­bru­der­schaft wur­de von der Kir­che auf­ge­löst. Die Tra­di­ti­on wur­de nicht gedul­det. Der ange­se­he­ne Erz­bi­schof, der sein Leben der Kir­che wid­me­te, wur­de sus­pen­diert. Dann exkom­mu­ni­ziert.
    Man soll ein­fach mal bei der Wahr­heit blei­ben. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat nie eine Chan­ce bekom­men, mit siche­ren Rah­men­be­din­gun­gen das „Expe­ri­ment Tra­di­ti­on“ wagen zu kön­nen. Die Wahr­hei­ten, die er sag­te, waren unbe­quem. Alles, was er vor­aus­sag­te, ist ein­ge­trof­fen, wirk­lich alles. Es wäre längst an der Zeit, ihn zu reha­bi­li­tie­ren.
    Doch Rom scheint, was die Ursa­che der Kir­chen- und Glau­bens­kri­se betrifft, wie mit Blind­heit geschla­gen. Es ist unab­än­der­lich.

    • @cuppa: Das ist sicher nicht unab­än­der­lich, kann es gar nicht sein. Und die Wor­te die­ses klu­gen Man­nes stim­men doch froh, daß die bis­he­ri­ge unsäg­lich unver­söhn­li­che Hal­tung der Moder­ni­sten nicht mehr maß­ge­bend ist. Die Hoff­nung, daß die Kir­che auch rea­li­ter wie­der weit und katho­lisch wird, ist berech­tigt. Maria breit den Man­tel aus!

    • „unab­än­der­lich“ ist sicher schlecht gewählt. Es ist ein­fach ein Fak­tum — aber natür­lich ein änder­ba­res. Selbst Bf. Wil­liam­son hat nie die Hoff­nung auf­ge­ge­ben, dass sich Rom/der Papst bekehrt — obwohl man Wil­liam­son das vor­warf, eben: unter­stell­te, was eine der Unter­stel­lun­gen war, die ich zuvor in der Dis­kus­si­on beklag­te.

      Er hat immer gesagt, dass wir für die Bekeh­rung Roms beten sol­len — und er wie Tis­sier, wie aber auch die alte Bru­der­schafts­li­nie war die, dass wir auf die­sen Moment war­ten müs­sen und dann ein Abkom­men kein Pro­blem mehr sein wird!

  3. Der Kon­zils­va­ter Lef­eb­v­re und der Peri­tus Prof. Ratz­in­ger waren wäh­rend des Kon­zils theo­lo­gisch Anti­po­den. Dar­an hat sich in der Fol­ge­zeit nie etwas geän­dert, auch wenn Kar­di­nal Ratz­in­ger mensch­lich Hoch­ach­tung vor dem Erz­bi­schof hat­te. Sei­ne Theo­lo­gie fand er immer rück­stän­dig, über­holt. Einer ande­ren Zeit zuge­hö­rig.
    Die FSSPX wird sich an die Theo­lo­gie Ratz­in­gers — Papst Bene­dikt XVI. anpas­sen müs­sen, wenn es zu einer Ein­glie­de­rung in näch­ster Zeit kom­men soll­te. Dar­an führt kein Weg vor­bei. Kuri­en­erz­bi­schof Di Noia nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sagt es so deut­lich, dass man ihm Täu­schungs­ab­sich­ten wirk­lich nicht unter­stel­len darf. Auch der Hei­li­ge Vater hat es dem Gene­ral­obe­ren schrift­lich gege­ben, unmit­tel­bar vor dem Gene­ral­ka­pi­tel im Som­mer 2012.
    Für mich stellt sich nur noch die Fra­ge: Wird es zu einer Spal­tung kom­men? Und wie geht es wei­ter?

  4. @dspecht
    Ich habe mich unge­nau aus­ge­drückt, es war abends ziem­lich spät. „Unab­än­der­lich“ bezog sich auf die Gegen­wart und die näch­ste Zukunft…

  5. Fort­set­zung dspecht
    Eine per­sön­li­che Anmer­kung: Ich kom­me aus der Kon­zils­kir­che, habe nicht gekämpft wie ande­re es mit­ge­teilt haben, son­dern mehr und mehr ein Unbe­ha­gen gespürt im Lau­fe der Zeit. Für mich war dann Papst Bene­dikt, weil er die Per­son Jesu Chri­sti so in den Vor­der­grund stellt, wie ein Anker in einer Kir­che, in der das nicht mehr der Fall ist. Des­we­gen fand ich Bischof Wil­liam­sons Urteil über Rom „anti­rö­misch“. Doch das muss ich im Lau­fe mei­nes Lern­pro­zes­ses revi­die­ren. Was mei­ne Mei­nung über sei­ne „Eska­pa­den“ nicht ändert.
    Wer von der Kon­zils­kir­che kommt und sich der Tra­di­ti­on zuwen­det, muss Lern­pro­zes­se durch­ma­chen. Das ist nun wirk­lich „unab­än­der­lich.“
    Mir fällt auch noch ein: Der Papst hat­te über Wil­liam­son geur­teilt, er sei direkt als Angli­ka­ner nach sei­ner Kon­ver­si­on in die FSSPX gewech­selt, habe daher nie eine „natür­li­che Lie­be“ zu Rom gehabt (sinn­ge­mäß). Ich ließ mich davon beein­flus­sen, habe Bf. Wil­liam­son die­se Lie­be abge­spro­chen. Jetzt kom­me ich, was „Rom“ anbe­trifft, offen­bar zu ähn­li­chen Schlüs­sen. Ohne die Lie­be zu Rom zu ver­lie­ren. Sie macht sich näm­lich nicht an den Kon­zil­späp­sten fest, die einer Epo­che ange­hö­ren, die zu Ende geht. Sie ist im End­sta­di­um, wie lan­ge es sich hin­zieht, ist wohl die Fra­ge. Und vor­her wird es noch schlim­me Kämp­fe geben. Dass ich das Ende die­ser Kämp­fe noch erle­be, die Hoff­nung habe ich auf­ge­ge­ben.

