Fiktiver Brief Don Camillos an eine abtreibungsentschlossene Frau

Fiktiver Brief Don Camillos an eine Frau die ihr ungeborenes Kind abtreiben töten umbringen will ungewollte Schwangerschaft will nicht schwanger sein Hilfe  Meine Liebe,

ich weiß, zu vie­le Per­so­nen sind dar­an inter­es­siert, daß Du Dich für die Tötung des Kin­des ent­schei­dest, das Du in Dei­nem Schoß trägst. Hab den­noch Geduld und hör mich an, zumin­dest der guten See­le von Dei­ner Groß­mutter wegen, die Dir bei­gebracht hat, wie man das Kreuz­zei­chen macht – erin­nerst Du Dich? – als Du bei ihr Sup­pe mit klei­nen stern­för­mi­gen Nudeln geges­sen hast. Eine geseg­ne­te Frau!

Die Bau­ern, wenn sie den Samen in die Erde streu­en, wis­sen genau, daß dort schon die Pflan­ze ent­hal­ten ist, was wür­de sie sonst ver­an­las­sen, die gan­ze Anstren­gung auf sich zu neh­men? Es könn­te ein Jahr der Dür­re wer­den, oder irgend­ein Para­sit könn­te die Ern­te rui­nie­ren, aber nie­mand zwei­felt dar­an, daß im Samen bereits die Pflan­ze steckt. Wenn der Bau­er nicht glau­ben wür­de, daß in der Natur ein gro­ßes Pro­jekt ist, dann, mei­ne Lie­be, wür­dest Du bald kei­ne Nah­rung mehr auf dem Tisch fin­den. Ihr aber, die Ihr Kant stu­diert habt, seid nicht ein­mal mehr sicher, ob die Milch wirk­lich von den Kühen kommt.

Im Schoß ist es, als wür­dest Du eine klei­ne Pflan­ze tra­gen, die sich ihren Weg bahnt, um ans Licht zu gelan­gen. Zwi­schen die­sen weni­gen Zel­len, die sich in Dir ver­meh­ren und dem Men­schen, den Du dann her­an­wach­sen siehst, gibt es eine unge­bro­che­ne Kon­ti­nui­tät, so wie zwi­schen dem Samen und der spä­te­ren Pflan­ze. Alle sind wir das gewor­den, was wir sind auf einem Weg, der nicht unter­bro­chen wur­de. Frü­her habe ich kei­ne Zigar­ren geraucht, aber ich war immer ich. Frü­her muß­te Dir die Groß­mutter das Essen ein­ge­ben, aber Du warst immer Du.

Du mußt aber den fun­da­men­ta­len Unter­schied zwi­schen dem Pro­jekt, das im Samen der Pflan­ze ist und dem des Seins, das Du in Dei­nem Schoß behü­test, beach­ten: Das Leben in Dei­nem Schoß ist poten­ti­ell imstan­de, Dir zu sagen: „Ich lie­be Dich“. Aber Ach­tung, soll­test Du Dich sei­ner ent­le­di­gen wol­len, weil es viel­leicht irgend­ei­ne Unvoll­kom­men­heit hat, erin­ne­re Dich, daß es des­halb nicht auf­hö­ren wür­de, poten­ti­ell imstan­de zu sein, Dir zu sagen: „Ich lie­be Dich“. Das heißt, es wür­de nicht auf­hö­ren ein Mensch zu sein. Im Men­schen gibt es ein Geheim­nis, etwas das ihn die­sen Kör­per sein läßt, aber gleich­zei­tig noch etwas mehr als die­sen Kör­per, das, was Dei­ne Groß­mutter – rich­ti­ger­wei­se – Dir bei­gebracht hat, See­le zu nen­nen. Eine geseg­ne­te Frau! Genau aus die­sem Grund tötet man kei­nen Men­schen, weil die­se See­le über die even­tu­el­le Unvoll­kom­men­heit des Kör­pers hin­aus­geht und er des­halb für immer poten­ti­ell imstan­de bleibt, Dir zu sagen: „Ich lie­be Dich“.

Wenn die Unvoll­kom­men­hei­ten dar­über ent­schei­den wür­den, was und wer ein Mensch ist, dann „Gute Nacht“ und „alle ab nach Hau­se“. Vor allem aber, wer wären dann die Super­män­ner, die dar­über ent­schei­den, wo ein Mensch beginnt und wo er auf­hört? Nicht ein­mal Pep­po­ne wür­de soweit gehen, trotz sei­ner Bol­sche­wi­ken. Wenn Dir aber die unglück­se­li­ge Idee, jenes mensch­li­che Wesen zu töten, das Du im Schoß trägst, nur des­halb gekom­men sein soll­te, weil Du es nicht „geplant“ hast, dann aber – ver­zeih mir – spü­re ich, daß es mir in den Hän­den krib­belt.

Und laß mich Dir noch eine letz­te Sache sagen. Die Lie­be, mei­ne Gute, ist kei­ne Sei­fen­oper wie „Gute Zei­ten, schlech­te Zei­ten“ und „Ver­bo­te­ne Lie­be“, son­dern eine ern­ste Sache. Ich weiß nicht, wann Du das letz­te Mal vor dem Kreuz gekniet bist, ich weiß aber, daß das die ein­zi­ge wirk­li­che Schu­le der Lie­be ist, die nicht ent­täuscht. In die­ser Schu­le lernst Du auch dem einen Sinn geben, das Dir kei­nen Sinn zu haben scheint.

Sowohl Du als auch das Kind, das Du töten möch­test, Ihr seid ein­ge­la­den, auf Jenen zu schau­en, den sie durch­bohrt haben, denn dank Ihm könnt Ihr über Eure Unvoll­kom­men­heit und auch über die Zeit hin­aus­ge­hen, dort­hin, wo das was bleibt, allein die Fähig­keit ist, Euch sagen zu kön­nen, mit Ihm und für Ihn, „Ich lie­be Dich“.

Und in die­sel­be Schu­le bring bit­te auch jenen Unglück­se­li­gen in Blue Jeans mit, der an der Zeu­gung des Kin­des betei­ligt war, um zu sehen, ob es ihm gelingt zu kapie­ren, daß man nicht für ein Mal liebt und dann Schluß, son­dern wenn man liebt, daß man es dann für immer tut.

Jetzt grü­ße ich Dich und denk an die Lek­ti­on Dei­ner Groß­mutter: Mach das Kreuz­zei­chen, bevor Du eine Ent­schei­dung triffst. Wenn Du etwas brauchst, weißt Du, wo ich bin, ich war­te immer auf Dich.

Text: Noti­zie Pro Vita 3/2012
Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Liber­tà  e Per­so­na

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