  6. @ Mister X
    Der Ton ist sicher ver­söhn­lich, doch der Kuri­en­erz­bi­schof ver­langt nichts ande­res, als dass die FSSPX das II. Vati­ka­num in vol­lem Umfang aner­kennt. Auch der Ton des Hei­li­gen Vaters war nie barsch. Den­noch for­dert er die theo­lo­gi­sche „Unter­wer­fung.“ Wie es bei den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten gesche­hen ist.

  7. Lie­ber Herr Specht,

    auf die­sem Wege besten Dank für unse­re bis­he­ri­ge Dis­kus­si­on. Lei­der ver­bie­tet mir mein der­zei­ti­ger beruf­li­cher Arbeits­auf­wand unse­ren Gedan­ken­aus­tausch in der ver­gan­ge­nen Form so fort­zu­set­zen.

    Zunächst ein­mal, der Arti­kel beschäf­tigt sich mit einem Inter­view mit Erz­bi­schof Di Noia, wel­ches die ame­ri­ka­ni­sche Zeit­schrift Natio­nal Catho­lic Repor­ter am 1. Juli 2012 ver­öf­fent­licht hat; dem Grun­de nach also nichts neu­es. Inso­fern sug­ge­riert die „Arti­kel­se­rie“ eine Art Dyna­mik im Eini­gungs­pro­zess, die mei­nes Erach­tens so nicht vor­han­den ist.

    Erz­bi­schof Di Noia hat im Som­mer ein Inter­view gege­ben, hat im Advent einen Brief an die Bru­der­schaft geschrie­ben, das wars. Ob und inwie­weit sei­ne, nach mei­ner Wahr­neh­mung nicht gera­de hyper­ak­ti­ven öffent­li­chen Bemü­hun­gen, zu einer Reak­ti­on auf sei­ten der Bru­der­schaft geführt haben weiß ich nicht. Ich gehe aller­dings davon aus, dass es auf­grund eini­ger bru­der­schafts­in­ter­nen Kri­ti­ker sicher­lich zu der einen oder ande­ren Indis­kre­ti­on gekom­men wäre, wenn es irgend­et­was hand­fe­stes in Sachen „Eini­gungs­pro­zess“ gäbe.

    Da durch die Ereig­nis­se des Jah­res 2012, ein­sei­ti­ge Rück­nah­me einer bereits (aus Sicht der Bru­der­schaft) aus­ver­han­del­ten dog­ma­ti­schen Prä­am­bel, Ernen­nung von Erz­bi­schof Mül­ler zum Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­ge­gra­ti­on, Ein­ge­ständ­nis von Weih­bi­schof Fel­lay sich ger­irrt zu haben, Aus­schluss von Weih­bi­schof Wil­liam­son, ver­gleichs­wei­se viel Por­zel­lan zer­schla­gen wur­de, habe ich den Ein­druck, dass der ohne­hin nur gerin­ge Hand­lungs­spiel­raum, den Weih­bi­schof Fel­lay als Gene­ral­obe­rer der Bru­der­schaft hat­te, auf ein Mini­mum redu­ziert ist.

    Anders, evtl auch platt aus­ge­drückt: er hat es ver­sucht, er hat sich die Fin­ger dabei ver­brannt
    und muss nun zuse­hen, den Laden (sprich die Bru­der­schaft) zusam­men­zu­hal­ten. Die Dis­kus­sio­nen in die­sem Forum zei­gen, wie emo­tio­nal die Aus­ein­an­der­set­zun­gen geführt wer­den (wie­so soll­te das in der Bru­der­schaft anders sein?). Von daher gehe ich davon aus, dass in näch­ster Zeit rein gar nichts pas­sie­ren wird. Mög­li­cher­wei­se wird Rom den Druck auf die Bru­der­schaft erhö­hen, eine Ant­wort auf die dog­ma­ti­sche Prä­am­bel zu geben, auch wenn die Bru­der­schaft der Ansicht ist, dass die Erklä­rung des Gene­ral­ka­pi­tels als sol­che anzu­se­hen ist. Ob sich dar­aus jedoch eine neue Situa­ti­on erge­ben könn­te ist aller­dings offen.

    Ich für mei­nen Teil schlie­ße die Obe­ren der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. in mein Gebet mit ein, auf dass sie fest im Glau­ben, freund­lich in der Wort­wahl und Wei­se in ihren Ent­schei­dun­gen sein wer­den.

    • Nas­sau­er, wie­der eine sehr pro­fun­de und kla­re Ana­ly­se 🙂

      Ich bete auch ger­ne für die Obe­ren!

  8. Wie sei­ne Hei­lig­keit Papst Bene­dikt XVI schon sag­te, haben sich die Früch­te des 21 öku­me­ni­schen Kon­zils in der „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nu­tät“ (wobei man die­se Früch­te zumin­dest in mei­nen Augen mit der Lupe suchen muß) und in der „Her­me­neu­tik der Dis­kon­ti­nui­tät oder des Bru­ches“ gezeigt, (wel­che ja jeden wahr­lich katho­li­schen Chri­sten, der nicht Blind, Taub und Stumm durch die Welt geht, klar ersicht­lich sein müß­te).

    Daher soll­ten alle Kon­zils­tex­te über­prüft wer­den, inwie­fern sie die „Her­me­neu­tik der Dis­kon­ti­nui­tät oder des Bru­ches“ ermög­lich­ten und för­der­ten, und die­se soll­ten dar­auf­hin über­ar­bei­tet wer­den, damit die „Her­meu­tik der Kon­ti­nui­tät“ zum Leben erwa­chen könn­te, aber ohne Revi­si­on der Kon­zils­tex­te, kann sich die Kir­che nicht von innen her­aus hei­len.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

    Ps. Aktu­el­le­re Inter­views wären wich­ti­ger.

    • Nur dass der Papst/Rom nicht bereit ist, die Kon­zils­tex­te zu revie­de­ren. Sie ver­ste­hen unter der „Her­me­neu­tik“ der Kon­ti­nui­tät das Schön­re­den von Brü­chen, das Behaup­ten, dass das, was ein inhl­t­li­cher Bruch ist, Kon­ti­nui­tät sei.

  9. „Der Papst wünscht nicht, daß die Din­ge so blei­ben, wie sie sind – kei­ne wei­te­re Sek­te, kei­ne wei­te­re Spal­tung.“ — Na, denn! Der Papst hält also die Pius­bru­der­schaft für eine poten­ti­el­le „Sek­te“. Da liegt wohl das Pro­blem. Die Pius­bru­der­schaft hat — Gegen­satz zu den mei­sten ande­ren Katho­li­ken, auch zur Theo­lo­gie Joseph Ratz­in­gers — die rei­ne katho­li­sche Leh­re: Ohne Abstri­che, ohne Zusät­ze! Es tut mir leid, dass ich dar­auf hin­wei­sen muss: Aber der Papst belügt sich selbst, was das 2. Vati­ka­num angeht. Hier ein schö­ner Kom­men­tar zu dem besag­ten Inter­view mit EB di Di Noia: http://angelqueen.org/2013/01/21/john-vennari-on-abp-di-noias-goal-for-the-sspx/ Ich bin dafür, dass die FSSPX ihrer­seits die Gesprä­che nicht abbricht, aber Zeit­ver­schwen­dung sind die unter den gege­ben Umstän­den ganz sicher­lich.

  10. @ alle (bes. cup­pa, Nas­sau­er, Armin, …):

    Ein Bei­spiel ein­der Unter­stel­lung oder eines Stroh­man­nes ist wie bereits ange­deu­tet, dass man (ganz kon­kret: P. Schmid­ber­ger in sei­nem Rund­brie­f/Rund-Fax an alle Prie­ster zum Raus­wurf Wil­liam­sons schrieb, dass für Wil­liam­son alles zum Glau­bens­gut gehö­re, auch pro­fan-Histo­ri­sches, wie die Nicht­exi­stenz der Gas­kam­mern, die Spren­gung der Tür­me de World-Tra­de-Cen­ters und „die end­gül­ti­ge Unbe­kehr­bar­keit der römi­schen Behör­den“.

    Nun, schon die ersten bei­den Behaup­tun­gen stim­men so nicht, aber man kann das viel­leicht noch als hyper­bo­li­sche Rede gele­ten las­sen oder Bf. W. zumin­dest vor­wer­fen, indi­rekt die­se Fra­gen zum „Glau­bens­gut zu machen“ (obgleich selbst das so nicht stimmt, aber das sei geschenkt — for the sake of the argu­ment).

    Das letz­te ist zumin­dest eine kla­re, ein­deu­ti­ge Unter­stel­lung — denn mehr­mach, sowohl frü­her wie auch jüngst noch, hat W. immer wie­der dazu auf­ge­ru­fen, für die Bekeh­rung des Pap­stes und Roms zu beten, und er hat auf eine sol­che gehofft — und nur immer betont, dass man VOR einer sol­chen Bekeh­rung kein Abkom­men mit Rom schlie­ßen kön­ne.
    Nicht mehr und nicht weni­ger.

    Sol­che Unter­stel­lun­gen, Ver­derehun­gen, Stroh­män­ner waren es, die mich letzt­lich zum Nach­de­ne­ken brach­ten.
    Ich könn­te noch mehr — und ein­deu­ti­ge, leicht nach­prüf­ba­re — Bei­sp. brin­gen, von Bf. Fel­lay und ande­ren Obe­ren. Sogar solch kras­se, dass es einem die Scha­mes­rö­te ins Gesicht treibt.

    Wenn das nur ein­mal ein Aus­rut­scher gewe­sen wäre, wür­de ich das als sol­chen abha­ken.
    Aber es war wie gesagt sehr oft (kann noch 2 Bei­sp. von Fel­lay brin­gen, 1 Bei­sp. von den Obe­ren in Asi­en zum Raus­wurf Chazals und Pfeif­fers, und auch noch Bei­spie­le von P. Rostand etc.).

    Ich hat­te zuvor wirk­lich Ver­trau­en in die Obe­ren — und war eher miß­trau­isch, was Wil­liam­son & Co. betrifft.
    Aber bei die­sen habe ich nie auch nur ein ein­zi­ges mal Stroh­män­ner, Ver­dre­hun­gen, Unter­stel­lun­gen, Ver­leumd­nun­gen erlebt. Ja, zum Teil eine direk­te und har­te Spra­che — aber nie auch nur das Gering­ste Abwei­chen von der Wahr­heit oder ein Arbei­ten mit Unter­stel­lun­gen, Stroh­män­nern. Sie haben offen­kun­dig, wie es für gute Tho­mi­sten üblich ist, die gege­neri­sche Auf­fas­sung rich­tig ver­stan­den und immer mit Argu­men­ten dar­auf prä­zi­se geant­wor­tet.

    Die Obe­ren haben genau das Gegen­teil davon getan.
    Das brach­te mich — wie vie­le! — dann eben zum Nach­den­ken.

    Und Armin hat ja vor kur­zem Ver­trau­en ein­ge­for­dert und das Unter­su­chen, wo der Geist GOTTES wehe und wo der Geist des Dia­bo­los.

    Nun, wenn ich einer­seits Men­schen haben, die „hart aber fair“ argu­men­tie­ren und auch bei der Wahr­heit blei­ben, ande­rer­seits Men­schen, die mit Unter­stel­lun­gen, Ver­derehung der Wahr­heit, nicht-auf-das ‑geg­ne­ri­sche-Argu­ment-wirk­lich-Ein­ge­hen, Stroh­män­nern etc. arbei­ten –

    wo ist dann bit­te schön EINDEUTIG der GEIST GOTTES und wo nicht?!!

    Wie gesagt, das hat mich erst zum Umden­ken gebracht, neben theo­lo­gisch-phi­lo­so­phi­schen Erkennt­nis­sen. Ich war vor der Ernen­nung Mül­lers auch noch geblen­det von der Illu­si­on, man kön­ne sich „unter die Dampf­wal­ze Roms“ schmei­ßen, ohne dabei nie­der­ge­walzt zu wer­den. Ich war für ein rein prak­ti­sches [„unmög­li­ches“] Abkom­men!

  11. Let­zend­lich fin­de ich das alles ziem­lich trau­rig
    Das der der­zei­ti­ge Papst nicht von die­sem Kon­zil las­sen kann, kann man viel­leicht noch ver­ste­hen.
    Immer­hin war er ja als Bera­ter dar­an betei­ligt. Damit sieht er es wohl auch irgend­wie als sein „Kind“ an und wird alles tun es zu ret­ten.
    Dabei ist mir aber auch nicht ganz klar, wie ein Ver­ste­hen in Kon­ti­nui­tät ablau­fen soll.
    Wer legt wann fest was noch in der Kon­ti­nui­tät steht und was nicht.
    Das omi­nö­se „leben­di­ge“ Lehr­amt? Der Papst? Die Bischö­fe ? Jeder für sich? Und wer ver­steht was wie?
    Die Ver­wir­rung kann kaum grö­ßer sein.
    Mann soll­te sich immer vor Augen hal­ten, es geht um die Ret­tung unsterb­li­cher See­len.
    Nun bin ich der Mei­nung, daß die­ses Ereig­nis letzt­lich nicht der Aus­lö­ser der Kri­se, wohl aber ein Kata­ly­sa­tor war. Wes­halb Pius XII davon Abstand nahm. Da haben wir wie­der die Klug­heit.
    Mein Resü­mee: Gut gemeint ist etwas ande­res wie gut gemacht.

  12. An den Früch­ten.….….….….….…..
    Bischof Di Noia ist natür­lich ein uner­schüt­ter­li­cher Ver­tei­di­ger des Vat.II und das ist lei­der der größ­te Hemm­schuh in den Ver­hand­lun­gen.
    Auch der hl.Vater kann nicht umhin, die Ent­wick­lun­gen der Kir­che seit dem Kon­zil, als abso­lut kata­stro­phal zu bezeich­nen.
    Das alter­na­tiv­lo­se Fest­hal­ten, der heu­ti­gen Genera­ti­on „Rom“ ist das größ­te Pro­blem der Kir­che.
    Es müß­te end­lich radi­kal alles auf den Tisch, was an Irr­we­gen seit­dem beschrit­ten wor­den ist.
    Sicher­lich gibt es auch gute Aspek­te, zb. die Ord­nung des Ver­hält­nis­ses zu den Juden, aber auch hier wohnt prak­tisch die Auf­ga­be der Mis­sio­nie­rung inne.
    Mei­ne Hoff­nung auf eine Revi­si­on ist aller­dings gering, weil inzwi­schen eine Genera­ti­on von Kle­ri­kern herrscht, die völ­lig aus einer ande­ren Den­ke kom­men (Moder­nis­mus)!
    Daher ist es zum jet­zi­gen Zeit­punkt ein völ­li­ger Trug­schluß, das man sich mit FSSPX eini­gen kann und das fin­de ich gut.
    FSSPX hat längst ein funk­tio­nie­ren­des Netz­werk errich­tet, das über­zeu­gend den Glau­ben lebt und tra­diert.
    Auch wenn der Kle­rus nach dem heu­ti­gen Mehr­heits­prin­zip denkt, glau­be ich das FSSPX auf Dau­er die Ober­hand gewin­nen wird, weil die moder­ni­sti­sche Kir­che in die­ser Form nie­mals Bestand haben wird.

    • Der moder­ni­sti­sche Teil unse­rer Hl. Kir­che wird mit Sicher­heit
      nie­mals Bestand haben. Das wird der Herr auf Dau­er nicht zulas­sen.
      Aber die FSSPX hat nicht nur ein Netz­werk errich­tet, son­dern eine
      Art Par­al­lel­kir­che und die Eigen­dy­na­mik die­ses Ordens erin­nert an
      die einer Sek­te.

      • Ich gehe rela­tiv regel­mä­ßig zu den Got­tes­dien­sten und sehe das abso­lut nicht so.
        Von Par­ral­lel­kir­che kann über­haupt kei­ne Rede sein, denn dort wird nichts Ande­res „gelehrt“, als die unbe­ding­te Treue zu fun­da­men­tal­sten Leh­ren der RKK.
        Die FSSPX ist auch nicht selbst aus­ge­tre­ten, son­dern wur­de exkom­mu­ni­ziert, weil Bischof Leb­fe­v­re sich strikt gewei­gert hat (zum Glück) die Neue Mes­se zu fei­ern.
        Selbst Kri­ti­ker der FSSPX geste­hen inzwi­schen ein, das die Lit­ur­gie welt­weit der­art unter die Räder gekom­men ist, wie man es sich kaum noch vor­stel­len kann.
        Ein­her­ge­hend damit, ist durch die weit­ge­hen­de Demo­kra­ti­sie­rung der Lan­des- und Orts­kir­chen ein Auto­ri­täts­ver­lust Roms ein­ge­tre­ten, wie er in sei­ner Sum­me noch nicht da war.
        Den­ken Sie doch ein­mal z.b. an die fort­wäh­ren­den Unge­hor­sams Attacken der RKK in Deutsch­land gegen­über Rom.
        Bischö­fe wie Leh­mann, Zollitsch etc. ste­hen längst für ein Par­ti­ku­lar­kir­chen­tum, wie es sich eigent­lich nur noch bei den Pro­te­stan­ten fin­den läßt.
        Nur bei der Kir­chen­steu­er ist man hier­zu­lan­de fun­da­men­tal bis zur Exkom­mu­ni­ka­ti­on, bei gleich­zei­ti­ger Tole­ranz aller lit­ur­gi­schen Miß­bräu­che und Häre­si­en und gänz­li­cher Igno­ranz gegen Wei­sun­gen aus Rom.
        Der­ar­ti­ge Ten­den­zen sind bei FSSPX nicht zu erken­nen, eher im Gegen­teil.
        Sie ste­hen für die unver­brüch­li­chen Ele­men­te des Katho­li­zis­mus, daher sind sie zwar ange­fein­det, aber vita­ler denn je.
        Gott schüt­ze FSSPX!

      • Als ich erst­mals an einer hl. Mes­se in einer Kapel­le der Pius­bru­der­schaft teil­nahm, fiel mir auf, dass ich sol­che eine Ehr­furcht (ohne jede Über­stei­ge­rung) noch nicht erlebt habe. „Sie sind katho­lisch“, war mein erster Gedan­ke. Und der zwei­te schloss sich an: Soll­te der Hei­li­ge Vater wie­der eine Stra­fe ertei­len, sie fällt auf ihn zurück. Die­se Ehr­furcht kann nur durch die For­mung, durch das Wir­ken der Prie­ster mög­lich sein, so hoch­sen­si­bel reli­gi­ös ver­an­lagt sind die­se Gläu­bi­gen von Natur aus sicher nicht.
        „Prie­ster leben wie sie wol­len, sie leh­ren, was sie wol­len, sie fei­ern die Lit­ur­gie wie sie wol­len“ urteil­te der Frei­bur­ger Theo­lo­gie­pro­fes­sor Hoping. Nie­mand greift ein.
        Und die­se katho­li­sche Prie­ster­bru­der­schaft, die FSSPX, soll mög­li­cher­wei­se erneut bestraft wer­den, wenn sie die Prä­am­bel nicht unter­schreibt?
        Dann spricht Rom ein Urteil gegen sich selbst, kann ich nur sagen.

        • „Als ich erst­mals an einer hl. Mes­se in einer Kapel­le der Pius­bru­der­schaft teil­nahm, fiel mir auf, dass ich sol­che eine Ehr­furcht (ohne jede Über­stei­ge­rung) noch nicht erlebt habe“

          So ging es mir auch, als ich die erste Hei­li­ge Mes­se in einer Pius­ka­pel­le erleb­te (auch ich bin gleich­sam bei den Nach­kon­zi­lia­ren groß­ge­wor­den). Hin­zu­fü­gen möch­te ich noch mei­ne dama­li­ge Emp­fin­dung von hoher Wür­de und Hei­lig­keit — ja, auch und gera­de Hei­lig­keit.

          Ich schrei­be „dama­lig“, doch besteht die­se Emp­fin­dung auch heu­te noch bei jeder Hei­li­gen Mes­se im außer­or­dent­lich schö­nen Ritus. Nur war eben das Kon­tra­st­er­leb­nis damals zwi­schen NOM und echt­ka­tho­li­scher Lit­ur­gie so rie­sig. Für den NOM habe ich nun nichts mehr übrig.

          Eine neu­er­li­che römi­sche Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­er­klä­rung kann ich mir schwer vor­stel­len. Rom hat die Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­er­klä­run­gen gegen die Pius­bru­der­schaft wider­ru­fen, die heu­te (weit­ge­hend) so ist wie damals (beim Wider­ruf der Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­er­klä­run­gen). Eine neu­er­li­che Exkom­munka­ti­ons­er­klä­rung wür­de Rom daher in arge Argu­men­ta­ti­ons­not brin­gen.

      • Ver­zei­hung, wenn ich hef­tigst wider­spre­che, aber etwas sek­ten­haf­tes, par­ral­lel kirchch­li­ches kann man wirk­lich nicht fin­den.
        Sek­ten­haft bedeu­tet ja, eine extrem ver­kürz­te Aus­le­gung der Schrift und eine dia­me­tral inter­pre­tier­te Theo­lo­gie.
        Bei FSSPX wird die röm.kath.Theologie unver­kürzt dar­ge­bracht, sogar mit einer heu­te etwas „welt­fremd“ (bit­te nicht falsch ver­ste­hen) wir­ken­den Inbrunst.
        Par­ral­lel­kir­che bedeu­tet auch etwas Nega­ti­ves, näm­lich eine Art „Gegen­kir­che“ was FSSPX ganz und gar nicht sein will.
        Sie sind im besten Sin­ne „Anti­mo­der­ni­sten“, streng nach dem Wil­len ihres Vor­bil­des Pius X. !
        Die Eigen­dy­na­mik die Sie vor­wer­fen besteht im Wir­ken des hl.Geistes, oder woher kön­nen Sie sich erklä­ren, das so vie­le Men­schen den Weg dort­hin suchen ?
        Ich hal­te es da mit dem Geset­zes­leh­rer Gama­liel, der schon in der Apo­stel­ge­schich­te zur Mäßi­gung gegen die Urchri­sten auf­rief.
        Wenn es von Men­schen­hand wäre, wür­de es sich von selbst erle­di­gen, wäre es aber von Gott, könn­te der Mensch es nie­mals zer­stö­ren, er zer­stö­re sich eher selbst.
        Ganz ehr­lich, wenn Sie neu­tral beur­tei­len soll­ten, wo die Kir­che Jesu Chri­sti eher ver­wirk­licht ist, näm­lich bei FSSPX oder in dem was land­auf land­ab uns noch als Katho­lisch ver­kauft wird, aber längst nicht mehr ist, wie wür­den Sie urtei­len?
        Genau, wie ich auch !
        Gehen Sie mal hin und las­sen Sie sich für den Glau­ben gewin­nen!

  13. Ich kann und will so weit nicht gehen wie dspecht, weil ich zu wenig Infor­ma­tio­nen habe. Was mir auf­ge­fal­len ist: Ich sehe bei Bischof Fel­lay kei­ne kla­re Linie seit den Ver­hand­lun­gen mit Rom, seit die dok­tri­nel­le Prä­am­bel über­reicht wur­de. Wenn er öffent­lich vor bestimm­ten Krei­sen gespro­chen hat­te, schien er sich danach zu rich­ten, was die­se jeweils beru­hi­gen oder bestär­ken, was sie nicht rebel­lie­ren las­sen wür­de. Ich hat­te dafür Ver­ständ­nis. Wenn man einer­seits unter dem Schwei­ge­ge­bot Roms steht, wenn man ande­rer­seits Prie­ster und Gläu­bi­ge auf die neue Situa­ti­on ein­stel­len muss, ist das kaum zu lei­sten. Auf Dau­er lei­det aber das Ver­trau­en. Was will Bischof Fel­lay wirk­lich? Oder: Wie weit ist er bereit, Kom­pro­mis­se zu schlie­ßen, um die ersehn­te Eini­gung jetzt zu errei­chen. Wenn er es mal zu ALLEN gleich­zei­tig sagen wür­de! Ich mei­ne jetzt nicht das Aus­plau­dern von Details aus ver­trau­li­chen Gesprä­chen, son­dern grund­sätz­lich. Wenn ich Pre­dig­ten oder Stel­lung­nah­men von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re lese, dann fällt mir eine Klar­heit auf, die ich bei Bischof Fel­lay ver­mis­se. Auch der Erz­bi­schof hat sich unter­schied­lich geäu­ßert, die Situa­tio­nen wech­seln, er reagiert dar­auf. Aber er tak­tier­te nicht, ich kann als Außen­ste­hen­de die Situa­ti­on erfas­sen, sei­ne Reak­ti­on ver­ste­hen, ohne mich fra­gen zu müs­sen: WAS MEINT ER WIRKLICH?
    Ich den­ke, auf die­ser Sicher­heit basiert Ver­trau­en. Mir fehlt es, mir fehlt in die­ser wir­ren Situa­ti­on der Kom­pass. Zumal ich weiß, dass die Situa­ti­on auf dem letz­ten Gene­ral­ka­pi­tel teil­wei­se besorg­nis­er­re­gend kri­tisch war.
    Es ist gleich­gül­tig, ob Bene­dikt XVI. als Mensch inte­ger ist. Dass er als Papst die Pius­bru­der­schaft nicht aner­ken­nen will, ohne sie zu schwä­chen, ist aus sei­nen Äuße­run­gen klar zu schlie­ßen. Wie weit geht der Gene­ral­obe­re ihm ent­ge­gen, das ist mei­ne ban­ge Fra­ge.

    • Alles sehr rich­tig auf den Punkt gebracht. Auch mir ist das auf­ge­fal­len. Mal spricht Bf. Fel­lay wie er es in dem berühm­ten CNS-Inter­view gemacht hat, mal ganz anders wie in New Ham­burg, dann wen­det er sich wie­der, und wie­der, .… und wie­der .….
      Sie, lie­be cup­pa, haben die rich­ti­gen Fra­gen gestellt und rich­ti­gen Fest­stel­lun­gen gemacht.

    • Übri­gens ist das nicht nur mir, son­dern meh­re­ren mei­ner Freun­de auch so auf­ge­fal­len (wie sie es tref­fend auf den Punkt brin­gen im Vgl. Lef­eb­v­re-Fel­lay. Wie sie rich­tig sagen, es geht nicht dar­um mal etwas anders zu reden oder sich auf neue Umstän­de ein­zu­las­sen, das ist ja alles ok. Aber es gibt da einen Unter­schied. In der Tat.)

  14. Ich möch­te aller­dings nicht die schwie­ri­ge­re Aus­gangs­la­ge ver­ken­nen, in der sich Bischof Fel­lay befin­det, ohne mei­ne Aus­sa­ge zurück­zu­neh­men: Der Erz­bi­schof hat­te in der Kir­che alles erreicht außer der Kar­di­nal­s­wür­de. Die Bischö­fe der FSSPX befan­den sich gleich in der Situa­ti­on der Exkom­mu­ni­zier­ten. Auch wenn die­se Exkom­mu­ni­ka­ti­on als Unrecht anzu­se­hen ist, sie erle­ben in der Pra­xis immer wie­der und von Anfang an ver­schlos­se­ne Tore. Ich weiß nicht, ob es mensch­lich, psy­cho­lo­gisch, mög­lich ist, mit dem glei­chen Selbst­be­wusst­sein Rom gegen­über auf­zu­tre­ten, wie es der Erz­bi­schof konn­te von sei­ner Bio­gra­fie her. Ich glau­be es eher nicht. Und dann gerät man leicht zwi­schen alle Stüh­le. Rom, „ver­schie­de­ne Flü­gel“, die Gläu­bi­gen, alles muss zusam­men­ge­hal­ten wer­den. Das ist schwie­rig genug, und des­halb erlau­be ich mir ein nega­ti­ves Den­ken über Bischof Fel­lay ins­ge­samt nicht. Im Gegen­tei, ich habe vor ihm mehr Respekt als vor jedem „Kon­zils- Bischof.“ Mei­ne Unsi­cher­heit, ihn zu ver­ste­hen, bezieht sich auf die­se unglaub­lich schwie­ri­ge Situa­ti­on, nicht auf sein Wir­ken ins­ge­samt, vor dem ich wirk­lich Respekt habe.
    Je mehr ich mich mit dem Di Noia-Inter­view beschäf­ti­ge, je mehr wird mir klar, dass die­ser Erz­bi­schof gefähr­li­che Häre­si­en ver­trit, hin­ter denen wahr­schein­lich sogar der Papst steht.. „Das leben­di­ge Lehr­amt“ ist eine Neu­de­fi­ni­ti­on des Papst­am­tes, die ich nur als Häre­sie betrach­ten kann, die die katho­li­sche Kir­che bedroht. Die Dop­pel­rol­le, in die der Gene­ral­obe­re gera­ten ist, dürf­te fast ein­ma­lig sein: Die Gesprä­che mit Rom ent­wickeln sich zu einem „Glau­bens­kampf.“ Ich sehe kei­ne Mög­lich­keit mehr, wie die­sem Kampf aus­zu­wei­chen ist. Nur die FSSPX kann ihn füh­ren, lei­der fal­len die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten wegen ihrer Rah­men­be­din­gun­gen aus.
    Und ich, cup­pa, mit mei­nen schwa­chen Kräf­ten, habe dann und über­haupt, für den Gene­ral­obe­ren zu beten.

  15. Erz­bi­schof Mül­ler, Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on hat in einem Inter­view der WELT, wel­ches mor­gen abge­druckt wird, fol­gen­de Aus­sa­ge zur Bru­der­schaft getä­tigt:

    Mit Blick auf die Aus­ein­an­der­set­zun­gen der Kurie mit den Pius­brü­dern sagt Mül­ler, dass die Geduld des Vati­kans mit den abtrün­ni­gen Tra­di­tio­na­li­sten nicht end­los sei: „Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on hat der Prie­ster­bru­der­schaft die Dog­ma­ti­sche Prä­am­bel vor­ge­legt. Dar­auf­hin ist bis jetzt kei­ne Ant­wort erfolgt. Wir war­ten aber nicht end­los.“
    aus: http://www.welt.de/politik/deutschland/article113300127/Erzbischof-beklagt-Pogromstimmung-gegen-Priester.html

    Dar­aus folgt:
    1. die Bru­der­schaft hat bis­lang nicht auf die dog­ma­ti­sche Prä­am­bel geant­wor­tet.
    2. die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on war­tet noch auf eine Ant­wort der Bru­der­schaft. Das Schrei­ben von Erz­bi­schof Di Noia scheint tat­säch­lich den Zweck gehabt zu haben, die Bru­der­schaft von der Annah­me der dog­ma­ti­schen Prä­am­bel zu über­zeu­gen; ich kann kei­nen wei­te­ren Sinn in dem Schrei­ben von Erz­bi­schof Di Noia und in dem Inter­view von Erz­bi­schof Mül­ler erken­nen.
    3. aus mei­ner Sicht scheint es kei­ne nen­nens­wer­te Kon­tak­te zwi­schen der Bru­der­schaft und Rom zu geben, andern­falls ist nicht erklär­lich, war­um Rom anschei­nend kei­ne Infor­ma­tio­nen dar­über hat ob und ggf. wie und wann die Bru­der­schaft über die Erklä­rung des Gene­ral­ka­pi­tels 2012 hin­aus eine wei­te­re Erklä­rung abgibt.
    4. Erz­bi­schof Mül­ler plant in abseh­ba­rer Zeit den Druck auf die Bru­der­schaft zu erhö­hen, mit wel­chen Mit­teln, ist der­zeit nicht klar.

    Wei­te­re Infor­ma­tio­nen kann ich aus der Aus­sa­ge des Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on nicht ent­neh­men.

  16. Es war ja auch nichts ande­res zu erwar­ten von Erz­bi­schof Mül­ler, als dass die­ser das­sel­be Pro­gramm gegen die FSSPX wei­ter­fährt wie in sei­ner ehe­ma­li­gen Diö­ze­se? Nur Scha­de das die­ser moder­ni­sti­sche Häre­ti­ker nun genau der Vor­sit­zen­der der vati­ka­ni­schen Behör­de ist, die erstens: Sol­che Häre­si­en wie er sie in sei­nen Büchern ver­öf­fent­lich­te und auch in der Öffent­lich­keit aus­sprach, abstel­len und Ver­ur­tei­len soll­te? Und zwei­tens: Das genau die­ses vati­ka­ni­sche Dikaste­ri­en, Ver­ant­wor­lich ist für die Ver­hand­lun­gen mit der FSSPX. Und ver­mut­lich wird es sei­ne Exzel­lenz unge­heu­er Ärgern dass die FSSPX oder bes­ser gesagt der Gene­ral­obe­re und der Gene­ral­rat sich nicht so unter Druck set­zen lässt, und dass die­se nicht auch nur einen mm von Gott dem Herrn, Sei­nem Hei­li­gen Wil­len, der Hei­li­gen Tra­di­ti­on und den Glau­bens­wahr­hei­ten Sei­ner Einen, Hei­li­gen, Katho­li­schen und Apo­sto­li­schen Kir­che, abrücken wer­den. Gibt es einen Bes­se­ren Beweis dafür, dass die FSSPX die Eini­gung mit Rom, nicht um jeden Preis erzie­len möch­te??

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

    • Ich kann ihnen nur voll bei­pflich­ten.
      EB Mül­ler fährt genau den Kurs, den der deut­sche Kle­rus von ihm erwar­tet.
      Durch sein Ver­hal­ten als Bischof hat er sich eigent­lich nicht für die jetz­ti­ge Auf­ga­be qua­li­fi­ziert. Der viel­be­schwo­re­ne „Dia­log­pro­zess“ deut­scher Bischö­fe ist nichts als lee­res Geschwätz, denn er gilt für jeden, der die Kir­che ablehnt, nicht aber für die, die einen ehr­li­chen Dia­log bräuch­ten.
      Tra­di­ti­on ist für Mül­ler eher ein Schimpf­wort, man fasst es kaum.
      Ich wet­te sei­ner Ernen­nung ging ein Intri­gen­spiel der DBK vor­aus.
      Wie sie rich­tig sagen, sind sei­ne Aus­sa­gen in sei­nen Büchern vor­sich­tig gesagt grenz­wer­tig, vor allem mit Blick auf sein jet­zi­ges Amt.
      Auch ist sei­ne media­le Gel­tungs­sucht nur schwer erträg­lich, ein sol­ches Amt schreit gera­de­zu nach Dis­kre­ti­on und fein­ster Diplo­ma­tie.
      Mül­ler scheint den Jour­na­li­sten auf­zu­lau­ern um ihnen ein Inter­view auf­zu­zwin­gen.
      Die Aus­sa­ge mit der ‑Geduld mit FSSPX- ist eigent­lich eine Unver­fro­ren­heit, denn die ‑Geduld- geht vom hl.Vater aus und nicht von Mül­ler, außer­dem ist Bischof Noia zustän­dig und nicht der eit­le Herr aus Regens­burg.
      Er hät­te eigent­lich genug zu tun, allein die lit­ur­gi­schen Miß­bräu­che in der Welt­kir­che ein­zu­däm­men, statt immer wie­der medi­al wirk­sam auf FSSPX ein­zu­dre­schen, oder halt­lo­se Dro­hun­gen aus­zu­spre­chen.
      Lei­der ist die­ser Herr auf sei­nem jet­zi­gen Posten eine tota­le Fehl­be­set­zung.

      • (Armin, Micha­el:)
        Nun, EB Mül­ler ist ja nicht auf den Posten gebo­ren wor­den — er wur­de von jemand ein­ge­setzt!

        „Gibt es einen bes­se­ren Beweis dafür, dass man Rom nicht ver­trau­en kann und dass es naive/blauäugig — und gefähr­lich, sträf­lich! — war, dies zu tun?“

        • Das ist der Punkt, der mich in die Unsi­cher­heit gebracht hat. Als ich ver­ein­zelt Gerüch­te hör­te, über die mög­li­che Ernen­nung des Regens­bur­ger Bischofs zum Glau­bens­prä­fek­ten, hielt ich sie für unmög­lich. Als die sich dann ver­stärk­ten, wuchs mei­ne Sor­ge. Als die Ernen­nung erfolg­te, sah ich das Ende einer jetzt mög­li­chen Ein­glie­de­rung der FSSPX in die Kirche.Bis dahin war ich eine „glü­hen­de Anhän­ge­rin“ der Eini­gung. Dann kommt noch die moder­ni­sti­sche Theo­lo­gie von Erz­bi­schof Di Noia dazu.
          Ab wann sind die­se Ver­hand­lun­gen kon­tra­pro­duk­tiv? Ab wann müs­sen „die Theo­lo­gien“ der bei­den Haupt­an­sprech­part­ner für die FSSPX offen ange­grif­fen wer­den, weil sie den katho­li­schen Glau­ben gefähr­den? Mich bewe­gen die­se Fra­gen außer­or­dent­lich. Denn Rom ist bis in die Spit­zen der Hier­ar­chie moder­ni­sti­scher denn je. (Ich woll­te es nicht wahr­ha­ben, doch die Fak­ten zwin­gen mich zu der Aus­sa­ge).

        • Rich­tig, aber ich unter­stel­le dem Papst nur die besten Moti­ve.
          Aber schon wie bei der völ­lig über­flüs­si­gen Erhe­bung von Bischof Leh­mann in den Kar­di­nals­stand haben intri­gan­te Kräf­te aus Deustch­land dafür gesorgt.
          Bei Leh­mann war sein Freund Hel­mut Kohl, das ist gesi­cher­te Erkennt­nis, in fast erpres­se­ri­scher Wei­se tätig.
          Bei Mül­ler, der das JA Roms garan­tie­ren soll­te zur deut­schen Kir­chen­steu­er­fra­ge, stehn für mich Leh­mann / Zollitsch ganz vor­ne in der Erpres­se­rie­ge.

  17. Wenn jetzt in einer kath. Inter­net­zei­tung das Inter­view der „Welt“ mit dem Glau­bens­prä­fek­ten abge­druckt wird, dann könn­te sug­ge­riert wer­den: ‚Seht, die­se ver­stock­ten Tra­di­tio­na­li­sten. Was ist denn an den Wor­ten die­ses Glau­bens­prä­fek­ten „moder­ni­stisch“?
    Die Ant­wort dürf­te ein­fach sein: Das eine ist ein Inter­view, das ande­re die „Katho­li­sche Dog­ma­tik“ von Ger­hard Lud­wig Mül­ler. Die den soli­den „Grund­riss der Dog­ma­tik“ von Lud­wig Ott ersetzt hat in der deutsch­spra­chi­gen Dog­ma­tik.
    Aber das ist wirk­lich zu viel verlangt…die Quel­len studieren…und Gruß­wor­te lesen, wonach die pro­te­stan­ti­sche Auf­fas­sung von der „geein­ten unsicht­ba­ren Kir­che“ vom dama­li­gen Regens­bur­ger Bischof fast wört­lich über­nom­men wird.
    Im übri­gen wirft nie­mand dem „moder­ni­sti­schen Rom“ vor, SÄMTLICHE katho­li­schen Glau­bens­wahr­hei­ten über Bord gewor­fen zu haben…

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